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Manakara – Mananjary

2650 – Manakara – Mananjary

Von Manakara aus geht es zunächst Richtung NW etwas ins Landesinnere und dann nach NE wieder Richtung Ozean bis zum Städtchen Mananjary.

Unterwegs besuchen wir eine Gewürzplantage und geniessen die ländlich ruhige Gegend. Mit etwas Glück sehen wir an einem der vielen Flüsse zwischen Manakara und Mananjary wie Gold gewaschen wird.

Nach dem Aufenthalt in Manakara und einem Ausflug auf dem Pangalanes-Kanal nehmen wir die Nationalstrasse 12 bis zum Städtchen Irondro, ca. 120 km entfernt. Unterwegs lernen wir auf einer Plantage die madagassischen Gewürze kennen. Madagaskar ist ja auch bekannt als Gewürzinsel. Viele Gewürze wie Pfeffer, Nelken, Zimt und Vanille werden exportiert. Die Madagassen verwenden sie auch zum Kochen. Für viele Madagassen schmeckt das Essen nicht, wenn es kein „Sakay“ gibt. Sakay bedeutet scharf und ist eine madagassisches Gewürz-Beilage, die hauptsächlich aus Chili zubereitet wird.

Manakara – Mananjary
Unterwegs werden wir mehrere Flüsse überqueren und an diesen Flussufern sehen wir Leute, die Gold waschen. Diese Arbeit wird von vielen Familien als Haupt-Einkommensquelle verrichtet. Trotz harter Arbeit verdienen sie nicht viel. Viele Leute träumen davon, plötzlich reich zu sein, andere denken nur an den nächsten Tag und wie sie diesen überleben. Sogar die Kinder und Frauen waschen Gold, denn viele Kinder helfen ihren Eltern Geld zu verdienen. Einige Kinder sind nur am Wochenende dabei, denn sie haben Glück, dass ihre Eltern sie unter der Woche in eine Schule schicken. Auf Madagaskar gehen über eine Million Kinder nicht zur Schule.


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Manakara – Mananjary
Überall an der Küste von Madagaskar sehen wir Frauen mit einer aussergewöhnlich schönen Schminke. In Madagaskar brennt die Sonne fast jeden Tag und die Frauen wollen ihr Gesicht schützen. So verwenden sie Sandelholz oder Masonjoany auf madagassisch. Dieser kleine Baum wächst vor allem an der Westküste Madagaskars. Die Frauen benutzen Sandelholzpulver als Gesichtsmaske, nicht nur um ihre Haut vor der Sonne zu schützen und UV-Strahlen abzuhalten, sondern auch um die Haut zu straffen und somit Falten vorzubeugen. Mit dieser Schönheitscreme können sie unterschiedliche Muster auf ihr Gesicht malen. Manchmal haben sie sehr filigran gezeichnete Muster auf ihren Wangen und ihrer Stirn. Bei den Mustern handelt es sich immer um Pflanzenmotive wie Blumen oder Blätter. Die Cremen sind hausgemacht, und jede Frau hat ihr eigenes Rezept. Sandelholz wird heutzutage auch in der Kosmetik benutzt. An der West- und Südküste der grossen Insel sind solche Gesichtsmasken eine verbreitete Tradition.

Ab dem Städtchen Irondro sind es dann nur noch ca. 50 km bis zur verschlafenen Stadt Mananjary.

Januar 2021; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Mananjary

2660 – Mananjary

Nach Mananjary gelangt man von Fianarantsoa aus über Ranomafana und weiter auf der RN25 bis an die Küste des Indischen Ozeans. Die Stadt liegt am südlichen Ende des noch schiffbaren Teils der langen Wasserstrasse “Kanal von Pangalanes“.

Dieses ruhige Hafenstädtchen, in Luftlinie ca. 110 Km nördlich der grossen Stadt Manakara ist das Zentrum des Kaffee-, Vanille-, Nelken- und Pfefferanbaus entlang der Südostküste.
Ursprünglich hiess diese Stadt Masindrano, wörtlich übersetzt bedeutet dies “das Heilige Wasser“. Während der Besetzung durch den Merina-Volkstamm aus Antananarivo bekam die Stadt den Namen Mananjara-ville oder die Stadt, die viel Glück bringt, später wurde sie in Mananjary umbenannt.

Hier lebt die ethnische Volksgruppe der Antambahoaka. Dieser Name kommt von zwei Wörtern: Das erste Wort “Tanana“ heisst das Dorf oder die Stadt und das zweite Wort “Vahoaka“ bedeutet das Volk, wörtlich übersetzt bedeutet dies also “die Stadt, die dem Volk gehört“.
Eine andere Erklärung des Namens entspringt einer Legende des ehemaligen Königs „Ratiambahoaka“ oder “derjenige, der während seiner Regierungszeit von seinem Volk geschätzt wird“. Vom Namen dieses geliebten und respektierten Königs stammt der Name des Volkstamms Antambahoaka.

Die Antambahoaka-Volksgruppe ist eine der kleinsten Ethnien in Madagaskar und siedelt an der Südostküste rund um die Region von Mananjary. Es sind Nachfahren arabischer Herkunft, die zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert von Mekka nach Madagaskar ausgewandert sind. Zeuge davon ist eine Skulptur aus weissem Seifenstein, nicht weit vom Fischerdorf Ambohitsara (wörtlich bedeutet dies “das schöne Dorf“) am Ufer des Süsswasserkanals, ca. 50 km von Mananjary entfernt. Der Stein stellt einen kleinen weissen Elefanten dar und sei von muslimischen Pilgern aus Mekka mitgebracht worden.
Dieses einzigartige Denkmal hat bei den Einheimischen unterschiedliche Namen: “Vato Lambo“ (“steinernes Wildschwein“) oder “Vato masina“ (“heiliger Stein“). Auf alle Fälle verehren die Antambahoaka diesen Stein und betrachten ihn als heilig. Dieser Volkstamm betreibt wie viele andere bis heute einen Ahnenkult: Es werden Opfer gereicht, z.B. einen Hahn oder Geschenke für die Vorfahren wie Honig oder Rum. Dieses geschützte Areal mit der heiligen Steinskulptur ist von schönen Drachenbäumen umgeben und der Besuch ist nur in Begleitung eines Lokalguides oder eines Dorfvertreters möglich.

Mananjary
Eine ganz besondere Tradition dieses Antambahoaka-Vokstamms ist das kollektive Beschneidungsfest oder “Sambatra“. Es wurde eingeführt von Zafi Raminia, dem Stammvater der Antambahoaka, der im 12. Jahrhundert aus Mekka nach Madagaskar eingewandert sei. Diese grosse und gemeinsame Beschneidungszeremonie findet in Mananjary alle 7 Jahre statt und kann wochenlang dauern. Es ist ein Freudenfest und ein wichtiges Ereignis, bei dem die seit der letzten Feier geborenen Antambahoaka-Knaben alle beschnitten werden.
“Sambatra“ bedeutet auf madagassisch soviel wie “selig“ oder “glücklich“. Und während dieser kollektiven Knabenbeschneidung, die von traditionellen Tänzen und Gesängen unterbrochen wird, werden viele Zebus geopfert. Das benötigte heilige Wasser wird aus dem breiten Mananjary Fluss geschöpft und zwar dort, wo sich das Süsswasser mit dem Meerwasser mischt. Dieses dient dann der Wundreinigung der Beschnittenen. Nach dieser rituellen Zeremonie sind die Familien froh, dass ihre Söhne jetzt als Erwachsene in der Gesellschaft akzeptiert werden.


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Bei der Antambahoaka-Volksgruppe sind neugeborene Zwillingskinder oder “Zaza kambana“ unerwünscht, ja sie werden abgelehnt, denn sie gelten als Tabu oder “fady“. Die Eltern glauben, sie seien Unheilbringer oder Unglücksboten. Viele dieser unschuldigen Babys wurden früher kurz nach der Geburt einfach ausgesetzt.
Heute ist es möglich diese Zwillinge an Adoptionsverbände oder an die verschiedenen Sozialprojekte in Mananjary zu übergeben. Viele werden dann von Familien aus europäischen Ländern adoptiert. Inzwischen behalten die meisten Familien ein Baby und das andere wird von einem Projekt aufgenommen und betreut. Einige Familie wagen es sogar, diese Taburegeln zu brechen und behalten beide Zwillinge.

Mananjary
Der Kanal von Pangalanes wurde während der Kolonialzeit erbaut. Ende der 40 Jahre hatten die französischen Kolonialherren Flussläufe, Binnenseen und Lagunen in eine schiffbare Wasserstrasse verwandelt. Heute sind hier viele malerische Fischerdörfchen angesiedelt. Eine Bootstour auf diesem Kanal von Pangalanes, der Hauptverkehrsader zwischen den kleinen Dörfern an der Ostküste, ist ein aussergewöhnliches Erlebnis für die Touristen und sehr beliebt. Hier entfaltet sich die madagassische Landidylle und während der Bootsfahrt kann man das bescheidene Landleben dieser Küstenbewohner kennen lernen: die Kinder planschen und spielen gern im Süsswasser der Seen, ihre Mütter waschen ihre Kleider oder bereiten das Essen am Ufer, gesäumt von Elefantenohren (Typhonodorum lindleyanum) und Seerosen. Die Fischer versuchen ihr Glück mit Netzen und Reusen in diesen fischreichen Seen und Flüssen, denn der Fischfang ist eine wichtige Nahrungsgrundlage an diesem Kanal, der sich rund 650 km der Küste entlang zieht.

Diese fruchtbare Region rund um Mananjary, mit feucht warmem Klima, ist bis heute ein wichtiges Anbaugebiet für die verschiedenen Exportprodukte Madagaskars, im Laufe der Jahre hat die Stadt leider an wirtschaftlicher Bedeutung verloren, da der Hafen ausser Betrieb gesetzt wurde und die Gewürze von dort nicht mehr verschifft werden können. So bringt die lokale Bevölkerung ihre Anbauprodukte wie Gewürze, Kaffee, Litschis (zw. Dezember und Januar), Brennstoff und Baumateriale mit ihren Einbäumen auf die nächsten Dorfmärkte entlang der Ostküste, von wo sie dann auf dem Landweg oder per Schiff in die grossen Städte der Ostküstenregion weitertransportiert werden.

Mananjary
Von der Stadt Mananjary aus ist es möglich, eine ca. 8-stündige Bootstour bis zum 120 km entfernten idyllischen Fischerdorf Nosy Varika zu unternehmen. Bei den vielen Zwischenstopps unterwegs besteht die Möglichkeit, Dörfer und lokale Märkte der Antambahoaka-, Antaimoro- und Betsimisaraka-Volksgruppen zu besuchen und mehr über die Kultur, die Sitten und Bräuche dieser Ethnien zu erfahren. Das Leben in den kleinen Dörfern ist beschaulich, die Landbewohner in diesen abgelegenen Dörfern sind freundlich, auch neugierig, denn in diesen abgelegenen Regionen kommen selten “Vazaha“ (Fremde) vorbei und dies stellt für die Einheimischen eine willkommene Abwechslung dar.

Dezember 2020; geschrieben von Michaël PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch