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Sambava

1610 – SAMBAVA

Die Nordostroute ist als die “Duft- und Gewürzroute“ oder auch als die “Vanilleroute“ bekannt und zieht sich entlang der nördlichen Ostküste.

Hier liegt auch das grosse Anbaugebiet von Vanille, von Gewürznelken, Pfeffer, Kaffee und Kokosnüssen … Vom Regenwald umgeben und fast nur auf dem Luftweg erreichbar, ist dieser SAVA-Nordteil trotzdem eine der Lieblingsdestinationen der Reisenden.

Sambava, mit dem Spitznamen “die Vanillestadt“, ist das grösste Zentrum der Vanilleproduzenten in dieser SAVA-Region (Sambava, Antalaha, Vohémar, Andapa). Die Stadt liegt im Mündungsgebiet von mehreren Flüssen, auf madagassisch heisst das “Sahambavany“ und aus dieser Bezeichnung ist der Name “Sambava“ abgeleitet, was wörtlich bedeutet “wo sich die vielen Flüsse treffen und später ins Meer münden“. Schon vom Flugzeug aus ist dieses weit verzweigte Flusssystem beeindruckend, es wechselt sich ab mit grünen Waldgebieten, saftig hellgrünen Reisefeldern und dunkelgrünen, kilometerlangen Kokosplantagen.

Die reiche Stadt Sambava lebt neben dem Anbau und dem Export des “Schwarzen Goldes“ auch vom Tourismus und hat einiges zu bieten: ausgedehnte, weisse Sandstrände, wo der Indische Ozean, wie überall an der Ostküste Madagaskars, wild und stürmisch an die unberührten Strände rollt. Auch charmante Gasthäuser, kleine Strandhütten und komfortable Hotels in verschiedenen Kategorien säumen die Strassen im Stadtzentrum. Deswegen ist die Sava-Region schon länger auf Tourismus eingestellt. Bei klarem Wetter hat man einen weiten Blick entlang der Küste und ins Landesinnere bis zum Tsaratanana-Massiv, das bis auf 2876 m über den Meeresspiegel aufsteigt. Am Strand bei den Hotels können die Reisenden baden, aber bitte Vorsicht, die Brandung des Indischen Ozeans ist in dieser Gegend nämlich ziemlich stark. Gelegentlich, wenn man Glück hat, kann man in den Monaten August und September zur Mittagszeit die riesigen Buckelwale beobachten, die draussen im Meer springen und bis zur Tropeninsel Sainte Marie vorbeiziehen.

Vanille – das “Schwarze Gold“

Die Vanille ist eine Orchideenart und stammt ursprünglich aus Mexiko. Die Spanier brachten sie nach Europa in die Botanischen Gärten. Durch die Franzosen fand sie den Weg nach La Réunion und sie wurde hier angebaut (Bourbon-Vanille). Bauern haben sie aus der Nachbarinsel La Réunion anfangs des 20. Jahrhundert wegen des steigenden Weltmarkbedarfs hier in diesem Nordteil Madagaskars eingeführt. Tüchtige Geschäftsleute sind im Laufe der Zeit zu sogenannten “Vanille-Baronen“ geworden und haben die SAVA-Region zu einem wichtigen Siedlungsschwerpunkte gemacht. Seither wird fast 2/3 der Weltproduktion bzw. des Vanilleweltbedarfs in diesem grünen Dreieck Sambava, Antalaha, Vohemar und Andapa produziert und neben anderen Exportgütern wie Pfeffer, Gewürznelken usw. ab dem Hafen Antalaha nach Europa und nach den Vereinigten Staaten verschifft.

Sambava
Eine ausgesprochen schöne Autofahrt in diesem Gewürzland führt durch ausgedehnte Plantagen und Felder mit Kaffee-, Nelken-, Litschi-, Mangobäumen oder auch niedere Bäume, an denen sich die wertvolle Vanille und der Pfeffer hochranken. Besuche und kurze Wandertouren durch die schöne Vanille-, Pfeffer- und Zimtplantage im Domaine d’Ambohimanitra sind machbar. Auch die fremde Duftpflanze Ylang Ylang mit ihrem betörenden Duft werden die Reisenden in dieser privaten Plantage kennen lernen. Ambohimanitra heisst wörtlich “der Hügel mit tausend Parfüm“. Hier kann man auch sehen, wie aufwendig jede Vanilleblüte von Hand bestäubt wird, weil die speziellen Kolibris und Bienen für die Vanillebetäubung hier in Madagaskar fehlen. Hier lernen die Gäste auch die verschiedenen Vanillesorten kennen, ihre Geschichte und die wichtige Rolle, die dieses Gewürz und Exportgut in dieser Vanillestadt und im gesamten Umland der SAVA-Region spielt. Jede einzelne Vanilleschote ist so wertvoll und kostbar, dass sie mit einem Nagelstempel (meistens mit Buchstaben) gekennzeichnet wird. Nach diesem erlebnisreichen Besuch können die Besucher im Restaurant mit einem schönen Panoramablick eine der vielen Spezialitäten der Region (zum Beispiel Fisch oder Garnelen) mit Vanillesauce probieren. Die madagassische Küche geniesst hier wirklich einen hervorragenden Ruf.


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Es sind nur 90 km von Sambava bis Antalaha, doch die ca. 2 bis 3 Stunden Autofahrt ist wegen der abwechslungsreichen Landschaft ein unvergesslicher Genuss für jeden Reisenden. Die gut ausgebaute Asphaltstrasse führt zeitweise am Meer entlang, mal überquert man Reisfelder oder ein paar Flussmündungen, manchmal fährt man durch Graslandschaften, durch weitläufige Vanilleplantagen oder durch malerische Dörfer, die von gepflegten Reisefeldern umgeben sind. Die guten klimatischen Bedingungen mit reichhaltigen Niederschlägen in dieser Region sind für den Anbau von Vanille und der verschiedenen Gewürzpflanzen extrem günstig. Das Küstengebiet, wo ständig die Passatwinde wehen, ist eine ziemlich feuchte Gegend mit viel Sonne zwischen August und Dezember und von März bis Mitte Mai.

Von Sambava aus sind Pirogenfahrten auf dem Bemarivo-Fluss im Norden oder dem Lokoho-Fluss im Süden sehr empfehlenswert. Beide Flüsse dienen als Transportwege für landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland und werden daher regelmässig von vielen Einbäumen und kleinen Booten befahren. So können die Tagesausflügler im Hinterland durch fruchtbare kultivierte Landschaften mit malerischen Dörfern bis zum Flussufer wandern, um von dort mit der Piroge oder dem Motorboot zurück an die Küste zu fahren: ein einmaliges Erlebnis entlang der verschiedenen Gewürzfelder und exotischen Dörfer mit den freundlichen “Betsimisaraka“ und den eingewanderten “Tsimihety“ oder anderer madagassischer Bevölkerungsgruppen. Die chinesischen Händler, die seit mehreren Generationen hier leben, plaudern auch gerne mit den “Vazaha“ (Fremde) auf den Pirogen, tauschen die letzten Neuigkeiten mit dem Piroguier aus.

Sambava
Ca. 2 km südlich der Stadt Sambava befindet sich die grösste Kokosplantage an der Nordostküste. Sie erstreckt sich rund 60 km Richtung Süden auf dem Weg nach Antalaha. Verwaltet von der berühmten Firma „Soavoanio“ (wörtlich übersetzt die wohlschmeckenden Kokosnüsse“) beschäftigt dieser Betrieb viele Arbeitskräfte, besonders während der Haupterntezeit von Juni bis November. Diese extrem grosse Kokosplantage ist eine wichtige Einnahmequelle in dieser Region, denn von der gepressten Kopra werden Öl, Seife, Tierfutter, verschiedene Kosmetikprodukte und Heilmittel hergestellt. Es ist interessant zu sehen, mit welchem Aufwand und welcher Gründlichkeit neue Sorten von Kokospalmen gezüchtet und wie die Kokosnüsse in verschiedenen Arbeitsschritten geschält, getrocknet und schliesslich gepresst werden.

Sambava ist ein guter Ausgangspunkt für viele Ausflüge oder Trekkingtouren und vor allem für den Besuch des hochinteressanten Nationalparks von Marojejy, ideal für jene, die die ausgetretenen Pfade verlassen wollen. Klima, Vegetation und Landschaften sind in diesem Naturschutzgebiet sehr vielseitig. Der faszinierende Marojejy Nationalpark mit der höchsten Erhebung von 2132 m ist von wasserreichen Flüssen und Bäche durchzogen und mit Bergnebelwald bedeckt. Hier beträgt der Regenniederschlag ca. 3000 mm pro Jahr, so dass es auch während der Trockenzeit zwischen September und Dezember viel regnen kann. Erwähnenswert sind auch die überaus gastfreundliche Lokalbevölkerung und die Weltabgeschiedenheit in dieser grünen und fruchtbaren Region, was ein Aufenthalt zu einem besonderen und unvergesslichen Erlebnis macht!

Januar 2021, geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Marojejy Nationalpark

1650 – Marojejy oder Marojezy Nationalpark

Die Region an der Nordostküste von Madagaskar zählt zu der abwechslungsreichsten Gegend der grossen Insel und ist für die Gewürze und ihre Düfte bekannt.

Eine der Hauptattraktion im Nordosten Madagaskars ist aber der Nationalpark Marojejy. Es handelt sich um ein wenig besuchtes Schutzgebiet, einerseits wegen der schwierigen Erreichbarkeit und andrerseits erfordert ein Trekking im Marojejy eine gute Kondition. Er liegt in der Region SAVA zwischen Sambava und Andapa. Manchmal wird Marojejy auch Marojezy geschrieben.

Die Marojejy-Wälder sind reich an verschiedenen Pflanzen und Tieren, von denen viele endemisch sind. Das Marojejy-Massif wurde erstmals im Jahr 1948 von Professor Henri Humbert beschrieben. Der berühmte Botanist des Natur-Historischen Museums in Paris hatte zahlreiche Gebirgs-Massive auf dem afrikanischen Kontinent erkundet. Er bezeichnete das Marojejy-Massiv als eines der eindrucksvollsten der ganzen Insel. Dank seiner Begeisterung wurde das Schutzgebiet im Jahr 1952 in die Liste der Naturreservate Madagaskars aufgenommen, war aber zuerst nur für Forscher zugänglich.

Der Park ist seit 1998 ein Nationalpark und bietet ein beeindruckendes Gebirgsmassiv mit dichtem feuchtem Wald, Palmen und Pteridophyten (farnartige Pflanzen), Sekundärwald sowie eine unglaubliche Vielfalt an Wildtieren. 2007 wurde der Park wegen seiner einzigartigen Biodiversität und seiner aussergewöhnlichen Landschaften von der UNESCO in die Liste der Orte des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen. Ein Wasserfall im Park trägt den Namen des Botanisten “Cascade de Humbert“.

Der Marojejy-Nationalpark erstreckt sich über 60’050 ha und fast 90% des Parks sind mit Wäldern bedeckt. Der Park liegt zwischen 100 m und 2132 m Meter über Meer. Wer die Natur und die Einsamkeit liebt, kommt hier voll auf die Rechnung. Die besten Zeiten für eine Reise in diesen Nationalpark sind von April bis Mai und von September bis Dezember.

Marojejy Nationalpark
Die Wanderung in diesen Park verlangt eine gute Körperkondition, denn es handelt sich wirklich um ein Abenteuer. Um dieses interessante Naturschutzgebiet zu entdecken, fährt man auf der RN 3B von Sambava aus knapp 100 km durch eine grüne Vorgebirgslandschaft. Das Dorf Manantenina ist der Ausgangspunkt für das Trekking in den Marojejy-Nationalpark. Von Manantenina geht man zu Fuss entlang der Reis- und Vanillefelder und kann schon das Marojejy-Massiv bewundern. Das Massiv ist ein Teil der Bergkette von Tsaratanana im Nordwesten und der Halbinsel Masoala im Süden. Am Parkeingang angekommen, beginnt der wilde Dschungel

Der Park beherbergt, den Höhenstufen entsprechend, verschiedene Vegetationstypen:
– der Immergrüne Regenwald ist dicht bewachsen mit grossen Bäumen und vielen Palmen, Farnen und Epiphyten (Aufsitzerpflanzen). Wegen der Brandrodung ist der ursprüngliche Wald oft zerstört, es wachsen dann die Sekundärwälder, hauptsächlich bestanden mit Bambus, wildem Ingwer und den Ravenalas.
– der Bergnebelwald (800 – 1400m). In diesem Wald sind die Bäume und Büsche kleiner und das Blätterdach schliesst sich in nur 18 – 25 m Höhe.
– der Bergwald (1400 – 1800 m). Die Bäume sind verkümmert, ihre Äste und Stämme sind mit Moos und Flechten bedeckt.
– die Gebirgsvegetation (über 1800 m). Hier findet man auch Palmen, winzigen Bambus und auf der Erde wachsende Orchideen und Flechten.

Entgegen der anderen Gebirgsmassive Madagaskars wurde das Dickicht im Marojejy-Gebirge nie von einem Buschfeuer zerstört.


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Im Park erwarten uns drei wunderschöne Camps mit Zelt-Bungalows entlang einer Piste, die vom Dorf Manantenina durch den Tropenwald bis zum Gipfel führt. Im Park gibt es auch mehrere Orte, die zum Zelten geeignet sind. Drei verschiedene Wandertouren stehen zur Verfügung, dies sind der Mantella-Circuit, der Simpona-Circuit und die Marojejy-Gipfelwanderung. Wer alle drei interessanten Wandertouren absolvieren will, sollte mindestens fünf Tage im Park verbringen.

Marojejy Nationalpark
Der erste Circuit heisst Mantella und führt bis zum ersten Camp auf 450 Metern. Man erreicht es nach etwa drei Stunden Marsch und braucht dafür mindestens 2 Tage. Auf dieser Wanderung können die Besucher den Primärregenwald im Park erkunden. Mit etwas Glück treffen die Reisenden auf viele Arten von Reptilien und Amphibien (wie den Mantella laevigata, Boophis, Sanzinia usw), mehrere Lemurenarten (wie Bambusmakis, Eulemur albifrons) sowie viele Vögel (wie der blaue Coua, Prevost Eurycere). Mit einer Höhe von 450 Meter ist es ein idealer Ort für die Beobachtung der Lemuren. Man kann ebenfalls den Weisskopfmakis und Bambuslemuren begegnen. Hier trifft man oft auch Ringelschwanzmungos (Galidia elegans).
Etwa 800 Meter oder 30 Minuten Marsch oberhalb des Mantella-Camps liegt ein schöner Wasserfall namens “Cascade de Humbert“. Wie schon erwähnt, stammt der Name dieses Wasserfalls vom französischen Botaniker Henri Jean Humbert.

Marojejy Nationalpark
Der zweite Circuit heisst Simpona, für diese Tour soll man mindestens 3 Tage im Park verweilen. Diese Tour wurde nach der besonders schönen Lemurenart Propithecus candidus oder Simpona, benannt. Der seidige Sifaka ist bekannt für sein weisses Fell und kann nur in dieser Region beobachtet werden. Es ist empfehlenswert einen “Simpona-Spezialisten“ mitzunehmen, um dieses aussergewöhnliche Tier zu beobachten. Die Simpona-Tour ist eine Fortsetzung der Mantella-Tour. Vom Mantella-Camp geht man ein bis zwei Stunden zu Fuss bis zum Marojejia-Camp, das sich auf einer Höhe von 775 Metern befindet. Dieses Camp liegt an der Grenze zwischen dem Regenwald des Tieflandes und den Bergregenwald und liegt noch immer mitten im intensiven Grün der Wälder.

Marojejy Nationalpark
Der dritte Circuit ist die Marojejy-Gipfel-Tour, der schwierigste Teil der Treckingtour mit dem Aufstieg bis zum Gipfel. Mindestens 4 oder 5 Tage braucht man für diese Tour. Diese Wanderung führt in drei bis vier Stunden vom Marojejia-Camp zum Simpona-Camp. Das Simpona Camp liegt auf 1250 m Höhe. Dieses Camp dient als Ausgangspunkt für die Gipfelbesteigung, ein wirklich sportliches Abenteuer und man startet bereits früh am Morgen. Der Aufstieg zum Gipfel dauert fünf bis sechs Stunden und bei Regen kann es noch mehr sein. Auf einem einsamen Pfad in wilder Natur durchquert man den Nebelwald.

Der Gipfel des Parks befindet sich auf einer Höhe von 2132 Metern, und von hier aus hat man einen perfekten Panoramablick.

Für die Trekkings in diesen Park ist die Anzahl Besucher begrenzt. Es ist empfehlenswert, die Reise im Voraus zu buchen. Im Park gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, somit muss der gesamte Proviant in Andapa oder Sambava gekauft werden.

In der Umgebung von Marojejy befinden sich viele schöne Orte, die sich für einen Besuch anbieten. Beispielsweise das Anjanaharibe-Sud Reservat, das 20 km westlich von Andapa liegt und das für seine spektakulären, unberührten Regenwälder und seine vielfältige Flora und Fauna bekannt ist. Ein anderer Park ist der grosse Masoala Nationalpark. Hier macht man meist eine 7-tägige abenteuerliche Trekkingtour durch die abgeschiedene und schöne Landschaft zwischen Antalaha oder Andapa und Maroantsetra. Im tropischen Nationalpark Masoala erwartet uns ein aktives und intensives Naturerlebnis.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Andapa

1640 – Andapa

Die Region Andapa gehört zu der ca. 24.000 km² grossen SAVA-Region an der Nordostküste Madagaskars. In dieser Region liegen die Städtchen Sambava, Antalaha, Vohémar und Andapa.

Die Stadt Andapa liegt in Luftlinie ungefähr 70 km südwestlich der Vanillestadt Sambava und ist über die kurvenreiche RN 3b und entlang des langen Lokoho Flusses erreichbar (also insgesamt ca. 3 Stunden Autofahrt). Die Landschaft zeigt sich hier vielseitig und saftig grün: zahlreiche Reisfelder, Bananenhaine und Kokosplantagen, malerischen Dörfern und rauschenden Flussläufen.

Andapa ist eine merkwürdige Mischung aus Wildweststadt mit kleinen Holzhäusern, die rundum von Reisfeldern und dahinter von dichtem Regenwald eingeschlossen sind. Diese Gegend gehört zu den regenreichsten Regionen an der Nordostküste von Madagaskar und die schöne Stadt liegt am westlichen Endpunkt der guten Asphaltstrasse, die von Sambava in vielen Windungen zum einmaligen und regenreichen Marojejy Naturreservat führt. Dieser Naturpark beherbergt viele endemische Pflanzen und in den verschiedenen Höhenstufen finden wir alles, von undurchdringlichem Regenwald bis zur Gebirgsvegetationen auf über 2000 m Höhe. Der Ausflug nach Andapa ist sehr beliebt schon wegen der ca. 100 km kurvenreichen Autostrecke, die über einen Pass durch die atemberaubende Landschaft mit spektakulären Ausblicken führt. Die Fahrzeit beträgt ca. 3 Stunden je nach Länge der Fotopausen unterwegs.

Der Bergregenwald von Marojejy (wörtlich übersetzt: “wo es viel regnet“) mit mehr als 2000 Arten von endemischen Pflanzen stellt eines der artenreichsten Biotope der Welt dar. Der Eingang zu diesem einmaligen Reservat, das bis auf gut 2100 m Meereshöhe aufsteigt, liegt ca. 40 km von Andapa entfernt, die man in ca. 1 Stunde bewältigen kann, so dass man dieses tiefgrüne Naturjuwel ab dieser schönen und faszinierenden Stadt erkunden kann.
Neben der direkten Nähe zu diesem sehr beliebten Naturschutzgebiet bietet Andapa verschiedene Wander- und Trekkingmöglichkeiten für die abenteuerlustigen Reisegäste und Naturforscher, denn die umliegenden Berge sind unerforschtes Gebiet, das es zu entdecken gibt. Es gibt reizvolle und interessante Ausflüge “abseits der grossen Strasse“ zu den Dörfern des Tsimihety-Volkstamms mit seinen Sitten und Bräuchen. Dazu gehört auch unsere Themenreise “wandern und geniessen im Land der Vanille“, denn diese Gegend zählt zum weltweit grössten Anbaugebiet für dieses “schwarze Gold“ Madagaskars.


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Unerschrockene Wanderer mit guter Kondition, die tagelang auf jeglichen Komfort verzichten können und gleichzeitig keine Anstrengungen durch schlammige Wanderwege scheuen, starten ab Andapa einen ca. 4- bis 8-tägigen Fussmarsch durch die tropische, geheimnisvolle Halbinsel Masoala mit hohen Baumriesen und zahlreichen wilden Wasserfällen bis zur Küstenstadt Maroantsetra und erleben so die Schönheiten der Region.

Andapa
Die Lokalführer zeigen den Reisenden unterwegs gerne die zahlreichen Kräuter, Blüten und Rinden dieser Naturapotheke. Leider ist das Thema Abholzung ein riesiges Problem auf der ganzen Insel, aber besonders am Rand dieses grossen Naturschutzgebiets. Viele von den ursprünglichen Waldflächen sind bereits ganz verschwunden und zahlreiche noch bestehende Waldgebiete werden stark gerodet, für Wanderfeldbau, für Brennholz, für Baumaterial. Aber das grösste Problem sind wohl die Holzhändler, die illegal die Edelhölzer wie Rosenholz, Ebenholz, Mahagoni und Palisander aus den Wäldern holen und damit viel Geld machen, obwohl dies in den Schutzgebieten von der Regierung strikt verboten wäre.

Im fruchtbaren Talkessel rund um Andapa erstreckt sich das zweitgrösste und riesige Reisanbaugebiet Madagaskars, umgeben von dichtem Regenwald. Ein grosser Teil der madagassischen Reisproduktion stammt von hier. Die Felder werden mit Hilfe von langen Kanälen bewässert und wieder trocken gelegt, denn weder Berge noch Wälder unterbrechen die unendlich weite Ebene. Generell ist die Region mit reichen Niederschlägen bedacht, so dass die Bedingungen für den Anbau der teuren Exportprodukte, wie die wertvolle Vanille, der aromatische Kaffee, die wohlriechenden Gewürznelken und der sehr beliebte Pfeffer extrem günstig sind. Dass die regenreiche Gegend rund um Andapa wirklich fruchtbar ist, sieht man schon von der Strasse aus: die Vanille, Gemüsefelder und Früchte aller Art wie Litschis, Mangos, Zuckerrohr, Kokosnüsse und Bananen…

Dank der klimatischen Bedingungen und der fruchtbaren Böden stellt Andapa auch wirtschaftlich eine Besonderheit dar. Viele Landstriche wurden durch einwandernde Tsimihety-Volksgruppen und andere Stämme aus dem Hochland besiedelt. Neben der hier ansässigen Betsimisaraka-Volksgruppe («der Volkstamm, dessen Angehörige sich nicht trennen lassen») und die eingewanderte Tsimihety-Ethnie («die, die sich nicht die Haare schneiden») ist Andapa auch ein Siedlungsgebiet der Chinesen, deren Vorfahren am Anfang des 20. Jahrhunderts für den Bau der Eisenbahnlinie (vom Hochland bis zur Hafenstadt Tamatave) in Madagaskar eingetroffen sind.

Andapa
Reisegäste, die ein paar Tage in der erholsamen Stadt Andapa verweilen, können einen Ausflug über die verschlungenen Fusspfade bis zu den Stromschnellen und faszinierenden Wasserfälle des Lokoho-Flusses unternehmen oder die zahlreichen, aus Palmwedeln gebauten Häuser in den Dörfern und in der verwunschenen Umgebung entdecken. Dabei spazieren sie durch die vielen Dörfer mit den lachenden Kindern oder tauchen ein in das madagassische Landleben und kommen in Kontakt mit den gastfreundlichen Eingeborenen.

In der Region wächst eine der besten Vanille-Qualitäten heran. Die Reisenden können dann eine geführte Wanderung durch die Vanillepflanzungen unternehmen und je nach Saison die Vanilleverarbeitung in verschiedenen Stadien mitverfolgen. Der Prozess der Vanilleherstellung ist wirklich sehr komplex und von der Blüte bis zur fertigen Vanille dauert es fast ein ganzes Jahr.

Die Wanderung führt auch durch fruchtbare Plantagen, in denen Kaffee und andere Gewürze wie Nelken oder Pfeffer gedeihen. Der Qualitätskaffee der verbreiteten Kaffeesträucher “Coffea arabica“ und “Coffea robusta“, eingeführt aus der Nachbarinsel La Réunion (damals Bourbon Insel genannt), wird ausschliesslich aus den Samen vollreifer Früchte gewonnen. Das Klima und die Bodenbeschaffenheit der Ostküste sind geradezu ideal für die Kaffeesträucher, die aber die direkte Sonneneinstrahlung wenig schätzen. So befinden sich diese Sträucher auf den Plantagen meist unter Schattenbäumen. Während der Reifezeit werden die roten Kaffeekirschen gepflückt und in der Sonne getrocknet. Kaffee wird dann auf der ganzen Insel meist schwarz und stark gezuckert getrunken.

Januar 2021; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antalaha

1620 – Antalaha

Antalaha ist die zweitwichtigste Stadt der Vanille-Region SAVA an der Nordostküste Madagaskar und liegt nördlich der Masoala-Halbinsel.

Diese kleine Vanillestadt am Indischen Ozean ist per Flugzeug ab der Hauptstadt Antananarivo gut oder per Autofahrt nur sehr umständlich über die RN 5a erreichbar.

Antalaha bedeutet wörtlich übersetzt „wo es viel Wasser gibt“. Früher war diese malerische Stadt nur ein unbedeutendes und ärmliches Dorf wie viele andere Dörfer in Madagaskar. Die Familien bauten wenige Gemüse an und verfügten nur über ein paar Rinder. Die Franzosen brachten dann die Vanille aus Réunion in dieses Gebiet, denn die weltweite Nachfrage von Vanille stieg immer weiter an.

Antalaha
So wurde dieser kleine Ort zusammen mit Sambava als “Welthauptstadt der Vanille“ bezeichnet, denn etwa 70% der Vanille der ganzen Welt stammten von hier. Die süsslich duftende schwarze Schote ist eine der Haupteinnahmequellen von Antalaha. Leider sind die grossen und reichen Zeiten der Vanille vorbei. Wegen der wiederkehrenden Zyklone wurden die Anbaugebiete immer wieder zerstört und dadurch der Absatz unregelmässig. Aber noch immer leben fast alle Kleinbauern in dieser Gegend von der Vanilleproduktion und Vanille ist eines der wichtigsten Exportprodukte der grossen Insel.

Die Erntezeit der Vanilleschoten fällt in die Monate Juni bis August. Die Schoten werden mit einem Nagelstempel markiert, damit sie nicht gestohlen werden können. Die meisten Bauern liefern ihre Schoten einem grösseren Verarbeiter, denn die Aufbereitung bis zur handelsfertigen Vanille ist aufwändig. Zuerst müssen die grünen Schoten in ca. 70°C heissem Wasser für einige Minuten gebrüht werden. Dann kommen sie für ca. einen Tag in eine isolierte Kiste, wo der Fermentationsprozess abläuft. Erst jetzt haben die Schoten ihre kastanienbraune Farbe und duften nach Vanille. Jetzt müssen sie aber noch über mehrere Wochen an der Sonne getrocknet werden. Jeden Abend werden sie wieder in Tücher gehüllt, damit die Fermentation noch weiter gehen kann. Zum Schluss werden sie klassiert, sortiert und verpackt.


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Das kleine Reservat “Macolline“ gehört zu den beliebtesten Ausflügen in dieser ruhigen Stadt. Es ist ein privater botanischer Garten, gegründet von der Apothekerin Marie-Hélène Kam-Hyo. Sie erzählt den Besucher gerne von ihren Umwelt- und Lepraprojekten. Das kleine Reservat liegt etwa 3 km nördlich der Stadt Antalaha am Fluss Ankavanana und erstreckt sich über etwa 10 ha. Wer über keine Zeit für ein Trekking durch den Masoala-Nationalpark hat, sollte unbedingt dieses kleine “Open Air- Museum“ besuchen. Die ortskundigen Guides zeigen den Besucher die verschiedenen Heilpflanzen und die etwa 600 Arten von wertvollen Pflanzen sowie diverse Obstbäume. Neben der Vanille blüht hier einmal im Jahr eine seltene Pflanze mit schneeweissen Blüten, die Clerodendrum kamhyoae. Sie gehört zur Gattung der Losbäume oder Lossträucher, wurde erst vor kurzem entdeckt und hat noch keinen deutschen Namen. Sie wurde hier “La Mariée“ oder “die Braut“ genannt und kommt nur hier vor. Das Aufblühen ist ein kleines Naturwunder und die fertigen schneeweissen Blüten prangen an langen Stielen. Natürlich sind auch verschiedene Tiere wie Chamäleons, Schmetterlinge und Lemuren hier zu Hause.

Antalaha
Die Schiffe oder die Dauen sind das übliche Transportmittel zwischen Antalaha und den kleinen Fischerdörfern entlang der Ostküste Madagaskar. Nebst Belo sur Mer bei Morondava gilt Antalaha als ein wichtiges Zentrum für den traditionellen Schiffsbau. Die kleinen lokalen Schiffwerften befinden sie direkt am Strand von Antalaha. Hier werden grosse Holzschiffe in reiner Handarbeit gebaut. Diese traditionelle Handwerkskunst des Schiffbaus haben die Dorfbewohner von den arabischen Einwanderern übernommen.

Neben den schönen und ruhigen Stränden von Antalaha erleben die Reisenden hier auch eine vielseitige Landschaft mit Weilern, Kokos- und verschiedenen grünen Gewürzplantagen. Antalaha ist aber auch Ausgangspunkt für eine erlebnisreiche Trekking-Touren durch den Masoala-Nationalpark oder für abenteuerliche Wanderungen entlang der Vanilleküste.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

SAVA

1600 SAVA

Im Nordosten von Madagaskar befindet sich die Region SAVA. Diese Bezeichnung ist eine Abkürzung der vier wichtigen Städte der Zone: Sambava, Antalaha, Vohémar und Andapa.

SAVA ist ebenfalls der Name der Region. Die frühere Aufteilung Madagaskars in sechs Provinzen wurde ja in den Nuller-Jahren in 22 Regionen umgewandelt. SAVA ist also Teil der ehemaligen Provinz Diego-Suarez (Antsiranana).

Die Region SAVA ist fruchtbar und verfügt über genügend Niederschläge. Das Klima eignet sich hervorragend für den Anbau von Vanille. Daher wird insbesondere Antalaha als Welthauptstadt der Vanille bezeichnet. Doch auch Sambava und Andapa und in geringerem Mass auch Vohémar pflanzen Vanille an. In Vohémar nimmt die Viehzucht jedoch ein grösseres Gewicht ein. (Der kolonialfranzösische Ortsname Vohémar wurde in den nationalistischen Zeiten der 1980er Jahre in Iharana umgetauft. Dies hat sich aber nicht durchgesetzt.)

SAVA ist etwas über 25’000 km2 gross und wird von knapp 2 Mio Leuten (2020) bewohnt. Im Süden gehört die Masoala-Halbinsel dazu und im Westen begrenzt das Tsaratanana-Gebirgsmassiv die Region. Im Tsaratanana-Gebirge erhebt sich der Maromokotro auf 2876 m ü. M. und ist damit der höchste Berg von Madagaskar.

SAVA ist mit Fahrzeugen nur über die RN 5a erreichbar. Die RN 5a führt von Ambilobe über 170 km nach Vohémar: eine abenteuerliche Naturpiste. Schiffstransport spielt eine gewisse Rolle zwischen dem internationalen Hafen von Tamatave (Toamasina) und Antalaha. Doch die Umfahrung der Masoala-Halbinsel ist sehr risikoreich. Sambava hat keinen Hafen. In Vohémar wird Treibstoff angeliefert.

Antalaha in Madagaskar

Antalaha in Madagaskar

Antalaha, Madagaskar einmal ganz anders! In weiteren Teilen des Landes gilt: Das Gegenteil von Gut…ist gut gemeint!

Wer zuerst durch das Hochland entlang der RN7 von Antananarivo nach Tulear reist, bevor er dann nach Antalaha hoch oben an die Ostküste fliegt, wird sich fragen: «Bin ich noch in Madagaskar?» Denn hier oben sieht es komplett anders aus im Vergleich zum Hochland.

Am Flughafen in Antananarivo wird man, wie sonst auch überall, von mehreren Menschen angesprochen, die entweder Euromünzen wechseln oder das Gepäck von einem zum Schalter oder PKW draussen vor der Tür bringen möchten. Auch wenn Sie nur mit einer kleinen Reisetasche reisen, möchte jeder gerne noch mit Ihnen etwas Geld verdienen und hat dann natürlich wenig Freude daran, wenn Sie höflich, aber bestimmt abdanken und Ihre Tasche selber tragen.

Manchmal, wenn auch nicht oft, hat man wirklich genug von den Strassenverkäufern und Bettlern, die einen regelrecht entlang der RN7 und auch in der Hauptstadt belagern. Es ist verständlich, dass sie nach Geld fragen und hoffen ein paar Ariary‘s an den Touristen zu verdienen. Dennoch ist die Art, auf die es gemacht wird, einfach nicht schön.

In Antsirabe kann man manchmal nicht einmal mehr die Autotür öffnen, ohne direkt ein paar der Einheimischen gleichzeitig zur Seite schieben zu müssen, um das Auto verlassen zu können. Einige Touristen finden dies natürlich recht unangenehm und wissen nicht wirklich mit der Situation umzugehen.

Antalaha ist allerdings anders. Ich bin jetzt seit über einer Woche in dieser idyllischen Stadt an der Nordostküste von Madagaskar und bis jetzt wurde ich kein einziges Mal von jemandem auf der Strasse angehalten und/oder nach Geld gefragt.

Warum ist der Kontrast so gross zwischen Antalaha oder besser gesagt der gesamten SAVA-Region und dem Rest von Madagaskar?

Die geringere Armut in dieser Region könnte eine Antwort sein. Sie ist bekannt für Rosenholz, aber dies allein kann nicht der Grund sein. Da die Vanillepreise zurzeit sehr hoch sind, ist auch das alltägliche Leben und alle Dinge, die für das Leben gebraucht werden, auch viel teurer geworden. So ist dies für alle, die hier leben, momentan die teuerste Region in Madagaskar …und nicht jeder Bewohner hier profitiert auch von der Vanille und so werden sie hierdurch nur noch ärmer als vorher.

Nein, ich denke eine der Hauptgründe sind wir Touristen. Wir sehen ein paar süsse und lächelnde Kinder, die nach unserem Empfinden alte und abgetragene Kleidung tragen. Da entsteht natürlich sofort das Bedürfnis etwas geben zu wollen, um zu helfen. Hierbei bedenken wir häufig nicht, dass wir mit dieser Geste den Kindern und der Entwicklung des Landes keinen Gefallen tun. Die Eltern dieser Kinder signalisieren natürlich, dass ihre Kinder von Touristen allein durchs Handaufhalten Geld bekommen. Dies führt dann dazu, dass sie ihre Kinder nicht mehr zu Schule gehen lassen, sondern nach draussen schicken, um dort zu betteln. Hier kann man klar erkennen, was der Autor Daniel Rösler mit seinem Buch: «Das Gegenteil von Gut… ist gut gemeint» aussagen will. Es ist essentiell sich mit den Begebenheiten des Landes im Vorfeld zu beschäftigen und wenn man sich entscheidet ein Drittweltland zu bereisen, könnte es im Voraus helfen dieses Buch zu lesen, um so zu vermeiden, dass man die Bettelkultur, die man an vielen Orten als unangenehm empfindet, nicht an anderer Stelle zu unterstützen.

Generell ist natürlich gegen Hilfe nichts einzuwenden, denn jeder fühlt sich wohl dabei und das schlechte Gewissen, was einen häufig als wohlhabender Reisender in einem armen Land überkommt, durch das Geben zu kompensieren.

So gibt man heute etwas und morgen noch was und so kommt man in einen kleinen Rausch und kann nicht aufhören zu geben. Man ist der Meinung man hilft und tut etwas Gutes – aber in Wirklichkeit hilft man nur dabei die Bettelkultur im Land zu fördern und begegnet dadurch einem Einheimischen niemals auf Augenhöhe.

Es ist nicht so, dass Touristen nicht helfen dürfen. Sie müssen sich nur informieren, an welcher Stelle das Geld gut platziert ist, um nachhaltig die Entwicklungen im Land zu fördern.

Ich als Reiseleiterin zum Beispiel „verbiete“ meinen Gästen unterwegs aus dem Auto heraus Süssigkeiten oder andere kleine Geschenke an bettelnde Kinder und/oder Erwachsene zu geben. Wir lagern hierfür hinten im Fahrzeug einen Spendenkorb, der nicht durch die Fenster sichtbar ist. Wenn wir unterwegs gute Begegnungen haben, kann es sein, dass wir als Dankeschön für ein gemeinsames Singen oder eine weitere gemeinsame Aktivität ein Geschenk aus unserem Spendenkorb dalassen. Wenn wir zum Beispiel beim Fussball spielen mitmachen dürften und einen neuen Fussball mit Pumpe bereitliegen haben, ja dann steht einem Tauschhandel nichts im Wege. So tauschen wir den selbstgebastelten madagassischen Fussball für uns als Souvenir, gegen unseren neuen Ball aus unserem Spendenkorb. Wichtig ist, wenn Sie unterwegs so einen Tauch eingehen, Sie auch klar kommunizieren, wer später für den neuen Fussball und die Pumpe verantwortlich ist. Am besten Sie wählen hierfür eines der älteren Kinder oder einen Erwachsenen aus, sodass die Kinder keinen Grund haben zum Streiten.

Wenn Sie gerne eine Schule, ein Waisenheim o. ä. besuchen möchten, werden die eventuellen Sachspenden immer direkt an eine/n Verantwortliche/n vor Ort gegeben (am besten vor den Augen mehrerer, sodass eventuelle Eigennutzen durch diese Person vermieden werden können).

Bitte geben Sie auch nie direkt Geld, wenn Ihnen irgendjemand z. B. von seinen kanken Kindern, der Mutter oder dem Vater etc. erzählt. Sicher stimmt es manchmal, dass engste Verwandte ein Leiden haben, häufig ist es aber auch nur eine Masche, um rasch aus Mitleid an Geld zu kommen.

Aber um zurück zu Antalaha und dem Rest der SAVA-Region zu kommen. Hier finden Sie zum Glück noch immer das ursprüngliche Verhalten der Madagassen. Sie sind stolze Menschen, die gerne den Vazaha‘s (Menschen mit weisser Hautfarbe) auf Augenhöhe begegnen. Wenn ich ihnen dann von dem neuen Verhalten der Madagassen entlang der RN7 und auch in anderen touristischen Gegenden in Madagaskar erzähle, schauen sie mich verwundert an und sagen: „Das kann nicht sein, sowas machen Madagassen nicht.“

Kinder in Antalaha in Madagaskar

Liebe Reisende, reisen Sie also bitte von nun an bewusst und nachhaltig, nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und geben Sie nur gezielt, damit Sie die Bettelkultur im Land nicht weiter fördern.

Nehmen Sie verschiedene Lieder, Seifenblasen oder Fussbälle mit ins Gepäck, treten Sie in Kontakt auf Augenhöhe, lernen Sie sich kennen und machen etwas Gemeinsames mit den Einheimischen. So erhalten Sie und natürlich auch alle Beteiligten ein paar schöne Begegnungen, an die Sie sich gerne erinnern werden.

Wenn Sie auch für Erwachsene unterwegs etwas dabei haben möchten ist z. B. ein Sparschäler oder auch Seife ein gern gesehenes Mitbringsel. Hier gilt natürlich dasselbe wie bei den Kindern, geben Sie nicht einfach nur, sondern treten Sie zunächst in Kontakt, tauschen Sie sich aus und wenn es für Sie passend ist, lassen Sie ein Geschenk zurück.

Sollten Sie Madagaskar hautnah erleben und ein authentisches Reiseerlebnis erleben wollen, dann nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf und wir helfen Ihnen Ihre Reise individuell zu gestalten und vor Ort zu realisieren.

Ihre Ellen Spinnler

Madagaskar abseits

Madagaskar abseits mit PRIORI

Madagaskar abseits mit PRIORI, dem Reisespezialisten für Madagaskar.

Madagaskar mit seiner sehr speziellen Fauna und Flora, wer möchte nicht einmal im Leben dahin? Wir als Reisespezialist bringen Sie gerne und kompetent nach Madagaskar. Nicht ohne Grund sagen wir, dass wir Swiss Quality für unsere Reisen in Madagaskar anbieten!

In den letzten Jahren gibt mehr und mehr Anbieter für Madagaskar, aber oft bieten sie mehr oder weniger alle die gleichen Touren an. Mit dem Resultat, dass der Gast selten an Orte kommt, an dem man noch das ursprüngliche Madagaskar erleben darf. An Orte also, wo man immer noch Menschen begegnet, ohne dass Betteln im Vordergrund steht. An Orten, wo die Begegnung im Zentrum steht, wo man gegenzeitige Neugier spürt. An Orten, wo man gerne noch ein bisschen länger verweilen möchte, weil alles nur schön ist und man am liebsten die Zeit stillhalten würde.

Wir von PRIORI bieten Reisen in alle Teile von Madagaskar an und bringen unsere Gäste auch wirklich an Orte ohne Massentourismus.

Wir sind spezialisiert auf Individual-Reisen und sind mit unserem Hauptbüro seit 1994 in Antananarivo vor Ort.

Selbstverständlich dürfen unsere Gäste auch mit uns die Baobabs, Tsingys, Pirogenfahrt, Zugreisen, Regenwälder mit Lemuren und Chamäleons erleben. Wir bringen Sie überall hin. Aber zusätzlich zu den Highlights, die Sie in den verschiedenen Reiseführern finden, machen wir bei einer persönlichen Beratung gerne zusätzliche Reisevorschläge, die Ihre Reise noch erinnerungswerter machen wird!

Hier sehen Sie eine kleine Serie mit Filmen über Orte, die selten besucht werden und in die wir Sie gerne hinbringen würden!

  • Madagaskar abseits, Kanal des Pangalanes

  • Madagaskar abseits, SAVA

  • Madagaskar abseits, Ambatondrazaka

Madagaskar abseits, Tsingy de Namoroka

Madagaskar abseits, Mandritsara

Madagaskar abseits, Fianarantsoa

Madagaskar abseits, Mangoky

Dies sind nur ein paar von vielen Orten. Wenn Sie Interesse haben, Madagaskar abseits zu erleben, nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Kommen Sie am liebsten bei uns im Madagaskarhaus Basel für eine persönliche Begegnung vorbei.  Wir freuen uns auf Sie!

Reise durch Madagaskars Norden – Vanille, Schlamm und Ramsamsam

Die Reiseberichte unserer Kollegin Ellen, die gerade in Madagaskars unterwegs ist, geben Einblicke und eine Idee davon, was es heißt, in Madagaskar zu reisen. Heute nehmen wir Sie mit nach SAVA, die Vanilleregion Madagaskars:

Reise Madagaskar Norden VanilleLetzten Samstag haben wir eine dreitägige Reise von Antalaha ins Landdesinnere gemacht. Geplant waren zwei Stunden Autofahrt mit anschliessenden zwei Stunden Bootsfahrt auf dem Fluss Ankavanana zum Dorf Sarahandrano.
Wie es so ist in Madagaskar kommt es oft anders als geplant und zwei Autostunden werden zu 3-4. Die Strasse war – wie erwartet nach dem Regen – voller Schlamm und grossen Seen. Auch wenn wir nur einmal so richtig fest in Schlamm stecken blieben, haben wir viel Zeit damit verbracht, einem Taxi-Brousse (lokaler Minibus) zu helfen, der ohne unsere Hilfe garantiert nicht weitergekommen wäre.

Madagaskar Reise SAVA Vanille DorfBei Ankunft in dem Dorf, von dem unsere Weiter-fahrt mit einen Boot geplant war, hat sich herausgestellt, dass der Bootsfahrer nicht genug Treibstoff gehabt hat, um „so weit“ zu fahren. Also mussten wir noch ein Stück weiter mit dem Auto fahren, das ist eben auch Madagaskar – man muss flexibel sein und sich von Anfang an und das Beste daraus machen, wenn etwas nicht wie geplant läuft.
Anderseits geben solche Abweichungen vom Plan immer die Gelegenheit etwas zu erleben, womit man vorher nicht gerechnet hat. Bevor wir uns auf die Weiterfahrt aufmachten, wollten wir die lokalen Bontaka (Bananenküchlein, nur aus Mehl und Bananen gemacht) probieren. Die Bontaka haben so gut geschmeckt, dass uns eines nicht genug war, und am Ende probierten wir richtig viele, so dass wir „vokybe“ (satt) weiterfuhren. Durch unsere Kostprobe haben wir natürlich etwas Zeit verloren und kamen letztendlich wegen der schlechten Strasse absolut nicht so weit wie wir wollten…

…lange Story kurzer Sinn, wir mussten das letzte Stück zum Boot zu Fuss bestreiten, was sich als schwieriger als gedacht erwies. Die nasse Strasse war glatt wie Eis im Winter. Doch mit viel Vorsicht und nach nur ein paar kleinen Stürzen (zum Glück ohne Beinbruch oder kaputte Kameras) kamen wir nölig am Boot an und konnten die nächsten zwei Stunden auf dem Wasser in vollen Zügen geniessen. Für jede Minute, die wir unterwegs waren, bewegten wir uns mehr und mehr weg von der Zivilisation, bis wir unser Ziel – das kleine Vanilledorf – kurz nach Mittag erreichten.

Sie haben auf uns gewartet und das Essen stand parat. Jacqueline, die Frau, die für uns gekocht hatte, könnte ohne Problem ein erfolgreiches Restaurant in der Stadt aufmachen, weil das Essen ausgezeichnet gut geschmeckt hat. Anschliessend haben wir unsere Sachen in die Bungalows gebracht, bevor wir dieses kleine Dorf näher angekuckt haben.

Madagaskar Reise SAVA VanilleDie Menschen hier leben hauptsächlich von Vanilleplantagen, überall wo wir hingingen hat es nach Vanille gerochen. Es war deutlich zu spüren, dass sie hier vor Ort nicht sehr gewohnt an Touristen gewöhnt sind (hoffentlich verbleibt es auch so). Als wir ankamen waren die Leuten sehr freundlich, begrüssten uns mit einem „Bole tsara“ und keiner bettelte nach Geld, Seife oder irgendeinem anderen Geschenk. Ausser ein Herr, der sein ganzes Geld garantiert aufgebraucht hatte, um Alkohol zu kaufen…er fragte mich nach Geld für eine kleine Flasche Rum. Er hatte nach meinem Empfinden mehr als genug für die nächsten Tagen getrunken – und wenn es um Geld für Alkohol geht bin ich sowieso nicht die richtige Ansprechpartnerin.

Unsere Bungalows hatten deutliche Spuren, dass sie nicht gerade viel benutzt werden…und auch deswegen hat wohl niemand versucht, sie in Schuss zu halten. Der Bungalow, den wir hatten war im Grundriss grosszügig und hatten eine sehr gute Matratze…aber was einmal einen Balkon war, waren jetzt nur ein paar morsche Holzstücke, die das Betreten des Balkons leider unmöglich machten. Die vielen Lampen die herumhingen funktionierte alle nicht, da der Generator im Dorf war (und die Bungalows ausserhalb der Dorf)….
Aber für ein paar Nächte war dies ein wunderschöner Ort zum Verweilen. Madagaskar Reise Vanille Norden Wir wohnten nur 5 Minuten zur Fuss vom Dorf entfernt und hatten eine wunderschöne Aussicht auf den Fluss. Am ersten Abend durften wir einen wunderschönen Sternen-himmel beobachten und konnten das „Kreuz des Südens“ sehr gut sehen. Direkt neben unserem Bungalow haben wir Chamäleons und verschiedene Vogelarten gesehen und mit der Stille, nur begleitet von Vogelsang, war dieser Ort wie ein kleines Paradies, speziell im Vergleich zu Antalaha, wo wir herkamen.

Der Hauptgrund für diese Reise war, dass wir ein paar Vorbereitungen für ein deutsches Fernsehteam, das eine Woche später kommen sollte, machen mussten. Sie werden eine Dokumentation über Madagaskar und speziell über Vanille machen…
…und ich freue mich schon, das fertige Produkt zu sehen.

Ich bin auch gespannt, ob das Fernsehteam auch ein paar singende Kinder antreffen wird, die vielleicht Ramsamsam singen und dazu tanzen…denn als ich dieses Dorf verlassen habe habe ich zusammen mit mindestens 40-50 Leuten dieses Lied gesungen und den dazugehörenden Tanz geübt. Den ersten Tag habe ich Ramsamsam zusammen mit ein paar Mädchen gesungen. Als ich am folgenden Tag durch Dorf ging hatten sie sichtlich auf mich gewartet…diesmal Mädchen und Jungen, die alle Ramsamsam singen und tanzen wollten.
Es macht richtig Spass Kindern etwas zu lehren, das sie weiterlehren können.

Zurück in Antalaha musste ich zugeben, dass es ein solcher Offroad-Trip recht anstrengen sein kann. Nachdem ich mich im Auto festhalten musste, habe ich Muskelkater wie nach einen Marathon bekommen. Aber der Muskelkater verschwindet und die Erinnerungen bleiben. Und bald brechen wir auf zu unserem nächsten Abenteuer hier in Madagaskar.

Reise Madagaskar Norden Vanille

Madagaskars Vanille-Region SAVA

Vanille Madagaskar SAVA PRIORI ReisenDas Markenzeichen Madagaskars ist die weltweit bekannte Bourbon-Vanille. Das edle Gewürz wird im Nordosten Madagaskars, in der Region SAVA angebaut. Der süssliche, intensive Vanille-Duft liegt hier in der Luft, egal wohin man geht.

Vor allem die kleinen madagassischen Städtchen Sambava und Antalaha gelten als Vanille-Zentren. Zahlreiche Familien-Betriebe haben sich auf Verarbeitung der wertvollen Schoten spezialisiert.

Zu den Orten der Region SAVA zählen neben Sambava und Antalaha noch Vohémar und Andapa. Allesamt sind madagassische Kleinstädte voller Farben und Gerüche. Ihre Anfangsbuchstaben bilden den Namen der Region. Die Ernte der Vanilleschoten ist jährlich in den Monaten Juni bis August. Erst nachdem die grünen Kapseln der Vanille-Orchidee geerntet und in heissem Wasser fermentiert wurden entwickelt sich die typische dunkelbraune Färbung und das intensive Aroma der Schoten. Dieser Prozess dauert mehrere Wochen und ist ein ausgeklügeltes Schauspiel, denn die Trocknung muss abwechselnd in der Sonne und im Schatten erfolgen.

PRIORI bietet individuelle Reisen in diese schöne und wenig besuchte Region Madagaskars und ihren Vanilleproduzenten an.

Dabei erleben Reisende auch die vielseitige Landschaft der Gegend mit Weilern, Reisanbaugebieten und Kokosplantagen sowie einem Besuch im reizvollen Bergmassiv des Marojejy Nationalparks. Auch schöne Strände hat der Nordosten der Insel zu bieten.

Neben individuellen Touren können Reisende an Kleingruppen-Reisen in die Region SAVA teilnehmen. Weitere Informationen dazu erhalten Interessierte unter: www.madagaskarhaus.ch

Blick auf das Marojejy Bergmassiv