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Hosentasche gegen Taschendiebe «made in» Madagaskar

Hosentasche gegen Taschendiebe made in Madagaskar: Markt_Fianarantsoa.Collage_Hochland_Madagaskar_PRIORI-Reisen

Produkte und Ideen aus Madagaskar: Die Hosentasche gegen Taschendiebe

Beim Reisen in Madagaskar erlebt man vieles, unter anderem auch wie sich manche Frauen mit ganz einfachen Tricks gegen Taschendiebe schützen.

Ich hatte leider unterwegs meine Lieblingshose verloren. Nicht gestohlen, wie sie vielleicht zunächst denken mögen, sondern verwechselt beim Waschen. Darum lohnt es sich die Kleider, die man zurückbekommt von der Hotelwaschküche gut zu kontrollieren. So stehen Sie nicht plötzlich ein paar Tage später in einem ganz anderen Hotel wie ich, mit einer viel zu kleinen Hose in der Hand!

Eine neue Hose zu kaufen, gestaltete sich nicht einfach. Im Südwesten von Madagaskar ist es warm und auf den Altkleidermärkten gab es nur kurze, oder für mich, viel zu kleine Hosen.

In einem kleinen Badeort, während ich alle Stände ohne Glück am Strand durchschaute, beobachteten mich zwei junge Mädchen und fragten, ob ich etwas Bestimmtes suchen würde. «Eine Hose» war meine Antwort, worauf sie mich beide anlächelten und sagten, es würde keine am Strand geben, aber im Dorf gäbe es eine Näherin, die mir helfen könnte.

Die zwei Mädchen begleiteten mich ins Dorf und nach kurzer Zeit hatte ich Stoff ausgesucht und eine Anzahlung für meine neue Hose geleistet.

Meine zwei neuen Freundinnen trafen mich am kommenden Tag zum abgemachten Zeitpunkt und begleiteten mich wieder ins Dorf. Meine Freude war gross, als ich meine neue Hose anprobieren konnte. Die Näherin hatte sehr gute Arbeit geleistet und ich versprach ihr sie an meine Reisegäste weiterzuempfehlen. (Ifaty Mangily, kleiner Stoffladen, rechte Strassenseite, an der Strasse zwischen Hauptstrasse und Strand).

Auf meine Frage, warum die Öffnung meiner linken Hosentasche viel enger geschnitten sei, als meine rechte, lächelte Sie mich nur an und erklärte mir, dass sie diese absichtlich kleiner genäht hatte. Dies sei die Handyhosentasche und mit so einer Öffnung könne kein Taschendieb so schnell mein Handy entwenden!

Auch meine zwei Helferinnen hatten einen grossen Dank verdient. Als Andenken an diesen Tag schenkte ich Ihnen zwei Mitbringsel, die ich aus der Heimat mitgebracht hatte.

Hier finden Sie noch einen kleinen Film, den ich am Strand aufgezeichnet habe. Meine zwei Helferinnen können nicht nur gut helfen, sondern singen auch wunderschön!

Kleider und Temperaturen

Kleidung und Temperaturen in Madagaskar - Ein Eindruck von Antananarivo im August

Passende Kleidung und Temperaturen im Jahresverlauf in Madagagaskar

Madagaskar liegt südlich des Äquators und daher sind die Jahreszeiten gegenläufig. Wer von Juni bis August nach Madagaskar reist, sollte in Paris nicht in kurzen Hosen und Trägerkleid ins Flugzeug steigen. Die Ankunft in Antananarivo wird heftig sein. Die Stadt liegt auf über 1200 m ü. M. und in der Mitte des Jahres herrscht hier Winter. Tagsüber mag es 20 Grad mit einer kraftlosen, fahlen Sonne sein. Bei Sonnenuntergang um 18 Uhr kühlt es schnell ab auf eine Abendtemperatur von 15 Grad und nachts fällt die Temperatur auf unter 10 Grad. In Shorts aus dem Flugzeug zu steigen, ist daher etwas verwegen.

Zudem sollte die Ventilation während der zehnstündigen Fluges nicht unterschätzt werden. Besonders auf dem Heimflug erkälten sich viele Leute, weil sie in Antananarivo für ihren Rückflug leicht bekleidet in den Flieger steigen.

Im Stadtbild von Antananarivo fallen dürftig bekleidete Europäer während dieser Jahreszeit sofort auf.  Nicht nur wegen ihrer fahlen Haut, sondern auch durch die Kleidung. Es ist unangebracht, in Safariverkleidung und schweren Wanderschuhen in der Stadt herumzulaufen. Damit outet sich jeder sofort als Neuankömmling. Das bemerken natürlich die professionellen Taschendiebe sofort und mit sicherem Jägerinstinkt machen sie sich über ihre Opfer her.

Zwischen Juni und August ist die angebrachte Kleidung in Antananarivo und mithin auf dem Hochland: lange Hosen, T-Shirt und Hemd. Dazu eine Fleecejacke.
Madagassische Frauen gehen gern in Schuhen ohne Socken, tragen auch lange Hosen. Die städtische Bevölkerung kleidet sich eher „westlich“ und ihre Kleidung spiegelt den wirtschaftlichen Stand der Person. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist eher ärmlich gekleidet und daher ist es etwas unangebracht, sich in der jetzigen europäischen Mode der zerfetzten Jeans zu bewegen.

Trotz der schnellen abendlichen Abkühlung sollte man tagsüber die Sonneneinstrahlung nicht unterschätzen. Auch eine fahle Julisonne kann Sonnenbrand verursachen.

Nicht unbeachtet sollte man den Durchzug lassen, der andauernd und überall zu spüren ist. Es gibt ja keine Heizung in den Häusern. Die Türen und Fenster stehen oft einfach offen, auch um Tageslicht reinzulassen. In den ersten Tagen in Madagaskar, die sich ja meist auf dem Hochland abspielen, werden die schnell wechselnden Temperaturen, die launische Sonne und der flackerhafte Wind oft unterschätzt.

Myna, atemlos durch Antananarivo

Myna (Acridotheres tristis)
Myna (Acridotheres tristis)

Vogelart Myna (Acridotheres tristis)

Antananarivo, die Hauptstadt Madagaskars, ist bei Tagesanbruch noch ruhig. Der Verkehrslärm und die Menschenstimmen haben den akustischen Raum noch nicht erobert. Dafür aber bohrt sich ein eindringlicher Gesang durch die Morgenstunden: der Myna (Acridotheres tristis). Dieser Vogel hat sich so erfolgreich an die städtischen Gegebenheiten angepasst, dass man ihn in allen grossen Siedlungen des Indischen Ozeans antrifft. Ob Kalkutta, Johannesburg oder eben auch Antananarivo. Der Vogel ist nicht einfach ein Kulturfolger, sondern bevorzugt dichtbewohnte Gebiete.

Der Vogel gehört zur Familie der Stare und ist gut erkennbar: der gelbe Schnabel geht in eine gelbe Brille über. Er trägt eine schwarze Kopfhaube und ein braunes Gefieder mit heller Unterseite. Beim Fliegen sind weisse Streifen auf den Flügeln zu sehen. Der etwa taubengrosse Vogel wird in der madagassischen Sprache Maritaina genannt und zu Deutsch Hirtenmaina.

In Antananarivo sind die Myna allgegenwärtig. Oft sieht man sie in Paaren, die sich aber innerhalb von grösseren Gruppen aufhalten. Mehr aber fallen sie durch ihren lautstarken Gesang auf. Ein durchdringender, abgehakter Ton, der weithin hörbar die monotone Geräuschkulisse der Stadt übertönt. Sein kurzer Ruf ist morgens unverkennbar zu hören und dann wieder bei Sonnenuntergang. Tagsüber ist der Vogel etwas ruhiger.

Die aus dem indischen Raum stammende Vogelart hat sich in mehreren Unterarten grossflächig verbreitet, nicht nur in Südasien, sondern bis hin nach Australien und auf den amerikanischen Kontinent. In Madagaskar wurde er vor zweihundert Jahren eingeführt, um die Heuschreckenplage zu bekämpfen. Sein lateinischer Name bedeutet: trauriger Heuschreckenjäger.  Doch der Vogel liess sich nicht dazu einspannen. Statt im fast menschenleeren Süden der Tropeninsel nach Larven und Wanderheuschrecken zu jagen, liess er sich lieber in bewohnten Gebieten nieder und verdrängte gar andere Vogelarten. Der sehr invasive Myna passt sich schnell an die Gegebenheiten der Menschensiedlungen an, sodass er heutzutage sogar zum Charaktervogel tropischer Städte geworden ist.

Ornithologen fahren nicht wegen des gesangfreudigen Myna nach Madagaskar. Dazu hat die Insel im Indischen Ozean weit interessantere und seltenere Vogelarten zu bieten. Zudem gilt der Myna vielerorts als Schädling. Nichtsdestotrotz gehören heutzutage der wenig scheue Vogel und sein atemloser Gesang zum Stadtbild wie Helene Fischer auf die Bühne.

Madagaskars Zwiebelgeschichte

Produktion von Zwiebeln: Madagaskars Zwiebelgeschichte

Die Produktion von Zwiebeln: Madagaskars Zwiebelgeschichte, ein schwerer Start mit Happy End

Ein Text über die Zwiebel-Produktion, ihre Verwendung in der Küche und anderswo, und madagassischen Sprichwörtern.

Die Zwiebel…dieses in Madagaskar lange unbekanntes Gemüse hat sich nur langsam ihren guten Ruf erarbeitet, obwohl sie eine lange Tradition auf der Insel hat. Heute ist sie nicht mehr aus der madagassischen Küche und Kultur wegzudenken. Was ist geschehen?

Als Nutzgemüse war die Zwiebel lange Zeit als „volin ampela“ eingeordnet: den Frauen zugehörend. Mit der Zeit ist die Zwiebel eine rentable Spekulation für Familien geworden. Zwiebeln werden im Westen, Osten, Norden und Süden Madagaskars angebaut, und zwar sowohl in der Trockenzeit als auch in der Regenzeit. Obwohl sie heute das am viertmeisten konsumierte Gemüse Madagaskars ist, ist die Zwiebel dennoch im Grossteil der Insel nur als Grundnahrungsmittel bekannt. Ihre zahlreichen möglichen Verwendungsweisen in der Küche, aber auch als Medikament haben sich mit der Zeit kaum entwickelt und sind den meisten Madagassen nur sehr grundlegend bekannt.

Seit der Einführung der Zwiebel in Madagaskar im 15. Jahrhundert durch arabische Händler wurde das Gemüse stets von Familien zur Selbstversorgung angebaut. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Kolonialverwaltung den Export der Zwiebel nach Afrika initiiert, aber erst in den 1970er Jahren hat die Zwiebel einen Aufschwung erfahren und wurde zum am meisten angebauten Gemüse der Insel. Erst zu dieser Zeit fingen Familien auch an, Zwiebeln für den Handel anzubauen, anstatt nur für sich selbst. Zudem verlangten die Marktaufsicht für Export und die lokalen Stadtzentren von den Produzenten, sich auf eine Gemüsesorte zu spezialisieren.

In Madagaskar ist die Zwiebel unter dem Namen „tongolo ejypta“, ägyptische Kartoffel aufgrund ihrer Herkunft, bekannt oder unter dem Namen „tongolo be“, grosse Zwiebel, in Bezug auf die kleinere Knoblauchzwiebel (tongolo lay). Das Wort „tongolo“ wurde vom Swahili-Wort „Kitunguu“ abgeleitet.

Indische Händler haben die Zwiebel nach Madagaskar gebracht und zuerst im Nordwesten der Insel, dort wo sie angelegt haben, verbreitet. In den 1930er Jahren hat sich die Zwiebel in der Region Sofia (im Nordwesten Madagaskars) schnell als Gemüse etabliert und von hier aus hat sie Einzug auf die ganze Insel erhalten, was durch die Öffnung der ersten geteerten Strasse sehr erleichtert wurde. In den 1960er Jahren hatte die Zwiebel den Norden Antananarivos erreicht.

Einige Gläubige, vor allem im Hochland Madagaskars, verboten die Zwiebel an bestimmten religiösen Orten. Doch der wirtschaftliche Wert des Produkts veranlasste die Bevölkerung bald, die Tabus und Mythen nicht mehr zu glauben, dass die Zwiebel die Reisernte vernichte oder Lepra auslöse. Im Laufe der Zeit, vor allem mit der Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe in den 1990er Jahren, hat die Zwiebel sich ihren Platz in Madagaskar verdient – sie ist nicht mehr wegzudenken aus der Gemüselandschaft der Insel und wird seitdem in immer neuen Gebieten angebaut.

Die zuletzt neuen Anbaugebiete sind die Gräben rund um den Fluss Mandrare in Anosy und Androy. Die Bauern dieser Region haben sich um die Jahrtausendwende herum auf den Zwiebelanbau spezialisiert. Die Gebiete rund um Tuléar und um Sofia sind momentan die grössten Anbaugebiete und Exportmeister für Zwiebeln in Madagaskar.

Die meistgezüchteten Zwiebelsorten Madagaskars sind „Red Créole“, „die Rote aus Tana“ (Rouge de Tana) und die „Violet de Galmi“. Die rote Zwiebelsorte „Noflaye“ ist die meistgekaufte Zwiebel auf dem Markt. Immer wieder werden auch neue Sorten gezüchtet.

Der Literatur zufolge unterscheiden sich die madagassischen Zwiebeln je nach Anbaugebiet. Grundsätzlich ähneln die runden Zwiebeln jedoch grundsätzlich in Form und Farbe der Sorte „Red Créole“ und die flacheren der Sorte „Violet de Galmi“. Die verschiedenen Zwiebelsorten in Madagaskar unterscheiden sich dabei nur gering. Manche Forscher hinterfragen sogar, ob es überhaupt gerechtfertigt ist von typisch madagassischen Zwiebel-Kultivaten zu sprechen.

Bei den madagassischen Bauern bekommen die Zwiebelsorten übrigens Namen entsprechend ihrer Anbauregion. Man findet beispielsweise die Sorte „Manakana“ in Ambatrondrazaka oder die Sorte „menakely (kleine Rote) aus Mampikony“,…

Die Bauern produzieren dabei auch immer Zwiebelsorten und Varietäten entsprechend den klimatischen Bedingungen vor Ort, ebenso wie entsprechend ihren landwirtschaftlichen Möglichkeiten und ihrer Kultur. So sind zum Beispiel neue Zwiebelsorten sehr selten, da die madagassische Gesetzeslage es verbietet, deren Ableger einzuführen: es sollen Krankheiten vermieden werden, die durch den Boden übertragen werden und so auch die heimischen Pflanzen angreifen können.

Im Westen und Süden Madagaskars wird die Zwiebel in der Trockenzeit von Mitte Juni bis Ende Oktober angebaut. Die Zwiebel wird meist in bewässerten Zonen, vor allem entlang von Wasserläufen, bei Ebbe, in den „baiboho“, dem Schwemmland in Reisfeldern, das sich dort durch Fluten abgelagert hat oder während der Brache dort, angebaut.

Im Hochland und im Osten Madagaskars wird die Zwiebel meist in der Regenzeit auf dem besten Land angebaut, aber auch ausserhalb der Saison.  Die Anbautechniken sind auf der ganzen Insel gleich: entweder werden die Samen direkt gesät und dann umgepflanzt, oder durch Pflanzen von jungen Zwiebelpflanzen. Überall in Madagaskar erlauben es der landwirtschaftliche Pflanzkalender, die verschiedenen Anbautechniken sowie das landwirtschaftliche Potenzial der Anbaugebiete, dass Bauern die Zwiebeln zu jeder Jahreszeit pflanzen.

Bis auf zwei Ausnahmen sind die Erntezeiten für die Zwiebeln in ganz Madagaskar von August bis November. In der Region Ambatondrazaka gibt es allerdings zwei Ernten pro Jahr: von April bis Juni und von Oktober bis Dezember. Und in der Zone um Mampikony können die Zwiebeln bereits ab Juni geerntet werden.

Der Zwiebelpreis ist niemals fix und variiert von Jahreszeit zu Jahreszeit. Von März bis Mitte Juli schiesst der Preis in die Höhe, weil der Markt eine vorübergehende Verknappung erlebt. Ausserdem bestimmt das Vorhandensein von Wasser sehr stark den Anbau der Zwiebel, da die Pflanzen sehr darauf angewiesen sind. Jedes Jahr werden entweder zuviele Zwiebeln produziert, oder sie ist ein knappes Gut. Die jährliche Zwiebelproduktion in Madagaskar beläuft sich nach Schätzungen der PHBM (Projektentwicklung des oberen Mandrare-Beckens) auf rund 18.500 Tonnen.

Die Zwiebeln werden hauptsächlich auf dem Inlandsmarkt und vor allem in den grossen Städten verkauft, wo die meisten Abnehmer sind. Aber Madagaskar exportiert auch auf die anderen Inseln im Indischen Ozean, wo wiederum Réunion vor den Komoren, den Seychellen und Mauritius der grösste Exporteur für Zwiebeln ist. Doch Madagaskar schafft es nicht, mehr als 2000 bis 3000 Tonnen Zwiebeln pro Jahr zu exportieren, auch wenn man alle Anbaugebiete zusammenfasst. Dabei liegt die Nachfrage bei weit über 9000 Tonnen. In den Jahren 2001 bis 2004 lag sie sogar bei 12.500 bis 15.000 Tonnen!

Regionale Marktbündnisse wie SADC (Southern African Development Community), COMESA (Marktzusammenschluss für das Südliche und Östliche Afrika) und COI (Kommission des Indischen Ozeans) beginnen, sich für die Zwiebeln aus Madagaskar zu interessieren. Madagaskar ist durch seine Lage ab der Hauptrouten und den damit verbundenen Mehrkosten für Transport sanktioniert. Deshalb versucht das Land bei der Entwicklung des Zwiebel-Sektors auf Qualität zu setzen anstatt auf Masse.

Doch auch diese Ausrichtung gestaltet sich schwierig: die Auslieferung der Zwiebeln von der Ernte zu den verschiedenen Märkten wird durch den schlechten Zustand der Strassen behindert, gleichzeitig werden Kalibrierungsstandards von Zwischenhändlern oft nicht eingehalten oder sind unsicher. Kurz gesagt bleibt der Zwiebelsektor Madagaskars problematisch, denn die Lagerung der Zwiebeln ist nicht gut kontrolliert und es fehlt an Organisation zwischen den Produzenten und den Aufkäufern. Oft halten sich die Produzenten nicht an die Ankunft der Händler, welche die Marktgesetze regeln.

Was den Verzehr von Zwiebeln in Madagaskar betrifft ist es so, dass das Gemüse meist als Gewürz verwendet wird: in Saucen mit Tomaten und / oder Fleisch gekocht, auch in Kombination mit anderem Gemüse wird es zu Reis serviert. Zwiebeln werden häufig in Essig eingelegt (für Salatsaucen und Pickles) und neben anderen Gemüsepickles (aus Kohl, Karotten, Gurken, Tomaten oder Rougail) gegessen.

Die Verwendung der Zwiebel als Gemüse, wie beispielsweise Karotte oder Kartoffel, ist auf Madagaskar nach wie vor unbekannt. Nur die reiche Bevölkerung der grossen Städte verbrauchen grosse Mengen Zwiebeln als Gewürz oder Gemüse, zum Beispiel für das berühmte Gericht „Schweinshaxe mit Zwiebeln“. Die meisten Zwiebelproduzenten gaben bei einer Befragung an, dass sie selbst gar keine Zwiebeln essen, andere erzählten, dass sie rohe Zwiebeln als Beilage zu Reis essen.

Die Zwiebel hat gleichzeitig sehr viele therapeutische Eigenschaften: Sie ist ein Hausmittel gegen Grippe und Husten sowie bei Insektenstichen und anderen Wunden.

Bei einer noch kleinen Gruppe der madagassischen Bevölkerung, die sich für Bioprodukte begeistert, ist die Zwiebel gefeiert, und vor allem für kosmetischen Behandlungen (gegen Haarausfall) ist sie beliebt.

Aufgrund ihres intensiven, oft als unangenehm empfundenen Geruchs gibt es in Madagaskar folgende Zwiebel-Sprichwörter:

Tongolo maty taho, ka be fofona amin’ny tany: Zwiebeln, deren Stiel abgefallen ist, riechen sehr schlecht. – Böse Taten verbreiten einen üblen Geruch.

Aza mandrora olon-tsy maimbo, ka hatao mangidy be fofona , ohatra ny tongolo  tapa-bilany, ka mangidy be fofona:  Spuckt nicht in der Nähe von Menschen, die nicht schlecht riechen, behandelt sie wie einen Topf halb gefüllt mit stark riechenden Zwiebeln. – Nehmt euch in Acht vor denen, die die Revolte anführen und von denen falsche Gerüchte gestreut werden

Es gibt auch einen madagassischen Ausdruck, der gleichzeitig als Sprichwort verwendet wird: „Manina ny tongolon’i Ejipta“ – „Die Nostalgie der Ägyptischen Zwiebeln haben.“ Dieses Zitat wurde von Madagassen vom Original aus der Bibel Kapitel 11, Vers 5-6 abgewandelt: Dort wird die Lage der Hebräer beschrieben, die von Moses angeführt nach Ägypten zurückkehren möchten…und die, als sie ohne alles in der Wüste ankommen an all die guten Dinge von Ägypten denken – Fisch, Gemüse aller Art…und sogar die Zwiebel wird dort genannt. Die Madagassen verwenden diesen Ausdruck, wenn sie sich auf etwas beziehen, was nicht mehr existiert, aber was für sie eine perfekte Situation war/ wäre. Sie verwenden ihn auch, um jemanden daran zu erinnern, dass dieser einer vergangenen Situation nachtrauert und idealisiert, die so nicht mehr vorhanden ist.

Der Zwiebelanbau in Madagaskar geht voran und erweitert seinen Horizont, aber es bleibt noch viel zu tun, damit die Zwiebel das Niveau der anderen Exportprodukte erreicht.

Die Eisenbahn in Madagaskar

Die Eisenbahn in Madagaskar: Chemin de fer , Madagascar
 

Eisenbahn in Madagaskar: Streckenverläufe Zuverlässigkeit und Geschichte

1984 fuhren noch vier Passagierzüge von Antananarivo nach Antsirabe. Seit vielen Jahren kein einziger mehr. Damals verkehrten noch drei tägliche Personenzüge von der Hauptstadt nach Tamatave. Die 370 km lange Fahrt dauerte um die neun Stunden und war bezüglich Zuverlässigkeit auf ziemlich hohem Niveau. Heute kann man als Passagier nicht mehr mit der Eisenbahn von Antananarivo nach Tamatave reisen.

1901 begann die Kolonialmacht Frankreich mit dem Eisenbahnbau in Madagaskar. Es entstand ein Netz von 850 Kilometern. Mit der Unabhängigkeit 1960 erbte Madagaskar ein funktionierendes und intaktes Eisenbahnsystem, bestehend aus zwei unabhängigen Netzen in Meterspur. Einerseits von der Hauptstadt gegen Süden nach Antsirabe und andererseits an die Ostküste zum Hafen Tamatave und mit einer Seitenlinie zum Reisgebiet um Ambatondrazaka.

In den bitteren 1980er Jahren und den unstabilen 1990er Jahren degradierten die Bahnstrukturen dramatisch. Gleichzeitig wurden die Frequenzen reduziert oder gar eingestellt.

Um die Jahrhundertwende war die staatliche Eisenbahngesellschaft „Réseau National des Chemins de Fer Malagasy“ (RNCFM) bankrott. Der Staat privatisierte das Nordnetz, betreibt aber weiterhin das Südnetz. Auf dem Nordnetz kümmert sich Madarail um den Betrieb und interessiert sich primär für den lukrativen Frachtverkehr des Bergbaus. Dafür wurden auch neue Schienenstränge verlegt. Der Personenverkehr ist zweitrangig. Trotzdem verkehren noch Passagierzüge, oft in gemischter Form mit Frachtverkehr. Der Fahrplan ist ziemlich verlässlich, jedenfalls bezüglich der Abfahrtszeit.

Eisenbahn in Madagaskar: Madarail MadagascarDie Südbahn von Fianarantsoa nach Manakara hingegen hangelt sich tagtäglich am Abgrund vorbei. Die Fianarantsoa-Côte Est (FCE) hat nur noch eine fahrtüchtige Lokomotive, die aber sehr oft „en panne“ ist. Der Fahrplan ist bis auf wenige Fahrten pro Woche ausgedünnt. Die Südbahn wird zuweilen als Dschungel-Express bezeichnet und dies ist eher sarkastisch zu verstehen. Für die Bevölkerung spielt die 160 km lange Linie aber weiterhin eine grosse Rolle. Der Bau dieser Linie begann 1926 und war das schwierigste Bahnbauprojekt, das Frankreich je in seinen Kolonien durchführte. Brücken, Tunnels und unstabiles Gelände waren technische Herausforderungen. Der Unterhalt der Linie ist aus Budgetgründen nur mangelhaft. Zudem verursachen Zyklone regelmässig erhebliche Schäden.

Entlang aller Schienennetze führen Strassen, in die in den letzten 20-30 Jahren erheblich investiert wurde. Das bedeutet nicht, dass sie gut sind, aber der Löwenanteil an Gütern und Personen wird heutzutage auf der Strasse transportiert. Trotzdem bedienen die Eisenbahnen heute noch Dörfer, die auf dem Strassenweg nicht oder sehr schlecht erreichbar sind.

Abgesehen von diesen zwei Bahnnetzen finden sich auf Madagaskar auch an weiteren Orten Spuren von Eisenbahnen. Die frühere Zuckerbahn auf der Insel Nosy Be transportierte mit zwei Dampflokomotiven auf 25 km Zuckerrohr zur Fabrik und Zucker zum Hafen. Der Betrieb wurde in den 1980er Jahren eingestellt. In Diégo-Suarez gab es zu frühen Kolonialzeiten eine Schmalspurbahn, die als Stadttram funktionierte. Der Bau einer Stichbahn südlich von Tulear hingegen wurde nie beendet. Sie war für den Abtransport von Kohle geplant worden.

