Archiv der Kategorie: Madagaskar erleben

Tulear-Toliara

2300 Tulear Stadt

Tulear ist die wichtigste Hafenstadt und Verwaltungshauptstadt der Region an der Südwestküste. Sie liegt am Kanal von Mozambik zwischen dem Fiherenana Fluss und der breiten Flussmündung Onilahy. Sie ist auch ein sehr guter Ausgangspunkt zu einigen Badeorten oder auch zu den abenteuerlichen Reiserouten zum „Land der Baobabs“.

Der Stadtname Toliara sei durch ein sprachliches Missverständlich entstanden. Als ein Seefahrer im 19. Jahrhundert zum ersten Mal an die Südwestküste der Insel kam und nach dem Namen der Bucht und des Fischerdorfs fragte, hatte der Einheimische seine Sprache nicht verstanden und dachte, der Fremde wollte wissen, wo er sein Boot ankern dürfte. So hat der Fischer ihm in seinem Mahafaly-Dialekt geantwortet: „Toly eroa“, was wörtlich bedeutet „Mach es da unten fest“, daraus entstand dann der Name “Toliary“ und die Franzosen haben die Stadt während der Kolonialzeit in “Tulear“ umbenannt. Eine andere Version für die Herkunft des Stadtnames Tulear findet man in der Dialektsprache „Tolya ara“, was auf deutsch bedeutet „durch Riffe geschützt“, denn die südlichen und die nördlichen Küstenabschnitte sind tatsächlich von ausgedehnten Korallenriffen umgeben.

Tulear-Toliara
Tulear gehört auch zur geheimnisvollen Region des “Dornenwaldes“, wo die grünen Kakteen sich wie stachelige Finger in den stahlblauen Himmeln erheben und wo die tapferen und kriegerischen Ethnien ihre kunstvollen „Aloalo“ Holzfiguren und Holzstelen auf den Gräbern errichten. Tulears damalige Geschichte ist mit der Ankunft der ersten Piraten in der südlichen Region eng verbunden, die die Bucht Saint Augustin als beliebter Zufluchtsort ausgewählt hatten. Die Piraten trieben dort Sklavenhandel und Silber und Perlen wurden gegen Fleisch und Obst ausgetauscht. Im 16. und im 17. Jahrhundert, als sie sich zunehmend für Gewürze interessierten, wurde die St. Augustines-Bucht, südlich der heutigen Stadt Tulear, ein bevorzugter und praktischer Landeplatz, um Vorräte und Exportprodukte zu laden.

Heute gilt die Stadt Tulear ebenfalls als die wichtigste Hafenstadt an der Westküste Madagaskars. Im weitläufigen Stadtzentrum befinden sich die Verwaltungsgebäude, Banken, das Postamt, das Büro von Air Madagaskar und verschiedene Läden. Unter dem grossen schattenspendenden Tamarindenbaum sitzen die Fischverkäufer und im Handwerksmarkt werden die hölzernen Kunsthandwerksprodukte angeboten, dabei sind die Baobabs, die Zebus, die Aloalo Stelen und die Chamäleons sehr beliebte Motive. Das wichtigste Handelszentrum des Südens ist auch ein Ort für den Import und Export verschiedener Produkte wie Baumwolle, Mais, Erdnüsse, Fisch und Meersalz.

Tulear-Toliara
Tulear liegt am Wendekreis des Steinbocks in der trockenen Klimazone der Südwestküste mit sehr geringen Niederschlägen. Bei der kurzen Regenzeit zwischen Januar und März beträgt die mittlere Niederschlagsmenge nicht einmal 344 mm, die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen zwischen 25 und 35° C und wegen des andauernden strahlenden Sonnenscheins bekommt Tulear den schönen Spitznamen “die Stadt der Sonne“. Daraus kommt auch der Ausdruck des Mahafaly-Stammes: „Toliary tsy miroro“ wörtlich übersetzt „Toliara schläft nicht“. Bei nur 3 Monaten Regenzeit sind leider die Flüsse und Bäche in der Gegend monatelang ausgetrocknet und die Dorfbewohner haben ständig Schwierigkeiten, sauberes Trinkwasser zu finden, so müssen sie Wasser aus weit entfernten Gegenden holen, wo sich auch ihre Zebuherden und die anderen Tiere aufhalten.


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Die Vezo-, Mahafaly-, Sakalava- und Antandroy-Volksgruppen sind die Küstenbewohner an dieser Südwestküste. Die Vezo leben vorwiegend vom Fischfang und im Vergleich zu den anderen Volksgruppen haben sie einen besonderen Hang zum Meer und fahren sehr gern weit hinaus. Sie sind viel unterwegs auf ihren Pirogen aus ausgehöhlten Baumstämmen, die mit einem Ausleger und einem rechteckigen Segel ausgestattet sind. Sie sind auch Nomaden und tauschen oft mit den anderen Ethnien Fische oder Meeresfrüchtetiere gegen andere Lebensmittel wie Mais, Maniok oder Süsskartoffeln.

Die alten und riesigen Bäume in Madagaskar haben immer eine kulturelle Bedeutung für die Madagassen. Die heiligen Banyan-Bäume von Miary, 17 km nordöstlich von Toliara gehören in die Mythen- und Legendenwelt in der Umgebung von Tulear. Diese beeindruckenden Feigenbäume mit zahlreichen langen Luftwurzeln werden seit Jahrhunderten von den Einheimischen verehrt und sollen heilende Kräfte haben, so dass die Kranken hierher kommen, um sich Linderung vom Übel zu erbitten. Das Areal um diese Bäume darf nur barfuss und in Begleitung des Lokalguides betreten werden und eine Flasche Rum ist ein willkommenes Geschenk für die Vorfahren und die Geister.

Tulear-Toliara
Das Arboretum von Antsokay ca.14 km südlich von Tulear an der RN7 gehört zu den Hauptattraktionen am Stadtrand und erweist sich als ein interessantes Ausflugziel für die Besucher. Das Schutzgebiet umfasst ca. 50 ha, rund 7 ha davon sind für Botaniker besonders interessant. Der Erdboden in dieser Gegend besteht aus Kalk und Sand, daraus stammt der Name der Region “Antsokay“, was wörtlich übersetzt bedeutet “die Gegend mit Kalkboden“. Ein Teil des Kalksteins stammt aus der Kreidezeit, ist also 100 Millionen Jahre alt, so wurden zahlreiche Fossilien und Knochen des legendären ausgestorbenen Riesenvogel „Aepyornis“ in dieser südlichen Region entdeckt.

Diese wertvollen Funde, auch schöne Exemplare von Mineralien und kulturelle Gegenstände (zum Beispiel Musikinstrumente, Tracht oder Waffen …) der hier lebenden Ethnien Vezo, Mahafaly und Antandroy sind im sehenswerten Museum ausgestellt.

Der verstorbene Schweizer Hermann Petignat hat dieses Areal im Jahre 1980 gegründet und die Flora des trockenen Südens erforscht, kultiviert und vermehrt, da viele der über 900 endemischen Pflanzenarten wegen der ständigen Buschfeuer leider vom Aussterben bedroht sind. In diesem regenarmen Klima gedeihen die Dornensträucher, die Didieraceen, die Aloen, die Pachypodien und Gattungen der Wolfsmilchgewächse wie die Euphorbien. Das merkwürdigste Phänomen sind jedoch die klimaangepassten Umwandlungen von kleinen Blättern zu Dornen, was zu einem fast undurchdringlichen Dornendickicht führt.

Sein Sohn Andry Petignat hat das Werk seines Vaters fortgeführt und somit ist der Besuch des Parks ein Muss für jeden botanisch interessierten Reisenden.

All diese Wunderwerke klimatischer Anpassung sind im Arboretum zu finden, so dass Wissenschaftler und Biologen, sowie Tierfreunde und Vogelkundler von diesem Park sehr begeistert sind. Das Gelände verfügt auch über mehrere, schöne Bungalows und eine Übernachtung in den geschmackvoll eingerichteten Zimmern der „Auberge de la Table“ kann man warm empfehlen.

Kurz vor dem Abendessen, wenn es dunkel wird, kann man den kleinsten Primaten der Welt, den niedlichen Mausmaki mit nur etwa 50 Gramm Gewicht in einer Astgabel der Dornengebüsche mit einer guten Taschenlampe leicht finden. Auch die Tageswandertouren kurz nach dem Sonnenaufgang erweisen sich wegen der Vogel- Reptilien- und anderen Tierbeobachtungen als interessant.

Tulear-Toliara
Der Besuch des ozeanografischen Museums “Musée de la Mer“ oder „Station Marine“ ist ebenfalls zu empfehlen. Hier hat man einen Überblick über die faszinierende Meereswelt und das Marineleben im Kanal von Mozambik. Auch findet man einen Bericht über den vor Tulear  gefangenen Quastenflosser, der bis zu diesem Fund nur als Fossil von den Küsten der Nachbarländer Komoren und Südafrika bekannt waren. Das ausgetopfte Tier ist in diesem Meeresmuseum zu bestaunen.

Das ethnologische Museum über die Volksgruppen Mahafaly, Sakalava und Vezo befindet sich nicht weit vom Tourismusbüro am Marktplatz. Die Studenten der Universität von Tulear hatten die gute Idee, einen Bericht über die einzigartigen Kunstwerke, wie die kunstvoll geschnitzten Statuen, Schnitzereien, Musikinstrumente und Masken zu machen. Sie haben auch die Kultur und die Lebensweise der hier lebenden Volksgruppen erforscht. Die traditionelle Musik und der Tanz spielen immer eine grosse Rolle bei jeder Familienzeremonie, wie bei Hochzeiten, Begräbnissen oder bei einer einfachen Dorfversammlung. Die beherrschenden Instrumente im Süden der Insel sind die kastenförmigen Mandolinen oder „Kabosy“ auf madagassisch, die selbst gebastelten Bambusflöten oder „Sodina“ und vor allem die Trommeln oder „Amponga oder auch „Djembe“, sie erklingen fast überall zur rhythmischen Begleitung von Gesang und Melodieinstrumenten.

Diese afrikanischen Einflüsse findet man vor allem in den Küstenregionen bei den Mahafaly-, Bara-, Sakalava-, Vezo- und Antandroy-Ethnien. Diese Südmadagassen sind zähe dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Gesichtszügen, gewohnt an die Härten des Lebens in einer Region, wo nur selten Regen fällt und wo es eine ständige Herausforderung ist, gegen Zebudiebe zu kämpfen und natürlich Wasser und Weideland für die grossen Zebuherden zu finden.

Tulear-Toliara
Tulear ist ein guter Ausgangspunkt für einen Badeurlaub in Ifaty mit den herrlichen Sandstränden und den vielen Wassersportmöglichkeiten oder zum abgeschiedenen und erholsamen Badeort Anakao, ebenfalls ein Paradies für die Taucher und Schnorchler. Von Tulear aus ist auch ein Binnenflug möglich, so gelangt man aus diesem tiefen Süden sehr rasch zurück in die Hauptstadt.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Isalo – Tulear

2240 Isalo – Tulear

Heute verabschieden wir uns von der Isalo-Wunderwelt und fahren Richtung Südwestküste bis zum Kanal von Mozambique. Unser heutiges Etappenziel ist die Küstenstadt Tulear, die am Ende der Nationalstrasse RN7 liegt.

Neben der Saphirgräberstadt Ilakaka sind auch die bunt bemalten Mahafaly-Gräber unterwegs zu bestaunen. Die Wandertouren durch den Zombitse-Nationalpark und durch das Arboretum zählen zu den besonderen Ausflügen entlang dieses Streckenabschnitts. Unterwegs werden wir sicherlich viel über die Kulturen, über das Leben und über die Sitten und Bräuche der Bara-, Mahafaly- und Vezo-Volkstämme erfahren.

Nach der erlebnisreichen Wandertour durch die trockene Berglandschaft des Isalo Gebirges verlassen wir das kleine Städtchen Ranohira der Bara-Volkstämme und fahren schnurgerade Richtung Südwesten über die gut ausgebaute RN7. Die Luft wird merklich wärmer und feuchter. Nach ein paar Kilometer verändert sich die Landschaft schlagartig: Hinter Ranohira werden die zerklüfteten Berge von Wiesen mit abgeflachten Bergen abgelöst und in den weiten Grassavannen und der Steppenlandschaft wachsen die hohen Büsch- und Kaktuswälder, die in der Regenzeit mit einem kräftigen Grün überzogen sind.

Die endemischen Satrana-Palmen (Bismarkia nobilis) sind sehr widerstandfähig gegen die ständigen Buschbrände in dieser wasserarmen Region. Am Rande der Nationalstrasse gedeihen die schönen, dekorativen Vakaka-Palmen (Pandanus pulcheri) und entlang der wenigen Bachläufe, die das trockene Gebiet durchziehen, wachsen die heimischen Schraubenpalmen.

Isalo – Tulear
Nach 30 km erreichen wir die berühmt-berüchtigte Saphirstadt Ilakaka. Nachdem Zebuhirten im Jahre 1990 bei diesem kleinen Dorf zufälligerweise einen wertvollen “Blauen Stein“ gefunden hatten, brach hier der grosse Saphirrausch aus. Aus der ganzen Region kamen alle, um hier ihr Glück bei der Suche nach diesen teuren Edelsteinen zu machen. Seitdem wuchs das unbedeutende Dorf in rasantem Tempo, sogar fremde Aufkäufer aus Europa, aus Asien und vor allem aus Sri Lanka haben sich in der Saphirstadt angesiedelt. Sehr rasch verbreiteten sich die Kunde über die Edelsteinfunde, so dass die Einwohnerzahl seitdem fast jedes Jahr um ca. 10’000 anstieg. Heute leben hier mehr als 60’000 Einwohner. Ilakaka selbst gilt als das wichtigste Saphir-Abbaugebiet von ganz Madagaskar. Schliesslich sind Saphire sehr kostbare Steine, ihr Wert liegt auf Rang 2, gleich nach den Diamanten. Viele Verkaufsbuden, Lehmhütten, Garküchen und einfache Unterkünfte reihen sich beidseits der Nationalstrasse und wenn man einen Blick ins Hinterland wirft, entdeckt man eine Mondlandschaft von Erdhaufen und Löcher von diesen tausenden Schürfern.

Auf dem weiteren Weg immer Richtung Südwestküste, ca. 80 km vom Dorf Ilakaka entfernt, erreichen wir den grünen Zombiste Vohibasia Nationalpark. Dieser Trockenwald ist ein sehr interessanter Zwischenstopp für Naturfreunde. Das Schutzgebiet umfasst ein etwa 363 km² grosses Gebiet. Es leidet leider unter der fortschreitenden Entwaldung wegen der traditionellen Bandrodung und auch wegen des Saphirabbaus. Der Nationalpark besteht insgesamt aus drei voneinander isolierten Schutzzonen, die bereits seit 1997 bestehen: das Trockenwaldgebiet von “Zombitse“, was wörtlich “dichter Wald“ bedeutet, das Savannengebiet von “Vohibasia“ (“Hügel der Pistolen“) und schliesslich der Bereich “Isoky Vohimena“. Der WWF setzt auf Ökotourismus und bemüht sich, diesen ursprünglichen Trockenwald vor der Abholzung zu bewahren. Erst im Jahre 2002 wurden die beiden Gebiete Zombitse und Vohibasia gemeinsam als Nationalpark deklariert.

Der Vogelbeobachtung ist eine der Hauptattraktion in diesem Schutzgebiet. Fast 47% aller endemischen Vogelarten Madagaskars, mehr als 80 Arten lassen sich im Park beobachten: darunter die Appertbülbül (Phyllastrephus apperti), der Madagaskarkauz (Ninox superciliaris), der Riesenseidenkuckuck (Coua Gigas), der Hirtenregenpfeiffer (Charadrius pecuarius) und das Madagaskar-Flughuhn… Bei den Wandertouren während der Tagesdämmerung begleitet uns das fröhliche und vielstimmige Gezwitscher der verschiedenen Vögel und mit Hilfe des ortskundigen Führers sind auch die weissen Larvensifaka oder die Braunen Lemuren anzutreffen. Ein Besuch in diesem abgelegenen Nationalpark ist ein unvergessliches und einzigartiges Naturerlebnis. Die Landschaft des Zombitse-Vohibasia Nationalparks zeichnet sich nicht nur durch ihre Fauna und Flora, sondern auch durch ihre geologische Besonderheit aus. Der Park steht an der geologischen Grenze zwischen dem Kalksteingebirge und dem Massiv aus kieselartigem Sandstein, der aus der Isalo-Formation stammt.

Im Park kommen auch Pflanzenliebhaber auf ihre Kosten. Neben den seltenen Madagaskar-Palmen, den zahlreichen Sukkulenten und der Heilpflanze Aloe Vera lassen sich auch unterschiedliche Orchideen bestaunen. Die riesigen und dickstämmigen Baobabs sieht man schon vom weiten und wegen ihrer eindrucksvollen Erscheinung werden diese Riesenbäume auch die “Verkehrtherum-Bäume“ genannt. Sie sind Wahrzeichen von Madagaskar und an der Südwestküste werden sie in der Nähe der Mahafaly-Gräber gepflanzt und gelten als besonders als heilig. Im Schatten dieser “Reniala“ (“Mutter des Waldes“) breitet sich immer eine angenehme Kühle aus und so können wir hier am Mittag unser Picknick geniessen.


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Auf der Insel findet man sechs endemische Baobabarten. Ihre gigantischen Stämme können Unmengen Wasser speichern, sodass die Baobabs bei extremer Trockenheit bis zu drei Jahre ohne Wasser überleben können. Die Einheimischen in den abgelegenen Dörfern benutzen dann diese sogenannten “Flaschenbäume“ als Wasserreservoir und verzehren die schmackhaften und nussartigen Früchte, die sehr und reich an Vitamin C sind. Viele Baobabarten sind vielseitig verwendbar: Sie dienten als Rohmaterial für die Herstellung von Seilen, Körben, Hüten und Saiten für Musikinstrumente… Aus den frischen Blättern erhält man schmackhaftes Gemüse und aus den Samen wird wertvolles Öl und erfrischende Getränke hergestellt.

Isalo – Tulear
Die bunt bemalten Mahafaly-Gräber am Rand der Nationalstrasse stechen sofort in die Augen und unser Fahrer weiss genau Bescheid, welche Grabstätten am Rand der Strasse fotografiert werden dürfen. Die Mahafaly-Volkstämme bedeuten wörtlich “die glücklich Machenden“ oder “die Tabus machen“ oder “aus der verbotenen Gegend“. Die meisten sind Bauern und während der kurzen Regenperiode pflanzen sie hautsächlich Mais, Maniok und Süsskartoffeln in dieser trockenen Gegend an. Wegen des Wassermangels sind sie noch heute Nomaden und bewegen sich von Zeit zu Zeit, je nach der Erntezeit und je nach dem ersten Einsetzen des Regens. Im Gegensatz zu ihren Nachbaren, den Bara-Volkstämmen, sind die Aufzucht von Zebus für die Mahafaly weniger von Bedeutung.

Die Mahafaly-Ethnien sind besonders bekannt für ihre individuellen, bunt bemalten Grabmäler, so dass ihre eindrucksvollen Gräber am Rand der Nationalstrasse immer reges Interesse bei den Reisenden wecken. Es handelt sich um rechteckige grosse Grabstätten, die mit kunstvoll geschnitzten Grabstelen und Holzfiguren oder “Aloalo“ und mit vielen Zebuhörnern geschmückt sind. Die aufwendigen Malereien geben häufig Auskunft über das Leben oder über die Vorlieben des dort Bestatteten, vielleicht auch über seine Träume, denn auf den Grabstätten sind manchmal Bilder von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen dargestellt.

Im irdischen Leben wohnt der Mahafaly-Volkstamm erstaunlicherweise in ärmlichen und windschiefen Hütten, nach dem Tod errichtet die Familie für den Verstorbenen ein aufwendiges Grabmal, denn das irdische, materielle Leben als Mensch ist für ihn unbedeutend, wichtig ist, dass wenn er stirbt, er auf dem Weg zu einem “gottähnlichen Geisteswesen“ wird, das seine lebenden Nachfahren vor Unglück bewahrt. Bei der Beerdigungsfeier gibt es ein richtig üppiges Festmahl, so dass viele Zebus für die ganze Familie, sogar für das ganze Dorf geschlachtet werden. Die vielen Zebuhörner die später die Grabstatt des Verstorbenen schmückt, zeigen seinen Rang, sein Ansehen und vor allem seinen Reichtum.

Nach einer grossen Linkskurve taucht endlich am Horizont das Blau des Ozeans auf. Die modernen und fest gebauten Häuser erscheinen nun auch beidseits der Strasse auf. Ca. 17 km nordöstlich von Tulear begrüsst uns vom Weiten ein auffälliger Tafelberg am Eingang der Stadt. Das interessante Arboretum, ein kleines Naturparadies für Botaniker, hat der Schweizer Naturfreund Hermann Petignat im Jahre 1980 gegründet, hier kann man sich einen Einblick auf die artenreichen Sukkulenten, Aloen, Dornensträucher, Didieraeceen und Euphorbien… verschaffen, die dem dürren und trockenen Klima im Südwesten Madagaskars ausgesetzt ist.

Es ist nicht mehr weit bis zur Hafenstadt Tulear, ein bedeutendes Handelszentrum am Kanal von Mozambique. Der Stadtname Toliary bedeutet im madagassischen Dialekt: “wo man ankern“ oder “wo man das Boot festmachen kann“. In der Kolonialzeit haben die Kolonisten diesen Namen später als Tulear ins Französische übersetzt.

Isalo – Tulear
Tulear selbst hat leider keinen Strand, nur Mangrovensümpfe und Schlick. Nördlich der Stadt befindet sich der berühmte Strand von Ifaty und in ca. 1 Stunde Bootsfahrt Richtung Süden der Hafenstadt erreicht man die erholsame und wunderschöne Bucht von Sarodrano und Anakao. Beide Badeorte haben feine weisse Sandstrände und sind durch ein ausgedehntes Korallenriff geschützt. Diese Orte sind natürlich auch gute Orte für abwechslungsreiche Aktivitäten wie Tauchen, Schnorcheln, Baden, Surfen. Buckelwalbeobachtungen zwischen Juli bis September sind an dieser Südwestküste ebenfalls möglich. An diesen palmengesäumten Stränden am Kanal von Mozambique erleben wir die glühenden Sonnenuntergänge und geniessen endlich die Ruhe nach einer wochenlangen, erlebnisreichen Tour!

November 2020; geschrieben von  Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Nosy Tanikely

1940 – Nosy Tanikely

Diese Nebeninsel ist ein wahres Schnorchel- und Tauchparadies mit glasklarem türkisfarbenem Wasser, mit gut erhaltenem Korallenriff unmittelbar vor dem feinen weissen Sandstrand. Nosy Tanikely liegt ca. 7 km von Andoany bzw. von Hell Ville, der Hafenstadt der Hauptinsel Nosy Be oder auch von dem lebhaftem Fischerdorf Ambatoloaka entfernt. Von dort fahren regelmässig viele Ausflugsboote zu diesen traumhaften Stränden südlich der Parfüminsel.

Tanikely auf madagassisch oder “Tanihely“ im Sakalava-Dialekt bedeutet wörtlich “die kleine Insel. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und gehört seit September 2011 zu den kleinsten Marineparks Madagaskars mit nur ca. 200 ha Fläche. Das klare Wasser rund um dieses wunderschöne Marine Schutzgebiet ist ein absolutes Paradies für Schnorchler und Taucher. Rund um die Insel sieht man die einzigartige Meeresflora und -fauna. In dieser Traumwelt wimmelt es von tropischen, bunten Fischen wie die Feuerfische aber auch Grossfische und viele Krabben oder Lobster. Selbst beim Schnorcheln sieht man die schönen Seesterne und die verschiedenen Korallen lassen einem staunen. Mit etwas Glück kann man auch grosse Meeresschildkröten lautlos dahingleiten sehen.

Dank der klaren und ruhigen Unterwasserwelt kommen auch Anfänger, die noch nie geschnorchelt haben oder getaucht sind, wirklich auf Ihre Kosten. Auch die vorgelagerten Riffe mit ihren Fischschwärmen sind ein ideales Gebiet zum Tauchen und Schnorcheln. Wie schon erwähnt, steht die Unterwasserwelt unter strengem Naturschutz, so ist Fischen und Harpunieren natürlich strikt verboten, damit die natürliche Vielfalt erhalten bleibt.
Nosy Tanikely
Auch von der Nachbarinsel Nosy Komba (wörtlich die Lemureninsel) kann man diese Schnorchel- und Tauchinsel in wenigen Minuten erreichen. Aus diesen Gründen organisieren viele Hotels und Reiseveranstalter auf Nosy Be diese kombinierbaren und sehr beliebten Tagesausflüge. Kurz nach dem Frühstück besuchen die Reisegäste die possierlichen Mohrenmakis in der Nähe des Fischerdorfs auf Nosy Komba, gegen 10 Uhr verlassen sie diese erholsame Insel und fahren mit dem Motorboot weiter nach Nosy Tanikely. Gegen Mittag nehmen sie das Picknick am Strand ein und tauchen oder schnorcheln den ganzen Nachmittag bevor sie nach Nosy Be zurückfahren. Das reichliche Picknick wird unter schattenspendenden Bäumen serviert und gehört zum Highlight dieser Exkursion. Hier können die Gäste die schmackhaften madagassischen Grilladen kennenlernen. Die Köche zaubern aus den frisch gefangenen Fischen, Krabben, Langusten oder Garnelen vielfältige Gerichte mit frischen Gewürzen, man wird sie lange nicht vergessen!


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Nosy Tanikely
Ausser einem Leuchtturm gibt es auf dieser unbewohnten Insel natürlich keine weitere Infrastruktur. Der historische Leuchtturm steht, wie auf der Nachbarinsel Nosy Iranja, in der Mitte von Nosy Tanikely. Er wurde im Jahr 1908 auf den 47 Meter hohen Gipfel erbaut. Von hier aus hat man einen Panoramablick über die vorgelagerte Insel Nosy Be und die Schönheit der Inselwelt. Bei der kurzen Wanderung zu diesem Leuchtturm trifft man meist ein paar Gruppen von tagaktiven Lemuren. In der Nähe des Leuchtturms stehen auch grosse Bäume, die ein beliebter Schlafplatz zahlreicher Flughunde sind.

Bei Ebbe können die Gäste die schöne Insel zu Fuss umrunden und die Sehenswürdigkeit am Strand entdecken.

Mit seinen hervorragenden Schnorchelgründen und seinem weissen Sandstrand eignet sich diese idyllische Insel Nosy Tanikely für die Sonnenhungrigen. Deswegen gehört sie unter den vielen Nebeninseln rund um Nosy Be zu der am meisten besuchten Insel.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Be

1910 – Die Insel Nosy Be

Als Abschluss einer eindrucksvollen Entdeckungsreise in Madagaskar ist oft ein Aufenthalt auf Nosy Be. Sie gilt als die bekannteste und touristisch am besten erschlossene Insel Madagaskars, sowohl für die Gäste aus dem Ausland wie auch für die Madagassen selbst. Nach einer langen Madagaskarreise ist man dann reif für diese erholsame Parfüminsel: „Pures Inselfeeling“!

Die Insel Nosy Be ist per Boot ab dem nahen Festland oder aber per Flugzeug ab Diego Suarez oder auch ab der Hauptstadt Antananarivo leicht erreichbar. Viele Reisende bevorzugen die Überfahrt mit dem Fährschiff ab dem Kleinstädtchens Ankify (ca. 15 km nördlich von Ambanja). Diese “Perle im Kanal von Mozambik“ liegt nur etwa 10 km von der Nordwestküste des Festlandes entfernt. Die Abfahrtzeit der Fähre oder des Schnellbootes hängt jeweils von den Gezeiten ab. Die Bootsfahrt bis zur Insel ist vormittags bei Ebbe eher möglich, da das Meereswasser nachmittags unruhig ist. Unterwegs trifft man öfter die Einbäume der einheimischen Sakalava-Fischer, die an ihren kleinen Netzen herumnesteln und auswerfen…

“Nosy“ heisst auf Madagassisch “die Insel“ und das Wort “be“ bedeutet “gross“ oder “viel“. Tatsächlich ist Nosy Be mit einer Fläche von 325 km² die grösste Nebeninsel Madagaskars. Rund um die Hauptinsel liegen die Nachbarinseln Nosy Komba, Nosy Tanikely, Nosy Sakatia, Nosy Iranja oder Nosy Mitsio: Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen, Windsurfen, kurze Wandertouren durch die üppige Vegetation oder einfach relaxen und faulenzen sind die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten bei den Tagesausflügen auf diese traumhaften Inseln.

Nosy Be
Im 16.Jahrhundert war Nosy Be ein bevorzugter Schlupfwinkel der Piraten im Indischen Ozean, denn hier fanden sie alles was sie brauchten: Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Lebensmittel und viele Sklaven zum Verkaufen… Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zum Zufluchtsort des Sakalava-Volkstamms aus der Region Mahajanga (Nordwestküste Madagaskars) während des Verteidigungskriegs gegen die Armee des Merina-Königs Radama I. aus dem Hochland. Gegen diese vielen Angriffe bat die junge Königin Tsiomeko von der Insel Nosy Be Im Jahre 1840 Kapitän Passot um Hilfe und so wurde die Insel Nosy Be unter französischen Schutz gestellt. Ein Jahr später kolonisierte der Gouverneur de Hell die Insel als Produktionsstätte für die wichtigen Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Zuckerrohr und die Essenz der Ylang-Ylang Blüte und vergrösserte später die Hafenstadt im Süden der Insel. So wurde später der Hafen und das Verwaltungszentrum der Insel in Hell Ville umbenannt. Schon während der Kolonialzeit wurde Nosy Be zum wichtigsten Plantagenanbaugebiet im Norden von Madagaskar.

Sicherlich kennen fast alle deutsch sprechenden Reisegäste das berühmte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord…“. Text und Musik stammt von einem russischen Soldatenlied, als die Russen einen Krieg gegen die Japaner in den Jahren 1904/1905 geführt hatten. Die russische Kriegsflotte fand Unterschlupf in einer versteckten Bucht an der Nordwestküste Madagaskars und wartete vergeblich auf ein Kohleversorgungs­schiff. Über 100 Soldaten starben an Typhus, nicht an der Pest wie es im Lied erzählt wird. Im Friedhof von Hell Ville befinden sich noch heute die Gräber dieser russischen Armee. Auch in Andoany kann man den Friedhof dieser russischen Soldaten noch finden. Mehr als 100 Jahren später heisst die versteckte Bucht an der Nordwestküste Madagaskars noch immer “die russische Bucht“ oder “La Baie des Russes“.

Nosy Be
Die tropische Insel Nosy Be mit vulkanischem Ursprung hat landschaftlich sehr viel zu bieten: Grüner Regenwald, fruchtbares Land mit üppiger Vegetation und exotische Früchte, geschützte Buchten, menschenleere Palmenstrände und ein strahlend blauer Himmel. Zwischen August und Dezember ist die Reifezeit der leckeren Mangos und das ganze Jahr werden die süssen Bananen und die saftigen Papayas auf der Insel geerntet. Die Insel hat weite, ebene Flächen, auf denen seit vielen Jahrzehnten Kaffee-, Vanille- und Ylang Ylang-Plantagen gepflegt werden.

Die Ylang Ylang-Pflanze (Cananga Odorata), die aus den Philippinen stammt, haben die Kolonialherren auf diese tropische Insel eingeführt. Viele dieser Ylang Ylang-Felder liegen auf dem Weg zum Flughafen und bereits nach der Landung riechen die Besucher den süsslichen, aromatischen Duft dieser schönen gelben Blüten. Diese “Parfüm-Pflanze“ gedeiht sehr gut auf dieser vulkanischen Insel mit dem feucht warmen Klima. Der Baum mit knorrig verschlungenen Ästen darf nicht mehr als 1 Meter hoch wachsen. Das ganze Jahr sieht man die Sakalava-Frauen in den Feldern, die die sternförmigen Blüten bei Sonnenaufgang ernten, aus denen eine Essenz als unentbehrlicher Grundstoff für die Parfümindustrie gewonnen wird. Madagaskar exportiert die beste Qualität dieses teuren ätherischen Ylang-Öls, hauptsächlich nach Frankreich und nach Amerika. Nicht umsonst hat Nosy Be den schönen Spitznamen “die Insel der Düfte“. Die teure Essenz der Ylang Ylang-Blüten hat natürlich den Bewohnern einen ungewöhnlich hohen Lebensstandard gebracht. Diese devisenbringenden Exporte haben leider auch ihre negativen Seiten und Auswirkun­gen auf das Leben der Einheimischen, die man nicht unterschätzen darf.

Nosy Be
Bei einer eindrucksvollen Rundfahrt um die Insel ist der Besuch der Parfümdestilliere etwa 1 km nördlich des Hafens lohnenswert. Die Inselbewohner mischen ihr Haaröl mit der wertvollen Ylang Ylang-Essenz. Sie wird auch zur Behandlung von Rheumatismus und für einige Haukrankheiten verwendet. Dieses hochwertige Öl ist auch ein schönes Mitbringsel von jeder Madagaskarreise.


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Der Tier- und Pflanzenpark Lemurialand liegt inmitten der Ylang Ylang-Felder und unweit der Destillerie, somit kann man diese beiden Ausflüge leicht zusammenkombinieren. Bei einem Besuch von fast 3 Stunden hat man einen kurzen Überblick über die endemischen Tiere und die Pflanzenwelt Madagaskars

Der Park beherbergt einige Lemurenarten, auch Reptilien wie Chamäleons, Krokodile, Schildkröte, Eidechsen… und gleicht einem kleinen zoologischen Garten. Hier erhält man einen Überblick über die Vielfalt der endemischen Sukkulenten und andere Pflanzen in Madagaskar. Auch die Herstellung einiger traditioneller Handwerksgegenstände, wie Korbwaren, Matten oder Dekorationen aus Vetiverwurzeln wird hier gezeigt. Der Besuch des Rum-Museums, eine Spezialität der Insel Nosy Be und deren Verköstigung sind im Eintrittsticket inbegriffen.

Nosy Be
Nicht weit des grossen Dorfs Dzamandzary sieht man riesige Zuckerrohrplantagen. Vom Namen dieses Dorf kommt der berühmte Rum Dzama, der hier und in anderen Regionen Madagaskars produziert wird. Besonders in den Monaten Mai und Juni blühen die auffallend weissen Federbüschel der Zuckerrohrpflanzen. Die Zuckerrohrpflanze wächst sehr rasch und braucht keine besondere Pflege. Der gewonnene Zucker wird für den Eigengebrauch und die Fabrik produziert. Daraus wird dann weisser oder brauner Rum in unterschiedlichen Qualitätsstufen gebrannt und überall auf der Insel verkauft.

Von Djamanjary führt die Strasse entlang der Westküste bis zur höchsten Erhebung von Nosy Be, dem Mont Passot mit 239 m über dem Meeresspiegel. Oben auf der Bergkuppe hat man einen fantastischen Blick und ein umfassendes Bild von den Schönheiten der Insel, über die Westküste, die heiligen Kraterseen, die nahe gelegenen Nachbarinseln und bei schönem Wetter sogar auf das grosse Festland. Die Ausblicke sind traumhaft und die Beobachtung des Sonnenuntergangs mit seiner ganzen Schönheit vom Gipfel ist einzigartig. Die grünen Farben der Kraterseen unterscheiden sich je nach der Wassertiefe. Fischen und Baden sind in diesen heiligen Seen verboten. Es wäre auch gefährlich, denn sie sind von Krokodilen bevölkert. Die Sakalava-Bevölkerung betrachten diese Reptilien als die Verkörperung der Totengeister.

Der Hafen und die Hauptstadt Hell Ville oder Andoany auf madagassich liegen im Süden der Insel und der Flughafen Fascene ca. 8 km entfernt. Die zerfallenen Prunkbauten im Stadtzentrum von Hell Ville sind noch Zeugen der einstigen Aktivitäten der französischen Kolonie. Viele der Kolonialvillen sind inzwischen renoviert worden. Auf einem Spaziergang durch die Markthalle des „Bazary Be“ bekommt man einen Eindruck vom Alltagsleben der Sakalava-Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten, den tropischen Früchten, den frischen und geräucherten Fischen, Garnelen und Tintenfische. Reis, Gemüse und viele Lebensmittel kommen mit dem Schiff vom Festland und wegen den Transportkosten sind die Produkte doppelt teuer. Die Reisenden kaufen hier die frischen Gewürze wie Vanille, Zimt, Pfeffer, Muskatnüsse als Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Entlang der Hauptstrasse bis zum Hafen erhält man abends viele Eindrücke über die Lebensweise der Insulaner. Am Strand werden gegrillte Zebu- oder Fisch-Brochettes mit scharf gewürzten Mangos oder Papaya (Spezialität der Insel) angeboten.

Eine Wandertour durch den Nationalpark von Lokobe ist ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde. Dieses Reservat erstreckt sich über 740 ha und liegt auf etwa 450 m Meereshöhe. Es befindet sich östlich der Hauptstadt Andoany auf einer Halbinsel und ist per Boot oder mit einer Piroge vom Dorf Ambatozavavy erreichbar. Bei der Pirogenfahrt erläutert der lokale Reiseführer die Besonderheiten und die Vielfalt des Mangrovenwaldes an dieser Westküste. Die dreistündigen Wanderungen beginnen an der Anlegestelle des Boots. Zusammen mit der Lemureninsel Nosy Komba gehört dieser Primärwald zum Refugium der Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Auch die nachtaktiven Wieselmakis, ein paar Chamäleons darunter die Pantherchamäleons, die Erdchamäleons und die Boa madagascariensis sind hier in ihrem natürlichen Habitat anzutreffen. Dieses Naturschutzgebiet besteht aus Tieflandregenwald, wo man noch einige gigantische Bäume wie der “Ramy-Baum“ bewundern kann.

Nosy Be
Im Jahre 2012 wurde eine Vereinigung der Tauchschulen und Bootsvermieter auf Nosy Be gegründet. Schwerpunkt und Ziel dieser Vereinigung sind in erster Linie der Schutz der Unterwasserwelt und der Korallenriffe, auch die korrekte Abwicklung und Sicherheit der Ausflüge zu den verschiedenen Ausflugszielen. Die vielen kleinen Inseln rund um Nosy Be sind denn auch ein wahres Paradies für Wassersportler. Zwischen den märchenhaft schönen Korallengärten schwimmen faszinierende Meeresbewohner wie Walhaie, Buckelwale, Delphine, Mantas und und und. Vor allem sind die Meeresschildkröten dabei ein Highlight, eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen darf!

Auch die Strände von Orangea Plaga bei Ambaro und Andilana sind weitere Traumorte für Sonnenhungrige. In diesen Badeorten gibt es eine reiche Auswahl an Unterkünften der verschiedenen Kategorien, vom gehobenen Hotel bis zum kleinen Gasthaus. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Spezialitäten mit Meeresfrüchten: frisch gefangene Fische, Krabben, Garnelen, Hummer, Langusten, Tintenfisch, u.s.w.

Je nach Interesse und je nach Reiseprogramm können die Reisegäste ihre Madagaskarreise ab der Insel Nosy Be starten. Hier können die Gäste in aller Ruhe die Entdeckungstouren vorbereiten. Oder sie können die Parfüminsel Nosy Be als erholsamen Badeabschluss ihrer Reise planen, um die vielen Reiseeindrücke zu verarbeiten, die sie auf der Madagaskarreise gesammelt haben.

Oktober 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker Madagaskarhaus Basel

 

 

Kalambatritra Naturreservat

Kalambatritra Naturreservat

Der kleine Naturwald  von  Kalambatritra liegt im tiefen Süden Madagaskars in der Nähe der Stadt  Betroka.

Betroka durchfährt man auf der RN13, die von Ihosy als staubige Piste nach Ambovombe führt. Von dort gelangt man nach Fort Dauphin.

Die erste Stadt rund 200 km südlich von Ihosy ist Betroka: eine Kleinstadt mit ländlichem Charme.  Der Ort hat, gerade wegen seiner unaufdringlichen Natürlichkeit, für schnelle Augen nicht viel mehr zu bieten und die meisten Autoreisenden trinken allenfalls einen Kaffee während einer kurzen Fahrpause. Kaum ein Reisender verbringt eine Nacht im Hotel Ombilahy, obwohl die soliden Bungalows tolerabel ok sind. Das Logo des Hotels zeigt zwei kämpfende Zebu (Ombilahy bedeutet Stier).

Die Zone ist bevölkert von der Ethnie der Bara, die weitgehend Viehzüchter sind. Vieh bedeutet in Madagaskar auch Viehdiebe (Dahalo genannt) und daher haben die Gendarmerie und das kleine Spital immer mal unerwartete Arbeit. Es gibt in Betroka auch eine Missionsstation und ebenso Freikirchen von Sekten aller Art. Ansonsten ist Betroka ein ruhiger Ort.

Kalambatritra Naturreservat
Betroka ist jedoch der Ausgangspunkt zum Réserve spéciale de Kalambatritra. Das Naturreservat findet sich knappe 60 km östlich von Betroka und ist nur streckenweise mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbar. Der Rest ist zu Fuss zu machen. Vor Ort gibt es keinerlei Infrastruktur, dafür ungestörte Natur.

Der fast 300 km2 grosse Park von der Grösse des Schweizer Kantons Schaffhausen bietet eine fotogene Hügelwelt, aber nur zu Fuss zu erkunden ist. Kalambatritra liegt entlang der Wasserscheide zwischen Indischem Ozean im Osten und dem Kanal von Mozambique im Westen. Die Hügel liegen zwischen 1300 und 1500 m.ü. M, dazwischen mäandrieren kleine Wasserläufe mit Mikrobiotopen, die wohl noch einige biologische Entdeckungen erwarten lassen.

Doch im Nationapark finden sich sechs Lemuranarten ( microcebus,  lepilemur mustelinus, eulemur collaris, hapalemur griseus,  avahi laniger und cheirogaleus). Überhaupt sind im Naturpark Kalambatitra  fast 700 Tierarten erfasst, wovon 29 endemisch sind. Darunter findet sich die Madagaskarente (anas melleri). 72 Vogelarten wurden gezählt, wovon  fast Zweidrittel endemisch sind. 

Kalambatritra Naturreservat
Touristen  gelangen kaum je nach Kalambatritra: es sind keine zehn pro Jahr. Wilddiebe eher. Sie suchen nach seltenen Schildkröten, denn dafür gibt es im Export nach China einen unersättlichen Markt. Das kaum zugängliche und wenig besiedelte Gebiet ist auch ideal für den Anbau von Cannabis. Die Hanfsträucher ergeben eine gute Ernte, die die Märkte in Madagaskar beliefern bis hin nach Nosy Be. Dies verursacht immer mal wieder den Einsatz von Gendarmerie und Militär.


mehr zu Naturparks in Madagaskar


Eine Abhandlung über die Amphibien von Kalambatritra findet sich auf  https://www.academia.edu/22454063/The_amphibians_and_reptiles_of_Kalambatritra_a_little_known_rainforest_of_south_eastern_Madagascar

Ambanja – Diego Suarez

1830 – Ambanja – Diego Suarez

Heute verlassen wir schweren Herzens das Kleinstädten Ambanja und fahren auf der Nationalstrasse 6 bis zur Hafenstadt Antsiranana (Diego Suarez) an der Nordspitze Madagaskars. Diese Reiseroute ist besonders abwechslungsreich, denn die Insel zeigt viele ihrer Gesichter auf engem Raum: dazu zählen das Sonderreservat von Ankarana mit seinen spektakulären, grauen Karstformationen, die rotgefärbten Tsingy Rouge und der grüne Bergnebelwald von Montagne d’Ambre mit seinen Kaskaden und Kraterseen.

Wegen seiner schönen Lage in einem fruchtbaren Agrargebiet mit vielen Ausflugsmöglichkeiten und wegen seines milden Klimas an der Nordwestküste ist das interessante Kleinstädten Ambanja (wörtlich bedeutet dies “die Stadt mit Kanonenpulver“) ein paar Tage Aufenthalt wert. Heute verlassen wir dieses Zentrum des Kakaoanbaus und fahren auf der Nationalstrasse bis zur Nordspitze der Insel weiter. Wer seinen Badeurlaub auf der berühmten Parfüminsel Nosy Be verbringen will, fährt 25 km westlich von Ambanja bis Ankify weiter. Dieses grosse Dorf ist der Ausgangspunkt der Bootsfahrt zum beliebten Urlaubsort. Die Abfahrtszeit des Motorbootes oder der Fähre in diesem kleinen Hafen hängt hauptsächlich von den Gezeiten ab.

Nach ca. 100 km erreichen wir die nächste geschäftige Stadt in dieser Nordwestregion. Durch die intensive Bewässerung am Delta des Mahavavy Flusses gehört Ambilobe zu einem fruchtbaren Anbaugebiet mit riesigen Plantagen: die Parfümpflanze Ylang Ylang, verschiedene Obst und viele Gemüsesorten gedeihen hier sehr gut, ausserdem stammt der Grossteil der Zuckerproduktion Madagaskars aus dieser Region. Die madagassische Zuckerfirma SIRAMA war lange Zeit der wichtigste Arbeitgeber.

Die Stadt Ambilobe bedeutet wortwörtlich “wo man häufig den „Bilo“ tanzt“. Bilo ist ein typischer Freudentanz der Antakarana-Volksgruppe, die an die Wiedergeburt und die Reinkarnationen der Ahnen in Form verschiedener Lebewesen glaubt, egal ob Pflanzen oder Tiere, wie Krokodile oder Lemuren. Hier siedelt eine grosse muslimische Gemeinde, weil dieser Volkstamm von arabischen Einwanderern abstammt, deswegen gilt dieses hübsche Städtchen als das kulturelle Zentrum der Ethnie der Antakarana und gleichzeitig der Sitz der Nachfahren der Antakarana-Könige. Der 2017 verstorbene Staatspräsident Dr. Zafy Albert stammte aus einer angesehenen Antakarana-Familie aus der Stadt Ambilobe.

Ambanja – Diego Suarez
Von hier zweigt auch die schlammige Piste RN 5a in Richtung Ostküste bis Vohemar ab und für die Reisenden gilt der Ort als ein wichtiger Zwischenstopp auf der Strecke nach Antsiranana. Ambilobe ist auch Ausgangspunkt für die interessanten Ausflugsziele zum Ankarana-Reservat oder zum Bergregenwald von Montagne d’Ambre.


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Etwa 20 km von Ambilobe entfernt befindet sich der Eingang zum Ankarana Naturreservat am Rand der Nationalstrasse 6. In diesem faszinierenden Trockenwald wächst die seltene und endemische „Euphorbia ankarensis“, ein Wolfsmilchgewächs mit stacheligem Stamm und rosa Blüten. Auch viele Schraubenpalmen, Feigenbäume und viele Sukkulentenplanzen wie Pachypodien, Baobabs, usw. gedeihen sehr gut in dieser abgelegenen ökologischen Nische zwischen den Tälern, Schluchten und Canyons der Karstformationen. Hier kann man mehrtägigen Wanderungen durch die einmalige Felsenlandschaft mit erodierten Kalknadeln unternehmen.

Die Antakarana bedeutet wörtlich das Volk aus dem “Gebiet mit spitzen Kalksteinnadeln“. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich zwischen Antsiranana und der Region um das Tsaratanana-Gebirge. Sie sind mit Ihren Nachbarn, der Sakalava-Ethnie eng verwandt. Die Antakarana-Küstenbewohner leben als Fischer und die im Binnenland sind Viehzüchter oder Bauern.

Ambanja – Diego Suarez
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt im Ankarana Schutzgebiet setzen wir die Autofahrt fort und nach ca. einer Stunde erreichen wir das grosse Dorf Anivorano. Es liegt am Fusse des Nationalparks von Montagne d’Ambre und liegt etwa 75 km südlich von Antsiranana. Anivorano bedeutet wörtlich übersetzt „in der Mitte des Gewässers“. Jeden Dienstag findet in diesem Dorf der lebhafte und reichhaltige Wochenmarkt statt.

Etwa 4 km östlich der RN 6 liegt eine besondere Attraktion dieses Dorfs und zwar der heilige See “Antanavo“, deren Entstehung in ähnlicher Form über andere See auf der Insel Sainte Marie oder in Vohemar an der Nordostküste Madagaskars erzählt wird. Mündlich wird eine Geschichte eines durstigen und erschöpfenden Zauberers überliefert, der vor langer Zeit zum Dorf kam. Da er fremd war und unheimlich wirkte, weigerten sich die Dorfbewohner, ihm Wasser zu geben. Eine alte Frau am Rand des Dorfes hatte jedoch Mitleid mit ihm und gab ihm Trinkwasser. Überrascht von dieser gastfreundlichen Geste, gab er seiner Retterin und ihrer Familie den Rat, das Dorf sofort zu verlassen. Weil es die unhöflichen Leute abgelehnt hatten, ihm einen Schluck Wasser zu geben, würde er ihnen mehr davon geben. Es begann also in der folgenden Nacht heftig zu regnen und wo das Dorf lag, senkte sich die Erde, und das ganze Regenwasser sammelte sich dort. Das ganze Dorf mit allen Bewohnern versank im See und diese verwandelten sich in Krokodile. Die Frau mit ihrer Familie siedelte später nahe am See im heutigen Dorf Anivorano und glaubte, dass die Krokodile die Reinkarnationen ihren Ahnen seien, so opferte sie den Raubtieren von nun an Zebus. Als Beweis für die Blutverwandtschaft zwischen Menschen und Krokodilen gilt, dass die Fischer an diesem heiligen See, nie von diesen Tieren angefallen wurden. Gegen eine geringe Gebühr und in Begleitung eines Lokalführers ist es möglich, diesen See Antanavo zu besuchen.

Ambanja – Diego Suarez
Die nächste Sehenswürdigkeit liegt 23 km nördlich von Anivorano. Vom Dorf Sadjoavato zweigt eine schlechte Piste (nur befahrbar in der trockenen Zeit) ab, sie führt zum nächsten Dorf Ankarongana. Hier beginnen die Fusspfade, sie z.T. durch Flussläufe führen, bis zum Spezialreservat von Analamerana, deswegen ist dieses Naturschutzgebiet nur sehr schwer zugänglich. Landschaftlich ist es aber sehr interessant, da es in der Übergangszone zwischen der feuchtwarmen Regenwaldlandschaft und der Trockenwaldvegetation an der Küste liegt. Dieses abenteuerliche Ausflugsziel hat aber viel zu bieten: Seen, Höhlen und ein höher liegendes bewaldetes Gebiet, sehr reich an Tier- und Pflanzenarten und mit einem fantastischen Panoramablick auf den Indischen Ozean. Das Reservat ist auch sehr bekannt wegen der hier lebenden und sehr bedrohten Perrieri-Sifakas (Propithecus Perrieri). Daneben haben hier auch andere Lemurenarten und zahlreiche Vögel, sowie Reptilien und Amphibien ein Refugium gefunden.

Ein sehenswertes Highlight auf dieser Nordroute sind auch die „Tsingy Rouge“, die rot gefärbten Gesteinsformationen. Ca.16 km von der RN 6 führt eine schwierige Piste (auch nur mit Allradfahrzeug befahrbar) bis zu dieser weiteren geologischen Attraktion in der Nähe des Fischerdorfs Irodo. Anders als die anderen Tsingy unterscheiden sie sich in den Farben der Steinnadeln. Sie bestehen aus feinem Sandstein mit rotgefärbtem Laterit und sind erst spät am Anfang des 20. Jahrhundert entdeckt worden, da diese geologische Formation durch die allgegenwärtigen Brandrodung oder “Tavy“ entstanden ist. Sie sind durch die ständige Erosion in dieser Gegend bedroht.

Zurück auf der Nationalstrasse fahren wir Richtung Norden und nehmen die Abzweigung zum Dorf Joffreville (Ambohitra auf madagassisch). Joffre Ville wurde im Jahr 1902 von den Franzosen errichtet und war ein Erholungsort der französischen Legionäre. In den herrschaftlichen Villen liessen es sich die Franzosen während der Kolonialzeit gut gehen und Bauern aus der Nachbarinsel La Réunion siedelten hier gern und pflanzten verschiedene Gemüsesorten und tropisches Obst an.

Ambanja – Diego Suarez
Wenige Kilometer südlich von diesem kleinen Dorf liegt die Grenze des Bergnebelwaldes von Montagne d’Ambre oder “die Bernsteinberge“. Der ca. 18’200 ha grosse Park umfasst das Gebiet eines vulkanisch entstandenen Gebirges in einer Höhe zwischen 800 m bis 1’475 m. Die beeindruckenden Wasserfällen, die kreisrunden Kraterseen, der vielfältige “Botanische Weg“ durch das dichte und artenreiche Waldgebiet zählen zu den faszinierenden landschaftlichen Schönheiten des Naturparks, deshalb gehört es auch zu den am meisten besuchten und beliebtesten Attraktionen in dieser Region.

Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt mit den vielen anderen interessanten Ausflugszielen entlang der Nationalstrasse 6 erreichen wir endlich die Hafenstadt Antsiranana, wörtlich bedeutet dies “der grosse Hafen“. Die Franzosen haben diese schöne Hafenstadt mit internationalem Flair später in “Diego Suarez“ umbenannt, zu Ehren des Portugiesen Diego Diaz, der am 10. August 1500 offiziell die Insel Madagaskar an dieser Nordspitze der Insel betrat. Die verschiedenen madagassischen Bevölkerungsgruppe, die Einwanderer aus Europa, aus Indien und den Nachbarinseln tragen zur schönen Atmosphäre in dieser Hafenstadt mit buntem Völkergemisch bei.

November 2020; gGeschrieben von: Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Lava Gefängnisinsel

1810 – Analalava und die Insel Nosy Lava

 Das idyllischer Fischerdorf Analalava befindet sich etwa 75 km westlich des Städtchens Antsohihy. Dieser Küstenort kann man entweder per Geländewagen über eine schlechte Piste ab Befotaka nördlich der Stadt oder mit dem Motorboot entlang der Flussmündung Loza erreichen. Diese zweite Möglichkeit ist für abenteuerlustige Reisegäste wegen der entspannenden und erlebnisreichen Bootsfahrt ein einmaliges Erlebnis!

 Das sympathische Städtchen Antsohihy ist der Ausgangspunkt für eine erlebnisreiche Bootsfahrt an der Nordwestküste Madagaskars. Diese abwechslungsreiche Fahrt dauert etwa 3 Stunden, bis man den Küstenort Analalava erreicht.

Das Fischerdorf Analalava (was wörtlich bedeutet: “wo die Bäume gross wachsen“) liegt abseits des grossen Trubels und ist ein abgeschiedener Ort für Ruhesuchende, also sehr geeignet zum Entspannen und zum Faulenzen. Wegen seiner Abgeschiedenheit und seiner herrlichen Lage am Indischen Ozean und am Mündungsdelta des Loza, ist es ein beliebtes Ausflugsziel für Abenteurer.

Schon auf der Bootsfahrt hat man einen Einblick in den Alltag der Sakalava-Volksgruppen oder „das Volk des langen Tales“. Diese Ethnie ist dunkelhäutig mit lockigen Haaren und polynesischen Zügen. Sie war einst der grösste und mächtigste Stamm im Norden und ist zum Teil Zebuzüchter. Ihr Reichtum wird nach der Stückzahl der Zebus, die sie besitzen, berechnet. Bemerkenswert ist, dass die Sakalava-Frauen hier eine deutlich wichtigere Stellung haben als die der anderen Küstenbewohner.

Das Siedlungsgebiet der Sakalava umfasst die gesamte Westküste am Kanal von Mosambik zwischen Morondava und Majunga und weiter gegen Norden bis zur Insel Nosy Be. An der Küste lebt die Mehrheit der Sakalava von der Fischerei. In der Region Ambanja findet man aber auch grosse Kaffee- und Kakaoplantagen.


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Nosy Lava Gefängnisinsel
Der Fluss Loza
(wörtlich bedeutet dies „der gefährliche Fluss“) dessen Ufer von Mangrovenbäumen gesäumt ist, dient in erster Linie als wichtige Wasserstrasse für den Warentransport der Einheimischen. Das Fischerdorf Analalava liegt nämlich abseits der grossen Stadt und die Dorfbewohner müssen die Lebensmittel und alles, was sie im Alltag brauchen, im Städtchen Antsohihy kaufen. Speiseöl, Petroleum, Reissäcke, Bierkisten aber auch Matratzen, Möbelstücke, sogar Hühner usw. liegen immer auf dem Deck der “Wasser-Taxis“.

Die Reisenden bevorzugen aber eine Bootsfahrt mit einem privaten Boot. Zu Beginn der Reise ist der Fluss kaum 10 m breit, doch schon nach ein paar Minuten Fahrt weitet er sich dann nach und nach auf 200 m. Ab und zu sind Einbuchtungen auszumachen in denen die Einbäume oder Pirogen der Einheimischen, die hier üblich sind, an Land gehen können, Dörfer sind aber vom Fluss aus kaum zu sehen!

Nach ca. 60 km nimmt der Fluss nochmals massiv an Breite zu, und das Flusswasser wird immer bewegter, denn der Fluss Loza nähert sich dem Kanal von Mozambik und dem kleinen Hafen von Analalava ein.

Nosy Lava Gefängnisinsel
Früher, während der Kolonialzeit war Analalava ein wichtiger Hafen zwischen Mahajanga und Antsahampano. Der Ort galt damals als ein grosses Verwaltungszentrum an der Nordwestküste. Spuren der Kolonialzeit sind bis heute noch die Ruinen der Kolonialgebäude und der alte Leuchtturm.

Nach dieser langen Bootsfahrt möchten die Reisenden endlich wieder festen Boden unter den Füssen haben und das Fischerdorf erkunden. In Begleitung eines ortskundigen Führers erfährt man mehr über die historischen Gegebenheiten von Analalava und seiner Umgebung. Der schöne Spaziergang durch den Wald ist eine willkommene Abwechslung und Erfrischung und führt zu einem Trampelpfad, der entlang eines kleinen Rinnsals verläuft.

Nach ca. 30 Minuten Marsch erreicht man einen herrlichen Wasserfall von etwa 2 m Höhe. In dem kleinen natürlichen Wasserbecken kann man sich erfrischen, also bitte Badeanzug nicht vergessen!

Der Küstenort Analalava liegt schön an der Mündung des Fluss Loza auf einer Halbinsel und ist ein guter Ausgangspunkt für Tagesausflüge ins Umland und zu den vielen vorgelagerten Inseln, von den die berühmte Insel Nosy Lava am interessanten ist.

Das Eiland Nosy Lava (wörtlich bedeutet dies „die lange Insel“) ist 8 km breit und 12 km lang. Sie liegt mit ein paar Dörfern gegenüber der Stadt Analalava und die Bootsfahrt dauert ca. 2 Stunden. Mit dem türkisfarbenen Wasser, den schattenspendenden Kokospalmen, dem feinen Sandstrand und den weissen Kalksteinfelsen hat sie alles, was ein kleines Naturparadies anzubieten hat.

Die Insel war seit dem 17. Jahrhundert ein Fischfanggebiet, ein Handelsposten und ein Zwischenstopp für ausländische Boote. Sie war auch ein Zufluchtsort für die Sakalava-Krieger, als sie einen Krieg gegen eine andere ethnische Gruppe in der nordwestlichen Region Madagaskars geführt hatten.

Im dem 18. Jahrhundert war die Insel ein Refugium für Piraten und Aufständische.

Nosy Lava Gefängnisinsel
Ab 1911 bis 2000 diente die Insel als Gefängnisstandort der Kolonialmacht. Gesetzlose und Schwerverbrecher, aber auch politische Gefangene aus der Hauptstadt wurden hierher gebracht. Beim grossen Aufstand gegen die Kolonialmacht im Jahre 1947 wurden auch die Antikolonialisten nach Nosy Lava versetzt.

Bis 700 Inhaftierte lebten auf Nosy Lava. Heute leben auf dieser einsamen Insel noch immer ein paar Gefangene, die mehr und mehr sich selbst überlassen wurden. Einige leben jetzt frei, zusammen mit den Sakalava-Einwohnern. Wegen Geldmangels können sie leider die Insel nicht mehr verlassen, so führen sie ein normales Leben und einige haben sogar Familien gegründet. Sie leben vom Fischfang oder arbeiten als Guides für die Besucher und führen die Gäste durch die Ruinen des Gefängnisses, zeigen die Sehenswürdigkeit der Insel oder führen sie zum Leuchtturm, auf dessen Spitze sich ein grandioser Panoramablick auf die gesamte Insel bietet.

Der Besuch dieser geschichtsträchtigen Gefängnisinsel lässt die Besucher in die Vergangenheit schweifen und in die schwere Zeit mit den damaligen Lebensbedingungen der Insassen eintauchen. Die Haftanstalt liegt heute in Trümmern, nur die zerfallenden Kolonialgebäude aus besserer Zeit stehen noch. Auch die herrliche Lage im Mündungsgebiet des Loza und die unendliche Ruhe sind bis heute geblieben.


Frankreich unterhielt mehrere Straflager. Das bekannteste war wohl in Guyana. ein Roman und die Verfilmung davon machten die Strafinsel weltberühmt. Mehr dazu Papillon


Nosy Lava Gefängnisinsel
Heute ist die Insel Nosy Lava am Eingang der Narinda-Bucht, südlich der Insel Nosy Saba ein wunderbarer Ort, um die Seele baumeln zu lassen, auch zum Sonnen, zum Baden und zum Entspannen.

Ihre NachbarInsel Nosy Saba ist von einem Korallenriff umgeben und liegt etwa 30 km nördlich des Fischerdorfes Analalava, ein Paradies für Taucher und Schnorchler mit endlosen, weitläufigen Sandstränden. Zelten unter den tropischen Bäumen ist auf dieser erholsamen Insel möglich, aber Proviant muss man von Analalava mitnehmen. Auf der Insel liegt auch das teure Luxushotel Nosy Saba mit allen Annehmlichkeiten, ist aber bestimmt für anspruchsvolle Reisegäste.

November 2020, geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Majunga – Antsohihy

1800  Majunga – Antsohihy

Diese ca. 450 km lange Autofahrt über die Nationalstrassen Nummer 4 und Nummer 6 mit vielen interessanten und abwechslungsreichen Landschaften führt uns zur nächsten grossen Stadt Antsohihy und dabei werden wir einen authentischen Einblick in das Leben des Tsimihety Volkstammes werfen.

 

Um zur Nordspitze von Madagaskar zu gelangen, müssen wir von Mahajanga aus ca. 160 km zurück bis zum Kleinstädtchen Ambondromamy fahren. Dieser Ort ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, hierher strömen die Bewohner der Umgebung, um ihre Produkte aller Art zu verkaufen oder auch Lebensmittel für den Alltag einzukaufen. Der Markttag ist immer auch ein grosses Sozialereignis während der Woche in diesen abgelegenen Gegenden, wo sich die Familien mit den Bekannten oder mit den Nachbarn über die Tagesaktualitäten unterhalten. Von hier aus führt die Nationalstrasse 6 Richtung Norden weiter.

Bei der Fahrt auf der Nationalstrasse Nr. 6 zeigt sich dieses Nordgebiet in seiner ganzen Vielfältigkeit, die weitläufigen Savannen mit einigen Bäumen oder auch die Reis- und Maniokfelder.

Majunga – Antsohihy
Nach 85 Kilometern erreichen wir die Stadt Mampikony, eine Stadt inmitten eines feuchten, grünen und fruchtbaren Tals, sehr bekannt als die Stadt des Zwiebelanbaus im Norden. Während der Erntezeit wird die Zwiebeln überall auf Dächern, am Rand der Strasse oder vor den Häusern in der Sonne getrocknet.

Zwiebel heisst „tongolo“, dieses Wort stammt wahrscheinlich aus dem Swahili-Wort „Kitunguu“. Zwiebeln wurden in Madagaskar im 15. Jahrhundert von den arabischen Händlern eingeführt und nehmen seither eine wichtige Rolle in der madagassischen Küche ein.

Es sind vor allem die Sorten “Noflaye-“ und “Menakely-Zwiebeln“ (oder Rote Zwiebeln), die hier angebaut werden. Diese beiden Sorten erschienen in den 1930er Jahren in dieser Region, sie schmecken gut und sind bei den Einheimischen sehr beliebt.

In Madagaskar gibt es noch weitere Sorten. Die grosse rote Zwiebel nennen sie „tongolon i Egypta“, in Anlehnung an die Geschichte in der Bibel wo die Sklavenarbeiter während der Pharaonen-Zeit bei der schweren Arbeit viele Zwiebeln gegessen haben sollen.

Knoblauch bedeutet auf madagassisch Tongolo gasy, wörtlich bedeutet dies “madagassische Zwiebel“.

Zwiebeln werden neben den frischen Tomaten überall auf den vielen Märkten verkauft und sind die beliebteste Zutat für die madagassische Sosse.

In fast allen Garküchen und Essenständen in Madagaskar (Hotely gasy auf madagassisch) werden die Zebu-, Schwein- und Hühnergerichte oder der Fisch immer mit Zwiebeln und Tomatensauce zubereitet und serviert. Beide Zutaten kosten nicht viel, werden überall verkauft und sind einfach und schnell zubereitet. Zwiebeln werden auch roh gegessen und sind eine wichtige Zutat für den Salat, gemischt mit Ingwer und grünen Kräutern.

Die Zwiebel hat auch viele therapeutische Eigenschaften: Sie ist das wichtigste Heilmittel gegen Grippe und Husten (gemischt mit Honig) und sehr wirksam gegen Insekten- und Mückenstiche. Sie wird auch in der Schönheitspflege eingesetzt und wirke gegen Haarausfall.


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Majunga – Antsohihy
Die Fahrt geht weiter durch eine weite und fruchtbare Ebene und nach ca. 82 km erreichen wir die Stadt mit dem Doppelnamen Port Bergé auf französisch und Boriziny auf madagassisch. Beide Namen sind noch immer gebräuchlich. Für die Betsimisaraka-Buschmänner ist das “boriziny“ ein kurzstieliges und langes Messer, das sie bei der Feldarbeit und beim Holzfällen häufig benutzen.

Rund um der Stadt Port Bergé liegen grosse Reis-, Mais-, Baumwoll- und Tabakfelder. Diese Produkte gedeihen sehr gut in diesem trockenwarmen Klima.

Tabak wurde im 17. Jahrhundert von den portugiesischen Seefahrern nach Madagaskar eingeführt. Die grossen Tabakfarmen (auch Familienbetriebe) im Nordwesten der Insel befinden sich hier in der Region Mampikony. Man findet sie aber auch im mittleren Westen rund um Miandrivazo.

Vor der Kolonialzeit rauchten die Sakalava und die Tsimihety noch nicht, da sie die Zigaretten noch nicht kannten. Sie kauten damals einen speziellen Tabak gemischt mit Holzasche und somit reich an Pottasche.

Der Bezirk Boriziny ist von einem sanften grünen Tal umgeben. Diese Ebene wird von 3 langen Flüssen bewässert und zwar vom Sofia mit 456 km, dem Anjombony mit 320 km und letztendlich dem Bemarivo mit 280 km. Dank des reichlichen Wassers werden Reis, Maniok, Mais, Kartoffeln, Erdnüsse, Bohnen, etc. vor allem für den Eigenbedarf in diesem fruchtbaren Gebiet angebaut.

Rund um der Region Port Bergé ist der Tsimihety-Volkstamm angesiedelt. Tsimihety bedeutet wörtlich “jene, die sich die Haare nicht schneiden“. Zum Schutz vor den Merina hatten sie im 19. Jahrhundert eine enge Verbindung mit der französischen Kolonialmacht geschlossen. Trotzdem haben sie ihren festen Glauben an die Naturgötter bewahrt. Während der Königszeit wollte sich diese Volksgruppe von den Merina-Truppen nicht unterwerfen lassen, als diese Armee des Königs Radama I. vom Hochland aus das Gebiet an der Nordwestküste erobern wollte. Es war damals Sitte, dass die Männer ihr Haar schneiden, wenn das Volk um den König trauerte. Doch als der herrschsüchtige König Radama starb, weigerten sie sich, diese alte Sitte zu befolgen. Sie liessen ihr Haar wachsen, um ihren Widerstand und ihre Eigenmächtigkeit gegenüber der Merina-Ethnie zu zeigen.

Diese Tsimihety waren Nachkommen von europäischen Piraten, die an den Küsten Madagaskars landeten. Sie galten auch als ein besonders selbständiger Stamm und wollten sich auch nicht von den anderen ethnischen Gruppen wie den “Sakalava“ im Norden und den “Betsimisaraka“ im Osten vereinnahmen lassen. Sie zählen zu den grössten Reisbauern und Viehzüchter, da Ihr Siedlungsgebiet im nördlichen Binnenland ziemlich fruchtbar ist.

Majunga – Antsohihy
Erwähnenswert ist zum Beispiel, dass der erste madagassische Staatspräsident der ersten Republik zwischen 1970 bis 1972 der Sozialdemokrat Philibert Tsiranana ein Tsimihety war. Madagaskar orientierte sich im Jahre 1960 nach der Unabhängigkeit immer noch stark an der Kolonialmacht Frankreich, da viele Franzosen das Land noch nicht verlassen hatten und noch Ansprüche auf Macht und Besitz auf der Insel stellten.

Das Umland von Port-Bergé wie Mandritsara, Antsohihy, Befandriana und Bealanana begrenzen das Territorium dieser Volksgruppe. Im Vergleich zu anderen Volksgruppen sind die Tsimihety-Hirten sehr bekannt für ihre Wanderbewegungen.

Die Landschaft ist von einer relativ trockenen Vegetation mit den typischen Bismarck-Palmen (Bismarckia Nobilis) auf madagassisch die Satrana-Palmen geprägt. Ihre Blätter werden, so wie bei den Ravinala (oder Baum der Reisenden), zum Hausbau und für Dächer benutzt.

Grosse Kapok- und Mangobäume säumen den Weg entlang der Nationalstrasse Nr. 6.

Die schönen und dekorativen “Raphiapalmen“ (Raphia farifinera), auch Bastpalmen genannt, wachsen auch in dieser nördlichen Region. Raphia ist eigentlich eines von madagassischen Wörtern, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat. Von den jungen noch nicht entfalteten Blättern dieser riesigen Palmen gewinnt man den Bast. Die Bastfasern werden von den Frauen an der Küste gesammelt und dann versponnen, geflochten oder verwoben, ein wichtiges Material für die üblichen Flechtarbeiten wie Strohhüte, Körbe oder Untersetzer, die später auch mit Naturfarben gefärbt werden.

Bei der Weiterfahrt auf der Nationalstrasse 6 Richtung Nordosten überqueren wir die lange Brücke über den Sofia-Fluss und nach ca. 2 Stunden erreichen wir das Kleinstädtchen Antsohihy, ca. 122 km von Boriziny entfernt.

Der Stadtname Antsohihy heisst wörtlich wo viele “Sohihy Bäume“ wachsen. Die Baumart „Sohihy“ (Adina microcephala-Rubiacées) wuchs früher sehr häufig in dieser Gegend und die Tsimihety und Sakalava Fischer haben damit schöne Boote hergestellt.

Majunga – Antsohihy
Die Namen der verschiedenen Ortschaften in Madagaskar beschreiben die Eigenschaften oder die Einzigartigkeit der Orte. In der Stadt Antsohihy heisst zum Beispiel ein Viertel Ambalakida. Im Tsimihety- Dialekt heisst “Kida“ Banane, denn in dieser Wohngegend wachsen viele Bananenstauden.

Ein anderer Stadtteil heisst “Ankiririky“, dieser Name kommt vom Wort „mikiririky“, dieses madagassische Verb bedeutet „fliessen“ denn ein langer Fluss durchquert dieses kleine Dorf.

Von Antsohihy gelangt man auch an die Nordwestküste bis Analalava, ein schöner und abgeschiedener Ort zum Entspannen fernab allen Trubels. Das ruhige Dorf liegt 75 km westlich von Antsohihy, sehr idyllisch an der Loza-Flussmündung.

Die schlechte Piste ist nur mit Geländewagen während der Trockenzeit befahrbar. Die Reisenden können auch eine zweite Reisevariante wählen, indem sie die schöne und entspannende Bootsfahrt auf dem Fluss “Loza“ und entlang den Mangrovensümpfen bis zum Dorf Analalava nehmen.

Dieses Ausflugziel führt zu neuen Abenteuern auf die vorgelagerten Inseln, von denen die berühmte Insel Nosy Lava (ein ehemaliger Gefängnisstandort) am interessantesten ist.

November 2020; geschrieben von Michael, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Mahajanga Madagaskar

1740 – Die Stadt Mahajanga und Umgebung

Die Hafenstadt an der Nordwestküste Madagaskars liegt ca. 620 km von Antananarivo entfernt und ist am schnellsten mit dem Flugzeug zu erreichen, von der Parfüminsel Nosy Be aus kann man Mahajanga mit dem Schiff erreichen und von der Nordspitze der Insel gelangt man über die RN6 in die Blumenstadt mit warmem, trockenem Westküstenklima.

Der Stadtname Mahajanga (auf Französisch Majunga) stammt aus dem arabischen Wort “Mji Angaya“, wörtlich übersetzt bedeutet dies die Blumenstadt. Die zweite Version berichtet über die Geschichte des damaligen Sakalavakönigs Andriamandisoarivo im 18. Jahrhundert, der an einer unbekannten Krankheit litt und glücklicherweise an diesem Ort geheilt wurde. Seither heisst die Stadt “Maha Janga“ und gemäss dem Dialekt des hier lebenden Sakalava-Stamms heisst dies “das, was gesund macht“.

Der einst kleine Fischerhafen wurde seit der Ankunft der vielen Einwanderer ein reges Handelszentrum von indischen und arabischen Kaufleuten. Sie tauschten Geschirr, Stoffe und Werkzeuge gegen Häute, Edelsteine und Gold. Der gute Hafen war ideal für die Ausfuhr von Gewürzen, Edelsteinen, Reis und verschiedener Lebensmittel und auch für die Einfuhr von den kostbaren Perlen, Waffen und Gewehren aus den Nachbarinseln Komoren, Mauritius und La Réunion. Auch der Sklavenhandel war ein blühendes Geschäft der arabischen Seefahrer an der Nordwestküste. Die Gastfreundschaft der Einheimischen ermutigte viele von ihnen, Madagaskar zu ihrer neuen Heimat zu machen.

Mahajanga Madagaskar
Da die beiden langen Flüssen Ikopa und Betsiboka aus dem Hochland reichlich Schlamm mit sich führten, wurde das Umland rund um diese Hafenstadt fruchtbar, so entwickelte sich Mahajanga während der Kolonialzeit zu einem grossen Wirtschaftszentrum. Grosse Reisanbaugebiet, sowie ausgedehnte Baumwoll-, Tabak-, Mais- und Zuckerrohrplantagen entstanden in der Nähe der Stadt Marovoay und der Mündungsebene des Betsiboka. Mahajanga wurde später eine recht blühende Stadt, so dass auch viele Geschäftsleute aus Nordindien (die sogenannten “Karana“) und Komorer aus der Nachbarinsel im Laufe der Jahre sich in dieser wichtigen Hafenstadt ansiedelten.

Heute verkehren immer noch viele Handelsschiffe zwischen Mahajanga und den Inseln Komoren und Mayotte, auch aus Afrika und Europa sowie aus Asien. Mahajanga gilt als die grösste Hafenstadt an der Westküste und von dort werden gefrorenes wie auch Frischfleisch, sowie die landwirtschaftlichen Produkte des Nordens zu den anderen Hafenstädten der Insel verschifft.

Wegen dieses einstigen und langjährigen Handelsknotenpunktes ist Mahajanga eine bunte und internationale Stadt geworden. Die komorisch-arabischen und indischen sowie die Swahili Einflüsse aus Afrika sind überall immer noch spürbar. Viele Kolonialgebäude haben schöne Türen mit geschnitzten Motiven. Fremde “Dhaus“, meistens aus Arabien, liegen immer noch im Hafen, viele Moscheen von indischen Händlern und von den vielen eingewanderten Komorern überragen die Gebäude in vielen Quartieren und der lebhafte und lärmende Markt mit bunten Gemüse und Obst erinnert in vielen Stadtteilen an afrikanische Länder.

Aus diesen mannigfaltigen Gründen gilt Mahajanga als eine multikulturelle und eine kosmopolitische Stadt. Die Sakalava-Ethnie, wörtlich übersetzt das „Volk aus den langen Tälern“ an der Nordwestküste zeigt im Aussehen deutlich afrikanische Züge und lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft und der traditionellen Viehzucht im Binnenland. Viele Küstenbewohner leben vom Fischfang oder sind Seefahrer.


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Mahajanga Madagaskar
Bei einer Fahrt oder einem Bummel durch das Stadtzentrums hat man einen guten Überblick über die Architektur der Häuser im indischen Stil und die vielen Gebäude, die aus der Kolonialzeit stammen, wie das auffallende Rathaus (Hôtel de Ville), das alte Postamt, die eindrucksvolle katholische Kathedrale, die vielen Hotels und Restaurants, die verschiedenen Kaufhäuser und zahlreichen Moscheen…. Die Stadt ist extrem weitläufig, so ist es empfehlenswert bei der andauernden Hitze ein gelbes Tuk Tuk zu besteigen. Seit wenigen Jahren sind nämlich die “Pousse Pousse“, die von Menschen gezogenen “Rikschas“ durch das öffentliche Verkehrsmittel “Tuk Tuk“ verdrängt worden. Bei diesen dreirädrigen Motor-Rikschas sitzt der Fahrer vorne in einer Kabine. Das planenbedeckte Gefährt wird durch einen Motorradmotor angetrieben und wie bei einem Motoroller mit einer Lenkstange gesteuert.

Die Altstadt liegt im Bereich des Hafens und dort herrscht den ganzen Tag ein reger Betrieb, sobald ein Schiff, ein Ruderboot oder ein Segelfrachter anlegt und die Hafenarbeiter die Waren löschen oder in die Schiffe laden. Hier kann man sich die Zeit vertreiben und spazieren gehen und die besondere Stimmung des Hafenlebens auf sich wirken lassen. Schon vor Sonnenuntergang treffen sich die Einheimischen, die Besucher aus der Hauptstadt sowie die fremden Reisenden am breiten Strand von Amborovy (“Plage du Grand Pavois“) oder an den traumhaften, weitläufigen Sandstränden von Antsanitia, die zum Sonnen, Baden und Relaxen einladen. Hier lassen sich die Besucher in den zahlreichen Garküchen die verschiedenen madagassischen Spezialitäten schmecken. Der Hafengeruch vermischt sich mit den duftenden gebratenen Fleischspiessen (oder „Brochettes) von Zebus, Fisch, Garnelen… Erwähnenswert sind die scharf gewürzten Speisen und Beignets mit Pili Pili Sosse und die wohlschmeckenden Gerichte mit „Curry“ und Gelbwurzel, die durch die Kultur der seit über 100 Jahren hier lebenden Inder stark geprägt ist.

Bemerkenswert ist die gelbe Gesichtsmaske, die die Frauen in der Stadt sowie auf dem Land tagsüber tragen, eine Schönheitspflege die zugleich vor der brütenden Hitze schützt.

Mahajanga Madagaskar
Etwa 20 km nördlich von Mahajanga / Majunga liegt in Abgeschiedenheit ein langer Sandstrand mit schönen einladenden Unterkünften: das Antsanitia Resort, ein Geheimtipp für Sonnenanbeter, hier findet man tropisches Flair pur.

Nicht weit vom Geschäftszentrum entfernt steht der imposante Baobab von Mahajanga. Dieser auffällige Riesenbaum ist das Wahrzeichen von Mahajanga und ist wohl die schönste Attraktion der Stadt. Der heilige Affenbrotbaum “Adansonia digitata“ imponiert durch den enormen Umfang seines Stammes und mit einem geschätzten Alter von 800 bis 1000 Jahren steht er mitten in einem Strassenkreisel. Der Digitata ist die einzige Art, die nicht endemisch ist, sondern aus Ostafrika stammt.

Auf dem Universitätsgelände Ambondrona, nordöstlich des Zentrums liegt das Museum Akiba. Dieses Museum informiert über die lange Geschichte der Region, über die Kultur der Volksgruppe der Sakalava und über die eigenartige Natur der Region. Hier kann man die Fossilien und Knochen der einst hier lebenden Dinosaurier betrachten. Auch die Informationen über die Pflanzen und die Geologie der „roten Insel“ mit dem allgegenwärtigen blutroten Lateritboden und besonders über die interessanten Sehenswürdigkeiten rund um Mahajanga darf man nicht versäumen.

Mahajanga Madagaskar
Ungefähr 3 km nördlich des Flughafens befindet sich das „Cirque Rouge“, ein ca. 40 ha grosses Gebiet mit aussergewöhnlichen Sedimentformationen, wo der Wind und der Regen eine Art Canyon mit bizarrer Farbgebung geschaffen hat. Ein Besuch dieser Sedimentformationen aus Kalk und Sandstein, in dem einst Dinosaurier lebten, ist empfehlenswert schon wegen dem eindrucksvollen Farbenspiel bei Sonnenuntergang. Dieser Halbtagsausflug sollte man am Nachmittag unternehmen, wenn die untergehende Sonne das farbige bizarr geformte Gestein in verschiedenen Rottönen und mit vielen Canyons und Säulen anstrahlt, ein einmaliges Farbenspiel! Aus den verschiedenfarbigen Sandsorten zaubern die Einheimischen schöne Bilder oder Landschaft in Flaschen – ein schönes Mitbringsel für zu Hause.

Der See Mangatsa ausserhalb der Stadt ist ebenfalls eine Attraktion. Er liegt auch auf dem Weg zum Flughafen, so lässt sich dieser Ausflug gut mit dem Besuch des Cirque rouge kombinieren. Im kristallklaren Wasser schwimmen grossen Karpfen und andere Süsswasserfische, die gefüttert werden könnten. Doch Fischen und Schwimmen sind hier Tabu oder “fady“, da die Einheimischen eine Ehrfurcht vor den “heiligen Fischen“ haben und diese als die Reinkarnationen ihrer Vorfahren betrachten. In der Umgebung wachsen auch heilige Bäumen und der ortskundige Führer berichtet den Besuchern gern über die vielfältige Kultur der Sakalava-Bevölkerungsgruppe.

Die Blumenstadt Mahajanga zählt zu den besten Urlaubszielen mit seinem trockenen und heissen Klima und ist ein guter Ausgangspunkt für verschiedenen Ausflugsmöglichkeiten: endlose und ruhige Stränden für die Urlauber, schöne Trockenwaldreservate mit Baobabwälder, riesige Grotten mit beeindruckenden Tropfsteinen und der einzigartige Nationalpark Tsingy de Namoroka mit spektakulären Karstformationen und spitzen Felsennadeln. Ein besonderes Erlebnis für abenteuerlustige Reisende …

Oktober 2020;  Geschrieben von: Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ankarafantsika – Mahajanga

1730 – Nationalpark von Ankarafantsika – Mahajanga

 Heute fahren wir vom Ankarafantsika Nationalpark bis zur Hafenstadt Mahajanga. Das sind 115 km auf der gut asphaltierten Nationalstrasse Nummer 4. Die lebendige Stadt Mahajanga liegt schön an der breiten Mündung des 525 km langen Betsiboka Flusses, eine sehr kosmopolitische Stadt, und es lohnt sich hier ein paar Tage länger zu verweilen und den madagassischen Nordwesten zu erkunden.

 Die nordwestliche Landschaft zwischen dem Nationalpark von Ankarafantsika und Mahajanga ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Die wichtige Bezirkshauptstadt Marovoay liegt ca. 83 km südöstlich von Mahajanga und dieser Ortsname bedeutet wörtlich “wo es viele Krokodile gibt“. Sie liegt im Betsiboka-Mündungsgebiet, wo tatsächlich heute noch viele Nilkrokodile leben.

Dieses Kleinstädtchen ist die ehemalige Hauptstadt des Sakalava-Königreichs oder das Reich der Sakalava Boina von 1690 bis 1745.

Ankarafantsika – Mahajanga
Bis 1800 war Mahajanga dank des geschützten Hafens ein günstiger Ladeplatz im Nordwesten, deswegen ein günstiges und ein grosses Handelszentrum mit den Komoren, den afrikanischen und den arabischen Ländern. Im 18. Jahrhundert kämpfte auch das Sakalava-Volk gegen den Expansionsdrang der Merina-Volksgruppe.

Während der Kolonialzeit war Mahajanga eine gepflegte Kleinstadt mit Palmenalleen und Gärten. Sie war auch damals eine bedeutende Hafenstadt, wo Import- und Exportprodukte auf dem Wasserweg zu den nahegelegenen kleinen Städten weitertransportiert wurden. Auch heute noch transportieren einzelne Frachter oder grosse Boote die Landwirtschaftsprodukte wie Tabak, Reis, Erdnüsse und auch Meeresprodukte wie frische oder getrockneten Fische, Krabben, Garnelen oder auch Salz auf dem Betsiboka oder übers Meer.

In den Schwemmland- und Mündungsebenen in der Umgebung von Marovoay und Mahajunga wird Reis angebaut und auf den fruchtbaren Böden in der Nähe der grossen Flüssen werden Tabak, Baumwolle, Erd- oder Cashew-Nüsse, Zuckerrohr, Früchte , meist für den Eigenbedarf eingepflanzt. Der lange Betsiboka-Fluss durchfliesst auf weiten Strecken die Gegend an der Nordwestküste und weitet sich dann zur riesigen Bombetoka-Bay am Kanal von Mozambik. Der Fluss Betsibokabedeutet wörtlich: “viele, die nicht an der Leprakrankheit leiden“, im übertragenen Sinn bedeutet dies: wer zusammen schwimmt bzw. wer zusammensteht, dem kann nichts passieren, ein Ausspruch, der auf die Solidarität und den Zusammenhalt der Madagassen hinweist, wenn sie mit Schwierigkeiten konfrontiert sind.

Ankarafantsika – Mahajanga
Der Betsiboka-Fluss ist sehr bekannt wegen seiner rotbraunen Farbe, die durch den Erosionsschlick verursacht wird. Dieser Schlick landet schliesslich als Sediment im Kanal von Mozambik. In den letzten 50 Jahren hat offenbar die Erosion des Betsiboka stark zugenommen. Besonders während Zyklonen, aber auch während der Regenzeit reisst der Fluss immer mehr Erde (Laterit) mit. Bei einem Flug über das Mündungsgebiet kann man das rot gefärbte Wasser bis weit ins Meer hinaus sehen. Durch die riesigen Anschwemmungen des Betsiboka ist der Hafen von Mahajange leider ernstlich bedroht. Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte sich das fruchtbare Mündungsgebiet am Betsiboka Fluss zu einem riesigen Reisanbaugebiet, so dass die Stadt Marovoay zu jener Zeit mit Hilfe der deutschen Entwicklungshilfe zu einem Zentrum des Reisanbaus an der Nordwestküste wurde.

Sakalava“ bedeutet auf Deutsch “die aus den langen Tälern“ und ihr weitläufiges Siedlungsgebiet liegt in einem grossen Gebiet im westlichen Teil Madagaskars zwischen den beiden Grosstädten Mahajanga und Morondava. Die Sakalava besitzen grosse Rinderherden, die sie tagsüber in den weiten Tälern weiden lassen und abends in Koppeln in der Nähe des Dorfes treiben. In der Nähe dieser Zebukoppel gibt es grosse Bäume, wo sich die weissen Kuhreiher aufhalten und nisten, daher kommt der ursprüngliche Name des Dorfs “Ankazomboromalandy“ wörtlich bedeutet dies “der Baum mit den weissen Vögeln“.

Das grosse Dorf Ankazomborona liegt ca. 6 km westlich der Nationalstrasse NR 4 auf dem Weg nach Mahajanga und die Dorfbewohner leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, von der Rinderzucht und auch vom Fischfang.

Zusammen mit dem anderen Volkstamm der Bara haben die Sakalava viel Ähnlichkeit mit der Kultur der Afrikanern, einschliesslich des sogenannte Tromba-Rituals oder “des Besessenheitskults“, bei dem eine Person (insbesondere Frauen) als Medium bzw. in Trance Kontakt zu den Ahnen aufnimmt und die Wünsche der Verstorbenen den Nachfahren und allen Anwesenden übermittelt.

Auch das Ritual der “Blutsbrüderschaft“ wird bei den Sakalava bis heute noch praktiziert, bei dem 2 Männer an der Brust geritzt werden. Das austretende Blut wird miteinander gemischt und von den beiden getrunken. Von nun an haben die beiden eine sehr enge Beziehung zueinander, die noch stärker als die Bruderliebe sei. Sie sind bis zum Lebensende verpflichtet, einander beizustehen.


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Ankarafantsika – Mahajanga
Unweit der Stadt Majunga liegt die Grabstätte des ehemaligen Sakalava-Königs Andriamisara, dem Gründer der ethnischen Volksgruppe der Sakalava im 17. Jahrhundert. Für seine Nachfahren ist er noch immer der Vermittler zwischen Gott und den Lebenden. “Doany“ heisst auf madagassisch “die Königsgräber“. Hier betreiben die Nachfahren, aber auch viele Sakalava, einen Ahnenkult. Diese heiligen Königsgräber sind heute noch wichtige und beliebte Wallfahrtsorte. Die königlichen Reliquien wie Haare, Fingernägel und Zähne werden mit einer Mischung aus Wasser und Honig gereinigt und seit Jahren als Kultobjekte verehrt. Diese sogenannte Badezeremonie oder “Fanompoambe“ der Könige dauert ca. 8 Tage und ist mit einem grossen Fest verbunden. Sie zieht viele Leute aller Religionen an, und stärkt die Zusammengehörigkeit der Sakalava-Ethnien untereinander, aber auch die Solidarität mit anderen Volksgruppen.

Nach ein paar Stunden erreichen wir die Hafenstadt Mahajanga, dessen Name aus dem arabischen Dialekt stammt: “Mji angaia“ wörtlich übersetzt bedeutet dies “die Stadt der Blumen“. Die zweite Bedeutung von Mahajanga heisst “Das, was gesund macht“.

Die Franzosen haben die Stadt später in “Majunga“ umbenannt, heute gelten noch beide Namen. Manchmal wird auch Mahajunga geschrieben. so klar ist der Ortsnamen letztendlich nicht.

Ankarafantsika – Mahajanga
Diese nördliche Region weist heute ein bemerkenswert kosmopolitisches Bevölkerungsgemisch auf: Viele “Antakarana“ (der Stamm aus dem Ankarana Gebiet im Norden) und die „Tsimihety“ (der Stamm “die sich die Haare nicht schneiden“, auch ein Volkstamm aus der Nordregion) haben sich in der Umgebung von Mahajanga niedergelassen. Neben den Madagassen leben hier auch viele Komoren, Nachfahren von indischen Händlern oder arabischen Seefahrern. Viele Franzosen, die hier einst in der Fremdenlegion stationiert waren, wohnen auch noch in der Stadt Mahajanga.

Mahajanga ist ein bedeutender Handelsplatz und bleibt immer noch ein wichtiger Handelsknotenpunkt an der Nordwestküste. Der bunte und lebendige Hafen ist Ausgangspunkt von verschiedenen Schiffs- und Fährlinien zu den Nachbarinseln Nosy Be, Komoren oder Mayotte.

Oktober 2020; geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch