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Saphirabbau in Ambatondrazaka

@ Parent Géry - https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=Saphir&title=Special:Search&go=Go&searchToken=3z5x1sescm7gbl4jah71etk7d#/media/File:Saphir,_amazonite,_biotite_3.jpg - Saphir - Zazafotsy Quarry (Amboarohy) Zazafotsy Commune, Ihosy District, Horombe Region, Fianarantsoa Province, Madagascar
@ Parent Géry / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

In Ambatondrazaka herrscht regelrecht ein Saphir-Rausch

Seit etlichen Jahren wird nahe des Nationalparks Zahamena im nordöstlichen Hochland Madagaskars, nördlich von Ambatondrazaka, in großem Stile Saphirabbau betrieben.

Ende 2016 wurde von Funden von mehr als 100 Karat, bzw. etwa der Grösse eines Golfballs berichtet. Dies führte zu einem starken Schub, wie es bereits bei den Goldgräbern in Ilakaka im Südwesten der Insel stattgefunden hatte. Etwa 45000 Menschen brachen aus ganz Madagaskar nach Ambatondrazaka auf, um natürliche blaue Saphire in großen Größen zu finden. Viele Madagassen sehen in den wertvollen Edelsteinen die Hoffnung, der Armut zu entkommen. Bis zu 1000 Menschen kamen täglich im Grabungsgebiet an und siedeln seither notdürftig und in katastrophalen Umständen in behelfsmässigen Siedlungen und weiten den Abbau ungehindert und ohne Planung von aussen auf immer grössere Fläche aus.

Die zerstörerische Natur des Bergbaus, sowie die Auswirkungen, die ein solcher plötzlicher Zustrom auf die Umwelt haben kann, haben Naturschützer und Wissenschaftler besorgt. Denn die Saphirmine HAD liegt sehr nahe an intakten Wäldern und zweier bedeutender Naturschutzgebiete, dem Zahamena Nationalpark und dem Mangerivola Reservat. Durch die vermehrte Suche nach Saphiren haben Brandrodung, verwüstete Böden und Holzschlag auch innerhalb der Nationalparkgrenzen stark zugenommen. Der Schutz des Zahamena-Parks, der auch als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuft ist, steht mangels Besuchern und finanzieller Mittel auf hölzernen Füßen. Obwohl die Regierung Madagaskars das Problem sieht und einen Plan aufgesetzt hat, um die Schäden zu mindern, ist fraglich, wann und wie dies umgesetzt wird.

Hosentasche gegen Taschendiebe «made in» Madagaskar

Hosentasche gegen Taschendiebe made in Madagaskar: Markt_Fianarantsoa.Collage_Hochland_Madagaskar_PRIORI-Reisen

Produkte und Ideen aus Madagaskar: Die Hosentasche gegen Taschendiebe

Beim Reisen in Madagaskar erlebt man vieles, unter anderem auch wie sich manche Frauen mit ganz einfachen Tricks gegen Taschendiebe schützen.

Ich hatte leider unterwegs meine Lieblingshose verloren. Nicht gestohlen, wie sie vielleicht zunächst denken mögen, sondern verwechselt beim Waschen. Darum lohnt es sich die Kleider, die man zurückbekommt von der Hotelwaschküche gut zu kontrollieren. So stehen Sie nicht plötzlich ein paar Tage später in einem ganz anderen Hotel wie ich, mit einer viel zu kleinen Hose in der Hand!

Eine neue Hose zu kaufen, gestaltete sich nicht einfach. Im Südwesten von Madagaskar ist es warm und auf den Altkleidermärkten gab es nur kurze, oder für mich, viel zu kleine Hosen.

In einem kleinen Badeort, während ich alle Stände ohne Glück am Strand durchschaute, beobachteten mich zwei junge Mädchen und fragten, ob ich etwas Bestimmtes suchen würde. «Eine Hose» war meine Antwort, worauf sie mich beide anlächelten und sagten, es würde keine am Strand geben, aber im Dorf gäbe es eine Näherin, die mir helfen könnte.

Die zwei Mädchen begleiteten mich ins Dorf und nach kurzer Zeit hatte ich Stoff ausgesucht und eine Anzahlung für meine neue Hose geleistet.

Meine zwei neuen Freundinnen trafen mich am kommenden Tag zum abgemachten Zeitpunkt und begleiteten mich wieder ins Dorf. Meine Freude war gross, als ich meine neue Hose anprobieren konnte. Die Näherin hatte sehr gute Arbeit geleistet und ich versprach ihr sie an meine Reisegäste weiterzuempfehlen. (Ifaty Mangily, kleiner Stoffladen, rechte Strassenseite, an der Strasse zwischen Hauptstrasse und Strand).

Auf meine Frage, warum die Öffnung meiner linken Hosentasche viel enger geschnitten sei, als meine rechte, lächelte Sie mich nur an und erklärte mir, dass sie diese absichtlich kleiner genäht hatte. Dies sei die Handyhosentasche und mit so einer Öffnung könne kein Taschendieb so schnell mein Handy entwenden!

Auch meine zwei Helferinnen hatten einen grossen Dank verdient. Als Andenken an diesen Tag schenkte ich Ihnen zwei Mitbringsel, die ich aus der Heimat mitgebracht hatte.

Hier finden Sie noch einen kleinen Film, den ich am Strand aufgezeichnet habe. Meine zwei Helferinnen können nicht nur gut helfen, sondern singen auch wunderschön!

Kleider und Temperaturen

Kleidung und Temperaturen in Madagaskar - Ein Eindruck von Antananarivo im August

Passende Kleidung und Temperaturen im Jahresverlauf in Madagagaskar

Madagaskar liegt südlich des Äquators und daher sind die Jahreszeiten gegenläufig. Wer von Juni bis August nach Madagaskar reist, sollte in Paris nicht in kurzen Hosen und Trägerkleid ins Flugzeug steigen. Die Ankunft in Antananarivo wird heftig sein. Die Stadt liegt auf über 1200 m ü. M. und in der Mitte des Jahres herrscht hier Winter. Tagsüber mag es 20 Grad mit einer kraftlosen, fahlen Sonne sein. Bei Sonnenuntergang um 18 Uhr kühlt es schnell ab auf eine Abendtemperatur von 15 Grad und nachts fällt die Temperatur auf unter 10 Grad. In Shorts aus dem Flugzeug zu steigen, ist daher etwas verwegen.

Zudem sollte die Ventilation während der zehnstündigen Fluges nicht unterschätzt werden. Besonders auf dem Heimflug erkälten sich viele Leute, weil sie in Antananarivo für ihren Rückflug leicht bekleidet in den Flieger steigen.

Im Stadtbild von Antananarivo fallen dürftig bekleidete Europäer während dieser Jahreszeit sofort auf.  Nicht nur wegen ihrer fahlen Haut, sondern auch durch die Kleidung. Es ist unangebracht, in Safariverkleidung und schweren Wanderschuhen in der Stadt herumzulaufen. Damit outet sich jeder sofort als Neuankömmling. Das bemerken natürlich die professionellen Taschendiebe sofort und mit sicherem Jägerinstinkt machen sie sich über ihre Opfer her.

Zwischen Juni und August ist die angebrachte Kleidung in Antananarivo und mithin auf dem Hochland: lange Hosen, T-Shirt und Hemd. Dazu eine Fleecejacke.
Madagassische Frauen gehen gern in Schuhen ohne Socken, tragen auch lange Hosen. Die städtische Bevölkerung kleidet sich eher „westlich“ und ihre Kleidung spiegelt den wirtschaftlichen Stand der Person. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist eher ärmlich gekleidet und daher ist es etwas unangebracht, sich in der jetzigen europäischen Mode der zerfetzten Jeans zu bewegen.

Trotz der schnellen abendlichen Abkühlung sollte man tagsüber die Sonneneinstrahlung nicht unterschätzen. Auch eine fahle Julisonne kann Sonnenbrand verursachen.

Nicht unbeachtet sollte man den Durchzug lassen, der andauernd und überall zu spüren ist. Es gibt ja keine Heizung in den Häusern. Die Türen und Fenster stehen oft einfach offen, auch um Tageslicht reinzulassen. In den ersten Tagen in Madagaskar, die sich ja meist auf dem Hochland abspielen, werden die schnell wechselnden Temperaturen, die launische Sonne und der flackerhafte Wind oft unterschätzt.

Papierherstellung in Madagaskar

Antaimoro Papier - Papierherstellung in Madagaskar

 

Ein Einblick in die Antaimoro Papierherstellung

Sorabe heissen die heiligen Bücher, in denen Weisheiten der arabischen Einwanderer niedergeschrieben wurden, die im 13. Jahrhundert an der Südostküste Madagaskars landeten. Sie brachten die Kunst des Schreibens mit und hielten ihre religiösen Formulierungen, Heilsprüche und Zukunftsdeutungen in arabischer Schrift fest. Somit ist arabisch die erste in Madagaskar benutzte Schrift.

Das Papier stellten die Antaimoro selber aus Pflanzenmaterialien her. Diese Kunst des Papierherstellens hat sich über Jahrhunderte gehalten, eher in einem eingeschworenen Kreis, denn die Heiligen Bücher durften nicht von fremden Augen gesehen werden. Erst die Kolonialausstellung von Paris, 1931, machte dieses Naturpapier bekannt.

Dies hingegen weckte das Interesse von Pierre Mathieu, einem französischen Kaffeepflanzer an der Ostküste Madagaskars. Erst in Manakara, dann schliesslich ab 1936 in Ambalavao in einer stillgelegten Konservenfabrik, stellte er seine Version des Antaimoro-Papiers her. Dies dank Insiderwissen eines Antaimoro, Rangahy Armand, der im Betrieb mitarbeitete.

Im Laufe der Produktionsjahre verlor das Papier seinen sakralen Wert. In die Papiermasse wurden getrocknete Blumen eingelegt, Blätter und Blüten. Das sah dekorativ auf Lampenschirmen aus oder als ungewöhnliches Briefpapier. Postergrosse Papiere wurden als Paravent eingearbeitet. Doch das Antaimoro-Papier diente nicht mehr heiligen Zwecken.

Pierre Mathieu starb 1948 und seine Frau fabrizierte im Betrieb weiter mit einem quasi kolonialen Monopol. Als auch Armand 1967 starb, begann ein unschöner Kampf um ‘Markenrechte’. Armand hatte sein Wissen seinen Kindern weitergegeben, die ab den 1970er Jahren selber Ateliers eröffneten. Daher finden sich heutzutage mehrere Fabrikationsstellen in der Agglomeration der Hauptstadt und an anderen Orten. Alle behaupten, das ‘originale’ Antaimoro-Papier herzustellen.

In Madagaskar wird Papier generell taratasy genannt, was auch Brief oder Meldung bedeutet. Das Papier Antaimoro wurde nie dieser Kategorie zugeordnet. Interessant aber, dass die Strasse der Antaimoro-Produktion in Ambalavao heute noch Ambalataratasy (Park des Papiers) genannt wird.

Heutzutage ist ein Besuch der Papierherstellung in Ambalavao fester Bestandteil einer Reise auf der RN7 gegen Süden. Der Ort hat jedoch seinen Charme verloren und die Herstellung scheint nur noch eine magere Touristenshow geworden zu sein.

Was derweil mit den heiligen Büchern, deren Papier und Schrift im Land der Antaimoro geschieht, bleibt geheim und das ist auch gut so.

Sakrallandschaft in Madagaskar

Kathedrale Antsirabe Madagaskar Madagascar www.priori.ch
Kathedrale Antsirabe Madagaskar Madagascar www.priori.ch

Welche Sakrallandschaft bietet Madagaskar?

Wie ein feines Netz überziehen religiöse Inhalte die Insel Madagaskar. Die Sakrallandschaft ist breitfächrig und mehrschichtig. Einerseits sind traditionelle Glaubensvorstellungen nach wie vor aktiv, andererseits überzog das Christentum vor rund 150 Jahren fast ganz Madagaskar mit intensiven Missionierungsbemühungen. Nicht zu vergessen sind die moslemischen Glaubensrichtungen und ebenso hinduistische Strömungen.

Drei markante Punkte fallen auf. So gut wie überall finden sich christliche Kirchen. Auf dem Hochland typischerweise eine katholische und eine protestantische. Meist während der Boomjahre der Christianisierung (um 1870) erbaut. Weniger offensichtlich, aber nicht weniger präsent, sind die althergebrachten Glaubensinhalte und ihre physischen Manifestationen. Dies sind Kraftorte, Opferstellen, verehrte Orte der Ahnen. Die Moscheen der islamischen Bevölkerung waren bislang eher diskret eingebettet in die Ortschaften. Neuerdings und dank Finanzierungen aus Arabien entstehen demonstrativ protzige Anlagen. Die Gebetshäuser der nicht-moslemischen Inder sind kaum wahrzunehmen. Die Hindu leben ihre Religion still und unter sich.

Natürlich gibt es nebst den Gotteshäusern überall Zeichen frommer Seelen. Da mag der Taxifahrer ein Kreuz am Innenspiegel baumeln haben, da mag ein Moslem einen Halbmond auf der Hand tätowiert  haben. Der Indo-Pakistaner hat einen in arabisch geschriebenen Spruch über dem Eingang seines Krämerladens. Nur diejenigen, die an ihre Urahnen glauben, geben sich sehr diskret. Aber sonntags nehmen sie an Zeremonien teil, die über Ekstase, Opfergaben, Anrufungen und Gesänge Kontakt mit den Verstorbenen aufnehmen und um Hilfe und Heilung bitten.

In Madagaskar leben viele Frömmigkeitskulturen miteinander und nebeneinander. Nicht ungewöhnlich, dass eine Frau nach islamischem Ritus mit ihrem Ehemann lebt, aber in ihrem Geburtsort mit ihren Eltern dem christlichen Glauben nachlebt. Auch ein katholischer Priester kann am Sonntag nach der Messe ein Huhn seinen Ahnen opfern und um Beistand bitten.

In der visuellen Landschaft der Frömmigkeit breitet sich in Madagaskar ein Patchwork-Teppich aus, dessen Knotenpunkte aber immer in tiefe Vergangenheiten reichen. Die Ahnen greifen auch heute noch stark in den Alltag der Lebenden ein. Ihnen sind an unzähligen Orten spirituelle Plätze zugewiesen. Pilgern als religiöse Aktivität ist kaum bekannt, obwohl es ein paar deutliche Pilgerstätten gibt. In ‚fremde Gebiete zu pilgern, um eine religiös-spirituelle Erfahrung zu machen‘ ist keine madagassische Kulturtradition, aber so gut wie jeder Madagasse hat seinen Kraftort im Umfeld seines Geburtsortes.

Der flüchtige Besucher mag kaum wahrnehmen, was im Schatten der Kirchentürme noch steht. Ein Bauinventar der Sakrallandschaft Madagaskars ist noch nicht erstellt. Das religiös-kulturelle Erbe ist dermassen aktiv, dass es weder inventarisiert noch geschützt wird.

Madagaskar – die Kaninchenfarbe

Kaninchenfarbe Madagaskar

Die Farbe „Madagaskar“ ist bei Kaninchenzüchtern eine bekannte Bezeichnung. Die Deckfarbe „Madagaskar“ hat ein Kaninchen, wenn es gelbbraun bis rotbraun mit leichter Schwarzschattierung. Es sind rote oder gelbe Kaninchen, die kein Gen für die Wildfarbigkeit besitzen (also nichtwildfarbig sind), aber einen Schwarzverstärker haben. Die genetische Kennzeichnung eines madagaskarfarbenen Kaninchens lautet AaCDg (europäische Erbformel).

Die Madagaskarfarbe wird unter Kaninchenexperten auch als „Thüringer“, „Schildpatt“ oder „Tort“ (sowie englisch tortoise oder tortoiseshell) bezeichnet.

Die Welt der Kaninchenzüchter ist voller unbekannter Ausdrücke und Einteilungen. So fragt man sich, wenn man nicht aus der Zunft der Kaninchenvereine kommt, wieso z.B. ein graues Kaninchen als blau bezeichnet wird. Bei internationalen Züchtern gibt es wieder ganz andere Farbzuordnungen. Und bei verschiedenen Kaninchenrassen kommt es auch schon einmal vor, dass gleiche Farbnamen ganz unterschiedliche Tierfärbungen bezeichnen.

In Madagaskar finden sich ab und zu Kaninchen. Dies besonders auf dem kühleren Hochland, das auf einer Meereshöhe von 1000 bis 1400 Metern angenehmer ist als die heissen Küstengebiete. Kaninchen sind in Madagaskar nicht endemisch. Sie wurden von den französischen Siedlern und Kolonisatoren vor etwa 150 Jahren eingeführt. Die Haltung von Kaninchen hat sich nicht überall durchgesetzt. Es gibt aber Bauern, die die Nager zu Fleischzwecken halten. Manchmal werden sie an der Strasse verkauft. Es sind meist Kinder, die die Tiere dann an den Ohren halten und als Zeichen der Verkaufswilligkeit schwenken. Eine besondere Tierliebe zum Kaninchen ist meist nicht zu sehen.

Meist gibt es keine speziellen Bemühungen, durch Kreuzung die Qualität der Tiere zu verbessern zu wollen. Die Kaninchen leben leider meist in engen Ställen und werden in ihrer Genügsamkeit oft sehr gefordert. Wildhasen gibt es keine in Madagaskar.

Nur in nur ganz wenigen Restaurants steht Kaninchenfleisch auf dem Menü. Es ist wesentlich teurer als Hühnerfleisch oder Fisch. Ein paar Entwicklungshilfeprojekte versuchten, die Haltung von Kaninchen zu propagieren, um die Nahrung der Bevölkerung zu verbessern. Viel Erfolg war diesen Projekten nicht beschieden. So bleibt das Kaninchen in Madagaskar auch weiterhin ein Exot.

Reiten in Madagaskar

Reiten in Madagaskar - braunes Pferd vor blauer Reklametafel mit madagassischem Reiter

Natürlich geht niemand allein wegen Pferden und dem Reitsport nach Madagaskar. Denn die grosse Insel im Indischen Ozean hat keine eigentliche Pferdekultur. Die ersten Pferde wurden von den französischen Kolonisatoren im 19. Jahrhundert eingeführt und hatten grosse Schwierigkeiten, sich ans Klima zu gewöhnen. Besonders an der Küste ist die Temperatur zwischen Dezember und Februar sehr hoch, zudem herrscht dann die Regenzeit. Zwar gibt es in Madagaskar keine Tsetsefliege, die sonst im Grossteil von Kontinentalafrika und sogar im trockenen Namibia vorkommt. Doch die eingeführten Pferde gingen ein aufgrund des Klimas, der Bodenbeschaffenheit und wohl auch aufgrund der mangelnden Pflege.

Das musste auch 1895 das französische Expeditionskorps erleben, das neun qualvolle Monate brauchte, um vom Hafenort Mahajunga bis zur 500 km entfernten Hauptstadt Antananarivo vorzustossen. Es war nicht der Gegner, der die grossen Verluste verursachte, sondern das schwierige Terrain, Sumpf und Krankheiten. Von den 15.000 Mann starb fast die Hälfte, meist an Malaria.

Der Trupp wurde begleitet von 3.355 Pferden und Maultieren, um die 30’000 Tonnen Material zu schleppen. Die Transportkarren der französischen Truppen, Levebre-Waggons genannt, erwiesen sich als nicht geländegängig und die Zugtiere als zu schwach.

Während der Kolonialzeit wurden Pferde nur auf dem Hochland von einzelnen Liebhabern gehalten. Als Zug- und Lasttiere konnten sie sich gegen die zähen Zebuochsen nicht durchsetzen. Noch heute wird in Madagaskar der Grossteil der Nahtransporte von Ochsengespannen erledigt, die die schweren Holzkarren ziehen. Nach der Unabhängigkeit Madagaskars 1960 und den bitteren Jahren der Verarmung war die Pferdehaltung ein Luxus, den sich nur eine Handvoll Halter leisten konnten. In nur wenigen Orten wurden Pferde als Zugtiere von Personenkutschen genutzt.

Pferdekutsche in Madagaskar

Bei Unabhängigkeit gab es in Madagaskar um die 2000 Pferde, vor zehn Jahren waren es nur noch 350 und derzeit mögen es knapp 500 sein. Die Pferde stammen aus verschiedener Herkunft. In den vielleicht 150 Jahren, in denen es Pferde auf Madagaskar gibt, wurden Tiere aus Mauritius eingeführt, auch aus Frankreich und gar aus Südamerika. Aus der Kreuzung all dieser Pferderassen hat sich quasi ein eigener Typ entwickelt, der aber als eigene Madagaskar-Rasse nicht anerkannt ist. Auch Esel und Maultiere wurden ab und zu eingeführt, doch es ist äusserst selten, dass man einen Esel auf Madagaskar zu sehen kriegt. Mag sein, dass es in ganz Madagaskar, immerhin über 14-mal grösser als die Schweiz, um die 40 Esel gibt und dies primär im staubtrockenen Süden.

Mit der langsamen und wackelhaften Stabilisierung Madagaskar in den Nullerjahren entstanden hier und dort Reitställe und Pferdereitclubs. Sie agieren heutzutage nach internationalen Massstäben und organisieren nun auch sogar Turniere. In Antsirabe gibt es seit den Kolonialzeiten sogar ein Hippodrome mit von der Bevölkerung lautstark mitverfolgten Pferderennen.

Wer also auf seiner Reise durch Madagaskar auch mal in den Sattel steigen will, findet auf dem Hochland ein paar korrekte Reitställe. Ebenso im western-artigen Felsengebirge von Isalo und an der Küste in Tamatave und auf Nosy Be.

Reisegeschenke in Madagaskar

Freude schenken mit Seifenblasen

Was haben ein Gummiband, eine Büchse mit Seifenwasser, Fussbälle und Sparschäler gemeinsam? Sie alle sind sehr gut geeignet als Eisbrecher und Geschenke für unterwegs in Madagaskar.

Wir als Reiseveranstalter, spezialisiert auf Madagaskar, hören oft die Frage: „Was kann ich nach Madagaskar mitnehmen, um es unterwegs zu verschenken?

Selbstverständlich stehen Schweizer Taschenmesser, Seifen und Kleider hoch im Kurs – aber, es gibt weitere sehr geeignete Dinge, um unterwegs mit den Einheimischen in Kontakt zu treten.

Auf den Märkten in Madagaskar sieht man oft, wie die lokalen Frauen zum Teil mit einer Rasierklinge oder mit ganz einfachen selbergemachten Schälern Karotten-Julienne für den Verkauf zubereiten. Ein richtiger Sparschäler kann einer Frau nicht nur viel Zeit bei der Arbeit sparen, sondern ihr auch ein grösseres Einkommen ermöglichen. Einen Sparschäler sollte man aber nicht einfach so verschenken, sondern damit ein Tauschgeschäft (gegen ein paar extra Karotten, einen madagassischen Sparschäler etc.) machen. So ist es eine Win-Win – Situation für beide Seiten und wir als Vazaha (Fremde) sind nicht nur jene, die geben. Bei einem fairen Tauschgeschäft begegnen uns die Einheimischen auf der gleichen Ebene.

Der Sparschäler passt auch sehr gut, wenn man der Küche in einem kleinen Hotel ein Dankeschön machen will. Dabei ist wichtig zu zeigen, wie dieses Gerät zu benutzen ist – sonst liegt es danach nutzlos herum oder verursacht sogar einen kleinen Unfall.

Eine Büchse mit Seifenwasser lohnt sich immer, in Greifnähe zu haben. Damit werden Seifenblasen gemacht und dadurch Freude geschenkt. Es hat wenig Sinn, die Büchse unterwegs zu verschenken, da die wenigsten flüssige Seife haben, um neu aufzufüllen. Wenn Sie Kindern begegnen und für sie ein paar Seifenblasen machen, dann kann es sein, dass am Anfang ein paar der Kleinen Angst bekommen, weil sie nicht wissen, was dies ist. Aber nach wenigen Sekunden ist die Angst verflogen und die Kinder werden voll beschäftigt sein, die Blasen einzufangen. Mit glänzenden Augen kichern sie laut vor Freude, wenn sie mit einem Finger die Blasen zum Platzen bringen.

Unterwegs begegnen Sie immer wieder Kindern, in den meisten Fällen Jungs, die Fussball mit selbstgemachten Fussbällen spielen. Diese Bälle sind meistens aus Plastikabfall gemacht und auch wenn sie gut funktionieren, steht ein richtiger Fussball hoch auf der Wunschliste eines jeden madagassischen Fussballspielers. Hier können Sie auch ein Tauschgeschäft machen. Vielleicht haben Sie einen Fussballverein zu Hause gebeten, einen Fussball zu spenden und bringen anschliessend diesem Verein ein paar Bilder oder sogar den selbergemachten Fussball als Dankeschön zurück nach Hause. Denken Sie immer daran, eine Pumpe zu dem Ball mitzunehmen – ohne Luft macht Fussballspielen keinen Spass mehr und vor Ort gibt es in den meisten kleinen Dörfern keine Pumpen.

Wenn sie unterwegs sind mit Ihren Kindern und Lust haben mitzuspielen, dann dürfen sie garantiert ein Spiel mitmachen und den neuen Ball einweihen. Ein Match, den sie lange in Erinnerung behalten werden.

Den Mädchen (und auch ein paar Jungs) kann man mit ein paar Metern Gummiband eine grosse Freude machen. In Madagaskar kennen die meisten Kinder den Gummitwist, aber haben selber kein Gummiband. Zeigen Sie den Kindern ihre alten Spielvarianten und lassen Sie die Kinder auch Ihnen zeigen, welche Varianten sie am Lager haben. So lernen beide Seiten etwas Neues, das sie später weitergeben können. Wenn Sie das Gummiband anschliessend mitnehmen, wird wohl keines der Kinder sich getrauen zu fragen, ob es das Band behalten dürfe. Aber falls die Kinder es behalten dürfen, dann ist die Freude extra gross.

Wenn sie gerne etwas für die Bildung schenken möchten, lohnt es sich vor Ort Schulmaterial, sprich Stifte, Schulhefte etc zu kaufen und es nicht von zu Hause aus mitzuschleppen. So sparen Sie sich Arbeit im Voraus, Kilos unterwegs und unterstützen mit Ihrem Kauf in Madagaskar auch ein paar lokale Geschäfte. Solche Sachspenden sollte man am liebsten direkt in einer Schule oder in einem Waisenheim vor Ort abgeben und nicht an bettelnde Kinder unterwegs. So ist man sicher, dass das Material richtig eingesetzt wird und man fördert nicht gleichzeitig und unbewusst das Betteln. Ihr Fahrer hilft Ihnen gern, unterwegs einen geeigneten Ort zu finden, um solche Sachen abzugeben. Wichtig ist, wenn Sie eine Schule oder ein Waisenheim besuchen wollen, dass Sie genügend Zeit einplanen und nicht nur 5-10 Minuten hineinschauen, um Ihr Spenden abzugeben.

Während einer Reise in Madagaskar kommt es oft vor, dass jemand Sie anspricht und Ihnen seine Probleme anvertraut. Bewerten Sie solche Informationen mit Vorsicht, speziell wenn es Probleme sind, die nur mit Geld, sprich nur mit Ihrer Hilfe zu lösen sind. Wir raten davon ab, Geld unterwegs zu geben, da dies die Bettelei nur verstärkt und die Probleme selten löst. Solche Probleme werden bei Bettelerfolg schnell zu einem Geschäftsmodell, das man als Touristen keinesfalls unterstützen soll.

Wer nach der Rückkehr nach Hause das Bedürfnis hat, etwas zu spenden, kann dies über verschiedene Organisationen tun, die gute Projekte in Madagaskar unterstützen. Auch hier muss man natürlich vorsichtig sein. Bei guter Wahl aber wird Ihre Geldspende am richtigen Ort eingesetzt und das Projekt in Madagaskar bewirkt eine Verbesserung der Lebensumstände.

Madagaskar: Wie einfach ist einfach?

Madagaskar: WIE einfach darf Einfach sein? Und WAS ist eigentlich EINFACH?

Hotel Au Gentil Pecheur - Hotels in Madagaskar

Zur Vorbereitung einer Reise nach Madagaskar gehört auch die Auswahl der Hotels und somit die Festlegung der Hotelkategorie.

In Madagaskar gibt es eine grosse Auswahl an Hotels, von ganz einfachen zu sehr luxuriösen. Es ist so, dass man nicht überall jene Kategorie buchen kann, die man sich wünscht und so mag es an bestimmten Orten sein, dass nur einfache Hotels zur Auswahl stehen. Oder es gibt nicht mal eine Auswahl, sondern nur ein einziges Hotel vor Ort. Wenn dies der Fall ist, ja dann muss man sich fragen: „wie einfach darf es sein?“

Für manche Leute ist ein Hotel schon einfach, wenn kein Zimmerservice oder Internet vorhanden sind. Für andere ist es immer noch nicht zu einfach, wenn man nur ein paar Stunden pro Tag Strom hat oder eine Kübeldusche. Die persönliche Einschätzung hängt wohl damit zusammen, was man vorher erlebt hat und dies herauszufinden, ist unsere Aufgabe als Reiseorganisator.

„Ja, ja, einfach ist für mich kein Problem“ ist keine genügende Vorinformation, um uns ein Bild der Wünsche unserer Reisenden zu machen. Es kommt vor, dass wir Leuten eine andere Reiseroute empfehlen, wenn wir das Gefühl bekommen, dass die Hotels entlang der gewünschten Route für sie wirklich zu einfach sein werden.

Unser Ziel ist, dass unsere Gäste so gut wie möglich vorbereitet auf ihre Reise gehen und dazu gehört auch ein Bild, was sie im Reiseland zu erwarten haben. Dies ist manchmal einfacher gesagt als getan.

Hier eine kleine PRIORI-Erklärung, wie wir die verschiedenen Hotelkategorien unterscheiden.

Einfach
Zimmer: Kleine Zimmer/Bungalows mit einer sehr spartanischen Zimmerausstattung. Manchmal nur eine dünne Matratze auf einem simplen, lokal hergestellten Lattenrost. Moskitonetz vorhanden (manchmal mit ein paar Löchern). Keine (oder sehr wenig) Ablagefläche. Kein Kühlschrank. Kein Safe im Zimmer.
Bad: Keine Garantie für fliessendes Wasser, aber mindestens eine Kübeldusche und ein WC (das man vielleicht mit einem Eimer nachspülen muss). Handtücher vorhanden, aber nicht täglich gewechselt. Handseife fast immer vorhanden. WC-Papier kaum. Manchmal gemeinsames Badzimmer auf der Etage.
Strom: Meistens kein Strom im Zimmer. Manchmal eine Solarlampe, die am Abend ein bisschen Licht gibt. An den meisten Orten gibt es die Möglichkeit, bei den Besitzern Batterien im Laufe des Abends aufzuladen, aber keine Garantie. Kerzen als Nachtbeleuchtung.
Wifi: Kein Internet. Manchmal auch keine Abdeckung für Mobilfunknetz.

Mittel
Zimmer: Gut ausgestattete und zum Teil sehr gemütliche Zimmer/Bungalows (kleine und grosse). Meistens mit guten bis sehr guten Betten. Moskitonetz – wo nötig – vorhanden. Kühlschrank. Manche Hotels haben einen Safe im Zimmer.
Bad: Fliessendes Wasser (meistens warm) und funktionierendes WC. WC-Papier. Täglich neue Handtücher. Handseife immer vorhanden.
Strom: Wenn kein Stromunterbruch, Strom ganzen Tag (manche Hotels nur am Abend).  Steckdosen im Zimmer
Wifi: Die meisten haben kostenloses Wifi im Restaurant oder zunehmend auch im Zimmer.

Hoch
Zimmer: Grosszügige Zimmer/Bungalows, mit guten bis sehr guten Betten. Moskitonetz – wo nötig – vorhanden. Gute Ablagemöglichkeiten. Meistens Safe im Zimmer.
Bad: Bad, WC mit fliessendem und warmem Wasser. Täglich neue Handtücher. WC-Papier und Handseife immer vorhanden.
Strom: Ganzer Tag Strom. Genügend Steckdosen im Zimmer. Bei Stromunterbruch springt eine eigene Notstromversorgung ein.
Wifi: Kostenloses Wifi im Zimmer oder mindestens in den Aufenthaltsräumen.

Wenn man ein Land wie Madagaskar nicht nur entlang der Touristenroute bereisen und entdecken möchte, dann gehört auch eine gute Portion Abenteuerlust dazu. Wenn man sie besitzt und ohne zu grosse Erwartungen bezüglich der Infrastruktur die Grosse Insel bereist, dann warten viele schöne Begegnungen mit nicht nur in der Natur, sondern auch mit den Einheimischen. Wie in vielen anderen Ländern gilt: je weiter weg vom Touristenstrom, umso grösser die Erlebnisse.

Hier ein paar Beispiele warum es sich manchmal lohnt auf ein bisschen Luxus zu verzichten:

Unterwegs an der Ostküste gibt es viele kleine Dörfer, die wir besuchen und in denen man sehr selten andere Touristen antrifft. An solchen Orten ist die gegenseitige Neugier aufeinander noch gross und es wird keine Zeit verschwendet, um bei den Vazaha’s (Fremde) zu betteln. Betteln ist eigentlich kein typisches madagassisches Verhalten und die Leute in den Dörfern würden nie auf die Idee kommen, ihre fremden Gäste um etwas zu bitten.

Tief im Regenwald gibt es kleine Vanilledörfer, die für Touristen sehr interessant sein können. Hier gibt es die Möglichkeit, den ganzen Prozess des Vanilleanbaus kennenzulernen. Wenn man in einem dieser Dörfer den Fermentierungsprozess der Vanillebohnen begleitet, wird man es im Nachhinein schwer haben, Freunden und der Familie zu erklären, wie intensiv es nach Vanille geduftet hat und wie man bei einem Dorfspaziergang aufpassen musste, nicht in die überall herumliegende Vanille zu stolpern. Die meisten diese Dörfer bieten sehr einfache Übernachtungsmöglichkeiten an. Auch wenn der Rücken vielleicht ein paar Wünsche übrig hätte, ist das Reiseerlebnis so gross, dass es garantiert einer der Höhepunkte einer Reise in Madagaskar sein wird.

Nicht dass Sie jetzt denken, es gibt nur einfache Hotels in Madagaskar. Die meisten Hotels, je nach Reiseroute (und Wunsch), die wir von PRIORI Reisen für unsere Gäste aussuchen, sind gute bis sehr gute Mittelklassehotels.

Madagaskar ist ein Reiseland, das man in erster Linie besucht, um Fauna, Flora und Kultur kennenzulernen, aber auch ein paar Tage am Strand ermöglichen eine gute Auswahl an Traumstränden und Hotelangeboten, die garantiert jedem Geschmack gerecht sein werden.

Gedanken zu „Dem Lied des Meeres“, Madagaskar

Meine Liebe zu „Dem Lied des Meeres“

Das Lied des Meeres - zwei madagassische Kinder fischen an der Küste von Madagaskar

Ich sitze draussen vor meinem Bungalow und lausche das Meer zu. Jede kleine Welle, die auf den Strand zurollt, zaubert eine wohlbekannte schöne Melodie in meine Ohren und fühlt sich an wie Balsam für meine Seele. Manche kommen ganz leise an und andere zerschellen mit viel Kraft. Im selben Moment kommt der Nachtwächter vorbei. Er befindet sich gerade auf seinem Heimweg und wollte mir noch kurz einen schönen Tag wünschen. Als Nachtwächter hat er eine lange Nacht hinter sich, angefangen mit seiner Schicht um 18 Uhr abends, hat er erst jetzt, kurz nach 6 Uhr morgens, endlich seinen wohlverdienten Feierabend.
Die Wellen nehmen sich hingegen nie frei! Auch wenn es draussen auf dem Meer ganz still aussieht, kommen oder gehen sie ganz leise, so wie der Mond sie führt. 6 Stunden und 14 Minuten benötigt das Meer für die Flut und ein paar Minuten weniger für die Ebbe.
Hier auf der kleinen Insel Sainte Marie, an der Ostküste von Madagaskar, kann man die Gezeiten gut erkennen und auch gleichzeitig schön beobachten, wie die Menschen diese Meereszyklen in ihr eigenes Leben einbauen. Bei Ebbe gehen die Menschen an den Strand und suchen nach etwas Essbarem. Kinder stöbern meistens nach Krustentieren, die Erwachsenen hingegen, welche kein eigenes Boot besitzen, versuchen mit ihren Fischernetzen alleine oder zu zweit ihre Beute im Wasser zu ergattern. Ob auch diese «dem Lied des Meeres» während ihrer Arbeit lauschen, so wie ich es gerade tue oder haben sie sich bereits so sehr an diesen wundervollen Ton gewöhnt, dass sie ihn wohlmöglich gar nicht mehr wahrnehmen?
Ich glaube sie hören das Meer immer noch, aber anders als ich!
Für die Einheimischen scheint dieser Ton mehr wie ein Botschafter zu sein, der Mitteilungen an sie weitergibt, aber auch gleichzeitig wie ein Ratgeber, der ihnen erzählt, was sie an diesem Tag tun können und was nicht. Ist die Melodie des Meeres zu stark, wird es keinen Ausflug geben, um mit den kleinen Pirogen Fische zu fangen und spielt sie ganz leise, können sie ohne Bedenken ihre Kinder an den Strand schicken, um nach Muscheln und Krabben zu suchen.
Könnte es auch so sein, dass die Gezeiten das Leben der Einheimischen entschleunigt? Ich glaube schon, dass es so ist! Niemand kann die Gezeiten des Meeres steuern oder beeinflussen, daher muss der Mensch sie so nutzen wie sie fallen. Eventuell ist auch das genau der Grund, warum die Menschen hier entlang der Küste einen besonders ruhigen Lebensstil pflegen, welcher uns Touristen immer wieder so besonders gut gefällt. «Mora mora, langsam, langsam» ist eine der ersten Wörter und Philosophien, die einem in Madagaskar beigebracht werden.

Im nächsten Moment komme ich raus aus meinen Gedanken und beobachte den Horizont. Dort erkenne ich viele kleine Fischerboote, zugleich stellt sich mir die Frage, ob es die Fischer sind, die bereits bei Sonnenaufgang rausgefahren sind, um etwas zu fangen oder gehören diese Boote zu denen, die gestern Abend bereits mit Lampions das Festland verlassen haben?
Am Abend breitet sich oft ein regelrechtes Lichtermeer draussen in der Dunkelheit des Meeres aus. Viele Fischer versuchen ihr Glück, mit dem Licht der Lampions Fische anzulocken und diese mit ihren Netzen zu fangen. Dieser Trick scheint aufzugehen, denn nachts gibt es so viele Lichter auf dem Meer, dass es für uns Touristen manchmal so ausschaut, als ob dieses Schauspiel nur ganz alleine für uns arrangiert würde. Diese tanzenden Lichter kombiniert mit dem leisen Meeresrauschen wirken wie ein harmonisch, beruhigendes, gut abgestimmtes Musikstück auf mich…
Versteht ihr nun, warum ich das Lied des Meeres so sehr liebe?

Gedanken an einen frühen Morgen auf der Insel Sainte Marie, Madagaskar.
Ellen