Nosy Be

1910 – Die Insel Nosy Be

Nosy Be ist der touristische Hotspot in Madagaskar, mit allen Licht- und Schattenseiten

 

Nach einer langen Madagaskarreise ist man reif für diese erholsame Parfüminsel: „Pures Inselfeeling“!
Nosy Be ist 325 km2 gross: zu gross, um klein zu sein und zu klein, um gross zu sein. Die Vulkaninsel hat etwa die Fläche von München oder etwas mehr als jene des Kantons Schaffhausen. 

Die Insel Nosy Be ist per Boot ab dem nahen Festland oder aber per Flugzeug ab Diego Suarez oder auch ab der Hauptstadt Antananarivo erreichbar. Viele Reisende bevorzugen die Überfahrt mit dem Fährschiff ab dem Kleinstädtchen Ankify (ca. 15 km nördlich von Ambanja).

Nosy Be ist die Insel vor der Insel: also eine kleine Insel in Sichtweite von der Hauptinsel Madagaskar.

Nosy Be, die “Perle im Kanal von Mozambik“, liegt nur etwa 10 km von der Nordwestküste des Festlandes entfernt. Die Abfahrtszeit der Fähre oder des Schnellbootes hängt jeweils von den Gezeiten ab. Die Bootsfahrt bis zur Insel ist vormittags bei Ebbe eher möglich, da das Meereswasser nachmittags unruhig ist. Unterwegs trifft man öfter die Einbäume der einheimischen Sakalava-Fischer, die an ihren kleinen Netzen herumnesteln und auswerfen.

“Nosy“ heisst auf Madagassisch “die Insel“ und das Wort “be“ bedeutet “gross“ oder “viel“. Tatsächlich ist Nosy Be mit einer Fläche von 325 km² die grösste Nebeninsel Madagaskars. Rund um die Hauptinsel liegen die Nachbarinseln Nosy Komba, Nosy Tanikely, Nosy Sakatia, Nosy Iranja oder Nosy Mitsio: Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen, Windsurfen, kurze Wandertouren durch die üppige Vegetation oder einfach relaxen und faulenzen sind die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten bei den Tagesausflügen auf diese traumhaften Inseln.

Nosy Be
Im 16. Jahrhundert war Nosy Be ein bevorzugter Schlupfwinkel der Piraten im Indischen Ozean, denn hier fanden sie alles was sie brauchten: Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Lebensmittel und Holz zur Reparatur ihrer Schiffe. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zum Zufluchtsort des Sakalava-Volkstamms aus der Region Mahajanga (Nordwestküste Madagaskars) während des Verteidigungskriegs gegen die Armee des Merina-Königs Radama I. aus dem Hochland. Gegen diese vielen Angriffe bat die junge Königin Tsiomeko von der Insel Nosy Be im Jahre 1840 Kapitän Passot um Hilfe und so wurde die Insel Nosy Be unter französischen Schutz gestellt. Ein Jahr später kolonisierte der Gouverneur de Hell. Die Insel wurde zur Produktionsstätte für die wichtigen Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Zuckerrohr und die Essenz der Ylang-Ylang Blüte. Gouverneur Hell vergrösserte auch die Hafenstadt im Süden der Insel. So wurde der Hafen und das Verwaltungszentrum der Insel in Hell Ville umbenannt. Schon während der Kolonialzeit wurde Nosy Be zum wichtigsten Plantagenanbaugebiet im Norden von Madagaskar.

Sicherlich kennen fast alle deutsch sprechenden Leute das berühmte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord.“ Text und Musik stammen von einem russischen Soldatenlied aus der Zeit, als die Russen einen Krieg gegen die Japaner in den Jahren 1904/1905 führten. Die russische Kriegsflotte – auf ihrem langen Weg von der Ostsee nach Ostasien – fand Unterschlupf in einer versteckten Bucht an der Nordwestküste Madagaskars und wartete vergeblich auf ein Kohleversorgungs­schiff. Über 100 Soldaten starben an Typhus und nicht an der Pest, wie es im Lied erzählt wird. Im Friedhof von Hell Ville befinden sich noch heute Gräber von russischen Soldaten. Auch in Andoany gibt es noch einen Friedhof aus dieser Zeit. Mehr als 100 Jahren später heisst die versteckte Bucht an der Nordwestküste Madagaskars noch immer “die russische Bucht“ oder “La Baie des Russes“.

Nosy Be
Die tropische Insel Nosy Be mit vulkanischem Ursprung hat landschaftlich sehr viel zu bieten: Grüner Regenwald, fruchtbares Land mit üppiger Vegetation und exotische Früchte, geschützte Buchten, menschenleere Palmenstrände und ein strahlend blauer Himmel. Zwischen August und Dezember ist die Reifezeit der leckeren Mangos und das ganze Jahr werden süsse Bananen und saftige Papayas auf der Insel geerntet. Die Insel hat weite, ebene Flächen, auf denen seit vielen Jahrzehnten Kaffee-, Vanille- und Ylang Ylang-Plantagen gepflegt werden.

Die Ylang Ylang-Pflanze (Cananga Odorata), die aus den Philippinen stammt, führten die Kolonialherren auf dieser tropischen Insel ein. Viele der Ylang Ylang-Felder liegen auf dem Weg zum Flughafen und bereits nach der Landung riechen die Besucher den süsslichen, aromatischen Duft dieser schönen gelben Blüten. Diese “Parfüm-Pflanze“ gedeiht sehr gut auf der vulkanischen Insel mit dem feucht warmen Klima. Der Baum mit knorrig verschlungenen Ästen darf nicht mehr als zwei Meter hoch wachsen, damit die Blütenernte ohne Leiter erfolgen kann. Das ganze Jahr über sieht man Sakalava-Frauen in den Feldern, wie sie sternförmige Blüten bei Sonnenaufgang ernten, aus denen eine Essenz als unentbehrlicher Grundstoff für die Parfümindustrie gewonnen wird. Madagaskar exportiert die beste Qualität dieses teuren ätherischen Ylang-Öls, hauptsächlich nach Frankreich und nach Amerika. Nicht umsonst hat Nosy Be den schönen Spitznamen “die Insel der Düfte“. Die teure Essenz der Ylang Ylang-Blüten hat den Bewohnern einen ungewöhnlich hohen Lebensstandard gebracht. Diese devisenbringenden Exporte haben leider auch ihre negativen Seiten und Auswirkun­gen auf das Leben der Einheimischen, die man nicht unterschätzen darf.

Nosy Be
Bei einer eindrucksvollen Rundfahrt um die Insel ist der Besuch einer Parfümdestilliere etwa einen Kilometer nördlich des Hafens lohnenswert. Die Inselbewohner mischen ihr Haaröl mit der wertvollen Ylang Ylang-Essenz. Sie wird auch zur Behandlung von Rheumatismus und für einige Hautkrankheiten verwendet. Dieses hochwertige Öl ist auch ein schönes Mitbringsel jeder Madagaskarreise.


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Der Tier- und Pflanzenpark Lemurialand liegt inmitten von Ylang Ylang-Feldern und unweit einer Destillerie. Bei einem Besuch von fast drei Stunden sieht man nicht nur das Destillieren von Ylang Ylang-Blüten, sondern gewinnt auch einen kurzen Überblick über die endemischen Tiere und die Pflanzenwelt Madagaskars.

Der Park beherbergt einige Lemurenarten, auch Reptilien wie Chamäleons, Krokodile, Schildkröten, Eidechsen und gleicht einem kleinen zoologischen Garten. Auch die Botanik und die Vielfalt der endemischen Sukkulenten und andere Pflanzen in Madagaskar ist gut vertreten. Ebenso wird hier die Herstellung einiger traditioneller Handwerksgegenstände wie Korbwaren, Matten oder Dekorationen aus Vetiverwurzeln wird hier gezeigt. Ein Rum-Museum erklärt die Verarbeitung von Zuckerrohr.

Nosy Be
Nicht weit des grossen Dorfs Dzamandzary an der Westküste von Nosy Be sieht man riesige Zuckerrohrplantagen. Der Name dieses Dorfes stand dem berühmten Rum Dzama Pate. Rum – oder eigentlich einfach Rohalkohol – wird hier und in zwei weiteren Regionen Madagaskars produziert. Besonders in den Monaten Mai und Juni blühen die auffallend weissen Federbüschel der Zuckerrohrpflanzen. Die Zuckerrohrpflanze wächst sehr rasch und braucht keine besondere Pflege. Die Fabrik produziert Zucker und Rohalkohol.  Daraus entstehen weisser und brauner Rum in unterschiedlichen Qualitätsstufen.

Von Djamanjary führt die Strasse bis zur höchsten Erhebung von Nosy Be, dem Mont Passot mit 239 m über dem Meeresspiegel. Oben auf der Bergkuppe hat man einen fantastischen Blick und ein umfassendes Bild von den Schönheiten der Insel, über die Westküste, die heiligen Kraterseen, die nahe gelegenen Nachbarinseln und bei schönem Wetter sogar auf das grosse Festland. Die Ausblicke sind traumhaft und die Beobachtung des Sonnenuntergangs mit seiner ganzen Schönheit vom Gipfel ist einzigartig. Die grünen Farben der Kraterseen unterscheiden sich je nach der Wassertiefe. Fischen und Baden sind in diesen heiligen Seen verboten. Es wäre auch gefährlich, denn sie sind von Krokodilen bevölkert. Die Sakalava-Bevölkerung betrachten diese Reptilien als die Verkörperung der Totengeister.

Der Hafen und die Hauptstadt Hell Ville oder Andoany auf madagassisch liegen im Süden der Insel und der Flughafen Fascene ist rund acht Kilometer entfernt. Die zerfallenen Prunkbauten im Stadtzentrum von Hell Ville sind noch Zeugen der einstigen Aktivitäten der französischen Kolonialzeit. Viele der Kolonialvillen sind inzwischen renoviert worden. Auf einem Spaziergang durch die Markthalle des „Bazary Be“ bekommt man einen Eindruck vom Alltagsleben der Sakalava-Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten, den tropischen Früchten, den frischen und geräucherten Fischen, Garnelen und Tintenfischen. Reis, Gemüse und viele Lebensmittel kommen mit dem Schiff vom Festland und wegen den Transportkosten sind die Produkte doppelt teuer. Die Reisenden kaufen hier die frischen Gewürze wie Vanille, Zimt, Pfeffer, Muskatnüsse als Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Entlang der Hauptstrasse bis zum Hafen erhält man abends viele Eindrücke über die Lebensweise der Insulaner. Am Strand werden gegrillte Zebu- oder Fisch-Brochettes mit scharf gewürzten Mangos oder Papaya (Spezialität der Insel) angeboten.

Eine Wandertour durch den Nationalpark von Lokobe ist ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde. Dieses Reservat erstreckt sich über 740 ha und liegt auf etwa 450 m Meereshöhe. Es befindet sich östlich der Hauptstadt Andoany (Hell Ville) auf einer Halbinsel und ist per Boot oder mit einer Piroge vom Dorf Ambatozavavy aus erreichbar. Bei der Pirogenfahrt erläutert der lokale Reiseführer die Besonderheiten und die Vielfalt des Mangrovenwaldes an diesem Küstenabschnitt. Die dreistündigen Wanderungen beginnen an der Anlegestelle des Boots. Zusammen mit der Lemureninsel Nosy Komba gehört dieser Primärwald zum Refugium der Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Auch die nachtaktiven Wieselmakis, ein paar Chamäleons, darunter die Pantherchamäleons, die Erdchamäleons und die Boa madagascariensis sind hier in ihrem natürlichen Habitat anzutreffen. Dieses Naturschutzgebiet besteht aus Tieflandregenwald, wo man noch einige gigantische Bäume wie den “Ramy-Baum“ bewundern kann.

Nosy Be
Im Jahre 2012 wurde eine Vereinigung der Tauchschulen und Bootsvermieter auf Nosy Be gegründet. Schwerpunkt und Ziel dieser Vereinigung sind in erster Linie der Schutz der Unterwasserwelt und der Korallenriffe, auch die korrekte Abwicklung und Sicherheit der Ausflüge zu den verschiedenen Ausflugszielen. Die vielen kleinen Inseln rund um Nosy Be sind denn auch ein wahres Paradies für Wassersportler. Zwischen den märchenhaft schönen Korallengärten schwimmen faszinierende Meeresbewohner wie Walhaie, Buckelwale, Delphine, Mantas und die ganze Vielfalt der tropischen Meere. Vor allem sind dabei die Meeresschildkröten ein Highlight, eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen sollte!

Auch die Strände von Orangea Plage bei Ambaro und Andilana sind weitere Traumorte für Sonnenhungrige. An diesen Badeorten gibt es eine reiche Auswahl an Unterkünften der verschiedenen Kategorien, vom gehobenen Hotel bis zum kleinen Gasthaus. Auf der Speisekarte stehen viele Spezialitäten mit Meeresfrüchten: frisch gefangene Fische, Krabben, Garnelen, Hummer, Langusten, Tintenfisch.

Je nach Interesse und je nach Reiseprogramm können die Reisegäste ihre Madagaskarreise ab der Insel Nosy Be starten. Hier können die Gäste in aller Ruhe die Entdeckungstouren vorbereiten. Oder sie können die Parfüminsel Nosy Be als erholsamen Badeabschluss ihrer Reise planen, um die vielen Reiseeindrücke zu verarbeiten, die sie auf der Madagaskarreise gesammelt haben.

Oktober 2020, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker Madagaskarhaus Basel

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