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Grotten von Belobaka

1760 – Die Grotten von Belobaka

Durch das Hochland reisen wir zur trockenen Nordwestküste Madagaskars. Die Grotten von Belobaka liegt ca. 11 km östlich der Hafenstadt Mahajanga in der Region von Boeny und gehören zu den einzigartigen geologischen Formationen in der Nähe der Mahamavo-Hochebene. Eine aussergewöhnliche und abenteuerliche Tour voller spannender Erlebnisse erwartet uns bei der Erkundigung dieser Grotten in einer abgelegenen Felsenregion.

Von Mahajanga fährt man auf der Nationalstrasse Nr. 4 Richtung Antananarivo mit Savannen und Palmenzonen und nach ca. 10 km ausserhalb der Stadt nimmt man die Abzweigung Richtung Grotten von Belobaka. Diese Höhlen liegen abseits der bekannten Reiserouten und das ganze Jahr herrscht hier trockenes Westküstenklima mit durchschnittlich über 30° C. Diese kaum besuchte Sehenswürdigkeit mit mysteriösen Versteinerungen abseits der Touristenpfade kann man wegen der schlechten Piste nur während der Trockenzeit zwischen April und November besuchen.

Früher hiess diese Gemeinde Andavakabe, wörtlich übersetzt bedeutet dies auf madagassisch “in der Nähe des grossen Lochs bzw. der tiefen Grotte“. In dieser Region wurde früher auf riesigen Feldern Tabak angepflanzt, daher der Dorfname im Sakalava-Dialekt Belobaka, “die Region mit viel Tabak“. Die Belobaka-Höhlen stammen aus der paläozänen Zeit. Dieser Kalkstein ist um die 65 Millionen Jahre alt und ist damit jünger im Vergleich zu den massiven und spektakulären auch sehr bekannten Karstformationen der Tsingy von Bemaraha, Tsingy von Ankarana oder Tsingy von Namoroka, die ca. 160 Millionen Jahre alt sind. Diese 3 letzterwähnten Tsingy liegen aber abgelegen und sind viel schwieriger zu erreichen als diese Belobaka-Grotten. Sie sind aber auch hochinteressant für Geologen oder Historiker.

Grotten von Belobaka
Während einer Expeditionsreise zwischen 1911 und 1912 haben Höhlenforscher diese Belobaka-Grotten entdeckt und dabei einige Überreste von Subfossilen gefunden, darunter des “Pachylemur insignis“. Dieser gehört zu einer Gattung einer ausgestorbenen riesigen Lemurenart, die zur Lemuridae-Familie gehörte. Diese einzigartige und endemische Lemurenart ist dem schwarz-weissen Vari an der Nordostküste der Insel sehr ähnlich.

Jahre später, zwischen 2003 und 2012, haben ein französisch-madagassisches MAPPM-Team bei mehreren Fundstellen wiederum Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden weitere paläontologische Fossilen von Nagetieren (Nesomyidae), Primaten (Archaeolemuridae, Megaladapidae, “Palaeopropithecus kelyus“) und auch Fossilien von Zwergflusspferden “Hippopotamus laloumena“ mit einem Alter von 18’000 Jahren entdeckt. Diese werden seither im bekannten AKIBA-Mozea an der Universität von Mahajanga aufbewahrt. Dieses interessante Naturkundemuseum beherbergt verschiedene Exponate, Fossilien und Berichte über die endemische Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt der Nordküste, natürlich auch viele Dokumente über die Geschichte, Sitten und Bräuche der früheren Sakalava-Reiche und der hier angesiedelten Sakalava-Volkstämme.


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Die Ethnie Sakalava bewohnt das extrem weitläufige Siedlungsgebiet der gesamten Nord- und Südwestküste Madagaskars und bedeckt etwa ein Viertel der Gesamtfläche der ganzen Insel. Das Gebiet reicht von Tulear an der Südspitze bis Morondava und weiter bis Mahajanga und Ambanja im Norden, daraus stammt ihre Bezeichnung “Sakalava“ oder “die aus dem langen Tal“. So wie die anderen Volksgruppen in Madagaskar haben die Sakalava eine reiche Kultur und treiben gern den Ahnenkult zu bestimmten Zeiten. Die Verehrung der heiligen Reliquien, der “Trance-Zustand“ sowie das Ritual der Blutsbrüderschaft sind den afrikanischen Sitten und Bräuche sehr ähnlich. Die Gräber der ehemaligen Könige unweit von Mahajanga-Stadt gelten als besonders heilig und tabu (fady), so darf man diese nur in Begleitung eines Lokalguides betreten.

Grotten von Belobaka
Die Höhlenforscher haben insgesamt sieben verschiedenen Höhlen mit Stalaktiten und Stalagmiten in diesem Kalkgebiet entdeckt. Bei einer Wanderung durch das Höhlensystem hat man einen geologischen Überblick der Kalksteinformationen dieser Grotten. Die meisten Höhlen erfüllen die Funktion von Kultstätten, denn die grosse Volksgruppe betrachten sie als heilige Orte oder “Zomba“ im Sakalava-Dialekt, dieses Wort bezeichnet sowohl den gerufenen Geist als auch das Medium und die Zeremonie selbst. Die Familien opfern dabei ein oder mehrere Zebus und während diesem regelmässigen Ritual teilen sie ihren Ahnen und Vorfahren ihre Sorgen und Nöte mit und bitten um Abhilfe und um sich für die Belange der Lebenden einzusetzen (für Segen, Gesundheit oder für Kinder…).

Für die Reisenden ist es sehr wichtig zu wissen, dass diese bestimmten Fady (Tabus) auch für sie gelten. Sie müssen dann diese heiligen Orte immer in Begleitung von Einheimischen besuchen, die den Ort und die Wege, sowie die Regeln sehr gut kennen. Meistens müssen sie das traditionelle Kleidungstück der Küstenbewohner, ein spezielles Tuch oder “Lamba“, um die Hüften tragen und barfuss den heiligen Platz betreten.

Die erste Höhle ist ca. 15m tief und gilt als der heilige und mystische Ort, so dass man sich dieser sakralen Grotte nur barfuss nähern darf. Nicht weit vom Eingang der Grotte befindet sich der Opferplatz, hier rufen die Madagassen die Seelen der “Razana“ oder der Vorfahren, die sich um das Wohnergehen ihrer Nachkommen kümmern. Schamanen und Medizinmänner übernehmen die Aufgabe, den richtigen Zeitpunkt und die erforderlichen Festlichkeiten zu bestimmen.

Grotten von Belobaka
Die zweite Grotte ist ziemlich breit und hat die aussergewöhnliche Form einer Kathedrale.
Die dritte wird von den Einheimischen als die Grotte von “Tarzan“ genannt, wegen der vielen Wurzeln, die hier von der Decke in den Boden wachsen, um Wasser zu finden.
Die vierte heisst die “Weibliche Grotte“, die fünfte hat einen komischen Namen “Grotte der Krokodile“, die sechste ist die männliche Grotte und letztendlich die siebte ist die “Grotte der Baobabs“, die von den lokalen Steinbrechern gefunden wurde.

Die Erkundung dieser sieben Grotten dauert insgesamt etwa zwei Stunden, immer in Begleitung eines ortsansässigen Führers und die Mitnahme einer guten Taschenlampe ist zwingend erforderlich.

Die Grotten von Belobaka sind nicht zu verwechseln mit den Grotten von Anjohibe. Die Grotten von Belobaka sind rund 11 Kilometer von Mahajanga entfernt und in einem Tagesausflug sehr gut zu besichtigen.
Die eindrücklicheren Höhlen von Anjohibe hingegen liegen rund 60 Kilometer auf Naturpisten nordöstlich von Mahajanga und benötigen eine oder zwei Übernachtungen vor Ort.

Februar 2021, geschrieben von Mickael PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Tsingy von Bemaraha

2860 – NationalparkTsingy von Bemaraha

Der Nationalpark Tsingy von Bemaraha liegt etwa 300 km westlich der Hauptstadt Madagaskar in der Region Melaky. Von der Küstenstadt Morondava aus erreicht man diesen Nationalpark nur mit einem Geländewagen und nach etwa 210 km Fahrt, z.T. über eine beschwerliche Piste.

Eine andere Möglichkeit ist, in Miandrivazo mit der Fähre über den Tsiribihina zu setzen und über eine noch beschwerlichere Piste zu den Tsingy von Bemaraha zu fahren.

Trotz der abenteuerlichen Anfahrt über die schlechte Piste und der Abgeschiedenheit dieses Nationalparks, sind die Tsingy einen Besuch wert. Die Tsingy von Bemaraha stellen eines der sehenswertesten Naturwunder der ganzen Welt dar. Aufgrund seiner einmaligen Struktur und der Fauna und Flora wurde dieser Nationalpark schon sehr früh unter Schutz gestellt. Erst seit im Jahr 1990 wurde er wegen seiner fantastischen Karstlandschaft zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Seitdem bemühte sich die UNESCO verschiedene Wanderwege im Park zu erschliessen und erst 1997 wurden sie zum offiziellen Nationalpark erklärt.

Beeindruckend ist dieser Nationalpark besonders durch die einzigartigen Kalknadelspitzen, eben die “Tsingy“. Mit über 1577 km² gehört der Nationalpark Tsingy von Bemaraha im Distrikt Antsahavola zu einem der grössten Naturschutzgebiete Madagaskars. Er erstreckt sich vom Beramaha-Plateau bis zum Manambolo Fluss und liegt zwischen 75 und 700 m über dem Meeresspiegel. Das Wort Tsingy kommt von einem madagassischen Ausdruck “mitsingitsingina“, was wörtlich übersetzt “auf den Zehnspitzen gehen“ heisst – dieser Name beschreibt das Aussehen der hier zu findenden geologischen Formation.

Tsingy von Bemaraha
Der Nationalpark Tsingy von Bemaraha besteht aus unzähligen, bis zu 30 m Meter hohen steinernen Spitzen, die den gesamten Nationalapark wie ein spektakulärer Wald aus Felsnadeln bedecken. Es handelt sich bei den Tsingys um ein verwittertes und zerklüftetes Kalksteingebirge, das von Flüssen und einem Höhlensystem durchgezogen ist. Diese bizarren Felsformationen sind aus einem marinen Kalksteinplateau entstanden, denn als Madagaskar vor 200 Millionen Jahren teilweise unter Wasser lag, gab es hier ein riesiges Korallenriff. Nachdem der so entstandene Stein nicht mehr im Meer lag, schuf die Erosion des Regenwassers ein seltsames Labyrinth aus bedrohlichen Felsnadeln. Dieses System aus Schluchten und Kalksteinspitzen bildet ein Phänomen, welches das Gebiet zu einer der erstaunlichsten Landschaften der Welt macht. An mehreren Stellen finden sich noch die Strukturen der Korallen und Fossilien im Gestein.


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Neben dieser geologischen Wunderwelt beherbergt das nationale Reservat Tsingy von Bemaraha auch eine artenreiche Fauna und Flora. Wie in jedem Nationalpark in Madagaskar sind ca. 80% davon endemisch. Die felsige Oberfläche des Plateaus der Tsingys von Bemaraha ist teilweise mit dem einzigartigen madagassischen Trockenwald bedeckt, dessen Bäume sich an die Trockenheit angepasst haben. In der höher gelegenen Savanne wachsen die einzigen wilden Bananenstauden oder „musa perrieri“, Ebenhölzer und natürlich auch die Baobabs. Im Nationalpark Tsingy von Bemaraha wachsen etwa 650 verschiedene Pflanzenarten: darunter die sukkulenten Pflanzen wie die wunderschönen Orchideen oder Flaschenbäume.

Durch die vielfältigen Lebensbedingungen gibt es im Tsingy von Bemaraha Nationalpark auch eine Vielzahl an Tieren. Das grösste madagassische Raubtier, der “Fossa“, fühlt sich wohl hier. Die Schleichkatez ist allerdings sehr scheu und meidet den Menschen. Etwa 13 verschiedene Lemurenarten wie die Bambuslemuren, die Van-Decken-Sifakas, die Mausmakis tummeln sich in den üppig grünen Bäumen des Parks. Die ortskundigen Guides werden den Besuchern die etwa 90 Vogelarten im Park gerne zeigen, darunter den Fischadler oder „Ankoay“, den Seidenkuckuck und die Madagaskar-Ohreule. In den Höhlen und Felsendomen sind Fledermausspezies zu Hause, die man auch tagsüber zu Gesicht bekommen kann. Auch die Reptilienfreunde werden hier gar nicht enttäuscht: mit über 60 Arten sind die Schuppentiere vertreten. Mit sehr viel Glück entdeckt man hier die seltene Schienenschildkröten oder Erymnochelys madagascariensis und die Brookesia perarmata, ein bodenwohnendes Zwergchamäleon, dessen stachelbewehrter Körper sich vor dem Hintergrund des porösen Kalkgesteins optisch auflöst. Auch einige Amphibienarten kann man hier entdecken.

Im Park gibt es mehrere erschlossene Wanderwege, von denen zwei am häufigsten besucht werden: der einfachste Weg ist die Wanderung zu den sogenannten Petits Tsingys. Wer eine abenteuerliche Wanderung mit Hängebrücke und Klettersteigen bevorzugt, sollte eher die Grands Tsingys besuchen.

Tsingy von Bemaraha
Bevor man aber zu den “Grossen Tsingys“ aufbricht, lohnt sich eine Wanderung durch die “Kleinen Tsingy“. Die Wandertour durch die Petits Tsingy eignet sich für alle, denn sie sind leicht zu erreichen. Dennoch bieten sie, wie auch die Grossen Tsingy, eine Vielfalt an Vegetation und Tieren. Die 2-stündige Flussfahrt auf dem Manambolo-Fluss gehört zum Highlight dieser Wanderung. Bei der Flussfahrt wird man die unwirklichen Schluchten und Höhlen des Manambolo entdecken, hier verstecken sich verschiedene Sukkulenten, Baobabs und andere Pflanzenarten.

Während der Flussfahrt mit einer traditionellen Piroge kann eventuell ein kurzer Zwischenstopp bei den Höhlen mit “Gräbern der Vazimba“ und mit schimmerndem Tropfstein eingeplant werden. Die Tsingy gehören zu einem der “heiligen“ Orte in Madagaskar und haben darum eine starke spirituelle Bedeutung. Sie dienten den “Vazimba“, der madagassischen Urbevölkerung als Heimstatt. Nach einer Legende lebten die Vazimba hier am Flussufer des Manambolo lange vor der Ankunft der Südostasien- und die Afrika-Einwanderer. Für die Einheimischen haben die Vazimba übernatürliche Fähigkeiten, so gehen sie öfter zu diesem “heiligen Ort“, um ihre Verehrung auszudrücken und um Beistand zu bitten.

Immer mit einem ortskundigen Guide bewältigt man die Andadoany und Angeligoa Circuits, denn die Kleinen Tsingy sind ein Labyrinth aus Schluchten. Die verwirrende Topografie der Tsingy wird hier besonders deutlich. Neben der Beobachtung der unzähligen Schluchten gehört die Wanderung durch den “Jardin des Pachypodes“ zum Schwerpunkt dieses Wanderwegs. Der Weg führt über Leitern, Treppen und Stufen bis zu diesem kleinen grünen Garten. Erstaunlicherweise wachsen hier kontrastreich, inmitten der Felsnadeln, eine Vielzahl an Didieraceen, Pachypodien, Baobabs und noch andere Arten von Sukkulenten. Zwischen September und Oktober ist der Besuch besonders spektakulär, denn dann blühen die Pflanzen in den erstaunlichsten Farben.

Tsingy von Bemaraha
Ohne Zweifel gehören aber die Grossen Tsingy zum wahren Grund jedes Besuchs des Nationalparks Tsingy von Bemaraha. Die Landschaft der Grossen Tsingy ist von beindruckenden, unzähligen, riesigen Felsnadeln geprägt. Hier ragen die Nadelspitzen bis zu 50 m Meter in die Höhe. Daher verlangt die Rundwanderung eine gute körperliche Verfassung und Geschicklichkeit beim Klettern. In den Grossen Tsingy gibt es einen gut ausgebauten Wander- und Kletterweg, über den man mitten ins Labyrinth der Tsingy-Felsnadeln gelangt. Bei der Wanderung trägt man natürlich ein Klettergeschirr, damit man beim Klettern abgesichert ist. Es ist ratsam, wenn man den Besuch am frühen Morgen beginnt, um die unerträgliche Mittagshitze zu vermeiden und weil die meisten Tiere hier nur frühmorgens aktiv sind.

Man startet also frühmorgens in Bekopaka und fährt mit dem Auto über Graspisten und erreicht nach ein paar Kilometern die bizarren Felsen, die aus dem Boden ragen. Nach einer kurzen Instruktion durch die Guides geht es durch schmale Canyons, die das Regenwasser in den Kalkstein gefressen haben. Bald erreichen wir dunkle Höhlen und steigen über steile Leitern. Der Höhepunkt ist eine längere Hängebrücke über einen tiefen Canyon.

Tief unten in den Canyons ist die Vegetation feucht tropisch. Oben auf den Spitzen sitzen nur Sukkulenten oder aber Pflanzen mit langen Luftwurzeln, die bis in den Canyongrund reichen, wo es das ganze Jahr über Wasser hat.

Tsingy von Bemaraha
Die Wanderung ist sehr abwechslungsreich. In den Höhlen hausen die Fledermäuse, in den kleinen Gewässern wachsen Mangrovenwäldchen, alles ist ein riesiger Irrgarten in einer einzigartigen Natur. Wenn man Glück hat, sieht man auch eine Gruppe Lemuren über die spitzen Nadeln springen.

Auf dem höchsten Punkt angekommen wird man mit einem wunderschönen Ausblick über die zahlreichen Seen oder die kleinen Dörfer in der Ferne belohnt.

Am Ende der Wanderung gelangt man zu einem Wald, in dem viele einheimische Tiere beheimatet sind. Hier begegnet man einer Gruppe von roten Makis. Sie halten sich auf den Bäumen bzw. auf kleinen Tsingy-Ausläufern auf. Auch die Wieselmakis blinzeln den Besucher mit ihren grossen Kulleraugen aus einer Höhle oben in einem Baum an. Hier kann man den Seidenkuckuck gut beobachten. Manchmal streifen diese hübschen Laufvögel mit langem Schweif über den Waldweg.

Die skurrile Felslandschaft des Tsingy Nationalparks gilt als die wunderschönste Sehenswürdigkeit in Madagaskar. Wer im Westen unterwegs ist, darf diesen Nationalpark nicht verpassen. Guter Sonnenschutz und gute Wanderschuhe, ausreichend Wasser und eine Taschenlampe und natürlich ein Fotoapparat sollten nicht fehlen. Der Besuch ist nur während der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober möglich. Während der Regenzeit ist die Piste nach Bekopaka nicht befahrbar und auch in den Canyons liegt z.T. zu viel Wasser.

Februar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morondava-Tsingy

2850 – Morondava – Bekopaka (Tsingy von Bemaraha)

Von Morondava durch die Baobab Allee zu den skurrilen Kalkfelsen von Bemaraha.

Es sind zwar “nur“ 200 km von Morondava bis zum Nationalpark von Bemaraha, aber die Fahrt dauert mindestens neun Stunden auf einer sehr schlechten Piste. Die Strecke ist nur mit einem Geländewagen befahrbar. Es ist eine recht abenteuerliche Reise durch eine schöne Landschaft. Die meisten BesucherInnen kombinieren die Besichtigung des Nationalparks von Bemaraha vorgängig mit der Flussfahrt auf dem Tsiribihina.

Im Allgemeinen gibt es zwei Routenmöglichkeiten:
– Erstens ab Miandrivazo mit der Piroge auf dem Tsiribihina-Fluss bis Belo sur Tsiribihina (ca. 4 Tage), dann Autofahrt auf der schlechten Piste etwa 100 km bis Bekopaka, das heisst ungefähr 4 Stunden.
– Die zweite Möglichkeit ist die Autofahrt ab Morondava über Belo sur Tsiribihina bis Bekopaka (ca. 9 Std.).

Morondava-Tsingy
Von Morondava geht unsere Reise auf einer unbefestigten Piste, die teilweise ganz gut zu befahren ist, teilweise aber grosse Schlaglöcher und Wellen aufweist. Zwei Flüsse müssen auf dieser Reise überquert werden: der breite Fluss Tsiribihina bei Belo sur Tsiribihina und der schmale Fluss von Manambolo am Rand der Tsingy von Bemaraha. Über diese Flüsse gibt es keine Brücken. Doch es stehen Fähren im Einsatz.


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Bereits 12 km nördlich von Morondava bewundern wir die wohl berühmteste Attraktion Madagaskars: die “Baobab Allee“. Beiderseits der Piste befinden sich die endemischen Baobab, die aufgrund ihrer einzigartigen Form als Kopfstandbaum bezeichnet werden. Diese auffälligen Baobab sind bis zu 35 Meter hoch. Der Baobab oder Affenbrotbaum ist ein aussergewöhnlicher Baum. Alle Teile des Baumes werden für etwas gebraucht. Vor allem die Früchte sind beliebt. In den braunen, gut faustgrossen Früchten sind die Samen in eine schwammartige Pulpa eingelagert. Diese hat einen süsssauren Geschmack und ist reich an Vitamin C. In der Umgebung von Morondava wachsen drei Baobab-Arten wie Adansonia grandidieri (Vater oder Mutter des Waldes), sowie Adansonia Za, die 10 bis 40 Meter Höhe hat und Adansonia rubostripa, die man auf Fels- oder Sandböden im südlichen Menabe findet. Diese Allee der Baobabs ist weltbekannt und eines der Wahrzeichen Madagaskars. Hier haben wir die Gelegenheit, schöne und atemberaubende Fotos, vor allem bei Sonnenuntergang zu machen.

Morondava-Tsingy
Nach ca. zwei Stunden Fahrt (etwa 60 km) von der Baobab-Allee, erreichen wir das Dorf Marofandilia, wo der Trockenwald der Kirindy-Forststation liegt. Ein Besuch in diesem Naturschutzgebiet lohnt sich vor allem für Wissenschaftler, denn es handelt sich um eine alteingesessene Forschungsstation. 1993 wurde dieses Schutzgebiet von einem Deutschen eingerichtet, deshalb kommen immer wieder Forscher und Studenten vor allem aus Deutschland hierher. Mit mehr als 72’000 ha Fläche ist dieses Reservat wegen der Fossa (Cryptoprocta ferox) bekannt. Dieser Nationalpark beherbergt eine artenreiche Fauna und Flora wie Mikrocebus, Vögel, Reptilien, Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Eine Nachtwanderung durch den Park ist besonders interessant, denn viele hier lebenden Reptilien und Säugetiere sind nachtaktiv. Einer der berühmten Nachtaktiven, die nur in diesen Wäldern vorkommt, ist der Berthe-Mausmaki (Microcebus berthae), der nur 25-30 Gramm aufbringt.
Bezüglich der Flora finden wir hier Rosenholz und Arten von Affenbrotbäumen. Ein Dokumentationszentrum über das Leben und die Traditionen der Region wurde ebenfalls eingerichtet. Als Unterkunft befindet sich eine Ecolodge im Park.

Nach der Entdeckung des Kirindy-Forest fahren wir weiter nach Belo sur Tsiribihina. Dazu ist auch eine Fähre zu nehmen. Die Fähre besteht aus einer simplen Plattform mit Motor. Doch sie versieht ihren Dienst wacker und ziemlich zuverlässig.

Früher galt Belo sur Tsiribihina als Hauptstadt des einstigen Königreichs Menabe. Hier befinden sich noch zahlreiche Grabstätten mit den berühmten Skulpturen der Sakalava. Aber für einen Besuch muss man einige Bedingungen erfüllen, denn unzählige Grabräuber dezimierten diesen kulturellen Schatz der Sakalava. Die noch existierenden Grabmäler sind nur durch dichtes Mangrovendickicht und einen schlammigen Pfad erreichbar.

In Belo sur Tsiribihina ist die Fitampoha oder auch die Waschung der Königsreliquien eines der wichtigsten Feste der Sakalava. Diese Zeremonie findet alle fünf Jahre im August statt. Es handelt sich um eine Totenfeier. Während dieser Zeremonie werden die Gräber der Könige geöffnet und die heiligen Grabbeigaben, wie die Fingernägel und die Haare der Toten werden zum nahen Fluss transportiert und dort gewaschen. Während der Prozession warten die Festteilnehmer auf das Erscheinen des Königsgeists, gleichzeitig tanzen sie und der Totengeist teilt seine Wünsche mit. Vor und während des Fests muss man viele Fadys (Verbote und Gebote) beachten, beispielsweise darf man nur barfuss gehen.

Morondava-Tsingy
Nach der langen Fahrt über eine relativ schlechte Piste von Belo sur Tsiribihina erreichen wir schliesslich das Dorf Bekopaka. Diese Strecke ist nur während der Trockenzeit befahrbar. Unterwegs fällt die Zerstörung der Wälder deutlich ins Auge (Brandrodung).
Nochmals überquert man mit einer simplen Plattformfähre den Fluss Manambola und erreicht dann am Nordufer das Dorf Bekopaka.

Bekopaka ist der Ausgangspunkt für die Wandertour zu den Tsingy von Bemaraha. Dieser Park ist einer der grössten Naturschutzgebiete von Madagaskar. Hier erwarten uns die unvergleichlichen Kalksteinformationen, die Grotten der Gorges Bemaraha und eine beeindruckende Fauna und Flora. Es lohnt sich mindestens zwei ganze Tage im Park zu verbringen, um die wunderschöne Natur zu geniessen. Es gibt hier mittlerweile auch korrekte Unterkünfte, sodass ein jeder Sonnenuntergang ganz romantisch wird.

Februar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Andohahela Nationalpark

2730 – Nationalpark von Andohahela

Der Nationalpark von Andohahela befindet sich im extremen Südosten von Madagaskar in der Region Anosy.

 Man erreicht den Nationalpark von Andoahela auf der Nationalstrasse RN13 von Fort Dauphin aus in Richtung Westen. Dieses Schutzgebiet liegt inmitten der Ausläufer des Gebirgszuges, der sich von Norden nach Süden zieht. Wegen seiner Vielfältigkeit ist er ein ganz besonderer Nationalpark, denn er beherbergt verschiedene Waldtypen. Hier findet man den endemischen Primär-Dornenwald, einen Trockenwald und ebenso tropischen Feuchtwald.

Dieser Park beherbergt eine grosse Vielfalt an Ökosystemen und bildet den Übergang zwischen dem Süden und dem Osten Madagaskars. Wegen der Mischvegetation findet man hier viele Pflanzenarten wie Baobabs, Orchideen, Aloen, Pachypodien, Dreieckspalmen, Tamarinden und viele andere tropische Pflanzen. Auch die Tierwelt ist vielfältig vertreten mit Lemuren, Reptilien und Vögeln.

Andohahela Nationalpark
An der Klimascheide treffen die verschiedenen Vegetationstypen messerscharf aufeinander: der feuchte Ostküstenregenwald und die typische Trockenvegetation des heissen Südens. Mit 76.000 ha Fläche und Höhen bis 1957 m bietet dieser Park verschiedene Wandertouren wie Tsimelahy, Mangatsiaka oder Allée des Sifaky, Manangotry und Malio.


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Tsimelahy ist die von den Reisenden am meisten gewählte Tour, denn es ist die leichteste Tour. Im Gebiet des Übergangswaldes sind einige Baobabs und eine schöne, rosagefärbte Granitschlucht zu sehen. Auf dem Fussmarsch findet man nicht nur zahlreiche Pachypodien und andere endemische Pflanzen, sondern auch einen wunderschönen natürlichen Pool. Auf dieser Wandertour begegnet man immer wieder der berühmten Dreieckspalme (Dypsis decaryi), die es nur in dieser Region gibt. Aber auch die Landschaft geizt nicht mit ihren Reizen.

Andohahela Nationalpark
Eine andere Tour ist Mangatsiaka oder Ihazofotsy. Die Besonderheit in dieser Zone ist der trockene Wald, der durch die ursprüngliche Vegetation des Südens kennzeichnet ist. Auf dieser Wandertour kann man am frühen Morgen Lemuren wie Larvensifakas (Propithecus verreauxi), Vögel und Reptilien in grosser Zahl beobachten.

Im südöstlichen Teil des Parks liegt die Zone des Regenwaldes. Hier hat man ein ganz besonderes Erlebnis, denn hier dominiert ein feuchtes Klima. Diese Tour wird seltener begangen, einerseits wegen der anstrengenden Anfahrt. andererseits wegen der Länge der Tour. Es ist ein Auf und Ab über steile Wege und Stege. Die 25 km lange Tour macht man besser in zwei Tagen und campiert in Malio.

Andohahela Nationalpark
90% der Pflanzen in diesem Park werden auch in der Medizin verwendet. Tatsächlich gehören diese Pflanzen zum Alltagsleben der Einheimischen. Wurzeln, Rinde, Blätter, Blüten werden gegen verschiedene Krankheiten verwendet. In den Dörfern kennt jeder die Verwendung der Heilpflanzen, und diese Kenntnisse werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Februar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morombe

2920 – Morombe

Das Städtchen Morombe liegt etwas verloren zwischen Morondava und Tulear an der Westküste von Madagaskars.

Dieses einstige Strandparadies liegt 200 km südlich von Morondava. Mehrere Reisende fahren entlang der Westküste Madagaskars wegen der Badeorte wie Belo sur Mer, Morombe, Andavadaoka, Salary und Ifaty. Die Reise endet dann in Tulear.

Morombe oder “grosser Strand“ war auch in der Nachkolonialzeit ein sehr beliebter Badeort der Franzosen. Aber ab 1970 kamen wegen der Uneinigkeit zwischen Frankreich und Madadaskar nur noch wenige Reisenden an diesen Ort. Die Hauptattraktion von Morombe ist die herrliche Lagune, denn sie wird gegen das Meer hin durch ein riesiges, atemberaubendes Korallenriff begrenzt. Auf der Höhe der Stadt und gegen Norden hin zieht sich ein 10 km langer, streckenweise guter Badestrand. Dieser Strand ist auch immer von Fischern und Bootsbauern belebt.

Morombe
Auf Madagaskar gibt es 18 Ethnien und jede hat seine eigene Kultur und Tradition. Eine dieser Ethnien sind die Vezo, sie werden auch “Nomaden des Meeres“ genannt, denn sie sind eine der letzten nomadischen Volksgruppen im Land. Diese Untergruppe der Sakalava lebt heute rund um die Stadt Tulear in Anakao und bis Ifaty, Salary bis Morombe. Die Vezo leben hauptsächlich vom Fischfang und dafür fahren sie weit aufs Meer hinaus. Für die Vezo ist das Meer ein heiliger Ort, denn sie glauben an einen Gott, der das Meer beherrscht. Im Allgemeinen sind sie mit ihrer Tradition sehr verbunden, beispielsweise muss ein Vezo am Ort seiner Geburt begraben werden, um den Faden mit seinen Vorfahren nicht zu verlieren. Deshalb haben sie viele Fady (Verbote).

Ab Morombe bis Tulear hat man viele Gelegenheiten, um das Alltagsleben des Vezo kennenzulernen. Bemerkenswert ist aber vor allem die Lebensfreude der Bevölkerung. Sie sind die einzige madagassische Volksgruppe, die keine Beschneidungen der Knaben vornimmt, obwohl es sich um ein wichtiges Ritual auf Madagaskar handelt.


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Früher war die Stadt für den Anbau der sogenannten Mondbohnen und Limabohnen bekannt. Dank der Flüsse leben die Bewohner in Morombe auch vom Maniok-, Mais- und Reisanbau. Verschiedene Produkte des Mangoky-Tales und -Deltas wie Baumwolle, Zucker, Bananen werden hierher transportiert.

Etwa 40 km nordöstlich von Morombe befinden sich der Ihotry-See. Es handelt sich um den drittgrössten See von Madagaskar, sein Wasser ist leicht salzig. Dieses Gebiet ist wenig bekannt, obwohl es Lebensraum für viele Wasservögel ist. Ornithologen und Naturliebhaber kommen oft hierher.

Morombe
In Morombe und seiner Umgebung befinden sich zahlreiche Baobabs. 80 Kilometer von Morombe entfernt liegt der Ampanonga-Wald (“Foret d’Ampanonga“). Hier findet man viele Affenbrotbäume, darunter ist der Adansonia grandidieri, der auch „Reniala“ genannt wird. Es ist quasi ein Baobab-Wald, obwohl die Bäume eher vereinzelt stehen. Neben den Baobabs ist die Küste auch mit artenreichen Mangrovensystemen bestückt. Nördlich von Morombe und in der Region um Belo sur Mer liegt der Nationalpark Kirindy-Mitea, der zwei Vegetationstypen umfasst: im Westen der Trockenwald und im Süden der Dornenwald. In allen Gebieten leben auch Lemuren.

Es ist empfehlenswert, zwei oder drei Tage in Morombe zu verweilen, um das Meer und den Strand zu geniessen. Auch wenn Morombe keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten aufweist, lohnt sich ein Stopp hier auf der Fahrt entlang der Westküste. Eine Autostunde südlich von Morombe erreicht man den Badeort Andavadaoka mit seinen langen und weissen Stränden. Dies ist das Ferienparadies schlichthin. Aufgrund seiner Abgelegenheit aber nur wenig besucht – was ja Vorteile und Nachteile hat.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Mangabe

1680 – MAROANTSETRA UND DIE INSEL NOSY MANGABE

Maroantsetra, ein beschauliches Städtchen am Ende einer Bucht. Ein Traum aller Seefahrer.

Durch seine isolierte Lage ist Maroantsetra ein ruhiges Städtchen, es hat einen kleinen Hafen und ist ein regionales Schiffbauzentrum in der geschützten Bucht von Antongil. Maroantsetra ist Provinzhauptstadt und liegt ca. 100 km nördlich von Mananara. Die Gegend ist eine der regenreichsten von ganz Madagaskar. Von Süden her ist Maronatsetra während der Trockenzeit über eine abenteuerliche und sehr schlechte Schlammpiste und nur mit einem speziellen Geländewagen mit erhöhter Bodenfreiheit erreichbar. Die Landschaft ist aber abwechslungsreich, wild und vor allem unberührt.
Am besten ist dieser abgelegene Ort per Flugzeug 1- oder 2-mal pro Woche ab der Hauptstadt Antananarivo oder ab Tamatave erreichbar.

Im Kleinstädtchen Maroantsetra regnet es fast das ganze Jahr über, besonders zwischen Januar und August. In der Trocken-Periode ab September bis Dezember regnet es dann weniger. Die Summe der Niederschläge beträgt 3275 mm.

Die malerische Stadt ist umgeben von einer grossen Agrarregion und neben der Arbeit auf den vielen Vanille-, Kaffee- und Nelkenplantagen stellt der Fisch-, die Krabben- und der Garnelenfang einen wichtigen Erwerbszweig in dieser Gegend dar. Die Stadtbewohner sind freundlich und der Besuch des üppigen Marktes unter freiem Himmel mit den verschiedenen tropischen Früchten, dem frischen Gemüse und anderen Lebensmitteln erweist sich als sehr interessant. Im lebhaften Kleinstädtchen befindet sich auch eine nicht unbedeutende Schiffswerft. Es lohnt sich, vor der kurzen Stadtbesichtigung einige Grussworte auf madagassisch wie „Mbola Tsara“ oder „salama e“ einzuprägen. Schauen Sie den Leuten der Betsimisaraka-Volksgruppe bei ihrer täglichen Arbeit zu oder blicken Sie in die schüchternen, aber strahlenden Kindergesichter und beobachten Sie die Gelassenheit der Einheimischen, denen man meist ihre afrikanischen Vorfahren ansieht.

Das Spezialreservat von Nosy Mangabe sieht man von Maroantsetra aus wie mit einem dicken Dunstschleier in einem Blauton bedeckt, daraus stammt dieser besondere Name “die grosse blaue Insel“ oder auf madagassisch Nosy Mangabe.

Nosy Mangabe
Die Europäer haben dieses schöne Eiland schon früh entdeckt und die Piraten haben in den gut geschützten Buchten viele Unterschlüpfe gefunden. Zeugen davon sind die Grotten und gemeisselten Felsen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die “Plage des Hollandais“, das Schiffswrack vor den Klippen sowie der verrostete Leuchtturm auf dem Gipfel im nördlichen Teil der Insel. Auf dieser Insel war damals auch der Ort für den Warenaustausch der holländischen und europäischen Seepiraten und diente natürlich auch der Verschiffung der gekauften Sklaven nach Afrika und Europa.

Ein Ausflug nach Nosy Mangabe ist gut zu kombinieren mit dem Aufenthalt auf der Masoala Halbinsel. In der Bucht von Antongil kann man zwischen Juli und September die riesigen Buckelwale beobachten.


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Die Bootsfahrt zur Insel dauert ca. eine halbe Stunde und führt zuerst an der Westküste der Insel entlang. Je nach Lust und Laune und je nach Interesse können die Besucher die Nacht in den überdachten Zeltstellen verbringen oder am späten Nachmittag nach Maroantsetra zurückfahren. Der Besuch dieser unbewohnten und hügeligen Insel hängt hauptsächlich von der Wetterlage ab und das Programm als Tagesausflug oder mit Zeltübernachtung muss immer im Voraus mit dem Lokalguide geklärt werden.

Auf der Insel gibt es nämlich keine Restaurants und keine Einkaufsmöglichkeiten, so müssen die Ausflügler Proviant und Wasser aus Maroantsetra mitnehmen.

Dieses Naturreservat mit ca. 520 ha wurde ca. um 1960 speziell für die besonders gefährdeten und seltenen gewordenen Fingertiere oder Aye Aye (Daubentonia Madagascariensis) eingerichtet, um diesen Lemuren eine sichere Heimat zu geben. So wurde dieses “Réserve Spéciale“ zu einem Schutzgebiet für die wenigen eingeführten Lemuren und sie konnten sich im Laufe der Jahre ungestört vermehren. Im Vergleich zu den anderen Lemurenarten wie dem niedlichen „Vari“ oder dem possierlichen Lemur Catta wirkt der nachtaktive Aye Aye anders als die anderen Primaten. Sie haben ein extrem struppiges und schwarzes Fell, dazu weit aufgerissene stechende Augen und einen buschigen Schwanz, ausserdem sind sie auch sehr scheu und sehr selten zu finden.

Nosy Mangabe
Der Aye Aye hat ungewöhnlich grosse Fledermausohren, mit denen er die in hohlen Bäumen oder unter der Baumrinde verborgenen Insektenlarven hört. Mit den ständig nachwachsenden Zähnen zerbeisst er das Holz, in dem diese “Eiweisslieferanten“ versteckt sind. Die Finger sind knochig dünn und extrem lang, wobei der Mittelfinger die übrigen in der Länge um die Hälfte übertrifft. Dieser spielt eine grosse Rolle, indem diese geheimnisvollen “Nachtgeister“ mit diesem geübten Finger die Insektenmaden aus den morschen Bäumen herausstochern oder das Fleisch von angenagten Kokosnüssen auslöffeln. Mit den nagetierähnlichen Zähnen knacken sie auch Ihre Lieblingsspeise, wie die hartschaligen Samen oder die verschiedenen wilden Früchte im Regenwald.

Ein Tagesausflug mit Inseldurchquerung auf den wenigen Fusspfaden ist ein “Muss“ auf dieser Insel und eine Zeltübernachtung im Urwald ist für Naturfreunde natürlich sehr empfehlenswert.

Im Lichtkegel der Taschenlampen können die Lokalguide bei einer Abendwanderung viele Nachttiere zeigen. In diesem eindrucksvollen Urwald leben verschiedene Amphibien und Reptilien wie Frösche, Chamäleons, Schlangen, Eidechsen aber auch die kleinste Chamäleon-Art, die sogenannte Brookesia, die schwierig zu finden ist, weil dieses Reptil nicht grösser als ein Daumennagel ist. Die besonders gut getarnten Plattschwanzgeckos, auch Blattschwanzgeckos genannt (Uroplatus fimbriatus) sind auch eine Hauptattraktion in diesem Naturschutzgebiet, die bei einer Tages- oder Nachtexkursionen gut beobachtet werden können. Auch die Mausmakis springen fleissig durchs Gehölz und die Guides erkennen sie sofort an ihren zirpenden Geräuschen und ihren reflektierenden roten Augen.

Nosy Mangabe
Aber auf dieser “Blauen Insel“ leben natürlich auch viele tagaktive Lemuren. Die Brauen Lemuren tauchen immer in der Nähe des Zeltplatzes auf und die schwarz-weissen Varis (Varecia Variegata) mit ihren lauten und schrillen Schreien sind sehr leicht zu finden, denn man kann sie schon vom Weiten hören.

Beim Aufstieg auf den höchsten Punkt der Insel mit 350 m über dem Meeresspiegel sieht man ein paar Grabstätten an einem heiligen Ort. Der dichte Wald wurde damals teilweise abgeholzt. Dies ist der Beweis, dass diese schöne und ursprüngliche Insel schon in vergangenen Jahrhunderten von der ortsässigen Betsimisaraka-Volksgruppe (die vielen, die sich nicht trennen lassen) besiedelt war.

Einen Bootsausflug nach Nosy Mangabe kann man natürlich auch mit einem Besuch des Nationalparks von Masoala kombinieren.

Die Halbinsel Masoala heisst wörtlich auf madagassisch “das Auge des Waldes“ und ist ein bezeichnender Name für das faszinierende Juwel am östlichen Punkt Madagaskars.

Januar 2021; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Sambava

1610 – SAMBAVA

Die Nordostroute ist als die “Duft- und Gewürzroute“ oder auch als die “Vanilleroute“ bekannt und zieht sich entlang der nördlichen Ostküste.

Hier liegt auch das grosse Anbaugebiet von Vanille, von Gewürznelken, Pfeffer, Kaffee und Kokosnüssen … Vom Regenwald umgeben und fast nur auf dem Luftweg erreichbar, ist dieser SAVA-Nordteil trotzdem eine der Lieblingsdestinationen der Reisenden.

Sambava, mit dem Spitznamen “die Vanillestadt“, ist das grösste Zentrum der Vanilleproduzenten in dieser SAVA-Region (Sambava, Antalaha, Vohémar, Andapa). Die Stadt liegt im Mündungsgebiet von mehreren Flüssen, auf madagassisch heisst das “Sahambavany“ und aus dieser Bezeichnung ist der Name “Sambava“ abgeleitet, was wörtlich bedeutet “wo sich die vielen Flüsse treffen und später ins Meer münden“. Schon vom Flugzeug aus ist dieses weit verzweigte Flusssystem beeindruckend, es wechselt sich ab mit grünen Waldgebieten, saftig hellgrünen Reisefeldern und dunkelgrünen, kilometerlangen Kokosplantagen.

Die reiche Stadt Sambava lebt neben dem Anbau und dem Export des “Schwarzen Goldes“ auch vom Tourismus und hat einiges zu bieten: ausgedehnte, weisse Sandstrände, wo der Indische Ozean, wie überall an der Ostküste Madagaskars, wild und stürmisch an die unberührten Strände rollt. Auch charmante Gasthäuser, kleine Strandhütten und komfortable Hotels in verschiedenen Kategorien säumen die Strassen im Stadtzentrum. Deswegen ist die Sava-Region schon länger auf Tourismus eingestellt. Bei klarem Wetter hat man einen weiten Blick entlang der Küste und ins Landesinnere bis zum Tsaratanana-Massiv, das bis auf 2876 m über den Meeresspiegel aufsteigt. Am Strand bei den Hotels können die Reisenden baden, aber bitte Vorsicht, die Brandung des Indischen Ozeans ist in dieser Gegend nämlich ziemlich stark. Gelegentlich, wenn man Glück hat, kann man in den Monaten August und September zur Mittagszeit die riesigen Buckelwale beobachten, die draussen im Meer springen und bis zur Tropeninsel Sainte Marie vorbeiziehen.

Vanille – das “Schwarze Gold“

Die Vanille ist eine Orchideenart und stammt ursprünglich aus Mexiko. Die Spanier brachten sie nach Europa in die Botanischen Gärten. Durch die Franzosen fand sie den Weg nach La Réunion und sie wurde hier angebaut (Bourbon-Vanille). Bauern haben sie aus der Nachbarinsel La Réunion anfangs des 20. Jahrhundert wegen des steigenden Weltmarkbedarfs hier in diesem Nordteil Madagaskars eingeführt. Tüchtige Geschäftsleute sind im Laufe der Zeit zu sogenannten “Vanille-Baronen“ geworden und haben die SAVA-Region zu einem wichtigen Siedlungsschwerpunkte gemacht. Seither wird fast 2/3 der Weltproduktion bzw. des Vanilleweltbedarfs in diesem grünen Dreieck Sambava, Antalaha, Vohemar und Andapa produziert und neben anderen Exportgütern wie Pfeffer, Gewürznelken usw. ab dem Hafen Antalaha nach Europa und nach den Vereinigten Staaten verschifft.

Sambava
Eine ausgesprochen schöne Autofahrt in diesem Gewürzland führt durch ausgedehnte Plantagen und Felder mit Kaffee-, Nelken-, Litschi-, Mangobäumen oder auch niedere Bäume, an denen sich die wertvolle Vanille und der Pfeffer hochranken. Besuche und kurze Wandertouren durch die schöne Vanille-, Pfeffer- und Zimtplantage im Domaine d’Ambohimanitra sind machbar. Auch die fremde Duftpflanze Ylang Ylang mit ihrem betörenden Duft werden die Reisenden in dieser privaten Plantage kennen lernen. Ambohimanitra heisst wörtlich “der Hügel mit tausend Parfüm“. Hier kann man auch sehen, wie aufwendig jede Vanilleblüte von Hand bestäubt wird, weil die speziellen Kolibris und Bienen für die Vanillebetäubung hier in Madagaskar fehlen. Hier lernen die Gäste auch die verschiedenen Vanillesorten kennen, ihre Geschichte und die wichtige Rolle, die dieses Gewürz und Exportgut in dieser Vanillestadt und im gesamten Umland der SAVA-Region spielt. Jede einzelne Vanilleschote ist so wertvoll und kostbar, dass sie mit einem Nagelstempel (meistens mit Buchstaben) gekennzeichnet wird. Nach diesem erlebnisreichen Besuch können die Besucher im Restaurant mit einem schönen Panoramablick eine der vielen Spezialitäten der Region (zum Beispiel Fisch oder Garnelen) mit Vanillesauce probieren. Die madagassische Küche geniesst hier wirklich einen hervorragenden Ruf.


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Es sind nur 90 km von Sambava bis Antalaha, doch die ca. 2 bis 3 Stunden Autofahrt ist wegen der abwechslungsreichen Landschaft ein unvergesslicher Genuss für jeden Reisenden. Die gut ausgebaute Asphaltstrasse führt zeitweise am Meer entlang, mal überquert man Reisfelder oder ein paar Flussmündungen, manchmal fährt man durch Graslandschaften, durch weitläufige Vanilleplantagen oder durch malerische Dörfer, die von gepflegten Reisefeldern umgeben sind. Die guten klimatischen Bedingungen mit reichhaltigen Niederschlägen in dieser Region sind für den Anbau von Vanille und der verschiedenen Gewürzpflanzen extrem günstig. Das Küstengebiet, wo ständig die Passatwinde wehen, ist eine ziemlich feuchte Gegend mit viel Sonne zwischen August und Dezember und von März bis Mitte Mai.

Von Sambava aus sind Pirogenfahrten auf dem Bemarivo-Fluss im Norden oder dem Lokoho-Fluss im Süden sehr empfehlenswert. Beide Flüsse dienen als Transportwege für landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland und werden daher regelmässig von vielen Einbäumen und kleinen Booten befahren. So können die Tagesausflügler im Hinterland durch fruchtbare kultivierte Landschaften mit malerischen Dörfern bis zum Flussufer wandern, um von dort mit der Piroge oder dem Motorboot zurück an die Küste zu fahren: ein einmaliges Erlebnis entlang der verschiedenen Gewürzfelder und exotischen Dörfer mit den freundlichen “Betsimisaraka“ und den eingewanderten “Tsimihety“ oder anderer madagassischer Bevölkerungsgruppen. Die chinesischen Händler, die seit mehreren Generationen hier leben, plaudern auch gerne mit den “Vazaha“ (Fremde) auf den Pirogen, tauschen die letzten Neuigkeiten mit dem Piroguier aus.

Sambava
Ca. 2 km südlich der Stadt Sambava befindet sich die grösste Kokosplantage an der Nordostküste. Sie erstreckt sich rund 60 km Richtung Süden auf dem Weg nach Antalaha. Verwaltet von der berühmten Firma „Soavoanio“ (wörtlich übersetzt die wohlschmeckenden Kokosnüsse“) beschäftigt dieser Betrieb viele Arbeitskräfte, besonders während der Haupterntezeit von Juni bis November. Diese extrem grosse Kokosplantage ist eine wichtige Einnahmequelle in dieser Region, denn von der gepressten Kopra werden Öl, Seife, Tierfutter, verschiedene Kosmetikprodukte und Heilmittel hergestellt. Es ist interessant zu sehen, mit welchem Aufwand und welcher Gründlichkeit neue Sorten von Kokospalmen gezüchtet und wie die Kokosnüsse in verschiedenen Arbeitsschritten geschält, getrocknet und schliesslich gepresst werden.

Sambava ist ein guter Ausgangspunkt für viele Ausflüge oder Trekkingtouren und vor allem für den Besuch des hochinteressanten Nationalparks von Marojejy, ideal für jene, die die ausgetretenen Pfade verlassen wollen. Klima, Vegetation und Landschaften sind in diesem Naturschutzgebiet sehr vielseitig. Der faszinierende Marojejy Nationalpark mit der höchsten Erhebung von 2132 m ist von wasserreichen Flüssen und Bäche durchzogen und mit Bergnebelwald bedeckt. Hier beträgt der Regenniederschlag ca. 3000 mm pro Jahr, so dass es auch während der Trockenzeit zwischen September und Dezember viel regnen kann. Erwähnenswert sind auch die überaus gastfreundliche Lokalbevölkerung und die Weltabgeschiedenheit in dieser grünen und fruchtbaren Region, was ein Aufenthalt zu einem besonderen und unvergesslichen Erlebnis macht!

Januar 2021, geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Belo sur Mer

2910 – Belo sur Mer

Das Dorf Belo sur Mer ist eine Siedlung der Vezo, die als Seenomaden entlang der Westkste von Madagaskar leben.

An der Westküste Madagaskars befinden sich mehr Badeorte als an der Ost- und Südküste. Belo sur Mer ist einer der wunderbaren Orte zum Entspannen in dieser Region. Es liegt 80 km südlich von Morondava in der Region Menabe. Die Besonderheit dieses Dorf ist die Schiffsbaukunst. Daneben liegt hier die grösste Salzproduktion von ganz Madagaskar. Mehrere Freizeit-Aktivitäten und Ausflüge stehen hier zur Verfügung wie Tauchen oder Windsurfing.

Dieser Ort ist per Boot oder mit dem Auto ab Morondava erreichbar. Befahrbar ist die Piste aber nur zwischen Ende April und November. Ausserhalb dieser Zeit muss man sich auf Schiffe verlassen. Dank seiner paradiesischen Strände, der weissen Sandbänke, der Schönheit des Meeres und der Kokospalmen ist dieses Fischerdorf ein wunderbarer Ort für Badeferien.
Schnorchler und Taucher kommen hier voll auf ihre Rechnung. Ausserhalb des Dorfes gibt es eine Tauchbasis. Und wegen seiner farbenprächtigen Unterwasserwelt im vorgelagerten Riff macht das Tauchen besonders Spass. Auch die Ruhesuchende werden hier in der traumhaften Umgebung zufrieden sein.

Belo sur Mer liegt im Gebiet der Vezo-Ethnie. Die Vezo sind Fischer, Schiffsbauer und kaum Landwirte. Sie sind als Seenomaden mal hier, mal dort. Wie die Sakalava-Ethnie haben die Vezo auch eine aussergewöhnliche Kultur. Die Gräber der Vezo und Sakalava sind spektakulär, man sollte sich ihnen mit Respekt nähern. Die Gräber liegen zwischen Dünen und Lagunen und sind mit erotischen geschnitzter Holzstatuen versehen. Während eines Aufenthalts in Belo sur Mer lohnt sich ein Besuch in einem Fischerdorf, um das Alltagsleben der Vezo kennenzulernen. Gleichzeitig kann man eine Pirogenfahrt während des Ausfluges unternehmen.

Die Schiffsbaukunst ist die Spezialität der Vezo in Belo sur Mer. Am Strand kann man den Bau der hölzernen Frachtsegler mitverfolgen. Die Schiffe werden bis zu 20 m Länge in Handarbeit gefertigt, sie sind nach den Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert gebaut. Wie in anderen Regionen sind die Schiffe ein wichtiges Verkehrsmittel für den Warentransport entlang der Küste. Kleinere Schiffe, die Meerespirogen werden zum Fischen benötigt. Die Kunst des Schiffsbaus wird in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben, denn die Arbeit benötigt echte Fachkenntnisse.
Dazu haben wir vor ganz vielen Jahren einen Dokumentarfilm erstellt. Er ist zu sehen unter:

Ausser der Schiffsbaukunst ist dieses Fischerdorf für die Salzproduktion bekannt. Die Saline von Antsira ist die grösste in Madagaskar. Diese aussergewöhnliche Arbeit zieht viele Besucher an, die die Gewinnung von Salz in dieser Region entdecken möchten. Die Salzproduktion ist die Haupteinkommensquelle der hiesigen Bevölkerung.


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Wer zwei oder drei Tage in Belo sur Mer verbringt, kann die Besonderheit der Region kennenlernen. Hier hat man nur drei, vier Hotels zur Auswahl. Von Belo sur Mer kann man die Reise nach Süden bis Morombe fortsetzen und danach Badeorte wie Andavadaoka, Salary und Ifaty besuchen.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Flussfahrt auf dem Tsiribihina

2810 – Flussfahrt auf dem Tsiribihina

Die Westküste Madagaskars gehört zu den beliebtesten Orten der Reisenden. Die aussergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten und die wunderschöne Natur mit einigen spektakulären Landschaften wie die berühmte Allee des Baobabs und die Tsingy von Bemaraha haben diese Region bekannt gemacht. Einer der Höhepunkt einer Reise in den Westen Madagaskars ist die abenteuerliche Flussfahrt auf dem Tsiribihina. Schöne Landschaften und eine üppige Fauna und Flora erwarten uns entlang des Tsiribihina Flusses.

Vom Mai bis September ist Saison für eine Flussfahrt auf dem Tsiribihina, das heisst in der Trockenzeit, denn während der Regenzeit ist der Tsiribihina nicht befahrbar. Man braucht mindestens 8 Tage ab Antananarivo, um diese Flussfahrt zu unternehmen. Die Expedition dauert zwischen drei und fünf Tage je nach Wasserstand des Tsiribihina und Grösse des Bootes. Diese Flussfahrt gehört zu den aufregendsten Erlebnissen einer Madagaskarreise und verlangt Sportlichkeit und Abenteuerlust von den Reisenden vor allem wenn man die Fahrt auf einer Piroge unternimmt. Wer nach Luxus sucht, fühlt sich hier nicht wohl. Hier gibt es keine komfortablen Hotels, kein warmes Wasser usw. Für Kleinkinder ist die Fahrt auch nicht zu empfehlen, vor allem die Flussfahrt auf einer Piroge, denn es ist recht eng und unkomfortabel.

Als Verkehrsmittel stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: entweder die traditionellen Pirogen (Einbaum) oder ein Motorboot. Die Flussfahrt dauert etwa 4 Tage und 3 Nächte je nach Boot, das Motorboot ist natürlich schneller und bequemer als Pirogen. Eine Pirogenfahrt von nur 3 Tagen und 2 Nächten ist machbar, aber sehr anstrengend.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
In Antananarivo, Antsirabe und Miandrivazo gibt es zahlreiche Guides und Kleinanbieter, die diese Flussfahrt organisiern können. Aber um Unsicherheiten zu vermeiden, ist es empfehlenswert, bei einem spezialisierten Reiseveranstalter zu buchen. Manche Veranstalter sind nicht seriös und nicht gemeldet, so haben sie keine Lizenz, keinen Versicherungsschutz usw.

Auf der 160 km langen Abenteuerreise durchfährt man anfangs ein weit verzweigtes Fluss- und Seengebiet, dann die schmalen Schluchten des Bemaraha-Höhenzuges und schliesslich durchquert man die tropische Fluss- und Seelandschaft der Küstenregion bis zum Zielort Belo sur Tsiribihina.


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Der Ausgangspunkt für so eine Flussfahrt ist das Städtchen Miandrivazo, wo es gute Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Es liegt ca. 350 km von Antananarivo entfernt. Der heisseste Ort Madagaskars ist für den Anbau von Tabak und Baumwolle bekannt. In dieser Gegend ist Ackerbau nur in der Nähe von Flüssen möglich.

Nach einer Übernachtung in einem Hotel fährt man am frühen Morgen zur An- resp. Ablegestelle von Masiakampy. Das Leben der Gemeinde spielt sich hauptsächlich am Flussufer von Mahajilo ab. Hier findet man freundliche Kinder und Frauen, die ihre Wäsche waschen und sich duschen. Bevor die Fahrt beginnt, muss ein Formular mit Namen der Passagiere, die Reisedaten, der Name des Guides und des Bootsmanns usw. ausgefüllt werden und erst nach dieser Prozedur kann die Flussfahrt beginnen.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
Der Name Tsiribihina bedeutet wörtlich “wo man nicht badet“. Krokodile sind die Hauptattraktionen des Flusses. Man kann während der Bootsfahrt aber trotzdem die Hände ins Wasser halten. Der ruhige Tsiribihina gehört zu den längsten Flüssen Madagaskars und ist – wie viele andere auch – gefüllt mit Schwemmerde von rötlicher Farbe. Diese Farbe ist das Wahrzeichen der roten Insel Madagaskars, und stammt von der erodierten Lateriterde.

Die Flussfahrt führt uns langsam durch relativ unberührte Gebiete des madagassischen Westens. Das Mittagsessen wird an Bord zusammen mit dem Bootsteam eingenommen. Während der Flussfahrt herrscht absolute Ruhe und die menschenleere Landschaft ist beeindruckend. Wer sich für Abenteuer und Camping interessiert, kommt wirklich auf die Rechnung. Am Ufer sieht man zahlreiche Vögel, v.a. den Drongo oder Krebse. Am Ende des ersten Tages kann man in einem kleinen Wald zahlreiche Sifakas und Braune Makis fotografieren. Geschlafen wird in Zelten an ausgesuchten Stellen am Ufer des Flusses unter den Sternen des Südens.
Am zweiten Tag erwarten uns weitere Schluchten, Wasserfälle, Primärwald mit neugierigen Lemuren. Man kann typische Sakalava-Dörfer wie z.B. „Begidro“ besuchen und erlebt den Alltag der freundlichen Anwohner und Kinder am Ufer des Flusses. Die Passage durch die schroffen Tsiribihina-Schluchten ist einer der landschaftlichen Höhepunkte. Verschiedene Reiherarten und andere Wasservögel, aber auch Lemuren, Flughunde und Krokodile sind in freier Wildbahn zu sehen.
Im Verlauf der Fahrt ändert sich die Vegetation ständig und man sieht fruchtbare Felder und Dörfer mit fröhlichen Kindern, die einem immer freundlich zuwinken. Der Wasserfall mit dem natürlichen Wasserbecken ist eine tolle Abwechslung auf dieser Fahrt. Nach der heissen Fahrt auf dem Fluss ist das Bad im „Piscine Naturelle“ vor paradiesischem Hintergrund geradezu himmlisch. Wir setzen unsere Bootsfahrt auf dem Tsiribihina Fluss fort. Die zweite Übernachtung im Zelt ist auf einer Sandbank nahe Tsaraontana.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina
Am nächsten Tag nach dem Frühstück können wir wiederum ein Dorf am Flussufer besichtigen. Unsere unvergessliche Flussfahrt auf dem Tsiribihina endet nahe der Flussfähre Belo sur Tsiribihina, wo wir auch unseren Fahrer wieder treffen. Von hier aus kann es dann auf einer schlechten Piste zu den Tsingy von Bemaraha weiter gehen, oder wir fahren nach Süden gegen Morondava.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Marojejy Nationalpark

1650 – Marojejy oder Marojezy Nationalpark

Die Region an der Nordostküste von Madagaskar zählt zu der abwechslungsreichsten Gegend der grossen Insel und ist für die Gewürze und ihre Düfte bekannt.

Eine der Hauptattraktion im Nordosten Madagaskars ist aber der Nationalpark Marojejy. Es handelt sich um ein wenig besuchtes Schutzgebiet, einerseits wegen der schwierigen Erreichbarkeit und andrerseits erfordert ein Trekking im Marojejy eine gute Kondition. Er liegt in der Region SAVA zwischen Sambava und Andapa. Manchmal wird Marojejy auch Marojezy geschrieben.

Die Marojejy-Wälder sind reich an verschiedenen Pflanzen und Tieren, von denen viele endemisch sind. Das Marojejy-Massif wurde erstmals im Jahr 1948 von Professor Henri Humbert beschrieben. Der berühmte Botanist des Natur-Historischen Museums in Paris hatte zahlreiche Gebirgs-Massive auf dem afrikanischen Kontinent erkundet. Er bezeichnete das Marojejy-Massiv als eines der eindrucksvollsten der ganzen Insel. Dank seiner Begeisterung wurde das Schutzgebiet im Jahr 1952 in die Liste der Naturreservate Madagaskars aufgenommen, war aber zuerst nur für Forscher zugänglich.

Der Park ist seit 1998 ein Nationalpark und bietet ein beeindruckendes Gebirgsmassiv mit dichtem feuchtem Wald, Palmen und Pteridophyten (farnartige Pflanzen), Sekundärwald sowie eine unglaubliche Vielfalt an Wildtieren. 2007 wurde der Park wegen seiner einzigartigen Biodiversität und seiner aussergewöhnlichen Landschaften von der UNESCO in die Liste der Orte des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen. Ein Wasserfall im Park trägt den Namen des Botanisten “Cascade de Humbert“.

Der Marojejy-Nationalpark erstreckt sich über 60’050 ha und fast 90% des Parks sind mit Wäldern bedeckt. Der Park liegt zwischen 100 m und 2132 m Meter über Meer. Wer die Natur und die Einsamkeit liebt, kommt hier voll auf die Rechnung. Die besten Zeiten für eine Reise in diesen Nationalpark sind von April bis Mai und von September bis Dezember.

Marojejy Nationalpark
Die Wanderung in diesen Park verlangt eine gute Körperkondition, denn es handelt sich wirklich um ein Abenteuer. Um dieses interessante Naturschutzgebiet zu entdecken, fährt man auf der RN 3B von Sambava aus knapp 100 km durch eine grüne Vorgebirgslandschaft. Das Dorf Manantenina ist der Ausgangspunkt für das Trekking in den Marojejy-Nationalpark. Von Manantenina geht man zu Fuss entlang der Reis- und Vanillefelder und kann schon das Marojejy-Massiv bewundern. Das Massiv ist ein Teil der Bergkette von Tsaratanana im Nordwesten und der Halbinsel Masoala im Süden. Am Parkeingang angekommen, beginnt der wilde Dschungel

Der Park beherbergt, den Höhenstufen entsprechend, verschiedene Vegetationstypen:
– der Immergrüne Regenwald ist dicht bewachsen mit grossen Bäumen und vielen Palmen, Farnen und Epiphyten (Aufsitzerpflanzen). Wegen der Brandrodung ist der ursprüngliche Wald oft zerstört, es wachsen dann die Sekundärwälder, hauptsächlich bestanden mit Bambus, wildem Ingwer und den Ravenalas.
– der Bergnebelwald (800 – 1400m). In diesem Wald sind die Bäume und Büsche kleiner und das Blätterdach schliesst sich in nur 18 – 25 m Höhe.
– der Bergwald (1400 – 1800 m). Die Bäume sind verkümmert, ihre Äste und Stämme sind mit Moos und Flechten bedeckt.
– die Gebirgsvegetation (über 1800 m). Hier findet man auch Palmen, winzigen Bambus und auf der Erde wachsende Orchideen und Flechten.

Entgegen der anderen Gebirgsmassive Madagaskars wurde das Dickicht im Marojejy-Gebirge nie von einem Buschfeuer zerstört.


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Im Park erwarten uns drei wunderschöne Camps mit Zelt-Bungalows entlang einer Piste, die vom Dorf Manantenina durch den Tropenwald bis zum Gipfel führt. Im Park gibt es auch mehrere Orte, die zum Zelten geeignet sind. Drei verschiedene Wandertouren stehen zur Verfügung, dies sind der Mantella-Circuit, der Simpona-Circuit und die Marojejy-Gipfelwanderung. Wer alle drei interessanten Wandertouren absolvieren will, sollte mindestens fünf Tage im Park verbringen.

Marojejy Nationalpark
Der erste Circuit heisst Mantella und führt bis zum ersten Camp auf 450 Metern. Man erreicht es nach etwa drei Stunden Marsch und braucht dafür mindestens 2 Tage. Auf dieser Wanderung können die Besucher den Primärregenwald im Park erkunden. Mit etwas Glück treffen die Reisenden auf viele Arten von Reptilien und Amphibien (wie den Mantella laevigata, Boophis, Sanzinia usw), mehrere Lemurenarten (wie Bambusmakis, Eulemur albifrons) sowie viele Vögel (wie der blaue Coua, Prevost Eurycere). Mit einer Höhe von 450 Meter ist es ein idealer Ort für die Beobachtung der Lemuren. Man kann ebenfalls den Weisskopfmakis und Bambuslemuren begegnen. Hier trifft man oft auch Ringelschwanzmungos (Galidia elegans).
Etwa 800 Meter oder 30 Minuten Marsch oberhalb des Mantella-Camps liegt ein schöner Wasserfall namens “Cascade de Humbert“. Wie schon erwähnt, stammt der Name dieses Wasserfalls vom französischen Botaniker Henri Jean Humbert.

Marojejy Nationalpark
Der zweite Circuit heisst Simpona, für diese Tour soll man mindestens 3 Tage im Park verweilen. Diese Tour wurde nach der besonders schönen Lemurenart Propithecus candidus oder Simpona, benannt. Der seidige Sifaka ist bekannt für sein weisses Fell und kann nur in dieser Region beobachtet werden. Es ist empfehlenswert einen “Simpona-Spezialisten“ mitzunehmen, um dieses aussergewöhnliche Tier zu beobachten. Die Simpona-Tour ist eine Fortsetzung der Mantella-Tour. Vom Mantella-Camp geht man ein bis zwei Stunden zu Fuss bis zum Marojejia-Camp, das sich auf einer Höhe von 775 Metern befindet. Dieses Camp liegt an der Grenze zwischen dem Regenwald des Tieflandes und den Bergregenwald und liegt noch immer mitten im intensiven Grün der Wälder.

Marojejy Nationalpark
Der dritte Circuit ist die Marojejy-Gipfel-Tour, der schwierigste Teil der Treckingtour mit dem Aufstieg bis zum Gipfel. Mindestens 4 oder 5 Tage braucht man für diese Tour. Diese Wanderung führt in drei bis vier Stunden vom Marojejia-Camp zum Simpona-Camp. Das Simpona Camp liegt auf 1250 m Höhe. Dieses Camp dient als Ausgangspunkt für die Gipfelbesteigung, ein wirklich sportliches Abenteuer und man startet bereits früh am Morgen. Der Aufstieg zum Gipfel dauert fünf bis sechs Stunden und bei Regen kann es noch mehr sein. Auf einem einsamen Pfad in wilder Natur durchquert man den Nebelwald.

Der Gipfel des Parks befindet sich auf einer Höhe von 2132 Metern, und von hier aus hat man einen perfekten Panoramablick.

Für die Trekkings in diesen Park ist die Anzahl Besucher begrenzt. Es ist empfehlenswert, die Reise im Voraus zu buchen. Im Park gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, somit muss der gesamte Proviant in Andapa oder Sambava gekauft werden.

In der Umgebung von Marojejy befinden sich viele schöne Orte, die sich für einen Besuch anbieten. Beispielsweise das Anjanaharibe-Sud Reservat, das 20 km westlich von Andapa liegt und das für seine spektakulären, unberührten Regenwälder und seine vielfältige Flora und Fauna bekannt ist. Ein anderer Park ist der grosse Masoala Nationalpark. Hier macht man meist eine 7-tägige abenteuerliche Trekkingtour durch die abgeschiedene und schöne Landschaft zwischen Antalaha oder Andapa und Maroantsetra. Im tropischen Nationalpark Masoala erwartet uns ein aktives und intensives Naturerlebnis.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch