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Tamatave-Sainte Marie

1400 Tamatave – Sainte Marie

Heute verabschieden wir uns von der „Stadt der Rikschas“ und fahren über die Nationalstrasse RN5 Richtung Norden, um dann mit einem Boot zu unserem nächsten Urlaubsziel an der Nordostküste, auf die tropische Pirateninsel Sainte Marie überzusetzen.

Wenn man nicht so viel Zeit zur Verfügung hat, ist es auch möglich, den Flug ab der Hafenstadt Tamatave direkt zur Tropeninsel Sainte Marie zu nehmen.

In Tamatave, der grössten Hafenstadt von Madagaskar, schlendern wir noch einmal durch den Gewürzmarkt und schnuppern die Düfte Madagaskars: die verschiedenen gut riechenden Pfeffersorten, die duftende Vanille, aromatischen Zimt und Nelken, die alle als Exportprodukte gelten, sind nur einige der hier verkauften Schätze.

Wir sind halt im Land, wo der Pfeffer wächst und Madagaskar ist für sein pfeffriges Gewürz weltbekannt. Der Pfeffer aus Madagaskar sticht heraus, weil er eine körnige Schärfe mit mildem Abgang verbindet. In der Nähe der Dörfer klettert diese Pflanze an Stützbäumen hoch. Der grüne Pfeffer wird kurz vor der Vollreife gepflückt und dann getrocknet, so kann man ihn lange Zeit als schwarzen Pfeffer aufbewahren. Zur Gewinnung von grünem Pfeffer werden die ausgewachsenen grünen Beeren in Salzlauge eingelegt, um das Braunwerden zu verhindern. In fast jedem madagassischen Rezepte wird immer dieses Gewürz verwendet: Rindfleisch, Fisch, Krabbe oder Ente mit grüner Pfeffer-Sosse stehen meistens auf der Speisekarte!

Auch der wild wachsende Urwaldpfeffer, auf madagassisch “Voantsiperifery“, wächst ausschliesslich auf der Insel, der rosa Pfeffer oder “Baie Rose“ gehört auch zu den wichtigen Exportprodukten nach Europa.

Tamatave-Sainte Marie
Wir brechen früh am Morgen mit dem Kollektivtaxi oder mit unserem individuellen Mietwagen auf, um einen Teil des Küstenabschnitts entlang der nördlichen Ostküste durchzufahren. Die Nationalstrasse Nr. 5 ist schon seit ein paar Jahren nach den vielen Wirbelstürmen nicht mehr in gutem Zustand. Zum Glück wird jedes Jahr ein Stück dieses Streckenabschnitts erneuert. Je nach der Länge der Fotopausen, die wir unterwegs einlegen, müssen wir ca. 3 Stunden Autofahrt rechnen, bis wir das Dorf Mahambo erreichen.

Wir fahren entlang der Route durch zahlreiche Dörfer der Betsimisaraka Volkstämme.

Am Rand der Strasse wachsen die grünen Bananenstauden, die exotischen Früchte wie die Litschi-, die Jackfrucht- und die Brotfruchtbäume… Der Boden ist wirklich fruchtbar!

Diese Ethnie ist die wichtigste Volksgruppe an der Nordostküste. Ihre luftigen Palmhütten sind mit den Palmfasern der Ravinala oder aus dicken Rohren des Bambus gebaut.

Der Ravinala oder “Baum der Reisenden“ gedeiht häufig in dieser regenreichen Region und die fächerartige Anordnung der Blätter ist ausgesprochen dekorativ.

Der Bambus ist weit verbreitet und wächst rasch in der Nähe von bewohnten Orten oder als Sekundärvegetation in den Waldlichtungen oder am Rand der gerodeten Waldflächen.

Diese Pflanze ist sehr nützlich auf der ganzen Insel, denn sie liefert Material für die Häuser und für Baugerüste. Auf dem Feld wird der Bambus von den Bauern als Wasserleitungen benutzt, die Einheimischen bauen damit Flösse für den Transport von Lebensmitteln auf den Flüssen und Kanälen und sie stellen daraus Gegenstände des alltäglichen Lebens wie Möbel, Körbe, Matten, Fallen, Fischreusen und sogar Musikinstrumente wie „Valiha“ oder Flöten her. Nicht zuletzt sind die jungen Schösslinge des Bambus eine schmackhafte Nahrung der Bambuslemuren im Regenwald.

Auf den Höfen spielen unzähligen Kinder und schauen neugierig den vorbeifahrenden Autos zu. Die Frauen waschen die Wäsche am Flussufer, die Männer arbeiten auf dem Feld oder hüten das Vieh. Typisch und fotogen sind auch die an der Sonne ausgelegten Bastmatten, auf denen Pfeffer oder Gewürznelken getrocknet werden.

Tamatave-Sainte Marie
Nach etwa 60 km kommen wir endlich in Foulpointe an. Die Autofahrt über die Asphaltstrasse dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden. Dieses Städtchen ist ein beliebter Ausflugsort der Stadtbewohner aus Tamatave und natürlich auch ein idyllischer Badeort und eine wichtige Durchgangstation für die Reisenden, die ihren Badeurlaub auf der Insel Sainte Marie verbringen wollen. Grund dafür ist sicherlich der weisse kilometerlange Sandstrand. Das vorgelagerte Korallenriff schützt vor den gefährlichen Haien und vor der gewaltigen Brandung. Das Riff lädt ein zum Tauchen und Schnorcheln.

Etwa 3 km nordwestlich des Städtchens liegt etwas erhöht das Fort Manda. Ein Besuch dieser Befestigungsanlage lohnt sich, hier kann man die Geschichte ab dem 17. Jahrhundert mitverfolgen. Manda bedeutet auf madagassisch Festung.

Seeräuber waren nämlich hier im indischen Ozean zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert aktiv, als die Handelsschiffe auf der damaligen “Gewürzroute“ hier an der Ostküste Madagaskars vorbeigesegelt sind. Zu den berüchtigtsten Piratennester und Schlupfwinkel im indischen Ozean gehörten die Städte Tamatave, Foulpointe und vor allem die Insel Sainte Marie mit ihren versteckten Buchten.

Wegen des Piraten-Stützpunktes in Foulpointe haben die Engländer mit Hilfe der Einheimischen das Fort am Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet.

Im Jahre 1817 wurde die Festung zum Hauptquartier des Merina Königs RADAMA I vom Hochland. Er hat die dicken Mauern mit einer Mischung aus Korallensand, Eiern und Steinen weiter befestigt, als er die Ostküste für sein Königreich eroberte und um sich gegen die Betsimisaraka-Truppen zu behaupten.

Die Piraten hatten damals das Dorf “Hopeful Point“ getauft, aus diesen beiden Wörtern wurde der Name Foulpointe oder Mahavelona auf madagassisch. Auf einer geführten Wanderung durch die Mauerruinen werden wir noch mehr über die Geschichte dieses eindrucksvollen Forts Manda mit seinen zahlreichen Geheimgängen erfahren.


Besuchen Sie unser Piratenmuseum in Antananarivo


Von dem höchsten Punkte der Ruine aus haben wir einen wunderschönen Panoramablick über die Küste des Indischen Ozeans und die umliegenden Dörfer.

Tamatave-Sainte Marie
Wir fahren auf der Nationalstrasse RN5 Richtung Norden weiter. Nach etwa 35 km taucht das nächste grosses Dorf Mahambo auf. Unterwegs sehen wir von weitem die Fischer mit ihren Auslegerbooten. Viele Betsimisaraka entlang der Meeresküste ernähren sich von Fischen, die sie in der Lagune zwischen Korallenriff und Strand fangen. Jeden Tag riskieren sie ihr Leben, wenn sie mit ihren kleinen Einbäumen die tosende Brandung durchqueren. Garnelen, Sardinen, Makrelen oder Thunfische… werden am Strand oder auf Dorfmärkten angeboten. Die grossen Fische werden aufgeschnitten, gesalzen und am Dorfrand auf Holzgestellen getrocknet oder geräuchert, so kann man den Fisch lange aufbewahren.

Von Mahambo verkehrt das derzeit grösste Fährschiff nach Sainte Marie. Ein Katamaran, der um die 100 Passagiere fasst und flugzeugähnlichen Komfort bietet.

Er pendelt täglich je nach den Wetterbedingungen zwischen dem Festland und der Tropeninsel hin und her. Zwischen den Monaten Juli bis September besteht die Möglichkeit, dass man auf der Bootsfahrt Buckelwalen oder Delphinen begegnet. Ein unvergessliches Naturschauspiel, wenn man diese Ozeanriesen aus der Nähe bewundern kann. Sie ziehen bis zur Ostküste von Sainte Marie, um sich dort zu paaren.

Nach ca. 3 Stunden Bootsfahrt gelangen wir zum Inselparadies. Die Silhouette von Pirogen mit Fischern verschmilzt mit dem Blaugrün von Himmel und Ozean. Die schöne Tropeninsel Sainte Marie begrüsst uns mit seiner Ruhe und der Ursprünglichkeit der Natur.

Oktober 2020
Geschrieben von: Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Madagaskars Piraten: Mythen, Schätze und ein Museum

Mit dem Fund eines 50 Kilogramm schweren Silberbarrens in einer Bucht der kleinen Insel Sainte Marie, der angeblich von William Kidd stammen soll, hat es Madagaskar gerade wieder einmal in die Medien geschafft.

Piratenschiff Madagaskar Postkarte Piratenmuseum PRIORI Tatsächlich ist die Geschichte der Freibeuter und Seeräuber in Madagaskar von zahlreichen Mythen und Rätseln geprägt, und daher bis heute spannend und erzählenswert. Piratengeschichten nähren die Phantasie Europas seit Jahrhunderten. Dabei seien die Vorstellungen vom aufregenden Leben der Piraten in den Gewässern rund um die Pfefferinsel Madagaskar oft romantisiert, sagt Bettina Fong Yam vom Piratenmuseum in Antananarivo.

Das Piratenmuseum in der madagassischen Hauptstadt wurde Ende 2008 vom Reiseveranstalter PRIORI eröffnet.
Es greift die Geschichte der Piraten Madagaskars auf, geht aber auch auf Seeräuber in der Karibik, ein. Berühmte Piraten werden ebenso vorgestellt wie die mysteriöse Piratenrepublik Libertalia, die sich im Norden Madagaskar befunden haben soll. Madagassische Mitarbeiter führen durch die Ausstellung, auf Wunsch auch auf Deutsch.

Die Piraterie entstand im Indischen Ozean vor etwa 300 Jahren. Damals entstand Schiffhandel zwischen China, Arabien, Indien und Europa. Neben Gewürzen, Reis, Tee und Zucker, wurden auch Indigo, Edelsteine, Kupfer sowie Baumwolltücher von der Malabar- und Coromandelküste, und Seidentücher aus Bengalen über den Seeweg exportiert. Auch reich beladene persische und indische Pilgerschiffe auf ihrem Weg nach Mekka, sowie die Silberflotten der spanischen Kolonien durchfuhren den Indischen Ozean und passierten Madagaskar.

Die Insel war ein idealer Ort für die Piraten, die meist aus Europa kamen. Zahlreiche Buchten, vor allem entlang der stürmischen Ostküste zwischen Tamatave und Antongil mit der vorgelagerten kleinen Tropeninsel Sainte Marie, bildeten beliebte Aufenthaltsorte und Verstecke entlang der viel befahrenen Handelsrouten.

Der wohl bekannteste Pirat Madagaskars war der schottische Kaufmann William Kidd.
Über zwei Jahre segelte er, eigentlich als Piratenjäger, in den Gewässern zwischen Afrika und Indien und betätigte sich dabei selbst als rücksichtsloser Pirat. Entgegen vieler – vor allem wohl touristisch förderlicher – Angaben liegt William Kidd jedoch nicht auf dem bekannten Piratenfriedhof auf der Insel Sainte Marie begraben. 1701 wurde William Kidd in London der Prozess gemacht und dort gehenkt.

Schatztruhe im Piratenmuseum MadagaskarBis heute liegen in den Buchten der kleinen Insel Sainte Marie zahlreiche Wracks. Wie es sich für eine gute Piratengeschichte gehört wird auch hier ein noch unentdeckter Piratenschatz vermutet.
Seit Jahren sind Schatzsucher und Archäologen auf der Suche nach Kidds verschollener Beute. Der Silberfund des amerikanischen Taucherteams stammt angeblich aus dem Wrack der „Adventure Gallery“, dem Boot William Kidds: Münzen, chinesisches Porzellan aus dem 17. Jahrhundert und der 50 Kilogramm wiegende größte jemals gefundene Silberbarren. 13 weitere Wracks sollen in der Bucht vor Sainte Marie liegen und weitere Schätze beherbergen.

Der Fund und die mediale Aufbereitung entfachen nun neue Geschichten rund um Madagaskars Piratengeschichte. Als Touristen-Magnet lohne sich der Mythos allemal, sagt Bettina Fong Yam vom Piratenmuseum in Antananarivo: „In Madagaskar gibt es mittlerweile Hotels, Restaurants, Straßen, die sich ‚Libertalia‘ oder nach einem Piraten nennen.“

Wer mehr über die Piraten in Madagaskar und ihr Leben erfahren möchte ist bei PRIORI richtig:

PRIORI Piratenmuseum Antananarivo MadagaskarIm PRIORI Piratenmuseum in Antananarivo finden Interessierte viele ausführliche Informationen zur Geschichte der Seeräuber in Madagaskar, aber auch in der Karibik und im Indischen Ozean. PRIORI-Chef Franz Stadelmann, von Haus aus Ethnologe, hat zahlreiche sowie ausführliche Hintergrund-Informationen zur Geschichte der Piraterie auf Madagaskar verfasst.

PRIORI organisiert gerne auch individuelle Abenteuer-Reisen in Madagaskar auf den Spuren der Freibeuter. Kontaktieren Sie uns gerne für eine unverbindliche Beratung!