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Morondava–Morombe–Tulear

2900 – Morondava – Morombe – Tulear

Diese intensive Tour mit spannenden Erlebnissen in den südwestlichen Küstenregionen entlang des Kanals von Mozambik, ist nur im Geländewagen zu meistern, denn man fährt meist auf schlechten und sandigen Pisten.

 

Auf den 600 km durchfährt man eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielfältiger Vegetation in grosser Abgeschiedenheit. In vielen spontanen Begegnungen mit den Einheimischen erfahren wir viel über ihr bescheidenes Leben, aber auch über die Insel Madagaskar im Allgemeinen. Diese harte Überlandstrecke ist während der Trockenzeit zwischen August bis Oktober gut befahrbar.

Morondava, der Ausgangspunkt dieses erlebnisreichen Abenteuers, ist die Hauptstadt des ehemaligen Königreiches der Region Sakalava Menabe. Diese drittgrösste Hafenstadtliegt nördlich der Mündung des gleichnamigen Flusses am Kanal von Mozambik. Der Besuch des lebhaften Marktes im Stadtzentrum lohnt sich, es werden neben den landwirtschaftlichen Produkten der Umgebung auch geräucherte Fische und Garnelen angeboten. Ein Grossteil der Bevölkerung Morondavas gehört entweder der Vezo-oder der Sakalava-Bevölkerungsgruppe an. Diese beiden Küstenvölker sind hauptsächlich Fischer und ihre Einnahmequellen sind eng mit dem Meer verbunden.

In Morondava bieten sich viele Ausflugsmöglichkeiten an, so dass man ein paar Tage Aufenthalt in dieser schönen Stadt einplanen kann. Ausflugsbeispiele sind: die einmalige und faszinierende “Baobaballee“ mit den beeindruckenden Gräbern der Sakalava-Ethnie, oder die Fahrt bis zum ausgedehnten Trockenwald von Kirindy oder weiter bis zu den Tsingy von Bemaraha, ein verwittertes und zerklüftetes Kalksteingebirge mit Nadelspitzen und mit vielfältiger endemischer Fauna und Flora.

Ab Morondava fahren wir dann Richtung Süden. Ca. 80 km von dieser Hafenstadt entfernt liegt das Kleinstädtchen Belo-sur-Mer. Trotz der zeitaufwändigen Überlandfahrt und der schlechten Sandpiste entlang der Küste sind die vielen malerischen Fischerdörfer, gesäumt von Kokospalmen und mit weissen Sandbänken, atemberaubend schön und man hat einen weiten Ausblick auf den Kanal von Mosambik.

Belo-sur-Mer ist ein sehr beliebter Badeort und ein Zentrum der Schiffsbaukunst, auch ein bedeutender Hafen für Frachter und Segelpirogen in Westmadagaskar, die zwischen den beiden bedeutenden Hafenstädten Tulear und Morondava pendeln. Mit dem Motorboot dauert die Überfahrt von Morondava nach Belo-sur-Mer etwa drei bis vier Stunden.

Die Besucher sind immer wieder beeindruckt von den begabten Vezo-Leuten, die in mühevoller Handarbeit und mit einfachsten Werkzeugen die mächtigen Holzschiffe zimmern. In den 1870er Jahren haben die französischen Seeleute aus der Bretagne den Vezo-Fischern beigegebracht, wie die seetüchtigen und traditionellen Holzfrachtschiffe kunstvoll gebaut werden, und so kann der Volkstamm der Vezo (auch bekannt als die Nomaden des Meeres) den Kanal von Mozambik mit ihren Segelbooten souverän befahren.

Dieser wunderbare Badeort mit vorgelagerten Inseln und einmaligen Korallenriffen ist auch ein Paradies für Wassersportler, Schnorchler und Taucher. Dieses schöne Fischerdorf mit geschützter Bucht und mit einer weiten Lagune ist auch für seine Salzproduktion sehr bekannt. Etwas im Hinterland, aber noch ganz in Meeresnähe liegen die vielen Salinen, deren Meersalz nach Morondava oder nach Tulear mit Motor- oder Segelbooten verschifft wird.

Der Nationalpark Kirindy Mitea liegt zwischen den beiden Flüssen Maharivo und Lampaolo am Kanal von Mozambik, unweit von Belo-sur-Mer. Dieses Naturschutzgebiet wurde im Jahre 1997 gegründet und im Jahre 2015 wurde es als Ramsar-Gebiet (geschütztes Feuchtgebiet) und als eines der neuen UNESCO-Biosphärenreservate in Madagaskar eingestuft. Er erstreckt sich über mehr als 156’000 Hektar und umfasst eine Vielzahl von Ökosystemen: Seegebiet mit Stränden, sieben Inseln, Mangroven-, Baobab- und dichter Wald.

Die Anfahrt mit dem Allradfahrzeug durch eine herrliche Dünenlandschaft ab Belo-sur-Mer ist sehr schwierig, deswegen gehört dieser Park zu dem am wenigste besuchten Park an der Westküste Madagaskars. Es ist auch möglich, diesen interessanten Park mit dem Motorboot oder mit einer Segelpiroge ab dem Dorf Belo-sur-Mer zu besuchen. Wenn man Glück hat, können hier vom Juni bis Dezember die Rosaflamingos sowie andere seltene Wasservögel gesichtet werden. Die Vogelkundler kommen in diesem schönen und abgelegenen Schutzgebiet auf ihre Kosten.

Während der Regenzeit zwischen Dezember und Februar ist es sehr heiss und die Temperatur kann bis auf 40°C steigen. Während der kurzen Regenzeit sind die Reptilien und Amphibien in diesem Park sehr aktiv. Im Parkleben auch ein paar Gruppen von Katta-Lemuren. Den Rest des Jahres regnet es sehr wenig, so dass viele Tiere ihren Winterschlaf unter der Erde halten. Der Park ist auch für seine Baobabwälder bekannt. Die fehlenden touristischen Einrichtungen machen den Besuch eher abenteuerlich, deshalb fährt man zum Übernachten besser zurück nach Belo-sur-Mer.

Nach dem erlebnisreichen Besuch im Kirindy Mitea Trockenwald verlassen wir die Küste und fahren ins Landesinnere bis Manja weiter. Dieses Bauerndorf liegt in Luftlinie rund 130 km südlich von Morondava an der Nationalstrasse 9.

Die Fahrt über eine staubige Piste von ca.110 km durch weite Steppen und Grassavannen zwischen Belo-sur-Mer und Manja dauert je nach Zustand der Piste fast einen ganzen Tag. Das Kleinstädtchen Manja liegt an einem Verkehrsknotenpunkt und hier können die Reisenden die authentische Atmosphäre einer Bauernstadt kennen lernen. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Unterwegs treffen wir oft auch auf Zebu-Herden der Sakalava-Volksgruppe mit ihren farbenfroh gekleideten Hirten.

Etwa 80 km nach Manja erreichen wir den Fluss Mangoky. Der fruchtbare Schlamm, den der Fluss mitführt, lässt Reis, Zuckerrohr, Mais, Lima Bohnen, Bananen, Baumwolle und noch mehr gedeihen. Wir überqueren den Mangoky-Fluss mit einer alten Floss-Fähre und folgen der flachen Deltaebene bis zur Küstenstadt Morombe. Wörtlich übersetzt bedeutet Morombe „die Stadt mit grossem Strand“. Dieses wichtige Verwaltungszentrum für die Bewohner der Westküste ist auch ein wesentlicher Zwischenstopp in der Küstenregion zwischen Tulear und Morondava, das vom Rest des Landes weitgehend abgeschnitten ist.

Eine besondere Art von schönen und kurzstämmigen Baobabs ist in diesen abgelegenen Regionen zu finden. Die in den Baobabwäldern lebenden Sakalava und Mikea nutzen die ungewöhnlich dicken Stämme als Wasserreservoirs, indem sie diese Affenbrotbäume von oben aushöhlen. Das gespeicherte Wasser in dieser ariden Region ist für diese Ethnie lebenswichtig und hilft den Zebus und den Menschen über die Trockenzeit hinweg. Das Leben im Städtchen läuft friedlich und langsam (moramora) im Rhythmus von Ebbe und Flut.

Morombe ist von einem langen Korallenriff entlang der Südwestküste geschützt und südlich der Stadt erstreckt sich ein langer, weisser Badestrand bis zum Küstendorf Andavadoaka (wörtlich übersetzt bedeutet der Name des Dorfes“ in der Nähe des grossen Felsenlochs“ oder auch “Das Dorf am durchlöcherten Gestein“).

Das Dorf Andavadoaka liegt ca. 45 km von Morombe entfernt (etwa zwei bis drei Stunden Autofahrt). Hier locken der Besuch der nahen Baobab-Wälder und auch wieder der breite Sandstrand, wie wir ihn in der hübschen Bucht von „Helodrano Fanemotra“ finden.

In diesem grossen Fischerdorf lebt auch Angehörige der Vezo-Volksgruppe. Sie gehören zur grossen Mehrheit in der Gegend und als Halbnomaden bewegen sie sich in der Region zwischen Morondava und Tulear und haben einen ausgesprochenen Hang zum Meer, was auch in ihren Riten und ihrer Religion zum Ausdruck kommt. Auf tagelangen Fahrten übers Meer übernachten sie am Strand in ihren selbst gebauten Zelten, die sie aus den Segeln der Auslegerboote und einigen mitgeführten langen Stangen aufbauen. Traditionell sind die Angelschnüre aus den Fasern der Baobabs hergestellt, aber sie benutzen auch moderne Harpunen, Picks, Netze, usw. Die grossen gefangenen Fische werden abends an Holzgestellen getrocknet oder geräuchert. Zurück in ihrem Heimatdorf tauschen sie diese Fische gegen andere Lebensmittel wie Reis, Maniok oder Mais oder auch gegen andere Gegenstände, die sie im Alltag gebrauchen.

In der Zwischenzeit durchqueren wir das Land der Volksgruppe der Mikea, ein nicht sesshafter Volkstamm, der in den gleichnamigen Trockenwäldern in der Nähe von Salary ansässig ist. Weit weg von der Zivilisation leben sie noch sehr primitiv in diesem Urwald mit Trocken- und Dornenwald. Sie sind sehr scheu und vermeiden den Kontakt mit der Aussenwelt, so ziehen sie es vor, sich in den dichten undurchdringlichen Dornenwald zurückzuziehen. Sie leben vom Jagen und Sammeln im Dornen- und Trockenwald und ernähren sich von Wurzeln, (zum Beispiel von den gut schmeckenden Yamswurzeln namens “Baboho“, deren Knollen so gross wie ein Oberschenkel ist), aber auch von Früchten oder von wildem Honig, bzw. alles was ihnen die Natur liefert. Hier höhlen sie auch die Riesenbaobabs in der unberührten Steppenlandschaft aus und nutzen diese als Wasserbehälter für Notzeiten. Diese stämmigen “Flaschenbäume“ – die sogenannten “Baobab fony“ – wirken noch urweltlicher und unwirklicher als die auffallend schlanken und geradlinigen “Baobab grandidieri“ an der Baobaballee in Morondava.

Die ca. 60 km lange Weiterfahrt über die Sandpiste entlang der Küste mit den smaragdgrünen Lagunen und den weissen Sandstränden führt uns bis zum nächsten Dorf Salary: die faszinierende Dünenlandschaft, das ruhige Meer in allen Blautönen und die Weltabgeschiedenheit mit den riesigen Sanddünnen gehören zum Reiz dieses schönen Badeortes.

Etwa 30 km nördlich der Hafenstadt Tuléar an der Südwestküste befindet sich der berühmte Badeplatz Ifaty. Nach der erlebnisreichen und beeindruckenden Entdeckungsreise ab Morondava können die Sonnenhungrigen und die Strandurlauber hier richtig die Seele baumeln lassen. Auch sein Nachbardorf Mangily mit seinen langen Korallenriffen zählt zu den beliebten Gegenden für Taucher und Schnorchler.

Direkt hinter der Küstenstrasse beginnt der Dornenwald, ein botanisches interessantes Gebiet mit verschiedenen Sukkulenten. Die bizarren und vielfältigen Formen der endemischen Pflanzen sind hier einmalig und hier können die Besucher die verschiedenen Baobabarten in dieser Trockenregion bewundern. Hier wachsen auch verschiedene Aloearten, die bei den Einheimischen als Heilpflanzen sehr beliebt sind, auch als bevorzugte Gesichtsmaske für die Frauen in dieser schwülen Region oder auch Wunden werden damit desinfiziert. Schon von Weitem zu sehen, ragen die langen Didieraceen empor. Die Spitze dieses Dornenbaums weist immer nach Südwesten, so wird er von den Vezo- und Mahafaly-Volksgruppen als “Kompass Baum“ bezeichnet.

Wir verlassen das Fischer- und Touristendorf Ifaty und fahren Richtung Tuléar, auch als „die Stadt der Sonne“ bezeichnet. Diese grösste Hafenstadt an der Westküste liegt nahe der Mündung des langen Fiheranana-Flusses und ist auch ein bedeutendes Handelszentrum. Hier ist das Ende der Nationalstrasse Nr. 7 von Antananarivo kommend. Von hier aus können die Reisenden entweder den Binnenflug Richtung Hauptstadt nehmen oder die abwechslungsreise Entdeckungsreise vom “Süden bis zum Hochland“ fortsetzen.

Juli 2021, geschrieben von Michael, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morondava-Tsingy

2850 – Morondava – Bekopaka (Tsingy von Bemaraha)

Von Morondava durch die Baobab Allee zu den skurrilen Kalkfelsen von Bemaraha.

Es sind zwar “nur“ 200 km von Morondava bis zum Nationalpark von Bemaraha, aber die Fahrt dauert mindestens neun Stunden auf einer sehr schlechten Piste. Die Strecke ist nur mit einem Geländewagen befahrbar. Es ist eine recht abenteuerliche Reise durch eine schöne Landschaft. Die meisten BesucherInnen kombinieren die Besichtigung des Nationalparks von Bemaraha vorgängig mit der Flussfahrt auf dem Tsiribihina.

Im Allgemeinen gibt es zwei Routenmöglichkeiten:
– Erstens ab Miandrivazo mit der Piroge auf dem Tsiribihina-Fluss bis Belo sur Tsiribihina (ca. 4 Tage), dann Autofahrt auf der schlechten Piste etwa 100 km bis Bekopaka, das heisst ungefähr 4 Stunden.
– Die zweite Möglichkeit ist die Autofahrt ab Morondava über Belo sur Tsiribihina bis Bekopaka (ca. 9 Std.).

Morondava-Tsingy
Von Morondava geht unsere Reise auf einer unbefestigten Piste, die teilweise ganz gut zu befahren ist, teilweise aber grosse Schlaglöcher und Wellen aufweist. Zwei Flüsse müssen auf dieser Reise überquert werden: der breite Fluss Tsiribihina bei Belo sur Tsiribihina und der schmale Fluss von Manambolo am Rand der Tsingy von Bemaraha. Über diese Flüsse gibt es keine Brücken. Doch es stehen Fähren im Einsatz.


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Bereits 12 km nördlich von Morondava bewundern wir die wohl berühmteste Attraktion Madagaskars: die “Baobab Allee“. Beiderseits der Piste befinden sich die endemischen Baobab, die aufgrund ihrer einzigartigen Form als Kopfstandbaum bezeichnet werden. Diese auffälligen Baobab sind bis zu 35 Meter hoch. Der Baobab oder Affenbrotbaum ist ein aussergewöhnlicher Baum. Alle Teile des Baumes werden für etwas gebraucht. Vor allem die Früchte sind beliebt. In den braunen, gut faustgrossen Früchten sind die Samen in eine schwammartige Pulpa eingelagert. Diese hat einen süsssauren Geschmack und ist reich an Vitamin C. In der Umgebung von Morondava wachsen drei Baobab-Arten wie Adansonia grandidieri (Vater oder Mutter des Waldes), sowie Adansonia Za, die 10 bis 40 Meter Höhe hat und Adansonia rubostripa, die man auf Fels- oder Sandböden im südlichen Menabe findet. Diese Allee der Baobabs ist weltbekannt und eines der Wahrzeichen Madagaskars. Hier haben wir die Gelegenheit, schöne und atemberaubende Fotos, vor allem bei Sonnenuntergang zu machen.

Morondava-Tsingy
Nach ca. zwei Stunden Fahrt (etwa 60 km) von der Baobab-Allee, erreichen wir das Dorf Marofandilia, wo der Trockenwald der Kirindy-Forststation liegt. Ein Besuch in diesem Naturschutzgebiet lohnt sich vor allem für Wissenschaftler, denn es handelt sich um eine alteingesessene Forschungsstation. 1993 wurde dieses Schutzgebiet von einem Deutschen eingerichtet, deshalb kommen immer wieder Forscher und Studenten vor allem aus Deutschland hierher. Mit mehr als 72’000 ha Fläche ist dieses Reservat wegen der Fossa (Cryptoprocta ferox) bekannt. Dieser Nationalpark beherbergt eine artenreiche Fauna und Flora wie Mikrocebus, Vögel, Reptilien, Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Eine Nachtwanderung durch den Park ist besonders interessant, denn viele hier lebenden Reptilien und Säugetiere sind nachtaktiv. Einer der berühmten Nachtaktiven, die nur in diesen Wäldern vorkommt, ist der Berthe-Mausmaki (Microcebus berthae), der nur 25-30 Gramm aufbringt.
Bezüglich der Flora finden wir hier Rosenholz und Arten von Affenbrotbäumen. Ein Dokumentationszentrum über das Leben und die Traditionen der Region wurde ebenfalls eingerichtet. Als Unterkunft befindet sich eine Ecolodge im Park.

Nach der Entdeckung des Kirindy-Forest fahren wir weiter nach Belo sur Tsiribihina. Dazu ist auch eine Fähre zu nehmen. Die Fähre besteht aus einer simplen Plattform mit Motor. Doch sie versieht ihren Dienst wacker und ziemlich zuverlässig.

Früher galt Belo sur Tsiribihina als Hauptstadt des einstigen Königreichs Menabe. Hier befinden sich noch zahlreiche Grabstätten mit den berühmten Skulpturen der Sakalava. Aber für einen Besuch muss man einige Bedingungen erfüllen, denn unzählige Grabräuber dezimierten diesen kulturellen Schatz der Sakalava. Die noch existierenden Grabmäler sind nur durch dichtes Mangrovendickicht und einen schlammigen Pfad erreichbar.

In Belo sur Tsiribihina ist die Fitampoha oder auch die Waschung der Königsreliquien eines der wichtigsten Feste der Sakalava. Diese Zeremonie findet alle fünf Jahre im August statt. Es handelt sich um eine Totenfeier. Während dieser Zeremonie werden die Gräber der Könige geöffnet und die heiligen Grabbeigaben, wie die Fingernägel und die Haare der Toten werden zum nahen Fluss transportiert und dort gewaschen. Während der Prozession warten die Festteilnehmer auf das Erscheinen des Königsgeists, gleichzeitig tanzen sie und der Totengeist teilt seine Wünsche mit. Vor und während des Fests muss man viele Fadys (Verbote und Gebote) beachten, beispielsweise darf man nur barfuss gehen.

Morondava-Tsingy
Nach der langen Fahrt über eine relativ schlechte Piste von Belo sur Tsiribihina erreichen wir schliesslich das Dorf Bekopaka. Diese Strecke ist nur während der Trockenzeit befahrbar. Unterwegs fällt die Zerstörung der Wälder deutlich ins Auge (Brandrodung).
Nochmals überquert man mit einer simplen Plattformfähre den Fluss Manambola und erreicht dann am Nordufer das Dorf Bekopaka.

