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Antsirabe und Umgebung

2020 Antsirabe und Umgebung

Wer zwei oder Tage zur Verfügung hat, sollte die Umgebung der Thermalstadt Antsirabe erkunden. Die beiden Kraterseen Tritriva und Andraikiba westlich der Stadt gehören zu den beliebten Ausflugszielen und wie fast alle Gewässer auf der ganzen Insel sind beide mit vielen Legenden und Tabus verbunden.

Die Nationalstrasse 34 führt von Antsirabe durch fruchtbare Reis- und Gemüsefelder nach Westen und nach ca. 7 km biegt man ausserhalb der Stadt nach links ab und hier geht es zu den beiden sagenumwobenen Kraterseen Andraikiba und Tritriva.

Der kreisrunde Andraikiba Kratersee mit einem Umfang von 4 km war während der Königszeit ein geschätzter Badesee. Während der Kolonialzeit und bis zum Jahre 1980 war hier ein wichtiges Wassersportzentrum für Wasserski und ein Segelclub der Wohlhabenden aus Antsirabe und sogar für die Oberschicht aus der Hauptstadt Antananarivo.

Seit der See als Trinkwasserreservoir für die nahe gelegene Stadt Antsirabe genutzt wird, sind die Wassersportaktivitäten beendet worden.

Die Gebäude samt Umkleidekabinen und ein Sprungsturm von damals sind bis heute übriggeblieben. Der See ist aber noch immer ein idyllischer Ort für die Wochenendausflügler. Besonders zu Ostern oder zu Pfingsten picknicken die Bewohner aus Antsirabe hier. Andraikiba ist auch ein Treffpunkt der vielen Steinverkäufer aus den umliegenden Dörfern. Am Ufer des Andraikiba Kratersee befinden sich darum viele Souvenirläden, besonders für Schmuck oder Gegenstände aus Edel- und Halbedelsteinen.

Mündlich wird die Legende von einem Mann mit zwei Geliebten überliefert, der sich nicht entscheiden konnte, welche von den beiden Frauen er heiraten sollte. So schloss er eine Wette ab: diejenige, die den See in beide Richtungen am schnellsten durchqueren konnte, sollte seine Favoritin sein. Die erste Geliebte, die von ihm schwanger war, ertrank leider bei dieser Wette. In dem letzten Moment konnte sie verzweifelt noch schreien: ”Veloma, efa kiba“, wörtlich übersetzt heisst das „Lebewohl, ich sterbe“. Ab diesem Tag wurde der See „Andraikiba“ genannt.

Der Kratersee ist immer noch mit “Fady“ oder Tabu belegt. Schweinefleisch darf man hier nicht essen und Seidentücher darf man hier nicht waschen. “Fady“ sind Tabu-Vorschriften, jeder (Touristen so wie die Einheimischen) sind verpflichtet diese einzuhalten. Wer ein “Fady“ bricht, könnte krank werden, es könnte ihm ein Unglück zustossen oder er könnte sogar sterben. Deswegen bedeutet “Fady“ unglücksbringend, unheilvoll. Die meisten Madagassen halten sich automatisch an alle “Fady“ im Dorf oder an Gewässern, sie stehen in der Regel in direkter Beziehung zu den Ahnen.

Antsirabe und Umgebung
Die gleiche Staubpiste führt auf ca. 10 km durch zahlreiche malerische Dörfer mit Gemüsefeldern und vorbei an winkenden Kindern. Unterwegs stösst man auch öfter auf Rinderherden oder auf Zebukarren. Am Eingang zum Tritriva Kratersees muss man eine Eintrittskarte lösen und einen Lokalführer anheuern. Von hier aus wird man von einer grossen Kinderschar und vielen Steinverkäufern mit Fossilien, Halbedelsteinen und verschiedenen Souvenirs bis zum Parkplatz begleitet. Von diesem Parkplatz aus hat man einen grandiosen Rundblick über die Hochebene von Antsirabe und die umliegenden Dörfer.

Auf einem Rundweg um den Tritriva Kratersees kann man sich ein gutes Bild von diesem Naturjuwel machen. Die kurze Wandertour durch die Kieferwälder rund um den 1’880 m hoch gelegenen Kratersee mit dunkler smaragdgrüner Farbe und umgeben von steilen Felswänden, ist wirklich beeindruckend und spektakulär. Erstaunlicherweise hat der See die Form der Insel Madagaskars.

Seine Tiefe erreicht 160 m und wegen des seltsamen Verhaltens seines Wasserspegels, der umgekehrt proportional zur Regenmenge sinkt und steigt, ist dieser einzigartige Vulkansee interessant. Dieses geheimnisvolle Phänomen bezieht sich auf seinen madagassischen Namen “Tritriva“: „Tritri“ bedeutet wörtlich hoch und „iva“ heisst niedrig. Während der Trockenzeit steigt merkwürdigerweise das Wasserniveau des Sees, dagegen senkt er sich wieder während der Regenzeit.


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Die Geschichte der zwei Geliebten Ravolahanta und Rabeniomby (analog der Version von Romeo und Julia auf Deutsch) ist mit diesem Kratersee verknüpft. Man erzählt sich, dass die Familien des Liebespaars gegen die Eheschliessung waren, denn das Mädchen Ravolahanta stammte aus einer königlichen Familie, der Junge dagegen aus einer bescheidenen Familie. Als die beiden Familien angesichts der unterschiedlichen sozialen Schichten die Verbindung untersagten, stürzten sie sich gemeinsam in den See.

Der Lokalführer erzählt auch von der mysteriösen Tatsache, dass, wenn schwerwiegende Ereignisse in Madagaskar auftreten, die Farbe des Sees auf rot wechsle.

Wie so oft an heiligen Plätzen, ist es auch hier untersagt, oder eben “Fady“ Schweinefleisch zu essen.

Antsirabe und Umgebung
Zurück auf der RN34 und ca. 22 km von Antsirabe entfernt, kann man die Kleinstadt Betafo (wo es viele Dächer gibt/ bzw. wo es viele Dörfer gibt) in einer halben Stunde erreichen. In einem Tal, an sanften Vulkankegeln vorbei, fährt man durch die vulkanische Hügellandschaft zwischen schön terrassierten Reisfeldern und Gemüsegärten hindurch. Die Technik der Reisterrassen an den Berghängen ist hier sehr ausgeprägt und pittoresk. Betafo ist eine schöne Ortschaft mit einem kleinen Marktplatz (der Markt findet jeden Montag statt). Auch ein Abstecher zum Stausee Tatamarina lohnt sich, um sich einen herrlichen Blick über die weite Ebene zu verschaffen. Die Hochlandarchitektur in der Stadt Betafo ist auffallend schön und ein Besuch der Gedenksteine (“Vatolahy“), errichtet für die damaligen kriegsführenden Herrscher, erweist sich als interessant. Die herrlichen Wasserfälle von Antafofo mit einer Höhe von 20 Meter laden zu einem schönen Spaziergang ein. Auf einer Anhöhe befinden sich die Rova (alter Königpalast) und das Grab des einstigen Königs dieser Region. Das alte Thermalbad befindet sich 3 km von Betafo entfernt, mit einfacher und rudimentärer Unterkunft, aber noch immer mit heissem Wasser, in dem man gegen ein Eintrittsgeld baden kann.

Antsirabe und Umgebung
Ca. 25 km südlich von Antsirabe auf der Nationalstrasse RN7 liegt der Mont Ibity mit 2’244 m Höhe. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel für Pflanzenliebhaber in der Region Vakinankaratra. Diese Berglandschaft ist sehr bekannt, nicht nur für wegen der Vielfältigkeit der Pflanzen- und Sukkulentenarten, sondern auch, weil man hier Bergkristalle und Edelsteine wie Turmaline oder Berylle in Höhlen und Minen schürft. Der Aufstieg ist angenehm und dauert etwa 3 Stunden je nach persönlicher Kondition. Auf diesen erlebnisreichen Wandertouren geht man an verschiedenen Dörfern und alten Königsgräber vorbei. In dieser spektakulären Landschaft findet man Wasserfälle, natürliche Pools und Höhlen.

Wandern, fotografieren, die mysteriösen Legenden und Geschichten der Kraterseen und der heiligen Orte hören, die Kultur und das tägliche Leben der Dorfbewohner kennen lernen, dies alles gehört zu den reichhaltigen Erlebnissen in der Region rund um diese schöne Wasserstadt.

November 2020, geschrieben von Michaël PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antsirabe

2010 Die Stadt Antsirabe

Antsirabe, die drittgrösste Stadt Madagaskars, liegt etwa 170 km südlich der Hauptstadt Antananarivo an der Nationalstrasse Nummer 7 (RN 7).

Antsirabe liegt mitten in der Region Vakinankaratra, die derzeit etwa 3 Millionen Menschen beherbergt. Vakinankaratra ist eine der 22 Regionen, in die Madagaskar administrativ aufgeteilt ist. 

Antsirabe ist auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Hochland und der RN 34 Richtung Südwesten nach Miandrivazo und weiter ins „Land der Baobabs“.

Das Herz der Region von Vakinankaratra liegt inmitten eines fruchtbaren Beckens auf etwa 1’500 m über dem Meeresspiegel, umgeben von bis zu 2’300 m hohen Bergen zwischen 4 erloschenen Vulkanen. Antsirabe gehört zu den kältesten Regionen des Hochlandes.

Die Stadt Antsirabe wurde um 1872 vom norwegischen Missionar Rosaas gegründet. Aufgrund des kühlen Klimas und der Heilkräfte der Thermalquellen blieben viele Norweger längere Zeit in dieser Stadt. Der Stadtname kommt von den madagassischen Wörtern Any, sira und be (das bedeutet wörtlich “wo es Salz im Überfluss gibt“), wegen des salzhaltigen, gesunden Wassers und wegen der Qualität der Böden und Gewässer, die sehr reich an Mineralsalzen sind. Die Legende erzählt auch, dass damals eine grosse Menge an Steinsalz in der südlichen Region abgebaut wurde.

Wegen der kühlen Bergluft und seiner Thermalquellen wird die Stadt auch das “Vichy Madagaskars“ genannt. Schon im 19. Jahrhundert waren den Merina-Monarchen die heilsame Wirkung der Thermalquellen bekannt, auch die Kolonisten und die Missionare kamen regelmässig zu diesem beliebten Erholungs- und Kurort.

Noch heute sprudelt die warme Thermalquelle in den kleinen See Ranomafana (wörtlich bedeutet es “heisses Wasser“) und zur Zeit geniesst die medizinische Abteilung für rheumatische Erkrankungen oder Leberprobleme in diesem Kur- und Heilzentrum noch immer einen hervorragenden Ruf und die Kuren sind vor allem preiswert.

Symbol dieser “guten alten Zeit“ bleibt das riesige “Kolonialhotel Des Thermes“ nahe der Thermalquelle, gebaut im Jahr 1897. Dieses imposante Hotel diente in den 1950er Jahren als Exilsitz dem König Mohammed V. aus Marokko. Die breite, mit Jakaranda-Bäumen gesäumten Allee, die schnurgerade zum alten Kolonialbahnhof führt, die Baustile der zahlreichen Kolonialvillen inmitten riesiger Parks, die historischen Bauwerke wie die katholische Kathedrale oder die alten Gebäude der Themalbäder (beide auch von den norwegischen Missionaren erbaut) künden von der einstigen Bedeutung dieses früheren Kurortes.

Noch heute ist die Hauptstadt der Region Vakinankaratra eine wohlhabende Stadt, schon wegen des fruchtbaren vulkanischen Bodens und wegen der Nähe zur Hauptstadt Antananarivo. Das Wirtschaftsleben beruht auf den hier ansässigen Industriebetrieben, die vielen Leuten Arbeitsplätze bieten. Auf dem Weg zu den beiden Kraterseen Tritriva und Andraikiba liegt die grösste Bierbrauerei des Landes. Das THB (Three Horses Bier) wird nämlich hier gebraut. Die 3 roten Pferdeköpfe sind sehr beliebt bei den Bierkennern.

Es werden auch Baumwolltücher in Textilfabriken hergestellt, dann gibt es die Zigarettenmanufaktur, die Seifen- und Zementfabrik. Sie alle sind am Stadtrand entlang der Nationalstrasse RN7 Richtung Süden angesiedelt.

Einige milchverarbeitende Betriebe, die Joghurt, Butter, Käse oder Sahne herstellen, sind auch in dieser Industriestadt. Der bekannten Käserei “bei Betty“ kann man einen Besuch abstatten. Betty ist Schweizerin und vor 45 Jahren für ihre Missionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen in Madagaskar eingetroffen. Inzwischen hat sie sich für die Käseherstellung wie Raclette-Käse oder Swiss Mutschli spezialisiert.


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Auf einem Stadtrundgang durch die breiten Avenuen im Stadtzentrum darf man den grossen Monolithen oder Steinstele mit den “Wappen“ der 18 verschiedenen Volkstämme nicht verpassen.

Die sozialen und kulturellen Bräuche und die alltäglichen Aktivitäten jeder dieser Bevölkerungsgruppe unterscheiden sich je nach der Region: die meisten sind Bauern, Viehzüchter oder Hirten an den südlichen Küsten oder im nördlichen Binnenland, die Küstenbewohner sind hauptsächlich Fischer oder Seeleute.

Das übliche und praktische Transportmittel in dieser Thermalstadt ist bis heute die Rikscha geblieben. Das Wort stammt ursprünglich aus dem japanischen Wort „jinrikisha“ und bedeutet wörtlich “von Menschen angetriebenes Fahrzeug“. Die Rikschas wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Chinesen zuerst in der Hafenstadt Tamatave eingeführt. Während der Kolonialzeit nannten die Franzosen diese Transortmittel “Pousse-Pousse“, weil diese damals von einer Person gezogen und von einer zweiten von hinten geschoben wurde, daher ihr Name wörtlich “schieb, schieb“.

Antsirabe wurde dann im Laufe der Zeit als die “Stadt der Rikschas“ bezeichnet. Tausende von Rikschas verkehren Tag und Nacht durch die Stadt sogar bis in die Vororte, so dass diese leuchtend roten, grünen, blauen Farben der Rikschas mit ihren einfallsreichen Namen und die Fahrgeschicklichkeit der Rikscha-Männer sofort in die Augen stechen.

Die Rikschas sind auch für die Einheimischen das beliebte und preiswerte Transportmittel. Jeden Tag fahren die Hausfrauen damit zum Markt, einige Familienväter begeben sich damit zur Arbeit und die viele Schulkinder nehmen dieses Verkehrsmittel auf ihrem Weg zur Schule.

Die Mineralienfreunde besuchen gerne diese “Stadt der Edelsteine“. Die Umgebung von Antsirabe birgt eine unglaubliche Vielfalt an Schmucksteinen: Rosenquarze, Aquamarine, Rubine, Berylle und vor allem die berühmten Turmaline stammen von hier.

In den umliegenden Bergen werden auch wertvolle Mineralien wie Kristall, Aquamarine, Smaragde und Rubine gefunden. Ein Besuch der Steinschleiferei und des Edelsteinmarktes, sowie eine Wandertour und den Besuch der Fundorte im Bergmassiv Mont Ibity könnte man je nach Interesse der Reisegäste ins Reiseprogramm einbauen. Die Berglandschaft ca. 25 km südlich von Antsirabe ist nicht nur für die Vielfältigkeit der Pflanzenarten bekannt, sondern auch für die seltenen Edelsteine wie Turmalin oder Berylle, die in den Höhlen und Minen geschürft werden.
Kenner können natürlich schöne und seltene Stücke erstehen, als Kugeln, ungeschliffene Stücke oder als fein verarbeitete Schmuckstücke.

In der Werkstatt von Miniature Mamy in der Nähe des Parc de l’Est werden schöne Andenken wie Miniatur-Pousse-Pousse, Mini-Fahrräder oder Motorräder aus Recycling-Produkten wie gebrauchte Getränke- oder Blechdosen, elektrische Geräte, Telefondraht oder Gummireifen angefertigt.

In einem kleinen Betrieb in der Nähe können wir auch live die verschiedenen Herstellungsschritte mitverfolgen, wie aus den groben Zebuhörnern schöne und feine Schmuckstücken wie Haarspangen, Halsketten und andere dekorative Objekte werden. Auch nützliche Utensilien wie Gabel oder Löffel, Schalen, usw. werden hergestellt, sie zeigen den Einfallsreichtum der madagassischen Bastler, denn auf der ganzen Insel wird nichts weggeworfen, alles wird einer neuen Verwendung zugeführt.

Wer samstags in dieser schönen Stadt vorbeikommt, sollte auch den bunten und lebendigen Samstagsmarkt (wörtlich heisst er “Tsenan’Asabotsy“) nicht entgehen lassen!

Es ist der grösste Markt in der Gegend unter freiem Himmel, ein regelmässiger Treffpunkt der Bauern, die ihre Produkte ohne Zwischenhandel an die Käufer zu bringen versuchen, eine malerische Attraktion und ein einmaliges Erlebnis mit unglaublicher Vielfalt an Farben und Gerüchen: ein Gewirr von mehreren hundert Ständen mit Gemüse und Obst, zahlreichen Heilkräutern, diverses Geflügel, Stoffe, Garküchen, kurzum alles, was die Madagassen in ihrem Alltag gebrauchen. Die Bauern kommen natürlich auch hierher, um die letzten Nachrichten zu tauschen: „inona ny vaovao?“ (wörtlich bedeutet dies: Was gibt’s Neues?), ein Ausdruck der Wissensbegierde. Im Allgemeinen beginnt auch jeder ein Gespräch mit der madagassischen Grussformel “Vaovao?“

November 2020; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antananarivo-Antsirabe

2000 Antananarivo – Antsirabe

Heute verlassen wir das Verkehrschaos der Hauptstadt und über die welligen Hügel des Hochlandes bewegen wir uns auf der Nationalstrasse Nr. 7 (RN7) Richtung Antsirabe. Wir werden einige der Sitten und Bräuche der Merina Volksgruppe kennen lernen, aber auch viel über ihren Alltag am Strassenrand.

Dieser südliche Teil Madagaskars ist fast das ganze Jahr über zu befahren…

Über die welligen Hügel des Hochlands bewegen wir uns in Richtung Süden. Das Klima ist angenehm und die Route bietet eine Vielfalt an landschaftlichen Reizen: wir fahren durch die typische Hochlandlandschaft mit den Lehmziegelhäusern in allen Farbtönen. Sie sind mit Gras oder Reisstroh bedeckt. Die satt grünen Reisfelder unter stahlblauem Himmel und die sanft auslaufenden Gebirgsketten wechseln sich ab mit Gemüse-, Ananas- oder Maniokfeldern. Ab und zu sieht man auch Eukalyptus- und Kieferwälder entlang der Strasse.

Antananarivo-Antsirabe
Nach paar Kilometern gelangen wir zum kleinen Städtchen Ambatofotsy, (wörtlich übersetzt heisst das “am weissen Felsen“). Am Rand des Dorfs überqueren wir eine lange Brücke, hier werden frisch gepflückte Erdbeeren und bunte Blumen den vorbeifahrenden Leuten angeboten. Am Fluss breiten die Frauen ihre Wäsche aus und überall qualmt das Holzfeuer der Lehmziegelburgen, in denen die typischen Ziegel gebrannt werden. Zebus ziehen als Arbeitstiere gemächlich ihre Bahnen durch die Reisfelder.

Der Baustil der Häuser ändert sich laufend in Madagaskar, je nach der Region und je nach dem Baumaterial, das die Bewohner zur Verfügung haben. Die Hochlandarchitektur gibt es in Madagaskar erst seit der Einwanderung der Engländer und Franzosen in Madagaskar. Unterwegs bemerken wir, dass die Hochlandhäuser aus Ziegelsteinen meist einen rechteckigen Grundriss haben und immer in Nordsüdausrichtung gebaut sind. Dies hat mit der klimatischen Anpassung an Wind und Sonneneinstrahlung zu tun. Die Türen und die Fenster liegen auf der westlichen Längsseite, also wo die Sonnenstrahlen vor dem Sonnenuntergang das Haus durchfluten. Dies entspricht genau dem bekannten madagassischen Spruch: „Wo die Sonne eintritt, kommt keinen Arzt herein“.

Wir begegnen den Häusern in allen Farbtönen von braun über ocker und rosa oder rot, je nach der Farbe der erodierten Erdböden im Hochland. Sie fügen sich darum perfekt in die grüne Landschaft ein. Hier im zentralen Hochland sind die Häuser mit den charakteristischen hölzernen Balkonen meist mit Blechdächern gedeckt.

Antananarivo-Antsirabe
Die madagassische Kultur ist noch weitgehend traditionell und wesentlich vom ländlichen Leben und den religiösen Vorstellungen beeinflusst. Auf der ganzen Insel ist es Sitte, dass die Familie vor dem Hausbau den alten Medizinmann (“Mpanandro“) des Dorfes zur Rate zieht. Er ist befähigt, den günstigen Tag für die besondere Ereignisse im Alltag, wie die Grundsteinlegung des Neubaus, eine Heirat, den Bau einer Grabstätte oder das Fest für die zweite Bestattung oder “Famadihana“ zu bestimmen. Der Zeitpunkt richtet sich nach der Stellung des Mondes. Dieser Brauch haben die arabischen Einwanderer eingeführt und hat besonders mit dem arabischen Mondkalender zu tun.


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Nach ein paar Kilometern erreichen wir die nächste grosse Stadt Ambatolampy, (das bedeutet wörtlich übersetzt “die Stadt in der Nähe der Felsen“). Ein Zwischenstopp lohnt sich hier für jene, die der Herstellung von Alu-Kochtöpfe zuschauen wollen. Die Arbeiter in der handwerklichen Aluminiumgiesserei zeigen, wie Kochtöpfe, Löffel, Gabeln aus gebrauchtem Aluminium hergestellt werden. Die Alutöpfe sind in ganz unterschiedlichen Grössen in jedem Haushalt zu finden. Da die Madagassenfamilien recht grosse sind, kaufen sie immer die grossen Kochtöpfe (Cocotte oder “vilany“ auf madagassisch) von 32 bis 36 cm Durchmesser.

Das Städtchen Ambatolampy liegt schön am Fusse des Ankaratra-Massivs, dem dritthöchsten Gebirge Madagaskars. Bei der Wald- und Fischzuchtstation “Station Forestière et Piscicole de Manjakatompo“, ca.7 km von der Stadt entfernt, ist der Ausgangspunkt einer erlebnisreichen Wandertour durch diese Berglandschaft bis zum höchsten Gipfel von Ankaratra, der 2640 m über dem Meeresspiegel liegt. Das ganze Jahr ist der Gipfel mit Nebel bedeckt, daraus auch der Name “Tsiafajavona“ (wörtlich: wo der Nebel immer bleibt). Der Gipfel ist auch ein heiliger Ort, wohin regelmässig die Schamanen (Ombiasy) und die Naturheilkundigen (Mpisikidy) pilgern und Opferzeremonien abhalten. Die Gegend hat eine sehr reiche Flora, aber der Aufstieg bis zum Gipfel bedingt eine gute Kondition.

Antananarivo-Antsirabe
Wir setzen die Reise weiter fort und merken sofort die vielen Verkaufsstände entlang der Nationalstrasse Nr 7. Jedes Dorf zeigt seine handwerklichen Objekte: die herrlichen Hand- und Einkaufstaschen oder Hüte aus Naturmaterialen wie Raphia oder Reisstroh stechen sofort in die Augen, die bunten Miniaturfahrzeuge aus Kiefern und Eukalyptusholz oder aus Bierdosen und die selbst gebastelten kunstvollen Tankfahrzeugen, LKWs oder Allradwagen sind den vorbeifahrenden Autos nachempfunden! Die Auswahl ist sehr gross und diese Kunsthandwerke sind schöne Souvenirs oder Mitbringsel aus Madagaskar.

Unterwegs fallen die grossen Familiengräber der Merina Volkstämme am Rand der Strasse auf, einzeln oder in Gruppen, aber meistens ausserhalb der Dörfer oder Siedlungen.

Merina bedeutet: “die aus dem Hochland, von wo aus man weit sehen kann“. Diese Bevölkerungsgruppe ist zahlenmässig die grösste Volksgruppe Madagaskars, vom Aussehen her klein und zierlich gebaut im Vergleich zu den anderen Ethnien. Man erkennt sofort ihre indonesisch-malaiische Herkunft.

Ahnenwelt und Gräberkult spielen eine grosse Rolle in der madagassischen Kultur. Die Madagassen glauben, dass die Ahnen bzw. die Vorfahren im Jenseits weiterleben. Meistens ist ihr “zweites Haus“ bzw. ihre Grabstatt in der Nähe ihrer früheren Siedlungen. Die Seele der Verstorbenen lebt weiter und wacht über das Leben ihrer Nachkommen.

Alle Familienangehörigen, Grosseltern, Eltern, Onkel, Tanten, Kinder und Enkelkinder werden im Hochland in einer Familiengruft bestattet, so wie das madagassische Sprichwort sagt: „Lebendig im selben Haus, tot im selben Grab“. Grundsätzlich sollte man sich Gräbern nur mit grösstem Respekt nähern und mit der Genehmigung der Dorfbewohner.

Antananarivo-Antsirabe
Wir sind nicht mehr weit von unserem Etappenziel und kommen zum nächsten Städtchen Ambohimandroso, ein beliebter Rastplatz für die Taxi-Brousse und LKW-Fahrer. Wir gehen einfach in eine der vielen Garküche am Strassenrand oder „Hotely Gasy“. Die Ausstattung ist sehr einfach und rudimentär, aber das Essen ist immer frisch zubereitet, schmeckt gut und wird sehr rasch an die Tische serviert. Die Passagiere der Taxi-Brousse dürfen ja nur ca. 30 Minuten hierbleiben. Das Menü steht auf einer Wandtafel geschrieben. Zu einer grossen Portion Reis stehen immer Huhn, Zebu, Schwein oder Fisch zur Auswahl, also eine grosse Fleischauswahl, entweder mit Tomatensosse oder mit verschiedenen Kochgemüsen serviert.

Nach ein paar Kilometern stellen wir fest, dass der Vorort von Antsirabe zur grössten Gemüsekammer Madagaskars gehört. Der Boden ist sehr fruchtbar, alle Arten von Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, weisser Kohl, Blumenkohlen… gedeihen hier sehr gut. Das frisch geerntete Gemüse in kleinen Körbchen und die diversen Gemüsestapel am Strassenrand sind eine Augenweide für die Fotografen.

Endlich kommen wir in der kühlen Thermalstadt Antsirabe an, sie ist die Stadt der Superlative: die Stadt der schönen Edelsteine, die Stadt des Wassers, ein reizender Kurort und mit den sagenhaften Kraterseen. In der Stadt verkehren viele Rikschas und es gibt zahlreiche Handwerksbetriebe und Kunsthandwerker.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Mitsio

1960 – Nosy Mitsio

Der Mitsio Archipel besteht aus 13 kleinen Inseln und diese liegen etwa 60 km nordöstlich der Hauptinsel Nosy Be. Zu diesen Inseln gehören die Grande Mitsio, Nosy Ankarea, Nosy Lava, Nosy Tsarabanjina und die vier Brüder.

Diese Inselgruppe liegt so weit von der Parfüminsel entfernt, dass sich ein Besuch nur lohnt, wenn die Badeurlauber oder die Taucher für einen Besuch mindestens 3 Tage einplanen. Viele Hotels und Reiseagenturen auf Nosy Be organisieren die Bootsfahrten und die Nosy Tsarabanjina kann man auch mit dem Wasserflugzeug erreichen.

Der Mitsio Archipel (oder die unbekannte Insel) liegen ca. 60 km nordöstlich von Nosy Be und hat viele Inseln, die aus Felsen und Untiefen bestehen, die das Meer aufschäumen lassen. Die wichtigsten Archipelinseln sind Tsarabanjina, “Les Quatres Frères“ oder die “4 Brüder“, Nosy Ankarea und schliesslich die wichtigste und grösste Mitsio. Entlang vieler herrlichen Buchten erstrecken sich breite Sandstrände, traumhafte Landschaft mit üppiger, tropischer Vegetation mit wunderschönen Orchideen, unzähligen Lianen und mit endemischen Affenbrotbäumen.

Nosy Mitsio“ oder “Grande Mitsio“ liegt im Zentrum mehrerer kleiner bis winziger Inseln, die menschenleere und bräunliche Sandstrände haben, andererseits gibt es auch strahlend weisse Strände aus reinem Korallensand.

Nosy Mitsio
Wie der Name sagt, ist Grande Mitsio die grösste Insel mit einigen Fischerdörfern. Diese Hauptinsel des Archipels ist 12 km lang und 3 km breit, liegt nicht weit von der Küste entfernt und erhebt sich bis auf ca. 200 m über dem Meeresspiegel. Sie unterscheidet sich von den anderen Nebeninseln durch die brauen Basaltformationen. An der Küste befinden sich ein paar abgeschiedene Fischerdörfer, die von der Zivilisation abgeschieden sind.

Vulkanisch entstandene Felsenformationen ragen im Inselinneren von Grande Mitsio auf und sind von Wald bedeckt. Die ehemaligen Könige der Antakarana-Volksgruppe (wörtlich die aus der Ankarana Karstformationen) mussten im 19. Jahrhundert vor der Invasion der Merina-Armee auf die Insel flüchten. Ursprünglich haben sie sich in die Labyrinthen und Grotten der Ankarana-Tsingy zurückgezogen. Nach paar Wochen fühlten sie sich dort nicht mehr in Sicherheit, so sind sie mit Segelbooten bis zum Mitsio Archipel weitergezogen. Grabstätten verschiedener Könige mit ihren Nachfahren befinden sich auf der Nachbarinsel Nosy Tsarabanjina.


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Wenn die Reisegäste mit dem Boot von Süden kommen, werden sie als erstes auf die schöne Tsarabanjina Insel treffen. Tsarabanjina bedeutet auf Madagassisch “die Insel des weissen Sandes“. Sie ist von einem bezaubernden Korallenriff umgeben, in dem viele bunte Fische herumschwimmen. Der Meeresboden reflektiert das Licht in einem Mosaik aus leuchtenden Farben von Smaragd bis Dunkelblau und ist ein unvergleichlich schönes Tauchrevier. Im Nordwesten von Tsarabanjina stehen die Monolithen der „4 Brüder“, die senkrecht 20 bis 30 m in einem Viereck aus dem Wasser aufsteigen. Mit etwas Glück und je nach Saison kann man auf einer Bootsfahrt einige Meeresbewohner wie Mantas, Haie, Wale, Buckelwale oder Delfine sehen.

Nosy Mitsio
Eine äusserst exklusive Lodge auf Tsarabanjina mit schneeweissem Sandstrand und mit türkisblauem Meer verspricht den Urlaubern Luxus pur inmitten tropischer Vegetation. Dieses Resort mit allem Komfort ist bestimmt für Paare, die die Ruhe und Entspannung suchen (für die Flitterwochen zum Beispiel). Eine Tauchbasis mit guten Schnorchel- und Tauchausrüstungen und ein Katamaran stehen zur Verfügung der Reisegäste. Ausser Schnorcheln und Tauchen können die Badeurlauber auch verschiedene Sportaktivitäten wie Wasserski, Segeln oder verschiedene Bootstouren kombiniert mit Vogelbeobachtung zu den Nachbarinseln unternehmen, so dass auch bei mehreren Tagen oder bei einer Woche Aufenthalt in diesem geschmackvoll eingerichteten Ressort keine Langweile aufkommt. Die Köche sind es gewohnt, aus allen erdenklichen Fischvariationen und aus den frisch gefangenen Meeresfrüchten Menüs mit mehreren Gängen und verschiedenen Spezialitäten zu zaubern. Dabei kommen die verwöhnten Gaumen der Feinschmecker voll auf ihre Kosten.

Nicht weit von der Tsarabanjina Insel ragen vier grosse Granitfelsen aus dem Meer. Sie heissen “die 4 Brüder“ und gelten als die schönsten Tauchreviere dieses Archipels. Bemerkenswert sind hier die aussergewöhnlichen geologische Formationen aus Basaltsäulen, die vom Meereswasser erodiert sind. Grosse Fische wie Haie, Mantas sowie Wale, Delfine, Schildkröten usw. können die Taucher hier treffen. Die Felskuppen der 4 Brüder sind die Lieblingsorte von zahlreichen Vögeln, wo sie ihre Nester bauen und ungestört ihre Eier brüten.

Nosy Ankarea mit 238 m über dem Meeresspiegel ist sie die Insel des Archipels, die am höchsten aus dem Meer ragt. Diese kleine Insel liegt nur 5 Minuten mit dem Schnellboot nordwestlich von Nosy Mitsio entfernt und ist auch mit schönen Sandstränden und mit breiten Korallenriffen umgeben. Im Vergleich zu den anderen Nebeninsel ist sie ganz mit Wald bedeckt. Die beste Zeit zum Tauchen ist ab Monat Mai bis Oktober.

Nosy Mitsio
Nördlich von Grande Mitsio liegt das auffallende Eiland “Nosy Lava“ mit nur 3,5 km Länge und 1,5 km Breite. Der höchste Punkt liegt auf 160 m. Sie liegt ganz im Norden des Mitsio-Archipels und ist auch von artenreicher Vegetation bedeckt. Sie besitzt ein traumhaftes Korallenriff und bei Ebbe entdeckt man eine strahlend weisse Sandbank. Ein fischreicher Korallengarten umgibt sie in nur wenigen Metern Tiefe.

Im Ganzen ist dieser Archipel bekannt als ein Schnorchelparadies mit unberührten Korallenriffen und glasklarer Unterwasserwelt. Viele Jachten suchen hier auch Angelplätze für das Hochseefischen. Wanderungen durch die reizvollen Landschaften machen den Aufenthalt auf diesen Inseln zu einem Naturerlebnis für alle Altersgruppen.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Sakatia

1950 – Nosy Sakatia

 Wer der eher hektischen Insel Nosy Be entfliehen möchte, sollte unbedingt mit dem Motorboot zu der nahegelegenen und erholsamen Nosy Sakatia fahren. Sie liegt nur etwa zehn Minuten westlich der Hauptinsel Nosy Be entfernt und lädt zu ausgiebigen Spaziergängen und zu schönen Bootsausflügen ein, sie ist auch ein wahres Paradies für verwöhnte Taucher.

Die Insel Nosy Sakatia liegt vor der Westküste der Hauptinsel Nosy Be und erstreckt sich ca. 6,5 km in der Länge und 2 km in der Breite. Auf dieser kleinen Insel leben etwa 500 Bewohner, die als Fischer oder als Hotelangestellte tätig sind. Die Ruhesuchende Urlauber sollen unbedingt ein paar Tage auf diesem romantischen und autofreien Eiland verbringen, denn im Vergleich zu den anderen Nebeninseln ist sie von den Urlaubern nicht stark frequentiert.

Viele Hotels auf Nosy Be organisieren Tagesausflüge zur Insel Nosy Sakatia. Kurz nach dem Frühstück fahren die Ausflügler auf der Strasse Richtung Norden nach Andilana. An der Anlegestelle holt das Motorboot die Gäste ab und bringt sie zu den weissen und feinen Sandstränden von Nosy Sakatia. Die Abgeschiedenheit dieser traumhaften Insel, die breiten und menschenleeren Stränden, die freundlichen Insulaner, die unvergesslichen Sonnenuntergänge, die Schönheit der Natur und vor allem die unvergleichbar schönen Korallenriffe und die herrliche Unterwasserwelt macht diese Insel zu einem der beliebtesten Urlaubsorte nicht weit der Parfüminsel Nosy Be . Die Naturliebhaber kommen hier wirklich auf ihre Kosten.


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Diese kleine Insel vor der Küste von Nosy Be ist wirklich ein Paradies zum Tauchen und Schnorcheln. Die meisten Reisenden kommen deswegen auf diese Insel. Das Korallenriff befindet sich nur wenige Meter vom Strand entfernt, wo sich die Fische in allen Farben und Formen tummeln. Die Gewässer um diese Nebeninsel locken mit einer tropischen Meeresfauna und Flora. In der Nachbarbucht findet man märchenhaft schöne Steinkorallen, grosse Anemonenfelder und man trifft regelmässig Meeresschildkröte. Mit etwas Glück kann man bei Tauchgängen auch Delfine sehen! Viele Hotelstrände mit gemütlicher Inselidylle und mit familiärer Atmosphäre auf der Insel verfügen über gut ausgestattete Tauchbasen, die verschiedene Tauchausflüge in die umliegenden Buchten organisieren.

Es ist immer empfehlenswert, den Naturwald in Begleitung eines Lokalguide zu erkunden, denn wie in vielen abgelegenen Dörfern gibt es auf dieser Insel viele “Tabus“ und nur die Einheimischen kennen sich mit der Kultur und den Sitten der Sakalava-Volksgruppe aus. Auf dieser tropischen Insel werden verschiedene Früchte und Gewürze angebaut. Auch wilde und seltenen Orchideen gedeihen hier sehr gut, denn wörtlich bedeutet der schöne Name Sakatia “die Orchideeninsel“. Diese herrliche Insel beherbergt auch sonst eine artenreiche Vegetation und einige endemische Bäume und Heilpflanzen. Die kleinen Pfade führen durch die hügeligen, grünen Waldbereiche mit Kaffeebäumen, Pfeffer, auch Vanille, Bäumen der Reisenden, Riesenfarnen und verschiedenen Obstbäumen wie Zitrone, Orange, Mangos, Ananas, Jackfrüchte …  Auch verschiedene Tiere wie Fledermäuse, Chamäleons sind hier zu Hause. In den weinigen idyllischen Fischerdörfern, leben die Fischer ungestört und gehen auf Fischfang. Die herrlichen Strände sind hier ganz anders als auf Nosy Be, denn hier gibt es keinen Massentourismus. Die Hotels bieten aber immerhin für die sportbegeisterten Gäste Beachvolleyball oder Kajakfahren an.

November 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Tanikely

1940 – Nosy Tanikely

Diese Nebeninsel ist ein wahres Schnorchel- und Tauchparadies mit glasklarem türkisfarbenem Wasser, mit gut erhaltenem Korallenriff unmittelbar vor dem feinen weissen Sandstrand. Nosy Tanikely liegt ca. 7 km von Andoany bzw. von Hell Ville, der Hafenstadt der Hauptinsel Nosy Be oder auch von dem lebhaftem Fischerdorf Ambatoloaka entfernt. Von dort fahren regelmässig viele Ausflugsboote zu diesen traumhaften Stränden südlich der Parfüminsel.

Tanikely auf madagassisch oder “Tanihely“ im Sakalava-Dialekt bedeutet wörtlich “die kleine Insel. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und gehört seit September 2011 zu den kleinsten Marineparks Madagaskars mit nur ca. 200 ha Fläche. Das klare Wasser rund um dieses wunderschöne Marine Schutzgebiet ist ein absolutes Paradies für Schnorchler und Taucher. Rund um die Insel sieht man die einzigartige Meeresflora und -fauna. In dieser Traumwelt wimmelt es von tropischen, bunten Fischen wie die Feuerfische aber auch Grossfische und viele Krabben oder Lobster. Selbst beim Schnorcheln sieht man die schönen Seesterne und die verschiedenen Korallen lassen einem staunen. Mit etwas Glück kann man auch grosse Meeresschildkröten lautlos dahingleiten sehen.

Dank der klaren und ruhigen Unterwasserwelt kommen auch Anfänger, die noch nie geschnorchelt haben oder getaucht sind, wirklich auf Ihre Kosten. Auch die vorgelagerten Riffe mit ihren Fischschwärmen sind ein ideales Gebiet zum Tauchen und Schnorcheln. Wie schon erwähnt, steht die Unterwasserwelt unter strengem Naturschutz, so ist Fischen und Harpunieren natürlich strikt verboten, damit die natürliche Vielfalt erhalten bleibt.
Nosy Tanikely
Auch von der Nachbarinsel Nosy Komba (wörtlich die Lemureninsel) kann man diese Schnorchel- und Tauchinsel in wenigen Minuten erreichen. Aus diesen Gründen organisieren viele Hotels und Reiseveranstalter auf Nosy Be diese kombinierbaren und sehr beliebten Tagesausflüge. Kurz nach dem Frühstück besuchen die Reisegäste die possierlichen Mohrenmakis in der Nähe des Fischerdorfs auf Nosy Komba, gegen 10 Uhr verlassen sie diese erholsame Insel und fahren mit dem Motorboot weiter nach Nosy Tanikely. Gegen Mittag nehmen sie das Picknick am Strand ein und tauchen oder schnorcheln den ganzen Nachmittag bevor sie nach Nosy Be zurückfahren. Das reichliche Picknick wird unter schattenspendenden Bäumen serviert und gehört zum Highlight dieser Exkursion. Hier können die Gäste die schmackhaften madagassischen Grilladen kennenlernen. Die Köche zaubern aus den frisch gefangenen Fischen, Krabben, Langusten oder Garnelen vielfältige Gerichte mit frischen Gewürzen, man wird sie lange nicht vergessen!


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Nosy Tanikely
Ausser einem Leuchtturm gibt es auf dieser unbewohnten Insel natürlich keine weitere Infrastruktur. Der historische Leuchtturm steht, wie auf der Nachbarinsel Nosy Iranja, in der Mitte von Nosy Tanikely. Er wurde im Jahr 1908 auf den 47 Meter hohen Gipfel erbaut. Von hier aus hat man einen Panoramablick über die vorgelagerte Insel Nosy Be und die Schönheit der Inselwelt. Bei der kurzen Wanderung zu diesem Leuchtturm trifft man meist ein paar Gruppen von tagaktiven Lemuren. In der Nähe des Leuchtturms stehen auch grosse Bäume, die ein beliebter Schlafplatz zahlreicher Flughunde sind.

Bei Ebbe können die Gäste die schöne Insel zu Fuss umrunden und die Sehenswürdigkeit am Strand entdecken.

Mit seinen hervorragenden Schnorchelgründen und seinem weissen Sandstrand eignet sich diese idyllische Insel Nosy Tanikely für die Sonnenhungrigen. Deswegen gehört sie unter den vielen Nebeninseln rund um Nosy Be zu der am meisten besuchten Insel.

November 2020; geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Iranja

1930 – Nosy Iranja

Nosy Iranja liegt ca. 50 km südwestlich der Hauptinsel Nosy Be, nicht weit vom Eingang der berühmten “Bucht der Russen“ entfernt und gehört zu den fünf Inseln, die den Archipel Mitsio bilden. Wegen dieser Entfernung lohnt es sich, ein paar Urlaubstage auf dieser Traumhaften Insel zu verbringen. Die Fahrt mit dem Schnellboot dauert ab der Parfüminsel Nosy Be etwa 2 bis 3 Stunden und ca. 4 bis 6 Stunden mit dem Segelboot. Die Insel gilt vor allem als Nistplatz seltener Meeresschildkröten und die unvergleichlich schönen Tauchgebiete sind ein wahres Paradies für Unterwasser­freunde.

Iranja bedeutet auf madagassisch “die Schildkröte“. Diese Reptilien legen regelmässig ihre Eier am Strand dieser abgelegenen Insel ab, daraus stammt der Name “die Insel der Schildkröten“. Viele Reisegäste zelten gerne in Strandnähe, um die nächtliche Eiablage dieser Tiere zu beobachten. Dieses einmalige Naturschauspiel beim Rauschen des Ozeans ist eines der schönsten und seltensten Erlebnisse auf einer Madagaskarreise!

Diese Perle im indischen Ozean besteht aus zwei Inseln: Nosy Iranja Be oder “die grosse Iranja Insel“ und Nosy Iranja Kely oder “die kleine Iranja Insel“. Sie sind verbunden durch eine lange schneeweisse Sandbank im türkisgrünen Meerwasser.

Mit dieser Besonderheit und dem Charme dieser beiden Insel ist sie zweifellos die Schönste der umliegenden Nebeninsel rund um Nosy Be. Bei Ebbe ist der Kontrast zwischen dem feinen weissen Sandstrand und dem blauen Ozean besonders beeindruckend: eine unvergessliche Postenkartenidylle. Der einmalige Ozeanausblick und ein Spaziergang über die schmale Sandbank sind atemberaubend schön und die langsam untergehende Sonne ist ein unvergessliches Spektakel und besonders eindrucksvoll.

Schon wegen der langen Überfahrt lohnt sich diese Ausflugstour, die sich gut mit einem kurzen Zwischenstopp an der “Russischen Bucht“ an der Spitze der Halbinsel südwestlich von Nosy Be kombinieren lässt. Diese schöne Bucht ist ein Geheimtipp für die begeisterten Taucher. Auch eine Segel- und Erkundungstour in diese westliche Richtung ist ein Erlebnis besonderer Art für abenteuerlustigen Reisegäste.


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Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt ca. 26°C, so dass das Klima für Urlauber, wie auch für Taucher immer angenehm bleibt. Nosy Iranja ist besonders bekannt für ihre Unterwasserwelt und dank des glasklaren Meereswassers ist sie auch ein idealer Ort zum Schnorcheln. Iranja geniesst, wie alle ihre Nachbarinseln bei den Tauchern einen guten Ruf. Es ist fantastisch, in welchen Schwärmen die vielen Korallenfische in neonblau, zitrusgelb, grellrot, dunkelorange und anderen auffälligen Farben zwischen Delphinen, Rochen, Mantas, Stachelrochen, Riffhaien, Papageienfischen und Buckelwalen herumschwimmen.

Die beeindruckenden Buckelwale aus der Antarktis halten sich zwischen Mitte Juli bis Mitte September gerne in diesem warmen Gewässer auf. Sie kommen zur Paarung und zur Geburt ihrer Jungen aus der weiten und kalten Antarktis bis zu den vielen Nebeninseln rund um Madagaskar. Es ist ein einmaliges Naturschauspiel diese grazilen Ozeanriesen zu bewundern. Diese Buckelwalbeobachtungen gehören zu den ganz besonderen Madagaskarerlebnissen, die die grosse Insel zu bieten hat.

Der schöne Leuchtturm auf Nosy Iranja wurde vom berühmten Bauingenieur Gustav Eiffel entworfen und Anfang des 20. Jahrhunderts hier errichtet. Vom Leuchtturm aus hat man einen fantastischen Blick auf die bescheidenen Hütten der Antakarana- und Sakalava-Fischer, auf den nahegelegenen grünen Regenwald und auf die umliegenden kleinen Inseln. In Begleitung des lokalen Reiseführers hat man einen Einblick über ihr bescheidenes Alltagsleben weit weg von der Zivilisation. Hier leben die Einheimischen von der Hand in den Mund, hauptsächlich vom Fischfang. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit dem Schnellboot einen Tagesausflug zu den nahegelegenen Inseln Nosy Mitsio und Ankarea zu unternehmen. Die Vogelkundler kommen auch auf ihre Kosten, denn verschiedene Vögel wie Seeschwalben, Reiher und Seeadler sind hier beheimatet.

Von Juli bis September, wenn der Passatwind aus dem Norden Madagaskars bläst, ist die ideale Zeit für die verschiedenen Wassersportarten rund um Nosy Iranja. Zur grössten Freude der Sportler, denn sie können hier tagelang Windsurfen und Wasserski fahren.

Das bezaubernde Foto der beiden Inseln von Nosy Iranja, die mit der langen und feinen Sandbank verbunden sind, findet man auf vielen Postkarten, auf Prospekten und in Reisekatalogen über Madagaskar.

November 2020; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

NOSY KOMBA

1920 – NOSY KOMBA

Die Überfahrt nach der idyllischen Nosy Komba oder Nosy Ambariovato ist sowohl vom Hafen Hell Ville auf der Insel Nosy Be als auch vom Hafen Ankify auf dem Festland möglich. Ein lohnendes Reiseziel für jene, die dem Massentourismus der Hauptinsel Nosy Be ausweichen möchten.

Westlich und östlich des Dorfes Ampangorinana, das an der Nordspitze der Insel liegt, dehnen sich zwei Strände aus, die durch schwarze Felsen voneinander getrennt sind. Bereits in den siebziger Jahren entschied die Sakalava-Volksgruppe, auf dieser Insel die Mohrenmakis regelmässig mit Bananen und anderen Früchten zu füttern und so an die Dorfbewohner zu gewöhnen. Bekannt wurde später die Insel durch die hier lebenden zahmen Lemuren, die nur hier im Nordwesten Madagaskars vorkommen. Am Ortsausgang dieses Fischerdorfs haben die Dorfbewohner einen Garten angelegt, in dem nun diese freilebenden Lemuren auf die Besucher und deren Bananen regelrecht warten. So springen die Tiere sogar auf die Schultern der Besucher, und man kann sie aus unmittelbarer Nähe betrachten und fotografieren.

Von den pechschwarzen Männchen und den fuchsbraunen Weibchen kommt der schöne Name “Lemureninsel“ oder Nosy Komba im Sakalava-Dialekt. Diese Lemurenart weist unter allen Lemuren den deutlichsten Geschlechtsunterschied in der Färbung auf. Da die Männchen einfarbig schwarz sind, entstand daraus der deutsche Name Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Im Gegensatz dazu haben die Weibchen ein schön auffallendes rotbraunes Fell mit weissen Ohrbüscheln. Seit langer Zeit ist es auf dieser Insel Tabu (Fady), diese tagaktiven Lemuren zu jagen, so dass eine grosse Population auf Nosy Komba und in der Nähe des Dorfs Ankify auf dem Festland existiert. Jedes Jahr im August bekommen die Weibchen Nachwuchs. Sie fressen gerne süsse Früchte, Blätter, Rinde oder Blüten von bestimmten endemischen Bäumen auf Nosy Komba.

Nosy Komba
Am Ufer, unweit der Bootsanlegestelle, verkaufen die Frauen die selbst genähten Handarbeiten wie Tischdecken, Vorhänge, Bettdecken, u.s.w. mit wunderschönen handgemachten Richelieu-Stickereien. Verschiedene Holzschnitzereien und handgeschnitzte Modellkanus, sowie die wohlriechenden Gewürze wie Vanille, Gewürznelken Pfeffer, Zimt … werden hier den vielen Tagesausflüglern angeboten.


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Nosy Komba ist ein Kraterkegel aus Lavagestein, ein kreisrunder 621 Meter hoch aus dem Meer ragender Vulkan. Der zweite Name dieser Insel ist Nosy Ambariovato, wörtlich bedeutet dies im örtlichen Dialekt: “die von Lavafelsen umschlossene Insel“. Dieser gleichmässige Vulkankegel liegt zwischen der grossen Insel Nosy Be und dem madagassischen Festland.

Vom Fischerdorf aus verläuft ein Weg durch Ylang Ylang-Felder (diese Pflanze dient der Parfümherstellung), Ananas- und Bananen-Pflanzungen bis auf den Gipfel des erloschenen Vulkans. Auf dieser interessanten Wandertour kann man auch verschiedene Reptilien wie Chamäleons und Schlangen in den Gebüschen finden. Der Aufstieg nimmt je nach Kondition der Besucher ca. 2 Stunden in Anspruch, so ist es ratsam, bereits am frühen Morgen aufzubrechen, die Aussicht vom Gipfel ist aber unvergesslich schön!

Nosy Komba
Die Dorfbewohner von Nosy Komba behandeln ihre Magenschmerzen, Rheuma, Durchfall und viele andere Krankheiten mit Heilpflanzen, die auf der Insel gedeihen. Sie verwenden meistens die Blätter oder die Wurzeln dieser Pflanzen, die normalerweise als Tee eingenommen werden.

Rund um die Insel, abseits der lärmenden Zivilisation, befinden sich viele weitere schöne Buchten, die auch über schöne Korallenriffe verfügen. Mangels Pisten oder Strassen sind diese nur mit Booten oder mit Pirogen von den Nachbardörfern aus erreichbar.

Mittlerweile gibt es am Strand von Anjiabe im Südwesten der Insel einige einfache Gästehäuser, ein paar Strandbungalows und ein erstklassiges Luxushotel. Um die ruhigen und erholsamen Momente dieses kleinen Paradieses richtig zu geniessen, ist mindestens eine Übernachtung in einem guten Hotel empfehlenswert. Aus den frisch gefangenen Fischen, Langusten und Krabben und mit den Gewürzen der Insel zaubert der Koch leckere Gerichte. Die Auswahl ist wirklich reichhaltig: gebratener Fisch mit grüner Pfeffer-Sosse, gekochte Krabben mit frischem Ingwer und Knoblauch oder Crevetten nach madagassischer Art mit Vanillesosse ….

Nosy Komba
Im Übrigen leben viele der Fischer und die Landbewohner der Insel “von der Hand in den Mund“, das Meer und die Insel liefern das ganze Jahr über genügend Lebensmittel und die Möglichkeiten auf dieser Insel ohne Strasse und ohne Autos Geld auszugeben sind sehr beschränkt.

November 2020; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Be

1910 – Die Insel Nosy Be

Als Abschluss einer eindrucksvollen Entdeckungsreise in Madagaskar ist oft ein Aufenthalt auf Nosy Be. Sie gilt als die bekannteste und touristisch am besten erschlossene Insel Madagaskars, sowohl für die Gäste aus dem Ausland wie auch für die Madagassen selbst. Nach einer langen Madagaskarreise ist man dann reif für diese erholsame Parfüminsel: „Pures Inselfeeling“!

Die Insel Nosy Be ist per Boot ab dem nahen Festland oder aber per Flugzeug ab Diego Suarez oder auch ab der Hauptstadt Antananarivo leicht erreichbar. Viele Reisende bevorzugen die Überfahrt mit dem Fährschiff ab dem Kleinstädtchens Ankify (ca. 15 km nördlich von Ambanja). Diese “Perle im Kanal von Mozambik“ liegt nur etwa 10 km von der Nordwestküste des Festlandes entfernt. Die Abfahrtzeit der Fähre oder des Schnellbootes hängt jeweils von den Gezeiten ab. Die Bootsfahrt bis zur Insel ist vormittags bei Ebbe eher möglich, da das Meereswasser nachmittags unruhig ist. Unterwegs trifft man öfter die Einbäume der einheimischen Sakalava-Fischer, die an ihren kleinen Netzen herumnesteln und auswerfen…

“Nosy“ heisst auf Madagassisch “die Insel“ und das Wort “be“ bedeutet “gross“ oder “viel“. Tatsächlich ist Nosy Be mit einer Fläche von 325 km² die grösste Nebeninsel Madagaskars. Rund um die Hauptinsel liegen die Nachbarinseln Nosy Komba, Nosy Tanikely, Nosy Sakatia, Nosy Iranja oder Nosy Mitsio: Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen, Windsurfen, kurze Wandertouren durch die üppige Vegetation oder einfach relaxen und faulenzen sind die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten bei den Tagesausflügen auf diese traumhaften Inseln.

Nosy Be
Im 16.Jahrhundert war Nosy Be ein bevorzugter Schlupfwinkel der Piraten im Indischen Ozean, denn hier fanden sie alles was sie brauchten: Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Lebensmittel und viele Sklaven zum Verkaufen… Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zum Zufluchtsort des Sakalava-Volkstamms aus der Region Mahajanga (Nordwestküste Madagaskars) während des Verteidigungskriegs gegen die Armee des Merina-Königs Radama I. aus dem Hochland. Gegen diese vielen Angriffe bat die junge Königin Tsiomeko von der Insel Nosy Be Im Jahre 1840 Kapitän Passot um Hilfe und so wurde die Insel Nosy Be unter französischen Schutz gestellt. Ein Jahr später kolonisierte der Gouverneur de Hell die Insel als Produktionsstätte für die wichtigen Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Zuckerrohr und die Essenz der Ylang-Ylang Blüte und vergrösserte später die Hafenstadt im Süden der Insel. So wurde später der Hafen und das Verwaltungszentrum der Insel in Hell Ville umbenannt. Schon während der Kolonialzeit wurde Nosy Be zum wichtigsten Plantagenanbaugebiet im Norden von Madagaskar.

Sicherlich kennen fast alle deutsch sprechenden Reisegäste das berühmte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord…“. Text und Musik stammt von einem russischen Soldatenlied, als die Russen einen Krieg gegen die Japaner in den Jahren 1904/1905 geführt hatten. Die russische Kriegsflotte fand Unterschlupf in einer versteckten Bucht an der Nordwestküste Madagaskars und wartete vergeblich auf ein Kohleversorgungs­schiff. Über 100 Soldaten starben an Typhus, nicht an der Pest wie es im Lied erzählt wird. Im Friedhof von Hell Ville befinden sich noch heute die Gräber dieser russischen Armee. Auch in Andoany kann man den Friedhof dieser russischen Soldaten noch finden. Mehr als 100 Jahren später heisst die versteckte Bucht an der Nordwestküste Madagaskars noch immer “die russische Bucht“ oder “La Baie des Russes“.

Nosy Be
Die tropische Insel Nosy Be mit vulkanischem Ursprung hat landschaftlich sehr viel zu bieten: Grüner Regenwald, fruchtbares Land mit üppiger Vegetation und exotische Früchte, geschützte Buchten, menschenleere Palmenstrände und ein strahlend blauer Himmel. Zwischen August und Dezember ist die Reifezeit der leckeren Mangos und das ganze Jahr werden die süssen Bananen und die saftigen Papayas auf der Insel geerntet. Die Insel hat weite, ebene Flächen, auf denen seit vielen Jahrzehnten Kaffee-, Vanille- und Ylang Ylang-Plantagen gepflegt werden.

Die Ylang Ylang-Pflanze (Cananga Odorata), die aus den Philippinen stammt, haben die Kolonialherren auf diese tropische Insel eingeführt. Viele dieser Ylang Ylang-Felder liegen auf dem Weg zum Flughafen und bereits nach der Landung riechen die Besucher den süsslichen, aromatischen Duft dieser schönen gelben Blüten. Diese “Parfüm-Pflanze“ gedeiht sehr gut auf dieser vulkanischen Insel mit dem feucht warmen Klima. Der Baum mit knorrig verschlungenen Ästen darf nicht mehr als 1 Meter hoch wachsen. Das ganze Jahr sieht man die Sakalava-Frauen in den Feldern, die die sternförmigen Blüten bei Sonnenaufgang ernten, aus denen eine Essenz als unentbehrlicher Grundstoff für die Parfümindustrie gewonnen wird. Madagaskar exportiert die beste Qualität dieses teuren ätherischen Ylang-Öls, hauptsächlich nach Frankreich und nach Amerika. Nicht umsonst hat Nosy Be den schönen Spitznamen “die Insel der Düfte“. Die teure Essenz der Ylang Ylang-Blüten hat natürlich den Bewohnern einen ungewöhnlich hohen Lebensstandard gebracht. Diese devisenbringenden Exporte haben leider auch ihre negativen Seiten und Auswirkun­gen auf das Leben der Einheimischen, die man nicht unterschätzen darf.

Nosy Be
Bei einer eindrucksvollen Rundfahrt um die Insel ist der Besuch der Parfümdestilliere etwa 1 km nördlich des Hafens lohnenswert. Die Inselbewohner mischen ihr Haaröl mit der wertvollen Ylang Ylang-Essenz. Sie wird auch zur Behandlung von Rheumatismus und für einige Haukrankheiten verwendet. Dieses hochwertige Öl ist auch ein schönes Mitbringsel von jeder Madagaskarreise.


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Der Tier- und Pflanzenpark Lemurialand liegt inmitten der Ylang Ylang-Felder und unweit der Destillerie, somit kann man diese beiden Ausflüge leicht zusammenkombinieren. Bei einem Besuch von fast 3 Stunden hat man einen kurzen Überblick über die endemischen Tiere und die Pflanzenwelt Madagaskars

Der Park beherbergt einige Lemurenarten, auch Reptilien wie Chamäleons, Krokodile, Schildkröte, Eidechsen… und gleicht einem kleinen zoologischen Garten. Hier erhält man einen Überblick über die Vielfalt der endemischen Sukkulenten und andere Pflanzen in Madagaskar. Auch die Herstellung einiger traditioneller Handwerksgegenstände, wie Korbwaren, Matten oder Dekorationen aus Vetiverwurzeln wird hier gezeigt. Der Besuch des Rum-Museums, eine Spezialität der Insel Nosy Be und deren Verköstigung sind im Eintrittsticket inbegriffen.

Nosy Be
Nicht weit des grossen Dorfs Dzamandzary sieht man riesige Zuckerrohrplantagen. Vom Namen dieses Dorf kommt der berühmte Rum Dzama, der hier und in anderen Regionen Madagaskars produziert wird. Besonders in den Monaten Mai und Juni blühen die auffallend weissen Federbüschel der Zuckerrohrpflanzen. Die Zuckerrohrpflanze wächst sehr rasch und braucht keine besondere Pflege. Der gewonnene Zucker wird für den Eigengebrauch und die Fabrik produziert. Daraus wird dann weisser oder brauner Rum in unterschiedlichen Qualitätsstufen gebrannt und überall auf der Insel verkauft.

Von Djamanjary führt die Strasse entlang der Westküste bis zur höchsten Erhebung von Nosy Be, dem Mont Passot mit 239 m über dem Meeresspiegel. Oben auf der Bergkuppe hat man einen fantastischen Blick und ein umfassendes Bild von den Schönheiten der Insel, über die Westküste, die heiligen Kraterseen, die nahe gelegenen Nachbarinseln und bei schönem Wetter sogar auf das grosse Festland. Die Ausblicke sind traumhaft und die Beobachtung des Sonnenuntergangs mit seiner ganzen Schönheit vom Gipfel ist einzigartig. Die grünen Farben der Kraterseen unterscheiden sich je nach der Wassertiefe. Fischen und Baden sind in diesen heiligen Seen verboten. Es wäre auch gefährlich, denn sie sind von Krokodilen bevölkert. Die Sakalava-Bevölkerung betrachten diese Reptilien als die Verkörperung der Totengeister.

Der Hafen und die Hauptstadt Hell Ville oder Andoany auf madagassich liegen im Süden der Insel und der Flughafen Fascene ca. 8 km entfernt. Die zerfallenen Prunkbauten im Stadtzentrum von Hell Ville sind noch Zeugen der einstigen Aktivitäten der französischen Kolonie. Viele der Kolonialvillen sind inzwischen renoviert worden. Auf einem Spaziergang durch die Markthalle des „Bazary Be“ bekommt man einen Eindruck vom Alltagsleben der Sakalava-Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten, den tropischen Früchten, den frischen und geräucherten Fischen, Garnelen und Tintenfische. Reis, Gemüse und viele Lebensmittel kommen mit dem Schiff vom Festland und wegen den Transportkosten sind die Produkte doppelt teuer. Die Reisenden kaufen hier die frischen Gewürze wie Vanille, Zimt, Pfeffer, Muskatnüsse als Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Entlang der Hauptstrasse bis zum Hafen erhält man abends viele Eindrücke über die Lebensweise der Insulaner. Am Strand werden gegrillte Zebu- oder Fisch-Brochettes mit scharf gewürzten Mangos oder Papaya (Spezialität der Insel) angeboten.

Eine Wandertour durch den Nationalpark von Lokobe ist ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde. Dieses Reservat erstreckt sich über 740 ha und liegt auf etwa 450 m Meereshöhe. Es befindet sich östlich der Hauptstadt Andoany auf einer Halbinsel und ist per Boot oder mit einer Piroge vom Dorf Ambatozavavy erreichbar. Bei der Pirogenfahrt erläutert der lokale Reiseführer die Besonderheiten und die Vielfalt des Mangrovenwaldes an dieser Westküste. Die dreistündigen Wanderungen beginnen an der Anlegestelle des Boots. Zusammen mit der Lemureninsel Nosy Komba gehört dieser Primärwald zum Refugium der Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Auch die nachtaktiven Wieselmakis, ein paar Chamäleons darunter die Pantherchamäleons, die Erdchamäleons und die Boa madagascariensis sind hier in ihrem natürlichen Habitat anzutreffen. Dieses Naturschutzgebiet besteht aus Tieflandregenwald, wo man noch einige gigantische Bäume wie der “Ramy-Baum“ bewundern kann.

Nosy Be
Im Jahre 2012 wurde eine Vereinigung der Tauchschulen und Bootsvermieter auf Nosy Be gegründet. Schwerpunkt und Ziel dieser Vereinigung sind in erster Linie der Schutz der Unterwasserwelt und der Korallenriffe, auch die korrekte Abwicklung und Sicherheit der Ausflüge zu den verschiedenen Ausflugszielen. Die vielen kleinen Inseln rund um Nosy Be sind denn auch ein wahres Paradies für Wassersportler. Zwischen den märchenhaft schönen Korallengärten schwimmen faszinierende Meeresbewohner wie Walhaie, Buckelwale, Delphine, Mantas und und und. Vor allem sind die Meeresschildkröten dabei ein Highlight, eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen darf!

Auch die Strände von Orangea Plaga bei Ambaro und Andilana sind weitere Traumorte für Sonnenhungrige. In diesen Badeorten gibt es eine reiche Auswahl an Unterkünften der verschiedenen Kategorien, vom gehobenen Hotel bis zum kleinen Gasthaus. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Spezialitäten mit Meeresfrüchten: frisch gefangene Fische, Krabben, Garnelen, Hummer, Langusten, Tintenfisch, u.s.w.

Je nach Interesse und je nach Reiseprogramm können die Reisegäste ihre Madagaskarreise ab der Insel Nosy Be starten. Hier können die Gäste in aller Ruhe die Entdeckungstouren vorbereiten. Oder sie können die Parfüminsel Nosy Be als erholsamen Badeabschluss ihrer Reise planen, um die vielen Reiseeindrücke zu verarbeiten, die sie auf der Madagaskarreise gesammelt haben.

Oktober 2020; geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker Madagaskarhaus Basel

 

 

Diego Suarez Antsiranana

1860 – Diego Suarez (Antsiranana) Stadt und Umgebung

Die Bucht von Diego Suarez ist die zweitgrösste der Welt nach der von Rio de Janeiro. Die Stadt Diego Suarez liegt in der Nordspitze Madagaskars und ist entweder mit dem Flugzeug oder auf dem Landweg über die Asphaltstrasse RN6 erreichbar. Diese grosse Hafenstadt bietet mehrere Ausflugsmöglichkeiten und ist ein Paradies für Wassersportler.

Die Herkunft des Stadtnamens Diego Suarez hat 2 Versionen. Einige Historiker berichten, dass der portugiesische Seefahrer namens Diego Diaz in der traumhaft schönen Bucht offiziell um 1545 seinen Fuss auf den madagassischen Boden setzte.

Andere behaupten, dass die zwei Portugiesen Diego Diaz und Fernando Suarez als erste Europäer am 10. August 1500 unfreiwillig in Madagaskar landeten. Das ursprüngliche Reiseziel dieser Seemänner war Indien, doch ein heftiger Wirbelsturm beendete ihre Seereise an der Nordspitze der Insel Madagaskar. Aus den beiden Namen Diego und Suarez ist der Name der Stadt zusammengesetzt.

Im 16. Jahrhundert erkannten die Piraten und die europäischen Seemächte den strategischen Wert dieser schönen Bucht und um diese Zeit begann auch die goldene Zeit der Piraterie in Madagaskar. Diese Periode ist mit der Geschichte der Piratenrepublik “Libertalia“ im 17. Jahrhundert verbunden. Die Bucht von Diego galt damals als die Piratenrepublik Libertalia, eine sagenhafte aber auch utopische Republik, wo Gleichheit und Solidarität unter den Seeräubern herrschen sollte.

Diego Suarez Antsiranana
Im Auftrag des Generalgouverneurs Joseph Gallieni vergrösserte Colonel Joffre am Anfang der 20. Jahrhundert die Hafenanlage Diego Suarez, so wurde diese Stadt während der Kolonialzeit eine wichtige Handelsbasis. Bemerkenswert in dieser grossen Stadt sind die breiten Strassen, die schönen Kolonialgebäude, die imposanten Steinhäuser, eine Mischung aus arabischer Altstadt und europäischer Kolonialarchitektur, die sich von allen anderen Städten auf der ganzen Insel unterscheidet. Während der Kolonialzeit wurden viele französischen Fremdenlegionären hier angesiedelt. In den 1960er-Jahren sorgte auch die französische Militärbasis dafür, dass sich die Infrastruktur in und um die Stadt gut entwickelte. Erst ab 1972, also 12 Jahre nach der Unabhängigkeit rückten die letzten französischen Truppen aus Diego Suarez ab und 1975 wurde die Stadt in Antsiranana umbenannt. Bis heute bleibt aber der abgekürzte Spitzname Diego sehr beliebt und geläufig.

Antsiranana bedeutet wörtlich übersetzt “der grosse Hafen“. Sie ist der drittgrösste Hafen Madagaskars nach Tamatave an der Nordostküste und Mahajanga an der Nordwestküste der Insel. Heute dient der Hafen der Küstenschifffahrt, um landwirtschaftliche Produkte und Meeresfrüchte von der Nordküste nach anderen Küstenstädten Madagaskars wie Toamasina (Tamatave), Nosy Be, Mahajanga …. zu bringen.


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Im Laufe der Jahre ist sie eine kosmopolitische Stadt geworden. Neben der hier lebenden Antakarana sind andere Ethnien wie Merina, Sakalava, Antanosy in die Stadt eingewandert. Auch viele Geschäftsleute aus den Inseln der Komoren, aus Indien, aus Europa und aus China haben sich hier angesiedelt. Wegen dieses aussergewöhnlich bunten Völkergemischs gehört die Stadt Antsiranana bis heute zu der am dichtesten besiedelten Region im Norden. Ein grosser Teil der hier lebenden Antakarana sind islamischen Glaubens, so ist die Stadt Zentrum einer grossen muslimischen Gemeinde im Norden von Madagaskar.

In dieser kosmopolitischen Stadt schlendern die Antakarana-Frauen über den Markt mit ihren bunten Tüchern oder „Lamba oany“. Sie halten hier ein kleines Schwätzchen mit ihren Nachbarn aus den Komoren in ihren langen weissen Dschellabas.

Auf dem grossen Marktplatz finden wir viele Heilkräuter und Medizinpflanzen, zahlreiche Gemüsesorten, verschiedene Früchte sowie frische und getrocknete Meeresfrüchte.

Diego Suarez Antsiranana
Der nördliche Stadtteil am Hafen ist ein guter Ausgangspunkt, um zum Stadtzentrum mit den grossen Verwaltungsgebäuden, den zahlreichen Geschäften und den verschiedenen Hotels und Restaurants zu gelangen. An der Rue Richelieu liegt die Ruine des ehemaligen Luxushotels “Hotel des Marines“, Goldsucher und Edelsteinjäger haben hier einst Ihr Geld ausgegeben. Eine Statue zu Ehren von Maréchal Joffre liegt nicht weit vom Hafen, von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Bucht.

Eine Autofahrt von Diego aus Richtung Osten führt nach der ersten Kurve zur schönen Bucht mit Diegos Zuckerhut. Wegen seiner einzigartigen, schönen kreisrunden Form haben die Franzosen diesen Vulkankegel “Pain de Sucre“ genannt. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Angehörige der Königsfamilie aus Diego Suarez fahren mit der Piroge zu diesem heiligen Zuckerhut oder auf madagassisch „Nosy Lonjo“ und halten dort gelegentlich rituelle Zeremonien ab. Die „Vazahas“ oder Fremden und die anderen Ethnien dürfen diese “Tabu Insel“ nicht betreten, da sie königliche Gräber beherbergt.

Die weitere Fahrt verläuft bald durch eine trockene Savannenlandschaft und vom Weiten sieht man schon die typischen Baobabs des Nordens. Nach ca. 7 km erkennt man bereits den “Berg der Franzosen“ oder “Montagne des Francais“, der bis auf ca. 450 m über Meeresspiegel ansteigt. Viele französische Soldaten sind hier ums Leben gekommen, als sie im Jahre 1942 gegen die englischen Truppen gekämpft haben, daher die Bezeichnung: “Berg der Franzosen“. Die Wanderung zu diesem Felsabhang mit Grotten und Höhlen führt durch interessante Trockenwaldvegetation mit Sukkulenten wie Pachypodien, Euphorbien, Aloen und Dornengebüsch. Unterwegs stösst man auf einige Exemplare der schönen Baobabs typisch im Norden der Insel: die extrem seltenen Adansonia Suarezensis.

Heute ist der Montagne des Francais ein beliebtes Ausflugsziel für Botaniker und für Kletterer. Der Aufstieg ist zwar ermüdend aber man wird mit einem atemberaubenden Ausblick auf den Zuckerhut, auf die vielen Buchten und auf die umliegende Landschaft mit Baobabs belohnt.

Diego Suarez Antsiranana
Sehr reizvoll gelegen ist der berühmte Strand von Ramena (die “rote Prinzessin“), ca.20 km östlich der Hafenstadt Diego Suarez. Dieses grosse Fischerdorf ist ein beliebter Erholung- und Badeort der Einheimischen und der Besucher. Die Fischer erzählen hier gern viele Geschichte über die Wildwestatmosphäre, auch über die Fremdenlegion während der Kolonialzeit, die ihr Wochenenden regelmässig an diesem ruhigen Strand verbracht haben.

Der weisse und feine Sandstrand wird von schattenspendenden Kokospalmen, von zahlreichen Fischerhütten, verschiedenen Restaurants und hübschen Wochenend- und Strandhäuser der wohlhabenden Stadtbewohner gesäumt. Das Fischerdorf Ramena ist sehr beliebt an Feiertagen und viele Hotels organisieren Bootsexkursionen zu den naheliegenden Buchten, ein idealer Ausgangspunkt zum Wind- und Kitesurfen, sowie für Bootstouren zum “Smaragdmeer“ oder “Mer d’Emeraude“.

Einer der beliebtesten Bootsausflüge ab dem Ramena-Strand ist das Smaragdmeer. Diese Bucht ist wegen eines dichten Korallenriffs vor Haien geschützt und ist einer der schönsten Tauchplätze in der Umgebung. Schneeweisser Sand reflektiert das fast ganzjährige Sonnenlicht in allen Türkis und Smaragdtönen in der flachen Lagune, die gegen die Wucht der Wellen, zusätzlich durch die vielen vorgelagerten Inseln Nosy Diego, Nosy Lava, Nosy Suarez und Nosy Antalibe geschützt ist.

Ein Tagesausflug mit Geländewagen ab Ramena Richtung Cap Miné (vermintes Cap) ist ebenfalls ein schönes Ausflugsziel für Ruhesuchende. Diese abenteuerliche Autofahrt auf einer Sandpiste geht zu den drei idyllischen Buchten “Les trois Baies“ am Indischen Ozean. Zuerst geht es entlang der ersten Bucht “Baie des Dunes“, dann geht es weiter zur nächsten attraktiven Bucht der Wildtauben “Baie des Pigeons“ und schliesslich gelangt man zur “Bucht der Sakalava“. Diese letzte Bucht ist das ganze Jahr windig und daher ein bevorzugter Ort für Windsurfer.

Diese drei menschenleeren Buchten mit feinem, weissem Sandstrand laden zum Entspannen, Baden, Schnorcheln und (Wind-) Surfen oder einfach zum Faulenzen ein. Man muss ausreichend Trinkwasser, Sonnenschutz und Proviant mitnehmen.

Diego Suarez Antsiranana
Nördlich der Stadt, ca. 30 km von Diego Suarez entfernt liegt auf einem vieleckigen Felsblock eine alte Befestigungsanlage namens Windsor Castle. Der 391m über dem Kanal von Mosambik gelegene Aussichtspunkt an der Nordspitze der Insel war eine gute Festung der französischen Marinesoldaten und der englischen Truppen während der Kolonialzeit.

Kurzum: mit seinem warmen Klima, mit seinen zahlreichen Ausflugszielen und mit seinen unvergleichlichen feinen Sandstränden ist diese ehemalige Kolonialstadt Diego Suarez einen Urlaub wert.

Oktober 2020; geschrieben von: Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch