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Tropischer Carnaval in Madagaskar

Im Juni ist Carnaval in Madagaskar. Dann versammeln sich die Leute in den Städten zum gemeinsamen Fest. Seit einigen Jahren nun sucht nun Antananarivo, die Hauptstadt Madagaskars, dieses kulturelle Event auf sich zu konzentrieren. Demnach findet der grösste Carnaval des Landes nun zum dritten Mal in Antananarivo statt und dies natürlich in der Innenstadt. Drei Tage lang wird gefeiert.

Kernstück ist der Umzug mit Repräsentanten aus den verschiedenen Landesteilen. Früher lag der Schwerpunkt eher auf den 18 offiziellen Ethnien, heute präsentieren sich die 22 Regionen, in die Madagaskar administrativ unterteilt ist. Da tanzen also die Antandroy aus dem tiefen Süden, es gehen die Sakalava aus dem Osten in rhythmischem Takt vorbei, es finden sich Leute aus der Vanilleregion SAVA und Morondava vertritt die Bevölkerung des Menabe. Das Hauptevent ist eine lange und farbenfrohe Parade unzähliger Gruppen.  Jede Formation ist in regionaltypische Kleider gehüllt. Der lange Menschenwurm tanzt, singt, trommelt und lächelt sich stundenlang durch die engstehende Menschenmenge.

Das Ereignis wird von den Tourismusverbänden organisiert und soll die Madagassen einander näherbringen, aber auch die kulturellen Variationen der grossen Insel im Indischen Ozean aufzeigen. Daher – wie immer bei Veranstaltungen – hängt überall die rot-weiss-grüne Fahne Madagaskars. Die Zahl tausend hat ja in der Geschichte von Antananarivo, der ‘Stadt der Tausend’, eine lange Tradition und so sollen es dieses Jahr tausend Musiker, Artisten und Künstler aller Art sein, die am Festival teilnehmen. Nur selten, aber immerhin, auch Gaukler und Stelzenläufer. Tatsache ist, die Strassen der Innenstadt sind wie ein Fluss durchzogen von Farbe und Bewegungen.

Begleitet werden die drei Tage durch Marktstände, Essensbuden und natürlich von Konzerten, die jeweils mehrere tausend Leute anlocken. Viele der Konzerte sind gratis und die unter freiem Himmel aufgebauten Bühnen haben grossen Zulauf. Die lockere Ambiance mit viel Musik wird unterstrichen durch Alkohol. Doch der madagassische Carnaval ist kein Besäufnisfest wie anderswo.

Der madagassische Carnaval ist auch ein Fest für die Kinder. Dabei legen die Eltern Wert darauf, mit ihren Kleinen in festlicher Kleidung durch die Menge zu bummeln. Natürlich nehmen auch die vielen Vereine, Nichtregierungsorganisationen und kleinen Hilfswerke den Anlass zur Gelegenheit, sich und ihre Projekte zu präsentieren. Rund 400 Stände berichten so über Hygiene, Ernährung, Verhütung und vieles mehr. Carnaval auch für Autofreunde. Eine Parade aus Oldtimern war der technische Hingucker dieses Jahres. In Madagaskar finden sich ja nach wie vor Fahrzeuge im Einsatz, die anderswo im Museum stehen. Aber es gibt auch engagierte Sammler, die ihre Lieblingsstücke fachgerecht restaurieren und pflegen. Nur die Taxis und die arbeitende Bevölkerung liebt dieses Ereignis etwas weniger. Denn während Tagen ist die Innenstadt komplett abgesperrt. Sie leidet sowieso ganzjährig unter Dauerstau und Verkehrsstress.

Auch sonst unterscheidet sich der Carnaval in Madagaskar von Veranstaltungen ähnlicher Art anderswo auf der Welt Der Gebrauch von Masken und Verkleidung ist so gut wie nicht präsent. Vielleicht zieht sich mal jemand eine Perücke mit roten Basthaaren an oder malt sich sein Gesicht mit Farbe. Also kein Vergleich zu den strengen Sitten einer Basler Fasnacht, wo militärisch koordinierte Musiktruppen in ausgearbeiteten Masken durch die Stadt marschieren. Kein Vergleich auch zum kultisch-archaischen Fasnacht in Luzern, wo sich urchige Musik chaotisch dann doch zu einer seltsam schrillen Harmonie trifft. Aber auch kein Vergleich mit Köln, wo pointierte Kurzpräsentationen das Salz des Faschings ausmachen. Auch der tropische Carnaval von Rio mit seinen Sambatänzen und höchst augenfälligen Kleidungen voller Sex und Erotik ist mit dem eher nüchternen Volksfest in Madagaskar nichts zu vergleichen.

In Madagaskar ist die Fasnacht eher ein Fest für alle Bevölkerungsschichten, das die grosse Diversität der kulturellen Landschaft aufzeigt. Carneval hat in der Tradition Madagaskars keine Wurzeln. Aber seit wenigen Jahrzehnten bemühen sich Gruppierungen, vor dem Beginn des madagassischen Winters um ein kulturelles Ereignis. Das Wort Carnaval ist vielleicht ein falsches Wort dazu, aber es hat sich eingebürgert.

Zoma in Madagaskar: der grosse Markt am Freitag

Der weltgrösste Markt unter freiem Himmel war der Zoma in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Der Markt fand seit Jahrhunderten immer ganztags an jedem Freitag statt. Zoma, ausgesprochen suma, bedeutet Freitag in der madagassischen Sprache.

Markt Madagaskar Zoma Antananarivo HülsenfrüchteDer Zoma bot alles, von Früchten und Gemüse bis zu Kleidern, von gebrauchten Autoersatzteilen bis hin zu neuester Elektronik. Jeden Freitag strömten tausende von Händlern, Wiederverkäufern und Bauchladenverkäufern mitten in die Hauptstadt Madagaskars, um den zehntausenden von Besuchern Waren zu verkaufen. Es gab zwar roh gezimmerte und schnell erstellte Marktstände aus Holz und überdeckt mit Planen, doch ebenso setzten sich viele Händler einfach auf ein Plastikstück auf den Boden. Ein Durchkommen war für die Besucher schwierig, für Autos eine wirkliche Herausforderung. Menschenstaus, Taschendiebe und kilometerlange Autostaus machten den Zoma unerträglich.

So setzte die Stadtverwaltung von Antananarivo zu Beginn der 1990er Jahre diesen bekanntesten Traditionsmarkt von Madagaskar einfach aus. Es entstanden mehrere kleinere Märkte am Rand der Innenstadt und nur noch ein kleiner, täglicher Frischproduktemarkt findet sich im Zentrum der Stadt. Mit dem legendären Zoma hat er nichts mehr zu tun.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin vergleichbarer Markt hat aber 400 km südlich der Hauptstadt von Madagaskar überlebt. Es ist der nur regional bekannte Zoma von Fianarantsoa. Diese Stadt wird als Schwesterstadt von Antananarivo betrachtet. Hier im Bestileoland findet nach wie vor jeden Freitag der grosse Wochenmarkt statt. Auch er wird daher Zoma genannt und bietet eine unglaubliche Menge an Produkten aller Art. Der Zoma von Fianarantsoa kennt auch enge Gassen, durch die sich die Fussgänger drängeln, weil die Marktfahrer ihre Stände sehr eng aufbauen. Doch es bleibt Luft und es sind weniger Menschen als früher in Antananarivo. Verkäufer und Käufer stammen aus der Region und kaum je ist ein Tourist zu sehen.

Der Zoma beginnt morgens bei Sonnenaufgang und in Madagaskar ist das jahraus, jahrein um sechs Uhr früh. In den Monaten Juni bis August zittern die Leute vor Kälte, denn auf den 1400 Metern über dem Meer fühlt es sich im madagassischen Winter sehr kalt an. Vom Dezember bis März hingegen drängen sich die Leute unter Plastikstücke, um sich vor dem Tropenregen zu schützen. In den anderen Monaten jedoch ist ein ausgedehnter Spaziergang über den Zoma ein ausgesprochen interessantes Erlebnis.
OLYMPUS DIGITAL CAMERADa sind nicht nur Farben aller Art, da sind auch Gerüche in allen Variationen und da sind vor allem die visuellen Eindrücke, die einmalig sind. Denn der Markt wird gern von der ruralen Bevölkerung der Umgebung besucht, als Verkäufer oder Käufer oder beides, und dies bringt bunte Kleidung, farbenfrohe Hüte und markante Gesichter in die Stadt. Fotografen berauschen sich an der Farbenwelt und der Szenerie dieses Marktes. Kein Wunder lebt der bekannteste Fotograf Madagaskars, Pierrot Men, in Fianarantsoa.

Fianarantsoa wird von Touristen oft nur als Zwischenaufenthalt benutzt, um von dort aus mit der Eisenbahn an die Küste zu fahren. Dabei hat Fianarantsoa viel mehr zu bieten: nebst dem Freitagsmarkt sind dies Weingüter, Handwerk, eine UNESCO-Altstadt und einen Fotokurs mit Pierrot Men. Nebst diesen Aktivitäten bietet die Reiseorganisation PRIORI noch weitere Highlights im Betsileoland an. Infos unter www.priori-reisen.de und www.madagaskarhaus.ch