Trekkingtour durch den Masoala Park

1690 – Trekkingtour durch den Masoala Park

Der Masoala Nationalpark liegt im Nordosten von Madagaskar und ist mit seinen 2100 km² Fläche das grösste Schutzgebiet der Insel. Er ist eine der seltenen Regionen Madagaskars, wo der Wald bis zum Meer reicht.


Die beste Möglichkeit den Nationalpark von Masoala zu erreichen, ist per Flug ab der Hauptstadt Antananarivo. Eine direkte und abenteuerliche Strassenverbindung existiert ab Ambilobe als Ausgangspunkt (ca. 131 km südlich von Diego Suarez oder Antsiranana). Diese Verbindung ist meist eine Piste und führt zu den SAVA Städten (Sambava, Andapa, Vohemar und Antalaha) nördlich der Masoala Halbinsel. Eine zweite Möglichkeit führt über die RN5 ab Tamatave bis Soanierana Ivongo und weiter nach Mananara Avaratra, von dort kommt man nur schwer weiter, so dass die Besucher die letzte Strecke bis Maroantsetra mit dem Motorboot weiterfahren müssen.

Die Halbinsel MASOALA heisst wörtlich übersetzt “Das Auge des Waldes“ und ist ein treffender Name für das faszinierende Juwel der Artenvielfalt an diesem östlichen Punkt Madagaskars. Hier befindet sich einer der unberührtesten Urwälder des Landes, in den man nur mit einem lokalen Reiseführer eindringen darf. Für die Masoala Trekkingtour empfiehlt es sich, einen oder mehrere Träger mitzunehmen. Bei trockenem Wetter (zwischen September und Dezember) und mit sehr guter Kondition sind die Tagesetappen gut zu bewältigen. Bei regnerischem Wetter kann sich der Zeitaufwand verdoppeln.

Der interessante Park auf einer Höhe von 0-800 Meter über dem Meer bietet den Besuchern unterschiedliche Wanderwege für Trekkingtouren an, um den Reichtum von Fauna und Flora zu entdecken. Die Route zur Vanillestadt Antalaha mag die anstrengendste Variante sein, ist aber die abwechslungsreichste und reizvollste. Auf den Tagesetappen muss man je nach Kondition zwischen 6 und 8 Stunden Marschzeit rechnen. Dabei erwartet die Besucher auf dem Marsch durch den Dschungel ständig Nässe, Blutegel und rutschige, schmierige Passagen durch Bäche und Flüsse.

Trekkingtour durch den Masoala Park
Grundsätzlich gibt es die ‘direkte’ Durchquerung zwischen Maroantsetra und Antalaha. Sie führt aber durch bewohnte und erodierte Zonen durch. Die interessantere, aber anstrengendere Route geht von Maroantsetra nach Osten ans Cap Est und dann der Küste entlang nach Antalaha.

In diesem dichten und feuchten Küstenwald von Masoala mit 50% der Biodiversität von ganz Madagaskar kann man verschiedene endemische Tiere dieser ganz besonderen Naturlandschaft in freier Wildbahn beobachten. Hier ist eines der letzten Rückzugsgebiete des Fingertiers (Aye Aye), des Roten Varis (Vareciarubra) oder des Masoala-Gabelstreifenmakis. Seltene Vögel, wie der Madagaskar-Schlangenhabicht (Eutriorchisastur) oder der Helmvanga (Eurycerosprevostii) finden hier noch ihren ansonsten weitgehend zerstörten Lebensraum. Wer genau hinschaut, entdeckt auch die wundersamen Tenreks, Chamäleons verschiedenster Grösse, Frösche, Fische, seltene Schmetterlinge und andere Wirbellose. Die Flora des Masoala-Parks wartet auf mit endemischen Bäumen, wie den Balsambaumgewächsen (Canarium), Rosenholz und Palisander (Dalbergia). In einem Gebiet um Cap Est sind die fleischfressenden Pflanzen (Nepenthes masoalensis) zu finden.

Trekkingtour ab Maroantsetra bis Antalaha
Das Trekking ab dem Kleinstädtchen Maroantsetra nach Antalaha dauert etwa sechs Tage. Von Maroantsetra führt die Trekkingtour erst in einem grossen Einbaum durch ein Gewirr an Flussarmen und Inseln bis zum Ausgangspunkt der mehrtägigen Wanderung. Die ersten zwei Tage führen noch durch Kulturland mit Kaffeeplantagen, Reisfelder oder Vanille-Anpflanzungen. Die erste Übernachtung in Fizoana ist in einer einfachen Hütte einer Familie, die uns auch das Abendessen serviert.

Während der zweiten Etappe durchquert man bereits einige Ausläufer des Regenwaldes und man muss immer wieder kleinere und grössere Wasserläufe durchqueren. Auch die zweite Übernachtung ist in einem einfachen “Hotel“ in Ampokafo.

Nach einem kurzen Aufstieg taucht man jetzt ein in den unendlich scheinenden Urwald. Der Pfad ist schmal, man überklettert umgestürzte Bäume und schlägt sich durchs Dickicht. Blutegel sind die grösste Plage, immer wieder werden kurze Pausen eingelegt, um die Biester von den Hosenstössen oder den Beinen zu entfernen.

Doch – je nach Glück – sind unterschiedliche Tierarten wie Lemuren, Chamäleons, Schlangen, Frösche zu sehen, auch verschiedene Vogelarten wie der endemische Blau-Seidenkuckuck (Coua caerulea), die blaue Taube (Alectroenas madagascariensis), der prächtige Madagaskar Pygmy kingfisher (Ispidina madagascariensis) oder der kleine und flinke Paradiesschnäpper (Terpsiphone mutata).

Trekkingtour durch den Masoala Park
Die Übernachtung erfolgt jetzt im Zelt inmitten des ruhigen Waldes und die Führer und der Koch sind in der Lage, ein schmackhaftes Abendessen mit den verschiedenen frischen Gewürzen der Insel auf offenem Feuer zuzubereiten, was jedes Pfadfinder-Herz erfreuen wird.

Unterwegs sind die Kaskaden des Wasserfalls Bevontsira zu bewundern.

Die Flussüberquerungen werden immer anspruchsvoller, denn die Flüsse werden immer breiter und führen entsprechend mehr Wasser. Bis hüfthoch watet man dann durch den Fluss.

Für die letzte Etappe besteigen wir wiederum einen Einbaum und erreichen in ihm nach einigen Stunden den Küstenort Ambohitralanana. Ab hier führt dann eine Piste nach Antalaha, der “Hauptstadt der Vanille“.

Die interessante Stadt Antalaha mit Markt, Kirche, Strand, dem Hafen, der Vanilleverarbeitung (je nach Saison) und dem privaten Naturhügel «MaColline» sind einen Besuch wert. Ausserdem ist man froh, nach der anstrengenden Wanderung einige Tage ausspannen zu können.
Man kann die Trekkingtour natürlich auch in umgekehrter Richtung machen.

Trekkingtour Maroantsetra – Ambanizana – Ambodiforaha
Diese interessante Trekkingtour mit der Hafenstadt Maroantsetra als Ausgangspunkt führt parallel zur Bucht von Antongil. Nach einer kurzen Boots- oder Pirogenfahrt gelangt man dann zum Privatpark von Farankaraina. Es ist die beste Gelegenheit, um das Fingertier Aye Aye im Privatreservat von Farankaraina zu sehen. Während des Trekkings öffnen sich herrliche Blicke auf den Indischen Ozean. Unterwegs kann man kleine Fischerdörfer besuchen, um die lokale madagassische Lebensweise kennenzulernen. Der Weg ist etwas schwierig und steil; es müssen auch mehrere schlammige Flüsse durchquert werden.

Dabei zeigt der Lokalguide gern die verschiedenen Heilpflanzen in dieser “Regenwald-Apotheke“ der Einheimischen.

Während des Trekkings durch die Dörfer und die Kulturlandschaft ergibt sich auch die Gelegenheit, Nelken-, Kaffee- und Vanillefelder zu besuchen. Das Trekking führt schliesslich am Rand des Masoala-Waldes und des Meeresufers entlang bis zu den Dörfern Ambanizana und Ambodiforaha,

In den Küstengewässern der Masoala-Halbinsel lässt sich beim Tauchen oder Schnorcheln die Meeresflora und -fauna erkunden. In der Regel ist es von Mitte Juni bis Anfang September möglich, in der Bucht von Antongil Buckelwale zu beobachten, die sich dort paaren oder ihre Kälber gebären.

Juli 2021, geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

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