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Fianarantsoa – Isalo

2200 – Fianarantsoa – Isalo

Das südliche Hochland intensiv erleben, die Hügelzüge, die terrassierten Reisfelder, die mystischen Gesteinsformationen.


Im südlichen Madagaskar wird uns dies alles beeindrucken, daneben der Besuch der verschiedenen Handwerksstätten wie die Papiermanufaktur, die Seidenweberei, ein Weinkeller. Wir werden von Lemuren, Chamäleons und den freundlichen Hochlandbewohnern begleitet, wenn wir diese südliche Region zwischen Fianarantsoa und Ranohira gemächlich durchreisen und dabei mehr von den Geschichten, den Sitten und der Kultur der Betsileo- und Bara-Volksstämme kennen lernen.

Wir verlassen die Stadt Fianarantsoa mit ihren zahlreichen Treppen und Kirchen. Die Hauptstadt des Betsileo-Landes ist so wie die Hauptstadt Antananarivo auf drei Ebenen erbaut. Wir durchfahren die kurvige Landschaft in ihren Rot-, Grün- und Brauntönen bis zum kleinen, idyllischen Ort Ambalavao. Dieses Kleinstädtchen ist genau 55 km von Fianarantsoa entfernt und markiert den Übergang vom Hochland, das Land mit den kunstvoll terrassierten Reisfeldern und dem Land der nomadisierenden Bara-Volkstämme im Süden. Diese leben hauptsächlich von der Zebuzucht.

Charakteristisch in Ambalavao ist auch die Hochlandarchitektur mit den zweistöckigen Häusern aus Backsteinen mit ihren schön verarbeiteten Balkonen.

Wir besuchen die Papierwerkstatt in der Stadtmitte. Dort wird das schöne und bunte “Blumenpapier“ nach den alten Traditionen der Küstenbewohner oder der Antaimoro-Volksgruppe, die aus einem arabischen Land stammen, manuell angefertigt. Die Rinde des wild wachsenden Maulbeerbaumgewächses “Avoha“ ist der Rohstoff für dieses naturfarbene Papier.

Den interessanten und grossen Mittwochsmarkt in Ambalavao darf man nicht verpassen.

Die Bauern und die Handwerker aus den Nachbardörfern kommen früh am Morgen hierher und bringen ihre Produkte auf den Markt. Die Frauen verarbeiten die Cocons der gezüchteten oder wilden Raupen zu feinen und edlen Seidentüchern “Lamba Landy“. Diese werden als Überwurf auf den Schultern getragen. Mit den roten Leichentüchern oder “Lambamena“ werden die Verstorbenen eingewickelt.

Der Zebumarkt am Stadtrand gehört ebenfalls zu den Attraktionen in diesem kleinen Städtchen. Zahlreiche Zebuzüchter und Hirten von nah und fern treiben ihre fetten Buckelrinder auf den Auktionsplatz, wo die Tiere versteigert werden. Ein buntes Treiben von Hirten, Händlern und Tieren herrscht dann auf dem grossen Markt.

Fianarantsoa – Isalo
Weitere 13 Kilometer südlich von Ambalavao liegt der Anja Park. Es handelt sich hier um ein trockenes Waldgebiet von 8 ha zwischen beeindruckenden Granitfelsen und malerischen Dörfern.

Die Gruppen von Katta-Lemuren, die von Baum zu Baum springen, sind mit ihren langen schwarz-weissen Schwänzen unverkennbar. Grüne Chamäleons, Meister der Tarnung, und viele endemische Vögel lassen sich hier entdecken.


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Östlich von Ambalavao liegt der Nationalpark von Andringitra, der zweithöchste Berg Madagaskars. Von Ambalavao fahren wir auf einer Piste durch das zentrale Hochland bis zum Parkeingang. Mit Hilfe von lokalen Guides und Träger queren wir von Norden nach Süden dieses spektakuläre Bergmassiv.

Die Trekkingtour durch dieses Bergmassiv ist zweifellos bestimmt für Bergliebhaber.  An der Grenze der fleissigen Betsileo als Reisanbauer und den zähen Bara als Zebuzüchter durchwandern wir abgelegene Dörfer und weitläufige Täler, in denen Reis und Maniok angebaut wird. Wir können den höchsten zugänglichen Gipfel Madagaskars erklimmen: der 2568 Meter hohe Pic Boby oder Pic Imarivolanitra (dies bedeutet wörtlich “nahe am Himmel“). Oben bieten sich uns auf 360 Grad atemberaubende Ausblicke als Belohnung für den Aufstieg.

Nach den langen Fussmärschen durch grünen Wald, vorbei an rauschenden Wasserfällen, können wir uns in einem natürlichen Schwimmbad erfrischen. Beim Sonnenuntergang geniessen wir die absolute Ruhe und die Weite. Abends erholen wir uns am Lagerfeuer und geniessen die madagassische Spezialität, die uns unser Guide aus frischen Zutaten zaubert. Vor dem Schlafengehen erzählt er nochmals einiges über die Sitten und Bräuche der verschiedenen Ethnien in Madagaskar.

Fianarantsoa – Isalo
Eine der bemerkenswertesten und eindrucksvollsten Traditionen der Ahnenverehrung auf der ganzen Insel ist das Famadihana-Fest oder die sogenannte “Totenumbettung“ im Hochland, genauer gesagt bei der Merina- und Betsileo-Volksgruppe.

Es geht hier um ein Freudenfest, ein Wiedertreffen mit den Vorfahren. Im Abstand von drei bis fünf Jahren werden während des Südwinters (zwischen Juli und September) die Verstorbenen oder was von ihnen übrig geblieben ist (Knochen oder auch der Staub) aus dem Familiengrab geholt, wieder in ein neues Seidentuch eingewickelt und schliesslich, nach langer Zwiesprache mit den Verstorbenen, wieder ins Grab zurück gelegt, alles von Musikanten und Tanzgruppen begleitet.

Möglich ist auch, dass ein Mitglied der Familie vor ein paar Jahren in einer anderen Region begraben wurde. Bei diesen “Feiern der Leichenwende“ werden dann seine sterblichen Überreste in der Familiengruft mit einem freudvollen und fröhlichen Ereignis bestattet, denn nach der madagassischen wichtigsten Lebensauffassung gehören die Lebenden und die Toten immer zusammen „Velona iray trano, maty iray fasana“ oder „lebend im selben Haus, tot im selben Grab“. Dieser Brauch drückt das Symbol der langen Zusammengehörig­keit der madagassischen Familie aus.

In der traditionellen Vorstellungswelt der Madagassen bleiben sie durch diese Bestattungsriten in Kontakt mit den Ahnen, die Vorfahren werden als Vermittler zwischen Gott und den Lebenden betrachtet und beschützen jahrelang die Nachfahren mit diesem Ahnenkult.

Ähnlich wie beim Begräbnis opfert die Familie mehrere Zebus bei dieser zweiten Bestattung. Eingeladen zu diesem rauschenden Familienfest sind die Verwandten, die Freunde, die Nachbarn, sogar das ganze Dorf. Ein immenser Aufwand für die Familienmitglieder, bei dem der Geldbeutel der Familie zu diesem Zeitpunkt eine grosse Rolle spielt. Jeder Eingeladene bekommt einen grossen Teller Reis mit fettigem Fleisch “Vary be menaka“ und die Männer trinken bei dieser Gelegenheit ausgiebig selbstgebrannten Rum aus Zuckerrohr, den “Toaka gasy“.

Die Astrologie ist auf der ganzen Insel weit verbreitet. Die Wahrsager oder Schamanen haben ihr überliefertes Wissen von den arabischen Einwanderern geerbt, so werden sie vor jeder Zeremonie von der Familie konsultiert, wann der geeignete Zeitpunkt für die Totenfeste ist.

Fianarantsoa – Isalo
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt im Nationalpark von Andringitra fahren wir weiter Richtung Süden. Die grünen Reisfelder verschwinden und die unendliche Steppe oder Savanne mit vereinzelten Büschen und Bäumen taucht auf. Das “Tor zum Süden“,  zwei markante Granitfelsen links und rechts der Nationalstrasse Nr. 7 begrüssen uns. Ab hier beginnt die karge und wasserarme Südregion, sie ist extrem dünn besiedelt. Zebuherden weiden auf den kargen Graslandschaften und die Rinderhirten hüten ihr Vieh, immer auf der Hut vor Rinderdieben. Die Berg- und Felsenlandschaften werden von weiten Grassavannen abgelöst, die sich bis zum weiten Horizont erstrecken.

Bevor wir die Stadt Ihosy erreichen, sehen wir schon vom weiten und mitten in dieser Wildwestlandschaft die spektakuläre, rundliche Felsenformation, ein schöner Inselberg, der den Namen “Bischofshut“ trägt. Für Botaniker ist er hochinteressant, wegen der Sukkulentenpflanzen wie die Aloen, die Euphorbien und die Pachypodien, die auf diesem trockenen Granitfelsen gut gedeihen.

Nach 200 km von Fianarantsoa entfernt treffen wir in der Stadt Ihosy ein, die Hauptstadt der Bara-Ethnie. Dieser Volkstamm lebt hauptsächlich von der Zebuzucht in den Trockengebieten an den südlichen Ausläufern des Hochlandes. Die Verehrung der Zebus ist bei keiner anderen Volksgruppe so stark ausgeprägt. Ein Bara ohne Zebus wird nicht als ein “wichtiger oder geschätzter Mann“ betrachtet.

Die Zebuherde ist Symbol für Reichtum, Stärke, Tüchtigkeit und Wagemut, natürlich ist sie auch eine gute Einnahmequelle für die Familie. Das Stehlen von Zebu war früher für den Bara-Bräutigam eine Mutprobe, für seine zukünftige Frau war das ein Zeichen, dass dieser mutige Mann sie später gut beschützen werde und keinerlei Furcht kannte. Diese Tradition wird heute nicht mehr durchgeführt, denn dieser Brauch führte damals zu massivem Viehdiebstahl und war sogar zu einem nationalen Problem geworden.

Während der Trockenzeit ist es immer sehr schwierig für die Bara, genug Futter und Wasser für ihre Zebuherden zu finden, so müssen die Hirten ihr Dorf in der kargen Graslandschaft verlassen und tagelang die Rinderherden treiben, bis sie einen grossen Weideplatz in der Nähe eines Flusses finden. Deswegen zählt diese Bevölkerungsgruppe zu den Halbnomaden. Durch das Abbrennen des trockenen Grases sorgen sie beim Einsetzen des ersten Regens zwar für frisches, saftig nachwachsendes Gras, doch diese Methode zerstört die letzten Bäume und die Felder. Im Süden ist dies leider der Hauptgrund der Brandrodung.

Fianarantsoa – Isalo
Ihosy, die Hauptstadt der Bara-Volkstämme, liegt in der Nähe des gleichnamigen Flusses. Ihosy bedeutet “Seil“, so windet sich auch das Flussbett in dieser Region. Ihosy ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt: Hier zweigen die RN27 Richtung Osten auf die abenteuerliche Piste nach Farafangana und die RN13 bis hinunter zum Indischen Ozean nach Tolagnaro (Fort Dauphin) ab.

Wir befahren den letzten Streckenabschnitt unserer heutigen Etappe zwischen Ihosy und Ranohira. Diese 90 km lange Strecke führt uns durch die Hochebene von Horombe, eine unendliche baumlose Graslandschaft, auch hier eine Viehweide für die Bara-Nomaden. Die Strasse verläuft schnurgerade bis zum Isalo-Gebirge.

Endlich kommen wir in Ranohira an, dieses Städtchen ist der Ausgangspunkt für viele Wandertouren im Isalo Nationalpark. Langsam und gemächlich erkunden wir dieses Sandsteinmassiv aus der geologischen Jurazeit mit unterschiedlichen Landschaftsformen, geprägt durch Höhlen, Schluchten und Grotten. Es ist wirklich ein ideales Gebiet für Wander- und Trekkingtouren mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Juli 2021; geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa und Umgebung

2130 – Fianarantsoa und Umgebung

Die Stadt Fianarantsoa ist die Hauptstadt des Betsileo-Volkstammes in Madagaskar.


Fianarantsoa liegt 420 km südlich von Antananarivo. Die Sitten und Bräuche, sowie die Geschichte und der Stadtplan dieser beiden grossen Städte sind sehr ähnlich. Die Region Fianarantsoa ist auch berühmt für seinen Wein und seinen Tee: eine überraschende Entdeckungsreise zwischen Zunge und Gaumen.

Fianarantsoa, kurz “Fianar“ genannt, wie die Einwohner ihre Stadt liebevoll nennen, bedeutet wörtlich “wo man Gutes lernt“, da die erste Schule während der Königszeit in dieser Region gebaut wurde. Fianar liegt zwischen der Hauptstadt Antananarivo und der südlichen Grenze des Hochlandes und war einst die zweite Residenz der Königin Ranavalona I. mit ihrer Merina-Truppe. Die Stadt wurde im Jahr 1830 gegründet und galt als das Verwaltungszentrum aller Neueroberungen dieser Königin im Süden und Osten des Landes. Ein Palast aus Palisanderholz wurde damals auf dem höchsten Hügel der Oberstadt gebaut. Von dort hat man auch heute noch einen schönen Ausblick auf die kunstvoll gestalteten Reisterrassen und Gemüsefelder im Westen und auf die grünen Ausläufer des Regenwaldes. Pure Landschaftspoesie!

Katholische und evangelische Kirchen, andere christliche Einrichtungen und Missionsstationen, Religionsgemeinschaften und verschiedenen Schulen prägen das Stadtbild von Fianarantsoa seit der Kolonialzeit. Die Stadt entwickelte sich später zum Zentrum für die katholische Missionstätigkeit in Madagaskar, so wurde sie im Laufe der Zeit als die grosse katholische Hochburg im Süden des Landes bezeichnet, denn die Kirchendichte ist auf der ganzen Insel nirgends so hoch wie hier. Auf einer Stadtrundfahrt in die Oberstadt sieht man vom Weiten auf einem Felsbrocken die weisse, stattliche Marienstatue. Heute haben die katholischen Kirchen noch immer einen grossen Einfluss in Entwicklungsprojekten und Hilfeleistungen, im sozialen Bereich wie Schulen und Krankenhäusern. Schliesslich sind 60% der Bevölkerung in der Umgebung von Fianarantsoa katholisch.

Die Stadt Fianarantsoa ist – wie die Hauptstadt Antananarivo – auf drei Ebenen erbaut.

Die Oberstadt oder auch die Altstadt ist der höchste Punkt von Fianar und liegt 1’269m über dem Meeresspiegel. Von dort hat man einen spektakulären Panoramablick auf die ganze Stadt und die umliegende Berglandschaft. Die schönen Kolonialhäuser und die stilvollen Kathedralen links und rechts der alten Gassen stehen auf der Liste der schützenswerten und bedrohten Städte und wurden wegen der traditionellen Architektur glücklicherweise von “World Monument Watch“ unter Schutz gestellt und renoviert. Zeugen davon sind die gepflasterten Treppen, die geschnitzten Holzpforten, die traditionellen Häuser mit den verzierten bunten Balkonen.

Die mittlere Ebene oder die Neustadt war das Verwaltungszentrum während der Kolonialzeit. Hier befinden sich die administrativen Gebäude, die zahlreichen Büros und Bankinstitute, die Hotels von verschiedenen Kategorien.

Die quirlige Unterstadt liegt entlang der Nationalstrasse RN7 und ist die Verbindung zur Nationalstrasse zurück zum Hochland oder weiter Richtung Süden. Dort ist auch die Kernstadt mit den vielen Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten, dem lebhaften Markt, dem alten Kolonialbahnhof, dem grossen Fussballstadium und der lärmenden Taxibrousse-Station. Hier spürt man förmlich das “pulsierende Herz“ der Stadt.


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Für leidenschaftliche Fotografen lohnt sich ein Besuch im Fotogeschäft von Pierrot Men. In seinem “Labo Men“ hat man einen Einblick in seine langjährige Arbeit: Bücher mit schwarz-weissen Landschaftsfotografien, Fotos über den Alltag auf dem Land, Portraits. Ganz am Anfang seiner Karriere war er als Maler tätig, bevor er zu fotografieren anfing. Seit fast 35 Jahren ist er der bekannteste Fotograf auf der ganzen Insel. Regelmässig nimmt er immer noch an internationalen Ausstellungen teil.

Fianarantsoa und Umgebung
Auf dem südlichen Hochplateau rund um diese zweitgrösste Stadt Madagaskars befindet sich das grösste Weinanbaugebiet des Landes. Hier haben die katholischen Missionare vor rund 150 Jahren das ideale, warme Klima und die entsprechende Bodenbeschaffenheit für die Kunst des Weinanbaus gefunden. Sie pflanzten die ersten Rebstöcke und daraus entstand ein Wein, der so erdig und ehrlich ist wie der Boden, auf dem die Trauben wachsen. Heute gibt es rund ein Dutzend Weinproduzenten, die sehr charakteristische Weine produzieren. Die Vielfalt der Sorten ist erstaunlich und zwar als Rot- und Weissweine, sowie der spezielle Gris und Rosé. Die bekanntesten Weingüter in Madagaskar sind “Lazan’ny Betsileo“, “Gris de Manamisoa“, “Soavita“. Für den Export genügen leider weder die produzierten Mengen noch die Qualität.

Ein Besuch der Teeplantage in der Nähe des Bahnhofs Sahambavy rund 23 km nordöstlich von Fianar ist ebenfalls eine besuchenswerte Attraktion in dieser Region. Die Frauen pflücken den ganzen Tag die frischen Blätter in dieser rund 320 ha grossen Plantage, daraus stammt die Bezeichnung des Ortes“ Sahambavy“, denn wörtlich bedeutet das “die Plantagen der Frauen“. Die Arbeit ist mühselig, denn nur die drei äussersten Blätter jedes Zweiges werden für die beste Qualität verwendet und dürfen gepflückt werden. Auf ganz Madagaskar wird nur in dieser Kleinregion der qualitativ hervorragende Tee angebaut. Die gepflückten Blätter werden gleich in der naheliegenden Teefabrik verarbeitet. Der sehr bekannte “Tee Sahambavy“ wird zum Frühstück sehr gern getrunken. Er hat einen angenehmen Geschmack und wird von den Einheimischen als wirksames Heilmittel betrachtet.

Der Markt in Andoanasany gleich am Rand der Nationalstrasse RN7 ist auch einen Besuch wert. Der Montagsmarkt ist eine absolute Attraktion für die Augen, schon von Weitem leuchten die Kleider und die Kopftücher der Marktfrauen in allen Farben: ein buntes, lautes und farbenprächtiges Spektakel. Sie balancieren auf ihren Köpfen die schweren Körbe mit den Produkten zum Verkauf, gleichzeitig tragen die Mütter ihre Babys in ein Tuch gehüllt auf dem Rücken. Für diesen Markttag ziehen sie ihre Lieblingsröcke mit Leuchtfarben (rosa oder hellgrün) an. Die korbbepackten Bauern tragen auch das traditionell bunte und karierte Lamba aus Baumwolle über der Schulter. Auf dem Kopf tragen sie geflochtene Hüte aus Stroh oder aus Raphia: typisch für die Betsileo. Alle tragen ihre besten und schönsten Kleider, denn wer weiss, welcher Schönheit man zufällig auf diesem grossen Markt begegnet, denn hier muss man sehen und gesehen werden!

Fianarantsoa und Umgebung
Für die Reisenden, die sich für Religion oder Kultur interessieren, ist auch der Besuch des Dorfs Soatanana mit seinen “Weissen Hirten“ ein wahres und einmaliges Erlebnis! Der Name Soatanana bedeutet wörtlich “das schöne Dorf“ und liegt etwa 40 km nordwestlich von Fianarantsoa. Am lohnendsten ist der Kirchenbesuch am Sonntagvormittag, wenn die sogenannten “Weissen Hirten“ oder “Schäfer“ in einer langen Prozession von ihren Häusern bis zur Kirche ziehen. Auffallend schön sind die Männer und Frauen dieser Glaubensgemeinschaft, die alle mit schneeweissen Kleidern und grossen Strohhüten auf dem Kopf bekleidet sind (so wie bei den Hirten). Sie gehören zur urchristlichen Form der lutherischen Kirche, sodass alle fremden Gäste ohne Ausnahme jederzeit in diesem Dorf mit friedvoller und freundlicher Stimmung willkommen sind. Die Besucher können natürlich am Alltagsleben in den Schulen oder der Krankenstation teilnehmen. Bei den üblichen Riten werden zuerst die Füsse der Gäste gewaschen und später werden sie als Teil der Gemeinschaft an den Tisch gebeten. Die Frömmigkeit, die Ordnung und die Sauberkeit prägen das Bild dieser religiösen Gemeinschaft im Dorf Soatanana.

Bei einem Aufenthalt in Fianarantsoa tauchen die Reisenden in das alltägliche Leben der gastfreundlichen Betsileo-Leute ein und lernen viel über die Natur, die Kultur und vor allem über die Sitten und Bräuche dieser arbeitssamen Ethnie.

Geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antsirabe – Ranomafana

2610 – Von Antsirabe nach Ranomafana

Unser heutiges Ziel ist der Nationalpark Ranomafana, der im Südosten Madagaskars liegt und zum riesigen Regenwald von Antsinanana gehört.


Von Antsirabe aus fahren wir auf der RN7 durch das Hochland Richtung Süden bis nach Ambohimahasoa. In Alakamisy-Ambohimaha biegen wir nach Osten ab und nehmen die Nationalstrasse RN45. Die Fahrt auf der immer geteerten Strasse dauert etwa 5 Stunden. Im Dorf Ranomafana erwarten uns herrliche Wanderungen durch den Nationalpark mit seiner vielfältigen Flora und Fauna.

Wir verlassen Antsirabe, die Stadt der Kunsthandwerker und der Edelsteine und fahren bald entlang des Manja-Flusses. Über die welligen Hügel des Hochlandes gibt es viel zu sehen. Wir tauchen ein ins Land des Betsileo-Volksstamms.

Meist ist die Landschaft baumlos und in den Senken finden wir Reisfelder. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr steigen die Reisfelder auch an den Hängen in die Höhe, so wie wir sie aus Südostasien kennen.

Die alten Häuser haben oft Balkone aus Palisander. Früher gab es hier noch ausgedehnte Wälder mit verschiedenen Edelhölzern. Heute wird aus dem Holz meist Holzkohle hergestellt und in die Städte geliefert. Der Wald hat sich zu schütteren Landschaften gewandelt.

Antsirabe – Ranomafana
Auf der weiteren Fahrt nach Süden lohnt sich einen Zwischenstopp in Ambositra (“Stadt der Eunuchen“ oder “wo es viele Rinder gibt“), einer wichtigen Stadt des Volksstammes der Betsileo. Hier finden sich vor allem geschickte Handwerker mit ihrer Holzschnitzerei und den filigranen Einlegearbeiten. Die Holzkünstler sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Kunstfertigkeit der Einheimischen ist in etlichen Ateliers der „Zafimaniry-Kunst“ bestaunen. Ab Ambositra kann man verschiedene Wanderungen oder Trekkings ins Zafimaniry-Gebiet unternehmen. Hier können wir je nach Interesse einige Tage in den Dörfern verbringen. Das Dorf Antoetra ist Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Zafimaniry-Dörfern wie Ankidodo, Faliarivo, Fempina oder Tetezandrotra. Der lokale Führer wird uns die Architektur der Zafimaniry-Häuser erklären. An Fenstern und Türen finden wir verschiedene geschnitzte Motive. Während dieses Trekkings müssen wir im Zelt übernachten, denn hier gibt es keine touristische Infrastruktur.


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Wir setzen unsere Reise fort und unterwegs bemerken wir, dass viele Leute – vor allem in den Dörfern – barfuss gehen. Die Madagassen mögen das Barfuss-Gehen, denn es ist praktisch und normal für ihre Arbeit – die meisten Madagassen sind Bauern. Barfuss-Gehen ist kein Zeichen der Armut. Viele Leute gehen barfuss zur Arbeit, auf den Strassen und aufs Feld. Nur sonntags tragen die Leute Schuhe. Es gibt verschiedene madagassische Schuhe wie Kapa (importierte Flip-Flops) und Plastiksandalen (kapa kyranil). Diese Letzte sind die Meistbenutzten auf dem Land. Traditionell ist es an manchen Orten verboten (fady), Schuhe zu tragen, weil die Orte heilig sind, z.B. die Königspaläste (Rovas).

Von Ambositra aus fahren wir wiederum durch Hügellandschaften, die Strecke ist jetzt kurvenreich und schmal. Unterwegs stossen wir immer wieder auf Zebu-Hirten mit ihren Herden aus dem Süden. Die Landschaft verändert sich, die Wälder bestehen aus Eukalyptus, Kiefern und anderen Bäumen, nur die angelegten Reisterrassen bleiben noch zu bewundern. Verschiedene Früchte wie Tapia, Physalis oder Mangos werden unterwegs von Frauen und Kindern angeboten.

Antsirabe – Ranomafana
80 km ab Ambositra erreichen wir das Städtchen Ambohimahasoa. Die meisten Reisenden machen hier einen Zwischenstopp, um das Mittagessen einzunehmen. Entlang der asphaltierten Strasse setzten wir unsere Reise bis Alakamisy-Ambohimaha fort. Hier verlassen wir die RN7 und fahren auf der Nationalstrasse RN45 bis zum Nationalpark und dem gleichnamigen Dorf Ranomafana.

Der Nationalpark von Ranomafana gilt als einer der Höhepunkte auf einer Madagaskar-Reise, nicht nur wegen seines Reichtums an endemische Pflanzen und Tieren, sondern auch wegen der Thermalquelle und der wunderschönen Landschaft. Dieser Park beherbergt einen der letzten Bergnebelwälder der Erde.

Januar 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress

2600 – Zugfahrt ab Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress

Eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. Die altersschwache Lokomotive der FCE fährt die etwa 163 km lange Zugstrecke auf den rostigen Meterspurgleisen vom Hochland bis zur regenfeuchten Ostküste Madagaskars am Indischen Ozean.


Einen Fotoapparat mit genügend Speicherplatz und vollem Akku muss man unbedingt mitnehmen, um die schöne und abwechslungsreiche Landschaft, all die Szenen an den Stationen und die verschiedenen Volksgruppen entlang dieser Zugstrecke zu fotografieren! Hier erleben Sie die Seele Madagaskars mit seinen Bewohnern im Sinne des Wortes “hautnah“.

Die Eisenbahnlinie FCE (Fianarantsoa-Côte Est) verbindet zweimal in der Woche die Verwaltungsstadt Fianarantsoa mit der Küstenstadt Manakara an der Südostküste der Insel und entsprechend zweimal zurück. Sie spielt eine unverzichtbare Rolle für die Land- sowie für die Stadtbewohner zwischen diesen beiden Regionen. Diese 163 km lange Bahnlinie mit 57 Tunneln und 67 Brücken wurde während der Kolonialzeit von 1926 bis 1936 gebaut.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Der langwierige und gefährliche Bau dauerte insgesamt 10 Jahre. Praktisch während der ganzen Bauzeit waren rund 5000 Männer, meist Zwangsarbeiter, beschäftigt. Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen, der unvermeidlichen Malaria-Krankheit und der mangelnden Versorgung starben leider mehrere tausend Arbeiter. Der ursprüngliche Zweck für die Franzosen beim Bau dieser Bahnlinie lag darin, die lokalen Produkte wie Kaffee, Kakao, Vanille, Pfeffer und die wertvollen Edelhölzer möglichst rasch zur Küstenstadt Manakara zu transportieren. Von dort aus wurden diese Exportwaren mit Schiffen zur florierenden Hafenstadt Tamatave weitertransportiert. Seit jener Zeit ist der sogenannte “Zug des Lebens“ in Betrieb und transportiert auch Kranke oder schwangere Frauen in die nächst grössere Ortschaft mit Krankenhaus und Entbindungsstation.

Die einzige alte Diesellok, die noch verkehrt, ist sehr reparaturbedürftig. Einige grün gestrichene Waggons kommen aus der Schweiz und die meisten rostigen Schwellen und Schienen sind Spenden aus der Schweiz oder sind Kriegsabgaben von Deutschland an Frankreich nach dem 1. Weltkrieg. Der Zug spielt noch immer eine grosse Rolle für die Bauern in dieser weitläufigen Region, denn die Zugstrecke ist die einzige Verkehrsverbindung für die von der Aussenwelt abgeschiedenen Dörfer. Die hier lebenden Merina-, Betsileo-, Tanala-, Betsimisaraka- und Antaimoro-Bauern sind von dieser Zugverbindung abhängig, denn dies ist die einzige Möglichkeit, ihre Waren in die nächsten grösseren Orte zu transportieren und zu verkaufen. Bemerkenswert ist der grosse Andrang der Landbewohner bei den Stopps an allen kleinen Bahnhofstationen. Dies beansprucht einen grossen Zeitaufwand für das Ein- und Aussteigen der Passagiere, das Umladen von Warenkartons und grossen Mengen an Produkten in Säcken, Kisten oder Körben. So wird die planmässige 10 Stunden Zugfahrt nicht immer eingehalten, aber hier hat es niemand wirklich eilig und auch die Reisegäste haben inzwischen das Motto “moramora in Madagaskar“ gut gelernt.


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Um die lange Schlange am Ticketschalter – besonders in der Hochsaison – zu vermeiden, ist es immer empfehlenswert, die Plätze und die Tickets im Voraus zu buchen. Für die erlebnisreiche Zugfahrt ab dem Hochland bucht man am besten einen Sitzplatz auf der linken Seite wegen der atemberaubenden Aussicht auf der Bergstrecke im Regenwald.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Mit lautem Hupen und Pfeifsignal setzt sich die alte Diesellok im Bahnhof von Fianarantsoa auf 1100 m Meereshöhe in Bewegung und fährt durch die dichten, frühmorgendlichen Nebelschwaden von Fianarantsoa. Die 2. Klasse-Waggons sind mit Passagieren und ihren riesigen Gepäckstücken bereits gut gefüllt. Der Zug schlängelt sich im Schneckentempo durch das weite Hochland mit den Reisfeldern in verschiedenen Grüntönen und durch die einzige Teeplantage Madagaskars. Der sehr begehrte Sahambavy Tee wird hier seit den 1970er-Jahren angebaut. Jährlich werden in der nahegelegenen Teefabrik rund 500 Tonnen Tee produziert und 80% davon werden ins Ausland exportiert.

Nach gut 25 Kilometern verlässt der Zug das Hochland und gleitet in gemächlichem Tempo hinab Richtung Ostküste. An jedem der Bahnhöfe warten die vielen Dorfbewohner sehnsüchtig auf den Zug, die Kinder schauen neugierig die Passagiere an und die fliegenden Händler bieten den Passagieren die verschiedenen Produkte der Region während der Zwischenstopps an: die süssen Mais- oder Bananenkuchen, eingewickelt in Bananenblätter, die knallroten Flusskrebse aus dem nahen Regenwald, die gebratenen Maniokstücke und Süsskartoffeln, die gegrillten Würstchen, die fritierten Hähnchen und die verschiedenen Saisonfrüchte, wie die diversen Bananensorten (ganzjährig), Mangos (Oktober-November), Litschees (November- Dezember), Avocados (Februar- April), Mandarinen und Orangen (Juni – August), Jackfrucht und wilde Goyaven (kurz nach der Regenzeit ab Februar bis Mai). Diese zahlreichen tropischen Früchte gedeihen sehr gut in dieser fruchtbaren und feuchtwarmen Region an Madagaskars Ostküste.

Ab dem Bahnhof Ranomena fängt der lange, steile Abstieg durch die abwechslungsreiche grüne Landschaft an. Der Zug fährt durch den dichten Bergregenwald und die Hügel, bedeckt mit den dekorativen Ravinala (Bäume der Reisenden). Die Aussicht auf die Berglandschaft, die beeindruckenden Wasserfälle, die zahlreichen Flüsse und kleinen Seen sind sehr spektakulär. Auf der weiteren Fahrt durchfährt die Bahn den längsten Tunnel mit 1072 Metern.

Nach ein paar Kilometern durchfahren wir das Siedlungsgebiet der “Tanala-Volksgruppe“, wörtlich bedeutet dies “der Volkstamm aus dem Regenwald“. Früher galten sie als die kleinste Bevölkerungsgruppe Madagaskars und waren bekannt, von den Produkten aus dem Wald zu leben, denn hier fanden sie alles, was sie im Alltag brauchten. Sie leben noch heute vom Honigsammeln, vom Holzfällen, vom Kaffee- und Reisanbau und vom Fischfang in den klaren Gebirgsflüssen. Dank des Artenreichtums im Urwald und seiner vielen medizinisch wirksamen Pflanzen haben die Tanala-Volksgruppen ein sehr grosses Wissen in Naturheilkunde gesammelt.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Nicht weit vom Bahnof in Andrambovato Bahnhof (auf Deutsch “am Fuss der Felsen“) liegt eine hohen Granitkuppe, von der der Name dieses malerischen Dorfes stammt. Dieses kleine Bergbauerndorf ist auch der Ausgangspunkt von Trekkingtouren durch den Primärwald mit schönen Kaskaden und durch idyllische Tanala-Dörfer. Das Donnern des spektakulären Wasserfalls von Mandriampotsy hören wir schon vom Weiten.

Langsam nähert sich der Zug dem grossen Bananenanbaugebiet auf dieser Bahnstrecke. Dieses Gebiet versorgt das ganze Jahr über die Region rund um die Stadt Fianarantsoa mit diesen leckeren Früchten. Viele Tonnen der grünen Bananenstauden liegen auf den Bahnsteigen und warten auf die nächste Transportgelegenheit. Diese Gegend ist auch bekannt für seinen Ingweranbau. Zwischen den Monaten Mai bis August wird dieses Gewürz geerntet und in vielen Gegenden rund um Fianarantsoa oder Manakara preiswert verkauft.

Meistens hält der Zug wegen der Mittagspause am Bahnhof Manampatrana wesentlich länger. Es ist ein grösserer Ort und hier werden auch viele Produkte ein- und ausgeladen. So ergibt sich für die Gäste die interessante Möglichkeit, den Bahnhof mit dem umliegenden Dorf zu erkunden und zu fotografieren. Dieser Ort liegt günstig im Zentrum der Kaffeeproduktion an der Südostküste der Insel, so muss man einfach die Gelegenheit nutzen und den starken und aromatischen Kaffee dieser Region probieren. Dies ist ein “Muss“ für passionierten Kaffeetrinker, denn er schmeckt wirklich köstlich. Bei dieser Gelegenheit kann man sich auch die Beine vertreten und das Mittagsessen in einem kleinen “Hotely“ oder in einer typischen madagassischen Garküche am Rand des Bahnhofs geniessen und sich natürlich mit den Einheimischen unterhalten. Dabei lernt man viel über ihren Alltag, ihre Sitten und Bräuche. Die Fotografen kommen voll auf ihre Kosten.

In den nächsten Bahnhöfen von Ionilahy, Mahabako und Fenomby dauern die Zwischenstopps wegen des Umladens auch etwas länger. Das Landschaftsbild in der Gegend ist von bunten, kleinen Obstplantagen geprägt und diese fruchtbare Gegend gilt als eine der grössten “Obstkammern“ Madagaskars. Die Bahnstrecke folgt dem Lauf des langen Faraony-Flusses und bietet wunderbare Panoramablicke Richtung Küstenebene. Viele Landbewohner nutzen den Fluss, um ihre Waren mit der Piroge zum nächstgelegenen Dorf zu transportieren. Er bewässert auch die Reiskulturen und die verschiedenen Obst- und Gemüsefelder in dieser Gegend.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Ab dem Bahnhof Sahasinaka ändert sich die Landschaft schlagartig, das Klima hat sich verändert, wir merken schon die salzige Meeresluft, es ist warm und schwül geworden. Diese kleine Bahnstation hat ihr eigener Charme wegen des auffälligen bunten Marktes und den vielen Essbuden am Strassenrand. Jeden Donnerstag findet hier der grosse Markttag statt. Die zahlreichen Verkaufsstände sind voll mit tropischen Früchten, vor allem die Litschis, die süss und rot am Ende des Jahres in dieser Gegend geerntet werden. Auch Süsswasserfische vom Fluss Faraony werden reichlich auf dem Fischmarkt angeboten.

Kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die letzte Bahnstation von Antsaka, wo die Küstenebene beginnt. Die Bahnlinie durchfährt jetzt die letzten paar Kilometer geradlinig und die Asphaltstrasse RN12 verläuft parallel zur Bahnstrecke. Das Bahngleis kreuzt die Piste des Flugplatzes von Manakara und die ersten Kokospalmen verkünden den Passagieren, dass sie bald in der Küstenstadt Manakara eintreffen, hier ist das Land der Antaimoro- und Antesaka-Volksgruppen. Wir spüren endlich die angenehme und frische Meeresluft des nahen Indischen Ozeans. Am Endbahnhof Manakara warten ungeduldig die Rikschafahrer und die Autochauffeure auf die müden Fahrgäste.

Diese eindrucksvolle Bahnfahrt mit dem Dschungelexpress ist ein Highlight jeder Madagaskarreise, zwar fährt er “moramora“, bzw. “langsam“ oder “immer mit der Ruhe“, aber diese erlebnisreiche Zugfahrt verspricht jedem eine authentische Begegnung mit den Einheimischen.

Dezember 2020, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antsirabe – Fianarantsoa

2100 – Antsirabe – Fianarantsoa

Unsere heutige Etappe führt uns nach Fianarantsoa, die Hochlandstadt des Betsileo-Volkstammes.


Diese drittgrösste Volksgruppe Madagaskars hat viel Talent: Reisbauern, Kunsthandwerker, Backsteinhersteller und noch viel mehr. Lassen wir uns diese Multitalente heute entdecken!

Wir verlassen schweren Herzens Antsirabe, die “Stadt der Edelsteine“ und fahren auf der Hauptverbindungstrasse RN7 Richtung Südwestküste weiter. Heute fahren wir rund 245 km bis Fianarantsoa, der Hauptstadt der Betsileo-Volkstämme. Kurvenreich schlängelt sich die Strasse durch Reisfelder, grüne Gebirgszüge und pittoreske Hochlanddörfer.

Dieser Streckenabschnitt zwischen Antsirabe und Fianarantsoa bietet wirklich viel Abwechslung an Landschaften und Leuten. Am Anfang bewundern wir bereits die kunstvoll angelegten Reisfelder, die besten Landschaftsarchitekten und Reisbauern von ganz Madagaskar sind nämlich die Betsileo, sie sind die Spezialisten für die Terrassenkultur auf der ganzen Insel.

Nach ein paar Kilometern durchfahren wir eine schöne Gebirgslandschaft, gesäumt mit Kiefern-, Pinien und Eukalyptuswäldern. Rund 70% des abgeholzten Holzes auf der Insel werden leider fürs Kochen verwendet. Schliesslich benutzt ein Grossteil der Stadt- und auch der Landbewohner in ganz Madagaskar Holzkohle als Brennstoff zum Kochen. Als Nebenberuf sind die meisten Bauern auch als Holzkohlemacher tätig. Zeugen davon sind die weissen Säcke, gefüllt mit Holzkohle am Rand jeder Nationalstrasse, die bereit zum Verkauf sind. Auf Madagaskar sagt man, dass das gekochte Essen mit Holz oder Holzkohle viel besser schmeckt als auf dem Gasherd zubereitet!

Antsirabe – Fianarantsoa
Unterwegs stossen wir öfter auf die schwer beladenen Zebu-Karren. Sie transportieren verschiedene Produkte wie Reis, Gemüse und vor allem Holzkohle in die nächste Stadt. Besonders während der Reisernte müssen sie den Reis und das Reisstroh zum Dorf bringen, deswegen sind diese Karren während der Erntezeit viel unterwegs. Oft müssen die Bauern das Dorf früh verlassen und bilden lange Konvois, da hat ein Bauer einen Grossauftrag ergattert und alle helfen mit, die Ware rechtzeitig abzuliefern. Meistens sind sie zwei bis drei Tage unterwegs, bis sie die Stadt erreichen, so sind mehrere Karren überdacht, damit die Fahrer drinnen übernachten können.

Wir durchfahren auf 1’500 Meter über dem Meeresspiegel Nadelwälder, die einen Geruch nach Kiefern, Eukalyptuswäldern, Pinien und Kräutern verbreiten. Wieder bergab führt die Strasse zum Fluss Mania, der zwei Drittel der Breite Madagaskars durchquert, bevor er in den grossen Tsiribihina-Fluss an der Westküste mündet.

Nach ein paar Kilometern erreichen wir die Stadt Ambositra (wörtlich heisst dies, «wo es viele Rinder gibt»). Links und rechts sehen wir in den Bergen und Tälern zahlreiche Reisterrassen, denn die Betsileo (wörtlich übersetzt die „Fleissigen“, oder „die zu zahlreich, um besiegt zu werden“) sind sehr leistungsfähige Reisbauern. Viele Bauern arbeiten auch sonntags auf dem Feld, die starken Zebus pflügen den ganzen Tag den Boden, die Frauen stehen stundenlang im schlammigen Feld und stecken die Reissetzlinge in Reihen… eine Knochenarbeit!


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Die Betsileo bewohnen hauptsächlich das südliche Hochland und so wie die Merina-Stämme, sind sie auch Nachfahren malaiisch-indonesischer Einwanderer. Beide Kulturen sind sehr ähnlich, denn die Betsileo errichten wie die Merina grosse steinerne Familiengräber und praktizieren auch die Zweite Bestattung (famadihana) während des kühlen Südwinters zwischen Juli und September.

Antsirabe – Fianarantsoa
Die typischen malerischen Betsileo-Dörfer am Fuss der Gebirge oder umgeben von grossen Reisfeldern lassen sich unterwegs immer wieder bestaunen und fotografieren. Diese Volksgruppe wohnt in einfachen traditionellen Backsteinhäusern ohne Schornstein, bei denen der Rauch durch das Fenster oder durch das Strohdach abzieht. Die Farben und Holzbalkone sind den Merina-Häuser sehr ähnlich.

Auf den Holzbalkonen wird Mais zum Trocknen aufgehängt und auf dem Hof wird die stärkeliefernde Nutzpflanze Maniok auf Bastmatten ausgelegt. Auch wenn die Betsileo als “tüchtige Bauern“ bezeichnet werden, reicht die Reisernte für die normalen Bauern leider nicht bis zur nächsten Ernte, so pflanzen sie zusätzlich noch Maniok, Süsskartoffeln, Taro für den Eigenbedarf an. Daneben prägen auch noch endlose Obst- und Gemüsefelder die schöne Landschaft. Die Kinder sitzen am Strassenrand und verkaufen die reifen Früchte je nach Saison: die süss sauren Pok Pok Früchte, die saftigen Mangos, die leckeren Orangen oder die wohl riechenden Passionsfrüchte.

Bei einem Zwischenstopp in Ambositra können wir feststellen, dass die Stadt als das Zentrum für kunstvolle Holzschnitzereien oder Einlegearbeiten aus farbigem Holz gilt. Bei einem Besuch in einer der Kunstwerkstätten erhalten wir Einblick in die fachmännisch geschnitzten Holzarbeiten, alle noch mit traditionellen Methoden gearbeitet. Entlang der Strasse finden wir zahlreiche Geschäfte mit verschiedenen Kunstarbeiten: kleine Figuren, Statuen, Masken, Töpfe, aus verschieden Hölzern. Das Fanorona-Brettspiel ist auch ein schönes Andenken. Man spielt es in Madagaskar fast so häufig wie in Europa das Schachspiel, aber mit ganz anderen Regeln.

Ambositra ist auch Ausgangspunkt für Bergwandertouren zu den Zafimaniry-Volkstämmen, die berühmten Schnitzkünstler in der Region. Diese ethnische Gruppe ist dem Betsileo Stamm nahe verwandt. Ihre hölzernen Hütten, Fenster und Türen sind mit wunderschönen Schnitzereien verziert und ihre geschmackvollen Holzarbeiten erinnern besonders an arabische und afrikanische Länder. Wir können hier den Zafimaniry-Holzschnitzern bei der Arbeit zuschauen und direkt bei ihnen die Souvenirs oder Mitbringsel für zu Hause erstehen. Es ist wirklich bewundernswert, wie mit ganz einfachen Mitteln feine Einlegearbeiten ausgesägt und ineinander gepasst werden. Aus Edel- oder Naturholz werden auch geschmackvolle Statuen, Kerzenhalter oder viele andere Gegenstände hergestellt.

Nach dem Besuch dieser Handwerksstätten bewegen wir uns weiter auf dem Weg nach Süden. Bei der Weiterfahrt erhalten wir wieder einen tollen Ausblick über die ockerfarbenen und braunen Hochlandhäuser zwischen den grünen Reisterrassen: Die meisten Häuser der Betsileo sind aus Lehm oder Ziegel gebaut. Ein Backsteinhaus ist immer noch ein Symbol des Wohlstandes.

Die harte Arbeit der Backsteinarbeiter in der prallen Sonne ist bewundernswert. In der Trockenzeit zwischen Mai und Oktober werden die vielen lehmigen Reisfelder im Hochland zu Backstein-Fabriken umfunktioniert. Gern kann der Fahrer am Strassenrand spontan halten und die Arbeiter fragen, ob wir bei den verschiedenen Arbeitsschritten der Ziegelherstellung zuschauen und auch fotografieren dürfen. Der Ton oder die laterithaltige Erde werden aus dem Reisfeld eimerweise in Haufen gesammelt, dann mit Flusswasser gemischt und in eine hölzerne Pressform gedrückt. Schliesslich werden die geformten Backsteine einer neben dem anderen ausgebreitet und an der Sonne tagelang getrocknet. Nach ein paar Tage wird ein riesiger Backsteinstapel mit Hohlräumen aufgeschichtet und angefeuert. Viele Familien leben das ganze Jahr von diesem Handwerk. Auch eine gute Einnahmsquelle neben dem Reisanbau!

Antsirabe – Fianarantsoa
Etwa 80 km nach Ambositra taucht das schöne Städtchen Ambohimahasoa (wörtlich bedeutet dies “das nützliche Dorf“) auf. Die Strasse führt durch wellige Hügel, durchzogen von reisbebauten Talsenken. Was wir bereits vor Ambositra gesehen haben, wird hier zur eigentlichen poetischen Traumlandschaft, nach jeder Kurve erscheint ein neues Bild, die Gebirgsregion schön terrassiert mit Gemüse oder Früchten und die Reisterrassen in verschiedenen grünen Schattierungen. Diese terrassierten Reisfelder erinnern wirklich an die fremden Landschaften in Indonesien und Malaysia. Dies beweist, dass diese ethnische Gruppe aus dem südostasiatischen Raum kam und die Kunst des Reisterrassenanbaus von dort mitgebracht hat und noch immer sehr gut beherrscht. Tatsache ist, dass diese Gegend wirklich als Reiskammer Madagaskars im Süden gilt.

Endlich kommen wir an unserem heutigen Ziel an: Fianarantsoa (wörtlich übersetzt “wo man das Gute lernt“) ist seit dem 19. Jahrhundert die Hauptstadt des Betsileo-Landes. Das dicht besiedelte Kernland von Fianarantsoa liegt auf einem Hochplateau und erstreckt sich entlang der RN7. Fianarantsoa ist auch der Ausgangspunkt der erlebnisreichen Zugfahrt vom Hochland bis zur Südostküste, eine unvergessliche Reise in die Vergangenheit. Eisenbahn-Romantik pur.

November 2020, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Die Eisenbahnlinie FCE in Madagaskar

Eisenbahn FCE in Madagaskar

Die Eisenbahnlinie FCE (Fianarantsoa-Cote-Est Railway) verbindet die Hochlandstadt Fianarantsoa mit der Küstenstadt Manakara

Schon 1896, ganz zu Beginn der Kolonialzeit der Franzosen, hat man über die Planung dieser Bahn gesprochen. Von 1926 bis 1936 wurde sie dann mit erheblichem Aufwand gebaut. So sollen zeitweise 5‘000 Zwangsarbeiter an der Arbeit beteiligt gewesen und mehrere Tausend bei den Bauarbeiten ums Leben gekommen sein. Es ist eine Bahnstrecke in Meter-Spur. Mit 67 Brücken und 48 Tunneln und gut 163 Kilometern Länge, wurde die Bahn gleichzeitig mit dem Hafen von Manakara eingeweiht. Damit war, für damalige Verhältnisse, eine leistungsfähige Verbindung von der Ostküste ins Hochland entstanden.

Heute entspricht die Bahn nicht mehr den Vorstellungen einer „westlich“ modernen Eisenbahn. Die Einheimischen sprechen somit auch etwas ironisch von ihrem TGV (Train à Grandes Vibrations). Die Dieselloks stammen noch aus der Anfängerzeit dieser Bahnlinie. Das Wagenmaterial wurde mehrmals ausgetauscht. Viele Wagen stammen aus der Schweiz, so z. B. von der Brünigbahn, der Chemin de fer Yverdon-St. Croix oder den Berner Oberland-Bahnen. Für uns verströmen diese Wagen einen Duft von Nostalgie, denn sie stammen alle aus den 60er-Jahren. Hier erhalten sie einen neuen Anstrich und werden auch im Innern etwas restauriert und sind somit noch gut erhalten.

Für die Einheimischen ist diese Bahn sehr wichtig, ist sie doch die einzige Verkehrsverbindung in ihrer Region. Die Strasse vom Hochland über Ranomafana nach Manakara verläuft, in Luftlinie gesehen, 30 Kilometer nördlich der Bahnlinie.

Die Bahnstrecke verläuft, gemäss bahntechnischen Bedingungen, mit einer möglichst ausgeglichenen Steigung in vielen Windungen in einem schwierigen Gelände. An einigen Stellen wird die maximale Steigung ausgereizt und der Zug hat dann Mühe diese Stellen zu passieren. Erst unten in der Küstenebene verläuft sie zum Teil eben und schnurgerade.

Aus Mangel an Rollmaterial verkehrt der Zug nur noch zweimal wöchentlich in jeder Richtung.

Die Abfahrtszeit, sei es in Fianarantsoa oder in Manakara, ist immer auf 7 Uhr angesetzt. Ob diese eingehalten werden kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Oft ist die Lok noch in Reparatur oder der Zug muss noch in die richtige Formation rangiert werden. Nach Fahrplan würde die Fahrt etwa 10 Stunden dauern. Aber die Halte an den 16 Zwischenstationen dauern immer etwas länger als geplant. Da müssen Waren aus- und eingeladen werden oder man wartet noch auf einen Patienten, der dringend transportiert werden muss oder …

Neben der wundervollen Aussicht während der Fahrt (am besten man besetzt bei einer Talfahrt einen Platz auf der, in Fahrtrichtung gesehen, linken Seite), sind die Halte an den Stationen ganz besonders interessant. Die halbe Dorfbevölkerung ist dann anwesend und versucht alles zu verkaufen, was Haus und Hof hergibt.

Meist wird es spät am Abend bis man am Endbahnhof ankommt.

Die Eisenbahnstrecke vom Hochland zur Küste steht im Zentrum unserer Reise „Bahnwanderung entlang der Dschungelbahn“. Wir wollen einem Teil des Schienenstrangs folgen. Zu Fuss und so vom Hochland bis zur Küstenebene gelangen. Zum Schluss fahren wir dann mit dem Zug zurück und erleben die Strecken nochmals vom Zug aus.

Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen.

Mit dem Dschungel-Express durch den Regenwald in Madagaskar

Startet der Zug wie geplant um 07.00 Uhr pünktlich oder nicht, das ist an einem Tag wie diesem Nebensache. Ab dem Moment, an dem man den Bahnhof betritt, befindet man sich in einer eigenen Welt. Einer Welt mit vielen neuen Geräuschen, farbenfrohen Menschen, vielleicht ein paar Tieren, vielen Gütern und sicherlich auch mit einigen bekannten oder unbekannten Duftnoten.

«Mora-mora», das madagassische Wort mit der Bedeutung «langsam-langsam», wird an einem Tag wie diesem grossgeschrieben und ohne eine grosse Portion Gelassenheit und gleich viel Abenteuerlust und Neugier, sollte man nicht einmal ein Ticket kaufen.

Es kann sein, dass der Zug wirklich 1 Minute vor 07.00 Uhr startet, so dass es sich lohnt, früh genug am Bahnhof zu sein. Als Tourist empfiehlt es sich in der Hochsaison auch, Tickets im Voraus zu kaufen, um sicherzustellen, dass man wirklich mitfahren darf. Am besten, man ergattert ein Ticket für einen Sitz in Fahrrichtung links, wenn man vom Hochland an die Ostküste Madagaskar fahren möchte. So hat man unterwegs die beste Aussicht, da fast alle Bahnhöfe auf der linken Seite zu sehen sind.

Am Sitzplatz angekommen kann es gut sein, dass man sich mehr zu Hause fühlt als gedacht: nicht nur die Sitze erinnern an die Heimat, auch ein Schild an der Wand lässt einen leicht die Frage stellen, wo man sich wohl gerade befindet.

sbb-jungelexpress

Jeder Schweizer hat solch ein Schild wohl mehrmals gesehen. Wie lange es jedoch her ist, dass man lediglich Fr. 20,- entrichten musste, sollte man „vergessen“ haben ein Ticket zu kaufen, das wissen nur die Wenigsten.

SBB hat auf unsere Nachfrage dies geantwortet:  Wir haben etwas nachgeforscht und folgendes herausgefunden:
In der SBB-Zeitung resp. im SBB-Nachrichtenblatt konnten wir in den Jahren 1976 und 1986 eine jeweilige Angabe finden. Im Jahre 1976 wurde eine Busse von 10 Franken erhoben. Bis ins Jahr 1986 stieg die Busse auf 30 Franken an. Vermutlich wurde eine Erhöhung auf 20 Franken in den 80ern gemacht.
Falls Sie gerne selbstständig eine umfassendere Recherche machen möchten, können Sie gerne bei SBB Historic im Lesesaal in Windisch vorbei gehen.‎ Öffnungszeiten und Standort finden Sie unter 
https://www.sbbhistoric.ch/…/stan…/archive-windisch.html.

Unterwegs von Fianarantsoa nach Manakara, einer Fahrt, die über 47 Brücken und durch 48 Tunnel führt, geht es sehr langsam voran. Die ganze Strecke ist nur 163 Kilometer lang, aber gleichwohl braucht der Zug meist 15 Stunden, wenn nicht mehr, bis er an der Küste ankommt. Unterwegs werden an vielen Bahnhöfen kurze und auch längere Stopps eingelegt und je nach Aufenthaltsdauer hat man die Möglichkeit, das Alltagsleben der Einheimischen zu beobachten und auch in Kontakt mit ihnen zu treten.

Für unterwegs sollte man zusätzlich genügend zu trinken mitführen und eine Jacke für den Abend. Zudem sollten auch genügend Speicherplatz und Strom für die Kamera mitgenommen werden – sprich, mindestens eine extra voll aufgeladene Batterie. Schon vor der Abfahrt haben die meisten Touristen bereits viele Fotos gemacht und es wäre schade, wenn man unterwegs nicht alles festhalten kann, wenn man gerne fotografiert. Die Reise ist sehr abwechslungsreich und unterwegs fährt man durch das einzige Teegebiet im Madagaskar, durch den Regenwald mit seinen vielen Dörfern, die zum Teil nur mit der Eisenbahn erreichbar sind und kommt am Abend im Dunkeln in Manakara, einer Küstenstadt, an. Da es in Madagaskar sehr früh dunkel wird, erreicht man die letzten Bahnhöfe erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auch wenn die Dörfer keinen Strom haben, wird man gleichwohl etwas sehen. Wie die Dorfbewohner dieses Problem dann lösen und einem trotzdem zeigen können, was sie einem alles verkaufen wollen, das verraten wir noch nicht – dass muss man selber erleben. Wie es tönt, kann man unten anhören und vielleicht bekommt man gleichzeitig ein kleines Bild im Kopf davon, wie es aussehen könnte.

Was sich wirklich lohnt unterwegs zu probieren ist der Kobaravina / Bananenkuchen https://issuu.com/ellenspinnlerhelmersen/docs/kobaravina, der von mehreren der fliegenden Händler verkauft wird. Auch andere lokale Spezialitäten werden je nach Bahnhof und Gegend angeboten. Wichtig ist hier, dass man im Voraus viele kleine Noten der Landeswährung Ariary zur Seite gelegt hat für diesen Tag. Die meisten Lebensmittel (Kuchen, Obst etc.), die man unterwegs kaufen kann, kosten zwischen 100 – 200 Ariary pro Stück. Ein Kilo Bananen 1000 – 2000 Ariary. Wenn man dann mit 10.000 oder 5.000 Ariary bezahlen möchte, haben die Händler selten Wechselgeld.

Irgendwann nach 12-13-14-15-16……. Stunden erreicht man Manakara, total müde, aber mit einem Kopf voll von Bildern und einem Herz voll von Erinnerungen. Das Einzige, das man nun gerne machen will, ist schlafen. Und wenn man ein Hotel direkt am Meer gebucht hat, dann wird das Meeresrauschen einen in den Schlaf begleiten, gemischt mit dem Ton im Kopf, «kadunk, kadunk, kadunk», von der langen Zugfahrt.

Zoma in Madagaskar: der grosse Markt am Freitag

Der weltgrösste Markt unter freiem Himmel war der Zoma in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Der Markt fand seit Jahrhunderten immer ganztags an jedem Freitag statt. Zoma, ausgesprochen suma, bedeutet Freitag in der madagassischen Sprache.

Markt Madagaskar Zoma Antananarivo HülsenfrüchteDer Zoma bot alles, von Früchten und Gemüse bis zu Kleidern, von gebrauchten Autoersatzteilen bis hin zu neuester Elektronik. Jeden Freitag strömten tausende von Händlern, Wiederverkäufern und Bauchladenverkäufern mitten in die Hauptstadt Madagaskars, um den zehntausenden von Besuchern Waren zu verkaufen. Es gab zwar roh gezimmerte und schnell erstellte Marktstände aus Holz und überdeckt mit Planen, doch ebenso setzten sich viele Händler einfach auf ein Plastikstück auf den Boden. Ein Durchkommen war für die Besucher schwierig, für Autos eine wirkliche Herausforderung. Menschenstaus, Taschendiebe und kilometerlange Autostaus machten den Zoma unerträglich.

So setzte die Stadtverwaltung von Antananarivo zu Beginn der 1990er Jahre diesen bekanntesten Traditionsmarkt von Madagaskar einfach aus. Es entstanden mehrere kleinere Märkte am Rand der Innenstadt und nur noch ein kleiner, täglicher Frischproduktemarkt findet sich im Zentrum der Stadt. Mit dem legendären Zoma hat er nichts mehr zu tun.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin vergleichbarer Markt hat aber 400 km südlich der Hauptstadt von Madagaskar überlebt. Es ist der nur regional bekannte Zoma von Fianarantsoa. Diese Stadt wird als Schwesterstadt von Antananarivo betrachtet. Hier im Bestileoland findet nach wie vor jeden Freitag der grosse Wochenmarkt statt. Auch er wird daher Zoma genannt und bietet eine unglaubliche Menge an Produkten aller Art. Der Zoma von Fianarantsoa kennt auch enge Gassen, durch die sich die Fussgänger drängeln, weil die Marktfahrer ihre Stände sehr eng aufbauen. Doch es bleibt Luft und es sind weniger Menschen als früher in Antananarivo. Verkäufer und Käufer stammen aus der Region und kaum je ist ein Tourist zu sehen.

Der Zoma beginnt morgens bei Sonnenaufgang und in Madagaskar ist das jahraus, jahrein um sechs Uhr früh. In den Monaten Juni bis August zittern die Leute vor Kälte, denn auf den 1400 Metern über dem Meer fühlt es sich im madagassischen Winter sehr kalt an. Vom Dezember bis März hingegen drängen sich die Leute unter Plastikstücke, um sich vor dem Tropenregen zu schützen. In den anderen Monaten jedoch ist ein ausgedehnter Spaziergang über den Zoma ein ausgesprochen interessantes Erlebnis.
OLYMPUS DIGITAL CAMERADa sind nicht nur Farben aller Art, da sind auch Gerüche in allen Variationen und da sind vor allem die visuellen Eindrücke, die einmalig sind. Denn der Markt wird gern von der ruralen Bevölkerung der Umgebung besucht, als Verkäufer oder Käufer oder beides, und dies bringt bunte Kleidung, farbenfrohe Hüte und markante Gesichter in die Stadt. Fotografen berauschen sich an der Farbenwelt und der Szenerie dieses Marktes. Kein Wunder lebt der bekannteste Fotograf Madagaskars, Pierrot Men, in Fianarantsoa.

Fianarantsoa wird von Touristen oft nur als Zwischenaufenthalt benutzt, um von dort aus mit der Eisenbahn an die Küste zu fahren. Dabei hat Fianarantsoa viel mehr zu bieten: nebst dem Freitagsmarkt sind dies Weingüter, Handwerk, eine UNESCO-Altstadt und einen Fotokurs mit Pierrot Men. Nebst diesen Aktivitäten bietet die Reiseorganisation PRIORI noch weitere Highlights im Betsileoland an. Infos unter www.priori-reisen.de und www.madagaskarhaus.ch

Madagaskar per Eisenbahn erkunden – Dschungel-Express hautnah

Dschungel Express Madagaskar Eisenbahn

Madagaskars Eisenbahn-Netz ist auch heute noch in Teilstücken befahrbar. Für Reisende sind diese Touren einzigartig und ein ganz besonderes, authentisches Erlebnis. PRIORI kann Ihnen alle Infos rund um die möglichen Bahnfahrten in Madagaskar geben – Fahrpläne, Tickets und Reiseprogramme.

Die Strecke des FCE-Dschungel-Express von Fianarantsoa bis Manakara wurde während der französischen Kolonialzeit bis 1936 errichtet. Auf 163 Kilometern schlängeln sich die eingleisigen Schienen 1100 Höhenmeter durch den feucht-grünen Dschungel hinab zur Ostküste. Die Bahn der madagassischen Gesellschaft FCE überquert dabei 47 Brücken und durchfährt 48 Tunnel. Für Reisende bieten sich auf der Fahrt wunderschöne Ausblicke und tiefe Einblicke in kleine Dörfer und das Leben der Menschen, die den Zug hauptsächlich als Transportmittel für Waren benutzen. Viele der Orte auf der Strecke sind durch Straßen nicht erreichbar. Geduld und Ausdauer sind jedoch gefragt, denn wann der Zug das Meer erreicht ist nie ganz sicher. 

Impressionen liefert die SWR-Reportage Eisenbahn-Romantik zu Madagaskars Dschungel-Express.