Archiv der Kategorie: Allgemein

Reiten in Madagaskar

Reiten in Madagaskar - braunes Pferd vor blauer Reklametafel mit madagassischem Reiter

Natürlich geht niemand allein wegen Pferden und dem Reitsport nach Madagaskar. Denn die grosse Insel im Indischen Ozean hat keine eigentliche Pferdekultur. Die ersten Pferde wurden von den französischen Kolonisatoren im 19. Jahrhundert eingeführt und hatten grosse Schwierigkeiten, sich ans Klima zu gewöhnen. Besonders an der Küste ist die Temperatur zwischen Dezember und Februar sehr hoch, zudem herrscht dann die Regenzeit. Zwar gibt es in Madagaskar keine Tsetsefliege, die sonst im Grossteil von Kontinentalafrika und sogar im trockenen Namibia vorkommt. Doch die eingeführten Pferde gingen ein aufgrund des Klimas, der Bodenbeschaffenheit und wohl auch aufgrund der mangelnden Pflege.

Das musste auch 1895 das französische Expeditionskorps erleben, das neun qualvolle Monate brauchte, um vom Hafenort Mahajunga bis zur 500 km entfernten Hauptstadt Antananarivo vorzustossen. Es war nicht der Gegner, der die grossen Verluste verursachte, sondern das schwierige Terrain, Sumpf und Krankheiten. Von den 15.000 Mann starb fast die Hälfte, meist an Malaria.

Der Trupp wurde begleitet von 3.355 Pferden und Maultieren, um die 30’000 Tonnen Material zu schleppen. Die Transportkarren der französischen Truppen, Levebre-Waggons genannt, erwiesen sich als nicht geländegängig und die Zugtiere als zu schwach.

Während der Kolonialzeit wurden Pferde nur auf dem Hochland von einzelnen Liebhabern gehalten. Als Zug- und Lasttiere konnten sie sich gegen die zähen Zebuochsen nicht durchsetzen. Noch heute wird in Madagaskar der Grossteil der Nahtransporte von Ochsengespannen erledigt, die die schweren Holzkarren ziehen. Nach der Unabhängigkeit Madagaskars 1960 und den bitteren Jahren der Verarmung war die Pferdehaltung ein Luxus, den sich nur eine Handvoll Halter leisten konnten. In nur wenigen Orten wurden Pferde als Zugtiere von Personenkutschen genutzt.

Pferdekutsche in Madagaskar

Bei Unabhängigkeit gab es in Madagaskar um die 2000 Pferde, vor zehn Jahren waren es nur noch 350 und derzeit mögen es knapp 500 sein. Die Pferde stammen aus verschiedener Herkunft. In den vielleicht 150 Jahren, in denen es Pferde auf Madagaskar gibt, wurden Tiere aus Mauritius eingeführt, auch aus Frankreich und gar aus Südamerika. Aus der Kreuzung all dieser Pferderassen hat sich quasi ein eigener Typ entwickelt, der aber als eigene Madagaskar-Rasse nicht anerkannt ist. Auch Esel und Maultiere wurden ab und zu eingeführt, doch es ist äusserst selten, dass man einen Esel auf Madagaskar zu sehen kriegt. Mag sein, dass es in ganz Madagaskar, immerhin über 14-mal grösser als die Schweiz, um die 40 Esel gibt und dies primär im staubtrockenen Süden.

Mit der langsamen und wackelhaften Stabilisierung Madagaskar in den Nullerjahren entstanden hier und dort Reitställe und Pferdereitclubs. Sie agieren heutzutage nach internationalen Massstäben und organisieren nun auch sogar Turniere. In Antsirabe gibt es seit den Kolonialzeiten sogar ein Hippodrome mit von der Bevölkerung lautstark mitverfolgten Pferderennen.

Wer also auf seiner Reise durch Madagaskar auch mal in den Sattel steigen will, findet auf dem Hochland ein paar korrekte Reitställe. Ebenso im western-artigen Felsengebirge von Isalo und an der Küste in Tamatave und auf Nosy Be.

Reisegeschenke in Madagaskar

Freude schenken mit Seifenblasen

Was haben ein Gummiband, eine Büchse mit Seifenwasser, Fussbälle und Sparschäler gemeinsam? Sie alle sind sehr gut geeignet als Eisbrecher und Geschenke für unterwegs in Madagaskar.

Wir als Reiseveranstalter, spezialisiert auf Madagaskar, hören oft die Frage: „Was kann ich nach Madagaskar mitnehmen, um es unterwegs zu verschenken?

Selbstverständlich stehen Schweizer Taschenmesser, Seifen und Kleider hoch im Kurs – aber, es gibt weitere sehr geeignete Dinge, um unterwegs mit den Einheimischen in Kontakt zu treten.

Auf den Märkten in Madagaskar sieht man oft, wie die lokalen Frauen zum Teil mit einer Rasierklinge oder mit ganz einfachen selbergemachten Schälern Karotten-Julienne für den Verkauf zubereiten. Ein richtiger Sparschäler kann einer Frau nicht nur viel Zeit bei der Arbeit sparen, sondern ihr auch ein grösseres Einkommen ermöglichen. Einen Sparschäler sollte man aber nicht einfach so verschenken, sondern damit ein Tauschgeschäft (gegen ein paar extra Karotten, einen madagassischen Sparschäler etc.) machen. So ist es eine Win-Win – Situation für beide Seiten und wir als Vazaha (Fremde) sind nicht nur jene, die geben. Bei einem fairen Tauschgeschäft begegnen uns die Einheimischen auf der gleichen Ebene.

Der Sparschäler passt auch sehr gut, wenn man der Küche in einem kleinen Hotel ein Dankeschön machen will. Dabei ist wichtig zu zeigen, wie dieses Gerät zu benutzen ist – sonst liegt es danach nutzlos herum oder verursacht sogar einen kleinen Unfall.

Eine Büchse mit Seifenwasser lohnt sich immer, in Greifnähe zu haben. Damit werden Seifenblasen gemacht und dadurch Freude geschenkt. Es hat wenig Sinn, die Büchse unterwegs zu verschenken, da die wenigsten flüssige Seife haben, um neu aufzufüllen. Wenn Sie Kindern begegnen und für sie ein paar Seifenblasen machen, dann kann es sein, dass am Anfang ein paar der Kleinen Angst bekommen, weil sie nicht wissen, was dies ist. Aber nach wenigen Sekunden ist die Angst verflogen und die Kinder werden voll beschäftigt sein, die Blasen einzufangen. Mit glänzenden Augen kichern sie laut vor Freude, wenn sie mit einem Finger die Blasen zum Platzen bringen.

Unterwegs begegnen Sie immer wieder Kindern, in den meisten Fällen Jungs, die Fussball mit selbstgemachten Fussbällen spielen. Diese Bälle sind meistens aus Plastikabfall gemacht und auch wenn sie gut funktionieren, steht ein richtiger Fussball hoch auf der Wunschliste eines jeden madagassischen Fussballspielers. Hier können Sie auch ein Tauschgeschäft machen. Vielleicht haben Sie einen Fussballverein zu Hause gebeten, einen Fussball zu spenden und bringen anschliessend diesem Verein ein paar Bilder oder sogar den selbergemachten Fussball als Dankeschön zurück nach Hause. Denken Sie immer daran, eine Pumpe zu dem Ball mitzunehmen – ohne Luft macht Fussballspielen keinen Spass mehr und vor Ort gibt es in den meisten kleinen Dörfern keine Pumpen.

Wenn sie unterwegs sind mit Ihren Kindern und Lust haben mitzuspielen, dann dürfen sie garantiert ein Spiel mitmachen und den neuen Ball einweihen. Ein Match, den sie lange in Erinnerung behalten werden.

Den Mädchen (und auch ein paar Jungs) kann man mit ein paar Metern Gummiband eine grosse Freude machen. In Madagaskar kennen die meisten Kinder den Gummitwist, aber haben selber kein Gummiband. Zeigen Sie den Kindern ihre alten Spielvarianten und lassen Sie die Kinder auch Ihnen zeigen, welche Varianten sie am Lager haben. So lernen beide Seiten etwas Neues, das sie später weitergeben können. Wenn Sie das Gummiband anschliessend mitnehmen, wird wohl keines der Kinder sich getrauen zu fragen, ob es das Band behalten dürfe. Aber falls die Kinder es behalten dürfen, dann ist die Freude extra gross.

Wenn sie gerne etwas für die Bildung schenken möchten, lohnt es sich vor Ort Schulmaterial, sprich Stifte, Schulhefte etc zu kaufen und es nicht von zu Hause aus mitzuschleppen. So sparen Sie sich Arbeit im Voraus, Kilos unterwegs und unterstützen mit Ihrem Kauf in Madagaskar auch ein paar lokale Geschäfte. Solche Sachspenden sollte man am liebsten direkt in einer Schule oder in einem Waisenheim vor Ort abgeben und nicht an bettelnde Kinder unterwegs. So ist man sicher, dass das Material richtig eingesetzt wird und man fördert nicht gleichzeitig und unbewusst das Betteln. Ihr Fahrer hilft Ihnen gern, unterwegs einen geeigneten Ort zu finden, um solche Sachen abzugeben. Wichtig ist, wenn Sie eine Schule oder ein Waisenheim besuchen wollen, dass Sie genügend Zeit einplanen und nicht nur 5-10 Minuten hineinschauen, um Ihr Spenden abzugeben.

Während einer Reise in Madagaskar kommt es oft vor, dass jemand Sie anspricht und Ihnen seine Probleme anvertraut. Bewerten Sie solche Informationen mit Vorsicht, speziell wenn es Probleme sind, die nur mit Geld, sprich nur mit Ihrer Hilfe zu lösen sind. Wir raten davon ab, Geld unterwegs zu geben, da dies die Bettelei nur verstärkt und die Probleme selten löst. Solche Probleme werden bei Bettelerfolg schnell zu einem Geschäftsmodell, das man als Touristen keinesfalls unterstützen soll.

Wer nach der Rückkehr nach Hause das Bedürfnis hat, etwas zu spenden, kann dies über verschiedene Organisationen tun, die gute Projekte in Madagaskar unterstützen. Auch hier muss man natürlich vorsichtig sein. Bei guter Wahl aber wird Ihre Geldspende am richtigen Ort eingesetzt und das Projekt in Madagaskar bewirkt eine Verbesserung der Lebensumstände.

Madagaskar: WIE einfach darf Einfach sein? Und WAS ist eigentlich EINFACH?

Madagaskar: WIE einfach darf Einfach sein? Und WAS ist eigentlich EINFACH?

Hotel Au Gentil Pecheur - Hotels in Madagaskar

Zur Vorbereitung einer Reise nach Madagaskar gehört auch die Auswahl der Hotels und somit die Festlegung der Hotelkategorie.

In Madagaskar gibt es eine grosse Auswahl an Hotels, von ganz einfachen zu sehr luxuriösen. Es ist so, dass man nicht überall jene Kategorie buchen kann, die man sich wünscht und so mag es an bestimmten Orten sein, dass nur einfache Hotels zur Auswahl stehen. Oder es gibt nicht mal eine Auswahl, sondern nur ein einziges Hotel vor Ort. Wenn dies der Fall ist, ja dann muss man sich fragen: „wie einfach darf es sein?“

Für manche Leute ist ein Hotel schon einfach, wenn kein Zimmerservice oder Internet vorhanden sind. Für andere ist es immer noch nicht zu einfach, wenn man nur ein paar Stunden pro Tag Strom hat oder eine Kübeldusche. Die persönliche Einschätzung hängt wohl damit zusammen, was man vorher erlebt hat und dies herauszufinden, ist unsere Aufgabe als Reiseorganisator.

„Ja, ja, einfach ist für mich kein Problem“ ist keine genügende Vorinformation, um uns ein Bild der Wünsche unserer Reisenden zu machen. Es kommt vor, dass wir Leuten eine andere Reiseroute empfehlen, wenn wir das Gefühl bekommen, dass die Hotels entlang der gewünschten Route für sie wirklich zu einfach sein werden.

Unser Ziel ist, dass unsere Gäste so gut wie möglich vorbereitet auf ihre Reise gehen und dazu gehört auch ein Bild, was sie im Reiseland zu erwarten haben. Dies ist manchmal einfacher gesagt als getan.

Hier eine kleine PRIORI-Erklärung, wie wir die verschiedenen Hotelkategorien unterscheiden.

Einfach
Zimmer: Kleine Zimmer/Bungalows mit einer sehr spartanischen Zimmerausstattung. Manchmal nur eine dünne Matratze auf einem simplen, lokal hergestellten Lattenrost. Moskitonetz vorhanden (manchmal mit ein paar Löchern). Keine (oder sehr wenig) Ablagefläche. Kein Kühlschrank. Kein Safe im Zimmer.
Bad: Keine Garantie für fliessendes Wasser, aber mindestens eine Kübeldusche und ein WC (das man vielleicht mit einem Eimer nachspülen muss). Handtücher vorhanden, aber nicht täglich gewechselt. Handseife fast immer vorhanden. WC-Papier kaum. Manchmal gemeinsames Badzimmer auf der Etage.
Strom: Meistens kein Strom im Zimmer. Manchmal eine Solarlampe, die am Abend ein bisschen Licht gibt. An den meisten Orten gibt es die Möglichkeit, bei den Besitzern Batterien im Laufe des Abends aufzuladen, aber keine Garantie. Kerzen als Nachtbeleuchtung.
Wifi: Kein Internet. Manchmal auch keine Abdeckung für Mobilfunknetz.

Mittel
Zimmer: Gut ausgestattete und zum Teil sehr gemütliche Zimmer/Bungalows (kleine und grosse). Meistens mit guten bis sehr guten Betten. Moskitonetz – wo nötig – vorhanden. Kühlschrank. Manche Hotels haben einen Safe im Zimmer.
Bad: Fliessendes Wasser (meistens warm) und funktionierendes WC. WC-Papier. Täglich neue Handtücher. Handseife immer vorhanden.
Strom: Wenn kein Stromunterbruch, Strom ganzen Tag (manche Hotels nur am Abend).  Steckdosen im Zimmer
Wifi: Die meisten haben kostenloses Wifi im Restaurant oder zunehmend auch im Zimmer.

Hoch
Zimmer: Grosszügige Zimmer/Bungalows, mit guten bis sehr guten Betten. Moskitonetz – wo nötig – vorhanden. Gute Ablagemöglichkeiten. Meistens Safe im Zimmer.
Bad: Bad, WC mit fliessendem und warmem Wasser. Täglich neue Handtücher. WC-Papier und Handseife immer vorhanden.
Strom: Ganzer Tag Strom. Genügend Steckdosen im Zimmer. Bei Stromunterbruch springt eine eigene Notstromversorgung ein.
Wifi: Kostenloses Wifi im Zimmer oder mindestens in den Aufenthaltsräumen.

Wenn man ein Land wie Madagaskar nicht nur entlang der Touristenroute bereisen und entdecken möchte, dann gehört auch eine gute Portion Abenteuerlust dazu. Wenn man sie besitzt und ohne zu grosse Erwartungen bezüglich der Infrastruktur die Grosse Insel bereist, dann warten viele schöne Begegnungen mit nicht nur in der Natur, sondern auch mit den Einheimischen. Wie in vielen anderen Ländern gilt: je weiter weg vom Touristenstrom, umso grösser die Erlebnisse.

Hier ein paar Beispiele warum es sich manchmal lohnt auf ein bisschen Luxus zu verzichten:

Unterwegs an der Ostküste gibt es viele kleine Dörfer, die wir besuchen und in denen man sehr selten andere Touristen antrifft. An solchen Orten ist die gegenseitige Neugier aufeinander noch gross und es wird keine Zeit verschwendet, um bei den Vazaha’s (Fremde) zu betteln. Betteln ist eigentlich kein typisches madagassisches Verhalten und die Leute in den Dörfern würden nie auf die Idee kommen, ihre fremden Gäste um etwas zu bitten.

Tief im Regenwald gibt es kleine Vanilledörfer, die für Touristen sehr interessant sein können. Hier gibt es die Möglichkeit, den ganzen Prozess des Vanilleanbaus kennenzulernen. Wenn man in einem dieser Dörfer den Fermentierungsprozess der Vanillebohnen begleitet, wird man es im Nachhinein schwer haben, Freunden und der Familie zu erklären, wie intensiv es nach Vanille geduftet hat und wie man bei einem Dorfspaziergang aufpassen musste, nicht in die überall herumliegende Vanille zu stolpern. Die meisten diese Dörfer bieten sehr einfache Übernachtungsmöglichkeiten an. Auch wenn der Rücken vielleicht ein paar Wünsche übrig hätte, ist das Reiseerlebnis so gross, dass es garantiert einer der Höhepunkte einer Reise in Madagaskar sein wird.

Nicht dass Sie jetzt denken, es gibt nur einfache Hotels in Madagaskar. Die meisten Hotels, je nach Reiseroute (und Wunsch), die wir von PRIORI Reisen für unsere Gäste aussuchen, sind gute bis sehr gute Mittelklassehotels.

Madagaskar ist ein Reiseland, das man in erster Linie besucht, um Fauna, Flora und Kultur kennenzulernen, aber auch ein paar Tage am Strand ermöglichen eine gute Auswahl an Traumstränden und Hotelangeboten, die garantiert jedem Geschmack gerecht sein werden.

Gedanken zu „Dem Lied des Meeres“, Madagaskar

Meine Liebe zu „Dem Lied des Meeres“

Das Lied des Meeres - zwei madagassische Kinder fischen an der Küste von Madagaskar

Ich sitze draussen vor meinem Bungalow und lausche das Meer zu. Jede kleine Welle, die auf den Strand zurollt, zaubert eine wohlbekannte schöne Melodie in meine Ohren und fühlt sich an wie Balsam für meine Seele. Manche kommen ganz leise an und andere zerschellen mit viel Kraft. Im selben Moment kommt der Nachtwächter vorbei. Er befindet sich gerade auf seinem Heimweg und wollte mir noch kurz einen schönen Tag wünschen. Als Nachtwächter hat er eine lange Nacht hinter sich, angefangen mit seiner Schicht um 18 Uhr abends, hat er erst jetzt, kurz nach 6 Uhr morgens, endlich seinen wohlverdienten Feierabend.
Die Wellen nehmen sich hingegen nie frei! Auch wenn es draussen auf dem Meer ganz still aussieht, kommen oder gehen sie ganz leise, so wie der Mond sie führt. 6 Stunden und 14 Minuten benötigt das Meer für die Flut und ein paar Minuten weniger für die Ebbe.
Hier auf der kleinen Insel Sainte Marie, an der Ostküste von Madagaskar, kann man die Gezeiten gut erkennen und auch gleichzeitig schön beobachten, wie die Menschen diese Meereszyklen in ihr eigenes Leben einbauen. Bei Ebbe gehen die Menschen an den Strand und suchen nach etwas Essbarem. Kinder stöbern meistens nach Krustentieren, die Erwachsenen hingegen, welche kein eigenes Boot besitzen, versuchen mit ihren Fischernetzen alleine oder zu zweit ihre Beute im Wasser zu ergattern. Ob auch diese «dem Lied des Meeres» während ihrer Arbeit lauschen, so wie ich es gerade tue oder haben sie sich bereits so sehr an diesen wundervollen Ton gewöhnt, dass sie ihn wohlmöglich gar nicht mehr wahrnehmen?
Ich glaube sie hören das Meer immer noch, aber anders als ich!
Für die Einheimischen scheint dieser Ton mehr wie ein Botschafter zu sein, der Mitteilungen an sie weitergibt, aber auch gleichzeitig wie ein Ratgeber, der ihnen erzählt, was sie an diesem Tag tun können und was nicht. Ist die Melodie des Meeres zu stark, wird es keinen Ausflug geben, um mit den kleinen Pirogen Fische zu fangen und spielt sie ganz leise, können sie ohne Bedenken ihre Kinder an den Strand schicken, um nach Muscheln und Krabben zu suchen.
Könnte es auch so sein, dass die Gezeiten das Leben der Einheimischen entschleunigt? Ich glaube schon, dass es so ist! Niemand kann die Gezeiten des Meeres steuern oder beeinflussen, daher muss der Mensch sie so nutzen wie sie fallen. Eventuell ist auch das genau der Grund, warum die Menschen hier entlang der Küste einen besonders ruhigen Lebensstil pflegen, welcher uns Touristen immer wieder so besonders gut gefällt. «Mora mora, langsam, langsam» ist eine der ersten Wörter und Philosophien, die einem in Madagaskar beigebracht werden.

Im nächsten Moment komme ich raus aus meinen Gedanken und beobachte den Horizont. Dort erkenne ich viele kleine Fischerboote, zugleich stellt sich mir die Frage, ob es die Fischer sind, die bereits bei Sonnenaufgang rausgefahren sind, um etwas zu fangen oder gehören diese Boote zu denen, die gestern Abend bereits mit Lampions das Festland verlassen haben?
Am Abend breitet sich oft ein regelrechtes Lichtermeer draussen in der Dunkelheit des Meeres aus. Viele Fischer versuchen ihr Glück, mit dem Licht der Lampions Fische anzulocken und diese mit ihren Netzen zu fangen. Dieser Trick scheint aufzugehen, denn nachts gibt es so viele Lichter auf dem Meer, dass es für uns Touristen manchmal so ausschaut, als ob dieses Schauspiel nur ganz alleine für uns arrangiert würde. Diese tanzenden Lichter kombiniert mit dem leisen Meeresrauschen wirken wie ein harmonisch, beruhigendes, gut abgestimmtes Musikstück auf mich…
Versteht ihr nun, warum ich das Lied des Meeres so sehr liebe?

Gedanken an einen frühen Morgen auf der Insel Sainte Marie, Madagaskar.
Ellen

Vergessen: Postkarten aus den Ferien in Madagaskar

Wann haben Sie letztes Mal eine Postkarte aus den Ferien geschickt? Oder sonst nur so jemanden, den Sie gerne haben, mit einer Postkarte beglückt?

Wer kennt nicht das Gefühl, wenn man zwischen den Rechnungen und der vielen Werbung im Briefkasten plötzlich eine handgeschriebene Postkarte findet, am liebsten aus einem fernen Land wie zum Beispiel Madagaskar. Sogar jetzt, wo Sie daran denken, merken Sie, wie sich ein Lächeln über ihre Lippen ausbreitet.

Es macht etwas mit uns, wenn wir eine farbige Postkarte bekommen. Nicht nur hat der Sender während seiner Ferien an uns gedacht, er nimmt uns auch ein Stück mit auf seine Reise. Denn Postkarten zeigen sehr oft die schönen Seite der besuchten Orte.

Vor weniger als 20 Jahren bekamen wir mindestens 10, 20, wenn nicht bis 30 Ansichtskarten im Jahr, Geburtstagskarten ausgeschlossen. Unsere Freunde und auch wir hatten Freude am Schreiben und wir schickten uns nicht nur Postkarten, sondern auch längere Briefe. Wir nahmen uns Zeit füreinander, auch wenn wir weit auseinander waren. Jetzt ist es leider so geworden, dass wir statt Postkarten aus den Ferien vielleicht ein paar MMS schicken, aber auch nur vielleicht. Denn was soll man Neues erzählen, wenn alles schon vorher über die sozialen Medien bekannt gemacht wurde.

Soziale Medien hin oder her, hören Sie nicht auf, Ansichtskarten zu schreiben. Das Kartenschreiben lässt Sie reflektieren und schenkt Ihnen auch die Möglichkeit, auf ganz einfache Weise, trotz der Distanz, etwas Persönliches mit dem Empfänger zu teilen.

In diesen Zeiten, in denen Mindfullness für uns alle ein wichtiger Begriff ist und wir immer davon reden, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen. Nehmen Sie sich Zeit, setzen Sie sich hin, schreiben Sie eine Karte und schenken damit einem Freund, der seinen Briefkasten aufmacht, ein Lächeln!

Aus Madagaskar kann man fast von überall eine Karte abschicken und auch wenn der Briefkasten bei der lokalen Postfiliale nicht immer sehr vertrauenswürdig aussieht, die Karten kommen an. Schwieriger ist es, Postkarten zu kaufen. Wenn Sie auf Ihrer Tour durch Madagaskar einen Laden mit Postkarten finden, dann kaufen Sie genügend und nehmen sie mit auf ihre Rundreise. Das gleiche gilt auch für die Briefmarken. Kaufen sie Briefmarken im Postamt in einer der Städte, um sicher zu sein, die richtige Frankatur zu erhalten, sondern auch, überhaupt Briefmarken zu bekommen.

Probieren Sie, Ihre Karten aus Orten wegzuschicken, aus der die Touristen sonst nicht Ihre Karten abschicken – so wird es auch für Sie spannend zu wissen, ob sie ankommen oder nicht? Wer hat schon eine madagassische Ansichtskarte aus Ikongo, Analalava, Beroroha oder Mananara Nord in Madagaskar erhalten?

Denken Sie nicht, die Karten kommen vielleicht nicht an. Bis jetzt sind sie immer angekommen, auch von den weitest abgelegenen Orten, die man sich vorstellen kann. Wenn in Madagaskar vielleicht nicht alles so funktioniert wie es soll, die Postkarten aus dem Land der Lemuren kommen an.

Postamt IKONGO
Postamt IKONGO zwischen Hochland und Ostküste von Madagaskar
Der Posthalter erzählt dass die Post ein Mal pro Woche weckgeschickt wird.
Der Posthalter in Ikongo Madagaskar erzählt, dass die Post ein Mal pro Woche weckgeschickt wird.
Wenige Wochen später sind die Karten in Norwegen und in der Schweiz angekommen!
Wenige Wochen später sind die Karten aus Ikongo in Norwegen und in der Schweiz angekommen!

Die 10 Top Attraktionen von Madagaskar

Baobaballee Morondava

Die Internetplattform Touropia hat eine Liste der 10 besten touristischen Orte in Madagaskar veröffentlicht. Zur Nummer eins wurde die kleine Insel Ste. Marie vor der Ostküste Madagaskars gekürt. Die ehemalige Pirateninsel ist eigentlich eine komprimierte Zusammenfassung Madagaskars mit Gewürz- und Reispflanzungen, Strand und Wanderwegen.

In der weiteren Wertung befinden sich sechs Naturparks und dies unterstreicht, welch grosser Teil die Natur für Besucher einnimmt. Die Mehrheit der Madagaskar-Reisenden wollen Flora und Fauna erleben.

In der Zehnerliste figuriert nur ein einziger kultureller Besuchsort. Es ist die alte Residenz des Königs Andrianamponimerina. Die burgartige Festung ausserhalb der Hauptstadt Antananarivo wird gern in ein Halbtagesprogramm gepackt und besonders an Wochenenden gern besucht.

Wenn auch die Aufnahme in diese Shortlist von Nosy Be und Ifaty diskutiert werden kann, so fehlen bestimmt auch ein paar andere ebenso interessante Orte. Viele der rund 50 Naturparks sind kaum bekannt und etliche davon werden von keiner Handvoll Besuchern aufgesucht: pro Jahr.

Wichtig für die Auswahl war wohl auch die Zugänglichkeit der Besuchspunkte. Madagaskar ist und bleibt ein schwierig zu bereisendes Land. Die Insel im Indischen Ozean wird nicht nur wegen ihrer Grösse regelmässig unterschätzt, sondern auch das spärliche Infrastrukturnetz verlangt weit mehr Zeitaufwand als normalerweise geschätzt.

1 Insel Sainte Marie

2 Isalo Nationalpark

3 Tsingy von Bemaraha

4 Insel Nosy Be

5 Allee der Baobabs

6 Ifaty

7 Königshügel von Ambohimanga

8 Andasibe-Mantadia Nationalpark

9 Masoala Nationalpark

10 Ranomafana Nationalpark

div_mada_klein

Fotokurs in Madagaskar mit Pierrot Men

Gehen Sie mit dem weltweit bekannten madagassischen Fotografen Pierrot MEN einen Tag lang hinaus in die Dörfer und fotografieren Sie das ländliche Madagaskar mit seinen Menschen, Szenen und Landschaften. Pierrot MEN gibt dabei Tipps und Hinweise, erklärt technische Fotoprobleme und öffnet auch die Türen zu den Menschen. Dieses Angebot können Sie exklusiv über PRIORI Reisen buchen.
Madagsakar Fotograf Pierrot Men
Der bekannteste Fotograf Madagsakars: Pierrot Men in seinem Studio in Fianarantsoa.

Der 1954 geborene Pierrot MEN wuchs in sehr ländlicher Umgebung im Südosten von Madagaskar auf. Seine Familie hat chinesische Wurzeln: der Grossvater von Pierrot immigrierte vor fast hundert Jahren nach Madagaskar. Seit seiner Jugend interessierte sich Pierrot für Fotografie, für Licht und Kunst. Dank Freunden kam er zu seiner ersten Kamera und allmählich schaffte er sich einen Namen als bester Fotograf Madagaskars.

In der kleinen Stadt Fianarantsoa betreibt er seit 30 Jahren ein Fotogeschäft und seine Postkarten haben das Bild Madagaskars in die ganze Welt hinausgetragen. Er wurde in unzähligen Ausstellungen und mit Preisen geehrt. Mehrere Bücher entstanden mit seinem fotografischen Werk und doch sitzt er noch immer in seinem kleinen Büro, nun nicht mehr vor dem Diakasten, sondern am Bildschirm, um seine Fotos zu redigieren. Ausser er ist denn unterwegs in der Welt für Ehrungen und Ausstellungen.

Fotografie von Pierrot Men Madagaskar
Eines der vielen stimmungsvollen Madagaskar-Fotografien von Pierrot Men.

Pierrot MEN ist ein Starfotograf, aber bescheiden geblieben. Er liebt das einfache, ländliche Leben seiner Heimat und wann immer möglich fährt er hinaus ins hügelige Betsileoland und beobachtet und fotografiert. ‘Manchmal bin ich einen ganzen Tag unterwegs und mache kein einziges Foto. Aber mit den Augen sauge ich alles auf‘, sagt er dem PRIORI-Gründer Franz Stadelmann. Die beiden kennen sich seit fast dreissig Jahren, als der Schweizer Ethnologe im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit nach Madagaskar kam.

Nun trägt diese Freundschaft auch für Reisende Früchte. PRIORI, die Reiseorganisation für Madagaskar, organisiert im Rahmen der individuellen Touren auch einen Tagesausflug mit Pierrot MEN. Das kann natürlich nur entsprechend der Agenda des Fotografen durchgeführt werden.

Wer sich für diesen Kurzkurs in madagassischer Umgebung interessiert, findet im Madagaskarhaus in Basel und bei PRIORI Reisen in Berlin mehr Infos. Kontaktieren Sie uns unter info@priori.ch

Die Homepage von Pierrot MEN lautet: http://www.pierrotmen.com

30 Tipps für Madagaskar-Besucher

Wegweiser Stein Kilometerangabe Strasse Madagaskar PRIORI Reisen1. Kommen Sie neugierig und mit Offenheit nach Madagaskar.
2. Bleiben Sie gesund.
3. Trinken Sie Mineralwasser aus Flaschen – nie Leitungswasser.
4. Meiden Sie Menschenansammlungen und passen Sie auf Taschendiebe auf.
5. Zeigen Sie Wertgegenstände oder Geld nicht in der Öffentlichkeit. Verteilen Sie Bargeld auf mehrere Taschen in Ihrer Kleidung.
6. Tragen Sie bequeme, aber saubere, gemäßigte Kleidung.
7. Versuchen Sie, mit wenig und sinnvollem Gepäck zu reisen.
8. Reisen Sie langsam und lassen Sie sich Zeit. Man braucht sehr lange, um alle Teile Madagaskars zu erleben. Planen Sie Ihre Reise entsprechend und teilen Sie sie ein.
9. Eine Stirnlampe ist Gold wert in Madagaskar.
10. In Madagaskar ist es fast immer möglich, Preise zu verhandeln. Oft wird es sogar erwartet. Bleiben Sie dabei aber fair und angemessen. Werden horrende, offensichtlich unangemessene Preise von Ihnen verlangt, sollten Sie das Angebot höflich aber bestimmt ablehnen und ohne große Beachtung weitergehen. Entweder wird dann gehandelt, oder das Angebot ist unseriös.
11. Nehmen Sie Seife oder Desifektionstücher für unterwegs mit. Nicht überall in Madagaskar gibt es Möglichkeiten, auf der Reise seine Hände zu waschen. Gleichzeitig kann es vielen Infektionen und Reisekrankheiten vorbeugen.
Einbaum Pangalanes Kanal Madagaskar Palme. PRIORI Reisen.12. Auch wenn es im Hochland teils kühl ist oder das Wetter bewölkt ist, Madagaskar liegt nah am Äquator und die Sonne ist sehr intensiv. Benutzen Sie Sonnencreme und nehmen Sie eine Kopfbedeckung mit.
13. Bleiben Sie ruhig und gelassen, versuchen Sie Unstimmigkeiten oder Ärger höflich aus dem Weg zu räumen. Die madagassische Kultur ist asiatisch geprägt, ruhig und zurückhaltend. Lärm, Geschrei oder ausfallende Bemerkungen werden oft als Überschreitung und Angriff aufgefasst.
14. Richten Sie sich auf Warten ein. In Madagaskar gehen die Uhren anders, Warten gehört zum Alltag. Ob auf Busse, auf Schiffsverbindungen oder Inlandsflüge, in Restaurants oder beim Einkaufen. Es lohnt sich nicht, sich über Wartezeiten aufzuregen. Bleiben Sie entspannt und verbuchen Sie es als Reise-Erfahrung. Berücksichtigen Sie diesen Aspekt Madagaskars in Ihrer Reiseplanung: Weniger ist oft mehr.
15. Als Ausländer bzw. Reisender zahlen Sie oftmals automatisch andere Preise als Madagassen. Museen, Tickets und Aktivitäten sind für Einheimische oft wesentlich günstiger als für Reisende. Dies ist – meist – öffentlich vermerkt und keine Abzocke, sondern lediglich eine Berücksichtigung der sozialen Gegebenheiten und des Einkommens.
16. Lernen Sie einige Worte Malagasy, die Sprache Madagaskars. Begrüßungen, Bitte und Danke sind einfache Dinge, die Reisende lernen können. Damit öffnen Sie Türen und Herzen, und Sie werden immer ein Lachen dafür ernten.
17. Auch wenn es Ihre erste Reise in Madagaskar ist – zeigen Sie Ihre Unsicherheit nicht. Tun Sie so, als kennen Sie den Ort. Wenn Sie nicht wissen wohin, gehen Sie in einen Laden und fragen dort nach dem Weg. Damit sind sie für Taschendiebe und Gauner schwieriger zu fassen.
18. Es gibt verschiedene Auffassungen darüber, wie man mit Bettlern umgehen soll und ob Geld geben hilft oder den ganzen Apparat noch verstärkt. Falls Sie Geld geben, achten Sie darauf, dass Sie nicht in westlichen Größen denken. Ein Euro ist umgerechnet oft mehr, als ein Arbeiter in Madagaskar am Tag verdient. Überlegen Sie, wieviel ein Kilo Gemüse auf dem Markt kostet, um einen angemessenen Betrag zu finden. Mit 300 Ariary kann in Madagaskar schon einiges Essen gekauft werden.
19. Machen Sie sich bewusst, dass Produkte wie Elektronik, Mobiltelefone, Schuhe und Markenkleidung auf Märkten mit hoher Wahrscheinlichkeit Fälschungen sind.
20. Nehmen Sie sich in acht vor korrupten Polizeibeamten. Korruption und Ineffektivitt sind in Madagaskar leider in vielen Aspekten des madagassischen Polizeiapparates präsent. Beharren Sie auf Quittungen und eine ordentliche Aufnahme des Vorfalls.
Sammeltaxi beladen auf Straße in Madagaskar. PRIORI Reisen.21. Sollten Sie mit öffentlichen Verkehrsmittel reisen, so vermeiden Sie lange Taxi-Brousse-Fahrten und Nachtfahrten bzw. Fahrten bei Dunkelheit. Damit minimieren Sie Ihr Unfallrisiko.
22. Wenn Sie in der Hauptsaison reisen ist es sehr ratsam Inlandsflüge und Hotels im Voraus zu reservieren.
23. Nehmen Sie ausreichend Proviant und vor allem Wasser mit, wenn Sie eine Eisenbahnfahrt oder eine Taxi-Brousse-Fahrt in Madagaskar machen. Man weiß oft nie, wann man ankommt.
24. Trinkgeld ist nicht sehr verbreitet in Madagaskar. Falls Sie etwas geben möchten, achten Sie darauf, dass der Betrag angemessen ist – dies ist meist weit weniger, als man denkt. Als Anhaltspunkt können Reisende überlegen, wie viel ein Kilo Gemüse auf dem Markt kostet.
25. Nehmen Sie Ihren Pass überall mit, oder verwahren Sie ihn sicher. Fotokopien und online Speicherung sollten von Pass und wichtigen Dokumenten wie Flugtickets, Bankkarten und Verischerungsunterlagen vorhanden sein.
26. Wenn Sie in Antananarivo ein Taxi nehmen liegt der Preis für Fahrten in der Innenstadt tagsüber bei etwa 6000 Ariary. Verhandeln Sie und legen Sie den Preis vor Fahrtantritt fest, um böse Überraschungen zu vermeiden. Es kann vorkommen und ist üblich, dass das Taxi erstmal eine Tankstelle anfährt, und Sie als Fahrgast einen Teil des Preises gleich für Benzin geben.
27. Für Leistungen werden in Madagaskar in der Regel Gegenleistungen erwartet. Freundschaftsdienste sind sehr rar – erwarten Sie sie nicht.
29. Madagaskar ist ein gläubiges Land. Daneben sind Mythen, Kulte und Tabus ein großes Thema. Informieren Sie sich über die kulturellen und religiösen Bräuche, um Fettnäpfchen zu vermeiden und niemanden zu kränken.
30. Seien Sie nicht verängstigt oder nervös, Madagaskar ist als Reiseland wunderschön, sehr eindrucksvoll, freundlich und meist sicher.

Für weitere Fragen zu Madagaskar, der Reiseplanung oder für Hinweise und aktuelle Tipps steht Ihnen das PRIORI-Team in Antananarivo, Basel und Berlin jederzeit zur Verfügung. 

Die Pest in Madagaskar – Infos für Reisende

Die seit November 2014 erfolgten Pestausbrüche in Madagaskar fanden weltweit ein breites Presse-Echo.

Antananarivo, Madagaskar, Sonnenuntergang

In Madagaskar ist Pest während der Regenzeit ein jährliches Phänomen.

Zwischen November und März kommen die Ratten näher an die Siedlungen heran. Dabei tragen sie ihre Flöhe zu den Menschen. Die zuweilen eingesetzten Ratten-Gifte töten zwar die Nager, nicht aber die Flöhe, die sogar zunehmend resistent werden. Unwissenheit, Scham und der Glaube an die Heilkräfte von traditionellen Heilmethoden führen dazu, dass Patienten erst in sehr fortgeschrittenem Stadium zu einem ausgebildeten Mediziner geht – wenn überhaupt. Die traditionellen Todesrituale in Madagaskar fördern zudem eine Ausbreitung der Pest. Im ‚Normalfall gibt es in Madagaskar jedes Jahr ein paar dutzend Pesttote. Meist geschieht dies im Januar und Februar.

Für Madagaskar-Reisende stellt die Pest nur in absoluten Sonderfällen ein Risiko dar.

Dieses Risiko erhöht sich bei Aufenthalten in übervölkerten Stadtgebieten, die in hygienisch nicht akzeptierbaren Zonen liegen (z.B. stehendes Wasser, Abfallberge). Es ist zu erwähnen, dass noch nie ein Europäer in Madagaskar aufgrund eines Pestbefalls gestorben ist.

Madagaskars Geschichte der Pest

Die Pest gelangte mit den Segelschiffen der Kolonialmächte nach Madagaskar, über die Ratte als Zwischenwirt. 1921 grassierte die Pest erstmals in grossem Mass in Madagaskar. Die französische Kolonialregierung reagierte mit voller Härte. Die Pesttoten gingen zurück, aber erst 1950 galt die Hauptstadt als pestfrei.

Bevölkerungsexplosion und Verarmung weiter Bevölkerungsteile seit den dramatischen 70er Jahren haben in Madagaskar – zusammen mit dem Absinken des Bildungsniveaus – bewirkt, dass die Pest jedes Jahr ein paar Dutzend Opfer fordert. Dies hat sich durch die katastrophale Vernachlässigung der staatlichen Dienste seit dem Regierungsputsch von 2009 verschlimmert.

Die Pest kommt bis heute in 21 Ländern vor.

Madagaskar steht mit dem Problem von Pest nicht allein da. Die WHO stellt  jedes Jahr bis zu 2000 Pestfälle in bis zu 21 Ländern fest. Meist kommt bricht die Krankheit dort aus, wo es zu häufigem Kontakt zwischen Haus- und Wildratten kommt. Schlechte Hygiene, Armut und die offene Lagerung von Abfällen begünstigen die Übertragung der Krankheit. Aber auch in reicheren Regionen mit gutem Hygienestandard treten immer wieder Fälle der Pest auf. So z.B. in den USA, wo die Infektionskette häufig vom Präriehund ausgeht.

Drei Pest-Formen

Bei der Pest handelt es sich um eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch Bakterien (Yersinia pestis) ausgelöst wird. Man unterscheidet heute drei Formen der Pest: Beulenpest, Lungenpest und Pestsepsis:

  • Die Beulenpest macht über 80% der weltweiten Pestfälle aus. Sie wird durch die Flöhe von Nagetieren auf andere Tiere und Menschen übertragen. Krankheitssymptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine Entzündung der Lymphknoten im Leistenbereich. Die Schwellung wird zu Beulen mit bis zu zehn Zentimetern Durchmesser, die sich aufgrund innerer Blutungen blauschwarz färben. Daher kam auch der Name „Schwarzer Tod“ für die mittelalterliche Pest.
  • Bei der Form Pestsepsis verbreitet sich die Infektion über das Blut. Sie kann zu Meningitis oder endotoxischem Schock führen. Pestsepsis kann sich aus der Beulenpest entwickeln, aber auch so auftreten.
  • Die Lungenpest entsteht als sekundäre Infektion der Lungen, wenn sich die Pestbakterien im Körper ausbreiten. Sie  führt zu einer schweren Lungenentzündung.

Beulenpest und Pestsepsis werden nur über Flöhe übertragen und nicht von Mensch zu Mensch. Eine direkte Übertragung der Pest zwischen Menschen gibt es nur bei der Lungenpest. Diese Form der Krankheit kann bei engem Patientenkontakt durch Tröpfchen übertragen werden und dann zu einer primären Lungenpest führen. Die Inkubationszeit der Pest beträgt zwei bis sechs Tage.

Die Krankheit kann antibiotisch behandelt werden und bei früher Diagnose sind die Heilungschancen gut.

Ohne schnelle und effektive Behandlung enden 50 bis 60 Prozent der Beulenpestfälle tödlich. Unbehandelte Fälle von Pestsepsis und Lungenpest führen immer zum Tode. Die Diagnose für Lungen- und Beulenpest kann heutzutage mittels eines 15-minütigem Schnelltests erfolgen. Es gibt sogar einen Impfstoff gegen die Beulenpest.

Weitere Informationen und ärztliche Ratschläge holen Sie bitte bei Ihrem Hausarzt oder bei spezialisierten Tropeninstituten ein .