 

Eisenbahn in Madagaskar: Fahrplan von PRIORI Reisen
Fahrplan für die Eisenbahn in Madagaskar

Madagaskar an der FESPO in Zürich

Madagaskar = PRIORI = Madagaskarhaus Basel
Madagaskar = PRIORI = Madagaskarhaus Basel

Ja, die Ferienmesse in Zürich findet dieses Wochenende im Januar 2018 statt. Madagaskar ist auch vertreten und dies auf dem Stand von PRIORI Madagaskarhaus. Der umfangreiche Katalog und die Präsenz von wahren Madagaskar-Kennern unterstreichen das Engagement von PRIORI für Madagaskar. Die Insel im Indischen Ozean hat im letzten halben Jahr eher negative Schlagzeilen geschrieben. Die Pest und dann der Zyklon Ava mit seinen Überschwemmungen landeten in der Weltpresse. Doch die Leute in Madagaskar lassen sich nicht unterkriegen. Das Leben geht weiter.

Madagaskar ist UNO-Mitglied und wenn auch die Hausaufgaben nicht sonderlich gut gemacht werden, die über 24 Millionen Einwohner führen einen zähen Überlebenskampf. Trotzdem haben sie immer ein Lächeln und sind gastfreundlich wie kaum anderswo.

Madagaskar an der Grenzenlos Ferienmesse

Madagaskar PRIORI Ferienmesse St Gallen
 

Madagaskar ist „Grenzenlos“ mit PRIORI

Madagaskar ist an der Grenzenlos in St Gallen. Diese Ferienmesse greift weit in die Welt hinaus und will die endlosen Möglichkeiten zeigen, die unsere grosse weite Welt bietet. So darf auch Madagaskar nicht fehlen. Die grosse Insel im Indischen Ozean bietet Natur und Kultur, Abenteuer und Entspannung.

Die in Basel und vor Ort in Madagaskar beheimatete Reiseorganisation PRIORI bringt Madagaskar näher: am Stand in St Gallen, aber auch im Madagaskarhaus in Basel und zudem durch den neuen Katalog.

Zyklon 2018 in Madagaskar

Zyklon 2018 Madagaskar © Giovanna_Satellitenbild_Madagaskar

 

Zyklon 2018 in Madagaskar

(18. Januar 2018) Kaum hat sich in Madagaskar der wasserreiche Zyklon Ava in die Weiten des Indischen Ozeans verzogen, schleicht sich der nächste Zyklon heran. Er heisst Berguitta und baute sich in den letzten Tagen östlich von Mauritius auf. Vor wenigen Stunden ist er über Mauritius gerast und hat Zerstörungen hinterlassen. Er ist La Réunion direkt gefährlich, falls er den jetzt eingeschlagenen Weg einhält. Vorsichtshalber wurden Flugzeuge bereits umgeleitet.

Berguitta ist der zweite Zyklon der Saison 2017/2018. Das erkennt man am Anfangsbuchstaben. Die Zyklonnamen werden jeweils von den Ländern rings um den Indischen Ozean im Voraus vergeben.  Die Namen der Saison 17/18 sind Ava (Namensgeber Madagaskar), Berguitta (Seychellen), Cebile (Zimbabwe), Dumazile (Swaziland), Eliakim (Kenya), Fakir (Komoren), Guambe (Mozambique), Habana (Botswana), Iman (Maurice), Jobo (Lesotho), Kanga (Südafrika), Ludzi (Malawi), Melina (Tansania), Nathan (Frankreich), Onias (Zimbabwe), Pelagie (Madagaskar), Quamar, Rita, Solani, Tarik, Urilia, Vuyane, Wagner, Xusa, Yarona, Zacarias.

Madagaskartag 2018

PRIORI Madagaskartag 2018

 

Auch in diesem Jahr möchten wir gerne wieder alle Madagaskarfans sowie Reiseinteressenten herzlich zu unserem PRIORI-Madagaskartag 2018 einladen! Wir präsentieren einen vollen Tag rund um die grosse Tropeninsel Madagaskar, mit spannenden Vorträgen, erfahrenen Madagaskarexperten, Foto-Slideshows, interessanten Insidertipps sowie den Austausch rund um die Insel im Indischen Ozean. Das PRIORI-Team gibt gerne Auskunft, beantwortet ausführlich Ihre Fragen und berät Sie zu Ihrer nächsten Reise nach Madagaskar. Auch Bücher sowie originale Produkte aus Madagaskar können hier erworben werden. Wir freuen uns, Sie auf unserem nunmehr achten Madagaskartag begrüssen zu dürfen!
am Samstag, den 24. November 2018

von 10:00 bis 18:00 Uhr

in der Heilpädagogischen Schule in Münchenstein, bei Basel
(Lärchenstrasse 7, 4142 Münchenstein)

Der Eintritt ist wie immer frei.

Auch dieses Jahr werden wir Ihnen gegen einen Unkostenbeitrag gerne ein madagassisch inspiriertes Mittagessen reichen.

Um verbindliche Anmeldung zum PRIORI-Madagaskartag 2018 sowie zum Mittagessen wird gebeten unter info@priori.ch oder telefonisch unter +41 (0)61 332 19 27.

Wegbeschreibung zur HPS in Münchenstein:

Tram Nr. 11 bis Haltestelle Loogstrasse – Loogstrasse Richtung Katholische Kirche (100 m) – erste Abzweigung links: Lärchenstrasse.
(Für SBB-Anreisende: mit der SBB bis Bahnhof SBB Basel, dann im Vorplatz rechte Seite das gelbe Tram Nr 11 nehmen (der ‘Kopf’ des Trams muss in Richtung Bahnhofgebäude schauen), danach die 8. Haltestelle (Loogstrasse) aussteigen, über die Geleise im rechten Winkel in die Loogstrasse in Richtung Kirchenturm gehen. Sobald die Kirchenuhr gut sichtbar ist, links abbiegen (Distanz von Tramhaltestelle bis zur Schule: 200 m)
Mit dem Auto nach Basel Dreispitz fahren, dann Tram Nr. 11 folgen – Bei der Haltestelle Loogstrasse (aus Basel herkommend) links abbiegen – erste Abzweigung links (100 m) nehmen: Lärchenstrasse.
Anreiseplan:
http://map.search.ch/4142-muenchenstein/laerchenstr.7?z=512

Papierherstellung in Madagaskar

Antaimoro Papier - Papierherstellung in Madagaskar

 

Ein Einblick in die Antaimoro Papierherstellung

Sorabe heissen die heiligen Bücher, in denen Weisheiten der arabischen Einwanderer niedergeschrieben wurden, die im 13. Jahrhundert an der Südostküste Madagaskars landeten. Sie brachten die Kunst des Schreibens mit und hielten ihre religiösen Formulierungen, Heilsprüche und Zukunftsdeutungen in arabischer Schrift fest. Somit ist arabisch die erste in Madagaskar benutzte Schrift.

Das Papier stellten die Antaimoro selber aus Pflanzenmaterialien her. Diese Kunst des Papierherstellens hat sich über Jahrhunderte gehalten, eher in einem eingeschworenen Kreis, denn die Heiligen Bücher durften nicht von fremden Augen gesehen werden. Erst die Kolonialausstellung von Paris, 1931, machte dieses Naturpapier bekannt.

Dies hingegen weckte das Interesse von Pierre Mathieu, einem französischen Kaffeepflanzer an der Ostküste Madagaskars. Erst in Manakara, dann schliesslich ab 1936 in Ambalavao in einer stillgelegten Konservenfabrik, stellte er seine Version des Antaimoro-Papiers her. Dies dank Insiderwissen eines Antaimoro, Rangahy Armand, der im Betrieb mitarbeitete.

Im Laufe der Produktionsjahre verlor das Papier seinen sakralen Wert. In die Papiermasse wurden getrocknete Blumen eingelegt, Blätter und Blüten. Das sah dekorativ auf Lampenschirmen aus oder als ungewöhnliches Briefpapier. Postergrosse Papiere wurden als Paravent eingearbeitet. Doch das Antaimoro-Papier diente nicht mehr heiligen Zwecken.

Pierre Mathieu starb 1948 und seine Frau fabrizierte im Betrieb weiter mit einem quasi kolonialen Monopol. Als auch Armand 1967 starb, begann ein unschöner Kampf um ‘Markenrechte’. Armand hatte sein Wissen seinen Kindern weitergegeben, die ab den 1970er Jahren selber Ateliers eröffneten. Daher finden sich heutzutage mehrere Fabrikationsstellen in der Agglomeration der Hauptstadt und an anderen Orten. Alle behaupten, das ‘originale’ Antaimoro-Papier herzustellen.

In Madagaskar wird Papier generell taratasy genannt, was auch Brief oder Meldung bedeutet. Das Papier Antaimoro wurde nie dieser Kategorie zugeordnet. Interessant aber, dass die Strasse der Antaimoro-Produktion in Ambalavao heute noch Ambalataratasy (Park des Papiers) genannt wird.

Heutzutage ist ein Besuch der Papierherstellung in Ambalavao fester Bestandteil einer Reise auf der RN7 gegen Süden. Der Ort hat jedoch seinen Charme verloren und die Herstellung scheint nur noch eine magere Touristenshow geworden zu sein.

Was derweil mit den heiligen Büchern, deren Papier und Schrift im Land der Antaimoro geschieht, bleibt geheim und das ist auch gut so.