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Chamäleon in Madagaskar

A 500 – Chamäleon in Madagaskar

Wohl kaum eine andere Echsenfamilie dürfte so bekannt und faszinierend sein wie die Chamäleons.


Dies liegt vor allem daran, dass sie mit ihrem Aussehen an “Miniatur-Saurier“ erinnern, aber auch an ihren zahllosen einmaligen Besonderheiten, wie dem sehr bekannten Farbwechsel, der Bewaffnung mit einer Schleuderzunge und den enorm beweglichen Augen. Chamäleons gehören zu den Reptilien, die in Madagaskar am häufigsten zu finden sind, so kann die Insel auch als “das Land der unzähligen Chamäleons“ bezeichnet werden, da mehr als die Hälfte aller bekannten Arten hier leben.

Das Verbreitungsgebiet der Familie der “Chamaeleonidae“ erstreckt sich über das Mittelmeergebiet, Afrika, die arabische Halbinsel, aber vor allem über die Inseln im Indischen Ozean, wie Madagaskar, die Komoren, die Seychellen, Mauritius und La Réunion. Auf der grossen Insel Madagaskar konnten sie aufgrund fehlender Feinde die grösste Artenvielfalt entwickeln. Rund 60% der Chamäleons auf Madagaskar sind endemisch. Auf der Insel leben etwa 60 Arten dieser Echsen, darunter auch die weltweit grössten und die Kleinsten.

Die auf Madagaskar vorkommenden Chamäleon-Arten werden in zwei Unterfamilien eingeteilt: zum einen die “echten Chamäleons“ bzw. die Familie “Chamaeleonindae“ mit der Gattung “Furcifer“ und der Gattung “Calumna“ (diese beiden Arten sind meistens mit bunten Farben vertreten) und zum anderen die Erdchamäleons oder die Stummelschwanzchamäleons, die zu der Familie der “Brookesiinae“ gehören. Diese kleinen Braunen leben versteckt in der Laub- und Krautschicht der Regenwälder.

Im Jahr 2007 entdeckten Wissenschaftler die kleinste Chamäleonart der Welt: Brookesia micra hat eine Körperlänge von nur 16 Millimetern und mit dem Schwanz eingerechnet sind es knapp 3 Zentimeter. Diese Reptilienart lebt in der trockenen Laubstreu der Wälder und ernährt sich von winzigen Insekten und Milben. Im Gegensatz zu den anderen Chamäleons ist der Schwanz der Brookesia kurz und kann nicht aufgerollt werden. Aus Angst vor ihren Feinden verbringen die Tiere den Tag vorwiegend in der Laubstreu auf dem nassen Boden und bei Einbruch der Dunkelheit erklettern sie dünne Zweige zum Schlafen.

Auch die “Brookesia minima“ gehören zu den kleinen Brookesia-Arten. Sie haben eine Gesamtkörperlänge von nur 34 Millimetern. Die Grundfärbung besteht aus verschiedenen Beige-Braun- oder Grüntönen. Sie bewohnen die Laubschicht der Restprimärregenwälder im Lokobe-Reservat auf der Insel Nosy Be, nordwestlich von Madagaskar.

Die “Furcifer oustaleti“ und die “Calumnia parsonii“ gehören mit über 70 cm Länge zu den grössten Chamäleon-Arten in Madagaskar. Sie leben im Geäst von Büschen und Bäumen und nutzen ihren langen Greifschwanz geschickt als Kletterhilfe. Diese beiden Arten sind häufig zu finden, denn sie bewohnen die offenen Savannenlandschaften, aber auch die lichten Wälder der warmen Regionen im Süden, Westen und Norden Madagaskars. Diese Chamäleonarten haben schöne, auffallende Farben, die Männchen verfügen über eine Tarnfärbung aus grauen und braunen Farbtönen, die Weibchen sind etwas farbenfroher mit gelben grünen und roten Farbtönen.

Es könnte kein treffenderer Name für diese Echsenfamilie gefunden werden, denn sie werden auch als “Löwe der Erde“ bezeichnet, “chamai“ bedeutet “auf der Erde“ und “Leon“ heisst “Löwe“. Im Laufe der Zeit haben sie sich an das Leben auf kleinen Gebüschen und Bäumen angepasst, ihre Hinterbeine haben sich zu Greifzangen umgeformt und zwei oder drei Zehen sind in einer Weise miteinander verwachsen, dass diese Reptilien die Äste fest und sicher umgreifen können. Zudem haben sie einen einrollbaren, muskulösen Greifschwanz, der – wie auch die Zunge – oft länger als der eigentliche Körper ist. Die Männchen (seltener die Weibchen) vieler Arten haben auffällige Körperstrukturen wie Nasenfortsätze, Hautlappen am Hinterkopf, “Helme“ auf dem Kopf oder an der Kehle.

Besonders faszinierend und einmalig sind die voneinander unabhängig beweglichen und grossen Augen, die weit aus dem Kopf herausragen. Das Sehfeld jedes Auges beträgt etwa 180° horizontal und 90° vertikal, was den Tieren einen Rundumblick ermöglicht. Die beiden Augen können sich unabhängig voneinander bewegen und auf diese Weise können die Chamäleons ihre gesamte Umgebung und besonders ihre Beute (Heuschrecken, Fliegen Insekten usw.) im Auge behalten, ohne den Kopf zu drehen und ohne durch Kopfbewegungen ihre eigenen Standorte zu verraten. Auf diese Weise behalten sie den Überblick auf ihre Beute. Dieses Verhalten ist sehr wichtig, denn das Leben im Geäst und in den lichten Wäldern ist sehr gefährlich, da die Chamäleons bei vielen Vogelarten, besonders bei den grossen Raubvögeln, auf dem Speisezettel stehen. Neben den Vögeln gehören auch die Schlangen zu den gefährlichen Fressfeinden dieser Reptilien. Tarnung durch Färbung und Verhalten ist für Chamäleons also lebenswichtig.

Die nächste Anpassung an diesen Lebensraum stellt die Schleuderzunge dar. Wenn das Chamäleon sein Beutetier sieht, schleicht er sich unmerklich und im Schneckentempo an und schiesst seine lange und klebrige Zunge gegen die Beute und kann sie so fangen. Die erfolgreiche Jagd spielt sich im Bruchteil einer Sekunde ab, sodass sie für das menschliche Auge kaum zu verfolgen ist.

Alle Chamäleons sind tagaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Insekten, wie Heuschrecken und anderen Kleintieren. Auf Beutejagd bewegen sie sich mit pendelnden Bewegungen, die dem Schwanken eines Blattes sehr ähnlich sind und so können sie sich hervorragend vor ihren gefährlichen Feinden wie den Raubvögeln oder Raubtieren schützen. Sie sind sehr scheu und bei Annäherung eines Menschen drehen sie sich auf die andere Seite des Astes, um nicht aufzufallen und sie aktivieren gleichzeitig ihre Tarnfärbung.

Diese “Meister der Tarnung“ verbringen ihren Tag als “Lauerjäger“ auf ihrem Lieblingsast. Trotz auffallender Färbung gehört aber schon etwas Übung und Glück dazu, Chamäleons in der freien Natur auszumachen. Sie können sich schnell ihrer natürlichen Umgebung anpassen, so dass es nur selten oder nur dem geübten Augen gelingt, die Chamäleons im Laub und Geäst und die Brookesia am Boden zwischen den faulenden braunen Blättern auszumachen. Diese hervorragend getarnten Reptilien sieht man meistens nachts im Schein der Taschenlampe. Aber die geübten Augen der Lokalführer in den Reservaten und Parks können sie auch problemlos tagsüber entdecken.

Sieht man die prächtigen Chamäleons, müsste man meinen, dass diese Tiere überall sofort auffallen. Dies ist aber nicht der Fall. Ihre bunte Färbung sorgt für eine perfekte Auflösung der Konturen im Habitat. Der Farbwechsel dient nicht nur der Anpassung an die Umgebung, sondern die Chamäleons drücken auf diese Weise auch ihre Stimmung aus. Je nach Erregungszustand (Wohlbefinden, Krankheit, Angst usw.…) können sie schnell ihre Farben wechseln, bei Stress werden sie meistens dunkel. Diese Färbung hat auch eine weitere wichtige Bedeutung und zwar als “optische Sprache“, denn sie können ihre Färbung innerhalb von Sekunden stark abdunkeln, wenn sie sich ärgern, wenn beispielsweise zwei Einzelgänger sich zufällig begegnen. Die Erdchamäleons bzw. die Brookesia sind nicht zum Farbwechsel befähigt, sie zeigen den ganzen Tag eine dunkle, matte Färbung, meistens dunkelbraun wie die getrockneten Blätter.

Wie oben beschrieben besitzen die Chamäleons die Fähigkeiten, die beiden Augen unabhängig voneinander nach hinten, seitlich und nach vorne zu richten. Diese einmaligen Eigenschaften betrachten die Madagassen als Symbol für die Eigenheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So gibt es ein madagassisches Sprichwort: „Machen Sie es wie das Chamäleon, mit einem Auge in die Vergangenheit blicken und mit dem anderen Auge in die Zukunft schauen“.

Die Chamäleons tarnen sich auch durch die Art ihrer Fortbewegung, sie setzen bedächtig einen Fuss vor den anderen und schaukeln vor und zurück wie die Bewegung der Blätter im Wind, dieses sogenannte Windschaukeln lässt sich besonders gut beobachten, wenn die Tiere eine Strasse oder Piste langsam überqueren. Sprichwörtlich ist das Chamäleon ein Begriff für eine “positive“ Personen geworden, die es versteht, sich in der Gesellschaft immer gut anzupassen.

Auch in der Mythologie und in den Legenden der Madagassen spielen diese Reptilien eine bedeutende Rolle. So gelten sie in einigen Regionen als Glücksbringer und in anderen Gegenden betrachten die Einheimischen sie als Unglücksboten, bei einer Volksgruppe sieht man in ihnen der Sitz der Seelen der Verstorbenen.

Wer Chamäleons oder andere Reptilien in der Natur beobachten möchte, dem sei ein Besuch in einem Regenwaldreservat und Nationalpark wie Andasibe oder Ranomafana empfohlen. Hier sind viele Reptilienarten vertreten, darunter die bizarren Plattschwanzgeckos (Gattung Uroplatus), die hellgrünen Tagesgeckos (Gattung Phelsuma), einige Arten Chamäleons wie der Calumna brevicornis. Die geübten Augen der Lokalführer erkennen diese Chamäleons auch nachts mit einer starken Taschenlampe, wenn sie schlafend auf kleinen Ästen sitzen.

Grosse Chancen, Chamäleons zu finden hat man auch auf der Parfüminsel Nosy Be. Die Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) mit den schönen türkisgrünen leuchtenden Farben suchen gerne ihre Beute auf den Ylang Ylang-Bäumen. Die Weibchen dieser Arten sind kleiner und unscheinbarer und zeigen sich oft in grauen oder orangeroten Farbtönen. Trotz grosser Fortschritte in den letzten Jahren ist anzunehmen, dass noch neue Chamäleonarten von den Wissenschaftlern und Biologen in den Urwäldern, Bergen und Savannenlandschaft auf ihre Entdeckung warten.

Juni 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Vanille in Madagaskar

A 100 Vanille

Vanille Madagaskar SAVA PRIORI Reisen

 

Schon immer haben die Gewürze die Welt bewegt und ihretwegen wurden Kriege geführt oder Kontinent entdeckt. Die Insel Madagaskar ist schon lange für seine kostbare Vanille berühmt. Nach Safran zählt dieses Gewürz nämlich zu den teuersten der Welt. Ca. 50% der heutigen weltweit produzierten Vanille kommt aus Madagaskar. Auch die benachbarten Inseln La Réunion, die Komoren und Mauritius produzieren etwas Vanille. Die Vanille aus Madagaskar trägt den Qualitäts-Markennamen “Bourbon Vanille“. Dieses duftende “schwarze Gold“ gehört zu den wertvollsten Exportprodukten von Madagaskar und ist ein Stimulans für Gaumen und Gesundheit.

Vanille in Madagaskar
Ursprünglich stammt die Vanillepflanze aus dem tropischen Mexiko. Erst mit der Entdeckung der “Neuen Welt“ und durch die spanische Landeroberung im Jahr 1510 wurde dieses wertvolle Gewürz in ganz Europa bekannt. Neben Gold und Edelsteine haben die Spanier auch zwei exotischen Pflanzen, den Kakao und ein unbekanntes Gewürz “Vanilla“ von den langen Entdeckungsreisen mitgebracht. Hier in Europa wurden sie dann in vielen Botanischen Gärten angepflanzt. Wegen ihrer Kostbarkeit gehörten sie bald in allen europäischen Herrscherhäusern zu den beliebten aromatischen Gewürzen.

Ab dem 1604 wurde die Vanille nach Frankreich importiert, wo man dieses duftende Gewürz für die Zubereitung von Kaffee und Schokolade verwendete. Später im Jahr 1846 wurde die Mexiko-Vanille in Frankreich monopolisiert. Leider gelang es aber nicht, aus den Blüten die Stängel zu gewinnen, denn zur Bestäubung dieser Orchidee werden spezielle Bienen oder Kolibris benötigt.

 Durch die Franzosen fand die Vanille-Pflanze den Weg nach La Réunion und wurde auf dieser Insel angebaut (Insel Bourbon). Hier entwickelte der Sklave Edmond Albis eine manuelle Bestäubungsmethode.

Bauern haben die Vanille aus der Nachbarinsel La Réunion anfangs des 20. Jahrhundert wegen des steigenden Weltmarkbedarfs in den Nordteil Madagaskars eingeführt und schon bald gehörten die französischen Kolonien La Réunion, Komoren und natürlich Madagaskar zu den wichtigsten Vanilleproduzenten.

Vanille in Madagaskar
Tüchtige Geschäftsleute aus China sind im Laufe der Zeit zu sogenannten “Vanille-Baronen“ geworden und haben die SAVA-Region zum wichtigen Produktionsstandort gemacht. Eine Zeit lang lieferte die grosse Insel etwa 80% des Weltmarktbedarfs an Vanille. Total wurden rund 60 Vanillearten registriert. Nur fünf Arten davon kommen auf Madagaskar vor und nur drei sind Kulturpflanzen geworden.

Die bekannteste und kostbarste Art ist die “echte Vanille“ (Vanilla planifolia), die eben aus den mexikanischen Tropen stammt. In Europa, aber auch in anderen Ländern wird diese echte Vanille “Bourbon-Vanille“ genannt. Nur Madagaskar und die Inseln La Réunion, die Komoren und Mauritius dürfen mit diesem Namen werben. Aufgrund ihres intensiven und harmonischen Aromas ist die Bourbon-Vanille die beliebteste Vanillesorte der Europäer. Die mit Vanille gewürzten Süss-Speisen wurden schon zur Zeit von Elisabeth I. sehr geschätzt. Auch die moderne Küche verwendet Vanille noch auf verschiedene Weisen, auch zur Zubereitung von Fleisch- und Fischgerichten.

Die Kletterpflanze aus der Familie der “Orchidaceae“ gedeiht hervorragend an der Nordostküste Madagaskars mit dem feucht-warmen Klima und den enormen Niederschlagsmengen. Dieses landwirtschaftliche Anbaugebiet nennt man die SAVA Region. Der Name leitet sich von den Anfangsbuchstaben der vier regionalen Städte ab: Sambava, Andapa, Vohemar und Antalaha. In diesem fruchtbaren grünen Dreieck des nordöstlichen Teils von Madagaskar wächst ein Grossteil der Weltproduktion an Vanille, neben anderen Exportgütern wie Pfeffer, Gewürznelken etc. PRIORI organisiert natürlich Besuche auf diese Vanilleplantagen, besonders während der Erntezeit ab dem Monat Juli. Man kann hier die traditionelle Bestäubungsmethode oder die komplizierte Verarbeitung miterleben.

Vanille in Madagaskar
Das Umland von SAVA ist durch die Plantagenwirtschaft geprägt. Auf kleineren und grösseren Feldern klettern die Ranken dieser aromatischen Orchideenarten an Bäumen oder an Stützpflanzen empor. Das Hauptanbaugebiet von Vanille liegt um die Vanillestadt Sambava. Diese wurde auch als “Welthauptstadt der Vanille“ bezeichnet. Dreiviertel der weltweit verkauften Vanille werden in dieser Vanillestadt produziert. Dieses “schwarze Gold“ ist so kostbar, dass es zur ersten Einnahmequelle der Stadt- und Dorfbewohner in dieser Region geworden ist. Die Vanilleproduktion bringt seit langem eine Menge Devisen ins Land. Die Ausfuhrmenge liegt um die 2000 Tonnen pro Jahr.

Die Vanilleproduktion ist leider nicht mehr so gut wie einst. Grund sind die Zerstörungen durch die häufigen Wirbelstürme aus dem Indischen Ozean während der Regenzeit in den Monaten Januar bis April. Besonders die Stadt Antalaha litt in den letzten Jahren unter diesen klimatischen Bedingungen. Im Jahre 2004 zerstörte ein Zyklon viele Plantagen, doch die Bauern liessen sich von diesen jährlichen Katastrophen nicht unterkriegen und pflanzten die Plantagen im folgenden Jahr wieder neu an, denn schliesslich geht es um viel Geld. Die Produkte werden ab dem kleinen Exporthafen Antalaha nach der Hafenstadt Tamatave (Toamasina) oder direkt nach Europa, nach den Vereinigten Staaten und nach Japan verschifft.

Vanille in Madagaskar
Die Vanille ist eine starkwüchsige Kletterpflanze mit langen grünen fleischigen Trieben. Die Blätter sind dickfleischig bis 5 cm breit und parallelnervig. Die Blütezeit beginnt, sobald die Regenzeit einsetzt, also zwischen Oktober und Dezember. Während der Bestäubungszeit müssen alle Blüten in den grossen Vanilleplantagen einzeln und vorsichtig von Hand bestäubt werden, denn in Madagaskar sind die natürlichen Bestäuberinsekten nicht heimisch. Nach dem Bestäuben wachsen dann die grünen Schoten heran. Sobald sie eine gewisse Grösse haben, werden die wertvollen Schoten auch bereits mit Einritzungen durch den Plantagenbesitzer gekennzeichnet. Die Arbeitsgänge von der Ernte bis zum Export dauern mehrere Wochen und verlangen einen präzisen Arbeitsablauf. Die frisch geernteten grünen Vanilleschoten werden während 1 bis 3 Minuten (je nach Grösse der Schoten) in 60 bis 70 Grad heissem Wasser gebrüht. Darauf werden sie abwechselnd ca. 3 Stunden an der Sonne und im Schatten zum Trocknen ausgelegt. In der Nacht werden sie dann in grosse Tücher oder dicke Decken zum “Ausschwitzen“ gepackt. Nach diesem mehrmaligen Einpacken und Trocknen an der Sonne erhalten die Vanilleschoten endlich die typische braunschwarze Färbung und entwickeln den süsslichen wunderbaren Vanilleduft. Der in ihnen enthaltene Milchsaft hat sich in dieser Zeit durch Gärung in eine dunkle intensiv duftende Masse verwandelt. Diese verschiedenen Prozessschritte werden von den Arbeitern streng überwacht, um eine falsche Fermentation zu verhindern.

Während der Erntezeit zwischen Juli bis Oktober liegen in jedem Dorf entlang der Vanilleküste die langen braunen Vanillen-Schote zum Trocknen, entweder auf einfachen Strohmatten oder auf langen Rosten. Auf keinen Fall sollten die Vanilleschoten nass werden!

Nur die schönen und die duftenden Vanillestängel, die nach der monatelangen Verarbeitung nicht beschädigt sind, gehen in den Verkauf. Die Qualität dieser teuren und kostbaren Gewürze hängt natürlich vom mühevollen und komplizierten Trocknungs- und Fermentationsverfahren ab. Ihres überragenden Aromas wegen hat die Vanille ihre Bedeutung auf dem Weltmarkt gewonnen. Synthetisches Vanillin (zum Beispiel im Coca Cola-Getränk) ist nicht vergleichbar mit dem Aroma der natürlichen Vanille.

Vanille in Madagaskar
In der Likörindustrie wird die Vanille unter anderem bei Kakao- und Kaffeelikören verwendet. Sie ist aber überall in der Nahrungsmittelindustrie verbreitet. Auch bei uns in Madagaskar verleiht sie den madagassischen Gerichten neue Geschmacks- und Geruchsnoten, steigern den Appetit und fördern die Verdauung. Die Madagassen nutzen gerne Vanille bei der Zubereitung ihrer Gerichte. Vanillesosse auf Zebu oder Rindfleisch schmeckt hervorragend, das Gewürz eignet sich natürlich auch für Dessert wie Kuchen oder für Obstsalat. Vanillezucker mit den zahlreichen schwarzen Pünktchen im Zucker ist auch sehr beliebt in den Bäckereien und Konditoreien. Wichtige Abnehmer der Vanille sind auch die Schokoladen- und die Parfumindustrie.

Der eingelegte Rum mit Vanille wird als Aperitif sehr geschätzt. Die Zubereitung ist sehr einfach: die Vanillestange flach drücken, längs aufschneiden oder teilen, dann in eine Flasche oder in ein grosses Gefäss geben und den Rum darüber giessen. Diese Mischung sollte man mindestens 2 bis 3 Monate ziehen lassen – je länger, desto besser. Nach Belieben kann man natürlich weitere Gewürze wie Zimt oder Ingwer benutzen oder auch weitere Zutaten wie frische Früchte. Sehr beliebt sind vor allem die süssen Litschis, Mangos oder Ananas.

Vanille in Madagaskar
Überall auf den Lokalmärkten und in den Supermärkten findet man die teuren Vanillestängel aus Madagaskar mit dem süsslichen Aromas zum Verkauf. Meist werden sie als kleine Bündel oder in Plastiksäcken angeboten. Ein Kilo Spitzenqualität dieser “Königin der Gewürze“ kostet etwa 1.000.000 Ariary (rund 220 Euro). Sie zeichnet sich durch ihre besondere Farbe, Dicke und Länge aus. Je nach Qualität kann man die Vanillestangen bei guten Lagerbedingungen bis zu 2 Jahre aufbewahren.

Juni 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

PRIORI TV

PRIORI TV

Blickpunkte aus Madagaskar

In kurzen Videoaufnahmen zeigen wir das alltägliche Madagaskar. Momentaufnahmen, die das tagtägliche Leben in Madagaskar dokumentieren. Kleine Einblicke, die gerade nicht die üblichen Hochglanzbilder abbilden. Madagaskar ist vielfältig und überraschend. Licht und Schatten liegen eng nebeneinander.


PRIORI TV Babobab in Madagaskar

Salama aus Madagaskar, ich heisse Bodo Andriantefiarinesy und begrüsse Sie herzlich im Land der Baobabs.

Es gibt 6 endemische Sorten von Baobabs in Madagaskar. Sie wachsen nirgendwo auf dem afrikanischen Kontinent. Aber die einzige Baobabart von Afrika hat es auch nach Madagaskar geschafft. In Mahajunga steht der afrikanische Baobab seit Jahrhunderten stolz am Rande des Meeres.

Diese Riesenbäume haben verschiedene Namen wie zum Beispiel Affenbrotbaum, da die Lemuren in Madagaskar ihre sauren Früchte gern fressen.
Viele Mythen und Legenden drehen sich um diesen berühmten Baum wegen seines aussergewöhnlichen Aussehens, als ob die Wurzeln nach oben stehen würden. Daher wird er auch als  der „Verkehrtherum-Baum“ oder als „Kopf nach unten Baum“ bezeichnet.

Auf Madagaskar wird diese Sukkulentenpflanze häufig “Flaschenbaum“ genannt. In ihrem dickstämmigen Stamm kann sie Regenwasser speichern und problemlos eine jahrelange Trockenzeit in den ariden Regionen Madagaskars ohne Regen überleben.
Die weltbekannte und geradlinie „Baobaballee“ mit den über 800 Jahre alten – endemischen – Baobabs liegt rund 20 km von Morondava entfernt und ist ein Wahrzeichen von unserem Heimatland Madagaskar.

So, liebe Madagaskar Reisende, wir laden Sie ein, dieses eindrucksvolle Naturwunder auf unserer Insel zu entdecken. Baobabs finden sich im Norden, im Westen und im Süden.
Gern helfen wir Ihnen bei der Reiseplanung Ihrer Madagaskarreise. Also zögern Sie nicht, unsere Kollegen im Madagaskarhaus in Basel zu kontaktieren.
Veloma aus Madagaskar und bis bald auf der Insel Madagaskar


PRIORI TV Antananarivo

Die Avenue de l’Indépendance in Antananarivo Madagaskar, am 11. Juni 2021

Die Avenue führt vom Bahnhof mitten in die Stadt hinein. Sie ist quasi der Ku’damm von Berlin oder die Bahnhofstrasse von Zürich. Heute Freitag 11. Juni zeigt sie sich wieder belebt. Corona hat etwas an Schrecken verloren, zudem gibt es jetzt Impfungen.
Jetzt Mitte Juni denken die Leute auf dieser Meereshöhe von 1250 müM bereits an den Winter. Abends und morgens frieren sie. Tagsüber sind es aber immer noch immer gut über 20 Grad, nachts fallen die Temperaturen derzeit auf unter 10 Grad. Also kalt. Der Südwinter hat begonnen..
mehr Infos dazu bei PRIORI www.madagaskarhaus.ch


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Fanasina von PRIORI Reisen in Antananarivo berichtet über die Knabenbeschneidung. Ein wichtiges Kulturelement in Madagaskar.

Antananarivo Madagaskar am 3. Juni 2021. Unser Heimatland Madagaskar ist eine grosse Insel reich an verschiedenen Sitten und Gebräuchen. Dazu gehört auch die Beschneidung oder „Famorana“ auf madagassisch.
Die Beschneidung ist eine ganz wichtige Rituelle für die Madagassen. Die Buben zwischen 3 bis 5 Jahren (also bevor sie in die Schule gehen) werden von den Ärzten oder von einem Medizinmann beschnitten. Nach der Beschneidung werden die Buben als Jungen betrachtet und nur die beschnittenen Jungen dürfen im Familiengrab bestattet werden, sofern sie in jungen Jahren sterben sollten. Die Mädchen werden nicht beschnitten.

Jedes Jahrs zu Beginn der Winterzeit, also zwischen den Monaten von Juli bis September, findet das Beschneidungsfest statt. Alle Familienmitglieder, Verwandten und enge Freunde sind dazu herzlich eingeladen.

Hier in der Hauptstadt Antananarivo werden die Buben meistens modern in den Krankenhäusern oder in einer Klinik mit „circoncision à l’americaine“ beschnitten. Jedes Jahr organisieren auch private Vereine und verschiedene Projekte kollektive und kostenlose Beschneidungen in den Wohnvierteln.
In den kleinen abgelegenen Dörfern und an der Küste werden die Buben „traditionell“ beschnitten. Dabei gibt es mehrere Fadys oder Tabus, die die Familie respektieren muss.

An der Südostküste Madagaskars, in der Stadt Mananjary wird dieses Ritual mit kollektiven und grossen Festen alle 7 oder 8 Jahre abgehalten. Die Antaimoro und Antaisaka Bevölkerungsgruppe nennen dieses Beschneidungsfest „Sambatra“, wörtlich übersetzt bedeutet dies „das fröhliche Fest “.

Wenn Sie weitere Informationen über unsere Kultur haben möchten, sind sie hier auf unserer facettenreichen Insel Madagaskar herzlich willkommen. Gern können Sie uns PRIORI in Antananarivo direkt oder unsere Kollegen im PRIORI Madagaskarhaus in Basel kontaktieren.


PRIORI TV Antananarivo

Antananarivo Madagaskar am 31. Mai 2021. Auf dem belebten Platz entlang der Avenue de l’Indépendance – vergleichbar mit der Pariser Avenue des Champs-Élysées  oder der Zürcher Bahnhofstrasse – herrscht normalerweise reger Verkehr: Autos und Fussgänger, ambulante Verkäufer und Taxis. Corona hat die oft etwas chaotische Situation beruhigt.

Der Blick geht auf die Kreuzung beim berühmten Le Glacier, ein Restaurant mit beliebter Diskothek und stark frequentiertem Nightclub, der mit seiner Live-Musik Musiker und Gäste scharenweise anlockt.

Die Hauptarterie in Antananarivo führt frontal auf den markanten Hauptbahnhof zu.  Eine Flaniermeile ist sie nicht.

An diesem Montag, dem 31. Mai 2021 ist es ruhig. Der Präsident hat in seiner üblichen Fernsehansprache einige Covid-Beschränkungen aufgehoben. So auch das Lockdown am Wochenende und die Reisebeschränkungen innerhalb Madagaskars. Tsaradia (Air Madagascar) nimmt die Binnenflüge wieder auf. Fernflüge bleiben weiterhin untersagt.

Auf dem Platz vor dem Bahnof steht der Kilometerstein 0 (zéro). Ab dieser Markierung werden alle Strassendistanzen auf der ganzen Insel gemessen. Kaum jemand beachtet diesen borne kilométrique, der etwas verloren am stabilen Eisengitter steht, das den mächtigen Bahnhof abschirmt. Er ist – wie alle Kilometersteine in Madagaskar – weiss mit einer roten Kappe. Doch Zeit, Abgase und Schmutz haben den Kilometerstein eher zu einem graubraunen Steinstummel werden lassen.
Trotzdem: er ist das Zentrum der grossen Insel Madagaskars. Strassenmässig jedenfalls.


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Kalambatritra Naturreservat

Kalambatritra Naturreservat

Der kleine Naturwald  von  Kalambatritra liegt im tiefen Süden Madagaskars in der Nähe der Stadt  Betroka.

Betroka durchfährt man auf der RN13, die von Ihosy als staubige Piste nach Ambovombe führt. Von dort gelangt man nach Fort Dauphin.

Die erste Stadt rund 200 km südlich von Ihosy ist Betroka: eine Kleinstadt mit ländlichem Charme.  Der Ort hat, gerade wegen seiner unaufdringlichen Natürlichkeit, für schnelle Augen nicht viel mehr zu bieten und die meisten Autoreisenden trinken allenfalls einen Kaffee während einer kurzen Fahrpause. Kaum ein Reisender verbringt eine Nacht im Hotel Ombilahy, obwohl die soliden Bungalows tolerabel ok sind. Das Logo des Hotels zeigt zwei kämpfende Zebu (Ombilahy bedeutet Stier).

Die Zone ist bevölkert von der Ethnie der Bara, die weitgehend Viehzüchter sind. Vieh bedeutet in Madagaskar auch Viehdiebe (Dahalo genannt) und daher haben die Gendarmerie und das kleine Spital immer mal unerwartete Arbeit. Es gibt in Betroka auch eine Missionsstation und ebenso Freikirchen von Sekten aller Art. Ansonsten ist Betroka ein ruhiger Ort.

Kalambatritra Naturreservat
Betroka ist jedoch der Ausgangspunkt zum Réserve spéciale de Kalambatritra. Das Naturreservat findet sich knappe 60 km östlich von Betroka und ist nur streckenweise mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbar. Der Rest ist zu Fuss zu machen. Vor Ort gibt es keinerlei Infrastruktur, dafür ungestörte Natur.

Der fast 300 km2 grosse Park von der Grösse des Schweizer Kantons Schaffhausen bietet eine fotogene Hügelwelt, aber nur zu Fuss zu erkunden ist. Kalambatritra liegt entlang der Wasserscheide zwischen Indischem Ozean im Osten und dem Kanal von Mozambique im Westen. Die Hügel liegen zwischen 1300 und 1500 m.ü. M, dazwischen mäandrieren kleine Wasserläufe mit Mikrobiotopen, die wohl noch einige biologische Entdeckungen erwarten lassen.

Doch im Nationapark finden sich sechs Lemuranarten ( microcebus,  lepilemur mustelinus, eulemur collaris, hapalemur griseus,  avahi laniger und cheirogaleus). Überhaupt sind im Naturpark Kalambatitra  fast 700 Tierarten erfasst, wovon 29 endemisch sind. Darunter findet sich die Madagaskarente (anas melleri). 72 Vogelarten wurden gezählt, wovon  fast Zweidrittel endemisch sind. 

Kalambatritra Naturreservat
Touristen  gelangen kaum je nach Kalambatritra: es sind keine zehn pro Jahr. Wilddiebe eher. Sie suchen nach seltenen Schildkröten, denn dafür gibt es im Export nach China einen unersättlichen Markt. Das kaum zugängliche und wenig besiedelte Gebiet ist auch ideal für den Anbau von Cannabis. Die Hanfsträucher ergeben eine gute Ernte, die die Märkte in Madagaskar beliefern bis hin nach Nosy Be. Dies verursacht immer mal wieder den Einsatz von Gendarmerie und Militär.


mehr zu Naturparks in Madagaskar


Eine Abhandlung über die Amphibien von Kalambatritra findet sich auf  https://www.academia.edu/22454063/The_amphibians_and_reptiles_of_Kalambatritra_a_little_known_rainforest_of_south_eastern_Madagascar

Réserve Spéciale d‘Ankarana

1840 – Ankarana Reservat

Das Réserve Spéciale d‘Ankarana liegt etwa in der Mitte der beiden wichtigen Städte im Norden, Antsiranana und Ambanja.

 

Der Nationalpark Ankarana erstreckt sich zwischen dem Regenwaldreservat von Montagne d’Ambre und dem etwas südlicher gelegenen imposanten Tsaratanana-Gebirgsmassiv, mit 2876 Meter der höchste Berg Madagaskars.

Der Name “Ankarana“ heisst übersetzt „wo es spitze Steine und Felsennadeln gibt “ und dieser Name passt sehr gut zu diesem bizarren Naturphänomen in diesem Naturschutzgebiet. Ursprünglich war das heutige Gebirge eine riesige Korallenbank, die später aus dem Meer herausgehoben wurde. Wind und Regen haben hier über die Zeit ein Meer aus bis zu 50 m hohen Kalksteinnadeln geformt.

Réserve Spéciale d‘Ankarana
 “Tsingy“ heisst wörtlich auf madagassisch “auf Zehenspitzen laufen“, denn die barfüssigen Ureinwohner mussten damals durch dieses Kalksteingebiet mit nadelscharfen Felsenspitzen sehr vorsichtig marschieren. Diese scharfen Kalksteinnadeln gehören zu den Hauptattraktionen dieses Naturreservates, das das ganze Jahr besucht werden kann.

Die Antakarana-Volksgruppe oder “das Volk vom Ankarana Felsen“ sind Nachfahren arabischer Einwanderer, die mit den Sakalava-Ethnien vermischt sind. Sie sind Moslems und im Gegensatz zu den anderen madagassischen Stämmen glauben sie an die Wiedergeburt der Menschen, aber nicht in Menschengestalt, sondern häufig als Krokodil oder als Lemur, je nachdem, wie sie ihr irdisches Leben gelebt haben.

Das Ankarana-Massiv ist das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Antakarana und für diesen Volkstamm hat dieses Reservat bis heute eine religiöse Bedeutung. Seit Jahrhunderten feiern sie alle fünf Jahre etwas ausserhalb des kleinen Dorfes Ambatoharanana die sogenannten “Tsangatsaigny-Zeremonien“. Es geht hier um die Errichtung eines königlichen Pfahlmonuments aus einem riesigen Edelholzstamm und dieser Ahnenkult symbolisiert den Fortbestand der Dynastie im Antakarana Reich. Er erinnert auch daran, dass dieses Dorf das Zentrum und der ursprüngliche Heimatort der Antakarana-Königsfamilie war, die in den heiligen Grotten Zuflucht vor den Truppen des Merinas-Königs Radama I. gefunden hatten. Einige Höhlen sind heilig und werden bis heute als Bestattungsort der damaligen Könige und Heimat der Ahnen und Totengeister verehrt.

Wie in allen Naturreservaten ist der Besuch der heiligen Grotten nur in ortskundiger Begleitung möglich und Vertreter anderer Ethnien dürfen bestimmte Grotten (ehemalige Grabstätte ihrer verehrten Könige) nicht betreten, dies ist Tabu oder “Fady“, deswegen sollte man sich diesem karstigen Ort im Norden mit grossem Respekt nähern.

Réserve Spéciale d‘Ankarana
Die Fahrt zum Ankarana-Reservat erfolgt über die Nationalstrasse 6, wenige Kilometer südlich von Anivorano liegt der Osteingang gleich am Rand der Nationalstrasse 6. gegenüber dem Empfangsbüro von Madagaskar Nationalparks befinden sich die verschiedenen Hotels und viele der interessanten Ausflugsziele sind von hier aus leicht erreichbar.

Die Piste, die zum Westeingang führt, ist schwieriger zu erreichen im Vergleich zum Osteingang. Hier gibt es keine Unterkünfte, sondern nur Campingmöglichkeiten inmitten der eindrucksvollen Tsingy und die geografisch- oder höhleninteressierten Naturfreunde kommen wirklich auf ihre Kosten, denn auf dieser Westseite findet man die grössten und bekanntesten Grotten mit unterirdischen Wasserläufen, unter anderem die berühmte Grotte von Andrafiabe mit ihren breiten Gängen.

In der Nähe dieser Nationalparkgrenze beginnt die Wanderung zur Krokodil- und Taubenhöhle. Die Krokodile leben in einigen Grotten, die offenbar durch unterirdische Wasserläufe in Verbindung stehen. Diese Panzerechsen sind in diesem Naturschutzgebiet heilig, denn für die Antakarana symbolisieren diese Tiere die Wiedergeburt ihrer Ahnen.

Réserve Spéciale d‘Ankarana
Dieses etwa 18’220 ha grosse und geschützte Ankarana-Reservat liegt auf etwa 300 m über dem Meeresspiegel und wurde schon im Jahr 1956 zum “Spezialreservat“ deklariert. Von den vielen Aussichtspunkten hat man einen fantastischen Überblick über die geologischen Besonderheiten dieses Reservates: die messerscharf erodierten Kalksteinnadeln, die unterirdischen Höhlensysteme, die tiefen Schluchten und die zahlreichen Canyons.

Die Wanderer können die atemberaubende Landschaft mit den verschiedenen Felsenformation von den vielen Aussichtspunkten aus geniessen, man sieht aber auch bis zur nächsten grossen Stadt Ambilobe. Im Westen sieht man am Horizont den Kanal von Mosambik mit den vielen kleinen Inseln des “Mitsio Archipels“. Vom höchsten Punkt des Plateaus aus kann man auch den gesamten nördlichen Teil des Ankarana-Nationalparks sehen, der von der Silhouette des grünen Regenwaldreservats von Montagne d’Ambre überragt wird.


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In den bewaldeten Schluchten des Ankarana-Reservates tummeln sich mehrere Lemurenarten unter anderen die tagaktiven Kronenmakis (Eulemur Coronatus). Das Männchen hat ein dunkelbraunes Fell und einen schwarzen Farbfleck wie eine Krone auf der Stirn, darum der Name Kronenmaki. Sie leben in grossen Gruppen und sind nur im Nordgebiet im Ankarana Reservat und im Nationalpark von Montagne d’Ambre zu finden. Sie ernähren sich von Früchten und Blättern und sind frühmorgens leicht zu finden, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Hier leben auch die braunen Sanford Makis, die gerne die reifen wilden Früchte im Wald fressen. Sie leben in sehr viel grösseren Gruppen in diesem Trockenwaldgebiet. Man findet auch die nachtaktiven Wieselmakis (oder Lepilemur), die den Tag schlafend in Baumhöhlen verbringen und sich gerne am Eingang ihrer Baumhöhle sonnen und die schwarzen Diadem Sifakas (Propithecus Diadema), die in kleinen Familiengruppen leben und sich von den Blättern der Trocken- und Tropenwälder ernähren.

Bei einer Morgenwanderung können die Vogelkundler in diesem Kalksteingebiet die zahlreichen Vögel beobachten, darunter den pastellfarbenen und endemischen Helm-Coua, die Madagaskar Rote Eule, den Madagaskar Teichreiher, den Fischadler, den Wanderfalken. Wenn man Glück hat, trifft man in diesem Trockenwald auch die scheue Schleichkatze Mungo (Galidia elegans) mit tief rotbraunem Fell und mit dem langen, gestreiften Schwanz.

 Neben den spektakulären “Tsingy“ ist dieses Naturschutzgebiet bekannt für seine vielen Grotten und Schluchten – über 100 km davon sind kartiert und schmale Flüsse schlängeln sich durch die Kalksteinformationen. Im Laufe der Jahrhunderte sind zahlreiche Höhlen in diesem Kalksteingebiet entstanden, die heute diversen Tierarten einen Lebensraum bieten.

Réserve Spéciale d‘Ankarana
Eine besondere Attraktion im Ostteil ist die beeindruckende “Grotte der Fledermäuse“. Die zahlreichen Säugetiere hangen im Inneren der grossen Höhlen an der Decke und “zwitschern“ laut, wenn man sie mit einer starken Taschenlampe anstrahlt.

Zwischen den Schluchten und Spalten dieser Karstformationen hat sich eine eigenständige typische Trockenwald-Vegetation gebildet, die sich ausschliesslich in dieser abgelegenen ökologischen Nische entwickeln konnte. Hier wachsen die Schraubenpalmen, das Elefantenfussgewächs (Pachypodien baroni), die schönen Baobabs (Adansonia perrieri), die sukkulenten Euphorbien und viele Lianen und grosse Feigenbäume.

Nicht nur die einzigartige Wanderung durch die Felsenlandschaft ist faszinierend, sondern auch das Kalkmassiv auf einer basaltischen Ebene, die 50 m über dem Meeresspiegel liegt. Flüsse und Bäche durchziehen die Höhlen von ca. 120 km Länge, die Täler und fliessen im unterirdisch geformtem Höhlensystem bis zum “verschwundenen Wasser“ oder “La Perte d’eau“. Der Weg führt durch einen Trockenwald mit Baobabs und der Rundweg endet an einem grossen Loch, auch genannt “die verlorenen Flüsse“, wo sich die drei Ankarana-Flüsse schliesslich verlieren. Besonders spektakulär ist dieses Naturschauspiel während der Regenzeit.

Eine angemessene Ausrüstung ist bei der Wanderung durch dieses spektakuläre und faszinierende Naturreservat erforderlich: festes Schuhwerk mit Profilsohlen, Insekten- und Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser.

November 2020, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Grotten von Anjohibe und Tsingy von Namoroka

1750 – Grotten von Anjohibe und die Tsingy von Namoroka

Die Wandertouren durch die geheimnisvollen Höhlen von Anjohibe nordöstlich der Stadt Mahajanga und die abenteuerliche Autofahrt zu den “Tsingy von Namoroka“ gehören zu den schönsten Ausflugzielen ausserhalb der Hafenstadt Mahajanga an der Nordwestküste der Insel.


Die Grotten von Anjohibe gehören zu den beliebtesten und abenteuerlichen Hauptattraktionen ca. 80 km nordöstlich der Blumenstadt, zwei Tage muss man dort mindestens verbringen, um die vielen Sehenswürdigkeiten in der Region anzuschauen: Wandertouren durch die Höhlen, Pirogenfahrt durch die Mangroven, Fischerdorfbesichtigungen.

Von Mahajanga nimmt man die Nationalstrasse 4 Richtung Antananarivo, dann Weiterfahrt durch eine Savannenlandschaft mit den grossen Bäumen mit Cashewnüssen, nach 20 km biegt man wieder nach links ab und nimmt die Richtung zur Mahajamba Bay. Die ganze Anfahrt dauert insgesamt vier bis sechs Stunden. Die schlechte Piste ist nur mit einem Geländewagen in der Trockenzeit zwischen März und Oktober befahrbar und immer in Begleitung eines ortskundigen Führers aus der Stadt.

Die Anjohibe Höhlen mit über 30 Metern Höhe beeindrucken mit ihren Formen und Farben. Das ganze Höhlensystem ist bislang kaum erforscht, bildet aber ein Netzwerk von miteinander verbundenen Gängen von bislang bekannten 27 km, eine grosse Vielfalt an Versteinerungen mit schweren Säulen und feinen Nadeln, schönen Tropfsteinen mit Stalaktiten und Stalagmiten, sowie mit vielen unterirdischen Flussläufen, die in mysteriösen Tiefen verschwinden. Verschiedene Fledermäuse, seltene Amphibien und zahlreiche Insekten haben ein Refugium in den Seitenräumen dieser Grotte gefunden. Als Krönung des Tages kann man sich nach dieser eindrucksvollen Exkursion im sauberem Naturpool in der Nähe der Grotte erfrischen. Dieser befindet sich nämlich oberhalb des 25 Meter hohen Wasserfalls Mahafanina, ein idealer Platz zum Picknicken.

Diese imposanten Grotten und Höhlen sind die einzigen hier am Indischen Ozean, die sich auf mehreren Ebenen befinden. Die Bucht ist das Mündungsgebiet vieler Flüsse. Am Ufer liegen verstreut Fischdörfer und es besteht die Möglichkeit, eine Pirogenfahrt durch die Mangroven zu unternehmen, um das Leben in den Fischerdörfern an diesem abgelegenen Ort kennen zu lernen. Die Bewohner in der Nähe dieser Mangrovenwälder leben hauptsächlich vom Fisch-, Krebs- und Krabbenfang. Die einfache Ecolodge in der Nähe der Grotte ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit in dieser erholsamen Gegend. Proviant und Trinkwasser muss man unbedingt aus der Stadt mitnehmen.

Südwestlich der warmen und weitläufigen Stadt Mahajanga liegt das dritte Karstgebiet Madagaskars: das ausgedehnte Schutzgebiet Tsingy von Namoroka. Ausgangspunkt zu dieser langen und abenteuerlichen Reise ist das schöne Fischerdorf Katsepy. Von der Hafenstadt lässt man sich mit der Fähre früh am Morgen zum westlichen Ufer der Bucht von Bombetoka übersetzen, um die interessante Gegend südwestlich von Mahajanga zu erkunden.


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Grotten von Anjohibe und Tsingy von Namoroka
Ab Katsepy beginnt die abenteuerliche Sandpiste bis zum nächsten Kleinstädtchen Mitsinjo. Wir durchqueren die ausgedehnte Savannenlandschaft, die mit vielen schönen Satrana-Palmen (Bismarckia nobilis) bestückt ist. Die Mehrheit der Dorfbewohner in Mitsinjo lebt von der Landwirtschaft. Besonders Zuckerrohr, aber auch Reis, Bananen und Maniok wird in dieser fruchtbaren Region angebaut. Nicht weit von diesem Kleinstädtchen befinden sich die Zuckerrohrplantagen. Das Zuckerrohr wird in der Fabrik von Namakia zu Zucker verarbeitet und zu Rum destilliert. “Dzama“ heisst der berühmte madagassische Rum auf der ganzen Insel.

Wir fahren mit der Piroge oder mit dem Motorboot zum interessanten “Schutzgebiet Mahavavy Kinkony“ („Site d’Intérêt Biologique du Lac Kinkony“). Das von Asity Madagascar verwaltete Naturschutzgebiet „Mahavavy Kinkony Complex“ geniesst schon seit mehreren Jahren den Ruf eines einzigartigen Lebensraumes für seltene Vogelarten und liegt zwischen dem Bezirk Mitsinjo in der Region Boeny. Hier liegt der zweitgrösste See Madagaskars, auch Heimat von vielen seltenen Wasservögeln wie rosa Flamingos, Ibissen, Adlern und ist als Ramsar-Gebiet eingestuft. Ein wahres Naturparadies für die Vogelkundler. Das Schutzgebiet hat verschiedene Landschaftsformen und umfasst eine Fläche von fast 270’000 ha, dazu zählen die Meeresbuchten von Boeny und Marambitsy, die Mündung des Mahavavy Flusses und die zahlreichen Seen, deren grösster der Lac Kinkony ist.

Die abenteuerliche Fahrt geht weiter zur abgelegenen Kleinstadt Soalala. Sie liegt an der ausgedehnten Bucht von Baly und wurde im 17. Jahrhundert von einer Prinzessin aus der Nachbarinsel Mayotte gegründet, als sie nach Madagaskar ausgewandert ist. In früherer Zeit war hier ein Ankerplatz von swahilisch – arabischen Seefahrern und in der Gegend stehen viele Ruinen alter Moscheen. Dies bedeutet, dass seit Jahrhunderten Handel sowie kultureller Austausch zwischen der Nordwestküste Madagaskars, den vielen Nachbarinseln und den fernen Ländern Arabien und Indien stattfand. Heute ist die Bucht von Baly bekannt für ein Schutzprogramm für Schildkröten in der Bucht von Baly.

Die nächste Sehenswürdigkeit, der Nationalpark “Baie de Baly“ liegt westlich von Soalala. Er wurde im Jahr 1997 gegründet und umfasst eine Fläche von ca. 57’142 ha mit Trockenwald, Bambusdickicht, Mangroven, Seen und Flüssen, Dünen und beeindruckenden Korallenriffen. Dieser Park ist das einzige Refugium der vom Aussterben bedrohten Schnabelbrustschildkröte „Angonoka“ und anderen Landschildkröten.

Dieses Naturschutzgebiet ist auch die Heimat des extrem seltenen Madagaskarseeadlers (Haliaeetus vociferoides), des Fischadlers „Ankoay“ und verschiedener Reiherarten, heiligen Ibissen, Regenpfeifern und Flamingos. Auch Säugetiere wie Lemuren, Bambusmakis und Reptilien teilen ihren Lebensraum mit ca. 120 Vogelarten.

An der Grenze des Schutzgebietes befindet sich die halbintensive Garnelenaquakultur. Dieses “rosafarbene Gold“ ist hier eine wichtige Einnahmequelle und wird hauptsächlich nach Europa und Japan exportiert. Die Sakalava-Ethnien sind die Küstenbewohner in den kleinen Fischerdörfern. Das Klima ist das ganze Jahr über zwischen 23 und 28 °C, von April bis November regnet es überhaupt nicht und trotz der Nähe zum Meer ist die Luft ziemlich trocken. Von Mahajanga kann man auch ein Boot oder eine Segelpiroge mieten, die die Reisegäste direkt zum Parkeingang bringt.

Von Soalala durchquert man südwärts eine ca. 40 km lange, wilde Piste durch eine Hügellandschaft, bebuscht und weiträumig. Nur ganz wenige Dörfer säumen diesen Karrenweg. Es wird wohl kein anderes Auto unterwegs sein. Die Leute leben von der mageren Landwirtschaft, etwas Viehhaltung und allein das Trocknen von Raphiafasern ermöglicht etwas Einkommen. Nach stundenlanger Pistenfahrt erreicht man den Eingang des Nationalparks von Namoroka.

Das Schutzgebiet Tsingy de Namoroka liegt abgelegen und nach den beiden bekannten “Bemaraha Tsingy“ an der Südwestküste und den “Ankarana Tsingy“ an der Nordspitze der Insel ist es das dritte Tsingy-Gebiet. Es ist schwer zu erreichen.

Mit einer Fläche von ca. 22’227 ha sind die Tsingy von Namoroka der grösste Nationalpark in dieser Region (seit 2002). Ein langes Höhlensystem erstreckt sich unter diesen Felsenformationen und charakteristisch bei den Namoroka Tsingy ist der Gebirgsstock mit bis zu 30 m hohen Kalkmauern, die kleine Seen umschliessen. Zwischen den scharfkantigen Karstfelsen wächst im Norden des Parks die typische Trockenwaldvegetation mit Euphorbien, Pachypodien, Flammenbaum, Malvengewächse, aber auch viele Sukkulentenpflanzen und Baobabs. Entlang der Flussläufe und an den Seen gedeihen die Schraubenpalmen (Pandanus).

Die Wanderungen durch die Schluchten und die Höhlenwelt der “Tsingy“ oder Kalksteinnadeln sind beeindruckend. Mit auf dieser Expedition ist immer ein lokaler Guide, der sich auskennt. Es gibt viele fotografischen Möglichkeiten in diesem Naturwunder der Steinwelt zwischen Licht und Schatten. Die Tierwelt ist auch hier reichhaltig. In diesem abgeschiedenen Trockenwald leben viele endemische Vogelarten, dazu gehören der Madagaskarhabicht (Accipiter henstii), der Schopfibis (Lophotibis cristata) und der Gelbbauchjala (Philepitta schlegeli). Auch ein paar Lemurenarten haben hier ihr Refugium gefunden wie z.B. der braune Lemur. Der Park wird von 31 Reptilienarten bevölkert, darunter das endemische Chamäleon Brookesia bonsi und von mehreren Fledermausarten.

Trotz dieser faszinierenden Felsenformationen kommen nur wenige Dutzend Besucher pro Jahr in diesen abgelegenen Naturpark.

In diesem Schutzgebiet liegen auch heilige Stätten (Doany) der Sakalava-Volksgruppe, Orte ritueller Zeremonien (Joro) insbesondere entlang des Mandevy-Flusses.

Dieses Schutzgebiet im Nordwesten Madagaskars hat keinerlei Infrastruktur. Es gibt weder Versorgungseinrichtungen noch Campingplätze, so dass die Reisenden die gesamte Ausrüstung wie Proviant und Zelte mitführen und auf Pfadfinderart leben müssen.

November 2020, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Spezialreservat von Ambohitantely

1710 – Das Spezialreservat von Ambohitantely

Das Spezialreservat von Ambohitantely, rund 140 km nordwestlich der Hauptstadt, ist unser heutiges Reiseziel.

Man sollte sehr früh am Morgen aufbrechen, erstens um dem Verkehrs-Chaos zu entgehen und zweitens um die brütende Hitze auf den schönen Wandertouren durch den Park zu meiden. Eine interessante Entdeckungsreise fernab üblicher Routen!

Zügig geht die Autofahrt von Antananarivo auf der RN4 Richtung Nordwesten. Nach etwa 100 km (ca. 2 Stunden Autofahrtzeit) ab der Hauptstadt gelangt man in die Bezirkshauptstadt Ankazobe, dies bedeutet wörtlich “wo grosse Bäume wachsen“. Dieses Örtchen hat seinen Namen aus jener Zeit, als hier noch ein riesiger Trockenwald das Hochlandes des Westens beherrschte. Von Ankazobe geht die Fahrt 30 km weiter durch den dünn besiedelten Westteil der Insel mit weiten Grasflächen, dann biegt man nach rechts ab bis zur Forststation “Manankazo“. Ein Grossteil der Freiflächen wurde mit Pinien, Eukalyptus, Zypressen und anderen fremden Baumarten aufgeforstet. In vielen Regionen von Madagaskar werden verschiedene Bäume regelmässig auf Eigeninitiative von Gemeinden, von verschiedenen ökologischen Hilfsprojekten und von Madagaskar National Parks während der Regenzeit (zwischen Dezember und März) gepflanzt.

Es ist heiss und ziemlich trocken geworden und neben dem spürbar veränderten Klima fällt auch die sich verändernde Landwirtschaft auf: trockene Weidelandschaften mit weiten und sanft gewellten Grasflächen werden bis zum Reservat von Ambohitantely durchquert. Das Reservat von Ambohitantely bedeutet “der Ort mit Honig“, denn in den Trockenwäldern dieses Spezialreservates wurde früher wilder Honig gesammelt.

Spezialreservat von Ambohitantely
Das etwa 5’600 ha grosse Spezialreservat liegt zwischen 1300 m und 1650 m über dem Meeresspiegel. Eingebettet in die Hügellandschaft des Hochlandes finden wir Steppen und Savannen. Ein Rest von Urwald von etwa 1’800 ha steht unter striktem Naturschutz, denn in diesem ursprünglichen Teil des Trockenwaldes wachsen seltene Orchideen und wertvolle Edelhölzer wie Palisander und Ebenholz und in den tiefer gelegenen Teilen des Reservates gedeihen die endemischen, winterharten Madagaskar Königspalmen “Dypsis decipiens“, typisch in dieser Region. Das Spezialreservat wirkt daher wie eine dunkelgrüne Oase, wo sich die tagaktiven Braunen Lemuren, die nachtaktiven Wollmakis, die scheuen Mausmakis und zahlreiche Vogelarten tummeln.

Tierliebhaber kommen hier im Reservat auf ihre Kosten, denn die ortskundigen Guides führen die Reisenden durch das unerschlossene Gelände und freuen sich, den Besuchern die zahlreichen Reptilien z.B. die gut getarnten Chamäleons zu zeigen.
Insgesamt gibt es über 50 bekannte Chamäleonarten auf Madagaskar, das Wort Chamäleon ist ein griechisches Wort, wörtlich heisst dies “Erd-Löwe“. Die Einheimischen nennen diese Kriechtiere “Tanalahy“ im Hochland oder “Tarondro“ im Norden. Die verschiedenen Arten kommen auch ganz verschieden daher: mal mit kantigem Kopf, mit Helm, mit Nasenlappen oder mit Hörnern auf der Nase.

Von den vielen Reptilien auf der ganzen Insel sind die Chamäleons wohl die beliebtesten, nicht nur wegen der bunten Farben, sondern auch, weil man sie in der Natur leicht beobachten und in die Hand nehmen kann. Diese “Meister der Tarnung“ sind tagaktiv und ernähren sich von Insekten wie Heuschrecken, Fliegen und anderen Kleintieren. Sobald ein Beutetier entdeckt ist, wird es mit beiden Augen angepeilt, dann öffnet sich langsam das Maul und plötzlich schnellt die lange Schleuderzunge hervor. Ein faszinierendes Spektakel, das sich im Bruchteil einer Sekunde abspielt, so dass das menschliche Auge diesem Vorgang nicht folgen kann, es ist auch ziemlich schwierig zu fotografieren.
Die Augen können unabhängig voneinander bewegt werden, so kann beispielweise das linke Auge nach hinten schauen, während das rechte nach vorne starrt. Auf diese Weise behalten die Tiere den Überblick über die Umgebung, auch ohne den Kopf auffällig bewegen zu müssen. Dieses Verhalten ist sehr wichtig, denn das Leben im Geäst ist für sie sehr gefährlich.
Die Einheimischen fürchten diese Tiere und weigern sich, sie anzufassen (ausser der Lokalguide natürlich). Trotzdem sind die Leute von diesen sich unabhängig voneinander bewegenden Augen nach vorne und nach hinten oder nach links und nach rechts fasziniert und haben daraus einen bekannten Spruch gemacht: “Handle wie ein Chamäleon, blicke mit einem Auge in die Vergangenheit und mit dem anderen in die Zukunft“.

Neben der Färbung, die sie sehr gut an ihre Umgebung anpassen können, tarnen sie sich auch durch die Art ihrer Fortbewegung. Meistens setzen sie im Schneckentempo einen Fuss vor den anderen und schaukeln merkwürdig vor und zurück. Dieses Verhalten ist der Bewegung von Ästen und Blätter im Wind sehr ähnlich und erschwert es den Feinden, die Chamäleons zu entdecken. Dieses typische Verhalten der Chamäleons entspricht auch der madagassischen Lebensweise: “Mach es wie das Chamäleon, zwei Schritte vorwärts und einen Schritt zurück“.

Dieses Reptil, das die Eigenschaft hat, ständig die Farben zu wechseln, ist auch ein charakteristisches Merkmal für Leute, die ihr Verhalten, die Laune oder auch die Meinung schnell und häufig wechseln. Deshalb wird dieser einzigartige Charakter der Chamäleons in den madagassischen Sprichwörtern und Reden häufig benutzt.
Die Chamäleons sind meist standorttreu, ein Glück für die lokalen Führer, denn so können sie leicht gefunden werden, meistens in kleinen Gebüschen am Waldrand oder auch in der Nähe von Dorfsiedlungen, wo sie häufig ihr Futter finden können.
Viele fleischfressende Raubvögel gehören leider zu ihren grossen Feinden und neben den Vögeln werden sie oft auch von der Boa, einer Würgeschlange, gefressen.

Das winzige Brookesia wird auch als Stummelschwanzchamäleon oder als Zwergchamäleon bezeichnet. Diese Arten haben keine grosse Farbwechselmöglichkeit, denn sie haben unscheinbare braune Farben. Da sie auf dem Boden unter welkenden Blättern und trockenem Laub leben, sind sie sehr gut getarnt und werden deshalb auch als Erdchamäleons bezeichnet.

Spezialreservat von Ambohitantely
Auch die verschiedenen Geckos gehören zu den attraktiven Tieren in diesem Reservat. Die speziellen Haftzellen an den Fingern und Zehen ermöglicht es ihnen, sich unter Blättern oder an der Zimmerdecke festzuhalten, wo sie stundenlang auf Ihre Beute wie Mücken oder andere kleine Insekten lauern. Der farbenprächtige und tagaktive Phelsuma Madagascariensis hat eine leuchtend grüne Farbe mit blutroten Flecken auf Kopf und Rücken. Sie liegen auf den grossen Blättern oder den Baumstämmen, um sich zu sonnen und lecken den Pflanzensaft verschiedener Baumarten.

Auf einer Abendwanderung durch dieses Naturschutzgebiet kann man viele nachtaktive Tiere entdecken. Berühmt wegen ihrer Seltenheit und ihres Aussehens mit den überdimensionalen Köpfen und den flachen Schwänzen sind die Plattschwanzgeckos (Uroplatus), auch als Flachkopfgecko bekannt. Tatsächlich können sie sich mit ihrem flachen Körper, ihrer Kopfform und mit ihrem blattartigen Schwanz ganz perfekt an die Farben der Baumstämme anpassen. Die graugrünen Blattschwanzgeckos, aber auch die nachtaktiven Lemuren können dank ihren grossen glänzenden Augen mit einer guten Taschenlampe leicht entdeckt werden.


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Die Braunen Lemuren Eulemur Fulvus Rufus streifen in grossen Gruppen von ca. 5 bis 15 Tieren im Wald umher und fressen Blätter, Blüten sowie Früchte des Trockenwaldes.
Sie sind früh am Morgen leicht zu finden, wenn sie von Baum zu Baum springen und auf Futtersuche sind.

Der nachtaktive “Avahi Laniger“ oder Wollmaki ist ein blattfressender Lemur. Im Gegensatz zu den anderen Nachtlemuren schlafen sie als Familiengruppen in Astgabeln. Sie haben einen auffälligen weissen Streifen an der Innenseite der Oberschenkel. Mit einer guten Taschenlampe finden die Lokalguides ihre roten Augen, wenn diese in der Dunkelheit leuchten.

Der braune Mausmaki (Micocebus Rufus) gehört zu den kleinsten Primaten auf der ganzen Welt. Er wiegt maximal 50 gr und misst ca.15 cm einschliesslich des verhältnismässig langen Schwanzes. Die  grossen Augen weisen auf die nächtliche Lebensweise hin und als Nachttiere leben die Mausmaki in Nestern und Baumhöhlen. Sie fressen sowohl Früchte als auch Insekten, mit Vorliebe die wilden Früchte oder die süssen Beeren im Wald. Leider werden ihre Lebensräume mehr und mehr durch menschliche Eingriffe wie Abholzung und Brandrodung zerstört.

Spezialreservat von Ambohitantely
Ambohitantely wurde seit 1996 von Madagaskar Nationalpark als Spezialreservat ausgewiesen und eigentlich ist dieses Reservat mehr für Wissenschaftler und Spezialisten geeignet, aber in Betracht der überschaubaren Grösse und des landschaftlichen Reizes ist es auch für Touristen einen Besuch wert. Dieses Naturschutzgebiet dient auch als Schulungsstätte für Forscher und für Biologie-Studenten.

Jedes der über 50 zugänglichen Naturschutzgebiete Madagaskars hat mehrere Wanderwege und Touren mit unterschiedlicher Dauer und Schwierigkeitsgraden. Sie können gegen Bezahlung einer Eintrittsgebühr besucht werden. Ein lokaler Parkführer muss obligatorisch angeheuert werden, er kennt das Gebiet, die Tiere, die endemische Flora sowie die Medizinpflanzen. Je nach Interesse und Kondition der Reisenden schlägt der Führer den Besuchern verschiedene Rundwege durch das Reservat vor.
Leider verfügt dieses Spezialreservat von Ambohitantely über keinerlei touristische Infrastruktur. Es finden sich lediglich Campingmöglichkeiten, aber die Ausrüstung sowie Proviant und Trinkwasser müssen selbst mitgebracht werden.

Nach dem erlebnisreichen Aufenthalt in diesem Spezialreservat kann man die Reise Richtung Nordwesten zum Nationalpark von Ankarafantsika fortsetzen: Innerhalb dieses dichten Trockenwaldes mit vielen langen Lianen gibt es eine ganze Reihe von gekennzeichneten Wanderwegen, deren Länge und Schwierigkeitsgrade unterschiedlich sind, es ist aber auch ein schönes Naturschutzgebiet – zum Staunen!

Oktober 2020; geschrieben von: Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Andasibe Parks

1230 – Andasibe Parks

Andasibe ist das am meisten besuchte Naturreservat, denn es liegt nur rund drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt.

 

Es hat hier viele Hotels – für jedes Budget. Es lohnt sich, einen Aufenthalt von zwei bis drei Tagen einzuplanen, denn es gibt zwei grosse offizielle Parks, aber auch drei kleine, die von Vereinen oder der Dorfbevölkerung geführt werden. Auch das Dorf Andasibe selbst ist ein Besuch wert.

Am frühen Morgen hört man die singenden Lemuren bzw. die Indri Indri. In jedem Winkel des Regenwaldes ist dieser melodiöse morgendliche Territorialgesang mit fast mystischem Klang zu vernehmen und es ist höchste Zeit, das Regenwaldreservat, bedeckt mit tropischer Vegetation, zu erkunden. Es lohnt sich, 2 oder 3 Tage in Andasibe zu verweilen, denn die Wanderungen durch den Wald gehören zu den nachhaltigsten Eindrücken auf einer Reise an die Ostküste.

Bei der heutigen Wanderung durch den Park steht dieser grösste Lemur von ganz Madagaskar im Fokus. Nicht weit vom Dorf Andasibe entfernt liegt das Spezialreservat Analamazaotra. Dieses Schutzgebiet umfasst ca. 800 ha und besonders bei schönem Wetter ist der Gesang der Indri Indri ein sensationelles Erlebnis, er hallt 1 bis 3 km durch den Wald, denn bei Tagesanbruch oder kurz vor der Dämmerung markiert die Gruppe damit ihr Territorium oder auch um mit anderen Gruppen zu kommunizieren. Aber es ist nicht nur ihre Stimme, die Tiere zu etwas ganz Besonderem macht, sondern auch ihr Aussehen und ihre Kräfte!

Dieser Riesenlemur von ca. 90 cm Grösse hat ein schwarzweisses Plüschfell und ist der einzige Lemur auf ganz Madagaskars, der nur einen Stummelschwanz besitzt, was ihm das Aussehen eines kleinen Bärchens verleiht. Seine langen Hinterbeine sind enorm und kräftig, und damit kann er bis 9 m weit springen. Sie können sich dabei sogar in der Luft umdrehen! Ein grossartiges Schauspiel, das die Besucher nicht verpassen dürfen!

Der Indri Indri lebt in einer Einehe und in einem engen Familienverbund von 2 bis 5 Lemuren pro Gruppe. Sie ernähren sich von einer Mischung aus etwa 60 frischen Blättern, wilden Nüssen und Früchten, darum ist es den Forschern noch nie gelungen, diese Spezies in Gefangenschaft zu halten.

Die Madagassen bezeichnen die Indri Indri als Babakoto, wörtlich bedeutet dies “der Vater von Koto“ und die Legende erzählt von einem Bauern namens Koto, der im Wald einen Baum bestieg, um wilden Honig zu sammeln. Er wurde von den Bienen arg zerstochen, verlor dabei den Halt und wurde glücklicherweise von einem Indri aufgefangen. Von nun an betrachtete er diesen Lemuren als sein Lebensretter, bzw. als seinen Vater. Viele Legenden über diese Lemurenart erklären die Wertschätzung, die die Einheimischen ihrem “Vorfahren“ entgegenbringen, denn beide stammen ja aus der gleichen Evolutionslinie.

Andasibe Parks
Welch eine Schatzkiste der Natur! Neben diesen Indri lassen sich auch andere Lemurenarten in ihrer natürlichen Umgebung beobachten: Dazu gehören die grauen Baumbuslemuren mit ihrem starken Gebiss. Wie der Name verrät, ernähren sie sich von Bambussprossen und den jungen Blättern. Die Braunen Lemuren leben in viel grösseren Gruppen in den Waldgebieten und fressen verschiedene Früchte, u.a. die wilden Goyaven.

Die vielen Wanderwege laden zu ausgiebigen Erkundungstouren ein und die Ornithologen kommen natürlich auf Ihre Kosten, denn begleitet vom fröhlichen Gesang der vielen einheimischen Vögel, wie des seltenen Rotstirn-Couas, der schillernden Blauen Madagaskartaube, des flickenden Paradiesschnäppers oder des lauten schwarzen Vasa-Papageis… geht man die zahlreichen Wanderwege entlang.

Die ortskundigen lokalen Führer sind auch in der Lage, die urtümlichen Chamäleons, die gut getarnten Geckos oder die winzigen Frösche… in der üppigen Vegetation zu zeigen, wo unsereiner nie ein Lebewesen vermuten würde.
Bei den Madagassen haben die Chamäleons einen hohen Stellenwert und sie sind besonders gefürchtet. Faszinierend ist die Vielfalt der über 50 Chamäleonarten, mal mit kantigem Kopf, mit Nasenlappen oder mit Hörnern auf der Nase!

Andasibe Parks
Auch wenn die Besucher am Tag schon vielen Vertretern der heimischen Fauna begegnet sind, beobachtet man sie mit ganz anderen Augen bei einer Nachtwanderung.
Gross leuchten die Pupillen des winzigen Mausmakis, hat man sie erst einmal im Schein der Taschenlampe entdeckt. Hoch oben in den Baumkronen blinzeln einem weitere nachtaktive Lemuren wie der Wollmaki beim Fressen von Blättern und Früchten entgegen. Die Fettschwanzmakis halten eine Art Winterschlaf, sind meistens in der Sommerzeit zu finden. Manchmal genügt es schon mit einer starken Lampe das Geäst der Bäume in der Nähe des Hotels oder auch entlang der Strasse anzustrahlen. Die reflektierenden Augen verraten den Aufenthaltsort der Nachtlemuren.

Wenn man über die erdige Piste ca. 20 km bis zur Südgrenze des Regenwaldreservates (nur mit Geländewagen befahrbar wegen des schlechten Zustandes der Piste) fährt, gelangt man zum schönen und ursprünglichen Mantadia Nationalpark, wo man mit etwas Glück, den schwarzen Diadem-Sifaka sehen kann. Hier hat diese Art ihr Refugium gefunden, sie sind nicht so schwer wie die Indris, haben aber mit ihrem schönen Fell einen beeindruckenden Anblick und finden in diesem östlichen tropischen Bergregenwald die richtige Blattnahrung. Anscheinend gibt es in den verschiedenen Parks auf Madagaskar insgesamt neun Arten dieser Sifakas. Diese entdeckt man nur im Trockenwald des Westens und hier im Regenwald des Ostens.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die private Naturanlage des Hotels Vakona Lodge. Auf einer Halbinsel tummeln sich die halbzahmen Bambuslemuren und die Varika im Freien. In diesem Park von ca. 200 ha sind auch die ungiftigen Schlangen, mit dem herzförmigen Kopf, die sogenannten Hundskopfboas zu finden.

Der Park ist besonders bekannt für die Zucht der rar gewordenen Nilkrokodile, auch das grösste Landraubtier, der Fossa, der auf Madagaskar im Trocken- und sowie im Regenwald zu finden ist, kann man hier zu Gesicht bekommen.

Bei den Wanderungen durch den Wald, der in seinem ursprünglichen Zustand belassen ist, findet man detaillierte Beschreibungen über die fremden oder endemischen Baumsorten im Park. Dabei hat man einen Überblick über die grossen Bastpalmen, die einzigartigen “Bäume der Reisenden“, die schönen Schlingpflanzen, die nur auf der Insel heimischen Kakteen, die wertvollen Heilpflanzen, die schönen dekorativen Baum-, Geweih- und Nestfarne und noch viele mehr… denn schliesslich ist doch der tropische Bergregenwald für die Reichhaltigkeit der tropischen Pflanzen sehr bekannt.

Andasibe Parks
Madagaskar ist auch berühmt als das Traumland der Orchideen, auf der Insel gibt es eine Rekordzahl von mehr als 1’000 Arten. In den dichten und feuchten Regenwäldern von Andasibe erkennt man sofort die Aeranthus an ihren herabhängenden Sprossen oder die Kometenorchideen mit den schneeweissen Blüten. Sie leben hauptsächlich als Epiphyten (Aufsitzer) auf den Stämmen der Bäume oder auf einer Palmenart und in der Blütezeit von Oktober bis Dezember präsentieren sie ihre ganze Pracht in allen Farben und Formen.

Andasibe Parks   
Zu den verschiedenen Schutzgebieten in diesem tropischen Bergnebelwald von Andasibe zählen:

Das Spezialreservat von Analamazaotra:
Mit 810 ha und auf ca. 1’000 m über dem Meeresspiegel ist es ein leicht erreichbares Schutzgebiet, das nicht weit von der Nationalstrasse 2 entfernt liegt, deswegen lockt es alljährlich zahlreiche Reisende an.
Die Wege in diesem Park sind gut ausgebaut und die wenigen Steigungen nicht besonders schwierig, also empfehlenswert auch für Besucher ohne gute Kondition.
Dieses erste Waldschutzgebiet Madagaskars wurde im Jahre 1908 gegründet und bekam 1970 den Status eines “Spezial-Reservates“, wegen der hier lebenden seltenen Lemuren den Indri Indri. Nicht umsonst hat es den Namen “Indri-Spezialreservat“ bekommen.

Nicht nur Lemuren machen die Wandertouren in diesem Reservat so reizvoll, sondern auch die vielfältige Flora. Die Ufer des Lac Vert und Lac Rouge und die Wasserläufe und Teiche beherbergen eine Vielzahl von Wasser und Sumpfpflanzen, sowie eine reichenhaltige Insektenfauna.

Der Nationalpark von Mantadia:
Dieser Nationalpark besteht seit 1989, er liegt ca. 1’500 m über dem Meeresspiegel. Er umfasst ca. 10’000 ha Primärwald und beheimatet eine noch reichere Fauna und Flora als das nahe gelegenen Analamazaotra Reservat.
Da die Piste dorthin auch bei Trockenzeit schlammig und matschig und in der Regenzeit mit dem Geländewagen überhaupt nicht befahrbar ist, empfängt dieser Nationalpark nicht so viele Besucher. Die angelegten Wanderwege sind leider nicht befestigt, das macht zwar den Marsch etwas beschwerlich, aber es ergibt sich die Möglichkeit andere Lemuren- sowie zahlreiche Vogelarten zu beobachten.
Einer der 5 empfehlenswerten Wanderwege namens Rianasoa führt zu einem schönen Wasserfall mit Bademöglichkeit, also eine willkommene und erfrischende Abkühlung nach den eindrucksvollen Wandertouren.

Reserve Experimentale de Vohimana:
Dieses Ökotourismusprojekt liegt einige Kilometer von Andasibe Richtung Tamatave
Es handelt sich hier um ein grosses tropisches Waldgebiet, Lebensraum von vielen Lemurenarten und Vögeln.

Park Mitsinjo:
Der Park wird verwaltet von den lokalen Guides der Association Mitsinjo, die sich für den Umweltschutz und Ökotourismus engagieren.
Bemerkenswert ist die Nachzucht von endemischen Setzlingen für die Wiederaufforstung des Waldes. Auch Abendwanderungen in diesem Schutzgebiet sind möglich.

Das Reserve Voimma (Parc villageois):
ist ein kommunales Waldgebiet nicht weit vom alten Bahnhof entfernt und steht unter lokaler Selbstverwaltung, so dass ein Teil der Einnahme direkt für die Dorfbewohner eingesetzt wird.
Es ist also kein Nationalpark. Die ausgebildeten Lokalführer organisieren auch Abendwanderungen mit Pirsch nach dem kleinsten Mausmaki oder anderen nachtaktiven Tiere.

Nachmittags hat man natürlich Gelegenheit, durch das grosse Dorf von Andasibe zu schlendern, um einen Eindruck über das ruhige Alltagsleben der Dorfbewohner zu erhalten.
Am Rande dieses Bretterbubendorfs befindet sich eine Eisenbahnstation, denn die alte Bahnlinie verbindet seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Hauptstadt mit der Hafenstadt. In letzter Zeit fahren leider nur noch Güterzüge zwischen den beiden Städten Moramanga und Toamasina (Tamatave).
Die neugierigen Kinder grüssen freundlich die Vazaha (die Fremden) und gern kann man ihnen mit einem netten “Salama“ antworten, so wird man mit diesem Grusswort überall freudig-erstaunte Reaktionen ernten. Beim Spaziergang durch das malerische Dorf ist auch der geeignete Moment, die frisch geernteten Früchte wie Wassermelonen, Jackfrüchte, Litschis, Annonen (Cherimoya), sowie die verschiedenen schmackhaften Bananen zu probieren. Ein einzigartiges Erlebnis für die Gaumen!

Oktober 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Vanille aus Madagaskar

Blüte Vanille Madagaskar
Vanille kennt jeder
…aber wer von uns weiss denn, was genau diese Gewürzpflanze eigentlich ist und woher sie ursprünglich stammt?

Es gibt mehr als 100 Arten von Vanilleorchideen und ca. 15 davon tragen aromatische Früchte. Die bekannteste davon ist die Gewürzvanille, auch «echte Vanille» (Vanille planifolia) genannt. Aus diesen fermentierten Vanilleschoten wird das Gewürz Vanille gewonnen.

Von Mexiko nach Madagaskar
…schon vor den spanischen Seefahrern wurde die Vanillepflanze in Mexiko angebaut. Über Europa kam sie vor gut 100 Jahren nach Madagaskar.

Doch da es in Madagaskar keine Bienen oder Kolibris gibt, die die Bestäubung der Orchidee übernehmen können, wird dies von den lokalen Frauen (und manchmal auch von Männern) entlang der Nordostküste von Hand übernommen.

Die Pflanzen haben, wie Sie oben sehen können, grün-gelbliche Blüten.

Da jede Blüte nur einen Tag blüht, ist es sehr wichtig die Pflanzen rechtzeitig zu bestäuben.

Madagaskar Samenkapseln Vanille

Aus diesen grünen Samenkapseln wird Vanille gewonnen.

Im ersten Schritt werden die Samenkapseln/Vanilleschoten kurz über dem Feuer in ca. 70 Grad heissem Wasser blanchiert und anschliessend jeden Tag draussen zum Fermentieren in die Sonne gelegt.

Madagaskar Verarbeitung von VanilleFermentieren Vanille Madagaskar

Ziehen Regenwolken auf…
…werden die Schoten schnell eingesammelt und wie auch sonst an jedem Abend in Wärmekisten gelagert. Dort warten sie dann auf die nächsten Sonnenstrahlen.

Wertvoll
Im Norden von Madagaskar wächst rund 80% der gesamten Weltproduktion von Vanille.

Dies ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Einwohner. Daher wacht immer ein Aufpasser über das «schwarze Gold», um es vor Dieben und vor schlechten Wetter zu schützen.

Die Vanille wird meist in kleinbäuerlichen Familienplantagen angebaut und als grüne Schote an Ankäufer vor Ort verkauft. Spezialisierte Vanilleaufbereiter organisieren den langen Fermentierungsprozess.

Der Vanillebauer verdient, trotz der vielen Arbeit, sehr wenig an seinem Produkt. Das grosse Geld machen die Exporteure und die westlichen Verkaufsstellen, die die Vanille weiterverkaufen.

Hier in Europa wird die echte Vanille auch «Bourbon-Vanille» genannt. Dieser Name stammt von einem der ersten und langjährigen Hauptlieferanten der Vanille und kommt aus La Réunion und Madagaskar.

Wegen verschiedener Zyklone im Indischen Ozean (die Saison ist von Januar – März) und der Zerstörung, die sie hinterlassen, ändert sich der Preis der Vanille in jedem Jahr. Im Herbst 2018 erreichte der Preis Rekordhöhe, denn so kostete ein Kilo Vanille stolze 600 USD und kam dem Preis für Gold sehr nahe.

Wenn auch Sie Madagaskar bereisen möchten und vielleicht auch einen der vielen kleinen Vanilleplantagen besuchen möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Denn PRIORI Reisen bringt Sie dahin, wo Sie auf keine weiteren Touristen treffen, abseits des Massentourismus und mitten im alltäglichen Leben der Madagassen!

Antananarivo – Ampefy

Lac Itasy Ampefy
Lac Itasy Ampefy

1100 – Antananarivo – Ampefy

Statt von Tana direkt nach Süden zu fahren lohnt sich ein Abstecher nach Ampefy im Westen der Hauptstadt. Unterwegs kann man in einem Park bereits die ersten Lemuren sehen und viele Alltagssituationen der Madagassen erleben.

Wir verlassen die geschäftige Millionenstadt Antananarivo (was wörtlich übersetzt Stadt der Tausend heisst) und reisen heute Richtung Westen in die vulkanische Region von Itasy.

Kleine Epicerieen und Verkaufsstände säumen unseren Weg auf der geteerten Nationalstrasse RN1 bis Ampefy. Sie stehen immer direkt an der Strasse und gern können wir dort kurz halten um Mineralwasser oder Cola zu kaufen, so haben wir gleich einen Überblick über das Angebot in diesen Krämerläden: Zwieback, Bonbons, Zigaretten, Petroleum, Speiseöl, aber auch getrockneten Fisch, Reis, Tomaten, Zwiebeln u.s.w. werden hier angeboten, kurzum alles was eine Familie für Ihren Alltag braucht. Auch selbstge­machte Backwaren wie Reisfladen, kleine Beignets oder Bananenkuchen werden verkauft, denn die Bauern halten gerne bei diesen Läden, machen eine kurze Pause, trinken gelegentlich einen warmen aromatischen Kaffee und fragen nach den letzten Neuigkeiten und Tratsch, denn es ist auch ein beliebter Treffpunkt der Dorfbewohner.

Antananarivo – Ampefy
Wir fahren weiter durch die typische Landschaft des Hochlandes mit seinen grünen und z.T. recht grossen Reisfeldern, denn Reis ist das Hauptnahrungsmittel der madagassischen Bevölkerung. Wenn wir Glück haben, können wir einen Teil dieser anstrengenden Feldarbeit mitverfolgen, wie mühsam der Ablauf der Tätigkeiten ist, bis der Reis nach ca. 6 Monate auf den Teller kommt: das Pflügen, das Umpflanzen der Reispflänzchen, das Entfernen des Unkrauts, das Ernten und Dreschen… Kollektive Arbeit ist üblich im ganzen Land und mit dem Gemeinschaftssinn der Bauern geht alles schneller und leichter.

Nach etwa 22 km bzw. nach ca. 1 Stunde Fahrzeit gelangen wir zum Dorf Ambatomirahavavy (das heisst wörtlich übersetzt die 2 Schwestersteine). Pflanzen- und Tierliebhaber machen hier im Lemur’s-Park immer einen Zwischenstopp. Diese private Naturanlage mit ca. 5 ha Grösse liegt am Fluss Katsaoka und gehört zu den beliebten Ausflugsorten ausserhalb der Stadt, sowohl für Reisende als auch für Madagassen. Die Lemuren sind die bekanntesten Vertreter der madagassischen Tierwelt. Einige Arten wie die tagesaktiven Varis (Varecia), Bambuslemuren, Larvensifakas und andere werden hier gezüchtet. Sie tummeln sich im Freien auf dem grossen Gelände. Besonders während der Fütterungszeiten sind diese Halbaffen sehr aktiv, sie kommen dann ganz in die Nähe, also eine hervorragende Möglichkeit, die Tiere von ganz nah zu fotografieren. In diesem privaten Reservat hat man auch einen Überblick über die Vielfalt der Pflanzenwelt im Hochland und im Süden der Insel. Unter anderem sieht man Euphorbien oder Wolfsmilchgewächse und zahlreiche Aloen, Kakteen und Dickfussgewächse. Der Park engagiert sich auch in pädagogischer Hinsicht, die lokalen Führer geben den Schülern in der Grund- und Realschule Naturkundeunterricht.

Folgende Lemuren leben im Park

Nom scientifique  deutscher
Name
English Name Nom français  Nom Malagasy 
Lemur Catta Ringschwanzlemuren Ring tailed Lemur Maki Maki ou Hira
Eulemur Mongoz Lemur Mongoz Mangoose Lemur Lemur Mongoz Dredika
Eulemur Fulvus Fulvus brauner Lemur Common brown lemur Lemur brun akomba ou Varikandana
Varecia Variegata Variegata Varis Varecia Varecia Varika
Hapalemur griseus griseus grauer Bambuslemur Small Hapalemur Lémurien bambou gris Bokombolo
Propithecus gekröntes Sifaka Crowned Lemur propithéque Couronné Sifaka satro-boninahitra
Propithecus Coquereli Sifaka / Larvensifaka Coquerel’s Sifaka propithèque de Coquerel Sifaka / Tsibahaka

Über weite Strecken bewundern wir die typischen madagassischen Hochlandhäuser links und rechts der Strasse. Wir lernen die Architektur der Hochlandhäuser auf dieser Westroute kennen. Farben und Stil verändern sich je nach Region. Hier im Hochland sehen wir meistens die typischen Lehmbauten in allen Farbtönen von braun über ocker, gelb und rot. Sie fügen sich perfekt in diese Landschaft ein und bilden einen starken Kontrast zum Blau des Himmels.

Antananarivo – Ampefy
Die Strasse schlängelt sich weiter durch ein weites Tal und bald taucht die nächste Stadt auf dieser Strecke auf, sie heisst Imerintsiatosika und ist bekannt für die Werkstatt der Zebukarren an dieser Nationalstrasse. Die Zebukarren gehören zu den üblichen Verkehrsmitteln auf dem Land und transportieren die Produkte zu den umliegenden Dörfern während der Erntezeit.

Imeritsiatosika ist auch Ausgangspunkt für eine Wandertour durch die malerischen Merina-Dörfer bis nach Antongona. Der Ort liegt gleich neben einer 200 m hohen und schönen Granitkuppe. Ganz oben befindet sich die Rova. Es handelt sich hier um einen ehemaligen Königssitz der Merina Volkstämme im 15. Jahrhundert. Das hölzerne Königshaus und das Grab gehören zu den schönen Sehenswürdigkeiten in dieser Gegend. In einem kleinen Museum können wir auch die ehemaligen traditionellen Werkzeuge bewundern. Der Aufstieg zum 1500 m über dem Meeresspiegel hohen Gipfel des heiligen Hügels dauert etwa 30 Minuten, ist zwar etwas anstrengend, aber der fantastische Blick auf die Hauptstadt in der Ferne und auf die umliegenden Felder und Dörfer wird später in Erinnerung bleiben!

Nach diesem erlebnisreichen Ausflug setzen wir die Reise fort und halten schon bald in einem Ortsteil von Imeritsiatosika, der spezialisiert ist für die Herstellung von Miniaturspielzeugen wie kleine Fahrräder, Autos, Rikschas aus Weissblech von Spray- und Getränkedosen: ein schönes Andenken oder Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Die Modelle sind billig, denn das Rohmaterial kommt kostenlos aus dem Müll.

Antananarivo – Ampefy
Etwa 17 km nach Imeritsiatosika kommen wir in die nächste grosse Stadt, sie heisst Arivonimamo und gilt als das geografische Zentrum Madagaskars. Am Rand der Nationalstrasse sehen wir den ersten internationalen Flughafen von Antananarivo, erbaut 1960. Arivonimamo (wo die Armee von Tausend Soldaten betrunken wurde) ist auch bekannt für die Seidenverarbeitung westlich Antananarivo. Rund um die Stadt dehnen sich die unendlichen Weideflächen mit den Tapia-Bäumen aus. Auf diesen Bäumen leben die heimischen Seidenraupen (Borocera canini) und ernähren sich von den Blättern. Von den Seidenraupenkokons gewinnt man das Rohmaterial für die kostenbaren Seidentücher oder auch Lamba landy in Madagaskar. Diese kostbare Seide ist sehr fein und mit Naturfarben eingefärbt. Sie ist auch eine sehr beliebte Tracht auf dem Land und wird von den madagassischen Frauen und Männern bei Familienzeremonien als Überwurf getragen. Traditionell werden hier im Hochland die Verstorbenen in diese Lamba gehüllt.

Die Früchte des Tapia Baumes sind etwa im Monat Oktober reif. Sie sind bekömmlich und vor allem gut gegen Karies. Die Kinder mögen diese süss schmeckenden Früchte, auch wenn sie etwas trocken sind. Sie sollen aber auf die Erde gefallen sein, bevor sie verzehrt werden, dann haben sie den richtigen Reifegrad.

Miarinarivo (wo die Armee von tausend Soldaten wieder wach war) ist die nächste Kleinstadt, die wir durchfahren. Am Stadtrand sehen wir schon die grossen Ananasfelder, ein beliebter Zwischenstopp für die Passagiere der Buschtaxis. Die Fliegenden Händler eilen sofort zu den Taxi Brousse und verkaufen die geschälten Ananas, ein Genuss für den Gaumen.

Antananarivo – Ampefy
Wenn wir uns der Stadt Analavory (umgeben vom Wald) nähern, liegt die Stadt Miarinarivo ca. 23 km hinter uns. Dienstags ist der Hauptmarkttag in Analavory und weil die Stadt an der Verbindungsstrasse nach Tsiroanomandidy und Soavinadriana liegt, kommen die Bauern vom Land mit dem Taxi Brousse hierher, um ihre Waren zu verkaufen: ein richtiges Gewirr von Ständen mit landwirtschaftlichen Produkten wie Reis, Mais, weisse Lima Bohnen, Soja… Es ist kaum möglich sich zwischen den Ständen und Händlern durchzudrängen.

In Analavory biegen wir nach Süden ab und kommen an unserem Ziel Ampefy an. Die Stadt liegt am Kratersee Itasy und ist etwa 130 km von Antananarivo entfernt. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für die erholungssuchenden Stadtbewohner, aber auch für die Reisenden, die die Wasserfälle und Geysire in dieser Gegend erkundigen wollen.

Antananarivo – Ampefy
Juli 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel