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Küstenregenwald von Masoala

1691 – Der Küstenregenwalt von Masoala

Die beste Möglichkeit den Nationalpark von Masoala zu erreichen, ist per Flug. Allerdings sind die Reisedaten auf die entsprechenden Inlandsflüge abzustimmen, die die Routen nur an bestimmten Wochentagen bedienen.

 

So fliegt man von der Hauptstadt Antananarivo entweder nach Sambava in der Region SAVA, an der nördlichen Ostküste Madagaskars und fährt von dort nach Antalaha, um von dort oder dem nahen Cap Est ein Trekking in den Masoala zu unternehmen. Oder das, in der Innenbucht der Masoala-Halbinsel gelegene Maroantsetra ist Ausgangspunkt für den Nationalparkbesuch. Von Maroantsetra reist man, gerne mit einem Abstecher über die Insel Nosy Mangabe, an den Rand des Masoala. Dort angekommen kann man von einem Standorthotel entweder Tagestouren in den Masoala Nationalpark unternehmen oder aber, man startet von dort zu einer der zahlreichen Trekking-Varianten im Camping-Stil. Für beide Möglichkeiten ist die Begleitung durch einen fachkundigen, örtlichen Guide obligatorisch.

Für die Rückfahrt nach Maroantsetra organisieren die Unterkünfte Bootstransfers.

Masoala Nationalpark
Der Masoala Nationalpark liegt im Nordosten von Madagaskar und ist mit seinen 2‘100 km² Fläche das grösste der insgesamt fast 100 Schutzgebiete der Insel.

Der dichte, feuchte Wald befindet sich auf einer mittleren Höhe von 0-800 m.ü.M. Dabei enthält der östliche Küstenwald von Masoala 50% der Biodiversität von ganz Madagaskar. So ist er das letzte Rückzugsgebiet des Roten Varis (Varecia rubra). Auch Masoala-Gabelstreifenmakis sowie das Aye-Aye kommen vor. Seltene Vögel, wie der Madagaskar-Schlangenhabicht (Eutriorchis astur) oder der Helmvanga (Euryceros prevostii) finden hier noch ihren ansonsten bereits zerstörten Lebensraum. Wer genau hinschaut, entdeckt auch die wundersamen Tenreks, Chamäleons verschiedenster Grössen, Frösche, Fische, seltene Schmetterlinge und Wirbellose. Die Flora des Masoala wartet auf mit endemischen Bäumen wie den Balsambaumgewächsen (Canarium) und Rosenholz und Palisander (Dalbergia). In einem Gebiet um Cap Est ist gar die zu den fleischfressenden Pflanzen zählende, Nepenthes masoalensis zu finden.

Der Masoala Nationalpark wurde bereits 1997 ausgewiesen und im Jahre 2007 aufgrund seines Naturreichtums zu einem Teil des UNESCO Weltnaturerbes.

Er ist eine der seltenen Regionen Madagaskars, bei der der Wald mit dem Meer verbunden ist.

In den Küstengewässern des Masoala lässt sich beim Tauchen oder Schnorcheln die Meeresflora und -fauna erkunden. In der Regel ist es von Mitte Juni bis Anfang September ebenfalls möglich, in der angrenzenden Bucht von Antongil, Buckelwale zu beobachten, die sich dort paaren oder ihre Kälber gebären.

 

Nosy Mangabe
Die Insel Nosy Mangabe war zu früheren Zeiten von Piraten besiedelt. Gravierte Steine zeugen von der Passage von verschiedenen niederländischen Schiffen in den umgebenden Gewässern in der Zeit von 1601 bis 1657. Zu dieser Zeit war Nosy Mangabe bekannt für die Versorgung mit Trinkwasser und als Post-Insel.

Das Naturreservat auf der malerischen Insel, ca. 5 km vom Festland entfernt, hat eine Fläche von über 5,2 km². Nosy Mangabe gehört bereits zum Gebiet des Masoala und bietet Besuchern die Möglichkeit eine Tages- und Nachtwandertour mit Zeltübernachtungen zu unternehmen.

Es gibt auch zahlreiche endemische Pflanzen und Tiere wie Lemuren, Geckos, Chamäleons, andere Reptilien und auch Amphiben zu entdecken.

 

Trekking Masoala
Hier drei Beispiele für die populärsten Trekking-Varianten im und um den Masoala Nationalpark:

1.) ANTALAHA – CAP EST – TREKKING – MAROANTSETRA oder umgekehrt

Für diese Trekking-Tour sind, bereits im Gebiet angekommen, 7 oder 8 volle Reisetage zu veranschlagen. Übernachtet wird dabei im Zelt oder bei Einheimischen.
Die erste Etappe ist einen Besuch der Stadt Antalaha, mit Markt, Kirche, Strand, dem Hafen und anderen sehenswerten Orten.
Am Folgetag erreicht man in mindestens vierstündiger Fahrt den Ort Ambohitralana. Weiter geht es dann mit der Piroge gegen den Strom des Flusses Onive. Mit etwas Glück sieht man Krokodile, die ihr Sonnenbad am Ufer des Flusses geniessen.

Bald schon ist das Gebiet des Masoala Nationalparks und der Waldrand erreicht.
In den weiteren Tagen wird der Nationalpark von Nordosten nach Südwesten durchquert. Die Übernachtung erfolgt im Zelt inmitten des Waldes.
Unterwegs können wir die Kaskade des Wasserfalls Bevontsira von Ferne sehen und bewundern. Und mit etwas Glück gelangen auch Lemuren, Vögel, Reptilien und andere Tiere vor die Linse.

Die zweite Etappe der Trekking-Tour führt durch kleine Dörfer und Weiler, wo man mehr Kontakt mit Einheimischen haben kann.
Da hier seit ein paar Jahren das sogenannte „grüne Gold“, die Vanille, angebaut wird, kann im Juli und August deren Ernte beobachten. Begleitet wird dies oft mit Freude und lauter Musik, denn die Vanille bietet eine gute und meist sichere Einnahmequelle.

2.) ANTALAHA – MAROFINARITRA – AMPOKAFO – AMBATOLAIDAMA – MAROANTSETRA

Für diese Trekking-Tour kann man 5 oder 6 volle Reisetage rechnen. Nach einer halbtägigen Autofahrt startet man die Wanderung durch Dörfer und üppig grüne Landschaft. Dabei kann man einen guten Einblick in Kultur und Bräuche der Einheimischen erhalten und das tägliche Leben hautnah miterleben.

Auf einer weiteren Etappe quert man den Wald von Ambatolaidama (einen Teil des Waldes des Masoalas), wo man im Zelt oder in den einfachen Bungalows des Parks übernachtet. In der Umgebung des Bungalows ist es erlaubt Abendwandertouren zu unternehmen. Das weitere Trekking durch Wald und die Zivilisation der Dörfer führt schliesslich zurück nach Maroantsetra.
3.) MAROANTSETRA – AMBANIZANA – AMBODIFORAHA

Dies ist die kürzeste der drei beschriebenen Routen, die man in 5 Tagen schaffen kann.

Hier führt die erste Etappe parallel zur Bucht von Antongil. Nach einer Boots- oder Pirogenfahrt erreicht man den Privatpark von Farankaraina, wo man im Zelt übernachten und eine Abendwanderung unternehmen kann. Während des Trekkings durch Dörfer und Kulturlandschaft ergibt sich auch Gelegenheit, Nelken- und Vanilleplantagen zu besuchen. Das Trekking führt schliesslich am Rand des Masoala-Waldes und entlang des Meeresufers zurück zum Ausgangspunkt.

Nosy Mangabe

1680 – Maroantsetra und die Insel Nosy Mangabe

Maroantsetra, ein beschauliches Städtchen am Ende einer Bucht. Ein Traum aller Seefahrer.


Durch seine isolierte Lage ist Maroantsetra ein ruhiges Städtchen, es hat einen kleinen Hafen und ist ein regionales Schiffbauzentrum in der geschützten Bucht von Antongil. Maroantsetra ist Provinzhauptstadt und liegt ca. 100 km nördlich von Mananara.

Die Gegend ist eine der regenreichsten von ganz Madagaskar. Von Süden her ist Maronatsetra während der Trockenzeit über eine abenteuerliche und sehr schlechte Schlammpiste und nur mit einem speziellen Geländewagen mit erhöhter Bodenfreiheit erreichbar. Die Landschaft ist aber abwechslungsreich, wild und vor allem unberührt.
Am besten ist dieser abgelegene Ort per Flugzeug 1- oder 2-mal pro Woche ab der Hauptstadt Antananarivo oder ab Tamatave erreichbar.

Im Kleinstädtchen Maroantsetra regnet es fast das ganze Jahr über, besonders zwischen Januar und August. In der Trocken-Periode ab September bis Dezember regnet es dann weniger. Die Summe der Niederschläge beträgt 3275 mm.

Die malerische Stadt ist umgeben von einer grossen Agrarregion und neben der Arbeit auf den vielen Vanille-, Kaffee- und Nelkenplantagen stellt der Fang von Fischen, Krabben und Garnelen einen wichtigen Erwerbszweig in dieser Gegend dar. Die Stadtbewohner sind freundlich und der Besuch des üppigen Marktes unter freiem Himmel mit den verschiedenen tropischen Früchten, dem frischen Gemüse und anderen Lebensmitteln erweist sich als sehr interessant. Im lebhaften Kleinstädtchen befindet sich auch eine nicht unbedeutende Schiffswerft. Es lohnt sich, vor der kurzen Stadtbesichtigung einige Grussworte auf madagassisch wie „Mbola Tsara“ oder „salama e“ einzuprägen. Schauen Sie den Leuten der Betsimisaraka-Volksgruppe bei ihrer täglichen Arbeit zu oder blicken Sie in die schüchternen, aber strahlenden Kindergesichter und beobachten Sie die Gelassenheit der Einheimischen, denen man meist ihre afrikanischen Vorfahren ansieht.

Das Spezialreservat von Nosy Mangabe sieht man von Maroantsetra aus wie mit einem dicken Dunstschleier in einem Blauton bedeckt, daraus stammt dieser besondere Name “die grosse blaue Insel“ oder auf madagassisch Nosy Mangabe.

Nosy Mangabe
Die Europäer haben dieses schöne Eiland schon früh entdeckt und die Piraten haben in den gut geschützten Buchten viele Unterschlüpfe gefunden. Zeugen davon sind die Grotten und eingemeisselte Botschaften in Felsen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die “Plage des Hollandais“, das Schiffswrack vor den Klippen sowie der verrostete Leuchtturm auf dem Gipfel im nördlichen Teil der Insel. Auf dieser Insel war damals auch der Ort für den Warenaustausch der holländischen und europäischen Seepiraten. In kleinem Umfang diente sie auch der Verschiffung von Sklaven.

Ein Ausflug nach Nosy Mangabe ist gut zu kombinieren mit dem Aufenthalt auf der Masoala Halbinsel. In der Bucht von Antongil kann man zwischen Juli und September die riesigen Buckelwale beobachten.


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Die Bootsfahrt zur Insel dauert etwa eine halbe Stunde und führt zuerst an der Westküste der Insel entlang. Je nach Interesse können die Besucher die Nacht in den überdachten Zeltstellen verbringen oder am späten Nachmittag nach Maroantsetra zurückfahren. Der Besuch dieser unbewohnten und hügeligen Insel hängt hauptsächlich von der Wetterlage ab und das Programm als Tagesausflug oder mit Zeltübernachtung muss immer im Voraus mit dem Lokalguide geklärt werden.

Auf der Insel gibt es nämlich keine Restaurants und keine Einkaufsmöglichkeiten, so müssen die Ausflügler Proviant und Wasser aus Maroantsetra mitnehmen. Die Insel ist von Menschen unbewohnt.

Dieses Naturreservat mit ca. 520 ha wurde ca. um 1960 speziell für die besonders gefährdeten und selten gewordenen Fingertiere oder Aye Aye (Daubentonia Madagascariensis) eingerichtet, um diesen Lemuren eine sichere Heimat zu geben. So wurde dieses “Réserve Spéciale“ zu einem Schutzgebiet für die wenigen eingeführten Lemuren und sie konnten sich im Laufe der Jahre ungestört vermehren. Im Vergleich zu den anderen Lemurenarten wie dem niedlichen „Vari“ oder dem possierlichen Lemur Catta wirkt der nachtaktive Aye Aye anders als die anderen Primaten. Sie haben ein extrem struppiges und schwarzes Fell, dazu weit aufgerissene stechende Augen und einen buschigen Schwanz, ausserdem sind sie auch sehr scheu und sehr selten zu finden.

Nosy Mangabe
Der Aye Aye hat ungewöhnlich grosse Fledermausohren, mit denen er die in hohlen Bäumen oder unter der Baumrinde verborgenen Insektenlarven hört. Mit den ständig nachwachsenden Zähnen zerbeisst er das Holz, in dem diese “Eiweisslieferanten“ versteckt sind. Die Finger sind knochig dünn und extrem lang, wobei der Mittelfinger die übrigen in der Länge um die Hälfte übertrifft. Dieser spielt eine grosse Rolle, indem diese geheimnisvollen “Nachtgeister“ mit diesem geübten Finger die Insektenmaden aus den morschen Bäumen herausstochern oder das Fleisch von angenagten Kokosnüssen auslöffeln. Mit den nagetierähnlichen Zähnen knacken sie auch Ihre Lieblingsspeise, wie die hartschaligen Samen oder die verschiedenen wilden Früchte im Regenwald.

Ein Tagesausflug mit Inseldurchquerung auf den wenigen Fusspfaden ist ein “Muss“ auf dieser Insel und eine Zeltübernachtung im Urwald ist für Naturfreunde natürlich sehr empfehlenswert.

Im Lichtkegel der Taschenlampen kann der aus Maroantsetra mitgereiste Lokalguide bei einer Abendwanderung viele Nachttiere zeigen. In diesem eindrucksvollen Urwald leben verschiedene Amphibien und Reptilien wie Frösche, Chamäleons, Schlangen, Eidechsen, aber auch die kleinste Chamäleon-Art, die sogenannte Brookesia, die schwierig zu finden ist, weil dieses Reptil nicht grösser als ein Daumennagel ist. Die besonders gut getarnten Plattschwanzgeckos, auch Blattschwanzgeckos genannt (Uroplatus fimbriatus) sind eine Hauptattraktion in diesem Naturschutzgebiet, die bei einer Tages- oder Nachtexkursionen gut beobachtet werden können. Auch die Mausmakis springen fleissig durchs Gehölz und die Guides erkennen sie sofort an ihren zirpenden Geräuschen und ihren reflektierenden roten Augen.

Nosy Mangabe
Aber auf dieser “Blauen Insel“ leben auch viele tagaktive Lemuren. Die Brauen Lemuren tauchen immer in der Nähe des Zeltplatzes auf und die schwarz-weissen Varis (Varecia Variegata) mit ihren lauten und schrillen Schreien sind sehr leicht zu finden, denn man kann sie schon vom Weiten hören.

Beim Aufstieg auf den höchsten Punkt der Insel mit 350 m über dem Meeresspiegel sieht man ein paar Grabstätten an einem heiligen Ort. Der dichte Wald wurde damals teilweise abgeholzt. Dies ist der Beweis, dass diese schöne und ursprüngliche Insel schon in vergangenen Jahrhunderten von der ortsässigen Betsimisaraka-Volksgruppe (die vielen, die sich nicht trennen lassen) besiedelt war.

Einen Bootsausflug nach Nosy Mangabe kann man natürlich auch mit einem Besuch des Nationalparks von Masoala kombinieren.

Die Halbinsel Masoala heisst wörtlich auf madagassisch “das Auge des Waldes“ und ist ein bezeichnender Name für das faszinierende Juwel am östlichen Punkt Madagaskars.

Januar 2021; geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch