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Anakao

2320 – Anakao

Die herrlichen Badestrände von Anakao südlich von Tuléar sind in vielen Teilen noch in ihrer Ursprünglichkeit bewahrt.


Die beiden vorgelagerten Insel Nosy Ve und Nosy Satrana sind ein Paradies für Taucher und Schnorchler, auch für Liebhaber von weissem Sand, türkisblauem Wasser und von vielfältigen farbenfrohen Fischen.

Aufgrund der schlechten Strassenverhältnisse an der Südwestküste ist der Zugang zu den weit entfernen Dörfern ziemlich schwierig. Man erreicht sie ausschliesslich per Pirogen, Segel- oder Motorboot ab den grossen Ortschaften wie Tulear oder Saint Augustin (Anatsogno auf madagassisch). Über den Landweg muss man gute 240 km über sandige Piste ab Tulear bis Sarodrano und weiter zum Dorf Anakao zurücklegen, also ein riesiger Umweg.

Nach einstündigem Bootstransfer ab dem Hafen von Tulear zeichnet sich nach und nach das Dorf Anakao ab, draussen auf dem Meer sehen wir die schönen bunten Auslegerboote der Vezo-Fischer und schon bald taucht auch der Strand mit dem weissen Sand unter stahlblauem Himmel auf.

Anakao
Der schöne Badeort Anakao mit seinem menschenleeren und feinen Sandstrand verfügt über eine ganze Palette Unterkünfte der verschiedenen Kategorien. Die Reisenden finden hier vielfältige Freizeitmöglichkeiten wie Schnorcheln, Tauchen, Fischen, Bootstouren zu den Nachbarinseln Nosy Ve oder Nosy Satrana, sogar Buckelwalbeobachtung ist zwischen Juli bis September möglich, denn die riesigen Meeressäuger tummeln sich gern hier. Zum guten Service der meisten Strandhotels gehört der Verleih von Taucherbrillen und Schnorchel. Hier ist das Wasser ruhig und von Mai bis September ist die ideale Reisezeit, da die Westküste um diese Jahreszeit im Windschatten liegt und wegen der geringen Niederschläge das Wasser kristallklar ohne Trübungen bleibt. Zwischen den schönen Korallen wimmelt es von zahlreichen bunten Falter-, Clown-, Drücker- und Feuerfischen. Ein echtes Paradies für Taucher und Schnorchler und eine willkommene Kombination für einen erlebnisreichen Madagaskaraufenthalt.


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Früh am Morgen treffen wir die geschickten Vezo auf ihren Auslegerbooten mit dem weissen rechteckigen Segel. Ihre Pirogen haben sie aus ausgehöhlten Baumstämmen gebaut. Im Vergleich zu ihren Nachbarn, die Mahafaly- und die Bara-Stämme im Binnenland haben sie einen besonderen Hang zum Meer und fahren tagelang sehr weit hinaus bis Toliary und Ifaty oder südwärts bis Beheloka. Das Meer betrachten sie als ihre Heimat, ihre Nahrungs- und Einkommensquelle, denn sie ernähren sich ausschliesslich von ihrem Fischfang in der Lagune zwischen Korallenriff und Strand. Die Mehrheit der Fischer lebt nomadisch auf ihren grossen Auslegerbooten, diese werden nachts zu Zelten umgebaut, da sie tagelange weit weg von ihrer Familie ihr Brot verdienen müssen.

Anakao
Die Vezo sind ein sehr einfallsreicher Volkstamm. Sie nutzen auch den Baobab. Er dient traditionell vielen Zwecken in diesen abgelegenen Regionen. Fasern aus dem Stamm werden verwendet, um Seile herzustellen, auch Gegenstände für den Alltag werden damit gebastelt. Sie flechten damit Körbe und Schlingen, fertigen Sonnenhüte und stellen Saiten für Musikinstrumente her. Ihre bescheidenen Hütten werden mit der aufgeschnittenen und wasserdichten Baobabrinde abgedeckt. Ein Charakteristikum des Baobabs ist, dass das Abziehen der Borke den Baum nicht tötet. Solange lediglich die Rinde abgeschält wird, ist das nicht weiter schlimm, denn sie regeneriert sich innerhalb einiger Jahre.

Mit den biegsamen Fasern der Baobabs stellen die Vezo-Fischer auch ihre Angelschnüre her. Die gefangenen Fische müssen sie aufschneiden und in der Sonne trocknen lassen. Abends werden die grossen Fische zuerst gesalzen und am Lagerfeuer auf Holzgestellen geräuchert. Auf den Dorfmärkten im Landesinneren gibt es gute Gelegenheiten für diese Küstenbewohner, die getrockneten Fische zu verkaufen oder gegen andere Produkte oder Lebensmittel einzutauschen, in den abgelegenen Dörfern ist Tauschhandel noch immer üblich.

Anakao
Wer ein paar Tage in Anakao weilt, muss unbedingt die paradiesische Insel Nosy Ve, etwa 5 km gegenüber der Bucht besuchen. Sie sieht wie ein winziges Eiland aus, doch ihr Riff ist ungefähr 4,5 Kilometer lang und 1,8 Kilometer breit. Dieses Naturschutzgebiet mit kristallklarem und grünblauem Wasser ist einmalig und das vorgelagerte Korallenriff ist unvergleichlich schön und fischreich, deswegen ein echtes Naturparadies zum Tauchen und Schnorcheln.

Besonders interessant ist diese unbewohnte Insel für Ornithologen, weil dort eine Kolonie des endemischen Rotschwanz Tropikvogel (Phaethon rubricauda) ungestört lebt und die Insel Nosy Ve die einzige Brutstätte für diese seltene Art ist. Diese Vogelart wird allgemein auch als „Strohschwanz“ bezeichnet, denn ihr schöner, auffälliger Schwanz besteht aus zwei dünnen roten Strängen. Die jungen Tropikvögel sehen versteckt unter den Büschen aus wie kleine, weisse Daunenbälle. Diese Kolonie ist den Wissenschaftlern seit Ende der 1970er Jahre bekannt. Auch die Strahlenschildkröten, die leider heute vom Aussterben bedroht sind, haben ihr Refugium und Brutplatz auf dieser schönen Insel gefunden.

Die Insel Nosy Ve ist vom Dorf Anakao aus mit kleinen Auslegerpirogen der Fischer leicht zu erreichen. Einst war die Insel ein berüchtigter Ort für den Sklavenhandel und auch als Lagerplatz für wichtige Importprodukte, die europäische Schiffe nach Madagaskar brachten.

Im Gegensatz zur grösseren Insel Nosy Ve wächst auf dieser zweiten vorgelagerten Insel Nosy Satrana mehr Vegetationen und die wenigen Bäume spenden wohltuenden Schatten und Kühle. Sie liegt etwa 6 km südlich von Anakao und ist auch mit türkisfarbenem Wasser umgeben, bei Ebbe kann man diese Insel sogar zu Fuss erreichen, also auch ein guter Tipp für passionierte Schnorchler und Taucher. Diese heilige Insel dient der Sakalava-Volksgruppe als geschützte Grabstätte. Als Besonderheit findet man hier Schalenstücke des ausgestorbenen Riesenvogel Aepyornis, auch Madagaskar-Strauss genannt. Diese 500 kg schweren Laufvögel sind vor rund 500 Jahren ausgestorben.

Anakao
Nach herrlichen und erholsamen Badetagen verlässt man Anakao mit schwerem Herzen und fährt mit dem Motorboot nach Tulear zurück und je nach Stand der Gezeiten müssen die Besucher samt Gepäckstücken mit Zebukarren durch die Schlammebene bis zum Anlegerplatz transportiert werden. Auch dies ist ein schönes, unvergessliches Erlebnis auf der Madagaskarreise!

Dezember 2020; geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ifaty

2310 – Ifaty

Wer auf der Suche nach seinem Traumstrand ist, sollte unbedingt den kleinen Küstenort Ifaty an der Südwestküste Madagaskars aufsuchen.


Dieses kleine Fischerdorf liegt entlang der Küste rund 25 km nördlich der Stadt Tulear und ist gut erreichbar über die ausgebaute Nationalstrasse RN9. Ifaty bietet verschiedene Aktivitäten wie Tauchen, Schnorcheln, Bootsausflüge, aber auch verschiedene Wandertouren durch die Dornenlandschaft des tiefen Südens.

Die gut ausgebaute Küstenstrasse ab Tulear nach Ifaty verläuft meistens entlang der Küste zum Kanal von Mozambik, teilweise auch durch den artenreichen Dornenwald. Ein Teil dieser gut asphaltierten RN9 wurde seit 2016 von den Chinesen ausgebaut. Zahlreiche Hotels und Restaurants haben sich im Laufe der Jahre hier auf einem längeren Strandabschnitt angesiedelt.

Ifaty
Ifaty war früher ein kleines und unbedeutendes Fischerdorf nördlich der Stadt Tulear, wegen seiner günstigen Lage, geschützt durch ein Korallenriff. Wegen seines sanft abfallenden Strandes entwickelte es sich zu einem beliebten Erholungsgebiet. Für die botanisch interessierten Reisenden ist der Besuch des Dornenwaldes etwas im Landesinnern ein schönes Erlebnis. Man findet verschiedene Pflanzen, typisch in diesem ariden Gebiet, wie z.B. die Pachypodien, die dicken Baobabs, die Aloen und die dornigen Gebüsche und Sträucher. Die einzigartigen Didieraceen sind kakteenähnlich wirkende Bäume mit wasserspeichernden “Stämmen“, sie dienen den Einheimischen in dieser Region als Kompassbäume. Der Wind kommt nämlich hauptsächlich von Nordwesten aus dem Kanal von Mozambik und die Spitzen dieser dornigen Stämme zeigen immer in Südostrichtung. Die Euphorbien haben holzig dicke Stämme und speichern mehr Wasser als andere Sukkulenten. Wenn man ihre Äste ritzt, quillt eine weisse Flüssigkeit heraus, die bei manchen Arten giftig ist, deswegen gehören diese Sukkulenten zur Gattung der Wolfsmilchgewächse.

Ein holpriges Abenteuer ist eine Tour im Zebukarren durch das Trockengebiet hinter der Küstenpiste. Sukkulenten sind Pflanzen, die die Fähigkeit besitzen, in ihren Blättern und Stämmen über lange Zeit Feuchtigkeit zu speichern. Aufgrund dieser Eigenschaft sind sie für die ethnische Gruppe des Trockenlandes sehr wertvoll, zum Beispiel graben durstige Rinderhirten die Wurzeln einer „Dilochos Fangitsy“ aus und löschen Ihren Durst mit dem darin gespeicherten Wasser. Der Dornenwald bietet eine ganze Reihe von Medizinalpflanzen. Seit Generationen verwenden die Madagassen verschiedene Heilpflanzen in Form von Kräutern, Rinden, Samen, Wurzeln und Blüten für den Eigenbedarf. Diese traditionelle Medizin ist auf der ganzen Insel sehr bekannt und spielt bis heute eine bedeutende Rolle. Sie ist oft die beste und einzige Hilfe bei Krankheiten in den abgelegenen Dörfern, denn die staatlichen Kliniken, Ärzte und Krankenstationen sind für die Landbewohner einfach zu teuer oder schlichtweg aus ihren weit entfernten Dörfern nicht erreichbar.

Ifaty
Auf den Marktständen finden sich immer Heilpflanzen aller Art: diese werden frisch, getrocknet, zermahlen oder eingelegt angeboten. Die verschiedenen Pflanzen haben alle ihre eigene Heilkraft. Sie geben der örtlichen Bevölkerung die Möglichkeit, die verschiedenen Krankheiten zu lindern, Wunden zu heilen, oder Blut zu stillen. Zu diesen wichtigen Heilpflanzen gehören die Aloenarten. Die endemische Aloe in Madagaskar gedeiht besonders im trockenen Süden. Sie ist international bekannt als Heilpflanze und wurde bereits von der Pharmaindustrie entdeckt. Sie gehört zur Familie der Liliengewächse und trägt nach der Regenzeit eine schöne, feuerrote Blüte. Schon lange haben die Einheimischen die wohltuende Heilkraft dieser Medizinalpflanze entdeckt. Sie verwenden das kühle, beruhigende Gel ihrer Blätter zur Behandlung von Verbrennungen und Wunden, es ist auch ein gutes Pflegemittel für die Haut und für die Haare.


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Der Besuch des Dornenwaldes ist besonders eindrucksvoll kurz nach der Regenzeit zwischen April und Juni. Da erlebt der Besucher das Wunder der Natur, eine wahre Explosion an grünen Blättern und vielen verschiedenen Blüten. Leider ist dieses botanische Paradies an vielen Stellen durch die wachsende Bevölkerung schwer bedroht. So ist vor Ort ein privates Reservat entstanden, um den letzten Flecken der Primärwälder mit ihrer einzigartigen Fauna und Flora zu schützen. Wer ein paar Tage an den schönen Stränden von Ifaty weilt, wird sich über einen beeindruckenden Besuch des Reniala Naturreservates freuen. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name “Reniala“ “Mutter des Waldes“, gemeint ist der Baobab oder Affenbrotbaum, denn dieser Riesenbaum ragt aus den anderen Bäumen empor in den Himmel und ist besonders eindrucksvoll.

Dieses rund 60 ha grosse private Schutzgebiet schützt die letzten Areale der Primärwälder im Süden und liegt nicht weit des Mangily Fischerdorfes entfernt. Es wurde im Jahr 2000 als botanischer Garten und gleichzeitig als ornithologischer Park errichtet und beherbergt ein paar typische Baobabarten in dieser Region, darunter ein riesengrosses Exemplar mit rund 13 Metern Umfang. Auch die faszinierende südliche Trockenvegetation mit den artenreichen Sukkulentenpflanzen und Dornengestrüpp sind hier zu entdecken. Es gibt sogar eine spezielle ornithologische Tour im Reniala Park. Wegen der ständigen brütenden Hitze ist es für Vogelkundler sinnvoll, früh am Morgen gegen 5:30 Uhr der Madagaskarhöhlenweihe einen Besuch abzustatten. Ebenso den endemischen Vögeln wie den Sichelschnabelvangas, den Weisskopfvangas oder den Paradiesvögeln.

Ifaty
Die Auffang- und Zuchtstation für die endemischen Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata) und die Spinnenschildkröten (Pyxis arachnoides) sind ebenfalls eine Attraktion in diesem Vezo-Fischerdorf, in direkter Nachbarschaft zum Reniala Reservat. “Le village des Tortues“ oder “das Schildkrötendorf“ wurde von nationalen und internationalen Institutionen wegen der Zerstörung ihrer Lebensräume, aber besonders wegen der illegalen Ausfuhr dieser geschützten Reptilien errichtet. Nach dem Aufenthalt in einer Quarantänestation werden die Tiere je nach Alter in Gehegen gepflegt, um später wieder in die freie Natur ausgewildert zu werden.

In der gleichen Richtung auf der RN9 etwa 12 km nördlich von Tulear führt der Weg zu einem “Mangrovenreservat“ oder der “Honko“ im Vezo-Dialekt. In Madagaskar werden leider die Mangroven von den Einheimischen abgeholzt, um Landwirtschaftsfläche und Baumaterial für ihre Hütten zu gewinnen oder das Holz für Zaunpfähle und auch für Brennholz zu verwenden. So wird dieses wichtige und ökologische Hilfsprojekt in enger Zusammenarbeit mit einer belgischen Organisation seit 2008 verwaltet, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Luftwurzeln der Mangroven bieten Schutz und Nahrung für zahlreiche Lebewesen wie Wasservögel, Krebse und Garnelen. Etwa 600 ha des Areals wurden von der Bevölkerung wieder aufgeforstet und man kann auf einem etwa zwei Kilometer langen Steg zu Fuss durch die Mangrovenfläche und das Feuchtgebiet gehen. Die Mangrovenwälder spielen eine wichtige Rolle bei der Befestigung der Küsten Madagaskars. Sie wachsen in schlammigen Flussdeltas und im Brack- oder Salzwasser in Lagunen. Auf einer Pirogenfahrt durch die Mangrovengürtel kann man verschiedene Wasservögel wie der jagende kleine Eisvogel, der orange- und blaufarbene Malachiteisvogel (Kingfischer oder auf madagassisch „Vintsy“) oder der Grau- und Mangrovenreiher aus der Nähe sehen.

Ifaty
Interessant sind auch Bootsausflüge zu den umliegenden Vezo-Fischerdörfern. Die Vezo-Ethnien sind halbnomadische Fischer und stammen ursprünglich von den Sakalava- und Antanosy-Volksgruppen in der Region zwischen Tulear und Morondava ab. Die Madagassen sagen: „Der Vezo lebt mit dem Rücken zum Land und dem Gesicht zum Meer“, denn er hat einen ausgesprochenen Hang zum Ozean, seinem Arbeitsplatz und seinem Lebensraum. Sein Boot heisst „Lakana“ auf madagassisch und wird traditionell aus hartem Mangrovenholz ausgehöhlt. Diese mutige Volksgruppe segelt wochenlang mit Auslegerbooten aufs Meer hinaus und campiert auf den unbewohnten Inseln oder in der Nähe der fremden Dörfer. Diese Meeresnomaden fischen tagsüber mit Netzen, Speeren und Reusen und lassen ihren Fang an der Sonne trocknen. Nach ein paar Tagen kehren sie in ihr Heimatdorf oder zum nächsten grossen Markt zurück, verkaufen die getrockneten Fische oder tauschen diese gegen andere Lebensmittel ein.

Der weisse Sandstrand von Ifaty ist ein beliebtes Erholungsgebiet, auch wegen des ganzjährig sonnigen Klimas. Dieser Badeort ist auch eine bedeutende Zwischenstation für die Ruhesuchenden auf der RN9. Viele Strandhotels laden zum Erholen und zum Wassersport ein und das weit draussen liegende Korallenriff und die guten Tauchreviere sind mit dem Motorboot erreichbar. Tauchausrüstungen werden von den vielen Wassersportzentren ausgeliehen, auch Tauchkurse werden angeboten.

In Ifaty kann man auch faszinierende Buckelwalbeobachtungen auf Bootsausflügen erleben. Jedes Jahr zwischen Juli und September ziehen hunderte Buckelwale durch den Indischen Ozean, um nach Partnern zu suchen und um ihre Jungen zu gebären, bevor sie dann wieder in die Antarktis zurückschwimmen. Die Gegend liegt auf ihrer Migrationsroute zu planktonreichen Meeresgründen weiter im Norden. Das faszinierende Schauspiel dieser Meeressäugetiere in dieser Region zu bewundern ist ein Erlebnis des Lebens.

Dezember 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Tulear-Toliara

2300 – Tulear Stadt

Tulear ist die wichtigste Hafenstadt und Verwaltungshauptstadt der Region an der Südwestküste. Sie liegt am Kanal von Mozambik zwischen dem Fiherenana Fluss und der breiten Flussmündung Onilahy.


Tulear ist auch ein sehr guter Ausgangspunkt zu einigen Badeorten oder auch zu den abenteuerlichen Reiserouten zum „Land der Baobabs“. 

Der Stadtname Toliara sei durch ein sprachliches Missverständnis entstanden. Als ein Seefahrer im 19. Jahrhundert zum ersten Mal an die Südwestküste der Insel kam und nach dem Namen der Bucht und des Fischerdorfs fragte, hatte der Einheimische seine Sprache nicht verstanden und dachte, der Fremde wollte wissen, wo er sein Boot ankern dürfte. So hat der Fischer ihm in seinem Mahafaly-Dialekt geantwortet: „Toly eroa“, was wörtlich bedeutet „Mach es da unten fest“, daraus entstand dann der Name “Toliary“. Die Franzosen nannten die Stadt während der Kolonialzeit in “Tulear“ um. Eine andere Version für die Herkunft des Stadtnames Tulear findet man in der Dialektsprache „Tolya ara“, was auf deutsch bedeutet „durch Riffe geschützt“, denn die südlichen und die nördlichen Küstenabschnitte sind tatsächlich von ausgedehnten Korallenriffen umgeben.

Tulear-Toliara
Tulear gehört auch zur geheimnisvollen Region des “Dornenwaldes“, wo die grünen Kakteen sich wie stachelige Finger in den stahlblauen Himmeln erheben und wo die tapferen und kriegerischen Ethnien ihre kunstvollen „Aloalo“ Holzfiguren und Holzstelen auf den Gräbern errichten. Tulears damalige Geschichte ist mit der Ankunft der ersten Piraten in der südlichen Region eng verbunden, die die Bucht Saint Augustin als beliebter Zufluchtsort ausgewählt hatten. Die Piraten trieben dort Sklavenhandel und Silber und Perlen wurden gegen Fleisch und Obst ausgetauscht. Im 16. und im 17. Jahrhundert, als sie sich zunehmend für Gewürze interessierten, wurde die Saint Augustin-Bucht, südlich der heutigen Stadt Tulear, ein bevorzugter und praktischer Landeplatz, um Vorräte und Exportprodukte zu laden.

Heute gilt die Stadt Tulear ebenfalls als die wichtigste Hafenstadt an der Westküste Madagaskars. Im weitläufigen Stadtzentrum befinden sich die Verwaltungsgebäude, Banken, das Postamt, das Büro von Air Madagaskar und verschiedene Läden. Unter dem grossen schattenspendenden Tamarindenbaum sitzen die Fischverkäufer und auf dem Handwerksmarkt werden die hölzernen Kunsthandwerksprodukte angeboten, dabei sind die Baobabs, die Zebus, die Aloalo Stelen und die Chamäleons sehr beliebte Motive. Das wichtigste Handelszentrum des Südens ist auch ein Ort für den Import und Export verschiedener Produkte wie Baumwolle, Mais, Erdnüsse, Fisch und Meersalz.

Tulear-Toliara
Tulear liegt am Wendekreis des Steinbocks in der trockenen Klimazone der Südwestküste mit sehr geringen Niederschlägen. Bei der kurzen Regenzeit zwischen Januar und März beträgt die mittlere Niederschlagsmenge nicht einmal 344 mm, die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen zwischen 25 und 35° C und wegen des andauernden strahlenden Sonnenscheins bekam Tulear den schönen Spitznamen “die Stadt der Sonne“. Daraus kommt auch der Ausdruck des Mahafaly-Stammes: „Toliary tsy miroro“ wörtlich übersetzt „Toliara schläft nicht“. Bei nur 3 Monaten Regenzeit sind leider die Flüsse und Bäche in der Gegend monatelang ausgetrocknet und die Dorfbewohner haben ständig Schwierigkeiten, sauberes Trinkwasser zu finden, so müssen sie Wasser aus weit entfernten Gegenden holen, wo sich auch ihre Zebuherden und die anderen Tiere aufhalten.


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Die Vezo-, Mahafaly-, Sakalava- und Antandroy-Volksgruppen sind die Küstenbewohner an dieser Südwestküste. Die Vezo leben vorwiegend vom Fischfang und im Vergleich zu den anderen Volksgruppen haben sie einen besonderen Hang zum Meer und fahren sehr gern weit hinaus. Sie sind viel unterwegs auf ihren Pirogen aus ausgehöhlten Baumstämmen, die mit einem Ausleger und einem rechteckigen Segel ausgestattet sind. Sie sind auch Nomaden und tauschen oft mit den anderen Ethnien Fische oder Meeresfrüchte gegen andere Lebensmittel wie Mais, Maniok oder Süsskartoffeln.

Die alten und riesigen Bäume in Madagaskar haben immer eine kulturelle Bedeutung für die Madagassen. Die heiligen Banyan-Bäume von Miary, 17 km nordöstlich von Toliara, gehören in die Mythen- und Legendenwelt in der Umgebung von Tulear. Diese beeindruckenden Feigenbäume mit zahlreichen langen Luftwurzeln werden seit Jahrhunderten von den Einheimischen verehrt und sollen heilende Kräfte haben, so dass die Kranken hierher kommen, um sich Linderung vom Übel zu erbitten. Das Areal um diese Bäume darf nur barfuss und in Begleitung des Lokalguides betreten werden und eine Flasche Rum ist ein willkommenes Geschenk für die Vorfahren und die Geister.

Tulear-Toliara
Das Arboretum von Antsokay rund 14 km südlich von Tulear an der RN7 gehört zu den Hauptattraktionen am Stadtrand und erweist sich als ein interessantes Ausflugziel für die Besucher. Das Schutzgebiet umfasst etwa 50 ha, rund 7 ha davon sind für Botaniker besonders interessant. Der Erdboden in dieser Gegend besteht aus Kalk und Sand, daraus stammt der Name der Region “Antsokay“, was wörtlich übersetzt bedeutet “die Gegend mit Kalkboden“. Ein Teil des Kalksteins stammt aus der Kreidezeit, ist also 100 Millionen Jahre alt, so wurden zahlreiche Fossilien und Knochen des legendären ausgestorbenen Riesenvogel „Aepyornis“ in dieser südlichen Region entdeckt.

Diese wertvollen Funde, auch schöne Exemplare von Mineralien und kulturelle Gegenstände (zum Beispiel Musikinstrumente, Tracht oder Waffen) der hier lebenden Ethnien Vezo, Mahafaly und Antandroy sind im sehenswerten Museum ausgestellt.

Der verstorbene Schweizer Hermann Petignat hat dieses Areal im Jahre 1980 gegründet und die Flora des trockenen Südens erforscht, kultiviert und vermehrt, da viele der über 900 endemischen Pflanzenarten wegen der ständigen Buschfeuer leider vom Aussterben bedroht sind. In diesem regenarmen Klima gedeihen die Dornensträucher, die Didieraceen, die Aloen, die Pachypodien und Gattungen der Wolfsmilchgewächse wie die Euphorbien. Das merkwürdigste Phänomen sind jedoch die klimaangepassten Umwandlungen von kleinen Blättern zu Dornen, was zu einem fast undurchdringlichen Dornendickicht führt.

Sein Sohn Andry Petignat hat das Werk seines Vaters fortgeführt und somit ist der Besuch des Parks ein Muss für jeden botanisch interessierten Reisenden.

All diese Wunderwerke klimatischer Anpassung sind im Arboretum zu finden, so dass Wissenschaftler und Biologen, sowie Tierfreunde und Vogelkundler von diesem Park sehr begeistert sind. Das Gelände verfügt auch über mehrere, sehr schöne Bungalows und eine Übernachtung in den geschmackvoll eingerichteten Zimmern der „Auberge de la Table“ kann man wärmstens empfehlen.

Kurz vor dem Abendessen, wenn es dunkel wird, kann man den kleinsten Primaten der Welt, den niedlichen Mausmaki mit nur etwa 50 Gramm Gewicht, in einer Astgabel der Dornengebüsche mit einer guten Taschenlampe leicht finden. Auch die Tageswandertouren kurz nach Sonnenaufgang erweisen sich wegen der Vogel- Reptilien- und anderen Tierbeobachtungen als interessant.

Tulear-Toliara
Der Besuch des ozeanografischen Museums “Musée de la Mer“ oder „Station Marine“ ist ebenfalls zu empfehlen. Hier hat man einen Überblick über die faszinierende Meereswelt und das Marineleben im Kanal von Mozambik. Auch findet man einen Bericht über den vor Tulear gefangenen Quastenflosser, der bis zu diesem Fund nur als Fossil von den Küsten der Nachbarländer Komoren und Südafrika bekannt war. Das ausgestopfte Tier ist in diesem Meeresmuseum zu bestaunen.

Das ethnologische Museum über die Volksgruppen Mahafaly, Sakalava und Vezo befindet sich nicht weit vom Tourismusbüro am Marktplatz. Die Studenten der Universität von Tulear hatten die gute Idee, einen Bericht über die einzigartigen Kunstwerke, wie die kunstvoll geschnitzten Statuen, Schnitzereien, Musikinstrumente und Masken zu machen. Sie haben auch die Kultur und die Lebensweise der hier lebenden Volksgruppen erforscht. Die traditionelle Musik und der Tanz spielen immer eine grosse Rolle bei jeder Familienzeremonie, wie bei Hochzeiten, Begräbnissen oder bei einer einfachen Dorfversammlung. Die beherrschenden Instrumente im Süden der Insel sind die kastenförmigen Mandolinen oder „Kabosy“ auf madagassisch, die selbst gebastelten Bambusflöten oder „Sodina“ und vor allem die Trommeln oder „Amponga oder auch „Djembe“, sie erklingen fast überall zur rhythmischen Begleitung von Gesang und Melodieinstrumenten.

Diese afrikanischen Einflüsse findet man vor allem in den Küstenregionen bei den Mahafaly-, Bara-, Sakalava-, Vezo- und Antandroy-Ethnien. Diese Südmadagassen sind zähe dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Gesichtszügen, gewohnt an die Härten des Lebens in einer Region, wo nur selten Regen fällt und wo es eine ständige Herausforderung ist, gegen Zebudiebe zu kämpfen und natürlich Wasser und Weideland für die grossen Zebuherden zu finden.

Tulear-Toliara
Tulear ist ein guter Ausgangspunkt für einen Badeurlaub in Ifaty mit den herrlichen Sandstränden und den vielen Wassersportmöglichkeiten oder zum abgeschiedenen und erholsamen Badeort Anakao, ebenfalls ein Paradies für die Taucher und Schnorchler. Von Tulear aus ist auch ein Binnenflug möglich, so gelangt man aus diesem tiefen Süden sehr rasch zurück in die Hauptstadt.

November 2020; geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch