Masoala Nationalpark

1670 – Masoala Nationalpark

Die Stadt Maroantsetra liegt idyllisch am Nordende der Bucht von Antongil und ist der ideale Ausgangspunkt für eine Exkursion zum nahegelegenen Inselnaturreservat Nosy Mangabe oder für Trekkingtouren und Expeditionen in den dichten Regenwald von Masoala.


Dieses Naturschutzgebiet von Masoala ist auch in Europa bekannt dank der Eröffnung der Masoala-Regenwaldhalle im Zürcher-Zoo im Jahre 2003. 

An der Nordostküste der Insel Madagaskar gelegen, mit enormen Niederschlagsmengen ausgestattet und mit einem feuchtwarmen Klima ist die Masoala Halbinsel ein spektakuläres Tropenparadies in Madagaskar. Dieser beeindruckende Regenwald wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe unter Naturschutz gestellt. Der Park, gegründet im Jahr 1997 umfasst neben der Halbinsel auch 100 km² Meeresgebiet sowie die nahegelegene Insel Nosy Mangabe. Die höchste Erhebung auf der Halbinsel reicht bis in eine Höhe von rund 1300 m über dem Meeresspiegel.

Masoala Nationalpark
Die Insel Nosy Mangabe liegt nur etwa fünf Kilometer von der Stadt Maronatsetra entfernt und ist auch nur etwa 5 km2 gross. Ein Besuch beginnt immer mit einer Bootsfahrt ab Maroantsetra, begleitet durch einen einheimischen Lokalführer. Normalerweise bleiben die Reisenden nur ein oder zwei Tage auf der Insel. Übernachten kann man nur im Zelt. Oder man macht einen Tagesausflug zur Insel in Sichtweite von Maroantsetra.

Der eigentliche Masoala-Park ist das grösste noch verbliebene Stück Regenwald im Nordosten Madagaskars. Ein Besuch in diesem beeindruckenden Naturreservat gibt dem botanisch Interessierten Einblick in eine grosse Pflanzenvielfalt.

Es ist die regenreichste Gegend Madagaskars und die beste Reisezeit ist die “Trockenperiode“ zwischen September und Dezember, da es in der Regel in dieser Zeit weniger regnet. Der Regen fällt dann meist nachts oder in kurzen heftigen Schauern und die Temperaturen sind auch erträglicher. Mit diesen reichhaltigen Niederschlagsmengen ist diese Halbinsel tropisch, mit Küstenregenwald bedeckt, aber auch mit Bergregenwald und dieses interessante Naturschutzgebiet hat eine sehr reiche endemische Tier- und Pflanzenwelt.

Die Roten Varis (Varecia variegata rubra) mit einem Gewicht von etwa vier Kilo gehören zu den grössten Lemuren in diesem Urwald. Sie sind tagaktiv und leben in Familiengruppen. Sie markieren ihr Territorium im Wald mit dem Sekret ihrer Drüsen oder rufen die Nachbargruppen früh am Morgen mit ihren lautstarken Schreien. Diese Varis sind besonders aktiv nach Sonnenaufgang und kurz vor dem Sonnenuntergang und ernähren sich als reine Vegetarier von den wilden Früchten im Wald, aber auch von Blüten, Nektar und Blättern. Als “Nestbaumlemur“ baut das Weibchen aus Ästen, Blättern und Moosen ein spezielles Nest auf einem hohen Baum, wo sie ihre Babies während der ersten drei Wochen nach der Geburt unterbringen. So wie die Katzen transportiert die Mutter die kleinen Lemuren im Maul. Normalerweise kommen zwei bis drei Junge zur Welt. Die schwarz-weisse Form der Varis lebt auf der Insel Nosy Mangabe.


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Die winzigen und niedlichen Braunen Mausmakis kommen auch in diesem faszinierenden Wald vor. Sie haben eine Körpergrösse von ca. 8 cm und ihr Körpergewicht liegt zw. 30 und 55 Gramm. Während des Südwinters verbraucht dieser weltweit kleinste Primat das im Schwanz angereicherte Körperfett. Die Braunen Mausmakis sind nachtaktiv und fressen gern süsse Früchte wie die wilden Goyaven, Blüten und Sprossen von besonderen Pflanzen im Wald. Sie sind aber auch Insektenfresser. Im Gegensatz zu den tagaktiven Lemuren leben sie nicht in Gruppen und schlafen tagsüber in Baumhöhlen oder in unbewohnten Vogelnestern. Wegen ihrer geringen Körpergrösse sind die fleischfressenden Raubvögel wie Eulen, Falken, Adler die Feinde der scheuen Mausmakis. Auch die Fossa, die Ringelschwanzmungos (Galidia elegans), die Schleichkatzen, sowie die nachtaktiven Schlangen wie die Madagaskar Hundskopfboa zählen zu den gefährlichen Raubtieren im Wald.

Masoala Nationalpark
Tierfreunde können sich an den verschiedenen Reptilien wie Geckos, Plattschwanzgeckos, Chamäleons, Schlangen aber auch an zahlreichen Vögeln und Froscharten erfreuen. Einige Bewohner dieses beeindruckenden Regenwaldes geben sich bei der Tarnung die grösste Mühe: Gottesanbeterinnen und Stabheuschrecken imitieren perfekt trockenes Laub und Blätter und nur die geübten Augen der Lokalführer können sie im dichten Gebüsch entdecken. Manche Froscharten sind so gefärbt, dass sie kaum vom Untergrund zu unterscheiden sind. Winzige Erdchamäleons der Gattung “Brookesia“ bewohnen auch die feuchten Laubschichten am Boden des Regenwaldes und sind in Form und Farbe ihrem Lebensraum verblüffend angepasst. Im Gegensatz zu diesen gut getarnten Reptilien fallen einige Tiere mit ihren leuchtenden Farben extrem auf. Dazu zählen die bunten Tausendfüssler, die Skolopender oder die giftgrünen Tagesgeckos. Borstenigel oder Tenrek sind nachtaktiv und häufig in der Nähe der Siedlungen, Dörfer und Hotels zu finden.

Mehr als 100 Vogelarten haben die Wissenschaftler hier im Masoala entdeckt. Der seltene und endemische Schlangenhabicht (Eutriorchis astur) und der Madagaskar Schlangenadler wurden bei der Gründung des Parks im Jahre 1997 wieder gefunden. Hier im Masoala Regenwald kann man die endemische rote Madagaskareule (tyto soumagnei) beobachten, wenn man Glück hat. Die lauten Seidenkuckucke, die endemischen Vangas oder die schwarzen Vasa Papageien gehören auch zu den typischen Vogelarten im Masoala Reservat.

Der bunte und schöne Madagaskar-Fliegenschnäpper schwirrt auf der Jagd nach Insekten im dichten Gehölz umher. Am Flussufer sitzt der blauschimmernde madagassische Malachiteisvogel (“Vintsy“ auf madagassisch). Er ist ein sehr schöner und putziger Fischvogel, der geduldig auf die nächste Beute wartet. Der seltene Fischadler kreist um die Baumkronen oder in den Uferzonen. Der farbenprächtige Nektarvogel oder “Soimanga“ labt am Blütensaft eines blühenden Gebüschs.

Masoala Nationalpark
Der Park umfasst verschiedene Lebensräume wie Regenwald in diversen Höhenlagen, Mangroven und vor der Küste erstrecken sich riesige Korallenriffe. Im Innern ist Masoala gebirgig und dicht bewaldet. Steile Abhänge gehen über in vielfältige Küsten- und Mangrovenwälder, Sandküsten oder bizarre Felsenformationen. Die Fülle an Pflanzen- und Baumarten ist erstaunlich gross in dieser Region und jedes Jahr entdecken die Botaniker neue Sorten von endemischen Arten. Erwähnenswert sind zum Beispiel die vielen Farne, wie die Vogelnestfarne mit ihren langen Blättern, die in ihrem Herzen eine Art Nest bildet. Die Geweihfarne, die in den Astgabeln von Bäumen wachsen oder die schön dekorativen Baumfarne, eine Aufsitzerpflanze, die eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und kühles Klima brauchen. Dann die endemische Fleischfressende Pflanze („Nepenthes Masoalensis“), die am Ende der Blattstiele eine Kannenfalle bildet, welche Insekten anlockt. Daher ihr schöner Name Kannenpflanze.  Man findet auch viele Orchideen (Stern von Madagaskar) und zahlreiche Palmenarten wachsen in diesem Feuchtgebiet sehr üppig. Auch Bäume mit Brett- oder Stelzwurzeln wachsen prächtig und diese können mehrere Meter breit oder hoch werden.

Die Korallenriffe in den drei Meeresreservaten Masoalas sind einzigartige Schnorchel- und Tauchgründe in dieser Region. Eine besondere Attraktion an der Antongil-Bucht ist die Walbeobachtung. Jeweils von Juli bis September halten sich hier diese im Meer lebenden Säugetiere mit ihren neugeborenen Jungen auf. Auch Delfine, insgesamt 22 verschiedene Arten, halten sich das ganze Jahr in den Küstengewässern Madagaskars und im Marinepark von Tampolo auf. An versteckten Orten kann man auch Dugongs oder Seekühe finden.

In der Umgebung des Dorfe Tampolo befinden sich die meisten Unterkünfte am Rand des Regenwaldreservates. Dies ist ein guter und beliebter Startpunkt für Exkursionen und Wandertouren in diesem faszinierenden Urwald.

Etwas ganz Besonderes und Abenteuerliches ist das rund 132 Kilometer lange und abwechslungsreiche Masoala Trekking. Es verbindet die Stadt Maroantsetra an der Bucht von Antongil mit Antalaha an der Ostküste. Diese Trekkingtour zählt zu den mühsamsten, aber auch schönsten Unternehmungen für Abenteuerlustige. Beim Durchqueren der zahlreichen Bäche und Flüsse müssen die Reisegäste auf den glitschigen und rutschigen Wegen gut aufpassen, aber der hilfreiche Führer sowie die freundlichen Gepäckträger sind immer dabei und sie kennen die Furten für das Überqueren der Flüsse. Auch die gemächliche Pirogenfahrt zum Abschluss des Trekkings auf dem Onive Fluss, das Treffen mit den gastfreundlichen Dorfbewohnern und die lachenden und neugierigen Kinder auf diesem langen Fussmarsch gehören zu den besonderen und unvergesslichen Erlebnissen auf diesem einmaligen Abenteuer.

Mai 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

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