Bekopaka ist der Ausgangspunkt für die Wandertour zu den Tsingy von Bemaraha. Dieser Park ist einer der grössten Naturschutzgebiete von Madagaskar. Hier erwarten uns die unvergleichlichen Kalksteinformationen, die Grotten der Gorges Bemaraha und eine beeindruckende Fauna und Flora. Es lohnt sich mindestens zwei ganze Tage im Park zu verbringen, um die wunderschöne Natur zu geniessen. Es gibt hier mittlerweile auch korrekte Unterkünfte, sodass ein jeder Sonnenuntergang ganz romantisch wird.

Februar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Belo sur Mer

2910 – Belo sur Mer

Das Dorf Belo sur Mer ist eine Siedlung der Vezo, die als Seenomaden entlang der Westküste von Madagaskar leben.

An der Westküste Madagaskars befinden sich mehr Badeorte als an der Ost- und Südküste. Belo sur Mer ist einer der wunderbaren Orte zum Entspannen in dieser Region. Es liegt 80 km südlich von Morondava in der Region Menabe.

Die Besonderheit dieses Dorf ist die Schiffsbaukunst. Daneben liegt hier die grösste Salzproduktion von ganz Madagaskar. Mehrere Freizeit-Aktivitäten und Ausflüge stehen hier zur Verfügung wie Tauchen oder Windsurfing.

Dieser Ort ist per Boot oder mit dem Auto ab Morondava erreichbar. Befahrbar ist die Piste aber nur zwischen Ende April und November. Ausserhalb dieser Zeit muss man sich auf Schiffe verlassen. Dank seiner paradiesischen Strände, der weissen Sandbänke, der Schönheit des Meeres und der Kokospalmen ist dieses Fischerdorf ein wunderbarer Ort für Badeferien.
Schnorchler und Taucher kommen hier voll auf ihre Rechnung. Ausserhalb des Dorfes gibt es eine Tauchbasis. Und wegen seiner farbenprächtigen Unterwasserwelt im vorgelagerten Riff macht das Tauchen besonders Spass. Auch die Ruhesuchenden werden hier in der traumhaften Umgebung zufrieden sein.

Belo sur Mer liegt im Gebiet der Vezo-Ethnie. Die Vezo sind Fischer, Schiffsbauer und kaum Landwirte. Sie sind als Seenomaden mal hier, mal dort. Wie die Sakalava-Ethnie haben die Vezo auch eine aussergewöhnliche Kultur. Die Gräber der Vezo und Sakalava sind spektakulär, man sollte sich ihnen mit Respekt nähern. Die Gräber liegen zwischen Dünen und Lagunen und sind mit geschnitzten, erotischen Holzstatuen versehen. Während eines Aufenthalts in Belo sur Mer lohnt sich ein Besuch in einem Fischerdorf, um das Alltagsleben der Vezo kennenzulernen. Gleichzeitig kann man eine Pirogenfahrt während des Ausfluges unternehmen.

Die Schiffsbaukunst ist die Spezialität der Vezo in Belo sur Mer. Am Strand kann man den Bau der hölzernen Frachtsegler mitverfolgen. Die Schiffe werden bis zu 20 m Länge in Handarbeit gefertigt, sie sind nach den Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert gebaut. Wie in anderen Regionen sind die Schiffe ein wichtiges Verkehrsmittel für den Warentransport entlang der Küste. Kleinere Schiffe, die Meerespirogen werden zum Fischen benötigt. Die Kunst des Schiffsbaus wird in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben, denn die Arbeit benötigt echte Fachkenntnisse.
Dazu haben wir vor ganz vielen Jahren (1999) einen Dokumentarfilm erstellt. Er ist zu sehen auf youtube unter:

Erbsensegler

Ausser der Schiffsbaukunst ist dieses Fischerdorf für die Salzproduktion bekannt. Die Saline von Antsira ist die grösste in Madagaskar. Diese aussergewöhnliche Arbeit zieht viele Besucher an, die die Gewinnung von Salz in dieser Region entdecken möchten. Die Salzproduktion ist die Haupteinkommensquelle der hiesigen Bevölkerung.


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Wer zwei oder drei Tage in Belo sur Mer verbringt, kann die Besonderheit der Region kennenlernen. Hier hat man nur drei, vier Hotels zur Auswahl. Von Belo sur Mer kann man die Reise nach Süden bis Morombe fortsetzen und danach Badeorte wie Andavadaoka, Salary und Ifaty besuchen.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Flussfahrt auf dem Tsiribihina

2810 – Flussfahrt auf dem Tsiribihina

Die Westküste Madagaskars gehört zu den beliebtesten Orten der Reisenden. Die aussergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten und die wunderschöne Natur mit einigen spektakulären Landschaften wie die berühmte Allee des Baobabs und die Tsingy von Bemaraha haben diese Region bekannt gemacht. Einer der Höhepunkt einer Reise in den Westen Madagaskars ist die abenteuerliche Flussfahrt auf dem Tsiribihina. Schöne Landschaften und eine üppige Fauna und Flora erwarten uns entlang des Tsiribihina Flusses.

Vom Mai bis September ist Saison für eine Flussfahrt auf dem Tsiribihina, das heisst in der Trockenzeit, denn während der Regenzeit ist der Tsiribihina nicht befahrbar. Man braucht mindestens 8 Tage ab Antananarivo, um diese Flussfahrt zu unternehmen. Die Expedition dauert zwischen drei und fünf Tage je nach Wasserstand des Tsiribihina und Grösse des Bootes. Diese Flussfahrt gehört zu den aufregendsten Erlebnissen einer Madagaskarreise und verlangt Sportlichkeit und Abenteuerlust von den Reisenden vor allem wenn man die Fahrt auf einer Piroge unternimmt. Wer nach Luxus sucht, fühlt sich hier nicht wohl. Hier gibt es keine komfortablen Hotels, kein warmes Wasser usw. Für Kleinkinder ist die Fahrt auch nicht zu empfehlen, vor allem die Flussfahrt auf einer Piroge, denn es ist recht eng und unkomfortabel.

Als Verkehrsmittel stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: entweder die traditionellen Pirogen (Einbaum) oder ein Motorboot. Die Flussfahrt dauert etwa 4 Tage und 3 Nächte je nach Boot, das Motorboot ist natürlich schneller und bequemer als Pirogen. Eine Pirogenfahrt von nur 3 Tagen und 2 Nächten ist machbar, aber sehr anstrengend.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
In Antananarivo, Antsirabe und Miandrivazo gibt es zahlreiche Guides und Kleinanbieter, die diese Flussfahrt organisiern können. Aber um Unsicherheiten zu vermeiden, ist es empfehlenswert, bei einem spezialisierten Reiseveranstalter zu buchen. Manche Veranstalter sind nicht seriös und nicht gemeldet, so haben sie keine Lizenz, keinen Versicherungsschutz usw.

Auf der 160 km langen Abenteuerreise durchfährt man anfangs ein weit verzweigtes Fluss- und Seengebiet, dann die schmalen Schluchten des Bemaraha-Höhenzuges und schliesslich durchquert man die tropische Fluss- und Seelandschaft der Küstenregion bis zum Zielort Belo sur Tsiribihina.


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Der Ausgangspunkt für so eine Flussfahrt ist das Städtchen Miandrivazo, wo es gute Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Es liegt ca. 350 km von Antananarivo entfernt. Der heisseste Ort Madagaskars ist für den Anbau von Tabak und Baumwolle bekannt. In dieser Gegend ist Ackerbau nur in der Nähe von Flüssen möglich.

Nach einer Übernachtung in einem Hotel fährt man am frühen Morgen zur An- resp. Ablegestelle von Masiakampy. Das Leben der Gemeinde spielt sich hauptsächlich am Flussufer von Mahajilo ab. Hier findet man freundliche Kinder und Frauen, die ihre Wäsche waschen und sich duschen. Bevor die Fahrt beginnt, muss ein Formular mit Namen der Passagiere, die Reisedaten, der Name des Guides und des Bootsmanns usw. ausgefüllt werden und erst nach dieser Prozedur kann die Flussfahrt beginnen.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
Der Name Tsiribihina bedeutet wörtlich “wo man nicht badet“. Krokodile sind die Hauptattraktionen des Flusses. Man kann während der Bootsfahrt aber trotzdem die Hände ins Wasser halten. Der ruhige Tsiribihina gehört zu den längsten Flüssen Madagaskars und ist – wie viele andere auch – gefüllt mit Schwemmerde von rötlicher Farbe. Diese Farbe ist das Wahrzeichen der roten Insel Madagaskars, und stammt von der erodierten Lateriterde.

Die Flussfahrt führt uns langsam durch relativ unberührte Gebiete des madagassischen Westens. Das Mittagsessen wird an Bord zusammen mit dem Bootsteam eingenommen. Während der Flussfahrt herrscht absolute Ruhe und die menschenleere Landschaft ist beeindruckend. Wer sich für Abenteuer und Camping interessiert, kommt wirklich auf die Rechnung. Am Ufer sieht man zahlreiche Vögel, v.a. den Drongo oder Krebse. Am Ende des ersten Tages kann man in einem kleinen Wald zahlreiche Sifakas und Braune Makis fotografieren. Geschlafen wird in Zelten an ausgesuchten Stellen am Ufer des Flusses unter den Sternen des Südens.
Am zweiten Tag erwarten uns weitere Schluchten, Wasserfälle, Primärwald mit neugierigen Lemuren. Man kann typische Sakalava-Dörfer wie z.B. „Begidro“ besuchen und erlebt den Alltag der freundlichen Anwohner und Kinder am Ufer des Flusses. Die Passage durch die schroffen Tsiribihina-Schluchten ist einer der landschaftlichen Höhepunkte. Verschiedene Reiherarten und andere Wasservögel, aber auch Lemuren, Flughunde und Krokodile sind in freier Wildbahn zu sehen.
Im Verlauf der Fahrt ändert sich die Vegetation ständig und man sieht fruchtbare Felder und Dörfer mit fröhlichen Kindern, die einem immer freundlich zuwinken. Der Wasserfall mit dem natürlichen Wasserbecken ist eine tolle Abwechslung auf dieser Fahrt. Nach der heissen Fahrt auf dem Fluss ist das Bad im „Piscine Naturelle“ vor paradiesischem Hintergrund geradezu himmlisch. Wir setzen unsere Bootsfahrt auf dem Tsiribihina Fluss fort. Die zweite Übernachtung im Zelt ist auf einer Sandbank nahe Tsaraontana.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
Am nächsten Tag nach dem Frühstück können wir wiederum ein Dorf am Flussufer besichtigen. Unsere unvergessliche Flussfahrt auf dem Tsiribihina endet nahe der Flussfähre Belo sur Tsiribihina, wo wir auch unseren Fahrer wieder treffen. Von hier aus kann es dann auf einer schlechten Piste zu den Tsingy von Bemaraha weiter gehen, oder wir fahren nach Süden gegen Morondava.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morondava und Umgebung

2820 – Morondava  und Umgebung

Die Hafenstadt Morondava ist etwa 700 km südwestlich der Hauptstadt Antananarivo, in der Region von Menabe gelegen.

Diese angenehme Stadt der Sakalava-Volksgruppe ist ab Antananarivo entweder über die Nationalstrasse RN34 oder per Flugzeug leicht erreichbar. Die am Eingang zur Affenbrotbaum-Allee gelegene Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für verschiedene einzigartige und erlebnisreiche Tagesausflüge.

Morondava (was wörtlich übersetzt “wo die Küste lang ist“ heisst) war früher eine bedeutende Stadt der Salakalava-Volksgruppe. Die herrliche Stadt am Kanal von Mozambique zeigt uns die Vielfältigkeit Madagaskars. Sie ist von Reisfeldern und vielen wirtschaftlich wichtigen Plantagen wie Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak umgeben. Die Naturliebhaber werden nicht enttäuscht sein, denn neben den berühmten Affenbrotbäumen (Baobab) werden auf verschiedenen Plantagen Bananen, Zuckerrohr, Orangen, Zitrusfrüchte, Erdnüsse, Grapefruit, Mais und Erbsen auf dem fruchtbaren Boden dieser Küstenstadt kultiviert. Der Kabatomena, ein Fluss, der bei Morondava in den Kanal von Mozambique mündet, ist ein Segen für die Agrarwirtschaft, da er das ganze Jahr über die grossen Plantagen bewässert. Daher ist diese angenehme Stadt die wirtschaftliche Hauptstadt der Region von Menabe.

Morondava und Umgebung
An Sehenswürdigkeiten ist die Stadt Morondava heute leider nicht reich. Verschiedene schreckliche Zyklone und der steigende Meeresspiegel haben sie zerstört und etliche der schönen Gebäude und Hotels schwer beschädigt. Überall entlang der Küste sieht man heute nur noch Überreste von Molen und kaputten Hotels. Auch Baden in Morondava ist leider wegen der Abwässer und der Sedimente aus dem Fluss nicht empfehlenswert. Aber ein Spaziergang am langen und weissen Strand von Morondava lohnt sich oder einfach mit einem Glas “Ruhm arrangé“ auf der Terrasse einer Bar am Ufer des Meers den Sonnenuntergang zu geniessen!

Das Stadtzentrum erstreckt sich entlang der Hauptstrasse bis zum Meer. Hier gibt es zahlreiche Boutiken, Läden, kleine Restaurants und Hotelys, Epicerien, die alle notwendigen Dinge und Lebensmitteln verkaufen. Die “Avenue de l’Indépendance“ im alten kolonialen Geschäftsviertel ist von ehemaligen Prachthäusern, grossen Kirchen, auch Moscheen und verschiedenen madagassischen Läden gesäumt. Nach ein paar Kilometern auf der Avenue de l’Indépendance stösst man auf die berühmten “Rue de la Plage“, die zum Meer führt.

Diese Hafenstadt, wo sich in der Stadtmitte eine grosse Dynamik entwickelt, in der Umgebung aber die grosse Ruhe des Landes herrscht, ist eigentlich eine sehr interessante Stadt. Wie alle Regionen und Ethnien in Madagaskar verfügt die Stadt der Sakalava auch ihre eigene Kultur. Die unterschiedlichen traditionellen Zeremonien wie die “Asa lolo” (Beschneidungszeremonie) oder der “Moraingy“ bieten ein einzigartiges und sensationelles Spektakel an. Bei der Sportart „Moraingy“ handelt es sich um eine Art Boxkampf, bei dem zwei Männer mit geballten Fäusten gegeneinander kämpfen. Diese Kämpfe sind sehr berühmt. Manchmal benutzen die Kämpfer einen Talisman, den sie meistens an einer Kette um den Hals tragen, er soll sie vor einer Niederlage schützen und ihnen Glück zu bringen. Moraingy wird vor allem bei Beerdingungsfesten praktiziert.

Morondava und Umgebung
Die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für zahlreiche touristische Ausflüge im Familienkreis oder unter Freunden. Nur 2 km vom Stadtzentrum entfernt gelangt man zum traumhaften Strand von Nosy Kely (wörtlich übersetzt „kleine Insel“), an dessen Ende das Vezo-Dorf Betania auf einer Halbinsel liegt. Trotzt der ärmlichen Fischerhütten befinden sich hier am Strand zahlreiche luxuröse Bungalowhotels und verschiedene Restaurants, wo man ein breites Angebot an kulinarischen Köstlichkeiten geniessen kann, denn die Fischer und die Bauern verkaufen ihr frisches Gemüse und die Meeresfrüchte an die Restaurants!


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Morondava ist sehr berühmt wegen des Spitznamens “Stadt der Baobabs“. Natürlich zählen die Affenbrotbäume zum absoluten Highlight dieser Hafenstadt. Auch im Stadtzentrum kann man bereits ein paar Baobabs bewundern, aber besonders spektakulär ist ein Ausflug zur berühmten “Allée der Baobabs“. Die Baobabs sind Wahrzeichen und Symbol der grossen Insel. Das sieht man oft in Filmen, Dokumenten, Bildbänden oder Urlaubsalben. Wer ein besonders schönes Fotomotiv sucht, muss unbedingt diese “Strasse der Baobabs“, die etwa 12 km an der RN8 nördlich von Morondava entfernt liegt, besuchen. Bereits unterwegs erlebt man einen unvergesslichen Moment, denn die Landschaft gehört zu den schönsten und bizarrsten: Nach einer spektakulären Kulisse von Reisfeldern und Teichen mit wilden Seerosen tauchen majestätisch am Horizont die ersten, teils Jahrhunderte alten Baumriesen, die Baobabs auf.

Die “Baobab-Allee“ erstreckt sich über einen etwa 260 m langen Abschnitt der Sandpiste. Die 20 bis 25 Meter hohen Baobab-Exemplare sind in majestätischer Formation beidseits der staubigen Piste aufgereiht. Das ist nichts anders als eine Laune der Natur! Früher befand sich hier noch ein ganzer Baobabwald, aber wegen der Brandrohdung sind leider nur einige wenige Exemplare geblieben, die später zum “Wahrzeichen von Madagaskar“ geworden sind. Etwas abseits der Piste laden noch die “liebenden Baobabs“ oder “Baobabs amoureux“ zu einem Besuch ein. Es handelt sich um zwei Bäume, die umeinander herum gewachsen sind und sich umschlungen halten und so ihrem Namen gerecht werden. Idealerweise verlegt man den Besuch in die Abendstunden, bei Sonnenuntergang gibt dieser Ort wunderschöne Fotomotive. Das Sonnenlicht taucht dann die Bäume in ein rötliches Licht oder sie ergeben gegen den eindunkelnden Himmel eine besonders schöne Silhouette.

Morondava und Umgebung
Eine andere Attraktion für die Touristen in der Gegend von Morondava sind die traditionellen „Sakalava-Gräber“. Sie befinden sich etwa 12 km von der Stadt entfernt beim Dorf Marovoay. Die Sakalava Gräber sind rechteckig aus Holz gebaut, etwa 4 m lang und 2 m breit. Die Besonderheit dieser Gräber ist, dass an jeder Grabesecke verschiedene wertvolle und kunstvoll geschnitzte Holzstelen mit verschiedenen Szenen oder Personen stehen. Manchmal sind es sehr erotische Skulpturen, die im Zusammenhang mit dem Leben des Verstorbenen stehen. Leider wurden viele der schönsten Skulpturen in die 80er Jahre gestohlen und an Kunstsammler im Ausland verkauft. Daher muss man von einem ortkundigen Guide begleitet werden, um noch authentische Gräber mit wirklich alten Skulpturen zu finden. Natürlich erklärt der Guide auch die Bedeutung der verschiedenen symbolischen Grabkunstwerke.

Etwa 50 km südlich von Morondava entfernt liegt der Nationalpark Kirindy-Mitea, ein ganz beliebtes Ausflugsziel in der Umgebung. Der Nationalpark erstreckt sich über etwa 722 km² und wurde 2006 für Besucher eröffnet. Er umfasst zwei Vegetationstypen: das Trockenwaldgebiet im Hinterland und der südliche Dornenwald. Der Park von Kirindy-Mitea bietet eine grosse Biodiversität an. Hier tummeln sich die Katta-Lemuren und andere Säugetiere. Im Park sind verschiedene Vogel- und Reptilienarten beheimatet. Die seltenen Rosa-Flamingos kann man hier gut beobachten. Besonders die Ufer der beiden Seen Ambondro und Sirave ist ein wahres Paradies für Vogelkundler. Hier sieht man die vom Aussterben bedrohte Bernier-Ente. Der Park zählt um die 182 Pflanzenarten, unter ihnen findet man auch Mangroven und natürlich die berühmten Baobabs.

Wer nach einem traumhaften Strand und Sonne sucht, sollte unbedingt den schönen Strand von Kimony, der nur einige Kilometer von Morondava entfernt liegt, besuchen. Baden, Schnorcheln, Tauchen sind hier möglich! Besonders im Oktober hat man den ganzen riesigen Strand für sich. Da der Ort über keine Einkaufsmöglichkeit verfügt, muss man genügend Proviant und Trinkwasser und ebenso Sonnenschutz und Sonnensegel mitbringen.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antsirabe – Morondava

2800 – Antsirabe – Morondava

Wir nehmen Abschied von der “Stadt der Edelsteine“ und setzen unsere Entdeckungsreise durch das Hochland bis zur Westküste fort.

Unsere heutige Etappe führt uns zur kleinen malerischen Stadt Morondava, die sich etwa 530 km von Antsirabe entfernt befindet. Wir fahren also von rund 1400 Metern über Meer hinunter zur Meeresküste. Von den Weinbergen um Antsirabe zu den Baobabs im Menabe.

Wir verlassen die Thermalstadt und fahren auf der Nationalstrasse RN34 Richtung Westen. Ein Teil dieser Nationalstrasse, die Antsirabe mit Morondava verbindet, wurde schon 1988 neu hergerichtet, so ist der erste Streckenabschnitt bis zum Ort Miandrivazo noch asphaltiert und gut befahrbar. Der weitere Abschnitt ab Miandrivazo bis Mahabo und Befotaka ist allerdings bereits in so schlechtem Zustand, dass wir langsam und vorsichtig fahren müssen. Deswegen dauert die direkte Autofahrt ab Antsirabe nach Morondava etwa 9 Stunde, je nach Pause die wir unterwegs einlegen.

Unterwegs erhalten wir einen Eindruck über die Lebensweise der Dorfbewohner. Entlang der Hauptstrasse reihen sich die typischen Hochlandhäuser aus Ziegelsteinen mit farbfrohen Holzbalkonen auf. Meist sind sie noch mit Gras oder Reisstroh bedeckt. Kleine Epicerien, wo fast alle benötigten Lebensmittel verkauft werden, auch Garküchen, Metzgereien mit frischem fettem Zebu- und Schweinfleisch und Wurst, liegen direkt an der Strasse. An den Holzbalkonen werden Maiskolben zum Trocknen aufgehängt und auf dem Hof sind die stärkeliefernden Nutzpflanzen wie Reis, Maniok oder Soja auf Bastmatten zum Trocken ausgelegt.

Antsirabe – Morondava
Dieser Streckenabschnitt bietet viel an landschaftlicher Schönheit. Antsirabe und seine Umgebung sind ein vulkanisches Gebiet und somit sehr fruchtbar. Die grünen Reisefelder gehören wie überall im Hochland zum Landschaftsbild. Auch Obst- und Gemüsefelder prägen die wunderschöne Vulkanlandschaft. Kinder und Frauen sitzen unter ihren Sonnenschirmen am Strassenrand und versuchen die verschiedenen frischen Produkte wie leckere Orangen, süsse Pfirsiche, reife Äpfel und Birne, sowie Tomaten, Zwiebeln, Karotten, Kartoffeln und verschiedene Kräuter den vorbeifahrenden Autofahrern zu verkaufen.

Etwa 22 km westlich von Antsirabe taucht das malerische Dorf Betafo (wörtlich “wo es viele Dächer gibt“) auf. Nach einer Legende sind die Bewohner in diesem kleinen Hochlanddorf Nachkommen der “Vazimbas“, der “Ureinwohner“ Madagaskars, deren Herkunft wissenschaftlich noch nicht geklärt ist. Die breite Strasse führt uns direkt zum kleinen Marktplatz. Der Treffpunkt der Bauer auf diesem bunten Markt findet montags statt, hier verkaufen sie ihre Landwirtschaftsprodukte. Auf den zahlreichen Verkaufsständen sehen wir fast alles, was man im Alltag braucht: frisches Gemüse, Früchte in allen Variationen, Kräuter und Medizinpflanzen, Geflügel und fertig gekochte Gerichte.

Am südlichen Rand des Dorfes liegt eine grosser Kirchenbezirk mit einer imposanten Kirche mit zwei Türmen.

Lohnenswert ist auch eine kurze Pause am Kratersee Tatamarina einzulegen, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die weite Eben haben. Je nach Programm können wir noch die Wasserfälle von Antafofo besichtigen. Diese idyllischen Wasserfälle befinden sich etwa 3 km ausserhalb von Betafo, inmitten einer vulkanischen Landschaft und üppigen Reisfeldern.


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Antsirabe – Morondava
Nach diesem erlebnisreichen Zwischenstopp setzen wir unsere Reise fort. Plötzlich verändert sich die Landschaft! Wir durchfahren die zentrale Hochebene mit ihrer trockenen Landschaft. Das feuchte, fruchtbare Vulkangebiet des Hochlandes ist weiten Weiden in nahezu unbewohnter Hügellandschaft gewichen. Der Boden ist ausgeschwemmt und erodiert, kein Wald wächst darauf. Es sieht eher aus wie eine Grassteppe mit vielen Hügeln durchsetzt. In den kleinen Nebentälern fliessen einigen Flüsschen, hier ist es etwas feuchter und so wird überall, wo möglich, Reis angebaut.

Nachdem wir den nächsten Ort Mandoto erreicht haben, befinden wir uns nicht mehr im Land der Merina- und der Betsileo-Volksgruppen sondern bereits im Land des Sakalavavolkes. Mandoto bedeutet wörtlich übersetzt “wo es schmutzig ist“. Doch anders als der Name vermutet lässt, verfügt dieser Ort über viele kleine saubere madagassische „Hotely“.

Trotz der Kargheit der Landschaft ist das Panorama eindrucksvoll. Die Fahrt geht über grasige Bergkuppen; es sind die letzten Ausläufer des Bongolava-Massivs. Reisfelder sehen wir kaum noch, eher wechseln sich hier erodierte Berge mit weiten Graslandschaften ab. Das nächste kleine Dorf auf diesen Streckenabschnitt heisst Dabolava. An einem kleinen Fluss versuchen zahlreiche Goldwäscher, darunter Männer, Frauen und auch Kinder ihr Glück. Dank des vulkanischen Gesteins werden hier das gelbe Edelmetall, aber auch Fossilien und versteinerte Muscheln gefunden. Es ist wirklich eine mühselige Arbeit: Männer und Kinder schaufeln im Fluss den Sand und die Frauen waschen ihn in hölzernen Goldpfannen aus.

Nach etwa 245 km gelangen wir in die nächste grosse Stadt Miandrivazo (wörtlich übersetzt “ich erwarte eine Frau“). Woher kommt dieser mysteriöse Name? Es gibt unterschiedliche Versionen: Während der Merina-König Radama I seine Eroberungszüge im 19. Jahrhundert gegen den Sakalava-König führte, hatte er einige Krieger verloren und machte deshalb aus politischen Gründen die schöne Sakalava-Prinzessin Rasalimo zur seiner 12. Frau, damit der Sakalava König auf einen Verteidigungskrieg verzichtete. Nach der anderen Version nahm der machthungrige Radama I die Prinzessin Rasalimo als Geisel, aber er verliebte sich in sie und heiratete sie schliesslich. Der Sakalava-König machte dann sein Königreich zu einem Teil des Königshauses des Merina Volkstamms. Radama I wartete in Miandrivazo auf seine Braut. Darum wurde dieser Ort “Miandrivazo“ genannt.

Schon einige Kilometer vor Miandrivazo wird die Landschaft wieder grün. Überall am Strassenrand wachsen viele Bäume, Bambus und selbst Mangroven. Die Stadt Miandrivazo liegt malerisch am Fusse der Berge am Ufer des Fluss Mahajilo, einem grossen Zufluss des noch viel mächtigeren Tsiribihina. Durch seine Lage in einem Tal zwischen dem Bemaraha-Plateau im Westen und dem Bongolava Massiv im Osten gehört Miandrivazo zu den heissesten Orten Madagaskars. Hier ist auch die beste Zeit, sich die Mittagspause zu gönnen, denn hier finden wir zahlreiche Hotelys und Restaurants.

Antsirabe – Morondava
Miandrivazo ist der Ausgangspunkt für die erlebnisreiche und abenteuerliche Flussfahrt auf dem Tsiribihina-Fluss bis Belo Tsiribihina. Diese Fahrt gibt uns die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Einheimischen zu treten. Tsiribihina heisst wörtlich übersetzt “wo man nicht ins Wasser springt“, da dieser rote Fluss von Krokodilen bewohnt ist! Mit Hilfe der ortskundigen Guides ist die Beobachtung der Krokodile, die sich auf den Sandbänken sonnen, eines der Highlights auf dieser Flussfahrt. Die Landschaft beeindruckt immer wieder: mit dem herrlichen Wasserfall Anosin’Ampela, den endemischen Heilpflanzen, den Baobabs und mit verschiedenen Plantagen. Die Fahrt durch eine Schlucht mit Grotten – eine riesige Wand aus Felsen mit zahlreichen Höhlen, in denen unzählige Fledermäuse und Flughunde zuhause sind – gehört zum Höhepunkt dieser Expedition. Die Beobachtung von zahlreichen Vögeln, Lemuren, die in den Baumwipfeln herumspringen macht diese Bootsfahrt noch erlebnisreicher! Zelt mit Moskitoschutz, Taschenlampe und Schlafunterlage sind für den Trip unentbehrlich!

Die folgenden 166 km der Strasse in südlicher Richtung nach Malaimbandy ist leider nicht mehr gut befahrbar. Diese Strasse wurde zwar in den 80er Jahren renoviert, aber die schweren Überschwemmungen während der Regenzeit und die heftigen Zyklone haben sie wiederholt beschädigt. Von Miandrivazo führt die Nationalstrasse entlang des Flusses Mahajilo und zahlreichen kleinen Seen, wie dem See “Malaizohari“ oder “der See, der keine Männer mag“. Wie sein Name schon sagt, dürfen Männer hier nicht schwimmen. Zahlreiche Fischer sollen darin schon umgekommen sein.

Je weiter wir in Richtung Westküste fahren, desto wärmer und feuchter wird die Luft. Wir passieren etliche Brücken und Flussarme, in denen die Kinder der nahegelegenen Dörfer fröhlich spielen und schwimmen. Die Frauen waschen im Fluss die Kleider und erzählen den letzten Tratsch aus dem Dorf. Die Sakalava-Männer fahren mit ihren kleinen Einbäumen auf dem Fluss und versuchen ihr Abendessen zu fangen. Ein idyllisches Bild, wie so oft in Madagaskar!

Antsirabe – Morondava
Weiter verläuft die Piste durch Mango- und Tabakplantagen. Die Gegend von Marolefo (bedeutet “viele Speere“) und Malaimbady ist sehr bekannt für ihre Tabakplantagen. Die erstklassigen Tabake werden ins Ausland exportiert und oder in der Marke Mélia zu madagassischen Zigaretten verarbeitet. Nach ein paar Kilometern Fahrt tauchen schon die ersten Palmenarten wie die Badika-Palmen auf, aber auch die heiligen Tamarindenbäume, deren Früchte sehr reich an Vitamine C sind. Überall am Rand der sandigen Piste gedeihen die Jujubier-Bäume, die die extreme Trockenheit ertragen können und leider die heimische Vegetation verdrängen. Zebus fressen ihre Früchte und verbreiten so die Samen.

Ab dem kleinen Dorf Malaimbandy folgen wir der RN35 Richtung Morondava. Mailambady heisst so viel „ich mag keine Lügen“. Eine Legende erklärt die Entstehung des Namens von Malaimbandy. Der König Radama I hört von der Schönheit eines Mädchens im Westen seines Reiches und beschloss, sie zu heiraten. Der König erklärte ihr, dass er sie zur Frau nehmen wolle, aber das Mädchen war gar nicht begeistert und antwortete ihm ehrlich: „Ich mag keine Lügen!“

Dieser Streckenabschnitt ab Malaimbandy bis Morondava ist wieder asphaltiert. Die Vegetation wechselt erneut, denn die Reste von trockenen Primärwäldern unter dem Schutz des WWF prägen die Landschaft. In Mahabo (bedeutet “heiliger Ort“), der ehemaligen Hauptstadt des Sakalava-Reiches, liegt ein von Schweizern erbauter Stausee, der mir Hilfe eines ausgeklügelten Kanalsystems das gesamte Agrarland der Umgebung, die Reisfelder und die Stadt Morondava mit Wasser versorgt.

In diesem kleinen Ort befinden sich die schönsten Königsgräber der Sakalava-Könige. Von Mahabo aus sehen wir schon fast das Meer. Über weite Strecke durchqueren wir ein fruchtbares Agrargebiet mit Zitrus-, Erdnuss-, Tabak- und Zuckerrohrplantage. Und wir treffen auf die ersten Baobabs, die sich mächtig über die Landschaft erheben – und doch zierlich und schlank wirken. Danach tauchen schon bald die ersten Kokospalmen auf. Direkt am Ortseingang von Morondava heissen uns zwei Baobabs rechts und links der Strasse herzlich willkommen, sie bilden das “Tor von Morondava“.

Endlich gelangen wir in die Hafenstadt Morondava mit einem lebhaften Mark im Stadtzentrum, wo alle landwirtschaftlichen Produkte, die wir unterwegs gesehen haben – auch wilder Honig und gepökelter Fisch – zum Verkauf angeboten werden. Morondava, mitten im “Land der Baobabs“ ist auch Ausgangspunkt für verschiedene erlebnisreiche Ausflüge in die wunderschöne Natur mit endemischen Pflanzen und Tieren und auch, um das geologische Wunder, die “Tsingy von Bemaraha“ zu entdecken.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch