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Tulear-Toliara

2300 Tulear Stadt

Tulear ist die wichtigste Hafenstadt und Verwaltungshauptstadt der Region an der Südwestküste. Sie liegt am Kanal von Mozambik zwischen dem Fiherenana Fluss und der breiten Flussmündung Onilahy. Sie ist auch ein sehr guter Ausgangspunkt zu einigen Badeorten oder auch zu den abenteuerlichen Reiserouten zum „Land der Baobabs“.

Der Stadtname Toliara sei durch ein sprachliches Missverständlich entstanden. Als ein Seefahrer im 19. Jahrhundert zum ersten Mal an die Südwestküste der Insel kam und nach dem Namen der Bucht und des Fischerdorfs fragte, hatte der Einheimische seine Sprache nicht verstanden und dachte, der Fremde wollte wissen, wo er sein Boot ankern dürfte. So hat der Fischer ihm in seinem Mahafaly-Dialekt geantwortet: „Toly eroa“, was wörtlich bedeutet „Mach es da unten fest“, daraus entstand dann der Name “Toliary“ und die Franzosen haben die Stadt während der Kolonialzeit in “Tulear“ umbenannt. Eine andere Version für die Herkunft des Stadtnames Tulear findet man in der Dialektsprache „Tolya ara“, was auf deutsch bedeutet „durch Riffe geschützt“, denn die südlichen und die nördlichen Küstenabschnitte sind tatsächlich von ausgedehnten Korallenriffen umgeben.

Tulear-Toliara
Tulear gehört auch zur geheimnisvollen Region des “Dornenwaldes“, wo die grünen Kakteen sich wie stachelige Finger in den stahlblauen Himmeln erheben und wo die tapferen und kriegerischen Ethnien ihre kunstvollen „Aloalo“ Holzfiguren und Holzstelen auf den Gräbern errichten. Tulears damalige Geschichte ist mit der Ankunft der ersten Piraten in der südlichen Region eng verbunden, die die Bucht Saint Augustin als beliebter Zufluchtsort ausgewählt hatten. Die Piraten trieben dort Sklavenhandel und Silber und Perlen wurden gegen Fleisch und Obst ausgetauscht. Im 16. und im 17. Jahrhundert, als sie sich zunehmend für Gewürze interessierten, wurde die St. Augustines-Bucht, südlich der heutigen Stadt Tulear, ein bevorzugter und praktischer Landeplatz, um Vorräte und Exportprodukte zu laden.

Heute gilt die Stadt Tulear ebenfalls als die wichtigste Hafenstadt an der Westküste Madagaskars. Im weitläufigen Stadtzentrum befinden sich die Verwaltungsgebäude, Banken, das Postamt, das Büro von Air Madagaskar und verschiedene Läden. Unter dem grossen schattenspendenden Tamarindenbaum sitzen die Fischverkäufer und im Handwerksmarkt werden die hölzernen Kunsthandwerksprodukte angeboten, dabei sind die Baobabs, die Zebus, die Aloalo Stelen und die Chamäleons sehr beliebte Motive. Das wichtigste Handelszentrum des Südens ist auch ein Ort für den Import und Export verschiedener Produkte wie Baumwolle, Mais, Erdnüsse, Fisch und Meersalz.

Tulear-Toliara
Tulear liegt am Wendekreis des Steinbocks in der trockenen Klimazone der Südwestküste mit sehr geringen Niederschlägen. Bei der kurzen Regenzeit zwischen Januar und März beträgt die mittlere Niederschlagsmenge nicht einmal 344 mm, die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen zwischen 25 und 35° C und wegen des andauernden strahlenden Sonnenscheins bekommt Tulear den schönen Spitznamen “die Stadt der Sonne“. Daraus kommt auch der Ausdruck des Mahafaly-Stammes: „Toliary tsy miroro“ wörtlich übersetzt „Toliara schläft nicht“. Bei nur 3 Monaten Regenzeit sind leider die Flüsse und Bäche in der Gegend monatelang ausgetrocknet und die Dorfbewohner haben ständig Schwierigkeiten, sauberes Trinkwasser zu finden, so müssen sie Wasser aus weit entfernten Gegenden holen, wo sich auch ihre Zebuherden und die anderen Tiere aufhalten.


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Die Vezo-, Mahafaly-, Sakalava- und Antandroy-Volksgruppen sind die Küstenbewohner an dieser Südwestküste. Die Vezo leben vorwiegend vom Fischfang und im Vergleich zu den anderen Volksgruppen haben sie einen besonderen Hang zum Meer und fahren sehr gern weit hinaus. Sie sind viel unterwegs auf ihren Pirogen aus ausgehöhlten Baumstämmen, die mit einem Ausleger und einem rechteckigen Segel ausgestattet sind. Sie sind auch Nomaden und tauschen oft mit den anderen Ethnien Fische oder Meeresfrüchtetiere gegen andere Lebensmittel wie Mais, Maniok oder Süsskartoffeln.

Die alten und riesigen Bäume in Madagaskar haben immer eine kulturelle Bedeutung für die Madagassen. Die heiligen Banyan-Bäume von Miary, 17 km nordöstlich von Toliara gehören in die Mythen- und Legendenwelt in der Umgebung von Tulear. Diese beeindruckenden Feigenbäume mit zahlreichen langen Luftwurzeln werden seit Jahrhunderten von den Einheimischen verehrt und sollen heilende Kräfte haben, so dass die Kranken hierher kommen, um sich Linderung vom Übel zu erbitten. Das Areal um diese Bäume darf nur barfuss und in Begleitung des Lokalguides betreten werden und eine Flasche Rum ist ein willkommenes Geschenk für die Vorfahren und die Geister.

Tulear-Toliara
Das Arboretum von Antsokay ca.14 km südlich von Tulear an der RN7 gehört zu den Hauptattraktionen am Stadtrand und erweist sich als ein interessantes Ausflugziel für die Besucher. Das Schutzgebiet umfasst ca. 50 ha, rund 7 ha davon sind für Botaniker besonders interessant. Der Erdboden in dieser Gegend besteht aus Kalk und Sand, daraus stammt der Name der Region “Antsokay“, was wörtlich übersetzt bedeutet “die Gegend mit Kalkboden“. Ein Teil des Kalksteins stammt aus der Kreidezeit, ist also 100 Millionen Jahre alt, so wurden zahlreiche Fossilien und Knochen des legendären ausgestorbenen Riesenvogel „Aepyornis“ in dieser südlichen Region entdeckt.

Diese wertvollen Funde, auch schöne Exemplare von Mineralien und kulturelle Gegenstände (zum Beispiel Musikinstrumente, Tracht oder Waffen …) der hier lebenden Ethnien Vezo, Mahafaly und Antandroy sind im sehenswerten Museum ausgestellt.

Der verstorbene Schweizer Hermann Petignat hat dieses Areal im Jahre 1980 gegründet und die Flora des trockenen Südens erforscht, kultiviert und vermehrt, da viele der über 900 endemischen Pflanzenarten wegen der ständigen Buschfeuer leider vom Aussterben bedroht sind. In diesem regenarmen Klima gedeihen die Dornensträucher, die Didieraceen, die Aloen, die Pachypodien und Gattungen der Wolfsmilchgewächse wie die Euphorbien. Das merkwürdigste Phänomen sind jedoch die klimaangepassten Umwandlungen von kleinen Blättern zu Dornen, was zu einem fast undurchdringlichen Dornendickicht führt.

Sein Sohn Andry Petignat hat das Werk seines Vaters fortgeführt und somit ist der Besuch des Parks ein Muss für jeden botanisch interessierten Reisenden.

All diese Wunderwerke klimatischer Anpassung sind im Arboretum zu finden, so dass Wissenschaftler und Biologen, sowie Tierfreunde und Vogelkundler von diesem Park sehr begeistert sind. Das Gelände verfügt auch über mehrere, schöne Bungalows und eine Übernachtung in den geschmackvoll eingerichteten Zimmern der „Auberge de la Table“ kann man warm empfehlen.

Kurz vor dem Abendessen, wenn es dunkel wird, kann man den kleinsten Primaten der Welt, den niedlichen Mausmaki mit nur etwa 50 Gramm Gewicht in einer Astgabel der Dornengebüsche mit einer guten Taschenlampe leicht finden. Auch die Tageswandertouren kurz nach dem Sonnenaufgang erweisen sich wegen der Vogel- Reptilien- und anderen Tierbeobachtungen als interessant.

Tulear-Toliara
Der Besuch des ozeanografischen Museums “Musée de la Mer“ oder „Station Marine“ ist ebenfalls zu empfehlen. Hier hat man einen Überblick über die faszinierende Meereswelt und das Marineleben im Kanal von Mozambik. Auch findet man einen Bericht über den vor Tulear  gefangenen Quastenflosser, der bis zu diesem Fund nur als Fossil von den Küsten der Nachbarländer Komoren und Südafrika bekannt waren. Das ausgetopfte Tier ist in diesem Meeresmuseum zu bestaunen.

Das ethnologische Museum über die Volksgruppen Mahafaly, Sakalava und Vezo befindet sich nicht weit vom Tourismusbüro am Marktplatz. Die Studenten der Universität von Tulear hatten die gute Idee, einen Bericht über die einzigartigen Kunstwerke, wie die kunstvoll geschnitzten Statuen, Schnitzereien, Musikinstrumente und Masken zu machen. Sie haben auch die Kultur und die Lebensweise der hier lebenden Volksgruppen erforscht. Die traditionelle Musik und der Tanz spielen immer eine grosse Rolle bei jeder Familienzeremonie, wie bei Hochzeiten, Begräbnissen oder bei einer einfachen Dorfversammlung. Die beherrschenden Instrumente im Süden der Insel sind die kastenförmigen Mandolinen oder „Kabosy“ auf madagassisch, die selbst gebastelten Bambusflöten oder „Sodina“ und vor allem die Trommeln oder „Amponga oder auch „Djembe“, sie erklingen fast überall zur rhythmischen Begleitung von Gesang und Melodieinstrumenten.

Diese afrikanischen Einflüsse findet man vor allem in den Küstenregionen bei den Mahafaly-, Bara-, Sakalava-, Vezo- und Antandroy-Ethnien. Diese Südmadagassen sind zähe dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Gesichtszügen, gewohnt an die Härten des Lebens in einer Region, wo nur selten Regen fällt und wo es eine ständige Herausforderung ist, gegen Zebudiebe zu kämpfen und natürlich Wasser und Weideland für die grossen Zebuherden zu finden.

Tulear-Toliara
Tulear ist ein guter Ausgangspunkt für einen Badeurlaub in Ifaty mit den herrlichen Sandstränden und den vielen Wassersportmöglichkeiten oder zum abgeschiedenen und erholsamen Badeort Anakao, ebenfalls ein Paradies für die Taucher und Schnorchler. Von Tulear aus ist auch ein Binnenflug möglich, so gelangt man aus diesem tiefen Süden sehr rasch zurück in die Hauptstadt.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Isalo – Tulear

2240 Isalo – Tulear

Heute verabschieden wir uns von der Isalo-Wunderwelt und fahren Richtung Südwestküste bis zum Kanal von Mozambique. Unser heutiges Etappenziel ist die Küstenstadt Tulear, die am Ende der Nationalstrasse RN7 liegt.

Neben der Saphirgräberstadt Ilakaka sind auch die bunt bemalten Mahafaly-Gräber unterwegs zu bestaunen. Die Wandertouren durch den Zombitse-Nationalpark und durch das Arboretum zählen zu den besonderen Ausflügen entlang dieses Streckenabschnitts. Unterwegs werden wir sicherlich viel über die Kulturen, über das Leben und über die Sitten und Bräuche der Bara-, Mahafaly- und Vezo-Volkstämme erfahren.

Nach der erlebnisreichen Wandertour durch die trockene Berglandschaft des Isalo Gebirges verlassen wir das kleine Städtchen Ranohira der Bara-Volkstämme und fahren schnurgerade Richtung Südwesten über die gut ausgebaute RN7. Die Luft wird merklich wärmer und feuchter. Nach ein paar Kilometer verändert sich die Landschaft schlagartig: Hinter Ranohira werden die zerklüfteten Berge von Wiesen mit abgeflachten Bergen abgelöst und in den weiten Grassavannen und der Steppenlandschaft wachsen die hohen Büsch- und Kaktuswälder, die in der Regenzeit mit einem kräftigen Grün überzogen sind.

Die endemischen Satrana-Palmen (Bismarkia nobilis) sind sehr widerstandfähig gegen die ständigen Buschbrände in dieser wasserarmen Region. Am Rande der Nationalstrasse gedeihen die schönen, dekorativen Vakaka-Palmen (Pandanus pulcheri) und entlang der wenigen Bachläufe, die das trockene Gebiet durchziehen, wachsen die heimischen Schraubenpalmen.

Isalo – Tulear
Nach 30 km erreichen wir die berühmt-berüchtigte Saphirstadt Ilakaka. Nachdem Zebuhirten im Jahre 1990 bei diesem kleinen Dorf zufälligerweise einen wertvollen “Blauen Stein“ gefunden hatten, brach hier der grosse Saphirrausch aus. Aus der ganzen Region kamen alle, um hier ihr Glück bei der Suche nach diesen teuren Edelsteinen zu machen. Seitdem wuchs das unbedeutende Dorf in rasantem Tempo, sogar fremde Aufkäufer aus Europa, aus Asien und vor allem aus Sri Lanka haben sich in der Saphirstadt angesiedelt. Sehr rasch verbreiteten sich die Kunde über die Edelsteinfunde, so dass die Einwohnerzahl seitdem fast jedes Jahr um ca. 10’000 anstieg. Heute leben hier mehr als 60’000 Einwohner. Ilakaka selbst gilt als das wichtigste Saphir-Abbaugebiet von ganz Madagaskar. Schliesslich sind Saphire sehr kostbare Steine, ihr Wert liegt auf Rang 2, gleich nach den Diamanten. Viele Verkaufsbuden, Lehmhütten, Garküchen und einfache Unterkünfte reihen sich beidseits der Nationalstrasse und wenn man einen Blick ins Hinterland wirft, entdeckt man eine Mondlandschaft von Erdhaufen und Löcher von diesen tausenden Schürfern.

Auf dem weiteren Weg immer Richtung Südwestküste, ca. 80 km vom Dorf Ilakaka entfernt, erreichen wir den grünen Zombiste Vohibasia Nationalpark. Dieser Trockenwald ist ein sehr interessanter Zwischenstopp für Naturfreunde. Das Schutzgebiet umfasst ein etwa 363 km² grosses Gebiet. Es leidet leider unter der fortschreitenden Entwaldung wegen der traditionellen Bandrodung und auch wegen des Saphirabbaus. Der Nationalpark besteht insgesamt aus drei voneinander isolierten Schutzzonen, die bereits seit 1997 bestehen: das Trockenwaldgebiet von “Zombitse“, was wörtlich “dichter Wald“ bedeutet, das Savannengebiet von “Vohibasia“ (“Hügel der Pistolen“) und schliesslich der Bereich “Isoky Vohimena“. Der WWF setzt auf Ökotourismus und bemüht sich, diesen ursprünglichen Trockenwald vor der Abholzung zu bewahren. Erst im Jahre 2002 wurden die beiden Gebiete Zombitse und Vohibasia gemeinsam als Nationalpark deklariert.

Der Vogelbeobachtung ist eine der Hauptattraktion in diesem Schutzgebiet. Fast 47% aller endemischen Vogelarten Madagaskars, mehr als 80 Arten lassen sich im Park beobachten: darunter die Appertbülbül (Phyllastrephus apperti), der Madagaskarkauz (Ninox superciliaris), der Riesenseidenkuckuck (Coua Gigas), der Hirtenregenpfeiffer (Charadrius pecuarius) und das Madagaskar-Flughuhn… Bei den Wandertouren während der Tagesdämmerung begleitet uns das fröhliche und vielstimmige Gezwitscher der verschiedenen Vögel und mit Hilfe des ortskundigen Führers sind auch die weissen Larvensifaka oder die Braunen Lemuren anzutreffen. Ein Besuch in diesem abgelegenen Nationalpark ist ein unvergessliches und einzigartiges Naturerlebnis. Die Landschaft des Zombitse-Vohibasia Nationalparks zeichnet sich nicht nur durch ihre Fauna und Flora, sondern auch durch ihre geologische Besonderheit aus. Der Park steht an der geologischen Grenze zwischen dem Kalksteingebirge und dem Massiv aus kieselartigem Sandstein, der aus der Isalo-Formation stammt.

Im Park kommen auch Pflanzenliebhaber auf ihre Kosten. Neben den seltenen Madagaskar-Palmen, den zahlreichen Sukkulenten und der Heilpflanze Aloe Vera lassen sich auch unterschiedliche Orchideen bestaunen. Die riesigen und dickstämmigen Baobabs sieht man schon vom weiten und wegen ihrer eindrucksvollen Erscheinung werden diese Riesenbäume auch die “Verkehrtherum-Bäume“ genannt. Sie sind Wahrzeichen von Madagaskar und an der Südwestküste werden sie in der Nähe der Mahafaly-Gräber gepflanzt und gelten als besonders als heilig. Im Schatten dieser “Reniala“ (“Mutter des Waldes“) breitet sich immer eine angenehme Kühle aus und so können wir hier am Mittag unser Picknick geniessen.


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Auf der Insel findet man sechs endemische Baobabarten. Ihre gigantischen Stämme können Unmengen Wasser speichern, sodass die Baobabs bei extremer Trockenheit bis zu drei Jahre ohne Wasser überleben können. Die Einheimischen in den abgelegenen Dörfern benutzen dann diese sogenannten “Flaschenbäume“ als Wasserreservoir und verzehren die schmackhaften und nussartigen Früchte, die sehr und reich an Vitamin C sind. Viele Baobabarten sind vielseitig verwendbar: Sie dienten als Rohmaterial für die Herstellung von Seilen, Körben, Hüten und Saiten für Musikinstrumente… Aus den frischen Blättern erhält man schmackhaftes Gemüse und aus den Samen wird wertvolles Öl und erfrischende Getränke hergestellt.

Isalo – Tulear
Die bunt bemalten Mahafaly-Gräber am Rand der Nationalstrasse stechen sofort in die Augen und unser Fahrer weiss genau Bescheid, welche Grabstätten am Rand der Strasse fotografiert werden dürfen. Die Mahafaly-Volkstämme bedeuten wörtlich “die glücklich Machenden“ oder “die Tabus machen“ oder “aus der verbotenen Gegend“. Die meisten sind Bauern und während der kurzen Regenperiode pflanzen sie hautsächlich Mais, Maniok und Süsskartoffeln in dieser trockenen Gegend an. Wegen des Wassermangels sind sie noch heute Nomaden und bewegen sich von Zeit zu Zeit, je nach der Erntezeit und je nach dem ersten Einsetzen des Regens. Im Gegensatz zu ihren Nachbaren, den Bara-Volkstämmen, sind die Aufzucht von Zebus für die Mahafaly weniger von Bedeutung.

Die Mahafaly-Ethnien sind besonders bekannt für ihre individuellen, bunt bemalten Grabmäler, so dass ihre eindrucksvollen Gräber am Rand der Nationalstrasse immer reges Interesse bei den Reisenden wecken. Es handelt sich um rechteckige grosse Grabstätten, die mit kunstvoll geschnitzten Grabstelen und Holzfiguren oder “Aloalo“ und mit vielen Zebuhörnern geschmückt sind. Die aufwendigen Malereien geben häufig Auskunft über das Leben oder über die Vorlieben des dort Bestatteten, vielleicht auch über seine Träume, denn auf den Grabstätten sind manchmal Bilder von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen dargestellt.

Im irdischen Leben wohnt der Mahafaly-Volkstamm erstaunlicherweise in ärmlichen und windschiefen Hütten, nach dem Tod errichtet die Familie für den Verstorbenen ein aufwendiges Grabmal, denn das irdische, materielle Leben als Mensch ist für ihn unbedeutend, wichtig ist, dass wenn er stirbt, er auf dem Weg zu einem “gottähnlichen Geisteswesen“ wird, das seine lebenden Nachfahren vor Unglück bewahrt. Bei der Beerdigungsfeier gibt es ein richtig üppiges Festmahl, so dass viele Zebus für die ganze Familie, sogar für das ganze Dorf geschlachtet werden. Die vielen Zebuhörner die später die Grabstatt des Verstorbenen schmückt, zeigen seinen Rang, sein Ansehen und vor allem seinen Reichtum.

Nach einer grossen Linkskurve taucht endlich am Horizont das Blau des Ozeans auf. Die modernen und fest gebauten Häuser erscheinen nun auch beidseits der Strasse auf. Ca. 17 km nordöstlich von Tulear begrüsst uns vom Weiten ein auffälliger Tafelberg am Eingang der Stadt. Das interessante Arboretum, ein kleines Naturparadies für Botaniker, hat der Schweizer Naturfreund Hermann Petignat im Jahre 1980 gegründet, hier kann man sich einen Einblick auf die artenreichen Sukkulenten, Aloen, Dornensträucher, Didieraeceen und Euphorbien… verschaffen, die dem dürren und trockenen Klima im Südwesten Madagaskars ausgesetzt ist.

Es ist nicht mehr weit bis zur Hafenstadt Tulear, ein bedeutendes Handelszentrum am Kanal von Mozambique. Der Stadtname Toliary bedeutet im madagassischen Dialekt: “wo man ankern“ oder “wo man das Boot festmachen kann“. In der Kolonialzeit haben die Kolonisten diesen Namen später als Tulear ins Französische übersetzt.

Isalo – Tulear
Tulear selbst hat leider keinen Strand, nur Mangrovensümpfe und Schlick. Nördlich der Stadt befindet sich der berühmte Strand von Ifaty und in ca. 1 Stunde Bootsfahrt Richtung Süden der Hafenstadt erreicht man die erholsame und wunderschöne Bucht von Sarodrano und Anakao. Beide Badeorte haben feine weisse Sandstrände und sind durch ein ausgedehntes Korallenriff geschützt. Diese Orte sind natürlich auch gute Orte für abwechslungsreiche Aktivitäten wie Tauchen, Schnorcheln, Baden, Surfen. Buckelwalbeobachtungen zwischen Juli bis September sind an dieser Südwestküste ebenfalls möglich. An diesen palmengesäumten Stränden am Kanal von Mozambique erleben wir die glühenden Sonnenuntergänge und geniessen endlich die Ruhe nach einer wochenlangen, erlebnisreichen Tour!

November 2020; geschrieben von  Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Nosy Be

1910 – Die Insel Nosy Be

Als Abschluss einer eindrucksvollen Entdeckungsreise in Madagaskar ist oft ein Aufenthalt auf Nosy Be. Sie gilt als die bekannteste und touristisch am besten erschlossene Insel Madagaskars, sowohl für die Gäste aus dem Ausland wie auch für die Madagassen selbst. Nach einer langen Madagaskarreise ist man dann reif für diese erholsame Parfüminsel: „Pures Inselfeeling“!

Die Insel Nosy Be ist per Boot ab dem nahen Festland oder aber per Flugzeug ab Diego Suarez oder auch ab der Hauptstadt Antananarivo leicht erreichbar. Viele Reisende bevorzugen die Überfahrt mit dem Fährschiff ab dem Kleinstädtchens Ankify (ca. 15 km nördlich von Ambanja). Diese “Perle im Kanal von Mozambik“ liegt nur etwa 10 km von der Nordwestküste des Festlandes entfernt. Die Abfahrtzeit der Fähre oder des Schnellbootes hängt jeweils von den Gezeiten ab. Die Bootsfahrt bis zur Insel ist vormittags bei Ebbe eher möglich, da das Meereswasser nachmittags unruhig ist. Unterwegs trifft man öfter die Einbäume der einheimischen Sakalava-Fischer, die an ihren kleinen Netzen herumnesteln und auswerfen…

“Nosy“ heisst auf Madagassisch “die Insel“ und das Wort “be“ bedeutet “gross“ oder “viel“. Tatsächlich ist Nosy Be mit einer Fläche von 325 km² die grösste Nebeninsel Madagaskars. Rund um die Hauptinsel liegen die Nachbarinseln Nosy Komba, Nosy Tanikely, Nosy Sakatia, Nosy Iranja oder Nosy Mitsio: Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen, Windsurfen, kurze Wandertouren durch die üppige Vegetation oder einfach relaxen und faulenzen sind die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten bei den Tagesausflügen auf diese traumhaften Inseln.

Nosy Be
Im 16.Jahrhundert war Nosy Be ein bevorzugter Schlupfwinkel der Piraten im Indischen Ozean, denn hier fanden sie alles was sie brauchten: Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Lebensmittel und viele Sklaven zum Verkaufen… Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zum Zufluchtsort des Sakalava-Volkstamms aus der Region Mahajanga (Nordwestküste Madagaskars) während des Verteidigungskriegs gegen die Armee des Merina-Königs Radama I. aus dem Hochland. Gegen diese vielen Angriffe bat die junge Königin Tsiomeko von der Insel Nosy Be Im Jahre 1840 Kapitän Passot um Hilfe und so wurde die Insel Nosy Be unter französischen Schutz gestellt. Ein Jahr später kolonisierte der Gouverneur de Hell die Insel als Produktionsstätte für die wichtigen Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Zuckerrohr und die Essenz der Ylang-Ylang Blüte und vergrösserte später die Hafenstadt im Süden der Insel. So wurde später der Hafen und das Verwaltungszentrum der Insel in Hell Ville umbenannt. Schon während der Kolonialzeit wurde Nosy Be zum wichtigsten Plantagenanbaugebiet im Norden von Madagaskar.

Sicherlich kennen fast alle deutsch sprechenden Reisegäste das berühmte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord…“. Text und Musik stammt von einem russischen Soldatenlied, als die Russen einen Krieg gegen die Japaner in den Jahren 1904/1905 geführt hatten. Die russische Kriegsflotte fand Unterschlupf in einer versteckten Bucht an der Nordwestküste Madagaskars und wartete vergeblich auf ein Kohleversorgungs­schiff. Über 100 Soldaten starben an Typhus, nicht an der Pest wie es im Lied erzählt wird. Im Friedhof von Hell Ville befinden sich noch heute die Gräber dieser russischen Armee. Auch in Andoany kann man den Friedhof dieser russischen Soldaten noch finden. Mehr als 100 Jahren später heisst die versteckte Bucht an der Nordwestküste Madagaskars noch immer “die russische Bucht“ oder “La Baie des Russes“.

Nosy Be
Die tropische Insel Nosy Be mit vulkanischem Ursprung hat landschaftlich sehr viel zu bieten: Grüner Regenwald, fruchtbares Land mit üppiger Vegetation und exotische Früchte, geschützte Buchten, menschenleere Palmenstrände und ein strahlend blauer Himmel. Zwischen August und Dezember ist die Reifezeit der leckeren Mangos und das ganze Jahr werden die süssen Bananen und die saftigen Papayas auf der Insel geerntet. Die Insel hat weite, ebene Flächen, auf denen seit vielen Jahrzehnten Kaffee-, Vanille- und Ylang Ylang-Plantagen gepflegt werden.

Die Ylang Ylang-Pflanze (Cananga Odorata), die aus den Philippinen stammt, haben die Kolonialherren auf diese tropische Insel eingeführt. Viele dieser Ylang Ylang-Felder liegen auf dem Weg zum Flughafen und bereits nach der Landung riechen die Besucher den süsslichen, aromatischen Duft dieser schönen gelben Blüten. Diese “Parfüm-Pflanze“ gedeiht sehr gut auf dieser vulkanischen Insel mit dem feucht warmen Klima. Der Baum mit knorrig verschlungenen Ästen darf nicht mehr als 1 Meter hoch wachsen. Das ganze Jahr sieht man die Sakalava-Frauen in den Feldern, die die sternförmigen Blüten bei Sonnenaufgang ernten, aus denen eine Essenz als unentbehrlicher Grundstoff für die Parfümindustrie gewonnen wird. Madagaskar exportiert die beste Qualität dieses teuren ätherischen Ylang-Öls, hauptsächlich nach Frankreich und nach Amerika. Nicht umsonst hat Nosy Be den schönen Spitznamen “die Insel der Düfte“. Die teure Essenz der Ylang Ylang-Blüten hat natürlich den Bewohnern einen ungewöhnlich hohen Lebensstandard gebracht. Diese devisenbringenden Exporte haben leider auch ihre negativen Seiten und Auswirkun­gen auf das Leben der Einheimischen, die man nicht unterschätzen darf.

Nosy Be
Bei einer eindrucksvollen Rundfahrt um die Insel ist der Besuch der Parfümdestilliere etwa 1 km nördlich des Hafens lohnenswert. Die Inselbewohner mischen ihr Haaröl mit der wertvollen Ylang Ylang-Essenz. Sie wird auch zur Behandlung von Rheumatismus und für einige Haukrankheiten verwendet. Dieses hochwertige Öl ist auch ein schönes Mitbringsel von jeder Madagaskarreise.


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Der Tier- und Pflanzenpark Lemurialand liegt inmitten der Ylang Ylang-Felder und unweit der Destillerie, somit kann man diese beiden Ausflüge leicht zusammenkombinieren. Bei einem Besuch von fast 3 Stunden hat man einen kurzen Überblick über die endemischen Tiere und die Pflanzenwelt Madagaskars

Der Park beherbergt einige Lemurenarten, auch Reptilien wie Chamäleons, Krokodile, Schildkröte, Eidechsen… und gleicht einem kleinen zoologischen Garten. Hier erhält man einen Überblick über die Vielfalt der endemischen Sukkulenten und andere Pflanzen in Madagaskar. Auch die Herstellung einiger traditioneller Handwerksgegenstände, wie Korbwaren, Matten oder Dekorationen aus Vetiverwurzeln wird hier gezeigt. Der Besuch des Rum-Museums, eine Spezialität der Insel Nosy Be und deren Verköstigung sind im Eintrittsticket inbegriffen.

Nosy Be
Nicht weit des grossen Dorfs Dzamandzary sieht man riesige Zuckerrohrplantagen. Vom Namen dieses Dorf kommt der berühmte Rum Dzama, der hier und in anderen Regionen Madagaskars produziert wird. Besonders in den Monaten Mai und Juni blühen die auffallend weissen Federbüschel der Zuckerrohrpflanzen. Die Zuckerrohrpflanze wächst sehr rasch und braucht keine besondere Pflege. Der gewonnene Zucker wird für den Eigengebrauch und die Fabrik produziert. Daraus wird dann weisser oder brauner Rum in unterschiedlichen Qualitätsstufen gebrannt und überall auf der Insel verkauft.

Von Djamanjary führt die Strasse entlang der Westküste bis zur höchsten Erhebung von Nosy Be, dem Mont Passot mit 239 m über dem Meeresspiegel. Oben auf der Bergkuppe hat man einen fantastischen Blick und ein umfassendes Bild von den Schönheiten der Insel, über die Westküste, die heiligen Kraterseen, die nahe gelegenen Nachbarinseln und bei schönem Wetter sogar auf das grosse Festland. Die Ausblicke sind traumhaft und die Beobachtung des Sonnenuntergangs mit seiner ganzen Schönheit vom Gipfel ist einzigartig. Die grünen Farben der Kraterseen unterscheiden sich je nach der Wassertiefe. Fischen und Baden sind in diesen heiligen Seen verboten. Es wäre auch gefährlich, denn sie sind von Krokodilen bevölkert. Die Sakalava-Bevölkerung betrachten diese Reptilien als die Verkörperung der Totengeister.

Der Hafen und die Hauptstadt Hell Ville oder Andoany auf madagassich liegen im Süden der Insel und der Flughafen Fascene ca. 8 km entfernt. Die zerfallenen Prunkbauten im Stadtzentrum von Hell Ville sind noch Zeugen der einstigen Aktivitäten der französischen Kolonie. Viele der Kolonialvillen sind inzwischen renoviert worden. Auf einem Spaziergang durch die Markthalle des „Bazary Be“ bekommt man einen Eindruck vom Alltagsleben der Sakalava-Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten, den tropischen Früchten, den frischen und geräucherten Fischen, Garnelen und Tintenfische. Reis, Gemüse und viele Lebensmittel kommen mit dem Schiff vom Festland und wegen den Transportkosten sind die Produkte doppelt teuer. Die Reisenden kaufen hier die frischen Gewürze wie Vanille, Zimt, Pfeffer, Muskatnüsse als Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Entlang der Hauptstrasse bis zum Hafen erhält man abends viele Eindrücke über die Lebensweise der Insulaner. Am Strand werden gegrillte Zebu- oder Fisch-Brochettes mit scharf gewürzten Mangos oder Papaya (Spezialität der Insel) angeboten.

Eine Wandertour durch den Nationalpark von Lokobe ist ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde. Dieses Reservat erstreckt sich über 740 ha und liegt auf etwa 450 m Meereshöhe. Es befindet sich östlich der Hauptstadt Andoany auf einer Halbinsel und ist per Boot oder mit einer Piroge vom Dorf Ambatozavavy erreichbar. Bei der Pirogenfahrt erläutert der lokale Reiseführer die Besonderheiten und die Vielfalt des Mangrovenwaldes an dieser Westküste. Die dreistündigen Wanderungen beginnen an der Anlegestelle des Boots. Zusammen mit der Lemureninsel Nosy Komba gehört dieser Primärwald zum Refugium der Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Auch die nachtaktiven Wieselmakis, ein paar Chamäleons darunter die Pantherchamäleons, die Erdchamäleons und die Boa madagascariensis sind hier in ihrem natürlichen Habitat anzutreffen. Dieses Naturschutzgebiet besteht aus Tieflandregenwald, wo man noch einige gigantische Bäume wie der “Ramy-Baum“ bewundern kann.

Nosy Be
Im Jahre 2012 wurde eine Vereinigung der Tauchschulen und Bootsvermieter auf Nosy Be gegründet. Schwerpunkt und Ziel dieser Vereinigung sind in erster Linie der Schutz der Unterwasserwelt und der Korallenriffe, auch die korrekte Abwicklung und Sicherheit der Ausflüge zu den verschiedenen Ausflugszielen. Die vielen kleinen Inseln rund um Nosy Be sind denn auch ein wahres Paradies für Wassersportler. Zwischen den märchenhaft schönen Korallengärten schwimmen faszinierende Meeresbewohner wie Walhaie, Buckelwale, Delphine, Mantas und und und. Vor allem sind die Meeresschildkröten dabei ein Highlight, eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen darf!

Auch die Strände von Orangea Plaga bei Ambaro und Andilana sind weitere Traumorte für Sonnenhungrige. In diesen Badeorten gibt es eine reiche Auswahl an Unterkünften der verschiedenen Kategorien, vom gehobenen Hotel bis zum kleinen Gasthaus. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Spezialitäten mit Meeresfrüchten: frisch gefangene Fische, Krabben, Garnelen, Hummer, Langusten, Tintenfisch, u.s.w.

Je nach Interesse und je nach Reiseprogramm können die Reisegäste ihre Madagaskarreise ab der Insel Nosy Be starten. Hier können die Gäste in aller Ruhe die Entdeckungstouren vorbereiten. Oder sie können die Parfüminsel Nosy Be als erholsamen Badeabschluss ihrer Reise planen, um die vielen Reiseeindrücke zu verarbeiten, die sie auf der Madagaskarreise gesammelt haben.

Oktober 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker Madagaskarhaus Basel

 

 

Ambanja – Diego Suarez

1830 – Ambanja – Diego Suarez

Heute verlassen wir schweren Herzens das Kleinstädten Ambanja und fahren auf der Nationalstrasse 6 bis zur Hafenstadt Antsiranana (Diego Suarez) an der Nordspitze Madagaskars. Diese Reiseroute ist besonders abwechslungsreich, denn die Insel zeigt viele ihrer Gesichter auf engem Raum: dazu zählen das Sonderreservat von Ankarana mit seinen spektakulären, grauen Karstformationen, die rotgefärbten Tsingy Rouge und der grüne Bergnebelwald von Montagne d’Ambre mit seinen Kaskaden und Kraterseen.

Wegen seiner schönen Lage in einem fruchtbaren Agrargebiet mit vielen Ausflugsmöglichkeiten und wegen seines milden Klimas an der Nordwestküste ist das interessante Kleinstädten Ambanja (wörtlich bedeutet dies “die Stadt mit Kanonenpulver“) ein paar Tage Aufenthalt wert. Heute verlassen wir dieses Zentrum des Kakaoanbaus und fahren auf der Nationalstrasse bis zur Nordspitze der Insel weiter. Wer seinen Badeurlaub auf der berühmten Parfüminsel Nosy Be verbringen will, fährt 25 km westlich von Ambanja bis Ankify weiter. Dieses grosse Dorf ist der Ausgangspunkt der Bootsfahrt zum beliebten Urlaubsort. Die Abfahrtszeit des Motorbootes oder der Fähre in diesem kleinen Hafen hängt hauptsächlich von den Gezeiten ab.

Nach ca. 100 km erreichen wir die nächste geschäftige Stadt in dieser Nordwestregion. Durch die intensive Bewässerung am Delta des Mahavavy Flusses gehört Ambilobe zu einem fruchtbaren Anbaugebiet mit riesigen Plantagen: die Parfümpflanze Ylang Ylang, verschiedene Obst und viele Gemüsesorten gedeihen hier sehr gut, ausserdem stammt der Grossteil der Zuckerproduktion Madagaskars aus dieser Region. Die madagassische Zuckerfirma SIRAMA war lange Zeit der wichtigste Arbeitgeber.

Die Stadt Ambilobe bedeutet wortwörtlich “wo man häufig den „Bilo“ tanzt“. Bilo ist ein typischer Freudentanz der Antakarana-Volksgruppe, die an die Wiedergeburt und die Reinkarnationen der Ahnen in Form verschiedener Lebewesen glaubt, egal ob Pflanzen oder Tiere, wie Krokodile oder Lemuren. Hier siedelt eine grosse muslimische Gemeinde, weil dieser Volkstamm von arabischen Einwanderern abstammt, deswegen gilt dieses hübsche Städtchen als das kulturelle Zentrum der Ethnie der Antakarana und gleichzeitig der Sitz der Nachfahren der Antakarana-Könige. Der 2017 verstorbene Staatspräsident Dr. Zafy Albert stammte aus einer angesehenen Antakarana-Familie aus der Stadt Ambilobe.

Ambanja – Diego Suarez
Von hier zweigt auch die schlammige Piste RN 5a in Richtung Ostküste bis Vohemar ab und für die Reisenden gilt der Ort als ein wichtiger Zwischenstopp auf der Strecke nach Antsiranana. Ambilobe ist auch Ausgangspunkt für die interessanten Ausflugsziele zum Ankarana-Reservat oder zum Bergregenwald von Montagne d’Ambre.


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Etwa 20 km von Ambilobe entfernt befindet sich der Eingang zum Ankarana Naturreservat am Rand der Nationalstrasse 6. In diesem faszinierenden Trockenwald wächst die seltene und endemische „Euphorbia ankarensis“, ein Wolfsmilchgewächs mit stacheligem Stamm und rosa Blüten. Auch viele Schraubenpalmen, Feigenbäume und viele Sukkulentenplanzen wie Pachypodien, Baobabs, usw. gedeihen sehr gut in dieser abgelegenen ökologischen Nische zwischen den Tälern, Schluchten und Canyons der Karstformationen. Hier kann man mehrtägigen Wanderungen durch die einmalige Felsenlandschaft mit erodierten Kalknadeln unternehmen.

Die Antakarana bedeutet wörtlich das Volk aus dem “Gebiet mit spitzen Kalksteinnadeln“. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich zwischen Antsiranana und der Region um das Tsaratanana-Gebirge. Sie sind mit Ihren Nachbarn, der Sakalava-Ethnie eng verwandt. Die Antakarana-Küstenbewohner leben als Fischer und die im Binnenland sind Viehzüchter oder Bauern.

Ambanja – Diego Suarez
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt im Ankarana Schutzgebiet setzen wir die Autofahrt fort und nach ca. einer Stunde erreichen wir das grosse Dorf Anivorano. Es liegt am Fusse des Nationalparks von Montagne d’Ambre und liegt etwa 75 km südlich von Antsiranana. Anivorano bedeutet wörtlich übersetzt „in der Mitte des Gewässers“. Jeden Dienstag findet in diesem Dorf der lebhafte und reichhaltige Wochenmarkt statt.

Etwa 4 km östlich der RN 6 liegt eine besondere Attraktion dieses Dorfs und zwar der heilige See “Antanavo“, deren Entstehung in ähnlicher Form über andere See auf der Insel Sainte Marie oder in Vohemar an der Nordostküste Madagaskars erzählt wird. Mündlich wird eine Geschichte eines durstigen und erschöpfenden Zauberers überliefert, der vor langer Zeit zum Dorf kam. Da er fremd war und unheimlich wirkte, weigerten sich die Dorfbewohner, ihm Wasser zu geben. Eine alte Frau am Rand des Dorfes hatte jedoch Mitleid mit ihm und gab ihm Trinkwasser. Überrascht von dieser gastfreundlichen Geste, gab er seiner Retterin und ihrer Familie den Rat, das Dorf sofort zu verlassen. Weil es die unhöflichen Leute abgelehnt hatten, ihm einen Schluck Wasser zu geben, würde er ihnen mehr davon geben. Es begann also in der folgenden Nacht heftig zu regnen und wo das Dorf lag, senkte sich die Erde, und das ganze Regenwasser sammelte sich dort. Das ganze Dorf mit allen Bewohnern versank im See und diese verwandelten sich in Krokodile. Die Frau mit ihrer Familie siedelte später nahe am See im heutigen Dorf Anivorano und glaubte, dass die Krokodile die Reinkarnationen ihren Ahnen seien, so opferte sie den Raubtieren von nun an Zebus. Als Beweis für die Blutverwandtschaft zwischen Menschen und Krokodilen gilt, dass die Fischer an diesem heiligen See, nie von diesen Tieren angefallen wurden. Gegen eine geringe Gebühr und in Begleitung eines Lokalführers ist es möglich, diesen See Antanavo zu besuchen.

Ambanja – Diego Suarez
Die nächste Sehenswürdigkeit liegt 23 km nördlich von Anivorano. Vom Dorf Sadjoavato zweigt eine schlechte Piste (nur befahrbar in der trockenen Zeit) ab, sie führt zum nächsten Dorf Ankarongana. Hier beginnen die Fusspfade, sie z.T. durch Flussläufe führen, bis zum Spezialreservat von Analamerana, deswegen ist dieses Naturschutzgebiet nur sehr schwer zugänglich. Landschaftlich ist es aber sehr interessant, da es in der Übergangszone zwischen der feuchtwarmen Regenwaldlandschaft und der Trockenwaldvegetation an der Küste liegt. Dieses abenteuerliche Ausflugsziel hat aber viel zu bieten: Seen, Höhlen und ein höher liegendes bewaldetes Gebiet, sehr reich an Tier- und Pflanzenarten und mit einem fantastischen Panoramablick auf den Indischen Ozean. Das Reservat ist auch sehr bekannt wegen der hier lebenden und sehr bedrohten Perrieri-Sifakas (Propithecus Perrieri). Daneben haben hier auch andere Lemurenarten und zahlreiche Vögel, sowie Reptilien und Amphibien ein Refugium gefunden.

Ein sehenswertes Highlight auf dieser Nordroute sind auch die „Tsingy Rouge“, die rot gefärbten Gesteinsformationen. Ca.16 km von der RN 6 führt eine schwierige Piste (auch nur mit Allradfahrzeug befahrbar) bis zu dieser weiteren geologischen Attraktion in der Nähe des Fischerdorfs Irodo. Anders als die anderen Tsingy unterscheiden sie sich in den Farben der Steinnadeln. Sie bestehen aus feinem Sandstein mit rotgefärbtem Laterit und sind erst spät am Anfang des 20. Jahrhundert entdeckt worden, da diese geologische Formation durch die allgegenwärtigen Brandrodung oder “Tavy“ entstanden ist. Sie sind durch die ständige Erosion in dieser Gegend bedroht.

Zurück auf der Nationalstrasse fahren wir Richtung Norden und nehmen die Abzweigung zum Dorf Joffreville (Ambohitra auf madagassisch). Joffre Ville wurde im Jahr 1902 von den Franzosen errichtet und war ein Erholungsort der französischen Legionäre. In den herrschaftlichen Villen liessen es sich die Franzosen während der Kolonialzeit gut gehen und Bauern aus der Nachbarinsel La Réunion siedelten hier gern und pflanzten verschiedene Gemüsesorten und tropisches Obst an.

Ambanja – Diego Suarez
Wenige Kilometer südlich von diesem kleinen Dorf liegt die Grenze des Bergnebelwaldes von Montagne d’Ambre oder “die Bernsteinberge“. Der ca. 18’200 ha grosse Park umfasst das Gebiet eines vulkanisch entstandenen Gebirges in einer Höhe zwischen 800 m bis 1’475 m. Die beeindruckenden Wasserfällen, die kreisrunden Kraterseen, der vielfältige “Botanische Weg“ durch das dichte und artenreiche Waldgebiet zählen zu den faszinierenden landschaftlichen Schönheiten des Naturparks, deshalb gehört es auch zu den am meisten besuchten und beliebtesten Attraktionen in dieser Region.

Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt mit den vielen anderen interessanten Ausflugszielen entlang der Nationalstrasse 6 erreichen wir endlich die Hafenstadt Antsiranana, wörtlich bedeutet dies “der grosse Hafen“. Die Franzosen haben diese schöne Hafenstadt mit internationalem Flair später in “Diego Suarez“ umbenannt, zu Ehren des Portugiesen Diego Diaz, der am 10. August 1500 offiziell die Insel Madagaskar an dieser Nordspitze der Insel betrat. Die verschiedenen madagassischen Bevölkerungsgruppe, die Einwanderer aus Europa, aus Indien und den Nachbarinseln tragen zur schönen Atmosphäre in dieser Hafenstadt mit buntem Völkergemisch bei.

November 2020; gGeschrieben von: Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Majunga – Antsohihy

1800  Majunga – Antsohihy

Diese ca. 450 km lange Autofahrt über die Nationalstrassen Nummer 4 und Nummer 6 mit vielen interessanten und abwechslungsreichen Landschaften führt uns zur nächsten grossen Stadt Antsohihy und dabei werden wir einen authentischen Einblick in das Leben des Tsimihety Volkstammes werfen.

 

Um zur Nordspitze von Madagaskar zu gelangen, müssen wir von Mahajanga aus ca. 160 km zurück bis zum Kleinstädtchen Ambondromamy fahren. Dieser Ort ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, hierher strömen die Bewohner der Umgebung, um ihre Produkte aller Art zu verkaufen oder auch Lebensmittel für den Alltag einzukaufen. Der Markttag ist immer auch ein grosses Sozialereignis während der Woche in diesen abgelegenen Gegenden, wo sich die Familien mit den Bekannten oder mit den Nachbarn über die Tagesaktualitäten unterhalten. Von hier aus führt die Nationalstrasse 6 Richtung Norden weiter.

Bei der Fahrt auf der Nationalstrasse Nr. 6 zeigt sich dieses Nordgebiet in seiner ganzen Vielfältigkeit, die weitläufigen Savannen mit einigen Bäumen oder auch die Reis- und Maniokfelder.

Majunga – Antsohihy
Nach 85 Kilometern erreichen wir die Stadt Mampikony, eine Stadt inmitten eines feuchten, grünen und fruchtbaren Tals, sehr bekannt als die Stadt des Zwiebelanbaus im Norden. Während der Erntezeit wird die Zwiebeln überall auf Dächern, am Rand der Strasse oder vor den Häusern in der Sonne getrocknet.

Zwiebel heisst „tongolo“, dieses Wort stammt wahrscheinlich aus dem Swahili-Wort „Kitunguu“. Zwiebeln wurden in Madagaskar im 15. Jahrhundert von den arabischen Händlern eingeführt und nehmen seither eine wichtige Rolle in der madagassischen Küche ein.

Es sind vor allem die Sorten “Noflaye-“ und “Menakely-Zwiebeln“ (oder Rote Zwiebeln), die hier angebaut werden. Diese beiden Sorten erschienen in den 1930er Jahren in dieser Region, sie schmecken gut und sind bei den Einheimischen sehr beliebt.

In Madagaskar gibt es noch weitere Sorten. Die grosse rote Zwiebel nennen sie „tongolon i Egypta“, in Anlehnung an die Geschichte in der Bibel wo die Sklavenarbeiter während der Pharaonen-Zeit bei der schweren Arbeit viele Zwiebeln gegessen haben sollen.

Knoblauch bedeutet auf madagassisch Tongolo gasy, wörtlich bedeutet dies “madagassische Zwiebel“.

Zwiebeln werden neben den frischen Tomaten überall auf den vielen Märkten verkauft und sind die beliebteste Zutat für die madagassische Sosse.

In fast allen Garküchen und Essenständen in Madagaskar (Hotely gasy auf madagassisch) werden die Zebu-, Schwein- und Hühnergerichte oder der Fisch immer mit Zwiebeln und Tomatensauce zubereitet und serviert. Beide Zutaten kosten nicht viel, werden überall verkauft und sind einfach und schnell zubereitet. Zwiebeln werden auch roh gegessen und sind eine wichtige Zutat für den Salat, gemischt mit Ingwer und grünen Kräutern.

Die Zwiebel hat auch viele therapeutische Eigenschaften: Sie ist das wichtigste Heilmittel gegen Grippe und Husten (gemischt mit Honig) und sehr wirksam gegen Insekten- und Mückenstiche. Sie wird auch in der Schönheitspflege eingesetzt und wirke gegen Haarausfall.


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Majunga – Antsohihy
Die Fahrt geht weiter durch eine weite und fruchtbare Ebene und nach ca. 82 km erreichen wir die Stadt mit dem Doppelnamen Port Bergé auf französisch und Boriziny auf madagassisch. Beide Namen sind noch immer gebräuchlich. Für die Betsimisaraka-Buschmänner ist das “boriziny“ ein kurzstieliges und langes Messer, das sie bei der Feldarbeit und beim Holzfällen häufig benutzen.

Rund um der Stadt Port Bergé liegen grosse Reis-, Mais-, Baumwoll- und Tabakfelder. Diese Produkte gedeihen sehr gut in diesem trockenwarmen Klima.

Tabak wurde im 17. Jahrhundert von den portugiesischen Seefahrern nach Madagaskar eingeführt. Die grossen Tabakfarmen (auch Familienbetriebe) im Nordwesten der Insel befinden sich hier in der Region Mampikony. Man findet sie aber auch im mittleren Westen rund um Miandrivazo.

Vor der Kolonialzeit rauchten die Sakalava und die Tsimihety noch nicht, da sie die Zigaretten noch nicht kannten. Sie kauten damals einen speziellen Tabak gemischt mit Holzasche und somit reich an Pottasche.

Der Bezirk Boriziny ist von einem sanften grünen Tal umgeben. Diese Ebene wird von 3 langen Flüssen bewässert und zwar vom Sofia mit 456 km, dem Anjombony mit 320 km und letztendlich dem Bemarivo mit 280 km. Dank des reichlichen Wassers werden Reis, Maniok, Mais, Kartoffeln, Erdnüsse, Bohnen, etc. vor allem für den Eigenbedarf in diesem fruchtbaren Gebiet angebaut.

Rund um der Region Port Bergé ist der Tsimihety-Volkstamm angesiedelt. Tsimihety bedeutet wörtlich “jene, die sich die Haare nicht schneiden“. Zum Schutz vor den Merina hatten sie im 19. Jahrhundert eine enge Verbindung mit der französischen Kolonialmacht geschlossen. Trotzdem haben sie ihren festen Glauben an die Naturgötter bewahrt. Während der Königszeit wollte sich diese Volksgruppe von den Merina-Truppen nicht unterwerfen lassen, als diese Armee des Königs Radama I. vom Hochland aus das Gebiet an der Nordwestküste erobern wollte. Es war damals Sitte, dass die Männer ihr Haar schneiden, wenn das Volk um den König trauerte. Doch als der herrschsüchtige König Radama starb, weigerten sie sich, diese alte Sitte zu befolgen. Sie liessen ihr Haar wachsen, um ihren Widerstand und ihre Eigenmächtigkeit gegenüber der Merina-Ethnie zu zeigen.

Diese Tsimihety waren Nachkommen von europäischen Piraten, die an den Küsten Madagaskars landeten. Sie galten auch als ein besonders selbständiger Stamm und wollten sich auch nicht von den anderen ethnischen Gruppen wie den “Sakalava“ im Norden und den “Betsimisaraka“ im Osten vereinnahmen lassen. Sie zählen zu den grössten Reisbauern und Viehzüchter, da Ihr Siedlungsgebiet im nördlichen Binnenland ziemlich fruchtbar ist.

Majunga – Antsohihy
Erwähnenswert ist zum Beispiel, dass der erste madagassische Staatspräsident der ersten Republik zwischen 1970 bis 1972 der Sozialdemokrat Philibert Tsiranana ein Tsimihety war. Madagaskar orientierte sich im Jahre 1960 nach der Unabhängigkeit immer noch stark an der Kolonialmacht Frankreich, da viele Franzosen das Land noch nicht verlassen hatten und noch Ansprüche auf Macht und Besitz auf der Insel stellten.

Das Umland von Port-Bergé wie Mandritsara, Antsohihy, Befandriana und Bealanana begrenzen das Territorium dieser Volksgruppe. Im Vergleich zu anderen Volksgruppen sind die Tsimihety-Hirten sehr bekannt für ihre Wanderbewegungen.

Die Landschaft ist von einer relativ trockenen Vegetation mit den typischen Bismarck-Palmen (Bismarckia Nobilis) auf madagassisch die Satrana-Palmen geprägt. Ihre Blätter werden, so wie bei den Ravinala (oder Baum der Reisenden), zum Hausbau und für Dächer benutzt.

Grosse Kapok- und Mangobäume säumen den Weg entlang der Nationalstrasse Nr. 6.

Die schönen und dekorativen “Raphiapalmen“ (Raphia farifinera), auch Bastpalmen genannt, wachsen auch in dieser nördlichen Region. Raphia ist eigentlich eines von madagassischen Wörtern, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat. Von den jungen noch nicht entfalteten Blättern dieser riesigen Palmen gewinnt man den Bast. Die Bastfasern werden von den Frauen an der Küste gesammelt und dann versponnen, geflochten oder verwoben, ein wichtiges Material für die üblichen Flechtarbeiten wie Strohhüte, Körbe oder Untersetzer, die später auch mit Naturfarben gefärbt werden.

Bei der Weiterfahrt auf der Nationalstrasse 6 Richtung Nordosten überqueren wir die lange Brücke über den Sofia-Fluss und nach ca. 2 Stunden erreichen wir das Kleinstädtchen Antsohihy, ca. 122 km von Boriziny entfernt.

Der Stadtname Antsohihy heisst wörtlich wo viele “Sohihy Bäume“ wachsen. Die Baumart „Sohihy“ (Adina microcephala-Rubiacées) wuchs früher sehr häufig in dieser Gegend und die Tsimihety und Sakalava Fischer haben damit schöne Boote hergestellt.

Majunga – Antsohihy
Die Namen der verschiedenen Ortschaften in Madagaskar beschreiben die Eigenschaften oder die Einzigartigkeit der Orte. In der Stadt Antsohihy heisst zum Beispiel ein Viertel Ambalakida. Im Tsimihety- Dialekt heisst “Kida“ Banane, denn in dieser Wohngegend wachsen viele Bananenstauden.

Ein anderer Stadtteil heisst “Ankiririky“, dieser Name kommt vom Wort „mikiririky“, dieses madagassische Verb bedeutet „fliessen“ denn ein langer Fluss durchquert dieses kleine Dorf.

Von Antsohihy gelangt man auch an die Nordwestküste bis Analalava, ein schöner und abgeschiedener Ort zum Entspannen fernab allen Trubels. Das ruhige Dorf liegt 75 km westlich von Antsohihy, sehr idyllisch an der Loza-Flussmündung.

Die schlechte Piste ist nur mit Geländewagen während der Trockenzeit befahrbar. Die Reisenden können auch eine zweite Reisevariante wählen, indem sie die schöne und entspannende Bootsfahrt auf dem Fluss “Loza“ und entlang den Mangrovensümpfen bis zum Dorf Analalava nehmen.

Dieses Ausflugziel führt zu neuen Abenteuern auf die vorgelagerten Inseln, von denen die berühmte Insel Nosy Lava (ein ehemaliger Gefängnisstandort) am interessantesten ist.

November 2020; geschrieben von Michael, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ankarafantsika – Mahajanga

1730 – Nationalpark von Ankarafantsika – Mahajanga

 Heute fahren wir vom Ankarafantsika Nationalpark bis zur Hafenstadt Mahajanga. Das sind 115 km auf der gut asphaltierten Nationalstrasse Nummer 4. Die lebendige Stadt Mahajanga liegt schön an der breiten Mündung des 525 km langen Betsiboka Flusses, eine sehr kosmopolitische Stadt, und es lohnt sich hier ein paar Tage länger zu verweilen und den madagassischen Nordwesten zu erkunden.

 Die nordwestliche Landschaft zwischen dem Nationalpark von Ankarafantsika und Mahajanga ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Die wichtige Bezirkshauptstadt Marovoay liegt ca. 83 km südöstlich von Mahajanga und dieser Ortsname bedeutet wörtlich “wo es viele Krokodile gibt“. Sie liegt im Betsiboka-Mündungsgebiet, wo tatsächlich heute noch viele Nilkrokodile leben.

Dieses Kleinstädtchen ist die ehemalige Hauptstadt des Sakalava-Königreichs oder das Reich der Sakalava Boina von 1690 bis 1745.

Ankarafantsika – Mahajanga
Bis 1800 war Mahajanga dank des geschützten Hafens ein günstiger Ladeplatz im Nordwesten, deswegen ein günstiges und ein grosses Handelszentrum mit den Komoren, den afrikanischen und den arabischen Ländern. Im 18. Jahrhundert kämpfte auch das Sakalava-Volk gegen den Expansionsdrang der Merina-Volksgruppe.

Während der Kolonialzeit war Mahajanga eine gepflegte Kleinstadt mit Palmenalleen und Gärten. Sie war auch damals eine bedeutende Hafenstadt, wo Import- und Exportprodukte auf dem Wasserweg zu den nahegelegenen kleinen Städten weitertransportiert wurden. Auch heute noch transportieren einzelne Frachter oder grosse Boote die Landwirtschaftsprodukte wie Tabak, Reis, Erdnüsse und auch Meeresprodukte wie frische oder getrockneten Fische, Krabben, Garnelen oder auch Salz auf dem Betsiboka oder übers Meer.

In den Schwemmland- und Mündungsebenen in der Umgebung von Marovoay und Mahajunga wird Reis angebaut und auf den fruchtbaren Böden in der Nähe der grossen Flüssen werden Tabak, Baumwolle, Erd- oder Cashew-Nüsse, Zuckerrohr, Früchte , meist für den Eigenbedarf eingepflanzt. Der lange Betsiboka-Fluss durchfliesst auf weiten Strecken die Gegend an der Nordwestküste und weitet sich dann zur riesigen Bombetoka-Bay am Kanal von Mozambik. Der Fluss Betsibokabedeutet wörtlich: “viele, die nicht an der Leprakrankheit leiden“, im übertragenen Sinn bedeutet dies: wer zusammen schwimmt bzw. wer zusammensteht, dem kann nichts passieren, ein Ausspruch, der auf die Solidarität und den Zusammenhalt der Madagassen hinweist, wenn sie mit Schwierigkeiten konfrontiert sind.

Ankarafantsika – Mahajanga
Der Betsiboka-Fluss ist sehr bekannt wegen seiner rotbraunen Farbe, die durch den Erosionsschlick verursacht wird. Dieser Schlick landet schliesslich als Sediment im Kanal von Mozambik. In den letzten 50 Jahren hat offenbar die Erosion des Betsiboka stark zugenommen. Besonders während Zyklonen, aber auch während der Regenzeit reisst der Fluss immer mehr Erde (Laterit) mit. Bei einem Flug über das Mündungsgebiet kann man das rot gefärbte Wasser bis weit ins Meer hinaus sehen. Durch die riesigen Anschwemmungen des Betsiboka ist der Hafen von Mahajange leider ernstlich bedroht. Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte sich das fruchtbare Mündungsgebiet am Betsiboka Fluss zu einem riesigen Reisanbaugebiet, so dass die Stadt Marovoay zu jener Zeit mit Hilfe der deutschen Entwicklungshilfe zu einem Zentrum des Reisanbaus an der Nordwestküste wurde.

Sakalava“ bedeutet auf Deutsch “die aus den langen Tälern“ und ihr weitläufiges Siedlungsgebiet liegt in einem grossen Gebiet im westlichen Teil Madagaskars zwischen den beiden Grosstädten Mahajanga und Morondava. Die Sakalava besitzen grosse Rinderherden, die sie tagsüber in den weiten Tälern weiden lassen und abends in Koppeln in der Nähe des Dorfes treiben. In der Nähe dieser Zebukoppel gibt es grosse Bäume, wo sich die weissen Kuhreiher aufhalten und nisten, daher kommt der ursprüngliche Name des Dorfs “Ankazomboromalandy“ wörtlich bedeutet dies “der Baum mit den weissen Vögeln“.

Das grosse Dorf Ankazomborona liegt ca. 6 km westlich der Nationalstrasse NR 4 auf dem Weg nach Mahajanga und die Dorfbewohner leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, von der Rinderzucht und auch vom Fischfang.

Zusammen mit dem anderen Volkstamm der Bara haben die Sakalava viel Ähnlichkeit mit der Kultur der Afrikanern, einschliesslich des sogenannte Tromba-Rituals oder “des Besessenheitskults“, bei dem eine Person (insbesondere Frauen) als Medium bzw. in Trance Kontakt zu den Ahnen aufnimmt und die Wünsche der Verstorbenen den Nachfahren und allen Anwesenden übermittelt.

Auch das Ritual der “Blutsbrüderschaft“ wird bei den Sakalava bis heute noch praktiziert, bei dem 2 Männer an der Brust geritzt werden. Das austretende Blut wird miteinander gemischt und von den beiden getrunken. Von nun an haben die beiden eine sehr enge Beziehung zueinander, die noch stärker als die Bruderliebe sei. Sie sind bis zum Lebensende verpflichtet, einander beizustehen.


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Ankarafantsika – Mahajanga
Unweit der Stadt Majunga liegt die Grabstätte des ehemaligen Sakalava-Königs Andriamisara, dem Gründer der ethnischen Volksgruppe der Sakalava im 17. Jahrhundert. Für seine Nachfahren ist er noch immer der Vermittler zwischen Gott und den Lebenden. “Doany“ heisst auf madagassisch “die Königsgräber“. Hier betreiben die Nachfahren, aber auch viele Sakalava, einen Ahnenkult. Diese heiligen Königsgräber sind heute noch wichtige und beliebte Wallfahrtsorte. Die königlichen Reliquien wie Haare, Fingernägel und Zähne werden mit einer Mischung aus Wasser und Honig gereinigt und seit Jahren als Kultobjekte verehrt. Diese sogenannte Badezeremonie oder “Fanompoambe“ der Könige dauert ca. 8 Tage und ist mit einem grossen Fest verbunden. Sie zieht viele Leute aller Religionen an, und stärkt die Zusammengehörigkeit der Sakalava-Ethnien untereinander, aber auch die Solidarität mit anderen Volksgruppen.

Nach ein paar Stunden erreichen wir die Hafenstadt Mahajanga, dessen Name aus dem arabischen Dialekt stammt: “Mji angaia“ wörtlich übersetzt bedeutet dies “die Stadt der Blumen“. Die zweite Bedeutung von Mahajanga heisst “Das, was gesund macht“.

Die Franzosen haben die Stadt später in “Majunga“ umbenannt, heute gelten noch beide Namen. Manchmal wird auch Mahajunga geschrieben. so klar ist der Ortsnamen letztendlich nicht.

Ankarafantsika – Mahajanga
Diese nördliche Region weist heute ein bemerkenswert kosmopolitisches Bevölkerungsgemisch auf: Viele “Antakarana“ (der Stamm aus dem Ankarana Gebiet im Norden) und die „Tsimihety“ (der Stamm “die sich die Haare nicht schneiden“, auch ein Volkstamm aus der Nordregion) haben sich in der Umgebung von Mahajanga niedergelassen. Neben den Madagassen leben hier auch viele Komoren, Nachfahren von indischen Händlern oder arabischen Seefahrern. Viele Franzosen, die hier einst in der Fremdenlegion stationiert waren, wohnen auch noch in der Stadt Mahajanga.

Mahajanga ist ein bedeutender Handelsplatz und bleibt immer noch ein wichtiger Handelsknotenpunkt an der Nordwestküste. Der bunte und lebendige Hafen ist Ausgangspunkt von verschiedenen Schiffs- und Fährlinien zu den Nachbarinseln Nosy Be, Komoren oder Mayotte.

Oktober 2020; geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nationalpark von Ankarafantsika

1720 – Der Nationalpark von Ankarafantsika

 Dieser Nationalpark befindet sich etwa 420 km nordwestlich der Hauptstadt Antananarivo und etwa 115 km östlich der Hafenstadt Majunga (Mahajanga) in der Region Boeny. Der Park gehört zu den ältesten Naturschutzgebieten Madagaskars und ist erreichbar über die gut ausgebaute Nationalstrasse RN 4 und um dieses interessante Naturreservat besser zu erkunden, sollte man hier mindestens 2 Tage einplanen.

 

Die Anreise aus Antananarivo zur Westküstenstadt Mahajanga oder zum Nationalpark Ankarafantsika ist gut über die Strasse zu bewältigen, am besten mit einem Stopp im Dorf Maevatanana um die brütende Hitze bei dieser langen Autofahrt zu meiden. Es gibt auch eine Flugverbindung zwischen der Hauptstadt und der Hafenstadt Mahajanga, was die Anreise zum Naturreservat etwas angenehmer macht.

Der Ankarafantsika Nationalpark (was wörtlich übersetzt “die Berge mit Dornen“ heisst) liegt auf etwa 75-390 m über dem Meeresspiegel. Das Naturschutzgebiet wurde bereits im Jahre 1927 eingerichtet. Erst 2002 bekam es das offizielle Statut eines Nationalparks, und gehört zu den am meisten besuchten Naturschutzgebiete an der Nordwestküste.

Der Park liegt zwischen den beiden Flüssen Betsiboka an der Westseite und Mahajamba an die Ostseite. Das ca. 135’000 ha grosse Trockenwaldgebiet wird durch die Nationalstrasse 4 in zwei Gebiete geteilt. Er besteht aus ausgedehnten Trockenwäldern, Schluchten, Seen, Savannenlandschaft mit heissem Klima und beherbergt einen enormen Artenreichtum. Bemerkenswert sind die Flüsse, die aus dem Hochland kommen und sich während der Regenzeit zwischen Dezember und März zu reissenden Strömen wandeln.

Nationalpark von Ankarafantsika
Mehrere Wanderwege mit unterschiedlichen Schwerpunkten und verschiedenen Schwierigkeitsstufen, je nach Interesse und Kondition der Besucher, zeigen den Park in seiner ganzen Vielfalt und seiner beeindruckenden Schönheit.

Dieses Schutzgebiet ist besonders bekannt wegen der hier ansässigen Zuchtstation für bedrohten Landschildkröten.

In der Forststation Ampijoroa am Parkeingang des Ankarafantsika Parks gibt es das Projekt „Angonoka“ (Astrochelys yniphora), auf Deutsch Schnabelbrustschildkröte wegen ihres auffällig langen Vorsatzes am unteren Brustpanzer. Dieses Zucht- und Forschungszentrum kümmert sich um diese vom Aussterben bedrohten und endemischen Reptilien, die nur in diesem kleinen geschützten Gebiet im Nordwesten vorkommen.

Die Gründe des rasanten Rückgangs dieser seltenen Tiere sind einerseits die massive Brandrodung und die Abholzung der Trockenwälder, andererseits werden die Schildkröteneier von den wilden Buschschweinen aufgespürt und gefressen, ausserdem sehen einige Madagassen die Schildkröten traditionell als Delikatesse an. Das grösste Problem ist aber, dass einige Schildkrötenarten, vor allem diese sehr seltenen „Angonoka“, für sehr hohe Preise auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Dieses Projekt wird glücklicherweise vom WWF und vom Wildlife Preservation Trust seit 1986 unterstützt.

Nach der Aufzucht werden diese geschützten Tiere in den weit entfernt gelegen Nationalpark Baie de Baly am Kanal von Mosambik, 150 km südwestlich von Mahajanga, in ihre natürlichen Lebensräume gebracht. Vermutlich tummeln sich dort ca. 100 dieser Exemplare in freier Wildbahn. Auch die seltenen Flachrückenschildkröten (Pyxis planicauda) und die Madagaskar-Schienenschildröte (Erymnochelys madagascariensis) werden hier in Ampijoroa vom Aussterben bewahrt.


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Nationalpark von Ankarafantsika
Die hier lebenden Sakalava-Volksgruppen werden in die Naturschutzarbeit aktiv eingebunden. Schüler der umliegenden Schulen pflanzen während der Regenzeit Bäume. Die Erwachsenen legen am Rande des Parks Feuerschutzschneisen an oder sie werden durch die Naturführer bei verschiedenen Ausbildungen des Madagaskar Nationalparks für den Naturschutz sensibilisiert.

In der Forststation Ampijoroa befindet sich der “See Ravelobe“, benannt nach einem berühmten Räuber. Ein Rundgang zum See ist besonders bei Vogelkundlerbeliebt, er führt zu einem Aussichtspunkt mit eindrucksvollem Rundblick. Dieser kleinen See wird nämlich von zahlreichen endemischen Watvögeln, Reihern und vor allem vom Madagaskar- Fischadler (Haliaeetus vociferoides) auf madagassisch “Ankoay“ aufgesucht.

Die Ankoay sind die grössten Raubvögel in Madagaskar und dieser See ist für ihn einer der wichtigsten Lebensräume. Süsswasserfische sind ihre Hauptnahrung. Weit oben über dem See thronend beobachten sie die „Tilapia Fische“ unter der Wasseroberfläche, stürzen sich hinunter und fangen sie mit ihren langen und scharfen Krallen. Ein einmaliges Naturschauspiel! Als Raubtiere fangen sie auch Krabben und kleine Vögel, wenn die Fische nicht genügen.

Nationalpark von Ankarafantsika
Der Lac Ravelobe ist auch bekannt wegen der hier lebenden Nilkrokodile (Crocodylus niloticus madagascariensis). Diese endemischen Riesenkrokodile mit bis zu neun Metern Länge gelten als heilig für die Sakalava-Volkstämme. Es ist Fady oder Tabu diese Reptilien zu jagen, so können sie in diesem Schutzgebiet ungestört leben und sich vermehren. Im sicheren Boot und in Begleitung eines ortskundigen Führers kann man den am Ufer in der Sonne dösenden Echsen ziemlich nahekommen! Auch Chamäleons sowie Erdchamäleons (Brookesia), Skinke, Tagesgeckos, Schlangen etc. sind weitere Bewohner dieses Naturparks. Wegen der starken kulturellen und spirituellen Bedeutung des Sees gelten in diesem Naturpark viele Tabus.

Auf den zahlreichen Rundwegen im Nationalpark von Ankarafantsika lernt man auch die interessante Vogelwelt dieses Naturschutzgebiets kennen. Für die Ornithologen ist der Park ein reiches Revier für Vogelbeobachtungen. Rund 130 Vogelarten sind hier im Park vertreten. Darunter findet man Bienenfresser, Drongos und Paradiesschnäpper, die in diesem Naturschutzgebiet ungestört leben. Die blattlose Vegetationsperiode des Trockenwaldes von Mai bis Oktober eignet sich besonders für die Vogelbeobachtung, um die versteckt lebenden Couas, die schönen Seidenkuckucke oder die endemischen Rotvangas (Schetba rufa) zu entdecken.

Nationalpark von Ankarafantsika
Die madagassische Erzählkunst oder die Märchen berichten auf besondere Art über viele Tiere. Die Lokalführer an der Nordwestküste erzählen den Besuchern gerne die spannende Geschichte des schwarzen Vogels, dem auffälligen Trauerdrongo, genannt auch der Gabelschwanzdrongo. Unverwechselbar ist das Aussehen dieses Vogels mit dem schönen Haarschopf und dem gegabelten Schwanz, wie sein Name andeutet.

Dieser Vogel kommt überall im Trocken-, sowie auch im Regenwald vor. Er ist nicht scheu, aber vor allem ist er ein ausgezeichnet Stimmennachahmer. Vor vielen Jahrhunderten kamen die Seeräuber in die Nähe des Dorfes Maroantsetra an der Nordostküste Madagaskars, um die Dörfer zu plündern und um Gefangene zu machen. Wenn die Dorfbewohner hörten, dass sich die Piratentrupps näherten, flohen sie sofort in den Dschungel. Doch eine Frau mit ihrem kleinen Kind konnte nicht mithalten und versteckte sich im nächsten Dickicht. Gerade als die Piraten an ihnen vorbeieilten, weinte das Baby. Die Seeräuber drehten sich zum Geräusch um, sahen aber nur einen Drongo auf einer Baumkrone, der gerade das weinende Baby nachahmte. So dachten die Fremden, dass sie in die Irre geführt wurden. Sie gaben ihr Unternehmen auf und kehrten zu ihren Booten zurück. Seither wird der Drongo in diesem Dorf verehrt und es ist in der Region tabu oder Fady diesen schönen Vogel zu töten.

Eine Wandertour durch das Trockenwaldgebiet ist aufgrund seiner biologischen Vielfalt und wegen seiner leichten Begehbarkeit sehr warm zu empfehlen. Im Schutzgebiet gibt es gut ausgeschilderte Lehrpfade und die ausgebildeten Führer sprechen französisch und/oder englisch.

Zahlreiche Lemurenarten, wie die roten Coquereli-Sifakas (auch tanzenden Lemuren genannt) siedeln am Parkeingang und begrüssen die Besucher. Die heimischen nachtaktiven goldbraunen Mausmaki (Microcebus ravelobensis) und der seltene Mongozmakis (Eulemur mongoz) sind im Park auch gut zu beobachten.

Nationalpark von Ankarafantsika
Dieses nordwestliche Gebiet wird wegen seiner lang andauernden Trockenperiode Trockenwaldzone genannt, da die meisten Bäume ihre Blätter abwerfen und einige Lemuren wie die Fettschwanzmakis für einige Monate ihren sogenannten Trockenschlaf halten. Bei der Tageswanderung durch den Park entdecken die Naturfreunde und die botanisch Interessierten neben Lemuren, Reptilien und Vögel auch schöne Lianen, riesige Baobabs und zahlreiche Palmen und endemische Sukkulentenpflanzen.

Leider ist das Hotelangebot besonders in der Hochsaison sehr beschränkt. Der Nationalpark bietet einfache Bungalows und Campingmöglichkeiten mit befestigten und überdachten Zeltplätzen an.

Oktober 2020;  Geschrieben von: Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Spezialreservat von Ambohitantely

1710 – Das Spezialreservat von Ambohitantely

Das Spezialreservat von Ambohitantely, ca. 140 km nordwestlich der Hauptstadt ist unser heutiges Reiseziel. Man sollte sehr früh am Morgen aufbrechen, erstens um dem Verkehrs-Chaos zu entgehen und zweitens um die brütende Hitze auf den schönen Wandertouren durch den Park zu meiden. Eine interessante Entdeckungsreise fernab üblicher Routen!

Zügig geht die Autofahrt von Antananarivo auf der RN4 Richtung Nordwesten. Nach etwa 100 km (ca. 2 Stunden Autofahrtzeit) ab der Hauptstadt gelangt man in die Bezirkshauptstadt Ankazobe, dies bedeutet wörtlich “wo grosse Bäume wachsen“. Dieses Örtchen hat seinen Namen aus jener Zeit, als hier noch riesiger Trockenwald das Hochlandes des Westens beherrschte. Von Ankazobe geht die Fahrt ca. 30 km weiter durch den dünn besiedelten Westteil der Insel mit weiten Grasflächen, dann biegt man nach rechts ab bis zur Forststation “Manankazo“. Ein Grossteil der Freiflächen wurde mit Pinien, Eukalyptus, Zypressen und anderen fremden Baumarten aufgeforstet. In vielen Regionen von Madagaskar werden verschiedene Bäume regelmässig auf Eigeninitiative von Gemeinden, von verschiedenen ökologischen Hilfsprojekten und von Madagaskar National Parks während der Regenzeit (zwischen Dezember und März) gepflanzt.

Es ist heiss und ziemlich trocken geworden und neben dem spürbar veränderten Klima fällt auch die sich verändernde Landwirtschaft auf: trockene Weidelandschaften
mit weiten und sanft gewellten Grasflächen werden bis zum Reservat von Ambohitantely durchquert. Das Reservat von Ambohitantely bedeutet “der Ort mit Honig“, denn in den Trockenwäldern dieses Spezialreservates wurde früher wilder Honig gesammelt.

Spezialreservat von Ambohitantely
Das etwa 5’600 ha grosse Spezialreservat liegt zwischen 1300 m und 1650 m über dem Meeresspiegel. Eingebettet in die Hügellandschaft des Hochlandes finden wir Steppen und Savannen. Ein Rest von Urwald von etwa 1’800 ha steht unter striktem Naturschutz, denn in diesem ursprünglichen Teil des Trockenwaldes wachsen seltene Orchideen und wertvolle Edelhölzer wie Palisander und Ebenholz und in den tiefer gelegenen Teilen des Reservates gedeihen die endemischen, winterharten Madagaskar Königspalmen “Dypsis decipiens“, typisch in dieser Region. Das Spezialreservat wirkt daher wie eine dunkelgrüne Oase, wo sich die tagaktiven Braunen Lemuren, die nachtaktiven Wollmakis, die scheuen Mausmakis und zahlreiche Vogelarten tummeln.

Tierliebhaber kommen hier im Reservat auf ihre Kosten, denn die ortskundigen Guides führen die Reisenden durch das unerschlossene Gelände und freuen sich, den Besuchern die zahlreichen Reptilien z.B. die gut getarnten Chamäleons zu zeigen.
Insgesamt gibt es über 50 bekannte Chamäleonarten auf Madagaskar, das Wort Chamäleon ist ein griechisches Wort, wörtlich heisst dies “Erd-Löwe“. Die Einheimischen nennen diese Kriechtiere “Tanalahy“ im Hochland oder “Tarondro“ im Norden. Die verschiedenen Arten kommen auch ganz verschieden daher: mal mit kantigem Kopf, mit Helm, mit Nasenlappen oder mit Hörnern auf der Nase.

Von den vielen Reptilien auf der ganzen Insel sind die Chamäleons wohl die beliebtesten, nicht nur wegen der bunten Farben sondern auch, weil man sie in der Natur leicht beobachten und in die Hand nehmen kann. Diese “Meister der Tarnung“ sind tagaktiv und ernähren sich von Insekten wie Heuschrecken, Fliegen und anderen Kleintieren. Sobald ein Beutetier entdeckt ist, wird es mit beiden Augen angepeilt, dann öffnet sich langsam das Maul und plötzlich schnellt die lange Schleuderzunge hervor. Ein faszinierendes Spektakel, das sich im Bruchteil einer Sekunde abspielt, so dass das menschliche Auge diesem Vorgang nicht folgen kann, es ist auch ziemlich schwierig zu fotografieren.
Die Augen können unabhängig voneinander bewegt werden, so kann beispielweise das linke Auge nach hinten schauen, während das rechte nach vorne starrt. Auf diese Weise behalten die Tiere den Überblick auf die Umgebung, auch ohne den Kopf auffällig bewegen zu müssen. Dieses Verhalten ist sehr wichtig, denn das Leben im Geäst ist für sie sehr gefährlich.
Die Einheimischen fürchten diese Tiere und weigern sich diese anzufassen (ausser der Lokalguide natürlich). Trotzdem sind die Leute von diesen sich unabhängig voneinander bewegenden Augen nach vorne und nach hinten oder nach links und nach rechts fasziniert und haben daraus einen bekannten Spruch gemacht: “Handle wie die Chamäleons, blicke mit einem Augen in die Vergangenheit und mit dem anderen in die Zukunft“.

Neben der Färbung, die sie sehr gut an ihre Umgebung anpassen können, tarnen sie sich auch durch die Art ihrer Fortbewegung. Meistens setzten sie im Schneckentempo einen Fuss vor den anderen und schaukeln merkwürdig vor und zurück. Dieses Verhalten ist der Bewegung von Ästen und Blätter im Wind sehr ähnlich und erschwert es den Feinden, die Chamäleons zu entdecken. Dieses typische Verhalten der Chamäleons entspricht auch der madagassischen Lebensweise: “Mach es wie die Chamäleons, 2 Schritte vorwärts und 1 Schritt zurück“.

Dieses Reptil, das die Eigenschaft hat, ständig die Farben zu wechseln, ist auch ein charakteristisches Merkmal für Leute, die ihr Verhalten, die Laune oder auch die Meinung schnell und häufig wechseln. Deshalb wird dieser einzigartige Charakter der Chamäleons in den madagassischen Sprichwörtern und Reden häufig benutzt.
Die Chamäleons sind meist standorttreu, ein Glück für die lokalen Führer, denn so können sie leicht gefunden werden, meisten in kleinen Gebüschen am Waldrand oder auch in der Nähe von Dorfsiedlungen, wo sie häufig ihr Futter finden können.
Viele fleischfressende Raubvögel gehören leider zu ihren grossen Feinden und neben den Vögeln werden sie oft auch von der Boa, einer Würgeschlange, gefressen.

Das winzige Brookesia wird auch als Stummelschwanzchamäleon oder als Zwergchamäleon bezeichnet. Diese Arten haben keine grosse Farbwechselmöglichkeit, denn sie haben unscheinbare braune Farben. Da sie auf dem Boden unter welkenden Blättern und trockenem Laub leben, sind sie sehr gut getarnt und werden deshalb auch als Erdchamäleons bezeichnet.

Spezialreservat von Ambohitantely
Auch die verschiedenen Geckos gehören zu den attraktiven Tieren in diesem Reservat. Die speziellen Haftzellen an den Fingern und Zehen ermöglicht es ihnen, sich unter Blättern oder an der Zimmerdecke festzuhalten, wo sie stundenlange auf Ihre Beute wie Mücken oder andere kleine Insekten lauern. Der farbenprächtige und tagaktive Phelsuma Madagascariensis hat eine leuchtend grüne Farbe mit blutroten Flecken auf Kopf und Rücken. Sie liegen auf den grossen Blättern oder den Baumstämmen, um sich zu sonnen und lecken den Pflanzensaft verschiedener Baumarten.

Auf einer Abendwanderung durch dieses Naturschutzgebiet kann man viele nachtaktive Tiere entdecken. Berühmt wegen ihrer Seltenheit und ihres Aussehens mit den überdimensionalen Köpfen und den flachen Schwänzen sind die Plattschwanzgeckos (Uroplatus), auch als Flachkopfgecko bekannt. Tatsächlich können sie sich mit ihrem flachen Körper, ihrer Kopfform und mit ihrem blattartigen Schwanz ganz perfekt an die Farben der Baumstämme anpassen. Die graugrünen Blattschwanzgeckos, aber auch die nachtaktiven Lemuren können dank ihren grossen glänzenden Augen mit einer guten Taschenlampe leicht entdeckt werden.


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Die Braunen Lemuren Eulemur Fulvus Rufus streifen in grossen Gruppen von ca. 5 bis 15 Tieren im Wald umher und fressen Blätter, Blüten sowie Früchte des Trockenwaldes.
Sie sind früh am Morgen leicht zu finden, wenn sie von Baum zu Baum springen und auf Futtersuche sind.

Der nachtaktive “Avahi Laniger“ oder Wollmaki ist ein blattfressender Lemur. Im Gegensatz zu den anderen Nachtlemuren schlafen sie als Familiengruppen in Astgabeln. Sie haben einen auffälligen weissen Streifen an der Innenseite der Oberschenkel. Mit einer guten Taschenlampe finden die Lokalguides ihre roten Augen, wenn diese in der Dunkelheit leuchten.

Der braune Mausmaki (Micocebus Rufus) gehört zu den kleinsten Primaten auf der ganzen Welt. Sie wiegen maximal 50 g und messen ca.15 cm einschliesslich ihres verhältnismässig langen Schwanzes. Ihre grossen Augen weisen auf ihre nächtliche Lebensweise hin und als Nachttiere leben sie in Nestern und Baumhöhlen. Sie fressen sowohl Früchte als auch Insekten, mit Vorliebe die wilden Früchte oder die süssen Beeren im Wald. Leider werden ihre Lebensräume mehr und mehr durch menschliche Eingriffe wie Abholzung und Brandrodung zerstört.

Spezialreservat von Ambohitantely
Ambohitantely wurde seit 1996 von Madagaskar Nationalpark als Spezialreservat ausgewiesen und eigentlich ist dieses Reservat mehr für Wissenschaftler und Spezialisten geeignet, aber in Betracht der überschaubaren Grösse und des landschaftlichen Reizes ist es auch für Touristen einen Besuch wert. Dieses Naturschutzgebiet dient auch als Schulungsstätte für Forscher und für Biologie-Studenten.

Jedes der über 50 zugänglichen Naturschutzgebiete Madagaskars hat mehrere Wanderwege und Touren mit unterschiedlicher Dauer und Schwierigkeitsgraden. Sie können gegen Bezahlung einer Eintrittsgebühr besucht werden. Ein lokaler Parkführer muss obligatorisch angeheuert werden, er kennt das Gebiet, die Tiere, die endemischen sowie die Medizinpflanzen. Je nach Interesse und Kondition der Reisenden schlägt der Führer den Besuchern verschiedene Rundweg durch das Reservat vor.
Leider verfügt dieses Spezialreservat von Ambohitantely über keinerlei touristische Infrastruktur. Es finden sich lediglich Campingmöglichkeiten, aber die Ausrüstung sowie Proviant und Trinkwasser müssen selbst mitgebracht werden.

Nach dem erlebnisreichen Aufenthalt in diesem Spezialreservat kann man die Reise Richtung Nordwesten zum Nationalpark von Ankarafantsika fortsetzen: Innerhalb dieses dichten Trockenwaldes mit vielen langen Lianen gibt es eine ganze Reihe von gekennzeichneten Wanderwegen, deren Länge und Schwierigkeitsgrade unterschiedlich sind, es ist aber auch ein schönes Naturschutzgebiet – zum Staunen!

Oktober 2020; geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Sainte Marie Tropeninsel

1410 Sainte Marie oder Nosy Boraha

 Eine Reise an die Ostküste (Andasibe, Tamatave) oder an die Nordostküste (Masoala Regenwald) lässt man am besten mit einigen idyllischen und erholsamen Tagen auf dem Inselparadies Sainte Marie ausklingen. Diese Reisekombinationen sind allerdings vom Binnenflugplan abhängig.

 

Nach einem ca. einstündigen Flug ab der Hauptstadt Antananarivo oder ab der Hafenstadt Tamatave oder auch nach einer ca. 2 bis 3 stündigen Bootsfahrt (je nach den Wetter-Bedingungen) heisst uns die tropische Insel Sainte Marie willkommen. Sie liegt wie ein Ausrufezeichen in Sichtweite vor der Küste Madagaskars.

 Das Naturparadies an der Nordostküste Madagaskars heisst auf Französisch Sainte Marie oder Nosy Boraha auf Madagassisch und dieser Name ist heute der offizielle madagassische Name. Der Name Boraha ist nämlich mit verschiedenen Legenden und mit der Geschichte der Insel verbunden.

Boraha soll vom Namen Ibrahim oder Abraham abstammen, ein arabischer oder jüdischer Seefahrer, der sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit weiteren Leuten aus seiner Heimat auf der Insel niederliess.

Die mündliche Überlieferung erzählt auch von einem Mann namens Boraha, der einst von einem Wal aufs offene Meer getrieben wurde, schliesslich auf der Insel strandete und hier siedelte.

Im lokalen Dialekt wird diese Tropeninsel auch Nosy Mbavy oder “Insel der Frauen“ genannt.

Die Insel bedeckt eine Fläche von ca. 210 km², ist etwa 58 km lang und zwischen einem und knapp 6 km breit. Landschaftlich hat die Insel einiges zu bieten, ein grünes, tropisches Fleckchen mit üppiger Vegetation und exotischen Früchten, schattenspendenden Kokospalmen, rauschenden Wasserfällen, türkisfarbenen Lagunen, weissen Sandbuchten, endlosen warmen Sandstränden, einem blaugrünen Meer … und nicht zu vergessen die gastfreundlichen Insulaner! Diese Eigenschaften faszinieren bis heute die Madagaskar-Besucher!

Man braucht nur Augen und Ohren offen zu halten und jeder Reisende kann diese Schatzinsel in vollen Zügen geniessen. Inselfeeling pur …

Seine Pflanzenpracht verdankt Sainte Marie dem Ostenküstenklima mit seinen reichlichen Niederschlägen. Der fruchtbare Boden lässt auch edle Gewürze wie Vanille, Zimt, Gewürznelken und Pfeffer, sowie duftende Orchideen und zahlreiche andere Blüten im Überfluss wachsen. Die wichtigste Einkommensquelle der Inselbewohner sind der Anbau und Verkauf der Gewürznelken. Wenn man Glück hat, entdeckt man auf einem Sparziergang am Waldweg die seltene Orchideenart Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale).

Gute Eindrücke vom Inselleben erhält man bei Rundgängen auf schmalen Pfaden über flache Hügel, entlang kleiner Wasserläufe und vorbei an tropischer Pflanzenpracht. Im Inselinneren trifft man die Einheimischen in ihren Palmhütten, auf Reis- oder andern Feldern. Das Motto für den Badeurlaub auf der Insel heisst auf madagassisch “Moramora“, dies bedeutet soviel wie “immer mit der Ruhe“ oder “nimm dir Zeit“ und einfach “geniessen“. Ungeduld ist unhöflich und dies trifft sehr gut den Alltag der Inselbewohner, denn sie haben Zeit im Überfluss. Das Leben läuft entsprechend geruhsam ab, hier reparieren die Männer die Dächer der blattbedeckten Pfahlhütten, in der Nähe stampfen die Frauen Reis oder Mais, die Grosseltern tauschen auf Strohmatten sitzend Neuigkeiten mit ihren Nachbarn aus und die Kinder spielen miteinander und passen auf ihre kleinen Geschwister auf. Nur bei Sonnenuntergang herrscht ein fast geschäftiges Treiben. Die Fischer machen sich mit Speeren und Netzen auf, um das Abendessen zu fangen und abends vor dem Schlafen gehen, sitzen alle Familienglieder bei Kerzenschein oder am Feuer zusammen.

Das Leben ist recht beschaulich auf dieser Insel. Wenn die Reisenden auf der teilweise geteerten Strasse mit dem Mietwagen, dem Tuk Tuk oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, lässt sich die Insel Stück für Stück erkunden. Die verschiedenen Ausflugziele sind relativ einfach vom Hauptort Ambodifotatra zu erreichen, die Hotels helfen den Besuchern auch gerne bei der Organisation der verschiedenen Exkursionen.

Der Hauptort der Insel heisst Ambodifotatra (wörtlich heisst das “in der Nähe des Baumes Fotatra“. Dieser Riesenbaum mit wissenschaftlichem Namen Barringtonia butonica wächst häufig auf dieser Tropeninsel und ist eine immergrüne, schattenspendet Baumart, deren Blüten nachts einen intensiven Duft verströmen. Ambodifotatra liegt ca. 12 km nördlich des Flughafens an der Westküste und ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. Hier befinden sich auch der kleine Hafen für die Ein- und Ausreise zum Festland, verschiedene Banken, die Post, auch Internetcafés und viele Läden. Ein Spaziergang durch das verträumte Nest, das bunte Markttreiben mit vielen Gemüsesorten oder ein Bummel durch die Kunsthandwerksläden vermitteln viele Eindrücke über das Leben der St. Mariens.


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Die einzige Piste vom Süden nach Norden führt zum “Naturpool“. Man fährt etwa 40 km auf einer holprigen Piste, über mehrere Hügelketten, vorbei an malerischen Dörfern und an kleinen Gewürzfeldern. Hier locken auch ein Wasserfall und ein klarer Teich, nicht umsonst zählt diese Strecke zu den beliebtesten Ausflugszielen der ganzen Insel.

Das “Piscine Naturelle“ (natürliches Schwimmbad) mit wunderbaren Rast- und Bademöglichkeiten liegt am nördlichen Ende der Insel und nicht weit vom grossen Leuchtturm Phare Albrand entfernt. Die kurze Wandertour zu diesem “heiligen Wasserbecken“ sollte man wegen der Tabus unbedingt in Begleitung eines einheimischen Führers machen, denn an diesem Ort mit mehreren Felslöchern wohnen die Vorfahren der St. Mariens. An diesem idyllischen und erholsamen Sandstrand, weit weg vom grossen Rummel, ist natürlich baden möglich und wer kein Picknick Mittagessen mitgenommen hat, kann im kleinen lokalen Gasthaus mit offener Terrasse madagassische Spezialität bestellen.

In den Monat Juli bis September bietet sich ein ganz besonderes Erlebnis auf der Insel: Die Buckelwale aus der Antarktis kommen wegen des planktonreichen Gewässers hierher und tummeln sich an der Westküste der Insel. Alljährlich um diese Zeit ziehen viele dieser beeindruckenden Meeresriesen der Küste Madagaskars entlang, um sich zu paaren oder zu kalben. Ein eindrucksvolles Schauspiel, das lange in Erinnerung bleibt! Die Hotels organisieren mit Motorbooten einzigartige Walbeobachtungen und ermöglichen ihren Gästen, auf kurze Distanz die durchziehenden Riesentiere mit ihren Kälbern hautnah zu beobachten. Solche Tagesausflüge gehören zu der Hauptattraktionen auf der Insel und sind sehr beliebt.

Eine weitere beliebte Exkursion auf Sainte Marie ist der Besuch des sagenumwobenen Piratenfriedhofs am Südende der Baie des Forbans oder auf deutsch die “Seeräuberbucht“. Der Zugang befindet sich am Südende der Bucht und ist etwa eine halbe Stunde zu Fuss bei Ebbe zu erreichen.

Dieser Friedhof erinnert in vielen Aspekten an die ehemalige Inselgeschichte. Oben auf den Hügeln öffnet sich der Blick nicht nur auf die Bucht der Insel, sondern auch auf die Ruhestätten zahlreicher Piraten, die hier zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert bestattet wurden. Viele Gräber sind mit Totenschädeln und mit zwei gekreuzten Knochen geschmückt und die Gravuren auf den vermoosten Grabsteinen lassen die Phantasie schweifen. Der lokale Führer erzählt gerne die spannende Geschichte dieser Freibeuter, die sich damals in die madagassische Gesellschaft integrierten.

Man kann sich sehr gut vorstellen, warum einst die Seeräuber diese verträumten und versteckten Buchten als ihren bevorzugten Rückzugsort oder Schlupfwinkel ausgewählt hatten. Die Lage und die Bedingung waren ideal für einen Piratenstützpunkt: fruchtbaren Boden mit tropischem Klima, genügend Lebensmittel, frisches Wasser und vor allem die Handelsrouten im Indischen Ozean, um die vorbeisegelnden Handelsschiffe auf ihrem Weg von Arabien und Asien zu überfallen.

Tatsächlich war Madagaskar zwischen 1680 und 1720 ein berüchtigter Piratenhort, wo Seeräuber ihre Segelschiffe reparierten, ihr Diebesgut verhökerten und sie es sich einfach gut gehen liessen. Das erste und einzige PRIORI-Piratenmuseum in Antananarivo beschreibt und beleuchtet ausführlich die Hintergründe und die Aktivitäten der damaligen Freibeuter in Madagaskar und berichtet auch über das Ende der Piraterie im indischen Ozean.

Noch immer führt die Inselbevölkerung ein recht ursprüngliches Dasein, denn als Unterkünfte dienen meist einfache palmengedeckte Hütten, gebaut aus der stolzen Ravinala-Palme, die das wichtigste Baumaterial liefert.

Die verschiedenen Spaziergänge durch die malerischen Fischerdörfer mit den duftenden Nelkenfeldern, die gemächlichen Pirogenfahrten entlang der Küste, die vielen Badebuchten oder die Velofahrten durch die duftenden Gewürzfelder mit Vanille, Zimt und Nelken lassen allen Besuchern Raum, um die Insel zu erkunden.

Die schönen Korallenriffe und interessanten Wracks rund um die Insel sind fast das ganze Jahr über eine Herausforderung für Taucher und Schnorchler.

Mit dem Tuk Tuk oder dem Taxi geht es zum kleinen Meereskanal, der die grosse Insel Ste. Marie vom schönen Naturparadies, der kleinen Insel Ile aux Nattes oder Nosy Nato, trennt. Man erreicht die paradiesische, romantische Insel mit einer Piroge bzw. einem Einbaum. Ruhesuchende finden hier ein Eiland ohne Strassen und autofrei!

Die traumhaften Strände, das beschauliche Inselleben, die hervorragende Küche, die freundlichen Insulaner machen die Insel zu einem märchenhaften Ort.

Die Insel ist weitaus ursprünglicher als die Hauptinsel Sainte Marie, das Leben geht seinen ruhigen Gang. Hier tummeln sich die Fische in allen Farben und Formen. Das wissen auch die Fischer, die aus ihren kunstvoll aus einem Stamm gehauenen Pirogen ihre Netze auswerfen. Hier gibt es nur einige schmale Fusspfade über den sandigen Boden, die sich zwischen Palmen, tropischen Gewächsen, kleinen Bungalows und Hütten hindurchschlängeln.

Durch Reisfelder, Dörfer und Weiler gelangt man bis zum Leuchtturm, von dem aus man einen weiten Rundblick über das Meer und die Insel hat.

Gäste sind in hübschen Bungalows untergebracht, die sehr geschmackvoll eingerichtet sind und über Bad und Terrasse verfügen. Auf der Speisekarte stehen die Spezialität des Hauses: frisch gefangene Garnelen mit grüner Pfeffer Sosse oder gegrillter Fisch nach madagassischer Art …

Ein paar Schritte über den feinen weissen Sandstrand und das warme Wasser des Indischen Ozeans umspült die Füsse. Oder man geht bis zum Korallenriff, wo man bereits nach wenigen Metern viele bunte Fische und Meerestiere beobachten kann.

Bitte Taucherbrille und Schnorchel nicht vergessen, ansonsten könnten die Hotels gerne welche ausleihen.

Natürlich bleibt Zeit und Musse unter den schönen Palmen am Strand “die Seele baumeln zu lassen“ und bei einem erfrischenden Getränk und mit einem guten Buch im Liegestuhl den Abend und später den Sonnentergang zu geniessen.

Die beiden Inseln Sainte Marie und Ile aux Nattes sind kleine Paradiese für Reisende, die mehr Natürlichkeit und persönlichen Kontakt suchen.

Man kann die Madagaskarreise hier starten bzw. sich hier in aller Ruhe akklimatisieren und sich für die bevorstehenden Entdeckungstouren vorbereiten oder sich am Ende einer

Madagaskarreise auf diesen Tropenparadiesen entspannen und die vielen Reiseeindrücke verarbeiten.

Wer einmal hier war, den packt irgendwann wieder das Fieber der Sehnsucht, nach all dem, was unentdeckt blieb, denn die Vielfalt der Inseln und die Gastfreundlichkeit der Insulaner wecken in einem die Lust, die verschiedenen Highlights dieser Naturparadiese noch einmal zu erleben.

August 2020; geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Schulsystem in Madagaskar

Schulsystem in Madagaskar

Das Schulsystem ist ein sehr komplexes Thema in Madagaskar. So scheint, es, dass wir in Madagaskar, jedes Mal, wenn die Regierung wechselt, auch das Schulsystem ändern. Jedes neubesetzte Ministerium möchte etwas Neues mitbringen und am Schluss kommen wir immer wieder an den Startpunkt…

Bei der Allgemeinbildung ist das Bildungsministerium der Hauptverantwortliche des Schul- und Hochschulwesens, die einzelnen Aufgaben werden jedoch hierarchisch verteilt.

Dabei können unterschieden werden:

Das «DREN» (Direction régionale de l’Education National) oder eine Abteilung des Bildungsministeriums, die die Bildungspolitik des Staates unter Berücksichtigung der Besonderheiten jeder Region festlegt.

Das «CISCO» (Circonscription Scolaire), welches sich in jedem Distrikt befindet und die Aufgabe hat, den reibungslosen Ablauf des Bildungsprozesses sicherzustellen.

Die «ZAP» (Zone d’Administration Pédagogique). Die Hauptaufgaben der ZAP-Chefs betreffen Ausbildung, Bildungsaufsicht, Überwachung und Bewertung der Arbeit von Schulleitern und Lehrern in ihren jeweiligen Gemeinden.

Während der ersten Republik in Madagaskar, in der Zeit von 1960–1972, wurde das französische Schulsystem übernommen und alles wurde auf Französisch gelehrt. In der zweiten Republik jedoch, in der Zeit des Sozialismus, wurde die madagassische Sprache in allem Bereich benutzt. So wurden alle Schulfächer ab dann in Madagassisch gelehrt.

Seit dieser Zeit beginnen die Kinder in Madagaskar die Schule mit dem 6. Lebensjahr und fangen dann mit dem sogenannten «T1» («T» = die Abkürzung von «Taona», was «Schuljahr» bedeutet) an.

Am Ende der Grund-, Realschul- oder Gymnasialzeit müssen die Kinder in Madagaskar eine staatliche Prüfung bestehen. Alle Schulen müssen also die folgende Reihenfolge: T1, T2, T3, T4, T5 (Prüfung), T6, T7, T8, T9 (Prüfung), T10, T11, T12 (Prüfung) einhalten. An der Universität kann man nach zwei Jahren Studium das «DUEL» (Diplôme Universitaire elementaire) erhalten, dann die Lizenz, den Master und das Doktorat.

Ab 1991 wurde der Unterricht und das Studium in Madagaskar gleichzeitig auf Madagassisch und Französisch durchgeführt.

Bei der neuerlichen Änderung der Unterrichtssprache auf Französisch, verwendete man die folgenden Begriffe:  Klasse 11ème, 10ème, 9ème, 8ème, 7ème (Prüfung), 6ème, 5ème, 4ème, 3ème (Prüfung), 2nde, 1ère, Terminal (littéraire und scientifique) (Prüfung), dann Universität.

Seit der Reform von 2007/2008, spricht man über CP1, CP2, CE, CM1, CM2 für die Grundschule. Eine Änderung ab der Realschule erfolgte nicht.

Die oben beschriebenen Informationen sind die Basis des Schulsystems in Madagaskar. Aber die Schulen in Madagaskar setzen sich aus öffentlichen und privaten Schulen zusammen.

Bei der öffentlichen Schule verhält sich alles wie beschrieben, neu eingeführt ab 2011 wurde jedoch die einjährige Vorschule. Das heisst, statt mit 6 Jahren, beginnen die Kinder die Schule bereits mit 5 Jahren.

Die private Schule in Madagaskar beinhaltet beispielsweise religiöse Schulen sowie die normalen Privatschulen.

Die Schule in Madagaskar ist in vier Teilbereiche gegliedert, die, je nach Alter und Niveau unterteilt sind: Kindergarten und Vorschule dauern mindestens ein Jahr. Hier finden sich Kinder ab dem Alter von 2 Jahren. Das Ziel dieser Einrichtungen ist es, den Kindern Kontakte zu Gleichaltrigen zu ermöglichen und sich für soziale und pädagogische Aktivitäten zu öffnen. Die Vorschule bereitet das Kind auf die Grundschulbildung vor.

Schulen, die einen Kindergarten integriert haben, können die Kinder schon ab 2 Jahren besuchen. Dort ist die Reihenfolge der Schuljahre: «petite section», «moyenne section», «grande section», 11ème usw.

Bei der katholischen Schule beispielsweise müssen die Kinder am Anfang des Schuljahres 4 Jahre alt sein und beginnen dann mit der Vorschulklasse von 12ème.

Im Primar- oder Grundschulbereich unterrichtet man die Kinder ab dem 4. Lebensjahr, je nach Art der Schule. Es erfolgt koedukativer Unterricht, das heisst, Jungen und Mädchen lernen in einer Klasse gemeinsam. In diesem Jahr (2020) ist der Schulbesuch kostenlos (ausser Schulmaterialen) für öffentliche Schulen und hat 5 Stufen. Er endet mit dem Erhalt des « CEPE » (Certificat d’Études Primaires et Élémentaires).

Mittel- oder Realschule: Alle Schüler, die das Zertifikat für Grundschulbildung (CEPE) erhalten und die Aufnahmeprüfung für die sechste Klasse bestanden haben, dürfen sich an weiterführenden, öffentlichen Schulen einschreiben. Für den Besuch der privaten Schulen braucht man nur das CEPE.

Wenn man vier Schuljahre mit Erfolg absolviert hat, erhält man das «BEPC» (Brevet d´Étude du Premier Cycle de l’Enseignement Secondaire).

Ab der Realschule lernen die Kinder vor allem theoretisch, ausser im Fach Sport. Sie müssen dabei die Lektionen nur lernen und wiederholen können.

Als Fächer haben sie: Geschichte und Geographie, Mathematik, Chemische Physik, die Wissenschaft von Leben und Erde, Madagassisch, Französisch und andere Sprachen wie Englisch, Deutsch oder Spanisch.

Das Fach Sport ist ab der Realschule obligatorisch und jeder Schüler muss kollektiven und individuellen Sport treiben. Es wird bezeichnet mit EPS = Education Physique et Sportive.

Das Lycée oder Gymnasium besuchen Schüler vom zweiten (2nde) bis zum letzten Schuljahr (3 Schuljahre) und dort werden sie auf das Abitur vorbereitet.

Die öffentlichen Schulen in diesem Niveau steht dabei allen Schülern offen, die das BEPC vorweisen können und die Aufnahmeprüfung für die zweite Klasse bestanden haben.

Für eine private Schule braucht man nur das BEPC.

Die Eintrittsmöglichkeit an die Universität (private oder öffentliche) wird durch eine Aufnahmeprüfung geregelt, denn die Anzahl der Eintritte hängt von der Aufnahmekapazität der jeweiligen Universität ab.

Seit der Reform benutzen alle Universitäten das System «LMD» (oder Lizenz, Master, Doktorat) für ihr Diplom. Wenn man nun also unter drei Jahren an der Uni studiert, erhält man kein Diplom mehr.

Auch muss man nach jedem Semester eine Prüfung absolvieren und bestehen, um in die nächste Stufe zu kommen.

Der Besuch der Universität ist also nur für Jugendlich möglich, die sehr viel Geduld haben und gut gestellt sind, denn man muss mindestens 12 Jahren des Lebens hierfür investieren.

So muss also der Staat, alle Schulverantwortlichen und besonders die Eltern alles was nötig ist machen, um die Jugendlichen zu ermutigen, diesen langen Ausbildungsweg anzustreben.

Auf Madagassisch sagt man immer „Ny Fianarana no lova tsara indrindra“ oder „Lernen ist das beste Erbe“.

Oktober 2020, geschrieben von Micahel PRIORI Antananarivo