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Fianarantsoa – Isalo

2200 – Fianarantsoa – Isalo

Das südliche Hochland intensiv erleben, die Hügelzüge, die terrassierten Reisfelder, die mystischen Gesteinsformationen.


Im südlichen Madagaskar wird uns dies alles beeindrucken, daneben der Besuch der verschiedenen Handwerksstätten wie die Papiermanufaktur, die Seidenweberei, ein Weinkeller. Wir werden von Lemuren, Chamäleons und den freundlichen Hochlandbewohnern begleitet, wenn wir diese südliche Region zwischen Fianarantsoa und Ranohira gemächlich durchreisen und dabei mehr von den Geschichten, den Sitten und der Kultur der Betsileo- und Bara-Volksstämme kennen lernen.

Wir verlassen die Stadt Fianarantsoa mit ihren zahlreichen Treppen und Kirchen. Die Hauptstadt des Betsileo-Landes ist so wie die Hauptstadt Antananarivo auf drei Ebenen erbaut. Wir durchfahren die kurvige Landschaft in ihren Rot-, Grün- und Brauntönen bis zum kleinen, idyllischen Ort Ambalavao. Dieses Kleinstädtchen ist genau 55 km von Fianarantsoa entfernt und markiert den Übergang vom Hochland, das Land mit den kunstvoll terrassierten Reisfeldern und dem Land der nomadisierenden Bara-Volkstämme im Süden. Diese leben hauptsächlich von der Zebuzucht.

Charakteristisch in Ambalavao ist auch die Hochlandarchitektur mit den zweistöckigen Häusern aus Backsteinen mit ihren schön verarbeiteten Balkonen.

Wir besuchen die Papierwerkstatt in der Stadtmitte. Dort wird das schöne und bunte “Blumenpapier“ nach den alten Traditionen der Küstenbewohner oder der Antaimoro-Volksgruppe, die aus einem arabischen Land stammen, manuell angefertigt. Die Rinde des wild wachsenden Maulbeerbaumgewächses “Avoha“ ist der Rohstoff für dieses naturfarbene Papier.

Den interessanten und grossen Mittwochsmarkt in Ambalavao darf man nicht verpassen.

Die Bauern und die Handwerker aus den Nachbardörfern kommen früh am Morgen hierher und bringen ihre Produkte auf den Markt. Die Frauen verarbeiten die Cocons der gezüchteten oder wilden Raupen zu feinen und edlen Seidentüchern “Lamba Landy“. Diese werden als Überwurf auf den Schultern getragen. Mit den roten Leichentüchern oder “Lambamena“ werden die Verstorbenen eingewickelt.

Der Zebumarkt am Stadtrand gehört ebenfalls zu den Attraktionen in diesem kleinen Städtchen. Zahlreiche Zebuzüchter und Hirten von nah und fern treiben ihre fetten Buckelrinder auf den Auktionsplatz, wo die Tiere versteigert werden. Ein buntes Treiben von Hirten, Händlern und Tieren herrscht dann auf dem grossen Markt.

Fianarantsoa – Isalo
Weitere 13 Kilometer südlich von Ambalavao liegt der Anja Park. Es handelt sich hier um ein trockenes Waldgebiet von 8 ha zwischen beeindruckenden Granitfelsen und malerischen Dörfern.

Die Gruppen von Katta-Lemuren, die von Baum zu Baum springen, sind mit ihren langen schwarz-weissen Schwänzen unverkennbar. Grüne Chamäleons, Meister der Tarnung, und viele endemische Vögel lassen sich hier entdecken.


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Östlich von Ambalavao liegt der Nationalpark von Andringitra, der zweithöchste Berg Madagaskars. Von Ambalavao fahren wir auf einer Piste durch das zentrale Hochland bis zum Parkeingang. Mit Hilfe von lokalen Guides und Träger queren wir von Norden nach Süden dieses spektakuläre Bergmassiv.

Die Trekkingtour durch dieses Bergmassiv ist zweifellos bestimmt für Bergliebhaber.  An der Grenze der fleissigen Betsileo als Reisanbauer und den zähen Bara als Zebuzüchter durchwandern wir abgelegene Dörfer und weitläufige Täler, in denen Reis und Maniok angebaut wird. Wir können den höchsten zugänglichen Gipfel Madagaskars erklimmen: der 2568 Meter hohe Pic Boby oder Pic Imarivolanitra (dies bedeutet wörtlich “nahe am Himmel“). Oben bieten sich uns auf 360 Grad atemberaubende Ausblicke als Belohnung für den Aufstieg.

Nach den langen Fussmärschen durch grünen Wald, vorbei an rauschenden Wasserfällen, können wir uns in einem natürlichen Schwimmbad erfrischen. Beim Sonnenuntergang geniessen wir die absolute Ruhe und die Weite. Abends erholen wir uns am Lagerfeuer und geniessen die madagassische Spezialität, die uns unser Guide aus frischen Zutaten zaubert. Vor dem Schlafengehen erzählt er nochmals einiges über die Sitten und Bräuche der verschiedenen Ethnien in Madagaskar.

Fianarantsoa – Isalo
Eine der bemerkenswertesten und eindrucksvollsten Traditionen der Ahnenverehrung auf der ganzen Insel ist das Famadihana-Fest oder die sogenannte “Totenumbettung“ im Hochland, genauer gesagt bei der Merina- und Betsileo-Volksgruppe.

Es geht hier um ein Freudenfest, ein Wiedertreffen mit den Vorfahren. Im Abstand von drei bis fünf Jahren werden während des Südwinters (zwischen Juli und September) die Verstorbenen oder was von ihnen übrig geblieben ist (Knochen oder auch der Staub) aus dem Familiengrab geholt, wieder in ein neues Seidentuch eingewickelt und schliesslich, nach langer Zwiesprache mit den Verstorbenen, wieder ins Grab zurück gelegt, alles von Musikanten und Tanzgruppen begleitet.

Möglich ist auch, dass ein Mitglied der Familie vor ein paar Jahren in einer anderen Region begraben wurde. Bei diesen “Feiern der Leichenwende“ werden dann seine sterblichen Überreste in der Familiengruft mit einem freudvollen und fröhlichen Ereignis bestattet, denn nach der madagassischen wichtigsten Lebensauffassung gehören die Lebenden und die Toten immer zusammen „Velona iray trano, maty iray fasana“ oder „lebend im selben Haus, tot im selben Grab“. Dieser Brauch drückt das Symbol der langen Zusammengehörig­keit der madagassischen Familie aus.

In der traditionellen Vorstellungswelt der Madagassen bleiben sie durch diese Bestattungsriten in Kontakt mit den Ahnen, die Vorfahren werden als Vermittler zwischen Gott und den Lebenden betrachtet und beschützen jahrelang die Nachfahren mit diesem Ahnenkult.

Ähnlich wie beim Begräbnis opfert die Familie mehrere Zebus bei dieser zweiten Bestattung. Eingeladen zu diesem rauschenden Familienfest sind die Verwandten, die Freunde, die Nachbarn, sogar das ganze Dorf. Ein immenser Aufwand für die Familienmitglieder, bei dem der Geldbeutel der Familie zu diesem Zeitpunkt eine grosse Rolle spielt. Jeder Eingeladene bekommt einen grossen Teller Reis mit fettigem Fleisch “Vary be menaka“ und die Männer trinken bei dieser Gelegenheit ausgiebig selbstgebrannten Rum aus Zuckerrohr, den “Toaka gasy“.

Die Astrologie ist auf der ganzen Insel weit verbreitet. Die Wahrsager oder Schamanen haben ihr überliefertes Wissen von den arabischen Einwanderern geerbt, so werden sie vor jeder Zeremonie von der Familie konsultiert, wann der geeignete Zeitpunkt für die Totenfeste ist.

Fianarantsoa – Isalo
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt im Nationalpark von Andringitra fahren wir weiter Richtung Süden. Die grünen Reisfelder verschwinden und die unendliche Steppe oder Savanne mit vereinzelten Büschen und Bäumen taucht auf. Das “Tor zum Süden“,  zwei markante Granitfelsen links und rechts der Nationalstrasse Nr. 7 begrüssen uns. Ab hier beginnt die karge und wasserarme Südregion, sie ist extrem dünn besiedelt. Zebuherden weiden auf den kargen Graslandschaften und die Rinderhirten hüten ihr Vieh, immer auf der Hut vor Rinderdieben. Die Berg- und Felsenlandschaften werden von weiten Grassavannen abgelöst, die sich bis zum weiten Horizont erstrecken.

Bevor wir die Stadt Ihosy erreichen, sehen wir schon vom weiten und mitten in dieser Wildwestlandschaft die spektakuläre, rundliche Felsenformation, ein schöner Inselberg, der den Namen “Bischofshut“ trägt. Für Botaniker ist er hochinteressant, wegen der Sukkulentenpflanzen wie die Aloen, die Euphorbien und die Pachypodien, die auf diesem trockenen Granitfelsen gut gedeihen.

Nach 200 km von Fianarantsoa entfernt treffen wir in der Stadt Ihosy ein, die Hauptstadt der Bara-Ethnie. Dieser Volkstamm lebt hauptsächlich von der Zebuzucht in den Trockengebieten an den südlichen Ausläufern des Hochlandes. Die Verehrung der Zebus ist bei keiner anderen Volksgruppe so stark ausgeprägt. Ein Bara ohne Zebus wird nicht als ein “wichtiger oder geschätzter Mann“ betrachtet.

Die Zebuherde ist Symbol für Reichtum, Stärke, Tüchtigkeit und Wagemut, natürlich ist sie auch eine gute Einnahmequelle für die Familie. Das Stehlen von Zebu war früher für den Bara-Bräutigam eine Mutprobe, für seine zukünftige Frau war das ein Zeichen, dass dieser mutige Mann sie später gut beschützen werde und keinerlei Furcht kannte. Diese Tradition wird heute nicht mehr durchgeführt, denn dieser Brauch führte damals zu massivem Viehdiebstahl und war sogar zu einem nationalen Problem geworden.

Während der Trockenzeit ist es immer sehr schwierig für die Bara, genug Futter und Wasser für ihre Zebuherden zu finden, so müssen die Hirten ihr Dorf in der kargen Graslandschaft verlassen und tagelang die Rinderherden treiben, bis sie einen grossen Weideplatz in der Nähe eines Flusses finden. Deswegen zählt diese Bevölkerungsgruppe zu den Halbnomaden. Durch das Abbrennen des trockenen Grases sorgen sie beim Einsetzen des ersten Regens zwar für frisches, saftig nachwachsendes Gras, doch diese Methode zerstört die letzten Bäume und die Felder. Im Süden ist dies leider der Hauptgrund der Brandrodung.

Fianarantsoa – Isalo
Ihosy, die Hauptstadt der Bara-Volkstämme, liegt in der Nähe des gleichnamigen Flusses. Ihosy bedeutet “Seil“, so windet sich auch das Flussbett in dieser Region. Ihosy ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt: Hier zweigen die RN27 Richtung Osten auf die abenteuerliche Piste nach Farafangana und die RN13 bis hinunter zum Indischen Ozean nach Tolagnaro (Fort Dauphin) ab.

Wir befahren den letzten Streckenabschnitt unserer heutigen Etappe zwischen Ihosy und Ranohira. Diese 90 km lange Strecke führt uns durch die Hochebene von Horombe, eine unendliche baumlose Graslandschaft, auch hier eine Viehweide für die Bara-Nomaden. Die Strasse verläuft schnurgerade bis zum Isalo-Gebirge.

Endlich kommen wir in Ranohira an, dieses Städtchen ist der Ausgangspunkt für viele Wandertouren im Isalo Nationalpark. Langsam und gemächlich erkunden wir dieses Sandsteinmassiv aus der geologischen Jurazeit mit unterschiedlichen Landschaftsformen, geprägt durch Höhlen, Schluchten und Grotten. Es ist wirklich ein ideales Gebiet für Wander- und Trekkingtouren mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Juli 2021; geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa und Umgebung

2130 – Fianarantsoa und Umgebung

Die Stadt Fianarantsoa ist die Hauptstadt des Betsileo-Volkstammes in Madagaskar.


Fianarantsoa liegt 420 km südlich von Antananarivo. Die Sitten und Bräuche, sowie die Geschichte und der Stadtplan dieser beiden grossen Städte sind sehr ähnlich. Die Region Fianarantsoa ist auch berühmt für seinen Wein und seinen Tee: eine überraschende Entdeckungsreise zwischen Zunge und Gaumen.

Fianarantsoa, kurz “Fianar“ genannt, wie die Einwohner ihre Stadt liebevoll nennen, bedeutet wörtlich “wo man Gutes lernt“, da die erste Schule während der Königszeit in dieser Region gebaut wurde. Fianar liegt zwischen der Hauptstadt Antananarivo und der südlichen Grenze des Hochlandes und war einst die zweite Residenz der Königin Ranavalona I. mit ihrer Merina-Truppe. Die Stadt wurde im Jahr 1830 gegründet und galt als das Verwaltungszentrum aller Neueroberungen dieser Königin im Süden und Osten des Landes. Ein Palast aus Palisanderholz wurde damals auf dem höchsten Hügel der Oberstadt gebaut. Von dort hat man auch heute noch einen schönen Ausblick auf die kunstvoll gestalteten Reisterrassen und Gemüsefelder im Westen und auf die grünen Ausläufer des Regenwaldes. Pure Landschaftspoesie!

Katholische und evangelische Kirchen, andere christliche Einrichtungen und Missionsstationen, Religionsgemeinschaften und verschiedenen Schulen prägen das Stadtbild von Fianarantsoa seit der Kolonialzeit. Die Stadt entwickelte sich später zum Zentrum für die katholische Missionstätigkeit in Madagaskar, so wurde sie im Laufe der Zeit als die grosse katholische Hochburg im Süden des Landes bezeichnet, denn die Kirchendichte ist auf der ganzen Insel nirgends so hoch wie hier. Auf einer Stadtrundfahrt in die Oberstadt sieht man vom Weiten auf einem Felsbrocken die weisse, stattliche Marienstatue. Heute haben die katholischen Kirchen noch immer einen grossen Einfluss in Entwicklungsprojekten und Hilfeleistungen, im sozialen Bereich wie Schulen und Krankenhäusern. Schliesslich sind 60% der Bevölkerung in der Umgebung von Fianarantsoa katholisch.

Die Stadt Fianarantsoa ist – wie die Hauptstadt Antananarivo – auf drei Ebenen erbaut.

Die Oberstadt oder auch die Altstadt ist der höchste Punkt von Fianar und liegt 1’269m über dem Meeresspiegel. Von dort hat man einen spektakulären Panoramablick auf die ganze Stadt und die umliegende Berglandschaft. Die schönen Kolonialhäuser und die stilvollen Kathedralen links und rechts der alten Gassen stehen auf der Liste der schützenswerten und bedrohten Städte und wurden wegen der traditionellen Architektur glücklicherweise von “World Monument Watch“ unter Schutz gestellt und renoviert. Zeugen davon sind die gepflasterten Treppen, die geschnitzten Holzpforten, die traditionellen Häuser mit den verzierten bunten Balkonen.

Die mittlere Ebene oder die Neustadt war das Verwaltungszentrum während der Kolonialzeit. Hier befinden sich die administrativen Gebäude, die zahlreichen Büros und Bankinstitute, die Hotels von verschiedenen Kategorien.

Die quirlige Unterstadt liegt entlang der Nationalstrasse RN7 und ist die Verbindung zur Nationalstrasse zurück zum Hochland oder weiter Richtung Süden. Dort ist auch die Kernstadt mit den vielen Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten, dem lebhaften Markt, dem alten Kolonialbahnhof, dem grossen Fussballstadium und der lärmenden Taxibrousse-Station. Hier spürt man förmlich das “pulsierende Herz“ der Stadt.


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Für leidenschaftliche Fotografen lohnt sich ein Besuch im Fotogeschäft von Pierrot Men. In seinem “Labo Men“ hat man einen Einblick in seine langjährige Arbeit: Bücher mit schwarz-weissen Landschaftsfotografien, Fotos über den Alltag auf dem Land, Portraits. Ganz am Anfang seiner Karriere war er als Maler tätig, bevor er zu fotografieren anfing. Seit fast 35 Jahren ist er der bekannteste Fotograf auf der ganzen Insel. Regelmässig nimmt er immer noch an internationalen Ausstellungen teil.

Fianarantsoa und Umgebung
Auf dem südlichen Hochplateau rund um diese zweitgrösste Stadt Madagaskars befindet sich das grösste Weinanbaugebiet des Landes. Hier haben die katholischen Missionare vor rund 150 Jahren das ideale, warme Klima und die entsprechende Bodenbeschaffenheit für die Kunst des Weinanbaus gefunden. Sie pflanzten die ersten Rebstöcke und daraus entstand ein Wein, der so erdig und ehrlich ist wie der Boden, auf dem die Trauben wachsen. Heute gibt es rund ein Dutzend Weinproduzenten, die sehr charakteristische Weine produzieren. Die Vielfalt der Sorten ist erstaunlich und zwar als Rot- und Weissweine, sowie der spezielle Gris und Rosé. Die bekanntesten Weingüter in Madagaskar sind “Lazan’ny Betsileo“, “Gris de Manamisoa“, “Soavita“. Für den Export genügen leider weder die produzierten Mengen noch die Qualität.

Ein Besuch der Teeplantage in der Nähe des Bahnhofs Sahambavy rund 23 km nordöstlich von Fianar ist ebenfalls eine besuchenswerte Attraktion in dieser Region. Die Frauen pflücken den ganzen Tag die frischen Blätter in dieser rund 320 ha grossen Plantage, daraus stammt die Bezeichnung des Ortes“ Sahambavy“, denn wörtlich bedeutet das “die Plantagen der Frauen“. Die Arbeit ist mühselig, denn nur die drei äussersten Blätter jedes Zweiges werden für die beste Qualität verwendet und dürfen gepflückt werden. Auf ganz Madagaskar wird nur in dieser Kleinregion der qualitativ hervorragende Tee angebaut. Die gepflückten Blätter werden gleich in der naheliegenden Teefabrik verarbeitet. Der sehr bekannte “Tee Sahambavy“ wird zum Frühstück sehr gern getrunken. Er hat einen angenehmen Geschmack und wird von den Einheimischen als wirksames Heilmittel betrachtet.

Der Markt in Andoanasany gleich am Rand der Nationalstrasse RN7 ist auch einen Besuch wert. Der Montagsmarkt ist eine absolute Attraktion für die Augen, schon von Weitem leuchten die Kleider und die Kopftücher der Marktfrauen in allen Farben: ein buntes, lautes und farbenprächtiges Spektakel. Sie balancieren auf ihren Köpfen die schweren Körbe mit den Produkten zum Verkauf, gleichzeitig tragen die Mütter ihre Babys in ein Tuch gehüllt auf dem Rücken. Für diesen Markttag ziehen sie ihre Lieblingsröcke mit Leuchtfarben (rosa oder hellgrün) an. Die korbbepackten Bauern tragen auch das traditionell bunte und karierte Lamba aus Baumwolle über der Schulter. Auf dem Kopf tragen sie geflochtene Hüte aus Stroh oder aus Raphia: typisch für die Betsileo. Alle tragen ihre besten und schönsten Kleider, denn wer weiss, welcher Schönheit man zufällig auf diesem grossen Markt begegnet, denn hier muss man sehen und gesehen werden!

Fianarantsoa und Umgebung
Für die Reisenden, die sich für Religion oder Kultur interessieren, ist auch der Besuch des Dorfs Soatanana mit seinen “Weissen Hirten“ ein wahres und einmaliges Erlebnis! Der Name Soatanana bedeutet wörtlich “das schöne Dorf“ und liegt etwa 40 km nordwestlich von Fianarantsoa. Am lohnendsten ist der Kirchenbesuch am Sonntagvormittag, wenn die sogenannten “Weissen Hirten“ oder “Schäfer“ in einer langen Prozession von ihren Häusern bis zur Kirche ziehen. Auffallend schön sind die Männer und Frauen dieser Glaubensgemeinschaft, die alle mit schneeweissen Kleidern und grossen Strohhüten auf dem Kopf bekleidet sind (so wie bei den Hirten). Sie gehören zur urchristlichen Form der lutherischen Kirche, sodass alle fremden Gäste ohne Ausnahme jederzeit in diesem Dorf mit friedvoller und freundlicher Stimmung willkommen sind. Die Besucher können natürlich am Alltagsleben in den Schulen oder der Krankenstation teilnehmen. Bei den üblichen Riten werden zuerst die Füsse der Gäste gewaschen und später werden sie als Teil der Gemeinschaft an den Tisch gebeten. Die Frömmigkeit, die Ordnung und die Sauberkeit prägen das Bild dieser religiösen Gemeinschaft im Dorf Soatanana.

Bei einem Aufenthalt in Fianarantsoa tauchen die Reisenden in das alltägliche Leben der gastfreundlichen Betsileo-Leute ein und lernen viel über die Natur, die Kultur und vor allem über die Sitten und Bräuche dieser arbeitssamen Ethnie.

Geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ambalavao und Umgebung

2210 – Ambalavao und Umgebung

Ambalavao befindet sich im Südosten der Region „Haute Matsiatra“ und liegt 57 km südlich von Fianarantsoa.


In Ambalavao kann man sehr gut
verweilen, schon wegen des Viehmarkts an jedem Mittwoch, der interessanten Ateliers für Kunsthandwerk und des grossen Anja Parks mit den Katta-Lemuren und den zahlreichen Reptilien und Vögeln.

Ambalavao bedeutet wörtlich “die neue Stadt oder der neue Stall“, denn hier ist das Zentrum des Zebuhandels in dieser südlichen Region von Madagaskar. Die Rinderhirten treiben ihre Zebus tagelang vom Süden her über die Berge bis zu dieser grossen Stadt. Tausende von Zebus werden wochenlang zu diesem bedeutendsten Viehmarkt an der Grenze des Hochlandes getrieben und bleiben in der Umgebung von Ambalavao montags und/oder dienstags. Am Mittwochsmarkt werden dann die fetten Buckelrinder verkauft, in LKWs verladen und in die Schlachthöfe von Fianarantsoa oder bis zur Hauptstadt Antananarivo transportiert. Eine ganz besondere Stimmung prägt diese Szenerie am Stadtrand von Ambalavao. Auf diesem grossen Marktplatz werden die prächtigen Zebus mit schönen Höckerformen von den Interessierten genau angeschaut und dann ersteigert, dazwischen rennen die Kälber herum. Am Ende dieses grossen Getümmels ist auf eine Anhöhe über dem Maktplatz der richtige Ort, um die Sonne untergehen zu sehen.

Das Zebu ist das Wahrzeichen der Stadt Ambalavao, auf dem Wappen befindet sich ein Zebukopf mit langen Hörnern, Symbol des Wohlstandes, des Reichtums und der Kraft. Tatsächlich ist das Zebu Mittelpunkt der madagassischen Kultur auf der ganzen Insel. Es hilft den Bauern bei der Feldarbeit, besonders denjenigen, die das ganze Jahr vom Ackerbau leben. Auch der wertvolle Zebudung wird im Reisfeld verteilt, bevor die Zebus das Feld weich stampfen. In der madagassischen Kultur spielen diese “Buckelrinder“ eine äusserst wichtige Rolle, denn bei der Beerdigung oder beim Famadihana-Fest werden immer eines oder mehrere Zebus zu Ehren der Vorfahren und der Lebenden geopfert. Anschliessend kommen die schönen Zebuhörner auf die Grabstätte und zieren das bunte Grabmal der Volkstämme im Süden Madagaskars.

Ambalavao und Umgebung
Die Häuser im Kolonialstil in der Stadtmitte von Ambalavao sind recht stattlich mit den schön gearbeiteten und bunt bemalten Balkonen. Die Architektur der Hochlandhäuser ist eine der Kuriositäten in dieser Stadt, sie sind erbaut teils aus Ziegeln, teils aus Natursteinen.

Nicht weit von der Hauptstrasse entfernt, auf dem Gelände des Hotels “les Bougainvilliers“ ist die Werkstatt für das berühmte “Blumenpapier“ angesiedelt. Der Antaimoro-Volksstamm, der an der Südostküste zwischen Manakara und Farafangana siedelt, hat diese Tradition eingeführt. “Antaimoro“ bedeutet wörtlich “die von der Küste“, oder auch “die Küstenbewohner“. Sie stammen aus dem Golf von Persien und haben die Kunst der Papierherstellung vor rund 500 Jahren mitgebracht. Sie waren die erste Ethnie, die lesen und schreiben konnte. Die Antaimoro verfügten schon seit langem über ihre eigenen Schriftzeichen, das “Sorabe“. Diese Schrift gehört zum wertvollsten Kulturgut Madagaskars, deswegen gelten sie seit Jahrhunderten als die besonders gebildete Bevölkerungsgruppe. Wertvolle Schriften und heilige Bücher wurden auf dem speziellen Papier der Antaimoro von diesen arabischen Einwanderern niedergeschrieben.


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Das Antaimoro-Papier wird traditionell aus der Borke des wild wachsenden Avoha-Baumes (ein Maulbeerbaumgewächs) hergestellt, der im trockenen Süden gedeiht. Die Rinde wird stundenlang gekocht, gewaschen und anschliessend mit Holzhämmern geklopft. Mit dem breiigen Teig wird dann das naturfarbene Papier hergestellt, das später mit frischen und bunten Blumen verziert wird, wobei viel Fantasie und Geschick bei der Wahl der Motive und der Farben an den Tag gelegt werden. Aus diesem schön verarbeiteten “Blumenpapier“ entstehen Andenken und Dekorationsgegenstände wie Lampenschirme, Schreibunterlagen, Papierbögen, Postenkarten.

Ambalavao und Umgebung
Die Seidenweberei ist in der Stadt Ambalavao auch sehr berühmt. Mit Seidentüchern wurden früher Herkunft und sozialer Status in der Gesellschaft markiert. Der Besucher kann sich in der kleinen Werkstatt im Stadtzentrum einen Einblick in die Verarbeitung der Seidenkokons verschaffen. Die Seide aus Ambalavao besitzt eine Spitzenqualität, denn die speziellen Raupen leben auf den Maulbeerbäumen “Avoha“, dieselben Bäume, die auch das Rohmaterial für das Papier Antaimoro liefern. Aus den Kokons wird der besonders feine Faden gesponnen und daraus entstehen dann die Seidentücher. Als traditionelle Tracht oder bei besonderen Zeremonien wird das feine und edle Seidentuch oder auf madagassisch “Lamba Landy“ von den Frauen und Männern als Überwurf über die Schulter getragen. Das kostbare Seidentuch ist bestimmt für die Lebenden sowie auch für die Verstorbenen. Bei vielen Ethnien in Madagaskar werden die Leichen bei der Bestattung in dieses kostbare Seidentuch oder „Lambamena“ gehüllt.

Bei jedem grossen Familienfest wird natürlich auch gern Wein getrunken. Die französischen Missionare haben hier im Süden den Anbau von Rebhainen während der Kolonialzeit eingeführt. Das französische Weingut „Soavita“ ist seit 1973 einer der grössten und bekanntesten Weinproduzenten in dieser südlichen Region. Weiss- und Rotweine von einfacher bis mittlerer Qualität werden für den einheimischen Markt produziert. Die Trauben werden während der Regenzeit im Januar oder Februar geerntet und die Besucher sind zu einer Weinprobe herzlich eingeladen.

Ambalavao und Umgebung
Naturliebhaber kommen natürlich auch auf ihre Kosten, denn der Anja Park, 13 km südlich von Ambalavao ist die Hauptattraktion in dieser Gegend. Dieser 30 ha grosse Park wurde von der einheimischen Bevölkerung im Jahre 2001 gegründet. Mehrere Gruppen von Katta-Lemuren, genannt auch “die Makis von Madagaskar“, leben in diesem Waldgebiet. Durch ihre auffällige Färbung, mit ihren langen, buschigen, schwarz-weiss geringelten Schwänzen und wegen ihrer relativen Häufigkeit gehören sie zu den populärsten Lemuren von ganz Madagaskar. Diese tagaktiven und neugierigen Lemuren sind an ein Leben auf dem Boden angepasst. Die Sonnenanbeter sind besonders im Trockenwald leicht zu finden, wenn sie sich in den Bäumen der Sonne zuwenden und so ihre Körper aufwärmen. Zwischen den riesigen Granitfelsen gedeihen endemische und seltenen Sukkulenten, Euphorbien und Orchideen, die typisch sind in dieser Trockenregion. In der Nähe sonnen oder tummeln sich auf den Felsenbrocken zahlreiche Reptilien wie Eidechsen, Skinke oder Leguane. Vielleicht trifft man auf dem Rundgang auch auf ein paar Chamäleons oder gefahrlose Schlangen.

Das Besteigen der Felsen ist lohnend schon wegen des fantastischen Rundumblicks über die eindrucksvolle Graslandschaft mit den rundlichen Felsen, sowie die umliegenden Dörfer mit den Weideflächen. Hier erfahren die Besucher auch mehr über die Geschichte der Betsileo-Volksgruppe. Zwischen den Granitblöcken befinden sich auch Grotten, in denen sich die Ureinwohner Madagaskars aufhielten, man findet auch eine ehemalige Grabstätte der Betsileo. Sie haben im 19. Jahrhundert gegen die feindlichen Bara im Süden und die herrschsüchtigen Merina im Norden gekämpft und hier Unterschlupf gefunden, weil sie unter der Herrschaft der Merina-Armee nicht leben wollten. Das damalige grösste Dorf in der Region, gleichzeitig auch der Sitz des letzten Betsileo-Königs, lag in der Region von Ifandana, 18 km von der Stadt Ambalavao entfernt. Seine Truppe wurde leider niedergemacht und nach der Sitte der siegreichen Merina durfte das Dorf nie mehr wiederaufgebaut werden, so entstand eine neue Siedlung nicht weit von Ambalavao und von daher stammt der Name Ambalavao, wörtlich übersetzt “die neue Stadt“.

Ein paar Kilometer nach Ambalavao fährt man auf der Nationalstrasse RN7 zwischen zwei imposanten Felsblöcken hindurch, diese bezeichnen die Grenze zwischen dem Hochland und den Weiten des “Grossen Südens“ und vom weitem sieht man schon die Ausläufer des Andringitra Massivs, das zweithöchste Gebirge Madagaskars. Dieser eindrucksvolle Nationalpark ist natürlich auch ein Besuch wert!

Juli 2021; geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nationalpark Andringitra

2220 – Nationalpark von Andringitra

Die alpinen Gebirgwelten von Andringitra begeistern weltweit Bergwanderer und Kletterfreunde.

 

Dieses Bergmassiv aus Granitfelsen und mit den Quellen zahlreicher Wasserläufe liegt im südöstlichen Teil des Hochlandes, 47 km von Ambalavao entfernt und bedeckt eine Fläche von rund 32’000 ha.

Der Nationalpark Andringitra wurde im Jahre 1999 zum Nationalpark erklärt und steht seit 2007 auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes. Es handelt sich um ein Bergmassiv aus Gneis- und Granitfelsen mit einem völlig einzigartigen Biotop, sehr reich an Fauna und Flora. Andringitra bedeutet “wo die Berge den Himmel berühren“. Der 2’658m hohe Pic Boby oder “Pic Imarivolanitra“ ist der zweithöchste Gipfel Madagaskars. In diesem Park erwarten die Bergwanderer eine einzigartige Kombination aus Steinkuppeln und geologischen Formationen, sowie auch endemische Sukkulenten in einer der prägnantesten Landschaften Madagaskars.

Eine holprige Piste ab der Stadt Ambalavao führt zu den beiden Zugängen des Andringitra Nationalparks. Einerseits durch eine abwechslungsreiche Landschaft entlang malerischer Dörfer bis zum Dorf Namoly, andererseits von der Abzweigung der Nationalstrasse RN7, ca. 37 km Richtung Südwesten bis zum Tsaranoro Tal. Die Temperaturen variieren stark auf der Bergspitze und sie kann bis auf 7° C in der Nacht fallen, also ist es empfehlenswert, warme Kleidung für den frischen Abend und einen Daunenschlafsack für die Zeltübernachtung im Park mitzunehmen.

Dieser Park markiert die Grenze zwischen zwei wichtigen Bevölkerungsgruppen, den fleissigen Betsileo, sehr bekannt als Reisanbauer mit kunstvoll terrassierten Reisfeldern im Norden und der zähen Bara-Volkstämme, die Ethnie der Zebuzüchter und Hirten im Süden.

Nationalpark Andringitra
Die Anfahrt ab der Stadt Ambalavao bis zur Andringitras Bergwelt ist nur mit einem guten Geländewagen möglich. Sie ist abenteuerlich schon wegen der staubigen Piste mit Schlaglöchern, doch der Ausblick über das Gebirge und das Umland und die einmaligen Terrassenkulturen der Betsileo-Bauern sind unvergesslich. Das Dorf Namoly ist der Ausgangspunkt aller Wandertouren und gleichzeitig der Eingang in dieses Naturschutz­gebiet.


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Viele Wanderrouten wurden für die naturinteressierten Bergwanderer mit Hilfen der ausgebildeten Lokalguides ausgearbeitet. Diese ortskundigen Führer sprechen französisch und englisch und haben viele Kenntnisse über die wertvollen Heilpflanzen und Heilkräuter in diesem Schutzgebiet. Mit ihren unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kann jeder Besucher in Begleitung dieser örtlichen Guides samt Gepäckträger die Schönheit dieses geheimnisvollen Bergmassivs entdecken und auch vielen Lemuren begegnen. Folgende Wandertouren sind gut miteinander kombinierbar, je nach der Dauer des gesamten Aufenthalts im Nationalpark:

Der Wanderweg “Imarivolanitra“ wörtlich übersetzt “nahe des Himmels“ entspricht genau dieser Beschreibung wegen des Aufstiegs bis zum zweithöchsten Gipfel Madagaskars. Das hügelige Plateau liegt auf 2’100 m Meereshöhe und ist von tiefen Schluchten durchzogen. Die höchste Erhebung, der Pic Boby mit 2.658 m über dem Meeresspiegel, bietet mit seinen Steinkugeln und einem 360 Grad Ausblick atemberaubende Erlebnisse. Diese Trekkingtour ist bestimmt für “bergtaugliche“ Wanderer. Diese Tour Imarivolanitra mit 28 km Fussmarsch nimmt ab Ambalavao mindestens zwei Tage in Anspruch. Sie kann gut mit den Rundwegen “Asaramanitra“, “Diavolana“ und “Imaitso“ kombiniert werden.

Nationalpark Andringitra
Der Rundweg “Asaramanitra“ bedeutet auf madagassisch der heilige Ort. Er führt durch bewaldetes Gelände mit endemischen Pflanzen, die typisch sind in dieser Region. Unterwegs läuft man an einer grossen Grotte vorbei, die damals den einheimischen Viehdieben als Unterschlupf diente. Später führt der Weg zu den beiden heiligen und legendären Wasserfällen “Riandahy“ (Wasserfall des Königs, ca. 300m hoch) und “Riambavy“ (Wasserfall der Königin, ca. 250 m hoch).

Hier erfährt man die mündlich überlieferte Geschichte dieser heiligen Wasserfälle: ein kinderloses Königspaar wandte sich verzweifelt an einen Medizinmann. Dieser riet den beiden, ein schwarzes Zebu bei diesen heiligen Wasserfällen zu opfern. Ihr Kinderwunsch wurde dann nach diesem Ritual erfüllt und so wurden sie später kinderreich, die Königin konnte 10 Jahre lang viele Kinder zur Welt bringen. Auf dieser historischen Tour hat man auch einen Einblick in die grüne Landschaft mit vielen Pflanzen, die typisch in dieser Region sind.

Der Rundweg “Diavolana“ bedeutet “Vollmond“ und ist wohl die schönste Wandertour im Nationalpark von Andringitra. Der Name “Vollmond“ stammt von den Formen der rundlichen und buckligen Felsenformationen auf diesem Hochplateau, sie sind besonders eindrucksvoll für die Fotografen. Der Aufstieg ist zwar anstrengend aber die Bergwanderer werden mit der überwältigenden Schönheit der abwechslungsreichen Landschaft belohnt. Von einem schönen Rastplatz aus hat man einen Blick auf die oben genannten heiligen Wasserfälle “Riandahy“ und “Riambavy“ und je nach Lust und Laune kann man im kalten Wasser ein erfrischendes Bad nehmen. Die neugierigen Katta-Lemuren tummeln sich auf den mit Moosen und Flechten bewachsenen Felsen.

Die “Imaitso“-Wandertour bedeutet wörtlich “der Grüne“, so wie die Landschaft und der unberührte Nebelwald an der Ostseite des Parks. In diesem Naturschutzgebiet leben Katta-Lemuren, die bekanntesten Vertreter der Lemuren auf ganz Madagaskar, Vögel wie die “blaue Madagaskar-Fruchttaube“, Reptilien wie das Nasenchamäleon (Calumma nasuta) und zahlreiche Insekten ungestört. Tierliebhaber kommen wirklich auf ihre Kosten. Dieses Ausflugsziel hat keine grossen Steigungen und ist daher für alle Reisenden zugänglich.

Nationalpark Andringitra
An der östlichen Seite des Andringitra Nationalparks liegt der zweite Eingang im Tsaranoro-Tal. Dieser Teil des Bergmassivs ist bestimmt für Kletterer und Gleitschirmflieger, aber natürlich auch für Trekking-Fans und Bergwanderer. Beim ca. 2-stündigen Aufstieg auf das nahe gelegene Bergmassiv in Form eines Chamäleons hat man einen weiten und spektakulären Panoramablick auf das Andringitra-Massiv und auf den hohen Gipfel “Pic Boby“. In diesen Höhenlagen gedeihen viele verschiedene Vegetationstypen wie Sukkulenten, Sträucher, Flechten, Moose, Orchideen und Kalanchoen, die an den Hängen blühen und allen Winden trotzen. Da die Temperaturen in diesen Höhen oft unter dem Gefrierpunkt liegen, müssen alle Pflanzen entsprechend frostresistent sein.

Der Andringitra Nationalpark ist auch besonders bekannt durch heilige Berge, seine reiche Geschichte und die Kultur der Betsileo- und Bara-Ethnien, die in dieser Region leben. Das mythologische Gebirge “Ambondrombe“ ist Sitz der Ahnen und des Schöpfers “Zanahary“, und ist somit mit unzähligen Tabus oder “Fadys“ belegt. Insgesamt ist der Park für seine Weite und seine Einsamkeit und vor allem für seine Ruhe sehr berühmt.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Papierherstellung in Madagaskar

Antaimoro Papier - Papierherstellung in Madagaskar

 

Ein Einblick in die Antaimoro Papierherstellung

Sorabe heissen die heiligen Bücher, in denen Weisheiten der arabischen Einwanderer niedergeschrieben wurden, die im 13. Jahrhundert an der Südostküste Madagaskars landeten. Sie brachten die Kunst des Schreibens mit und hielten ihre religiösen Formulierungen, Heilsprüche und Zukunftsdeutungen in arabischer Schrift fest. Somit ist arabisch die erste in Madagaskar benutzte Schrift.

Das Papier stellten die Antaimoro selber aus Pflanzenmaterialien her. Diese Kunst des Papierherstellens hat sich über Jahrhunderte gehalten, eher in einem eingeschworenen Kreis, denn die Heiligen Bücher durften nicht von fremden Augen gesehen werden. Erst die Kolonialausstellung von Paris, 1931, machte dieses Naturpapier bekannt.

Dies hingegen weckte das Interesse von Pierre Mathieu, einem französischen Kaffeepflanzer an der Ostküste Madagaskars. Erst in Manakara, dann schliesslich ab 1936 in Ambalavao in einer stillgelegten Konservenfabrik, stellte er seine Version des Antaimoro-Papiers her. Dies dank Insiderwissen eines Antaimoro, Rangahy Armand, der im Betrieb mitarbeitete.

Im Laufe der Produktionsjahre verlor das Papier seinen sakralen Wert. In die Papiermasse wurden getrocknete Blumen eingelegt, Blätter und Blüten. Das sah dekorativ auf Lampenschirmen aus oder als ungewöhnliches Briefpapier. Postergrosse Papiere wurden als Paravent eingearbeitet. Doch das Antaimoro-Papier diente nicht mehr heiligen Zwecken.

Pierre Mathieu starb 1948 und seine Frau fabrizierte im Betrieb weiter mit einem quasi kolonialen Monopol. Als auch Armand 1967 starb, begann ein unschöner Kampf um ‘Markenrechte’. Armand hatte sein Wissen seinen Kindern weitergegeben, die ab den 1970er Jahren selber Ateliers eröffneten. Daher finden sich heutzutage mehrere Fabrikationsstellen in der Agglomeration der Hauptstadt und an anderen Orten. Alle behaupten, das ‘originale’ Antaimoro-Papier herzustellen.

In Madagaskar wird Papier generell taratasy genannt, was auch Brief oder Meldung bedeutet. Das Papier Antaimoro wurde nie dieser Kategorie zugeordnet. Interessant aber, dass die Strasse der Antaimoro-Produktion in Ambalavao heute noch Ambalataratasy (Park des Papiers) genannt wird.

Heutzutage ist ein Besuch der Papierherstellung in Ambalavao fester Bestandteil einer Reise auf der RN7 gegen Süden. Der Ort hat jedoch seinen Charme verloren und die Herstellung scheint nur noch eine magere Touristenshow geworden zu sein.

Was derweil mit den heiligen Büchern, deren Papier und Schrift im Land der Antaimoro geschieht, bleibt geheim und das ist auch gut so.