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Andasibe-Antananarivo

1240 Andasibe – Antananarivo

 Nach dem erlebnisreichen und eindrucksvollen Aufenthalt im schönen Bergregenwald von Andasibe verlässt man schweren Herzens die wuchernde tropische Landschaft, um nach ca. drei Stunden Autofahrt wieder einzutauchen in die wuselnde Hauptstadt Antananariovo.

Auf der sich windenden Strasse reist man durch die üppig bewachsenen Berge zurück ins madagassische Hochland. Man fährt zuerst durch das Land des Volksstammes der Betsimisaraka. Sie gehören zur grössten Bevölkerungsgruppe an der Nordostküste der Insel und der Name bedeutet wörtlich “die Vielen, die sich nicht trennen lassen“ oder “die vielen Unzertrennlichen“. Im 17. Jahrhundert gelang es einem König, die verschiedenen Gruppen und Clans unter seiner Herrschaft und Obhut zu vereinigen.

Diese Ethnie lebt hauptsächlich als sesshafte Bauern in diesem tropischen Grüngürtel, diejenigen die am Rand des Waldes wohnen, ernten wilden Honig im Regenwald und die Küstenbewohner am Rand des Indischen Ozeans leben vom Fischfang oder sie sind Seefahrer.

Wie alle Ethnien in Madagaskar trägt auch der Betsimisaraka Stamm bei jeder Gelegenheit die “Lamba“, die bunten Umschlagtücher oder “Pareo“. Diese dienen auf Madagaskar Männern und Frauen gleichermassen als Kleidungsstück. Die Mütter benutzen sie auf verschiedene Art, zum Beispiel, um ihre Babys zu tragen, als Halstuch, wenn es ihnen bei der Winterzeit kalt ist oder einfach als Kopftuch, wenn es regnet oder wenn die Sonne brennt, also ganz einfach als “Tuch für alles“.

Andasibe – Antananarivo
Bei der Fahrt entlang der verlassenen Felder sieht man die Methode der Brandrodung oder auf madagassisch die “Tavy“, mit der die Bauern ihre Reisfelder im sogenannten Wanderfeldbau urbar machen und wo die “Bäume der Reisenden“, auf madagassisch Ravinala oder “die Blätter des Waldes“ häufig wachsen.

Es handelt sich hier um eine endemische Baumart, die als Sekundärpflanze zu Hauf auf den gerodeten Waldflächen oder in Lichtungen des Regenwaldes wächst. Der Ravinala ist ein Wahrzeichen Madagaskars und gilt auch als Symbol der feuchtwarmen Ostküste.


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Die Wedel dieser prächtigen Pflanze wachsen fächerartig aus dem Stamm heraus und zwischen Stamm und Blattansatz befindet sich ein Hohlraum, in der sich das Regenwasser sammelt und für lange Zeit kühl und trinkbar bleibt. Im Notfall bekommt man ca. 1,5 Liter Wasser durch Anstechen des Blattgrundes, daraus dieser merkwürdige Name “Baum der Reisenden“. Es war ein willkommener Wasservorrat für die Einheimischen, die einst tagelange unterwegs waren. Die Samen werden gemahlen und gern verzehrt. Bemerkenswert sind auch die langstieligen, riesigen Blätter, die dem Dachdecken dienen oder die schmalen Äste und die dicken Stämme, die als wertvolles Baumaterial für die Palmhütten der Küstenbewohner nützlich sind. Ausserdem gilt diese “Fächerpalme“ als eine sehr beliebte Zierpflanze in den exotischen Gärten.

Andasibe – Antananarivo
Wir nähern uns allmählich den Vororten von Antananarivo und links und rechts der Nationalstrasse sieht man die grossen Reisfelder. Reisterrassen prägen meistens das Bild des Hochlandes, aber in Rodungsgebieten wird auch “Bergreis“ ohne Bewässerung angebaut.

Schliesslich gilt der Reis auf der ganzen Insel als Hauptnahrungsmittel der Madagassen und nimmt eine herausragende Stellung in der madagassischen Kultur ein. Die Ersteinwanderer Madagaskars brachten vor 1500 Jahren die Kultur des Reisanbaus mit sich und aufgrund der indonesischen Wurzeln gilt der Reis natürlich als die Basis der madagassischen Küche.

Die Madagassen essen dreimal Reis am Tag: beim Frühstück, beim Mittag- und beim Abendessen. Ihr Lebensgefühl hängt vollständig vom Reis ab: satt oder „voky“ fühlt sich nur, wer einen vollen Teller Reis gegessen hat. Die anderen Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Maniok, Mais oder Taro-Knollen werden nur als Nahrungsersatz für den Alltag betrachtet. Traditionell wird auch zu jeder madagassischen Mahlzeit im Reistopf abgekochtes Wasser, die “Ranovola“ gereicht. Dieses schmeckt gut und löscht den Durst, besonders wenn die Beilage wie Zebu- oder Schweinefleisch etwas fettig ist.

Andasibe – Antananarivo
Mit ungeheurem Arbeitsaufwand und Fleiss haben die Hochlandbewohner über mehrere Jahrhunderte mit Bewässerungssystemen ihre terrassierten Reisfelder angelegt. Den schlammigen Boden lockern die Bauern zuerst mit dem Spaten, selten mit Ochsengespann und einem Pflug. Besitzt die Familie eine ganze Zebuherde, kommen die Tiere zum Stampfen des Erdreichs zum Einsatz. Letztendlich pflanzen die Frauen und Kinder die kleinen Reispflanzen in den kleinen Parzellen im Tal oder an den Berghängen. Nach ein paar Monaten muss das Unkraut entfernt werden und schliesslich ist das Ernten und Dreschen an der Reihe.

Kurzum, es ist eine mühsame Arbeit, bis der Reis oder der “Vary“ auf den Teller kommt. Diese harte Feldarbeit beschäftigt die Landbevölkerung während ungefähr sechs Monaten, aber mit dem Gemeinschaftssinn und der Kollektivarbeit der Dorfbewohner oder der Verwandten wird diese Arbeit leichter.

Nach paar Stunden kommt man in die brodelnde madagassische Hauptstadt mit ihren vielen Hügeln, Treppen und den Kolonialhäusern. Je nach Lust und Laune kann man noch diese „Stadt der Tausend“ erkundgen oder sich nach dieser eindrucksvollen Entdeckungsreise einfach im Hotel entspannen.

August 2020; geschrieben von Bodo
PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Mantasoa

1210 Mantasoa 

Mantasoa lädt einerseits ein zu einer geschichtlichen Exkursion in die Anfänge der madagassischen Industrialisierung und andrerseits ist es eine Oase der Erholung. Es gibt hier einige Hotels, die zum Verweilen einladen und der weitverzweigte See lädt ein zu vielen Freizeitbeschäftigungen.

 

Viele Reisende, aber auch betuchte Städter aus Tana möchten der lärmenden Stadt entfliehen, einige ruhige Tage in einem Vorort von Antananarivo verbringen und die Kulissen von Madagaskar sehen. Mantasoa gehört zu einem dieser idyllischen Orte. Die viel befahrene RN2 führt in östlicher Richtung. Sie ist die Hauptverbindungstrasse nach Tamatave, der grössten Hafenstadt Madagaskars.
Heute fahren wir aber nur rund 70 km auf dieser Nationalstrasse und zweigen beim grossen Dorf Manjakandriana nach Süden ab auf eine holprige Piste bis zum verzweigten Stausee (ca. 15 km).

Bis zur Ortschaft Mantasoa mit ca. 15’000 Einwohnern fahren wir durch malerische Dörfer, über Hügel und durch Täler und gelangen zum Mantasoa-See. In den Tälern befinden sich Reis- und Gemüsefelder und die grasbewachsenen Hänge bieten den Zebus Nahrung. Die Erhabenheit der Landschaft an sich macht diese Region mit Aufforstungsflächen mit Eukalypten und Kiefern zu einem beliebten Ausflugsziel im Hochland sowohl für die Touristen wie auch für die Stadtbewohner.

Mantasoa
Die Legende erzählt, dass der Name „Mantasoa“ von dem madagassischen Spruch „ny manta no mahasoa an’ireto sakafo ireto” stammt. “Manta“ heisst auf madagassisch roh, ungekocht und “soa“ bedeutet gut und schmackhaft, insgesamt bedeutet dieser lange Ausdruck “das Essen sollte man besser roh verzehren“. Die Geschichte erzählt nämlich von den schlechten Arbeitsbedingungen der Madagassen während der Kolonialzeit. Die Zwangsarbeiter hatten nicht einmal die Gelegenheit oder auch die Möglichkeit, das Essen richtig vorzubereiten, und mussten die Nahrung roh essen.

Die zweite mündliche Überlieferung berichtet, dass der Name „Mantasoa“ aus der Königszeit stammt. Die starken Männer im Dorf mussten grosse und hohe Mauer rund um den Hügel Andohariana errichten, um die Adligen vor den Feinden oder den Plünderern zu schützen. Diese mächtige Mauer heisst auf madagassisch “Manda soa“ oder auf Deutsch “schöne Festung“ und im Laufe der Zeit hat sich die Phonetik / die Aussprache in „Mantasoa“ verwandelt.

Mantasoa
Die interessante Geschichte dieser Ortschaft beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts während der Königszeit der Königin Ranavalona I. Sie beauftragte den Franzosen Jean Laborde, der in ihrer Gunst stand, einen grossen Industriekomplex zu errichten. Dieser 27-jährige Franzose war ursprünglich auf Schatzsuche in Mozambique unterwegs und im Jahre 1832 als Schiffbrüchiger an die Küste Madagaskars gespült worden.


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Ca. 20’000 Sklaven und Zwangsarbeiter mussten am Bau dieser ersten Industriestadt in Madagaskar ab dem Jahre 1837 teilnehmen, um dann hier Schwerter und andere Waffen wie Gewehre oder Kanonen, aber auch Schiesspulver herzustellen. Dieser geniale Ingenieur entwickelte in dieser Zeit auch Wasserleitungen, Blitzableiter… praktisch alles, was ein blühendes Land im 19. Jahrhundert benötigte. Seine Initiative und sein Erfinderreichtum waren äusserst erstaunlich, so lag dort um diese Zeit eine grosse Industrieanlage mit eisenverarbeitenden Betrieben wie Schmieden und Sägewerke und vieles andere mehr…

Nach fast einem Vierteljahrhundert musste dieser geniale Konstrukteur nach einem Komplott gegen die Königin Ranavalona I. im Jahre 1857 aus Mantasoa flüchten und das Land verlassen. So wurden die Teile des Industriekomplexes in den Fluten versenkt. Die erste Industrialisierung Madagaskars war dann abrupt beendet. Von der gigantischen Industrieanlage zeugen zurzeit nur noch wenige verfallene Steinbauten.

Heute kann man aber immer noch auf den Spuren von Jean Laborde wandeln. Einige historische Relikte wie zum Beispiel die Ruine des Hochofens und das ehemalige Wohnhaus von Jean Laborde (jetzt Informationszentrum und Museum) gehören zu den Hauptattraktionen des grossen Dorfes Mantasoa.

Auch die noch in heutiger Zeit in Madagaskar gebräuchlichen Zebu-Karren mit ihren wuchtigen Holzrädern, entstammen wohl den Konstruktionsplänen von Laborde.

Mantasoa
Der Mantasoa-See wurde im Jahre 1936 wieder neu aufgestaut, um den Ikopa-Flusse zu regulieren und die Betsimitatatra- Ebene, den Reisspeicher der Stadt Antananarivo zu bewässern. Ebenso wurde die Wasserkraft für die Stromgewinnung in Mandraka genutzt. Mit einer Fläche von ca. 2’000 ha und mit einer durchschnittlichen Tiefe von 8 bis 12 m hat der See die Form einer Hand mit ihren Fingern und ist von einem riesigen Wald hauptsächlich mit Eukalypten und Pinien umgeben.

Zurzeit gilt der Ort Mantasoa nicht nur als historisch interessant, sondern ist auch sehr beliebt als idyllisches Naherholungsgebiet und Wochenendresort mit vielfältigen Wassersportmöglichkeiten.

Der See verleiht der Region ein neues Image, hat einen unvergesslichen Charme und ist ein Treffpunkt für Wassersportler, denn Tretboote, Wasserski, Bootsfahrten werden auf diesem weitverzweigten See ausgeübt. Eine Radtour oder eine Wanderung ins umliegende Gebirge lädt zum Verweilen ein und man schätzt die Schönheit der Region.

August 2020; Geschrieben von: Michaël
PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter EllikerPRIORI Madagaskarhaus Basel

Ampefy-Soavinandriana-Faratsiho-Antsirabe

1120 Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe

 Will man von Ampefy weiter Richtung Süden fahren, kehrt man besser nicht nach Tana zurück, sondern nimmt den direkten Weg über die RN43. Damit sichert man sich eine abwechslungsreiche Fahrt mit wenig Verkehr und kaum Touristen.

Die 153 km lange Strecke zwischen Ampefy und Antsirabe ist teilweise asphaltiert, teilweise eine staubige Piste und gehört zu den abenteuerlichen aber auch eindrucksvollen Routen auf der westlichen Seite Madagaskars.

Die Landschaft ist spektakulär und sehr vielfältig, denn man findet eine ganze Reihe von Reisebenen, Gemüse- und Obstfelder und Reste von Eukalyptuswäldern…

Die Strecke ist als “Strasse der Ochsenkarren“ bekannt und darum sehr wenig befahren. Lange Zeit war dieser Abschnitt zwischen diesen beiden wichtigen Städten unbefahrbar, da der Zustand der Piste sehr schlecht und mit vielen Schlaglöchern durchsetzt war. In den letzten Jahren wurde glücklicherweise die kurze Strecke zwischen Soavinandriana und Faratsiho (etwa 56 km) erneuert, so dass die zahlreichen, abgelegenen Dörfer nicht mehr vom Rest der Welt abgeschlossen sind.

Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe
Die Nationalstrasse 43 führt über weite Hügellandschaften und zeigt viele interessante Facetten des Landlebens: Reisfelder, Zebus und eben auch die vielen selbstgebauten Holzkarren in allerlei Ausführungen begegnen den Reisenden auf dieser ruhigen und erlebnisreichen Fahrt. Die Zebukarren sind besonders während der Reisernte unterwegs und sind Wahrzeichen der Insel. Sie sind die üblichen Transportmittel für Waren zwischen den vielen weit auseinander liegenden Dörfern. Für die Bauern der Region sind die Ochsenkarren noch immer wichtige Arbeitsinstrumente. Die harten Pisten beschädigen aber die robusten Gefährte immer wieder.

Unterwegs sieht man oft Werkstätten für die Herstellung oder für die Reparatur dieser Karren und am Strassenrand stehen oft Hütten von Schmieden, welche die Reifen der Karren, die Ackergeräte oder die vielen Fahrräder reparieren.

In diesen abgelegenen Orten entlang der Strasse der Ochsenkarre sind natürlich viele auf den Beinen: die Schüler, die den Reisenden freundlich zuwinken, die korbbepackten Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit, oder auch die spielenden Kinder beim Zebu-Hüten … viele Fotomotive sind garantiert!

Die Stadt Soavinandriana erreicht man nach ein paar Kilometern. Die ländliche Stadt hat mehr als 120 Ortsteile, jedes Viertel hat zwischen 100 und 600 Menschen und insgesamt leben im Kleinstädtchen mehr als 50’000 Einwohner.

Während der Königszeit mussten sich die Jungen ab 18 Jahren der Armee anschliessen.

Das Motto des Königs in dieser Region war “Hunger ist mein Feind“, so hat der König den Jungen damals befohlen, an den Bewässerungsarbeiten der weit verstreuten Reisfelder mitzuarbeiten. Er war von dieser Idee sehr begeistert, weil er die Reisproduktion steigern konnte und so bekam die Stadt den Namen “Soavinandriana“, was wörtlich bedeutet “die Stadt, die vom König bzw. von den Adligen begnadigt ist“.

Der Markttag findet hier jeden Montag statt, hier gönnt man sich dann auch eine kurz Fotopause gönnen: Auf dem Marktplatz sieht man viele Produkte aus den umliegenden Dörfern: das frische Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, Kürbis, Bohnen, Soja usw. Es wird auch verschiedener Spinat, Chinakohl und Kresse auf den bunten Markständen angeboten.


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Ausser diesen vielen Gemüsearten wird hier auch der „Coffea Arabica Elita“ angepflanzt. Dieser Kaffeestrauch wächst auf etwa 1’800 m über dem Meeresspiegel. Er stammt aus Afrika und gilt als einer der besten und aromatischsten Kaffees Madagaskars.

Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe
Der 56 km lange Streckenabschnitt zwischen Soavinandriana und Faratsiho ist asphaltiert und gut zu befahren, ab dem Kleinstädtchen Faratsiho fängt leider die staubige und holprige Piste bis zur Einmündung in die RN7 an, sie ist darum nur mit dem Geländewagen zu bewältigen.

Nassreisanbau dominiert die Landschaft in der Region von Ambohibary Sambaina. Ambohibary bedeutet “das Dorf mit viel Reis“ und der Name trifft zu, denn dieses grosse Dorf ist von weiten Reisfeldern umgeben. Die Madagassen sind ja schliesslich die Meister im Anbau dieses Grundnahrungsmittels und der Reis hat eine grosse kulturelle Bedeutung auf der ganzen Insel. Man merkt auch auf der gesamten Strecke, dass die typischen Hochlandhäuser eine identische Architektur haben: meistens ein einstöckiges Haus aus Lehm oder Backsteinen, gedeckt mit Blech oder Ziegeln. Auf der Frontseite liegt die bunte Veranda, die sofort in die Augen sticht. Traditionell werden die Häuser immer in Nord-Süd-Richtung gebaut.

Die schönen Häuser in den kleinen Weilern sind im Nachmittagslicht so dekorativ, dass auch Nichtprofis gute Fotos schiessen können. Vielleicht spricht der Fahrer spontan mit einer Familie, so dass die Reisenden ein Haus betreten können und einen Einblick erhalten in die recht bescheidenen Räume mit gestampftem Lehmboden und mit selbstgeflochtenen Reisstrohmatten.

Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe
Endlich sieht man vom weitem die Stadt Antsirabe, wortwörtlich heisst das “wo es viel Salz gibt“. Antsirabe wurde einst von norwegischen Missionaren gegründet. Die Stadt ist bekannt als die kühlste Stadt auf der ganzen Insel, eine willkommene Abwechslung für die Reisenden, nach der beeindruckenden Entdeckungsreise durch die heisse Vulkanlandschaft.

Die “Stadt des heissen Wassers“ ist auch bekannt als “die Stadt der Rikschas“. Bei einem Sparziergang durch die breite Avenue werden die Besucher von einem Heer von Pousse Pousse-Fahrern angesprochen, die voller Enthusiasmus versuchen, sie für eine Stadtrundfahrt mit einem dieser Gefährte zu überreden. Antsirabe liegt im Herzen einer der produktivsten Regionen im Hochland und die Atmosphäre der Stadt hat wirklich eine entspannende Wirkung auf die Seele.

August 2020; geschrieben von: Michaël
PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter EllikerPRIORI Madagaskarhaus Basel

Ampefy und Umgebung

Ampefy und Umgebung

 Die Stadt Ampefy liegt am Itasy-See und ist ein lokales Zentrum. Sie liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Antananarivo und die Fahrzeit auf der im Jahre 1980 gut ausgebauten RN1 dauert ca. 3 bis 4 Stunden, je nach den Fotopausen die man unterwegs einlegt.

Ampefy liegt malerisch gelegen am Ufer des Kavitaha-Sees (ein Teil des Itasy-Sees) mitten in einer Hügellandschaft vulkanischen Ursprungs.

Am Eingang der Stadt sieht man von der Brücke aus, wie der Verbindungs-Fluss in mehreren Kaskaden über die Basaltfelsen fällt. Von diesen Felsen kommt nämlich der Stadtname Ampefy, wörtlich heisst es auf madagassisch “in der Nähe des Staudamms“. Diesen langen und breiten Damm hat der König Radama I. im 19. Jahrhundert errichtet und dieser breite Wall spielt jetzt eine grosse Rolle für die Landwirtschaft und für die Fischzucht in dieser Region. Er bewässert die Wasserkulturen (z.B. die Wasserkresse) der lokalen Bevölkerung und besonders die Reisfelder in der Gegend.

Ampefy und Umgebung
ist ein netter Hochlandort mit typischen roten Backsteinhäusern und das Land rund um den Itasy-See ist sehr fruchtbar. Zeugen davon sind die vielen verschiedenen Obstbaum­gärten.

Am Rand der Strasse sitzen die Bauern und verkaufen das ganze Jahr die zahlreichen Früchte je nach der Saison: die grüngelben Papayas, die duftenden Mangos, die saftigen Ananas, die süss schmeckenden Avocados oder die leckeren Litschis …, die regelmässig zu den grösseren Städten und besonders nach Antananarivo geliefert werden.

Auf einem Spaziergang entlang der Hauptstrasse bis zum Markt bekommen wir einen Eindruck vom Alltagsleben der Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten. Die Frische der angebotenen Ware sticht sofort in die Augen und ist sehr preisgünstig, ja sie wird zu einem Spottpreis feilgeboten, da die Produkte direkt von den Bauern stammen.

Ampefy und Umgebung
Wer 1 oder 2 Tage in Ampefy weilt, wird sich bestimmt nicht langweilen, da diese Ortschaft lohnenswerte Wandermöglichkeiten rund um den erschlossenen Vulkankegel anbietet. Empfehlenswert sind auch die Ausflüge zum „Geysir“, zur „Ilôt de la Vierge“ oder zu den „kleinen und grossen Wasserfällen“.

Vom Ortszentrum Ampefy führt eine Piste ca. 9 km in westlicher Richtung, an sanften Vulkankegeln und schöner Landschaft vorbei zum Wasserfall Lily.

Der Parkplatz in der Nähe des Dorfes Antofofo ist der Ausgangspunkt einer kurzen Wandertouren. Von dort hört man bereits das Rauschen des Wasserfalls, der über eine Höhe von 23 m über eine Felskante in die Tiefe stürzt. Das Getöse der Kaskade ist gut und beruhigend für die Seele.

Laut der Legende soll damals während der Kolonialzeit die Tochter eines französischen Generals in diesem Wasserfall ertrunken sein. Als die Dorfbewohner ihren Körper nach paar Tage nicht gefunden haben, wurde dieser “Lily Wasserfall“ genannt.

Ampefy und Umgebung
Eine weitere schöne Wandertour führt auch zum Vulkansee Itasy. Unterwegs kann man die wunderschöne Landschaft mit vielen Obstbäumen bewundern. Der auf einer Höhe von fast 1‘800 m liegende See ist 9 km lang und hat eine durchschnittliche Tiefe von 7 m. Der See hat eine Fläche von ca. 3‘500 ha und gehört zu den drei grössten Binnenseen Madagaskars, er ist durch einen vulkanischen Ausbruch entstanden ist. Er wird von zwei Flüssen gespeist und der Fluss Lily entwässert ihn. In der Umgebung stehen Fischerhütten und am Seeufer suchen Wasservögeln ihr Futter. Je nach Lust und Laune kann man eine Pirogenfahrt unternehmen und die nahegelegenen Fischerdörfer besuchen.


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Das Alltagsleben sieht man überall am Rand des Itasy Sees: Die Fischer sitzen auf Ihren Pirogen und man sieht, wie sie ihre traditionellen Netze auswerfen und so die vielen Tilapia oder Karpfen fangen. Später werden diese auf den Fischmarkt verkauft oder als Beilage für die Familie nach Hause gebracht. Auf den Speisekarten der vielen Restaurants der Stadt können die Gäste die grosse Auswahl an leckeren Spezialität der Region auswählen: wie wäre es mit einem gebratenen Fisch an grüner Pfeffer-Sosse oder mit einem gegrillten Fisch zubereitet mit Knoblauch und Ingwer und dazu frisches hausgemachtes Gemüse?

Die Frauen bringen am See auch die Kleider zum Waschen und erzählen lachend die letzten Neuigkeiten und den Tratsch im Dorf. Überall sieht man auch die Kinder schreiend spielen oder auch schwimmen im sauberen Wasser.

Der Besuch der Marienstatue gehört zu der grössten Attraktion in dieser Region. Auf einem Hügel wie eine Halbinsel steht sie auf einen hohen runden Sockel. Sie soll die absolute Mitte Madagaskars markieren. Von dort aus hat man einen wunderbaren Panoramablick über den umliegenden See.

Ampefy und Umgebung
Um zu den aktiven Geysiren von Andranomandraotra (wörtlich, wo das Wasser blubbert) zu gelangen, fährt man mit dem Geländewagen (wegen der holprigen Piste) wieder nach Analavory zurück. Die heissen Quellen sind wirklich ein spektakuläres Phänomen: Aus mehreren Öffnungen spritzt in Abständen von ein paar Minuten das kalk- und mineralhaltige Wasser aus den vulkanischen Steinen. Die umliegenden Becken eignen sich gut zum Baden und sind mit einer Wassertemperatur von ca. 40°C so warm wie in einem Thermalbad. Die Umgebung mit dem schwefelgelb und rot aufragenden Geysir ist wirklich spektakulär. Auf dem schönen, schattigen Platz kann man auch das Picknick-Mittagessen geniessen.

Ampefy und Umgebung
Wer noch Interesse hat, den Zebumarkt in der Region zu besuchen, kann auch nach Tsiroanomandidy (das bedeutet „wo nur einer regiert“) weiterfahren. Diese Stadt ist der wichtigste Viehmarkt im Westen Madagaskars, denn schliesslich spielt das Zebu eine grosse Rolle in der madagassischen Kultur: für die Arbeit auf dem Feld, als Opfertier für das damit verbundene Gemeinschaftsmahl und auf der ganzen Insel auch als Symbol des Wohlstandes. Die Hirten aus dem tiefen Süden und von den weit abgelegenen Dörfern gehen zu Fuss und treiben ihre Zebuherde hierher.
Das Vieh wird dann von den Zwischenhändlern aufgekauft und später in die Schlachthöfe nach Antananarivo oder nach Mahajunga gebracht.

Juli 2020; Geschrieben von: Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

 

 

Antananarivo

1010 ANTANANARIVO

Tonga Soa (willkommen) in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar. Sie liegt mitten im Hochland und dient als Ein- und Ausgangspunkt für fast alle Entdeckungs­reisen auf der Insel.

Antananarivo, kurz “Tana“ genannt, ist wie erwähnt die Hauptstadt der grossen Insel. Der erste Merina-König Andrianjaka hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Festung auf der höchsten Erhebung gebaut und hat sie mit 1000 Männern gegen Angriffe der Vazimba, der ersten Bevölkerung in Madagaskar, verteidigt. Aufgrund dieser riesigen Armee des Königs wird die Stadt Antananarivo genannt, wörtlich bedeutet das “Stadt der Tausend“.

Die Stadt zählt zurzeit etwa 5 Millionen Einwohner und liegt im Land des Volksstammes der Merina, der grössten Volksgruppe Madagaskars.

Der gute Eindruck der Stadt wird unterstützt durch das Klima. In der Trockenzeit scheint die Sonne heiss, die Luft ist aber doch angenehm kühl wegen der Höhenlage. Tana liegt zwischen 1’250 m und 1’470 m über Meer.

Obwohl das Stadtgebiet zur Volksgruppe der Merina gehört, leben hier viele verschiedene madagassische Ethnien und Ausländer wie Chinesen und die Karana (Inder, Pakistaner). Tana ist die unumstrittene Hauptstadt von Politik, Verwaltung und Industrie, obwohl die Regierung durch Dezentralisierung der Universität und durch Verlegung von Verwaltungsbehörden in die Provinzen darum bemüht ist, eine mehr föderale Struktur zu schaffen.

Antananarivo
Erleichtert wird die Orientierung in der Stadt durch die Unterteilung des Zentrums in “die Untere Stadt“ oder “die Neustadt“ mit dem alten Hauptbahnhof und den vielen Arkaden im Kolonialstil und in die “Obere Stadt“ oder die “Altstadt“ mit dem schönen Königspalast, der von allen Seiten der Stadt sichtbar ist.

Wir beginnen unsere Entdeckungsreise in der Unterstadt.

Die 800 m lange Avenue de l’Indépendance beginnt beim Hauptbahnhof und endet in der Nähe des Hotels “Les Glaciers“. Sie bildet das Zentrum der Millionenstadt, die sich heute weit hinaus in die Landschaft frisst.

Das Stadtzentrum mit der Avenue der Unabhängigkeit heisst Analakely, das bedeutet “kleiner Wald“. Früher gab es an diesem Ort Sümpfe und einen kleinen Wald, später wurde das Gebiet gerodet. Dort wo seit Urzeiten frisches Quellwasser sprudelte, wurde der Bahnhof von Antananarivo gebaut. Auch heute wird er Bahnhof „Soarano“ genannt (Bahnhof des Quellwassers).

Die Avenue ist ja eigentlich die Bahnhofstrasse. Doch in Madagaskar wurde sie nie so genannt. 1935 begann der Bau der Arkaden, also einer Fussgängerzone mit vielen Geschäften mit Schaufenstern, überdacht mit Rundbögen. Das war für die damalige Zeit eine topmoderne Architektur – und ist es geblieben. Die Bahnhofstrasse wurde nach 1945 zur Avenue de la Liberation umgetauft und erst ab dem 26. Juni 1960 bekam die breite Strasse den Namen Avenue de l’Indépendance. Sie ist gesäumt mit Läden, vielen Büros und Geschäften und mit vielen Marktständen in der Nähe der Treppen.

Antananarivo
In der Mitte der Avenue sieht man drei Gartenareale mit den Palmenarten Bismarkia nobilis und Satrana. Dieser grüne Platz ist für Leute von ausserhalb der Stadt ein Ort, um sich zu erholen oder das Mittagessen einzunehmen.

Der Marktplatz unter freiem Himmel in der Nähe der Pavillons gehört zur malerischsten Attraktion der Hauptstadt, ein Gewirr von Ständen mit frischem Obst und Gemüse, Gewürzen und Kräutern, Fisch und Fleisch und alles was man im alltäglichen Leben braucht.

Jahrzehntelang fand der Wochenmarkt jeden Freitag in Analakely statt. Dieser war als “Tsena Zoma“ bekannt (Freitagsmarkt). Angeblich war er der grösste offene Markt der Welt. Jeden Freitag kamen also tausende und zehntausende von Menschen, sei es als Verkäufer und als Käufer hierher. Auch die Bauern vom Land kamen hierher, um ihre frische Ernte anzubieten.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde dieser Freitagsmarkt dann abgeschafft und auf viele kleine Marktareale in verschiedenen Stadtteilen aufgeteilt. Seither findet hier in Analakely und in einigen Orten innerhalb der Stadt der tägliche Markt statt. Heute werden frische Lebensmittel wie Gemüse, Obst, verschiedene Meeresfrüchte, Fische und Fleisch auch in den Pavillons von Analakely angeboten.

Antananarivo
Das grosse Rathaus oder “Hotel de Ville“ liegt auf halber Strecke der breiten Avenue: Das Gebäude wurde während den politischen Unruhen hier in Madagaskar am 13. Mai 1972 bei Studentenunruhen abgebrannt; 36 Jahre später wurde das Rathaus vom jetzigen Staatspräsidenten neu gebaut.

Wenn die Reisegäste Interesse an den Spuren der ehemaligen Seeräuber haben, besuchen wir das interessante Piratenmuseum im PRIORI Büro an der Rue Liège im Stadtteil Tsaralalana. Dieses erste und einzige Piratenmuseum Madagaskars wurde vom Chef und Gründer von PRIORI Reisen Franz Stadelmann eingerichtet und im Dezember 2008 eingeweiht. Madagaskar, besonders die Insel Sainte Marie, war früher der beste Unterschlupf für Piraten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Seeräuber von den europäischen Staaten gejagt, denn die Piraten richteten zu jener Zeit auf den Ozeanen erheblichen Schaden an. Die ehemaligen Freibeuter oder Korsaren waren die Piratenjäger zu dieser Zeit. Die abgebrühtesten Piraten, die ihren Lebensstil nicht ändern wollten, fanden hier im Indischen Ozean auf der Insel Madagaskar Unterschlupf.

Die Führerin im Museum berichtet über die Geschichte “der goldenen Zeit“ der abenteuerlichen Freibeuter von der Karibik bis zum Indischen Ozean, nicht zu vergessen ist auch der Bericht über die geheimnisvolle Piratenrepublik an der Nordspitze Madagaskars, die Republik “Libertalia“. Deren Idee war: Freiheit und Gleichheit, Vertrauen und Verständigung aller Menschen. Geschildert wird auch die Lebensgeschichte des berühmten Benyowski. Dieser Abenteurer wurde am 11. Mai 1771 von der Bevölkerung an der Nordostküste von Madagaskar zum “König“ gewählt.

Alle Geschichten werden durch mehrere Tafeln mit Bildern und umfangreichen Texten beleuchtet. Hier im Büro ist auch die beste Gelegenheit, alle PRIORI-Mitarbeiter von Tana “live“ kennen zu lernen.

Antananarivo
Das Musée de l’Art et de l’Archeologie in Isoraka mit Schwerpunkt Kunst und Archäologie besteht seit 1973 und berichtet in wechselnden Ausstellungen über Volkskunst und von archäologischen Relikten. Dieses interessante Museum arbeitet mit der Universität von Tana zusammen.

Wir setzen unsere Stadtrundfahrt fort und gelangen zu einem der zwei Tunnels am Ende der Avenue de l’Indépendance und weiter zum Verwaltungszentrum der Hauptstadt.

Der künstliche Stausee Anosy entstand durch die Entwässerung des Umlandes in der Unteren Stadt. Auf einer Halbinsel erhebt sich ein Denkmal mit dem vergoldeten Friedensengel, errichtet zur Erinnerung an die gefallenen Madagassen, die während der Weltkriege an der Seite der Franzosen gekämpft hatten. Rund um den See wachsen die schönen Jakaranda-Bäume, deren lilafarbene Blüten sich im September/Oktober im Wasser spiegeln und diesem Stadtteil einen herrlichen Anblick verleihen.

Der Zoologische und Botanische Park von Tsimbazaza liegt 4 km vom Stadtzentrum entfernt, aber nur ein paar Minuten vom See Anosy, entfernt. Wörtlich heisst Tsimbazaza “Ort nicht für die Kinder“, dieser Name entstand in der Kolonialzeit, als die französischen Soldaten dort stationiert waren und die madagassischen Kinder diese Gegend meiden sollten.

Der ca. 20 ha grosse Park mit 2 kleinen Seen wurde vom Forscher und Wissenschaftler Pierre Boiteau im Jahre 1935 gegründet. Verschiedene Reptilien wie Krokodile, Chamäleons und Schildkröten und einige Vogelarten, sogar der extrem seltene Seeadler Madagaskars sind hier zu finden. Zahlreiche Lemurenarten aus den verschiedenen Schutzgebieten Madagaskars werden in Gehegen gehalten. Eine Gruppe von fotogenen Katta-Lemuren mit dem schwarz-weiss geringelten Schwanz leben auf einer Halbinsel.


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Der Botanische Garten ist grosszügig gestaltet und gut angelegt. Bei einem Spaziergang im weitläufigen Park hat man auch einen Eindruck über die seltenen Sukkulenten-Pflanzen und die endemische Flora Madagaskars.

Auch Kulturdenkmäler wie eine Sakalava-Grabstätte mit geschnitzter Holzfigur und ein Exemplar einer Palmhütte, gebaut aus dem „Baum der Reisenden“ (typisch an der Küste der Insel), gehören zu den Sehenswürdigkeiten in diesem grossen Park.

Seit 1969 ist ein Zoologisches und Ethnografisches Museum der Akademie Malgache im Park integriert.

Antananarivo
Die Weiterfahrt zur Oberstadt mit all ihren verwinkelten Strassen, den schönen Kirchen, den kleinen Gässchen, den lärmenden Märkten, den alten Treppen und den vielen alten Häusern im Kolonialstil erweist sich als sehr spektakulär. Auf dem Weg zur höchsten Erhebung der Oberstadt kommt man zum Garten „Jardin d’Andohalo“ mit dem Kiosk für Touristen­information.

Das Fotomuseum ist auch sehr interessant, sowohl für Fotografen als auch für historisch Interessierte. In dem ehemaligen Bürgermeisterhaus werden die Geschichte und die Kultur der Merina und anderer Volksgruppen anhand von zahlreichen Fotos in schwarz/weiss und mit Texten dem Besucher nähergebracht.

Wenn wir weiter hochfahren, kommen wir zum eindrucksvollen Palast des Premierministers, errichtet von einem englischen Architekten im Jahre 1872. Der ehemalige Premierminister Rainilaiarivony residierte dort während der Königszeit. Der Palast liegt nördlich der „Rova“ und zählt zu den markantesten Gebäuden in der Oberstadt. In diesem Museum Andafiavaratra haben wir einen Überblick über die madagassische Kultur und die Kunst des Landes. Einige wertvolle Gegenstände aus der Königszeit werden dort ausgestellt.

Ganz zuoberst kommen wir zur “Rova Manjakamiadana“, wörtlich heisst das auf Deutsch “der Palast der Königin, wo es sich gut regieren lässt“. Dieser steinerne Bau mit seinen 4 Türmen gebaut von Jean Laborde im Jahre 1838/39 wurde im Auftrag der Königin Ranavalona I errichtet. Hier herrschten damals die Könige und Königinnen des Merina Reiches des 18. Jahrhunderts.

Rovas gibt es in vielen grösseren Orten des madagassischen Hochlandes. Diese waren die befestigten Wohnsitze königlicher bzw. adliger Familien, meist leicht erhöht gebaut und von einer Mauer, manchmal auch von einem Graben umgeben.

Der Königspalast von Tana thront auf dem mit 1’468 m höchsten Hügel der Stadt, der hölzerne Innenpalast fiel im Jahre 1995 einem Feuer zum Opfer. Die Rova von Tana ist noch immer das grösste Symbol der Merina Monarchie. Das Monument Madagaskars überragt nach wie vor die Silhouette des Stadtzentrums und kann von allen Seiten der Stadt bewundert werden. Eine Plattform am Fusse der Rova ist ein hervorragender Aussichtspunkt über die Stadt und die Landschaft.

Zwischen 1810 und 1828, als der König Radama II. an der Macht war, unterwarf er in Eroberungsfeldzügen fast alle Volksstämme auf der ganzen Insel, er wollte auch einen Staat nach europäischen Vorbild führen, seine Armee bzw. seine Elitetruppe wurde durch einen Adler symbolisiert und nannte sich „Voromahery“, wörtlich “Mächtiger Vogel“ oder auch “Adler“. Heute steht noch immer der Bronzeadler als Symbol für Kraft und Ausdauer am Eingangstor des Königspalastes.

Antananarivo
Die Stadt Antananarivo ist umgeben von 12 verschiedenen Königshügeln des Merina Volkstammes. Die Rova von Ambohimanga, die ehemalige Sommerresidenz der Könige, liegt 21 km nordöstlich vom Stadtzentrum und steht inzwischen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Schon allein der Ausblick von dort auf die Ebene von Antananarivo lohnt sich für einen Abstecher.

Das Königreich war damals mit dichtem Urwald und üppiger Vegetation bedeckt, darum der Name Ambohimanga oder “der Blaue Hügel“. Blau gilt bei den Madagassen auch als Farbe der Schönheit.

Markenzeichen der Rova von Ambohimanga ist das Stadttor mit der alten und schweren Steinscheibe, die jeden Abend von vielen kräftigen Wächtern vor das Tor gerollt wurde. 2 von 7 glatt geschliffenen Steinplatten sind noch zu besichtigen und gehören zurzeit immer noch zu den Sehenswürdigkeiten dieses heiligen Ortes.

Die dicke und hohe Festungsmauer gebaut aus Lehm und Eiern rund um den Palast ist wirklich beeindruckend, das Wohnhaus des Königs, das Sommerschloss der Königinnen, der Opferplatz und die Badebecken sind gut erhalten bzw. ordentlich restauriert.

Wenn wir über die imposante Treppe emporsteigen, kommen wir an einem majestätischen Feigenbaum vor dem Eingang der Rova vorbei, er ist stummer Zeuge der grandiosen Festlichkeiten auf dem Versammlungsplatz.

Dieser Ort gilt noch heute als heilig und hat immer noch eine sehr starke spirituelle Bedeutung für die Madagassen. Reste von Tierblut, Honig, Rum und Wachs, die für animistische Opferriten verwendet wurden, sind noch zu sehen und es ist „fady“ (Tabu), Schweinfleisch, Zwiebeln oder Salz mitzubringen.

Vom Aussichtspunkt aus geniesst man eine wunderschöne und grandiose Aussicht auf die umliegende Landschaft mit den Lehmziegelbauten und den typischen Hochlandhäuser, so kann man nachvollziehen, warum die Könige im 16. Jahrhundert diesen herrlichen Platz als Zentrum Ihres Reiches ausgewählt hatten.

Juli 2020; geschrieben von: Bodo, Fanasina, Koloina
PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Vanille aus Madagaskar

Blüte Vanille Madagaskar
Vanille kennt jeder
…aber wer von uns weiss denn, was genau diese Gewürzpflanze eigentlich ist und woher sie ursprünglich stammt?

Es gibt mehr als 100 Arten von Vanilleorchideen und ca. 15 davon tragen aromatische Früchte. Die bekannteste davon ist die Gewürzvanille, auch «echte Vanille» (Vanille planifolia) genannt. Aus diesen fermentierten Vanilleschoten wird das Gewürz Vanille gewonnen.

Von Mexiko nach Madagaskar
…schon vor den spanischen Seefahrern wurde die Vanillepflanze in Mexiko angebaut. Über Europa kam sie vor gut 100 Jahren nach Madagaskar.

Doch da es in Madagaskar keine Bienen oder Kolibris gibt, die die Bestäubung der Orchidee übernehmen können, wird dies von den lokalen Frauen (und manchmal auch von Männern) entlang der Nordostküste von Hand übernommen.

Die Pflanzen haben, wie Sie oben sehen können, grün-gelbliche Blüten.

Da jede Blüte nur einen Tag blüht, ist es sehr wichtig die Pflanzen rechtzeitig zu bestäuben.

Madagaskar Samenkapseln Vanille

Aus diesen grünen Samenkapseln wird Vanille gewonnen.

Im ersten Schritt werden die Samenkapseln/Vanilleschoten kurz über dem Feuer in ca. 70 Grad heissem Wasser blanchiert und anschliessend jeden Tag draussen zum Fermentieren in die Sonne gelegt.

Madagaskar Verarbeitung von VanilleFermentieren Vanille Madagaskar

Ziehen Regenwolken auf…
…werden die Schoten schnell eingesammelt und wie auch sonst an jedem Abend in Wärmekisten gelagert. Dort warten sie dann auf die nächsten Sonnenstrahlen.

Wertvoll
Im Norden von Madagaskar wächst rund 80% der gesamten Weltproduktion von Vanille.

Dies ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Einwohner. Daher wacht immer ein Aufpasser über das «schwarze Gold», um es vor Dieben und vor schlechten Wetter zu schützen.

Die Vanille wird meist in kleinbäuerlichen Familienplantagen angebaut und als grüne Schote an Ankäufer vor Ort verkauft. Spezialisierte Vanilleaufbereiter organisieren den langen Fermentierungsprozess.

Der Vanillebauer verdient, trotz der vielen Arbeit, sehr wenig an seinem Produkt. Das grosse Geld machen die Exporteure und die westlichen Verkaufsstellen, die die Vanille weiterverkaufen.

Hier in Europa wird die echte Vanille auch «Bourbon-Vanille» genannt. Dieser Name stammt von einem der ersten und langjährigen Hauptlieferanten der Vanille und kommt aus La Réunion und Madagaskar.

Wegen verschiedener Zyklone im Indischen Ozean (die Saison ist von Januar – März) und der Zerstörung, die sie hinterlassen, ändert sich der Preis der Vanille in jedem Jahr. Im Herbst 2018 erreichte der Preis Rekordhöhe, denn so kostete ein Kilo Vanille stolze 600 USD und kam dem Preis für Gold sehr nahe.

Wenn auch Sie Madagaskar bereisen möchten und vielleicht auch einen der vielen kleinen Vanilleplantagen besuchen möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Denn PRIORI Reisen bringt Sie dahin, wo Sie auf keine weiteren Touristen treffen, abseits des Massentourismus und mitten im alltäglichen Leben der Madagassen!

Antananarivo – Ampefy

Lac Itasy Ampefy
Lac Itasy Ampefy

1100 – Antananarivo – Ampefy

 Statt von Tana direkt nach Süden zu fahren lohnt sich ein Abstecher nach Ampefy im Westen der Hauptstadt. Unterwegs kann man in einem Park bereits die ersten Lemuren sehen und viele Alltagssituationen der Madagassen erleben.

Wir verlassen die geschäftige Millionenstadt Antananarivo (was wörtlich übersetzt Stadt der Tausend heisst) und reisen heute Richtung Westen in die vulkanische Region von Itasy.

Kleine Epicerieen und Verkaufsstände säumen unseren Weg auf der geteerten Nationalstrasse RN1 bis Ampefy. Sie stehen immer direkt an der Strasse und gern können wir dort kurz halten um Mineralwasser oder Cola zu kaufen, so haben wir gleich einen Überblick über das Angebot in diesen Krämerläden: Zwieback, Bonbons, Zigaretten, Petroleum, Speiseöl, aber auch getrockneten Fisch, Reis, Tomaten, Zwiebeln u.s.w. werden hier angeboten, kurzum alles was eine Familie für Ihren Alltag braucht. Auch selbstge­machte Backwaren wie Reisfladen, kleine Beignets oder Bananenkuchen werden verkauft, denn die Bauern halten gerne bei diesen Läden, machen eine kurze Pause, trinken gelegentlich einen warmen aromatischen Kaffee und fragen nach den letzten Neuigkeiten und Tratsch, denn es ist auch ein beliebter Treffpunkt der Dorfbewohner.

Antananarivo – Ampefy
Wir fahren weiter durch die typische Landschaft des Hochlandes mit seinen grünen und z.T. recht grossen Reisfeldern, denn Reis ist das Hauptnahrungsmittel der madagassischen Bevölkerung. Wenn wir Glück haben, können wir einen Teil dieser anstrengenden Feldarbeit mitverfolgen, wie mühsam der Ablauf der Tätigkeiten ist, bis der Reis nach ca. 6 Monate auf den Teller kommt: das Pflügen, das Umpflanzen der Reispflänzchen, das Entfernen des Unkrauts, das Ernten und Dreschen… Kollektive Arbeit ist üblich im ganzen Land und mit dem Gemeinschaftssinn der Bauern geht alles schneller und leichter.

Nach etwa 22 km bzw. nach ca. 1 Stunde Fahrzeit gelangen wir zum Dorf Ambatomirahavavy (das heisst wörtlich übersetzt die 2 Schwestersteine). Pflanzen- und Tierliebhaber machen hier im Lemur’s-Park immer einen Zwischenstopp. Diese private Naturanlage mit ca. 5 ha Grösse liegt am Fluss Katsaoka und gehört zu den beliebten Ausflugsorten ausserhalb der Stadt, sowohl für Reisende als auch für Madagassen. Die Lemuren sind die bekanntesten Vertreter der madagassischen Tierwelt. Einige Arten wie die tagesaktiven Varis (Varecia), Bambuslemuren, Larvensifakas und andere werden hier gezüchtet. Sie tummeln sich im Freien auf dem grossen Gelände. Besonders während der Fütterungszeiten sind diese Halbaffen sehr aktiv, sie kommen dann ganz in die Nähe, also eine hervorragende Möglichkeit, die Tiere von ganz nah zu fotografieren. In diesem privaten Reservat hat man auch einen Überblick über die Vielfalt der Pflanzenwelt im Hochland und im Süden der Insel. Unter anderem sieht man Euphorbien oder Wolfsmilchgewächse und zahlreiche Aloen, Kakteen und Dickfussgewächse. Der Park engagiert sich auch in pädagogischer Hinsicht, die lokalen Führer geben den Schülern in der Grund- und Realschule Naturkundeunterricht.

Über weite Strecken bewundern wir die typischen madagassischen Hochlandhäuser links und rechts der Strasse. Wir lernen die Architektur der Hochlandhäuser auf dieser Westroute kennen. Farben und Stil verändern sich je nach Region. Hier im Hochland sehen wir meistens die typischen Lehmbauten in allen Farbtönen von braun über ocker, gelb und rot. Sie fügen sich perfekt in diese Landschaft ein und bilden einen starken Kontrast zum Blau des Himmels.


mehr zu PRIORI Reiserouten in unserem Katalog 2021


Antananarivo – Ampefy
Die Strasse schlängelt sich weiter durch ein weites Tal und bald taucht die nächste Stadt auf dieser Strecke auf, sie heisst Imerintsiatosika und ist bekannt für die Werkstatt der Zebukarren an dieser Nationalstrasse. Die Zebukarren gehören zu den üblichen Verkehrsmitteln auf dem Land und transportieren die Produkte zu den umliegenden Dörfern während der Erntezeit.

Imeritsiatosika ist auch Ausgangspunkt für eine Wandertour durch die malerischen Merina-Dörfer bis nach Antongona. Der Ort liegt gleich neben einer 200 m hohen und schönen Granitkuppe. Ganz oben befindet sich die Rova. Es handelt sich hier um einen ehemaligen Königssitz der Merina Volkstämme im 15. Jahrhundert. Das hölzerne Königshaus und das Grab gehören zu den schönen Sehenswürdigkeiten in dieser Gegend. In einem kleinen Museum können wir auch die ehemaligen traditionellen Werkzeuge bewundern. Der Aufstieg zum 1500 m über dem Meeresspiegel hohen Gipfel des heiligen Hügels dauert etwa 30 Minuten, ist zwar etwas anstrengend, aber der fantastische Blick auf die Hauptstadt in der Ferne und auf die umliegenden Felder und Dörfer wird später in Erinnerung bleiben!

Nach diesem erlebnisreichen Ausflug setzen wir die Reise fort und halten schon bald in einem Ortsteil von Imeritsiatosika, der spezialisiert ist für die Herstellung von Miniaturspielzeugen wie kleine Fahrräder, Autos, Rikschas aus Weissblech von Spray- und Getränkedosen: ein schönes Andenken oder Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Die Modelle sind billig, denn das Rohmaterial kommt kostenlos aus dem Müll.

Antananarivo – Ampefy
Etwa 17 km nach Imeritsiatosika kommen wir in die nächste grosse Stadt, sie heisst Arivonimamo und gilt als das geografische Zentrum Madagaskars. Am Rand der Nationalstrasse sehen wir den ersten internationalen Flughafen von Antananarivo, erbaut 1960. Arivonimamo (wo die Armee von Tausend Soldaten betrunken wurde) ist auch bekannt für die Seidenverarbeitung westlich Antananarivo. Rund um die Stadt dehnen sich die unendlichen Weideflächen mit den Tapia-Bäumen aus. Auf diesen Bäumen leben die heimischen Seidenraupen (Borocera canini) und ernähren sich von den Blättern. Von den Seidenraupenkokons gewinnt man das Rohmaterial für die kostenbaren Seidentücher oder auch Lamba landy in Madagaskar. Diese kostbare Seide ist sehr fein und mit Naturfarben eingefärbt. Sie ist auch eine sehr beliebte Tracht auf dem Land und wird von den madagassischen Frauen und Männern bei Familienzeremonien als Überwurf getragen. Traditionell werden hier im Hochland die Verstorbenen in diese Lamba gehüllt.

Die Früchte des Tapia Baumes sind etwa im Monat Oktober reif. Sie sind bekömmlich und vor allem gut gegen Karies. Die Kinder mögen diese süss schmeckenden Früchte, auch wenn sie etwas trocken sind. Sie sollen aber auf die Erde gefallen sein, bevor sie verzehrt werden, dann haben sie den richtigen Reifegrad.

Miarinarivo (wo die Armee von tausend Soldaten wieder wach war) ist die nächste Kleinstadt, die wir durchfahren. Am Stadtrand sehen wir schon die grossen Ananasfelder, ein beliebter Zwischenstopp für die Passagiere der Buschtaxis. Die Fliegenden Händler eilen sofort zu den Taxi Brousse und verkaufen die geschälten Ananas, ein Genuss für den Gaumen.

Antananarivo – Ampefy
Wenn wir uns der Stadt Analavory (umgeben vom Wald) nähern, liegt die Stadt Miarinarivo ca. 23 km hinter uns. Dienstags ist der Hauptmarkttag in Analavory und weil die Stadt an der Verbindungsstrasse nach Tsiroanomandidy und Soavinadriana liegt, kommen die Bauern vom Land mit dem Taxi Brousse hierher, um ihre Waren zu verkaufen: ein richtiges Gewirr von Ständen mit landwirtschaftlichen Produkten wie Reis, Mais, weisse Lima Bohnen, Soja… Es ist kaum möglich sich zwischen den Ständen und Händlern durchzudrängen.

In Analavory biegen wir nach Süden ab und kommen an unserem Ziel Ampefy an. Die Stadt liegt am Kratersee Itasy und ist etwa 130 km von Antananarivo entfernt. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für die erholungssuchenden Stadtbewohner, aber auch für die Reisenden, die die Wasserfälle und Geysire in dieser Gegend erkundigen wollen.

Antananarivo – Ampefy
3. Juli 2020
Geschrieben von: Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

 

 

 

 

 

 

 

 

Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar

Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar
Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar

Institut Pasteur Antananarivo Madagascar

(7. Juli 2020) Das Institut Pasteur in Antananarivo ist eine alte Institution. Zu Kolonialzeiten gegründet ist das Institut heutzutage das Referenzzentrum für Gesundheitsfragen in Madagaskar.

Mit dem Einmarsch der Franzosen in Madagaskar 1896 wurde die Insel im Indischen Ozean französische Kolonie. Der eingesetzte Generalgouverneur, Joseph Gallieni (1849 – 1916), ging in seiner Verwaltung mit eiserner Hand vor. Er initiierte die erste Eisenbahn, strukturierte das Schulwesen und bekämpfte drastisch alle aufflammenden Aufstände. Auf seine Initiative hin wurde schon 1897 eine Medizinschule in Antananarivo gebaut und 1898 auch das erste Tropeninstitut in Madagaskar gegründet. Es sollte gegen die beiden vorherrschenden Seuchen Pocken und Tollwut vorgehen. Das ‘Institut vaccinogène et antirabique à Tananarive’ sollte Impfstoff herstellen, denn der lange Seetransport machte die Impfstoffe aus Frankreich unbrauchbar.

Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar
Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar

Gemeinhin ’Institut Pasteur de Tananarive’ genannt, lieferte das junge Institut schon 1900 die ersten Impfungen aus.  1917 war Madagaskar das erste Land der Welt, in dem die Pocken ausgerottet worden waren.

Institut Pasteur Antananarivo Madagascar
Das bisherige Staatsinstitut in Madagaskar wurde 1927 dem Pariser Mutterhaus ‘Institut Pasteur in Paris’ angegliedert und offiziell in ‘Institut Pasteur de Madagascar’ umbenannt. Der Name stammt vom Medizinalforscher Louis Pasteur (1822- 1895), der einen Impfstoff gegen die Tollwut entwickelte. (Das im deutschen Sprachraum benutzte Wort pasteurisieren geht ebenfalls auf Pasteur zurück: aufwärmen von flüssigen Substanzen wie beispielsweise Milch, um sie keimfrei und somit haltbarer zu machen).

Eine erneute Pestepidemie in den 1920er Jahren setzte das Institut vor neue Heruasforderungen. Zwar war der Erreger der Pest bereits 1890 in der französischen Kolonie Algerien identifiziert worden, doch ein effizienter Impfstoff dagegen wurde 1932 in Madagaskar im Institut Pasteur von den Forschern Georges Girard et Jean Robic entwickelt.

Ihnen zu Ehren wurde in Tananarive, wie Antananarivo damals genannt wurde, ein Spital benannt. Das Kolonialspital ist als Girard-Robic oder auch als Militätspital heute noch bekannt. Seit 1977 heisst es offiziell Centre Hospitalier de Soavinandriana.

Mit der Unabhängigkeit Madagaskars 1960 wurde die Position des Instituts Pasteur schwierig, besonders zu Zeiten der fundamental-nationalistischen Tendenzen des Diktator-Präsidenten Ratsiraka. Doch das Institut überlebte und blieb das einzige französische Wissenschaftsinstitut, das in Madagaskar toleriert wurde.

Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar
Institut Pasteur Antananarivo Madagaskar

Heute ist das Institut Pasteur das anerkannte Referenzinstitut für medizinische Analysen Madagaskars und betreibt ebenso das einzige Hygienelabor des Landes.

Institut Pasteur Antananarivo Madagascar
Doch Corona liess 2020 auch dies schwanken. Die madagassische Regierung propagierte ein Kräutergetränk auf Basis der Artemisia-Pflanze als Wundermittel gegen Covid-19. Der Wirkstoff auf Basis des Beifusses wird seit April 2020 als CVO Tambavy vermarktet und ist obligatorisch in den Schulen zu konsumieren.

Das Institut Pasteur setzte eher auf Testaktivitäten und wurde nach Bekanntgabe seiner Testergebnisse in Tamatave arg gerügt: es entwickelte sich ein Kampf der Wissenschaft gegen die Politik. Fortan aber konnte die Regierung die Existenz einer Corona-Ausbreitung nicht mehr leugnen.

Natürlich führt das Institut Pasteur weiterhin Corona-Analysen durch. Sie sind mit 156’000 Ar (rund 40 Euro) für die Bevölkerung allerdings zu teuer. Der Staat hat inzwischen (seit Juli 2020) unter Mithilfe des OMS rund ein Dutzend kostenlose Testzentren eingerichtet, auch in den Provinzen/Regionen.

Wer sich im Institut Pasteur untersuchen lässt, findet eine Einrichtung, die sich nach europäischen Massstäben richtet. Seit über 120 Jahren dienst das Institut Pasteur in Madagaskar der Forschung und Wissenschaft, aber ebenso der Bevölkerung und ihrer Gesundheit. Die Bekämpfung der Pest ist eines der Hauptthemen geblieben.

 

Dampflokomotive in Madagaskar

Dampflokomotive in Madagaskar
Madagaskar Namakia Decauville Dampflokomotive

Die einsame Decauville Dampflokomotive in Madagaskar

Idyllisch unter Palmen geparkt, rostet eine alte Dampflokomotive im Westen von Madagaskar vor sich hin. Ihre Waggons hat sie verloren und Arbeit gibt es für sie keine mehr. Die Dampflok von Namakia ist ein historisches Zeugnis aus der goldenen Zeit der Zuckerrohrplantagen in den französischen Kolonien.

Das Kleinstädtchen Namakia liegt in einer flachen Ebene im Nordwesten von Madagaskar, rund 70 km westlich der Hafenstadt Mahajanga. In Namakia wird seit 90 Jahren Zuckerrohr in grossem Stil angebaut und verarbeitet. Heute noch.

Die Fabrik wurde in den 1930er Jahren rund 10 Kilometer von einem Meeresarm erbaut, der per Schiff erreichbar ist. Daher müssen die Fertigprodukte auch heute noch dorthin transportiert werden. Das geschieht heutzutage per Lastwagen, vor zwei Generation noch per Eisenbahn.

Dampflokomotive in Madagaskar

An diese Eisenbahnzeit erinnert heute eine Dampflok der Marke Decauville. Das Zeugnis industrieller Kultur steht auf einem rohen Steinsockel unter freiem Himmel. Sie würde als Zeugnis der Industriegeschichte Madagaskars allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Ansonsten sind in Namakia nur wenige Spuren der Eisenbahnzeit erhalten. Im Fabrikgelände stehen zwei, drei Waggons vergessen herum. Ein paar Meter Schienen zeugen von ehemaligen Gleisen.

Wann die Dreiachslok nach Namakia kam, ist unbekannt. An ihrem Kesseldeckel ist der Hersteller vermerkt: Sté Decauville Aîné Corbeil. Es ist keine Seriennummer erhalten.

Es könnte aber sein, dass es sich um die Nummer 1864 handelt, die 1933 laut erhaltenen Lieferlisten des Herstellers an die ‘Sucrerie de Madagascar’ geliefert wurde. Ein Indiz dazu ist auch das Aussehen der Kabine, die den Stil der späteren Produktionen in dieser Bauweise spiegelt.

Fotos zu dieser Decauville Dampflok in Namakia

Decauville produzierte rund 5100 Lokomotiven.

Nicht alle wurden in der Fabrik von Corbeil in der Nähe von Paris gebaut. So fertigten Lizenzunternehmen auch in Belgien Loks und Fahrmaterial an. Das System der zwei Fuss breiten Feldbahn war einfach: die Schienen liessen sich wie Leitern leicht transportieren und auslegen. Also ideal für Plantagen.

Paul Decauville war ursprünglich Rübenproduzent und erfand sein System aus Not: um seine Rüben in morastigen Felder abzutransportieren, fertigte er 1875 eiserne Rollbahnen aus Flacheisen an, Ochsen zogen die beladenen Karren aus den Feldern. Die Weiterentwicklung waren dann Schmalspurlinien und Tramwaggons, gezogen von Pferdegespannen. Der Unternehmer Decauville begann dann auch Lokomotiven zu bauen. Schon 1877 baute er die Liliput: eine Eintonnenlok, die Waggons mit 60 Personen zog und sogar in Rotterdam eingesetzt wurde. Das System auf 50 cm Spurweite hatte Erfolg. Inzwischen baute Decauville bereits grössere Loks und auf 60 cm Spurweiten. Das Eisenbahnsystem von Decauville  war bald weltweit im Einsatz, so in Australien, China und in Afghanistan. Dorthin gelangten seine Schmalspurloks und Zubehör 1885 auf dem Rücken von Arbeitselefanten. Sogar beim ersten Versuch 1883, den Ärmelkanal zu untergraben, wurde das mobile Schienensystem eingesetzt. Das Projekt scheiterte zwar nach 2 Kilometern.

1889 wurde die Firma ‘Etablissement Decauville Aîné’ gegründet: 1000 Arbeiter verarbeiteten Eisen zu Schienen, Schwellen und Gefährten. Dabei waren die Schienen und Schwellen fest miteinander verschweisst. Die vormontierten Gleiseinheiten waren 5 Meter lang und die Gleisstücke wurden mit einem einfachen System miteinander verbunden.

Der Durchbruch kam mit der französischen Armee: sie entschied sich für die Spur von 60 cm und baute hunderte von Kilometern Bahnstrecken für Verteidigungszwecke.

An der Weltausstellung von 1889 transportierten zehn Decauville-Lokomotiven über 6 Mio. Besucher auf den knapp drei Kilometern zwischen Concorde und dem Eiffelturm. Es war das Zeitalter des Eisens: Eiffel baute den Turm, Brücken und gar Eisenhäuser. Decauville das Transportsystem.

Nach keinem Dutzend Jahren Bahnbau lesen sich die Einsatzorte der Decauville wie eine imperiale Weltkarte. Das System fand weltweit Einsatz, auch in der Schweiz, in Norwegen, in Chile und in Madagaskar. Die 60 cm Spur war Standard geworden, aber es wurden inzwischen auch Meterspuren gebaut. Decauville lieferte das komplette System: Schienen, Weichen, Transportwaggons und Lokomotiven, nun auch elektrisch.

Um 1900 war die Welt im Aufbruch und der Glaube an Technik und Industrie ungebrochen. So entstanden in den Fabriken von Decauville auch Fahrräder, sogar Autos.

Die wenigen erhaltenen Autos des Marke Decauville sind heutzutage begehrte Sammlerstücke und Schmuckstücke von Automobilmuseen, doch den durchschlagenden Erfolg hatte Decauville mit seinen Eisenbahnen. Die Armee nutzte sein System für schnell dislozierbare Bahnlinien und in den Kolonien waren die Bahnen beliebt. Auf den Plantagen liessen sich die Linien problemlos und je nach Bedarf verlegen.

Weltkriege kamen und gingen. Das Unternehmen Decauville überlebte sie und war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der grossen Industriekonglomerate Frankreichs mit drei Fabriken in Frankreich und Niederlassungen und Vertretungen in der ganzen Welt.

Decauville könnte heutzutage das sein, was Renault in Frankreich ist: ein Industriemagnet. Doch wie so oft in Firmengeschichten fand der Niedergang florierender Unternehmen auf dem Parkett des Aktienhandels statt. Decauville kam in andere Hände, die umstrukturierten und ihrerseits in andere Hände gerieten. Heute ist der Markenname zwar noch existent und produziert weiterhin in der Metallbranche. Aber Decauville ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

In Madagaskar kam das System in der Nordstadt Diego Suarez zum Einsatz.

Dort wurde in den 1890er Jahren eine Feldbahn installiert, die auf 60 cm breiten Gleisen als Allzweckbahn Güter und Personen vom Hafen ins Hinterland transportierte. Auf der Feldbahn waren 1900 zwei Decauville-Dampflokomotiven im Einsatz.  26 km Schienenmaterial standen zur Verfügung.

In Namakia begann 1936 die ‘Sucrerie Marseillaise de Madagascar’ mit der Produktion von Zucker. Dazu waren 2800 ha mit Zuckerrohr angepflanzt worden. Das Unternehmen nutzte die Feldbahn, um die geernteten drei, vier Meter langen Zuckerrohstengel zur Fabrik zu transportieren und dann die Fertigprodukte zum Hafen zu bringen. Die im Delta des Mahavavy gelegenen Plantagen sind topfeben und während der Regenzeit morastig. Auch heute noch erschliessen nur Pisten Ortschaften wie Namakia, Mitsinjo, Soalala. Sie sind in der Regenzeit nur schwerlich erreichbar und oft wochenlang nicht.

Die Firma wurde – wie alle fünf Zuckerfabriken in Madagaskar – 1977 verstaatlicht und zur SIRAMA vereint. Keine zwanzig Jahre später war die SIRAMA bankrott und die Anlagen verlottert. Ab 2007 stieg die chinesische ‘Sucrerie Coplant de Madagascar’ (SUCOMA) mit einem Joint-Venture bis 2028 ein und fuhr die stillgelegte Produktion wieder hoch. Derzeit werden um die 30’000 Tonnen Zucker hergestellt und über 10’000 Hektoliter Rohalkohol. Die Firma arbeitet mit den alten Maschinen und scheint nur gerade in die allernötigsten Reparaturen zu investieren. So richtig rentabel ist die Industrieanlage aus dem letzten Jahrhundert nicht.

Namakia ist zur Schnapsbrennerei geworden: derzeit werden pro Jahr 20’000 Liter Alkohol produziert und nur noch 400 Tonnen Zucker. In der Fabrik und auf den Feldern sind 300 Angestellte permanent beschäftigt. Während der Erntesaison von August bis Oktober finden über 1000 Leute Temporärjobs – meist als Zuckerrohrschneider. Im Betrieb arbeiten 35 Chinesen.

Trotzdem ist die SUCOMA heutzutage nebst der viel grösseren Fabrik von Ambilobe (auch in chinesischer Hand) die einzige noch funktionierende industrielle Zucker- und Alkoholindustrie Madagaskars.

Der 95% starke und nicht konsumierbare Rohalkohol wird in kubikmetergrossen Containern transportiert. Der Zucker wird in Säcke abgefüllt. Die Produktion wird zum Hafen gefahren, mit chinesischen Lastwagen. Dann per Schiff nach Mahajanga. Es stehen zwei Motorschiffe und vier Leichter zur Verfügung. Pro Fahrt können 400 Tonnen transportiert werden. Vom Hafen nach Mahajanga dauert die Fahrt 18 Stunden und leer zurück 12 Stunden.

Der Alkohol wird in Mahajanga an Destillerien und Alkoholveredler weiterverkauft, die den Rohalkohol dann zu geniessbarem Rum und mit allerlei Gewürzen zu weiteren Spirituosen verfeinern.

In Madagaskar werden unzählige Rumsorten angeboten. Eine der beliebtesten Marken heisst Namaki und erinnert an die jahrzehntelange Tradition den Alkoholbrennens in Namakia.

Derweil ruht die alte Dame auf ihrem Sockel in Namakia: ein Nationalmonument. Doch als industrielles Kulturgut wird die gute alte Decauville Dampflokomotive in Madagaskar nicht wahrgenommen.

Weiterführende Links:

Decauville:
https://de.wikipedia.org/wiki/Decauville

Eisenbahn in Diégo-Suarez:
https://latribune.cyber-diego.com/histoire/426-histoire-de-madagascar-les-rues-de-diego-suarez-le-quartier-militaire.html

https://latribune.cyber-diego.com/histoire/692-histoire-a-toute-vapeur-dans-la-campagne-les-locos-de-diego-suarez-1.html

Madagaskar und Corona

Und dann kam Corona: aus China griff das Virus hinaus in die Welt und änderte ganz massiv das Leben von Millionen. März, April, Mai 2020 werden wohl tief in Erinnerung bleiben.

In Madagaskar wurde Corona ebenfalls zum Thema.

Daher sind die Daten unserer Reiseplanungen zerschmolzen wie die Gletscher unserer Berge. Eines Tages werden Reisen nach und in Madagaskar wieder möglich sein. Wann das sein wird, wissen wir ganz einfach nicht. Auf unserer Internetseite Madagaskarhaus informieren wir regelmässig über den Stand der Dinge.