Manakara

2640 – Manakara und seine Umgebung

Die kleine Stadt Manakara an der Südostküste liegt etwa 590 km von der Hauptstadt Antananarivo entfernt, am Ende der Eisenbahnstrecke, die das Hochland mit der Küstenstadt verbindet.

Manakara ist auch gut erreichbar über die RN 12, oder über die berühmte Wasserstrasse des “Pangalanes-Kanals“. Die üppige Blütenpracht und die vielen exotischen Früchte im Überfluss sind eine Folge des feuchtwarmen Klimas an der Südostküste und machen die Stadt zu einem reizvollen Ziel für jeden Madagaskar Reisenden.

Die Stadt Manakara ist eine grosszügig angelegte Stadt, mit breiten Strassen und Villen in ausgedehnten Gärten, er ist der Hauptort der heutigen Region Fitovinany. Vor der Fertigstellung der Eisenbahnlinie war sie bis im Jahre 1936 eine unbedeutende Stadt an der Südostküste. Nach der Inbetriebnahme der Zugstrecke Fianarantsoa Côte-Est entwickelte sie sich rasant zu einem grossen Handelszentrum. Die Eisenbahnlinie ab Fianarantsoa nach Manakara oder in umgekehrter Richtung mit der Schmalspurbahn gilt als eine unvergessliche Zugreise auf der Insel.

Manakara
Manakara besitzt nach Tamatave den zweitgrössten Ostküstenhafen am Indischen Ozean, vom dem aus Kaffee, Vanille, Pfeffer, Nelken und andere wichtigste Exportwaren in andere Landesteile verschifft werden. Das feucht warme Gebiet rund um Manakara ist sehr fruchtbar und reiche Chinesen und Einheimische betreiben grosse Plantagen mit Nelken, Pfeffer, Litschis und Kaffee. Auch die Importwaren und die Konsumgüter für die Verwaltungshauptstadt Fianarantsoa werden hier angelandet und mit dem Zug oder auf dem Camion ins Hochland transportiert.

Die Stadt teilt sich in zwei grosse Bereiche auf. Der erste und westliche Teil heisst “Tanambao“, wörtlich übersetzt “die neue Stadt“ und liegt auf dem Festland, wo sich das Verwaltungszentrum, der Bahnhof, die Taxi Brousse Haltestelle, der grosse Markt, die meisten Hotels und einige Kirchen befinden.

Zum östlichen Teil auf der langgestreckten Insel “Manakara be“ oder “grosses Manakara“ gelangt man mit der bunten Rikscha, das häufigste öffentliche Verkehrsmittel in dieser Küstenstadt. Diese zweite Stadt liegt am Nordende einer langgestreckten Insel, die schön zwischen dem Kanal von Pangalanes im Westen und dem Indischen Ozean im Osten liegt und durch eine kaputte Eisenbrücke mit dem Festland verbunden war. Eine neue Brücke ist im Bau. Bis sie fertiggestellt ist benutzen die Fussgänger eine Fähren-Piroge und die Autos machen einen Umweg über eine schmale Brücke beim ehemaligen Hafen. Während der Kolonialzeit bauten die Franzosen ihre schönen Villen hier. Die reichen chinesischen Grund- und Plantagenbesitzer bevorzugen auch heute noch diesen angenehmen Stadtteil am Meer. Heute haben sich verschiedene Banken, staatliche Verwaltungen und andere Büros hier niedergelassen. Entlang der Allee mit den hohen Filaos-Bäumen liegen zahlreichen Hotels und Restaurants mit Meeresblick. Leider werden die palmengesäumten Alleen regelmässig von den Wirbelstürmen zwischen Januar und März zerstört. Besonders geschätzt wird die schöne Landschaft entlang des Kanals von Pangalanes mit seinen reizvollen Fischerdörfern.

Manakara
Der Antaimoro-Volkstamm (wörtlich: “die Volksgruppe, die an der Küste lebt“) stammt aus einem arabischen Land und ist etwa im 12.-14. Jahrhundert hier nach Madagaskar eingewandert. Nach den mündlichen Überlieferungen war zu jener Zeit der berühmte Ramakararo, ein Sultan aus Mekka, der Gründer dieser Volksgruppe. Seitdem findet die arabische Kultur an diesem Küstenabschnitt Madagaskars grosses Interesse. Diese Ethnie hat ihren islamischen Glauben beibehalten und hat sich in der Zwischenzeit mit der einheimischen Bevölkerung vermischt. So sind sie Moslems und glauben gleichzeitig an die Macht der Ahnen, was sie entscheidend von den anderen Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Insel unterscheidet. Sie gelten als ganz besonders gebildete Leute, denn sie sind fähig, den Dialekt der madagassischen Sprache in arabischen Schriftzeichen, dem “Sorabe“ (die “alte Sprache“) niederzuschreiben. Sie sind auch bekannt als respektierte Sterndeuter und Wahrsager, die bis heute immer noch von der Familie bei wichtigen Angelegenheiten konsultiert werden. Sie bestimmen die geeigneten Tage und den richtigen Zeitpunkt nach dem Mondkalender für die wichtigen Ereignisse die Grundsteinlegung des Hauses oder für Familienfeste wie Hochzeit, Beschneidung oder Totenumwendung. Sie gelten auch als gefürchtete Heiler, da sie viele Kenntnisse über die zahlreichen Medizin- und die Heilpflanzen in Madagaskar besitzen. Sie sind auch berühmt für die Herstellung des Papiers Antaimoro. Auf diesem speziellen und handgeschöpften Papier aus Maulbeerbaumrinde wird dieses „Sorabe“ niedergeschrieben. Diese z.T. sehr alten Schriftstücke gehören zu den wertvollsten Kulturgütern der Insel.


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Heutzutage haben sie immer noch ihren eigenen König in der Kleinstadt Vohipeno, ca. 30 km südlich von Manakara, dieses gilt als das bedeutende Zentrum der Antaimoro-Volksgruppe. Dieses malerische Dorf ist interessant wegen ihres hübschen und lebhaften Marktes und ist besonders bekannt für die viele Flechtarbeiten wie bunte Körbe, Matten, Taschen, Hüte usw. aus Binsen, aus den Blättern der Bäume der Reisenden oder des Raphia-Bastes.

Manakara
Der Kanal von Pangalanes ist vom Indischen Ozean nur ein paar Hundert Meter entfernt, er verläuft auf einer Länge von ca. 700 km immer parallel zur Ostenküstenlinie Madagaskars und verbindet die natürlichen Flüsse, Seen und Lagunen in diesen Regionen zu einem Kanal. Von der ursprünglichen Strecke sind leider nur noch 430 km schiffbar, weil Schlingpflanzen, Wasserhyazinthen und andere Pflanzen den Wasserweg praktisch unpassierbar machen. Neben der Bahnlinie FCE ist diese Wasserstrasse ein zweiter wichtiger Transportweg an der Ostküste.

Der Kanal war während der Kolonialzeit ein beliebter Schmuggelweg, er beginnt in der Nähe der wichtigen Hafenstadt Tamatave und führt bis nach Farafangana weit im Süden. Er spielt auch eine grosse Rolle für die Bewässerung der Felder, versorgt die Küstenbewohner mit Trinkwasser und natürlich als Süsswasserfischlieferant. Verschiedene Waren und Baumaterialien von Manakara aus, aber auch die Produkte der Bauern wie Reis, Kaffee, Bananen und Gewürze werden entlang dieser langen Wassertrasse nach den nächsten Dörfern und Märkten transportiert, die nicht über Strassen erreichbar sind.

Eine gemächliche Bootstour ab Manakara bis Mananjary oder eine Pirogenfahrt auf dieser Wasserstrasse zählt zu den erlebnisreichen Unternehmungen in dieser Küstenstadt. Bei einem solchen Ausflug erzählt der Lokalguide über die Sitten und Bräuche der Antaimoro- und Antaisaka-Küstenbewohner, über die Legenden der heiligen Krokodile, die in diesem Kanal wohnen und die von den Einheimischen besonders respektiert werden.

Am Rand des Kanals von Pangalanes haben sich verschiedene kleine malerische Fischerdörfer angesiedelt, so kann man unterwegs kurze Pause einlegen, um das Alltagsleben der gastfreundlichen Küstenbewohner kennen zu lernen. Früh am Morgen versuchen die Männer ihr Glück mit ihren selbstgebauten Kanus oder Einbäumen entlang des Kanals von Pangalanes. Nachmittags bringen die Frauen den Fang in die verschiedenen Hotels und Restaurants oder in die Stadt zum Verkauf. Der Besuch des lebhaften Fischmarktes in Manakara ist eine der Hauptattraktionen in der Stadt.

Entlang des Kanals an dieser Südostküste befinden sich grosse Kaffeeplantagen und Kaffee gilt als ein wichtiges Exportprodukt der grossen Insel. Die Kaffeepflanze wurde vor ca. 200 Jahren von der Nachbarinsel La Réunion (damals Bourbon genannt) eingeführt. Das Klima und die Bodenbeschaffenheit an der Ostküste sind geradezu ideal für den Kaffeestrauch, der aber die direkte Sonneneinstrahlung wenig schätzt. So wachsen die Kaffeesträucher auf den Plantagen meist unter Schattenbäumen. Der aromatische Kaffee Arabica von Madagaskar hat eine sehr gute Qualität und schmeckt hervorragend. Die Tasse Kaffee gehört für die Dorfbewohner am Morgen zum täglichen Ritual, er wird meist schwarz und stark gezuckert getrunken.

Der Strand von Manakara mit seinen schattenspendenden Bäumen ist seit der Kolonialzeit bis heute ein beliebter Badeort für die Europäer und die Einheimischen. Trotz der Brandung sind die endlosen Sandstrände erholsam und fantastisch. Der schöne Badeort “Trou du commissaire“, etwa 8 km südlich der Stadt, ist ein beliebter Badestopp auf einer erholsamen Pirogenfahrt auf dem Kanal des Pangalanes. An dieser schönen Bucht, von einem Korallenriff geschützt, ist das Baden ohne Risiko und sehr empfehlenswert.

Dezember 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

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