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Antalaha

1620 – Antalaha

Antalaha ist die zweitwichtigste Stadt der Vanille-Region SAVA an der Nordostküste Madagaskar und liegt nördlich der Masoala-Halbinsel.

Diese kleine Vanillestadt am Indischen Ozean ist per Flugzeug ab der Hauptstadt Antananarivo gut oder per Autofahrt nur sehr umständlich über die RN 5a erreichbar.

Antalaha bedeutet wörtlich übersetzt „wo es viel Wasser gibt“. Früher war diese malerische Stadt nur ein unbedeutendes und ärmliches Dorf wie viele andere Dörfer in Madagaskar. Die Familien bauten wenige Gemüse an und verfügten nur über ein paar Rinder. Die Franzosen brachten dann die Vanille aus Réunion in dieses Gebiet, denn die weltweite Nachfrage von Vanille stieg immer weiter an.

Antalaha
So wurde dieser kleine Ort zusammen mit Sambava als “Welthauptstadt der Vanille“ bezeichnet, denn etwa 70% der Vanille der ganzen Welt stammten von hier. Die süsslich duftende schwarze Schote ist eine der Haupteinnahmequellen von Antalaha. Leider sind die grossen und reichen Zeiten der Vanille vorbei. Wegen der wiederkehrenden Zyklone wurden die Anbaugebiete immer wieder zerstört und dadurch der Absatz unregelmässig. Aber noch immer leben fast alle Kleinbauern in dieser Gegend von der Vanilleproduktion und Vanille ist eines der wichtigsten Exportprodukte der grossen Insel.

Die Erntezeit der Vanilleschoten fällt in die Monate Juni bis August. Die Schoten werden mit einem Nagelstempel markiert, damit sie nicht gestohlen werden können. Die meisten Bauern liefern ihre Schoten einem grösseren Verarbeiter, denn die Aufbereitung bis zur handelsfertigen Vanille ist aufwändig. Zuerst müssen die grünen Schoten in ca. 70°C heissem Wasser für einige Minuten gebrüht werden. Dann kommen sie für ca. einen Tag in eine isolierte Kiste, wo der Fermentationsprozess abläuft. Erst jetzt haben die Schoten ihre kastanienbraune Farbe und duften nach Vanille. Jetzt müssen sie aber noch über mehrere Wochen an der Sonne getrocknet werden. Jeden Abend werden sie wieder in Tücher gehüllt, damit die Fermentation noch weiter gehen kann. Zum Schluss werden sie klassiert, sortiert und verpackt.


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Das kleine Reservat “Macolline“ gehört zu den beliebtesten Ausflügen in dieser ruhigen Stadt. Es ist ein privater botanischer Garten, gegründet von der Apothekerin Marie-Hélène Kam-Hyo. Sie erzählt den Besucher gerne von ihren Umwelt- und Lepraprojekten. Das kleine Reservat liegt etwa 3 km nördlich der Stadt Antalaha am Fluss Ankavanana und erstreckt sich über etwa 10 ha. Wer über keine Zeit für ein Trekking durch den Masoala-Nationalpark hat, sollte unbedingt dieses kleine “Open Air- Museum“ besuchen. Die ortskundigen Guides zeigen den Besucher die verschiedenen Heilpflanzen und die etwa 600 Arten von wertvollen Pflanzen sowie diverse Obstbäume. Neben der Vanille blüht hier einmal im Jahr eine seltene Pflanze mit schneeweissen Blüten, die Clerodendrum kamhyoae. Sie gehört zur Gattung der Losbäume oder Lossträucher, wurde erst vor kurzem entdeckt und hat noch keinen deutschen Namen. Sie wurde hier “La Mariée“ oder “die Braut“ genannt und kommt nur hier vor. Das Aufblühen ist ein kleines Naturwunder und die fertigen schneeweissen Blüten prangen an langen Stielen. Natürlich sind auch verschiedene Tiere wie Chamäleons, Schmetterlinge und Lemuren hier zu Hause.

Antalaha
Die Schiffe oder die Dauen sind das übliche Transportmittel zwischen Antalaha und den kleinen Fischerdörfern entlang der Ostküste Madagaskar. Nebst Belo sur Mer bei Morondava gilt Antalaha als ein wichtiges Zentrum für den traditionellen Schiffsbau. Die kleinen lokalen Schiffwerften befinden sie direkt am Strand von Antalaha. Hier werden grosse Holzschiffe in reiner Handarbeit gebaut. Diese traditionelle Handwerkskunst des Schiffbaus haben die Dorfbewohner von den arabischen Einwanderern übernommen.

Neben den schönen und ruhigen Stränden von Antalaha erleben die Reisenden hier auch eine vielseitige Landschaft mit Weilern, Kokos- und verschiedenen grünen Gewürzplantagen. Antalaha ist aber auch Ausgangspunkt für eine erlebnisreiche Trekking-Touren durch den Masoala-Nationalpark oder für abenteuerliche Wanderungen entlang der Vanilleküste.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

SAVA

1600 SAVA

Im Nordosten von Madagaskar befindet sich die Region SAVA. Diese Bezeichnung ist eine Abkürzung der vier wichtigen Städte der Zone: Sambava, Antalaha, Vohémar und Andapa.

SAVA ist ebenfalls der Name der Region. Die frühere Aufteilung Madagaskars in sechs Provinzen wurde ja in den Nuller-Jahren in 22 Regionen umgewandelt. SAVA ist also Teil der ehemaligen Provinz Diego-Suarez (Antsiranana).

Die Region SAVA ist fruchtbar und verfügt über genügend Niederschläge. Das Klima eignet sich hervorragend für den Anbau von Vanille. Daher wird insbesondere Antalaha als Welthauptstadt der Vanille bezeichnet. Doch auch Sambava und Andapa und in geringerem Mass auch Vohémar pflanzen Vanille an. In Vohémar nimmt die Viehzucht jedoch ein grösseres Gewicht ein. (Der kolonialfranzösische Ortsname Vohémar wurde in den nationalistischen Zeiten der 1980er Jahre in Iharana umgetauft. Dies hat sich aber nicht durchgesetzt.)

SAVA ist etwas über 25’000 km2 gross und wird von knapp 2 Mio Leuten (2020) bewohnt. Im Süden gehört die Masoala-Halbinsel dazu und im Westen begrenzt das Tsaratanana-Gebirgsmassiv die Region. Im Tsaratanana-Gebirge erhebt sich der Maromokotro auf 2876 m ü. M. und ist damit der höchste Berg von Madagaskar.

SAVA ist mit Fahrzeugen nur über die RN 5a erreichbar. Die RN 5a führt von Ambilobe über 170 km nach Vohémar: eine abenteuerliche Naturpiste. Schiffstransport spielt eine gewisse Rolle zwischen dem internationalen Hafen von Tamatave (Toamasina) und Antalaha. Doch die Umfahrung der Masoala-Halbinsel ist sehr risikoreich. Sambava hat keinen Hafen. In Vohémar wird Treibstoff angeliefert.

Die Hängebrücke von Maroantsetra

Madagaskar, die Hängebrücke von Maroantsetra
Hängebrücken sind in Madagaskar äusserst selten

Es gibt zwei in den touristischen Kalksteinfelsen der Tsingy. Eine dritte, nämlich die Hängebrücke von Maroantsetra, genannt die Rebellenbrücke, hat ihre ganz eigene Geschichte.

Das Städtchen Maroantsetra ist die Eingangstür zum Masoala: Halbinsel und Nationalpark. Maroantsetra liegt etwas vom Meer zurückversetzt, als ob die vollkommen flache Stadt vor den Wogen des Indischen Ozeans Angst hätte. Ein Fluss führt grossräumig um die Stadt wie eine natürliche Barriere.

Für den Grossraum Masoala im Nordosten von Madagaskar ist Maroantsetra der wichtigste Verwaltungs- und Handelsort. Er ist aber auch der grosse Marktplatz für die vielen Lokalprodukte. Vor allem Vanille wird hier von den Bauern und Aufkäufern über lange Distanzen hergebracht. Hinderlich im Warenverkehr ist der Mangel an Brücken. Die Vanillebauern müssen ihre Ernten auf dem Rücken – oft tagelang – bis zu einem schiffbaren Fluss tragen und dann per Piroge nach Maroantsetra paddeln.

Entlang der feuchten Ostküste Madagaskars verlaufen unzählige Flüsse von den Hügeln hinein ins Meer. Oft nicht direkt.

Meist mäandrieren sie in der Küstenebene und reagieren sogar auf das Atmen von Ebbe und Flut des Indischen Ozeans. In den flachen meeresnahen Gebieten neigen diese Gewässer dazu, breit zu werden und die langsame Fliessgeschwindigkeit ist ein ideales Wohngebiet für Krokodile.

‘So nicht’, sagte der Lokalpolitiker Jose, eher bekannt als Jose Rebel. Er organisierte schlichterhand eine Brücke, im Selbstbau. Die Konstruktion war durchaus gewagt: eine Art Hängebrücke, aber im Fluss von zwei hölzernen Pfeilern gestützt. Eine abenteuerliche Holzkonstruktion und geeignet für Fussgänger und Fahrräder. Nicht aber für Motorfahrzeuge. Trotzdem eine Erleichterung für die Dörfer entlang des Pfads nach Maroantsetra.

Eine autarke Technologie nur einen Kilometer neben dem Flughafen von Maroantsetra. Niemand finanzierte den Steg über den fast 100 Meter breiten Fluss. Also erhob Jose Brückenzoll. Diese Selbsthilfe wurde von den Leuten akzeptiert. Jeder bezahlte beim Zollhäuschen seinen Obolus. Radfahrer stiegen vom Fahrrad und schoben ihr Gefährt über die etwas schwankenden Querbretter der Brücke.

Hängebrücke von Maroantsetra in Madagaskar.

Natürlich stand die Privatbrücke wie ein fragiles Gebilde über dem schlammführenden Fluss. Regenzeit und Hochwasser nagten bedenklich an der Standfestigkeit der Holzkonstruktion. Und dann kam der Zyklon Ewano, der im März 2017 bei Antalaha an Land ging und nach Süden fegte. Seine gierigen Windarme und die gewaltigen Regenmassen setzten der Rebellenbrücke zu und ganz Maroantsetra unter Wasser.

In Madagaskar erinnern sich heute noch alle an Ewano, viele an die Toten und einige an die Hängebrücke von Maroantsetra.

Wir von der PRIORI organisieren Reisen in ganz Madagaskar, so auch nach Maroantsetra und in den Masoala-Nationalpark. Wir sind vor Ort seit 1994.

Möchten Sie selberMadagaskar besuchen, schreiben Sie uns gerne eine  Mail.

Maroantsetra – Masoala

Anreise in den Masoala Nationalpark: Flughafen Maroantsetra

Wie gelange ich in den Nationalpark von Masoala?

Das Masoala-Regenwaldgebiet in Madagaskar ist eines der besuchenswerten Highlights der Insel im Indischen Ozean. Masoala ragt wie ein Angelhaken im Nordosten Madagaskars ins Meer hinein. Diese Halbinsel besteht grob zur Hälfte aus einem Naturschutzgebiet mit sehr vielen endemischen Tieren und Pflanzen. Daher versuchte der Zoo Zürich mit seiner Masoala-Halle, ein Stück dieser Natur abzubilden.

Wer gern den Masoala im Original besuchen möchte, muss erstmal rein logistische Hürden bewältigen.

Die meisten Fernflüge nach Madagaskar landen in der Hauptstadt Antananarivo. Zwangsläufig ergibt sich eine Übernachtung, denn gleich weiter nach Maroantsetra zu fliegen, ist nicht machbar.

Die Kleinstadt Maroantsetra ist die Eingangspforte zum Masoala. Den Ort erreicht man ab Antananarivo mittels eines gut einstündigen Fluges. Es gibt zwei reguläre Flüge der Fluggesellschaft Tsaradia pro Woche. (Air Madagascar macht keine Binnenflüge mehr.) Die private Fluggesellschaft Madagasikara Airways, die nebst wenigen regulären Binnenflügen eher Bedarfsflüge ausführt, setzt Maroantsetra ab und zu ins kurzfristig angesetzte Flugprogramm. Private Charterflüge sind für bis zu 12 Passagiere zwar machbar, kosten aber etwa gleich viel wie der Flug von Europa nach Madagaskar.

Masoala NationalparkMaroantsetra auf dem Landweg zu erreichen ist sehr abenteuerlich. Die RN5 führt zwar von der Hafenstadt Tamatave über 400 Kilometer bis nach Maroantsetra an der Innenbucht des Antongil-Meeresarms. Doch diese Route Nationale ist über weite Teile eine ganz üble Piste. Allradfahrzeuge quälen sich über mehrere Tage hinweg über die Schlammwege und durch Wasserniederungen, um entlang der Ostküste nach Maroantsetra zu gelangen. Zudem fehlen vielerorts stabile Brücken, sodass die Fahrzeuge zuweilen waghalsig über Behelfsbrücken aus Schlagholz fahren müssen oder mit selbstgebauten Bambusfähren über Flussläufe geschippert werden.

Der Schiffsverkehr ist instabil, es gibt tatsächlich entlang der 5000 km langen Küsten Madagaskars keine planbaren Schiffslinien, ausser die wenigen Orte mit Fährverkehr. Seit kurzer Zeit verkehrt allerdings ein Passagierschiff mit 100 Personen Kapazität zweimal pro Woche zwischen Tamatave via Ste Marie nach Maroantsetra. Der Katamaran bleibt aber immer wieder wegen technischer Probleme an Land. Zuweilen machen auch kleinere Boote die Fahrt über die rauhe See. Auch wettermässig sind solche Wassertransporte nicht lange Zeit im Voraus planbar.

Realistisch gesehen ist ein Flug die einzig zuverlässige Art, ins Masoala-Gebiet zu gelangen – und von dort wieder weg.

Doch in Maroantsetra ist man noch keineswegs im Naturschutzgebiet Masoala. Dazu braucht es noch einen mehrstündigen Bootstransfer oder eine tagelange Wanderung. Das Naturgebiet von Masoala in seiner Ausdehnung zu sehen, braucht also eine richtige Anstrengung und ist fast unmöglich, in Eigenregie zu organisieren.

Die Reiseagentur PRIORI ist seit 1994 in Madagaskar und ebenso mit dem Madagaskarhaus in Basel. In den 25 Jahren ihrer Existenz hat sie schon unzählige Touren aller Art im Masoala organisiert. Daher kennt sie auch die vielen Stolpersteine, um überhaupt ins Masoala-Gebiet zu gelangen.