Archiv der Kategorie: Reiserouten Madagaskar

Interessante Reiserouten durch Madagaskar mit Hintergrundinformationen zu Orten und Landschaften. Geschrieben von unseren PRIORI-MitarbeiterInnen in Antananarivo und redigiert von Peter Elliker

Tulear – Fort Dauphin

2400 – Tulear – Fort Dauphin

Nach einem erholsamen Aufenthalt an den feinen Sandstränden um Tulear starten wir unsere Expedition mit einem guten 4×4-Fahrzeug mehr oder weniger entlang der Südküste Madagaskars.

Diese abenteuerliche Autofahrt – teilweise auf der Nationalstrasse 10 – führt uns in ein einzigartiges Trockengebiet im südlichen Teil Madagaskars. Der Lohn durch dieses einmalige Dornenland ist eine unvergessliche Entdeckungsreise durch völlig eine unberührte Wildnis mit bizarrer Vegetation, weissen Stränden und selten besuchten Naturreservaten

 Ca. 45 km südlich der Stadt Tulear befindet sich das idyllische Fischerdorf Anakao. Sehr praktisch ist die Überfahrt mit dem Motorboot ab der kosmopolitischen Stadt Tulear, ansonsten müssen die Reisegäste einen riesigen Umweg von ca. 270 km durch das Hinterland mit dem Geländewagen in Kauf nehmen, da es leider in dieser Gegend keine Brücke über den Onilahy Fluss gibt.

Die zweite Möglichkeit ist eine Fahrt mit dem Geländewagen Richtung Süden auf einer ziemlich guten Piste bis zum malerischen Fischerdorf Sarodrano (wörtlich bedeutet dies auf madagassisch “knapp mit Wasser“). Hier kommt man am interessanten Naturschutzgebiet “Aire Protégée de Tsinjoriake“ vorbei mit Schwerpunkt seltene Sukkulentenpflanzen an der Südwestküste. Hier kommen auch Ornithologen auf ihre Kosten, denn viele endemische Vogelarten sind in dieser südlichen Region zu finden.

Tulear – Fort Dauphin
Auf dem Weg nach St. Augustin kann man die beeindruckenden Grabstätten der Vezo Volkstämme sehen. Diese sind mit schönen, aufgeschichteten Korallensteinen gebaut und dürfen nur in Begleitung eines Lokalführers aus der Nähe fotografiert werden.

4 km südlich des Fischerdorfs liegt direkt auf dem Wendekreis des Steinbocks (Tropique du Capricorne) und etwas in der Flussmündung des Onilahy Flusses das ehemalige Seeräubernest “Saint Augustin“ (oder Anantsono auf madagassisch). Vom 15. bis 17. Jahrhundert war dies ein Ankerplatz für europäische Händler und die berüchtigten Piraten.

Heute zählt das schöne abgelegene Fischerdorf zu einer beliebten Destination wegen der weissen Sandbank, es ist auch ein praktischer Ausgangspunkt für die Überfahrt mit der Fähre „Fiavota“, unter der Bedingung, dass diese in Betrieb ist.

Der beliebte Badeort Anakao (17 km SW von St. Augustin) ist zwar sehr abgelegen, er verfügt aber über einen breiten weissen Sandstrand und natürlich verschiedene Freizeitmöglichkeiten. Hier kann man erholsame Badetage verbringen und vor den Riffen nahe des paradiesischen Eilands Nosy Ve kommen die Schnorchler und Taucher wirklich auf Ihre Kosten. Im klaren, türkisfarbenen Wasser schwimmen die mehrfarbigen Fische zwischen den vielen Korallen und der Unterwasservegetation umher.

Tulear – Fort Dauphin
Das kleine Eiland Nosy Ve etwa 5 km vor der Küste sowie die Insel Nosy Satrana sind zwei besondere Attraktionen in dieser Gegend. Beide Inseln sind per Boot oder Kanu ab Anakao erreichbar. Nosy Ve ist besonders beliebt wegen der wunderschönen Sandstrände, der einmaligen Tauchgründe, vor allem aber wegen der Brutkolonie der Rotschwanz Tropikvögel (Phaeton rubricauda). Die unbewohnte und “heilige Insel“ ist die einzige Brutstätte für diese Vogelart.

Nosy Satrana liegt etwas weiter südlich von Anakao. Der Boden der Insel ist mit Kalksteinresten aus den versteinerten Eiern von Aepyornis (einer Art von Riesenstrauss) übersät. Auf dieser kleinen Insel liegen auch die geschützten Grabstätten der ehemaligen Könige, deswegen darf man diese Insel nur in Begleitung eines lokalen Führers betreten.


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Auf der Weiterfahrt entlang der Küste nach Beheloka durchquert man zuerst das Territorium der Mahafaly Volksgruppe. Diese Ethnie lebt auf dem riesigen Kalksteinplateau zwischen den beiden Flüssen Menarandra und Onilahy.

Mahafaly bedeutet wörtlich “diejenigen, die glücklich machen“ oder „die vom Verbotenen Land“, was mit dem Wort Fady verbunden ist. Die Mahafaly sind meist Zebuzüchter, ein grosser Teil sind aber auch Bauern an der Südwestküste in der Region von Ampanihy. In dieser ganzjährig trockenen Region leiden sie während der Trockenzeit besonders an Wassermangel, so ernähren sie sich hauptsächlich von Mais, Maniok, Süsskartoffeln, sogar von Kaktusfeigen (Opuntien). Sie bauen auch Bohnen, Hirse und Kürbisse zur Selbstversorgung an.

Tulear – Fort Dauphin
Die Dornenbusch-Wälder mit Euphorbien und Didieraceen, Tamarindenbäumen und den auffallenden Riesenbaobabs wechseln mit gerodeten Grassavannen ab. Unterwegs sieht man oft die dekorative und aufwendige Grabmalkunst der Mahafaly. Diese Grabstätten sind meist Steinquadrate von 10 oder sogar 15m Seitenlänge. Auf den Gräber befinden sich auch immer geschnitzte Grabstelen, die „Aloalo“, aber meist auch moderne Grabmalereien, die Szenen aus dem früheren Leben des Verstorbenen darstellen. Die “Aloalo“ sind kunstvoll und traditionell geschnitzte Holzfiguren und Pfähle. Diese Schnitzereien und die Hörner der während der Beerdigungsfeier geschlachteten Zebus schmücken diese viereckigen Grabstätten und zeigen vor allem das Ansehen, den Reichtum und den Status der Verstorbenen.

Der Besuch des Tsimanampetsotsa Nationalparks ist sehr lohnenswert, allein schon wegen der seltenen Flamingos, die besonders während der Regenzeit hier zu finden sind. Bei höchstem Wasserstand ist der See gut 20 km lang und 3 km breit.

An den Ufern des brackigen seichten Sees Tsimanampetsotsa leben auch Enten und viele Wasservögel, die einheimischen Seidenkuckucke oder Couas. Es ist ein wahres Paradies für Vogelbeobachter. Die grünen Algen sind Nahrung für die vielen Krebse, die ihrerseits als Nahrung für die Rosa Flamingos (Phoenicopterus ruber) dienen.

Dieses Naturschutzgebiet gehört zu den zehn Ersten Parks in Madagaskars und das Parkbüro befindet sich im Dorf Efoetse. Dieses Naturschutzgebiet liegt ca. 40 km von Anakao entfernt. Es ist am besten mit dem Motorboot von Anakao aus zu erreichen. Im Schutzgebiet östlich des Sees wächst Trockenwald auf Kalkgestein, das von zahlreichen Höhlen durchzogen ist, wo auch einige Katta-Lemuren wohnen.

Tulear – Fort Dauphin
Nach der Parkbesichtigung fahren wir auf einer Sandpiste immer Richtung Süden der Küste entlang. Das heutige Etappenziel ist das charmante Fischerdorf Itampolo. Während der Autofahrt fällt die typische karge Vegetation dieser Gegend auf und gelegentlich trifft man auf eine der typischen Strahlenschildkröten in dieser kargen Landschaft. Die Region gehört noch immer zur Ethnie der Mahafaly. Der Küstenort Itampolo ist wegen seinen grossen Wellen ein beliebtes Ziel für Surfer.

Im weiteren Verlauf auf der Nationalstrasse Nr. 10 fährt man jetzt etwas ins Landesinnere und nach paar Kilometern gelangt man zum nächsten Etappenziel Ampanihy oder “der Ort, wo Fledermäuse leben“. Besonders bekannt ist dieses Kleinstädtchen wegen der Verarbeitung von Mohair-Wolle. Aus dieser schönen, weichen Wolle der hier gezüchteten Ziegen werden die sehr begehrten Mohair-Webteppichen gewebt. Die Wolle wird mit reinen Pflanzenfarben gefärbt, z.B. aus den roten Aloeblüten. Die spezielle Ziegenrasse Angora wurde in den 1970 Jahren hier in Madagaskar eingeführt und die Produktion der Wolle ist die Haupteinnahmequelle der vielen Ziegenzüchter und sichert ihnen ein kleines Einkommen. Bei der mühsamen Verarbeitung dieser Mohair-Wolle zeigen die Weberinnen ihr Talent und ihre Geduld.

Tulear – Fort Dauphin
Ab der Stadt Ampanihy beginnt das Land der Bevölkerungsgruppe der Antandroy oder “der Stamm aus dem Dornenland“. Das Wort “Roy“ bedeutet wörtlich der Dorn und ihr Siedlungsgebiet liegt hauptsächlich an der Südspitze Madagaskars. Jetzt geht es weiter Richtung Beloha und Tsihombe und wir überqueren den Menarandra-Fluss, welcher die Grenze zwischen den beiden Volksgruppen Antandroy und Mahafaly ist. Die Antandroy besitzen grosse Rinderherden, denn sie sind anerkannte Zebuzüchter. Die Leute dieses robusten Stamms erkennt man sofort an ihren langen Speeren und den traditionellen Lendenschürzen. Es sind Nomaden in diesem grossen Trockengebiet und sie ziehen monatelang mit ihren Viehherden durch das Land. Leider leiden sie das ganze Jahr an Wassermangel in diesem kargen und unwirtlichen Gebiet, wo fast nur Dornengestrüpp gedeiht. Sie begraben ihre Verstorbenen ebenso aufwendig wie die Mahafaly und die Hörner der geschlachteten Zebus während des Beerdigungsfestes schmücken ebenfalls die steinernen Grabstätten.

Die Gräber der Antandroy heissen “Fanesy“ in ihrer Dialektsprache oder „der ewige Ruheplatz“. Je grösser und farbenfroher das Grab ist, desto respektierter und verehrter ist der Verstorbene.

Nicht weit von der Südspitze Madagaskars entfernt liegt das charmante Fischerdorf Lavanono, ein kleines Naturparadies für Ökotouristen. Dieser schöne Badeort liegt unweit von Cap Sainte Marie, einer faszinierenden Region mit hohen Sandsteinklippen, mit Miniaturpflanzen, Dornenvegetationen. Das Ganze erinnert an einen Steingarten.

Das Naturreservat von Cap Sainte Marie mit einer Fläche von ca. 17,5 km² liegt ca. 43 km südlich von Tsiombe auf einem Hochplateau von 100 bis 150 m über dem Meeresspiegel. Die hier geschützten Strahlenschildkröten (Geochelone radiata) sind wohl die grösste Attraktion an diesem südlichsten Punkt Madagaskars. Die Meeresklippen von mehr als 140 m Länge bilden natürliche Barrieren östlich und westlich des Reservats und hier treffen der Kanal von Mosambik und der Indische Ozean aufeinander.

Tsiombe ist der Ausgangspunkt mehrerer Pisten zu den südlichsten Punkten Madagaskars, dem Cap Sainte Marie sowie dem östlich davon gelegenen Faux Cap.

Faux Cap wurde “falsches Kap“ (Betanty auf madagassisch) genannt, weil die Geografen später feststellten, dass das Cap Sainte Marie noch etwas weiter südlich liegt. Dieser schöne Ort liegt an der Spitze einer Halbinsel, die vom weiten Sanddünnen bedeckt ist, in denen noch Reste der Eierschalen des berühmten ausgestorbenen Riesenvogels (Aepyornis) gefunden werden.

Die hohe Steilküste, die Winde, die hier ohne Unterlass wehen, die faszinierende Landschaft mit der verkrüppelten Vegetation und der einsame Leuchtturm von Cap Sainte Marie bringen die Besucher immer wieder zum Staunen.

Tulear – Fort Dauphin
Wir fahren weiter auf der RN10, die kurz vor Ambobombe (“wo es viele Brunnen gibt“), in die RN 13 mündet. Ambobombe ist der Hauptort der Region Androy. Wir sind immer noch in der regenärmsten Region Madagaskars. Ambovombe gilt als ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in dieser südlichen Region. Ein Rest dieser einst gut ausgebauten Nationalstrasse ist asphaltiert, aber heute nicht mehr in gutem Zustand. Es ist immerhin ein Zeichen, dass die Besucher wieder “die Zivilisation“ erreicht haben. Der Markttag in diesem Hirtenland ist der Montag und die “Dornenleute“ kommen aus den weit abgelegenen Dörfern hierher und kaufen oder verkaufen oder tauschen Zebus oder auch den selbst gesammelten Wildhonig, handgefertigte Hüte, Silberschmuck, Amulette, Speere oder verschiedene Lebensmittel wie Maniok, Mais oder Süsskartoffeln.

Kurz vor Amboasary, ca. 35 km von Ambovombe entfernt, überquert man den langen Fluss Mandrare, die Lebensader des Südens und vom weiten sieht man die schönen Baobabs wenn man die ausgedehnten Sisalplantagen durchquert.

Von Amboasary aus führt eine Abzweigung in nordwestlicher Richtung zum privaten Reservat von Berenty, am Ufer des Flusses Mandrare.

Tulear – Fort Dauphin
Der Berenty-Park, ca. 90 km westlich von Fort-Dauphin und mit einer Fläche von etwa 250 Hektaren, wurde bereits im Jahr 1936 von der französischen Familie Heaulme gegründet, aber erst im Jahre 1980 für die Besucher geöffnet. Im Park mit hauptsächlich Trockenwald, aber auch mit grossen Tamarindenbäumen, leben Flughunde und tummeln sich Lemuren wie die Kattas, die Larvensifaka, auch Tanzende Lemuren genannt, die Braunen Lemuren oder die Rotstirnmakis. Für Naturliebhaber ist es ein Vergnügen zu verschiedenen Tages- und Abendzeiten durch den Park zu wandern, mit oder ohne den ortskundigen Führer. Abends, mit einer guten Taschenlampe bewaffnet, kann man die nachtaktiven Lemuren wie die Mausmakis (Microcebus murinus) und die Wieselmakis (Lepilemur leucopus), viele Vogel- und Reptilienarten ausfindig machen. Berenty ist darum ein Paradies für Fotografen, Ornithologen und sogar Forscher.

In Richtung Fort Dauphin oder Taolagnaro wird jetzt die Landschaft zunehmend abwechslungsreicher und vor allem grüner. Unterwegs kann man fleischfressende Kannenpflanzen, “Bäume der Reisenden“ und verschiedene Baumfrüchte wie Litchis, Mangos und Avocados entdecken. Auch am stetig feuchter werdenden Klima und der grünen Vegetation merkt man, dass die schöne Stadt Fort Dauphin nicht mehr weit ist.

Juni 2021; geschrieben von: Michael PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Masoala Nationalpark

1670 – Der Masoala Nationalpark

Die Stadt Maroantsetra liegt idyllisch am Nordende der Bucht von Antongil und ist der ideale Ausgangspunkt für eine Exkursion zum nahegelegenen Inselnaturreservat Nosy Mangabe oder für Trekkingtouren und Expeditionen in den dichten Regenwald von Masoala.

Dieses Naturschutzgebiet von Masoala ist auch in Europa bekannt dank der Eröffnung der Masoala-Regenwaldhalle im Zürcher-Zoo im Jahre 2003. 

An der Nordostküste der Insel gelegen, mit enormen Niederschlagsmengen ausgestattet und mit einem feuchtwarmen Klima ist die Masoala Halbinsel ein spektakuläres Tropenparadies in Madagaskar. Dieser beeindruckende Regenwald wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe unter Naturschutz gestellt. Der Park wurde im Jahr 1997 gegründet und umfasst neben der Halbinsel auch 100 km² Meeresgebiet sowie die nahegelegene Insel Nosy Mangabe. Die höchste Erhebung auf der Halbinsel reicht bis in eine Höhe von ca.1300 m über dem Meeresspiegel.

Masoala Nationalpark
Die Insel Nosy Mangabe liegt nur etwa fünf Kilometer von der Stadt Maronatsetra entfernt und ist auch nur ca. 5 km2 gross. Ein Besuch beginnt immer mit einer Bootsfahrt ab Maroantsetra, begleitet durch einheimische Lokalführer. Normalerweise bleiben die Reisenden nur ein oder zwei Tage auf der Insel. Übernachten kann man nur im Zelt.

Der eigentliche Masoala-Park ist das grösste noch verbliebene Stück Regenwald im Nordosten Madagaskars. Ein Besuch in diesem beeindruckenden Naturreservat gibt dem botanisch Interessierten Einblick in eine grosse Pflanzenvielfalt.

Es ist die regenreichste Gegend Madagaskars und die beste Reisezeit ist die “Trockenperiode“ zwischen September und Dezember, da es in der Regel in dieser Zeit weniger regnet. Der Regen fällt dann meist nachts oder in kurzen heftigen Schauern und die Temperaturen sind auch erträglicher. Mit diesen reichhaltigen Niederschlagsmengen ist diese Halbinsel tropisch, waldbedeckt mit Küstenregenwald, aber auch Bergregenwald und dieses interessante Naturschutzgebiet hat eine sehr reiche endemische Tier- und Pflanzenwelt.

Die Roten Varis (Varecia variegata rubra) mit einem Gewicht von ca. 4 Kilo gehören zu den grössten Lemuren in diesem Urwald. Sie sind tagaktiv und leben in Familiengruppen. Sie markieren Ihr Territorium im Wald mit dem Sekret ihrer Drüsen oder rufen die Nachbargruppen früh am Morgen mit ihren lautstarken Schreien. Diese Varis sind besonders aktiv nach Sonnenaufgang und kurz vor dem Sonnenuntergang und ernähren sich als reine Vegetarier von den wilden Früchten im Wald, aber auch von Blüten, Nektar und Blättern. Als “Nestbaumlemur“ baut das Weibchen aus Ästen, Blättern und Moosen ein spezielles Nest auf einem hohen Baum, wo sie ihre Babies während der ersten drei Wochen nach der Geburt unterbringen. So wie die Katzen transportiert die Mutter die kleinen Lemuren im Maul. Normalerweise kommen zwei bis drei Junge zur Welt. Die schwarz-weisse Form der Varis lebt auf der Insel Nosy Mangabe.


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Die winzigen und niedlichen Braune Mausmakis kommt auch in diesem faszinierenden Wald vor. Sie haben eine Körpergrösse von ca. 8 cm und ihr Körpergewicht liegt zw. 30 und 55 Gramm. Während des Südwinters verbraucht dieser kleinste Primat der ganzen Welt das im Schwanz angereicherte Körperfett. Sie sind nachtaktiv und fressen gern süsse Früchte wie die wilden Goyaven (oder Goyave aus China), Blüten, Sprossen von besonderen Pflanzen im Wald. Sie sind aber auch Insektenfresser. Im Gegensatz zu den tagaktiven Lemuren leben sie nicht in Gruppen und schlafen tagsüber in Baumhöhlen oder in unbewohnten Vogelnestern. Wegen ihrer geringen Körpergrösse sind die fleischfressenden Vögel wie Eulen, Falken, Adler usw. die Feinde der scheuen Mausmakis. Auch die Fossa, die Ringelschwanzmungos (Galidia elegans), die Schleichkatzen, sowie die nachtaktiven Schlangen wie die Madagaskar Hundskopfboa zählen zu den gefährlichen Raubtieren im Wald.

Masoala Nationalpark
Tierfreunde können sich an den verschiedenen Reptilien wie Geckos, Plattschwanzgeckos, Chamäleons, Schlangen aber auch an zahlreichen Vögeln und Froscharten erfreuen. Einige Bewohner dieses beeindruckenden Regenwaldes geben sich bei der Tarnung die grösste Mühe: Gottesanbeterinnen und Stabheuschrecken imitieren perfekt trockenes Laub und Blätter und nur die geübten Augen der Lokalführer können sie im dichten Gebüsch entdecken. Manche Froscharten sind so gefärbt, dass sie kaum vom Untergrund zu unterscheiden sind. Winzige Erdchamäleons der Gattung “Brookesia“ bewohnen auch die feuchten Laubschichten am Boden des Regenwaldes und sind in Form und Farbe ihrem Lebensraum verblüffend angepasst. Im Gegensatz zu diesen gut getarnten Reptilien fallen einige Tiere mit ihren leuchtenden Farben extrem auf. Dazu zählen die bunten Tausendfüssler, die Skolopender oder die giftgrünen Tagesgeckos. Borstenigel oder Tenrek sind nachtaktiv und häufig in der Nähe der Siedlungen, Dörfer und Hotels zu finden.

Mehr als 100 Vogelarten haben die Wissenschaftler hier entdeckt. Der seltene und endemische Schlangenhabicht (Eutriorchis astur) und der Madagaskar Schlangenadler wurden hier bei der Gründung des Parks im Jahre 1997 wieder gefunden. Hier im Masoala Regenwald kann man die endemischen roten Madagaskareule (tyto soumagnei) treffen, wenn man Glück hat. Die lauten Seidenkuckucke, die endemischen Vangas oder die schwarzen Vasa Papageien gehören auch zu den typischen Vogelarten im Masoala Reservat.

Der bunte und schöne Madagaskar-Fliegenschnäpper schwirrt auf der Jagd nach Insekten im dichten Gehölz umher. Am Flussufer sitzt der blauschimmernde madagassische Malachiteisvogel (“Vintsy“ auf madagassisch), auch ein sehr schöner und putziger Fischvogel und wartet geduldig auf die nächste Beute. Der seltene Fischadler kreist um die Baumkronen oder in den Uferzonen und der farbenprächtige Nektarvogel oder “Soimanga“ labt sich am Blütensaft eines blühenden Gebüschs.

Masoala Nationalpark
Der Park umfasst verschiedene Lebensräume wie Regenwald in diversen Höhenlagen, Mangroven und vor der Küste erstrecken sich riesige Korallenriffe. Im Innern ist Masoala gebirgig und dicht bewaldet. Steile Abhänge gehen über in vielfältige Küsten- und Mangrovenwälder, Sandküsten oder bizarre Felsenformationen. Die Fülle an Pflanzen- und Baumarten ist erstaunlich gross in dieser Region und jedes Jahr entdecken die Botaniker neue Sorten von endemischen Arten. Erwähnenswert sind zum Beispiel die vielen Farne wie der Vogelnestfarn mit seinen langen Blättern, der in seinem Herz eine Art Nest bildet, der Geweihfarn, der in den Astgabeln von Bäumen wächst oder der schön dekorative Baumfarn, eine Aufsitzerpflanze, die eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und kühles Klima braucht. Dann die endemische Fleischfressende Pflanze („Nepenthes Masoalensis“), die am Ende der Blattstiele eine Kannenfalle bildet, welche Insekten anlockt. Daher sein schöner Name Kannenpflanze.  Man findet auch viele Orchideen (Stern von Madagaskar) und zahlreiche Palmenarten wachsen in diesem Feuchtgebiet sehr üppig. Auch Bäume mit Brett- oder Stelzwurzeln wachsen prächtig und diese können mehrere Meter breit oder hoch werden.

Die Korallenriffe in den 3 Meeresreservaten Masoalas sind einzigartige Schnorchel- und Tauchgründe in dieser Region. Eine besondere Attraktion an der Antongil-Bucht ist die Walbeobachtung. Jeweils von Juli bis September halten sich hier diese Riesentiere mit ihren neugeborenen Jungen auf. Auch Delfine, insgesamt 22 verschiedenen Arten, halten sich das ganze Jahr in den Küstengewässern Madagaskars und im Marinepark von Tampolo auf. Gelegentlich kann man auch Dugongs oder Seekühe finden.

In Tampolo befinden sich die meisten Unterkünfte am Rand des Regenwaldreservates, auch ein guter und beliebter Startpunkt für Exkursionen und Wandertouren in diesen faszinierenden Urwald. Die Tampolo-Lodge selbst liegt am Rand des Regenwaldreservates an einer schönen Bucht und vor dem Marinepark, wo die Reisegäste gut schnorcheln können.

Etwas ganz Besonderes und Abenteuerliches ist das ca. 132 km lange und abwechslungsreiche Masoala Trekking. Es verbindet die Stadt Maroantsetra an der Bucht von Antongil mit Antalaha an der Ostküste. Dieser Trekk zählt zu der mühsamsten, aber auch schönsten Unternehmungen für Abenteuerlustige. Beim Durchqueren der zahlreichen Bäche und Flüsse müssen die Reisegäste auf den glitschigen und rutschigen Wegen gut aufpassen, aber der hilfreiche ortskundiger Führer sowie die freundlichen Gepäckträger sind immer dabei und sie kennen die Furten für das Überqueren der Flüsse. Auch die gemächliche Pirogenfahrt zum Abschluss des Trekkings auf dem Onive Fluss, das Treffen mit den gastfreundlichen Dorfbewohnern und die lachenden und neugierigen Kinder auf diesem langen Fussmarsch gehören zu den besonderen und unvergesslichen Erlebnissen auf diesem einmaligen Abenteuer.

Mai 2021, geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Berenty: Naturpark und Privatreservat in Madagaskar

Berenty: Naturpark und Privatreservat in Madagaskar

Ganz im Südosten Madagaskars gelegen findet sich Fort Dauphin, mit und ohne Bindestrich geschrieben und auch Tolagnaro, Tôlan̈aro und Taolanaro genannt.

Das Volk der Anosy lebte im eigenen Rhythmus in der regenreichen Buchten- und Lagunenzone. Doch vor 520 Jahren landeten oder eher strandeten portugiesische Seefahrer und versuchten sich zu behaupten. Ihr Steinhaus, eine Art kleines Fort, ist heute noch erhalten und ist das älteste Steinhaus Madagaskars. 1642 landeten dann Siedler aus Frankreich, die Fort Dauphin auf einem dominanten Felsensporn gründeten. Die Siedlung wurde 30 Jahre später wieder aufgegeben.

Doch seither ist Fort Dauphin ein fester Punkt in der madagassisch-französischen Hassliebe. Mit der Invasion Frankreichs 1895 setzte sich die französische Macht endgültig in Fort Dauphin fest.

Zu kolonialen Zeiten blieb Fort Dauphin eine Kleinstadt mit einer Militärgarnison, die sich auf dem Felsensporn mit der alten Festung der Siedler von 1642 befand.

Die französische Kolonialfamilie de Heaulme drückte der schläfrigen Stadt ab den 1930er Jahren ihren Stempel auf: die Produktion von Sisal war rentabel und Fort Dauphin verfügte über einen kleinen Naturhafen. Die Familie de Heaulme eröffnete die ersten Hotels und Restaurants. Jean de Heaulme war in den 70er und 80er Jahren eindeutig der ‚König von Androy‘: ein kolonialer Patron mit allen Vor- und Nachteilen. Vielleicht daher geriet er auch öfters in Konflikt mit der madagassischen Zentralregierung unter Diktator Ratsiraka.
Seine Nachkommen scheinen derweil Mühe zu haben, das Imperium weiterzuführen.

Andere kamen und gingen. So der schwedische ex-Diplomat Åkesson – der im riesigen Mandrare Gebiet eine weithin sichtbare Betontafel errichten liess mit der Inschrift:  Alles, was Ihr hier seht, gehört Åkesson.


Carl Gustaf Bertil Åkesson

Carl Gustav Bertil Åkesson, war schwedischer Diplomat in Paris, wurde dann Geschäftsmann in Kamerun und ab 1970 war er schliesslich in Madagaskar aktiv. Er war Konsul von Malta in Madagascar, doch in erster Linie war er ein gewiefter Geschäftsmann mit Sinn für lukrative Geschäfte. Es erstaunt, dass der weit vernetzter Businessmann mit Sinn für gesellschaftliche Auftritte ‚im Netz‘ so gut wie keine Spuren hinterlassen hat.
Sein Erbe, ein Konglomerat an madagassischen Unternehmen (oft mit Sitz in Frankreich) ging an die Kinder. Sohn Bertil verweist bei der Vermarktung seiner Kakaofrüchte und der Schokolade gern auf die Familientradition, ohne jedoch Details zu nennen.
Einer der Söhne – Karl Bertil Åkesson – wurde schwedischer Konsul in Madagaskar, eine Tochter, Elsa Åkesson, ist Künstlerin und Bertil Akesson wandte sich der Schokolade zu. Tochter Danie Åkesson ist in Madagaskar die Hororarkonsulin von Malta, wie schon der Vater.
Alle sind irgendwie ins Familienimperium eingebunden.


Fort Dauphin geriet schlagartig in den Radar von etlichen Spekulanten und  Bergbauunternehmen, als in der Region seltene Erden entdeckt wurden. Das kanadische Minenunternehmen Rio Tinto erhielt den Zuschlag und verschaffte der Stadt einen neuen Entwicklungsschub. Der Abbau von Titaneisenerz brachte dem Ort Arbeitsplätze, einen neuen Seehafen und etwas Internationalität. Heute ist Fort Dauphin wohl die sauberste Stadt Madagaskars.

Nur wenige Autominuten ausserhalb der Stadt ist von den Zeichen der Moderne kaum etwas zu sehen. Die Landschaft ist dreigeteilt: Meer, Küstenstreifen, Hügelberge. Wer nach Westen fährt, erlebt ein weltweit seltenes Phänomen: von Fort Dauphin herkommend steigt die Strasse einem niedrigen Passhügel hoch. Links und rechts grüne tropische Landschaft. Kaum hat man die Kuppe des Passes überquert, eröffnet sich eine trockene, dornenbewehrte Gestrüpplandschaft. Die Klimafalte ist bemerkenswert: Fort Dauphin liegt im Einflussbereich der fast ganzjährigen Ostküstenregen. Die Klimafalte hingegen führt hin zur trockenen, den Südwinden unterliegenden Landschaft des tiefen Südens Madagaskars.

Hier führt der Mandrare Fluss die Wasser der Südost-Hügelwelt zum Meer. Doch meist ist der Fluss trocken.  Die Anwohner graben Schächte in sein breites Kieselbett, um an spärliches Wasser zu gelangen. Der Mandrare mäandriert in einem weitflächigen Tal. Es erschien den französischen Siedlern der 1930er Jahre als idealer Ort, um Sisal anzupflanzen. Heute noch ergiessen sich die Sisalpflanzen wie stramme Soldaten bis in den fernen Horizont in Reih und Glied.

Eine der Familien – de Heaulme – war ebenfalls mit Sisal-Plantagen tätig und hatte die Inspiration, einen Teil in Naturzustand zu belassen. So entstand Berenty.


siehe auch den Beitrag
Berenty: Reservat


Vohemar

1630 – Vohemar

Im Nordosten von Madagaskar verbirgt sich das historische Landstädtchen Vohemar.

Das Hafenstädtchen Vohemar gehört zur Region SAVA. Von Sambava aus fährt man auf der Nationalstrasse 5a zunächst ein Stück nach Westen durch hügeliges Gelände und dann durch die bergige Landschaft des fruchtbaren Hinterlands nach Norden. Die Piste von Ambilobe bis Vohemar, die RN 5a, hat unter den vielen Wirbelstürmen aus dem Indischen Ozean stark gelitten und erfordert deswegen viel Zeit. Diese Piste mit tiefen Schlaglöchern ist in einem so erbärmlichen Zustand, dass sie während der Regenzeit fast unpassierbar ist. Und selbst in der Trockenzeit beansprucht sie viele Stunden Fahrzeit. Während der Regenzeit ist dieses Kleinstädtchen also nur auf dem Luft- oder Seeweg erreichbar.

Der Stadtname Vohemar (oder Iharana auf madagassisch) stammt aus den beiden Wörtern “Vohitra“ auf deutsch Siedlungen und “Maro“ oder viel, also wörtlich übersetzt bedeutet dieses zusammengesetzte Wort “die grosse Siedlung mit vielen kleinen Dörfern“. Die idyllische Hafenstadt liegt an der Küste, geschützt durch Korallenriffe und damit “zyklonsicher“. Deswegen wird ein Grossteil der Exportprodukte über dieses Kleinstädtchen verschifft (Vanille aus Sambava und Antalaha, Reis aus Andapa und Zebus aus den Trockengebieten rund um Vohemar). Der regionale Handelshafen stellt den Seeverkehr mit den wichtigsten Häfen Madagaskars einschliesslich Toamasina, aber auch mit dem Ausland wie der Nachbarinsel La Réunion und den Inseln der Komoren sicher.

Effektiv ist Vohemar der einzige Tiefseehafen der Nordostküste. Die weitaus grössere Stadt Sambava verfügt über keinen Hafen und in Antalaha gibt es zwar eine Hafenmole, aber dort können nur die in der Region gebauten Holzschiffe anlegen. Diese motorbetriebenen Frachter können zwar 20 bis 50 Tonnen transportieren, haben aber nur einen geringen Tiefgang. Grössere Meeresschiffe hingegen können ihre Fracht nur in Vohemar löschen. Dort befindet sich auch das Treibstofflager der Region.

Vohemar
Diese wichtige Küstenstadt Vohemar an der Nordostküste zeichnet sich vor allem durch das trockene Klima aus. Die Region ist auch bekannt für die Zebuzucht, was den Bezirk zur reichsten Region an Nutztieren macht. Dieses Siedlungsgebiet gehört den Volksgruppen Betsimisaraka, Sakalava und Tsimihety. Rund um dieses Kleinstädtchen gibt es grosse Vanille-, Nelken-, Zimt-, Kaffee-, Mais-, Erdnuss- und Kokosplantagen, wobei die Vanille die Haupteinkommensquelle der hier lebenden Bevölkerungsgruppe ist. Die Tsimihety (der Volkstamm, der sich die Haare nicht schneidet) sind anteilmässig die grösste Volksgruppe in dieser entlegenen nördlichen Region. Sie sind bekannt für ihre grossen Wanderbewegungen als Viehzüchter. Im Gegensatz zu den anderen Ethnien gelten sie als “Individualisten“ und möchten immer ein freies Leben führen. Die Sakalava (oder diejenige, die im langen Tal wohnen), die ebenfalls in dieser Region wohnen, sind Nachfahren von arabischen und ostafrikanischen Einwanderern, deswegen ihr Hang zum Ritual der Blutbruderschaft, zur Ahnenverehrung und zu den heiligen Reliquien. Sie sind hervorragende Viehzüchter und halten sich grosse Rinderherden. Die Betsimisaraka (oder die vielen, die sich nicht trennen lassen) sind die drittgrösste Volksgruppe an der Ostküste nördlich und südlich der Hafenstadt Toamasina. Diese Ethnie ist aus dem Zusammenschluss verschiedener Volksgruppen entstanden. Sie leben hauptsächlich vom Fischfang und vom Reis- und Gewürzanbau. Sie pflegen auch viele uralte Rituale und glauben an Naturgeister.


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Neben den erwähnten ethnischen Gruppen, die hauptsächlich von der Landwirtschaft im Binnenland und vom Fischfang an der Küste leben, gibt es auch Geschäftsleute aus der Sava Region und viele Chinesen, die von der Verschiffung der Exportprodukte wie Vanille und Gewürze leben. Leider werden von hier in den letzten Jahren auch illegal die Edel- und Rosenhölzer nach China und Europa verschifft.

Der Besuch des Lac Andranotsara (oder Lac Vert) ist eine besondere Attraktion ausserhalb der Stadt. Er liegt ca. 10 km südlich der Stadt Vohemar und inmitten von malerischen Dörfern und einer weiten, sanft hügeligen Landschaft, wo die Zebus den ganzen Tag weiden. Der ortskundige Führer begleitet die Besucher und zeigt ihnen den Weg entlang der Graspiste des Flughafens von Iharana und bis zum See. Der Lac Andranotsara ist nur durch einen schmalen Streifen Land vom Indischen Ozean getrennt. 70m oberhalb dieses heiligen Sees hat man einen faszinierenden Blick auf die umliegende Landschaft, aber auch auf die wechselnden Farben des Sees: mal ein eindrucksvolles Türkisgrün bei Sonnenschein und mal dunkelgrün schimmerndes Wasser, wenn das Wetter bewölkt ist. Es wird gesagt, dass der Ursprung dieses sattgrünen Sees auf die Vermischung von Süss- und Salzwasser zurückzuführen sei.

Dieser heilige See spielt im Glauben der Einheimischen eine grosse Rolle, so wie der Antanavo See ca. 50 km von Diego Suarez entfernt. Hier leben viele Krokodile, die als Reinkarnation der Vorfahren der hier Lebenden verehrt und respektiert werden. Der Legende nach soll hier einst ein grosses Dorf gestanden haben und im Ozean, nahe dieses Dorfes, habe ein siebenköpfiges Monster gelebt. Dieses riesige Ungeheuer hätte einmal mit den Fischern heftig gestritten und so ging es wütend ins Dorf und unter seinem riesigen Gewicht versank das ganze Dorf in der Tiefe. Während eines grossen Unwetters füllte sich dann die entstandene Senke mit Wasser und die Dorfbewohner verwandelten sich in Krokodile. Seit diesem Zwischenfall sind viele Tabus in und um diesen Grünen See zu beachten. Der Besuch dieses Sees ist nur in Begleitung von Einheimischen möglich. Gelegentlich werden zu Ehren der Krokodile Zebus auf einer Sandbank geopfert, ebenso werden hier regelmässig Ahnenverehrungen sowie Heilungszeremonien abgehalten.

Vohemar
Etwa 80 km westlich von Vohemar liegt das Daraina Reservat. Die NGO Fanamby verwaltet und schützt dieses Waldgebiet in der Region von Loky Manambato. Hier befindet sich ein Refugium der sehr seltenen Goldkronensifakas (oder Propithecus tatersalli), aber es ist auch die Heimat verschiedener endemischer Reptilien und Vögel. Beste Saison für den Besuch dieses Naturschutzgebietes ist während der Trockenzeit zwischen Mai und November. Das Camp Tatersalli liegt etwa 6 km nordöstlich dieses Schutzgebietes und hat einfache Zeltbungalows mit einem kleinen Restaurant (Gerichte mit lokalen Produkten zubereitet mit Kokosmilch).

Einige Unterkünfte in Vohemar haben einen schönen Meeresblick auf die weite Bucht. Hier herrscht Beschaulichkeit und Ruhe an einem schönen haifischsicheren Strand. Die Restaurants bieten ihre kulinarischen Highlights an mit Spezialitäten aus den edlen Vanilleschoten und bereiten madagassische Spezialitäten mit der sehr beliebten Kokosnuss-Sauce.

Von Vohemar nach Sambava durchfährt man auf ca. 150 km (etwa 6 Std. Fahrt) ein Trockengebiet mit savannenartigen Grasflächen. Nicht weit von der Vanillestadt Sambava erstrecken sich die endlosen Kokosplantagen, die sich entlang der weitläufigen Sandstrände Richtung Süden hinziehen. Von Sambava aus startet auch die abenteuerliche und anstrengende Trekkingtour durch den Marojejy Nationalpark.

März 2021, geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Grotten von Belobaka

1760 – Die Grotten von Belobaka

Durch das Hochland reisen wir zur trockenen Nordwestküste Madagaskars. Die Grotten von Belobaka liegt ca. 11 km östlich der Hafenstadt Mahajanga in der Region von Boeny und gehören zu den einzigartigen geologischen Formationen in der Nähe der Mahamavo-Hochebene. Eine aussergewöhnliche und abenteuerliche Tour voller spannender Erlebnisse erwartet uns bei der Erkundigung dieser Grotten in einer abgelegenen Felsenregion.

Von Mahajanga fährt man auf der Nationalstrasse Nr. 4 Richtung Antananarivo mit Savannen und Palmenzonen und nach ca. 10 km ausserhalb der Stadt nimmt man die Abzweigung Richtung Grotten von Belobaka. Diese Höhlen liegen abseits der bekannten Reiserouten und das ganze Jahr herrscht hier trockenes Westküstenklima mit durchschnittlich über 30° C. Diese kaum besuchte Sehenswürdigkeit mit mysteriösen Versteinerungen abseits der Touristenpfade kann man wegen der schlechten Piste nur während der Trockenzeit zwischen April und November besuchen.

Früher hiess diese Gemeinde Andavakabe, wörtlich übersetzt bedeutet dies auf madagassisch “in der Nähe des grossen Lochs bzw. der tiefen Grotte“. In dieser Region wurde früher auf riesigen Feldern Tabak angepflanzt, daher der Dorfname im Sakalava-Dialekt Belobaka, “die Region mit viel Tabak“. Die Belobaka-Höhlen stammen aus der paläozänen Zeit. Dieser Kalkstein ist um die 65 Millionen Jahre alt und ist damit jünger im Vergleich zu den massiven und spektakulären auch sehr bekannten Karstformationen der Tsingy von Bemaraha, Tsingy von Ankarana oder Tsingy von Namoroka, die ca. 160 Millionen Jahre alt sind. Diese 3 letzterwähnten Tsingy liegen aber abgelegen und sind viel schwieriger zu erreichen als diese Belobaka-Grotten. Sie sind aber auch hochinteressant für Geologen oder Historiker.

Grotten von Belobaka
Während einer Expeditionsreise zwischen 1911 und 1912 haben Höhlenforscher diese Belobaka-Grotten entdeckt und dabei einige Überreste von Subfossilen gefunden, darunter des “Pachylemur insignis“. Dieser gehört zu einer Gattung einer ausgestorbenen riesigen Lemurenart, die zur Lemuridae-Familie gehörte. Diese einzigartige und endemische Lemurenart ist dem schwarz-weissen Vari an der Nordostküste der Insel sehr ähnlich.

Jahre später, zwischen 2003 und 2012, haben ein französisch-madagassisches MAPPM-Team bei mehreren Fundstellen wiederum Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden weitere paläontologische Fossilen von Nagetieren (Nesomyidae), Primaten (Archaeolemuridae, Megaladapidae, “Palaeopropithecus kelyus“) und auch Fossilien von Zwergflusspferden “Hippopotamus laloumena“ mit einem Alter von 18’000 Jahren entdeckt. Diese werden seither im bekannten AKIBA-Mozea an der Universität von Mahajanga aufbewahrt. Dieses interessante Naturkundemuseum beherbergt verschiedene Exponate, Fossilien und Berichte über die endemische Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt der Nordküste, natürlich auch viele Dokumente über die Geschichte, Sitten und Bräuche der früheren Sakalava-Reiche und der hier angesiedelten Sakalava-Volkstämme.


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Die Ethnie Sakalava bewohnt das extrem weitläufige Siedlungsgebiet der gesamten Nord- und Südwestküste Madagaskars und bedeckt etwa ein Viertel der Gesamtfläche der ganzen Insel. Das Gebiet reicht von Tulear an der Südspitze bis Morondava und weiter bis Mahajanga und Ambanja im Norden, daraus stammt ihre Bezeichnung “Sakalava“ oder “die aus dem langen Tal“. So wie die anderen Volksgruppen in Madagaskar haben die Sakalava eine reiche Kultur und treiben gern den Ahnenkult zu bestimmten Zeiten. Die Verehrung der heiligen Reliquien, der “Trance-Zustand“ sowie das Ritual der Blutsbrüderschaft sind den afrikanischen Sitten und Bräuche sehr ähnlich. Die Gräber der ehemaligen Könige unweit von Mahajanga-Stadt gelten als besonders heilig und tabu (fady), so darf man diese nur in Begleitung eines Lokalguides betreten.

Grotten von Belobaka
Die Höhlenforscher haben insgesamt sieben verschiedenen Höhlen mit Stalaktiten und Stalagmiten in diesem Kalkgebiet entdeckt. Bei einer Wanderung durch das Höhlensystem hat man einen geologischen Überblick der Kalksteinformationen dieser Grotten. Die meisten Höhlen erfüllen die Funktion von Kultstätten, denn die grosse Volksgruppe betrachten sie als heilige Orte oder “Zomba“ im Sakalava-Dialekt, dieses Wort bezeichnet sowohl den gerufenen Geist als auch das Medium und die Zeremonie selbst. Die Familien opfern dabei ein oder mehrere Zebus und während diesem regelmässigen Ritual teilen sie ihren Ahnen und Vorfahren ihre Sorgen und Nöte mit und bitten um Abhilfe und um sich für die Belange der Lebenden einzusetzen (für Segen, Gesundheit oder für Kinder…).

Für die Reisenden ist es sehr wichtig zu wissen, dass diese bestimmten Fady (Tabus) auch für sie gelten. Sie müssen dann diese heiligen Orte immer in Begleitung von Einheimischen besuchen, die den Ort und die Wege, sowie die Regeln sehr gut kennen. Meistens müssen sie das traditionelle Kleidungstück der Küstenbewohner, ein spezielles Tuch oder “Lamba“, um die Hüften tragen und barfuss den heiligen Platz betreten.

Die erste Höhle ist ca. 15m tief und gilt als der heilige und mystische Ort, so dass man sich dieser sakralen Grotte nur barfuss nähern darf. Nicht weit vom Eingang der Grotte befindet sich der Opferplatz, hier rufen die Madagassen die Seelen der “Razana“ oder der Vorfahren, die sich um das Wohnergehen ihrer Nachkommen kümmern. Schamanen und Medizinmänner übernehmen die Aufgabe, den richtigen Zeitpunkt und die erforderlichen Festlichkeiten zu bestimmen.

Grotten von Belobaka
Die zweite Grotte ist ziemlich breit und hat die aussergewöhnliche Form einer Kathedrale.
Die dritte wird von den Einheimischen als die Grotte von “Tarzan“ genannt, wegen der vielen Wurzeln, die hier von der Decke in den Boden wachsen, um Wasser zu finden.
Die vierte heisst die “Weibliche Grotte“, die fünfte hat einen komischen Namen “Grotte der Krokodile“, die sechste ist die männliche Grotte und letztendlich die siebte ist die “Grotte der Baobabs“, die von den lokalen Steinbrechern gefunden wurde.

Die Erkundung dieser sieben Grotten dauert insgesamt etwa zwei Stunden, immer in Begleitung eines ortsansässigen Führers und die Mitnahme einer guten Taschenlampe ist zwingend erforderlich.

Die Grotten von Belobaka sind nicht zu verwechseln mit den Grotten von Anjohibe. Die Grotten von Belobaka sind rund 11 Kilometer von Mahajanga entfernt und in einem Tagesausflug sehr gut zu besichtigen.
Die eindrücklicheren Höhlen von Anjohibe hingegen liegen rund 60 Kilometer auf Naturpisten nordöstlich von Mahajanga und benötigen eine oder zwei Übernachtungen vor Ort.

Februar 2021, geschrieben von Mickael PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Tsingy von Bemaraha

2860 – NationalparkTsingy von Bemaraha

Der Nationalpark Tsingy von Bemaraha liegt etwa 300 km westlich der Hauptstadt Madagaskar in der Region Melaky. Von der Küstenstadt Morondava aus erreicht man diesen Nationalpark nur mit einem Geländewagen und nach etwa 210 km Fahrt, z.T. über eine beschwerliche Piste.

Eine andere Möglichkeit ist, in Miandrivazo mit der Fähre über den Tsiribihina zu setzen und über eine noch beschwerlichere Piste zu den Tsingy von Bemaraha zu fahren.

Trotz der abenteuerlichen Anfahrt über die schlechte Piste und der Abgeschiedenheit dieses Nationalparks, sind die Tsingy einen Besuch wert. Die Tsingy von Bemaraha stellen eines der sehenswertesten Naturwunder der ganzen Welt dar. Aufgrund seiner einmaligen Struktur und der Fauna und Flora wurde dieser Nationalpark schon sehr früh unter Schutz gestellt. Erst seit im Jahr 1990 wurde er wegen seiner fantastischen Karstlandschaft zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Seitdem bemühte sich die UNESCO verschiedene Wanderwege im Park zu erschliessen und erst 1997 wurden sie zum offiziellen Nationalpark erklärt.

Beeindruckend ist dieser Nationalpark besonders durch die einzigartigen Kalknadelspitzen, eben die “Tsingy“. Mit über 1577 km² gehört der Nationalpark Tsingy von Bemaraha im Distrikt Antsahavola zu einem der grössten Naturschutzgebiete Madagaskars. Er erstreckt sich vom Beramaha-Plateau bis zum Manambolo Fluss und liegt zwischen 75 und 700 m über dem Meeresspiegel. Das Wort Tsingy kommt von einem madagassischen Ausdruck “mitsingitsingina“, was wörtlich übersetzt “auf den Zehnspitzen gehen“ heisst – dieser Name beschreibt das Aussehen der hier zu findenden geologischen Formation.

Tsingy von Bemaraha
Der Nationalpark Tsingy von Bemaraha besteht aus unzähligen, bis zu 30 m Meter hohen steinernen Spitzen, die den gesamten Nationalapark wie ein spektakulärer Wald aus Felsnadeln bedecken. Es handelt sich bei den Tsingys um ein verwittertes und zerklüftetes Kalksteingebirge, das von Flüssen und einem Höhlensystem durchgezogen ist. Diese bizarren Felsformationen sind aus einem marinen Kalksteinplateau entstanden, denn als Madagaskar vor 200 Millionen Jahren teilweise unter Wasser lag, gab es hier ein riesiges Korallenriff. Nachdem der so entstandene Stein nicht mehr im Meer lag, schuf die Erosion des Regenwassers ein seltsames Labyrinth aus bedrohlichen Felsnadeln. Dieses System aus Schluchten und Kalksteinspitzen bildet ein Phänomen, welches das Gebiet zu einer der erstaunlichsten Landschaften der Welt macht. An mehreren Stellen finden sich noch die Strukturen der Korallen und Fossilien im Gestein.


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Neben dieser geologischen Wunderwelt beherbergt das nationale Reservat Tsingy von Bemaraha auch eine artenreiche Fauna und Flora. Wie in jedem Nationalpark in Madagaskar sind ca. 80% davon endemisch. Die felsige Oberfläche des Plateaus der Tsingys von Bemaraha ist teilweise mit dem einzigartigen madagassischen Trockenwald bedeckt, dessen Bäume sich an die Trockenheit angepasst haben. In der höher gelegenen Savanne wachsen die einzigen wilden Bananenstauden oder „musa perrieri“, Ebenhölzer und natürlich auch die Baobabs. Im Nationalpark Tsingy von Bemaraha wachsen etwa 650 verschiedene Pflanzenarten: darunter die sukkulenten Pflanzen wie die wunderschönen Orchideen oder Flaschenbäume.

Durch die vielfältigen Lebensbedingungen gibt es im Tsingy von Bemaraha Nationalpark auch eine Vielzahl an Tieren. Das grösste madagassische Raubtier, der “Fossa“, fühlt sich wohl hier. Die Schleichkatez ist allerdings sehr scheu und meidet den Menschen. Etwa 13 verschiedene Lemurenarten wie die Bambuslemuren, die Van-Decken-Sifakas, die Mausmakis tummeln sich in den üppig grünen Bäumen des Parks. Die ortskundigen Guides werden den Besuchern die etwa 90 Vogelarten im Park gerne zeigen, darunter den Fischadler oder „Ankoay“, den Seidenkuckuck und die Madagaskar-Ohreule. In den Höhlen und Felsendomen sind Fledermausspezies zu Hause, die man auch tagsüber zu Gesicht bekommen kann. Auch die Reptilienfreunde werden hier gar nicht enttäuscht: mit über 60 Arten sind die Schuppentiere vertreten. Mit sehr viel Glück entdeckt man hier die seltene Schienenschildkröten oder Erymnochelys madagascariensis und die Brookesia perarmata, ein bodenwohnendes Zwergchamäleon, dessen stachelbewehrter Körper sich vor dem Hintergrund des porösen Kalkgesteins optisch auflöst. Auch einige Amphibienarten kann man hier entdecken.

Im Park gibt es mehrere erschlossene Wanderwege, von denen zwei am häufigsten besucht werden: der einfachste Weg ist die Wanderung zu den sogenannten Petits Tsingys. Wer eine abenteuerliche Wanderung mit Hängebrücke und Klettersteigen bevorzugt, sollte eher die Grands Tsingys besuchen.

Tsingy von Bemaraha
Bevor man aber zu den “Grossen Tsingys“ aufbricht, lohnt sich eine Wanderung durch die “Kleinen Tsingy“. Die Wandertour durch die Petits Tsingy eignet sich für alle, denn sie sind leicht zu erreichen. Dennoch bieten sie, wie auch die Grossen Tsingy, eine Vielfalt an Vegetation und Tieren. Die 2-stündige Flussfahrt auf dem Manambolo-Fluss gehört zum Highlight dieser Wanderung. Bei der Flussfahrt wird man die unwirklichen Schluchten und Höhlen des Manambolo entdecken, hier verstecken sich verschiedene Sukkulenten, Baobabs und andere Pflanzenarten.

Während der Flussfahrt mit einer traditionellen Piroge kann eventuell ein kurzer Zwischenstopp bei den Höhlen mit “Gräbern der Vazimba“ und mit schimmerndem Tropfstein eingeplant werden. Die Tsingy gehören zu einem der “heiligen“ Orte in Madagaskar und haben darum eine starke spirituelle Bedeutung. Sie dienten den “Vazimba“, der madagassischen Urbevölkerung als Heimstatt. Nach einer Legende lebten die Vazimba hier am Flussufer des Manambolo lange vor der Ankunft der Südostasien- und die Afrika-Einwanderer. Für die Einheimischen haben die Vazimba übernatürliche Fähigkeiten, so gehen sie öfter zu diesem “heiligen Ort“, um ihre Verehrung auszudrücken und um Beistand zu bitten.

Immer mit einem ortskundigen Guide bewältigt man die Andadoany und Angeligoa Circuits, denn die Kleinen Tsingy sind ein Labyrinth aus Schluchten. Die verwirrende Topografie der Tsingy wird hier besonders deutlich. Neben der Beobachtung der unzähligen Schluchten gehört die Wanderung durch den “Jardin des Pachypodes“ zum Schwerpunkt dieses Wanderwegs. Der Weg führt über Leitern, Treppen und Stufen bis zu diesem kleinen grünen Garten. Erstaunlicherweise wachsen hier kontrastreich, inmitten der Felsnadeln, eine Vielzahl an Didieraceen, Pachypodien, Baobabs und noch andere Arten von Sukkulenten. Zwischen September und Oktober ist der Besuch besonders spektakulär, denn dann blühen die Pflanzen in den erstaunlichsten Farben.

Tsingy von Bemaraha
Ohne Zweifel gehören aber die Grossen Tsingy zum wahren Grund jedes Besuchs des Nationalparks Tsingy von Bemaraha. Die Landschaft der Grossen Tsingy ist von beindruckenden, unzähligen, riesigen Felsnadeln geprägt. Hier ragen die Nadelspitzen bis zu 50 m Meter in die Höhe. Daher verlangt die Rundwanderung eine gute körperliche Verfassung und Geschicklichkeit beim Klettern. In den Grossen Tsingy gibt es einen gut ausgebauten Wander- und Kletterweg, über den man mitten ins Labyrinth der Tsingy-Felsnadeln gelangt. Bei der Wanderung trägt man natürlich ein Klettergeschirr, damit man beim Klettern abgesichert ist. Es ist ratsam, wenn man den Besuch am frühen Morgen beginnt, um die unerträgliche Mittagshitze zu vermeiden und weil die meisten Tiere hier nur frühmorgens aktiv sind.

Man startet also frühmorgens in Bekopaka und fährt mit dem Auto über Graspisten und erreicht nach ein paar Kilometern die bizarren Felsen, die aus dem Boden ragen. Nach einer kurzen Instruktion durch die Guides geht es durch schmale Canyons, die das Regenwasser in den Kalkstein gefressen haben. Bald erreichen wir dunkle Höhlen und steigen über steile Leitern. Der Höhepunkt ist eine längere Hängebrücke über einen tiefen Canyon.

Tief unten in den Canyons ist die Vegetation feucht tropisch. Oben auf den Spitzen sitzen nur Sukkulenten oder aber Pflanzen mit langen Luftwurzeln, die bis in den Canyongrund reichen, wo es das ganze Jahr über Wasser hat.

Tsingy von Bemaraha
Die Wanderung ist sehr abwechslungsreich. In den Höhlen hausen die Fledermäuse, in den kleinen Gewässern wachsen Mangrovenwäldchen, alles ist ein riesiger Irrgarten in einer einzigartigen Natur. Wenn man Glück hat, sieht man auch eine Gruppe Lemuren über die spitzen Nadeln springen.

Auf dem höchsten Punkt angekommen wird man mit einem wunderschönen Ausblick über die zahlreichen Seen oder die kleinen Dörfer in der Ferne belohnt.

Am Ende der Wanderung gelangt man zu einem Wald, in dem viele einheimische Tiere beheimatet sind. Hier begegnet man einer Gruppe von roten Makis. Sie halten sich auf den Bäumen bzw. auf kleinen Tsingy-Ausläufern auf. Auch die Wieselmakis blinzeln den Besucher mit ihren grossen Kulleraugen aus einer Höhle oben in einem Baum an. Hier kann man den Seidenkuckuck gut beobachten. Manchmal streifen diese hübschen Laufvögel mit langem Schweif über den Waldweg.

Die skurrile Felslandschaft des Tsingy Nationalparks gilt als die wunderschönste Sehenswürdigkeit in Madagaskar. Wer im Westen unterwegs ist, darf diesen Nationalpark nicht verpassen. Guter Sonnenschutz und gute Wanderschuhe, ausreichend Wasser und eine Taschenlampe und natürlich ein Fotoapparat sollten nicht fehlen. Der Besuch ist nur während der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober möglich. Während der Regenzeit ist die Piste nach Bekopaka nicht befahrbar und auch in den Canyons liegt z.T. zu viel Wasser.

Februar 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morondava-Tsingy

2850 – Morondava – Bekopaka (Tsingy von Bemaraha)

Von Morondava durch die Baobab Allee zu den skurrilen Kalkfelsen von Bemaraha.

Es sind zwar “nur“ 200 km von Morondava bis zum Nationalpark von Bemaraha, aber die Fahrt dauert mindestens neun Stunden auf einer sehr schlechten Piste. Die Strecke ist nur mit einem Geländewagen befahrbar. Es ist eine recht abenteuerliche Reise durch eine schöne Landschaft. Die meisten BesucherInnen kombinieren die Besichtigung des Nationalparks von Bemaraha vorgängig mit der Flussfahrt auf dem Tsiribihina.

Im Allgemeinen gibt es zwei Routenmöglichkeiten:
– Erstens ab Miandrivazo mit der Piroge auf dem Tsiribihina-Fluss bis Belo sur Tsiribihina (ca. 4 Tage), dann Autofahrt auf der schlechten Piste etwa 100 km bis Bekopaka, das heisst ungefähr 4 Stunden.
– Die zweite Möglichkeit ist die Autofahrt ab Morondava über Belo sur Tsiribihina bis Bekopaka (ca. 9 Std.).

Morondava-Tsingy
Von Morondava geht unsere Reise auf einer unbefestigten Piste, die teilweise ganz gut zu befahren ist, teilweise aber grosse Schlaglöcher und Wellen aufweist. Zwei Flüsse müssen auf dieser Reise überquert werden: der breite Fluss Tsiribihina bei Belo sur Tsiribihina und der schmale Fluss von Manambolo am Rand der Tsingy von Bemaraha. Über diese Flüsse gibt es keine Brücken. Doch es stehen Fähren im Einsatz.


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Bereits 12 km nördlich von Morondava bewundern wir die wohl berühmteste Attraktion Madagaskars: die “Baobab Allee“. Beiderseits der Piste befinden sich die endemischen Baobab, die aufgrund ihrer einzigartigen Form als Kopfstandbaum bezeichnet werden. Diese auffälligen Baobab sind bis zu 35 Meter hoch. Der Baobab oder Affenbrotbaum ist ein aussergewöhnlicher Baum. Alle Teile des Baumes werden für etwas gebraucht. Vor allem die Früchte sind beliebt. In den braunen, gut faustgrossen Früchten sind die Samen in eine schwammartige Pulpa eingelagert. Diese hat einen süsssauren Geschmack und ist reich an Vitamin C. In der Umgebung von Morondava wachsen drei Baobab-Arten wie Adansonia grandidieri (Vater oder Mutter des Waldes), sowie Adansonia Za, die 10 bis 40 Meter Höhe hat und Adansonia rubostripa, die man auf Fels- oder Sandböden im südlichen Menabe findet. Diese Allee der Baobabs ist weltbekannt und eines der Wahrzeichen Madagaskars. Hier haben wir die Gelegenheit, schöne und atemberaubende Fotos, vor allem bei Sonnenuntergang zu machen.

Morondava-Tsingy
Nach ca. zwei Stunden Fahrt (etwa 60 km) von der Baobab-Allee, erreichen wir das Dorf Marofandilia, wo der Trockenwald der Kirindy-Forststation liegt. Ein Besuch in diesem Naturschutzgebiet lohnt sich vor allem für Wissenschaftler, denn es handelt sich um eine alteingesessene Forschungsstation. 1993 wurde dieses Schutzgebiet von einem Deutschen eingerichtet, deshalb kommen immer wieder Forscher und Studenten vor allem aus Deutschland hierher. Mit mehr als 72’000 ha Fläche ist dieses Reservat wegen der Fossa (Cryptoprocta ferox) bekannt. Dieser Nationalpark beherbergt eine artenreiche Fauna und Flora wie Mikrocebus, Vögel, Reptilien, Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Eine Nachtwanderung durch den Park ist besonders interessant, denn viele hier lebenden Reptilien und Säugetiere sind nachtaktiv. Einer der berühmten Nachtaktiven, die nur in diesen Wäldern vorkommt, ist der Berthe-Mausmaki (Microcebus berthae), der nur 25-30 Gramm aufbringt.
Bezüglich der Flora finden wir hier Rosenholz und Arten von Affenbrotbäumen. Ein Dokumentationszentrum über das Leben und die Traditionen der Region wurde ebenfalls eingerichtet. Als Unterkunft befindet sich eine Ecolodge im Park.

Nach der Entdeckung des Kirindy-Forest fahren wir weiter nach Belo sur Tsiribihina. Dazu ist auch eine Fähre zu nehmen. Die Fähre besteht aus einer simplen Plattform mit Motor. Doch sie versieht ihren Dienst wacker und ziemlich zuverlässig.

Früher galt Belo sur Tsiribihina als Hauptstadt des einstigen Königreichs Menabe. Hier befinden sich noch zahlreiche Grabstätten mit den berühmten Skulpturen der Sakalava. Aber für einen Besuch muss man einige Bedingungen erfüllen, denn unzählige Grabräuber dezimierten diesen kulturellen Schatz der Sakalava. Die noch existierenden Grabmäler sind nur durch dichtes Mangrovendickicht und einen schlammigen Pfad erreichbar.

In Belo sur Tsiribihina ist die Fitampoha oder auch die Waschung der Königsreliquien eines der wichtigsten Feste der Sakalava. Diese Zeremonie findet alle fünf Jahre im August statt. Es handelt sich um eine Totenfeier. Während dieser Zeremonie werden die Gräber der Könige geöffnet und die heiligen Grabbeigaben, wie die Fingernägel und die Haare der Toten werden zum nahen Fluss transportiert und dort gewaschen. Während der Prozession warten die Festteilnehmer auf das Erscheinen des Königsgeists, gleichzeitig tanzen sie und der Totengeist teilt seine Wünsche mit. Vor und während des Fests muss man viele Fadys (Verbote und Gebote) beachten, beispielsweise darf man nur barfuss gehen.

Morondava-Tsingy
Nach der langen Fahrt über eine relativ schlechte Piste von Belo sur Tsiribihina erreichen wir schliesslich das Dorf Bekopaka. Diese Strecke ist nur während der Trockenzeit befahrbar. Unterwegs fällt die Zerstörung der Wälder deutlich ins Auge (Brandrodung).
Nochmals überquert man mit einer simplen Plattformfähre den Fluss Manambola und erreicht dann am Nordufer das Dorf Bekopaka.

Bekopaka ist der Ausgangspunkt für die Wandertour zu den Tsingy von Bemaraha. Dieser Park ist einer der grössten Naturschutzgebiete von Madagaskar. Hier erwarten uns die unvergleichlichen Kalksteinformationen, die Grotten der Gorges Bemaraha und eine beeindruckende Fauna und Flora. Es lohnt sich mindestens zwei ganze Tage im Park zu verbringen, um die wunderschöne Natur zu geniessen. Es gibt hier mittlerweile auch korrekte Unterkünfte, sodass ein jeder Sonnenuntergang ganz romantisch wird.

Februar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Andohahela Nationalpark

2730 – Nationalpark von Andohahela

Der Nationalpark von Andohahela befindet sich im extremen Südosten von Madagaskar in der Region Anosy.

 Man erreicht den Nationalpark von Andoahela auf der Nationalstrasse RN13 von Fort Dauphin aus in Richtung Westen. Dieses Schutzgebiet liegt inmitten der Ausläufer des Gebirgszuges, der sich von Norden nach Süden zieht. Wegen seiner Vielfältigkeit ist er ein ganz besonderer Nationalpark, denn er beherbergt verschiedene Waldtypen. Hier findet man den endemischen Primär-Dornenwald, einen Trockenwald und ebenso tropischen Feuchtwald.

Dieser Park beherbergt eine grosse Vielfalt an Ökosystemen und bildet den Übergang zwischen dem Süden und dem Osten Madagaskars. Wegen der Mischvegetation findet man hier viele Pflanzenarten wie Baobabs, Orchideen, Aloen, Pachypodien, Dreieckspalmen, Tamarinden und viele andere tropische Pflanzen. Auch die Tierwelt ist vielfältig vertreten mit Lemuren, Reptilien und Vögeln.

Andohahela Nationalpark
An der Klimascheide treffen die verschiedenen Vegetationstypen messerscharf aufeinander: der feuchte Ostküstenregenwald und die typische Trockenvegetation des heissen Südens. Mit 76.000 ha Fläche und Höhen bis 1957 m bietet dieser Park verschiedene Wandertouren wie Tsimelahy, Mangatsiaka oder Allée des Sifaky, Manangotry und Malio.


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Tsimelahy ist die von den Reisenden am meisten gewählte Tour, denn es ist die leichteste Tour. Im Gebiet des Übergangswaldes sind einige Baobabs und eine schöne, rosagefärbte Granitschlucht zu sehen. Auf dem Fussmarsch findet man nicht nur zahlreiche Pachypodien und andere endemische Pflanzen, sondern auch einen wunderschönen natürlichen Pool. Auf dieser Wandertour begegnet man immer wieder der berühmten Dreieckspalme (Dypsis decaryi), die es nur in dieser Region gibt. Aber auch die Landschaft geizt nicht mit ihren Reizen.

Andohahela Nationalpark
Eine andere Tour ist Mangatsiaka oder Ihazofotsy. Die Besonderheit in dieser Zone ist der trockene Wald, der durch die ursprüngliche Vegetation des Südens kennzeichnet ist. Auf dieser Wandertour kann man am frühen Morgen Lemuren wie Larvensifakas (Propithecus verreauxi), Vögel und Reptilien in grosser Zahl beobachten.

Im südöstlichen Teil des Parks liegt die Zone des Regenwaldes. Hier hat man ein ganz besonderes Erlebnis, denn hier dominiert ein feuchtes Klima. Diese Tour wird seltener begangen, einerseits wegen der anstrengenden Anfahrt. andererseits wegen der Länge der Tour. Es ist ein Auf und Ab über steile Wege und Stege. Die 25 km lange Tour macht man besser in zwei Tagen und campiert in Malio.

Andohahela Nationalpark
90% der Pflanzen in diesem Park werden auch in der Medizin verwendet. Tatsächlich gehören diese Pflanzen zum Alltagsleben der Einheimischen. Wurzeln, Rinde, Blätter, Blüten werden gegen verschiedene Krankheiten verwendet. In den Dörfern kennt jeder die Verwendung der Heilpflanzen, und diese Kenntnisse werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Februar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Morombe

2920 – Morombe

Das Städtchen Morombe liegt etwas verloren zwischen Morondava und Tulear an der Westküste von Madagaskars.

Dieses einstige Strandparadies liegt 200 km südlich von Morondava. Mehrere Reisende fahren entlang der Westküste Madagaskars wegen der Badeorte wie Belo sur Mer, Morombe, Andavadaoka, Salary und Ifaty. Die Reise endet dann in Tulear.

Morombe oder “grosser Strand“ war auch in der Nachkolonialzeit ein sehr beliebter Badeort der Franzosen. Aber ab 1970 kamen wegen der Uneinigkeit zwischen Frankreich und Madadaskar nur noch wenige Reisenden an diesen Ort. Die Hauptattraktion von Morombe ist die herrliche Lagune, denn sie wird gegen das Meer hin durch ein riesiges, atemberaubendes Korallenriff begrenzt. Auf der Höhe der Stadt und gegen Norden hin zieht sich ein 10 km langer, streckenweise guter Badestrand. Dieser Strand ist auch immer von Fischern und Bootsbauern belebt.

Morombe
Auf Madagaskar gibt es 18 Ethnien und jede hat seine eigene Kultur und Tradition. Eine dieser Ethnien sind die Vezo, sie werden auch “Nomaden des Meeres“ genannt, denn sie sind eine der letzten nomadischen Volksgruppen im Land. Diese Untergruppe der Sakalava lebt heute rund um die Stadt Tulear in Anakao und bis Ifaty, Salary bis Morombe. Die Vezo leben hauptsächlich vom Fischfang und dafür fahren sie weit aufs Meer hinaus. Für die Vezo ist das Meer ein heiliger Ort, denn sie glauben an einen Gott, der das Meer beherrscht. Im Allgemeinen sind sie mit ihrer Tradition sehr verbunden, beispielsweise muss ein Vezo am Ort seiner Geburt begraben werden, um den Faden mit seinen Vorfahren nicht zu verlieren. Deshalb haben sie viele Fady (Verbote).

Ab Morombe bis Tulear hat man viele Gelegenheiten, um das Alltagsleben des Vezo kennenzulernen. Bemerkenswert ist aber vor allem die Lebensfreude der Bevölkerung. Sie sind die einzige madagassische Volksgruppe, die keine Beschneidungen der Knaben vornimmt, obwohl es sich um ein wichtiges Ritual auf Madagaskar handelt.


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Früher war die Stadt für den Anbau der sogenannten Mondbohnen und Limabohnen bekannt. Dank der Flüsse leben die Bewohner in Morombe auch vom Maniok-, Mais- und Reisanbau. Verschiedene Produkte des Mangoky-Tales und -Deltas wie Baumwolle, Zucker, Bananen werden hierher transportiert.

Etwa 40 km nordöstlich von Morombe befinden sich der Ihotry-See. Es handelt sich um den drittgrössten See von Madagaskar, sein Wasser ist leicht salzig. Dieses Gebiet ist wenig bekannt, obwohl es Lebensraum für viele Wasservögel ist. Ornithologen und Naturliebhaber kommen oft hierher.

Morombe
In Morombe und seiner Umgebung befinden sich zahlreiche Baobabs. 80 Kilometer von Morombe entfernt liegt der Ampanonga-Wald (“Foret d’Ampanonga“). Hier findet man viele Affenbrotbäume, darunter ist der Adansonia grandidieri, der auch „Reniala“ genannt wird. Es ist quasi ein Baobab-Wald, obwohl die Bäume eher vereinzelt stehen. Neben den Baobabs ist die Küste auch mit artenreichen Mangrovensystemen bestückt. Nördlich von Morombe und in der Region um Belo sur Mer liegt der Nationalpark Kirindy-Mitea, der zwei Vegetationstypen umfasst: im Westen der Trockenwald und im Süden der Dornenwald. In allen Gebieten leben auch Lemuren.

Es ist empfehlenswert, zwei oder drei Tage in Morombe zu verweilen, um das Meer und den Strand zu geniessen. Auch wenn Morombe keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten aufweist, lohnt sich ein Stopp hier auf der Fahrt entlang der Westküste. Eine Autostunde südlich von Morombe erreicht man den Badeort Andavadaoka mit seinen langen und weissen Stränden. Dies ist das Ferienparadies schlichthin. Aufgrund seiner Abgelegenheit aber nur wenig besucht – was ja Vorteile und Nachteile hat.

Januar 2021, geschrieben von Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nosy Mangabe

1680 – MAROANTSETRA UND DIE INSEL NOSY MANGABE

Maroantsetra, ein beschauliches Städtchen am Ende einer Bucht. Ein Traum aller Seefahrer.

Durch seine isolierte Lage ist Maroantsetra ein ruhiges Städtchen, es hat einen kleinen Hafen und ist ein regionales Schiffbauzentrum in der geschützten Bucht von Antongil. Maroantsetra ist Provinzhauptstadt und liegt ca. 100 km nördlich von Mananara. Die Gegend ist eine der regenreichsten von ganz Madagaskar. Von Süden her ist Maronatsetra während der Trockenzeit über eine abenteuerliche und sehr schlechte Schlammpiste und nur mit einem speziellen Geländewagen mit erhöhter Bodenfreiheit erreichbar. Die Landschaft ist aber abwechslungsreich, wild und vor allem unberührt.
Am besten ist dieser abgelegene Ort per Flugzeug 1- oder 2-mal pro Woche ab der Hauptstadt Antananarivo oder ab Tamatave erreichbar.

Im Kleinstädtchen Maroantsetra regnet es fast das ganze Jahr über, besonders zwischen Januar und August. In der Trocken-Periode ab September bis Dezember regnet es dann weniger. Die Summe der Niederschläge beträgt 3275 mm.

Die malerische Stadt ist umgeben von einer grossen Agrarregion und neben der Arbeit auf den vielen Vanille-, Kaffee- und Nelkenplantagen stellt der Fisch-, die Krabben- und der Garnelenfang einen wichtigen Erwerbszweig in dieser Gegend dar. Die Stadtbewohner sind freundlich und der Besuch des üppigen Marktes unter freiem Himmel mit den verschiedenen tropischen Früchten, dem frischen Gemüse und anderen Lebensmitteln erweist sich als sehr interessant. Im lebhaften Kleinstädtchen befindet sich auch eine nicht unbedeutende Schiffswerft. Es lohnt sich, vor der kurzen Stadtbesichtigung einige Grussworte auf madagassisch wie „Mbola Tsara“ oder „salama e“ einzuprägen. Schauen Sie den Leuten der Betsimisaraka-Volksgruppe bei ihrer täglichen Arbeit zu oder blicken Sie in die schüchternen, aber strahlenden Kindergesichter und beobachten Sie die Gelassenheit der Einheimischen, denen man meist ihre afrikanischen Vorfahren ansieht.

Das Spezialreservat von Nosy Mangabe sieht man von Maroantsetra aus wie mit einem dicken Dunstschleier in einem Blauton bedeckt, daraus stammt dieser besondere Name “die grosse blaue Insel“ oder auf madagassisch Nosy Mangabe.

Nosy Mangabe
Die Europäer haben dieses schöne Eiland schon früh entdeckt und die Piraten haben in den gut geschützten Buchten viele Unterschlüpfe gefunden. Zeugen davon sind die Grotten und gemeisselten Felsen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die “Plage des Hollandais“, das Schiffswrack vor den Klippen sowie der verrostete Leuchtturm auf dem Gipfel im nördlichen Teil der Insel. Auf dieser Insel war damals auch der Ort für den Warenaustausch der holländischen und europäischen Seepiraten und diente natürlich auch der Verschiffung der gekauften Sklaven nach Afrika und Europa.

Ein Ausflug nach Nosy Mangabe ist gut zu kombinieren mit dem Aufenthalt auf der Masoala Halbinsel. In der Bucht von Antongil kann man zwischen Juli und September die riesigen Buckelwale beobachten.


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Die Bootsfahrt zur Insel dauert ca. eine halbe Stunde und führt zuerst an der Westküste der Insel entlang. Je nach Lust und Laune und je nach Interesse können die Besucher die Nacht in den überdachten Zeltstellen verbringen oder am späten Nachmittag nach Maroantsetra zurückfahren. Der Besuch dieser unbewohnten und hügeligen Insel hängt hauptsächlich von der Wetterlage ab und das Programm als Tagesausflug oder mit Zeltübernachtung muss immer im Voraus mit dem Lokalguide geklärt werden.

Auf der Insel gibt es nämlich keine Restaurants und keine Einkaufsmöglichkeiten, so müssen die Ausflügler Proviant und Wasser aus Maroantsetra mitnehmen.

Dieses Naturreservat mit ca. 520 ha wurde ca. um 1960 speziell für die besonders gefährdeten und seltenen gewordenen Fingertiere oder Aye Aye (Daubentonia Madagascariensis) eingerichtet, um diesen Lemuren eine sichere Heimat zu geben. So wurde dieses “Réserve Spéciale“ zu einem Schutzgebiet für die wenigen eingeführten Lemuren und sie konnten sich im Laufe der Jahre ungestört vermehren. Im Vergleich zu den anderen Lemurenarten wie dem niedlichen „Vari“ oder dem possierlichen Lemur Catta wirkt der nachtaktive Aye Aye anders als die anderen Primaten. Sie haben ein extrem struppiges und schwarzes Fell, dazu weit aufgerissene stechende Augen und einen buschigen Schwanz, ausserdem sind sie auch sehr scheu und sehr selten zu finden.

Nosy Mangabe
Der Aye Aye hat ungewöhnlich grosse Fledermausohren, mit denen er die in hohlen Bäumen oder unter der Baumrinde verborgenen Insektenlarven hört. Mit den ständig nachwachsenden Zähnen zerbeisst er das Holz, in dem diese “Eiweisslieferanten“ versteckt sind. Die Finger sind knochig dünn und extrem lang, wobei der Mittelfinger die übrigen in der Länge um die Hälfte übertrifft. Dieser spielt eine grosse Rolle, indem diese geheimnisvollen “Nachtgeister“ mit diesem geübten Finger die Insektenmaden aus den morschen Bäumen herausstochern oder das Fleisch von angenagten Kokosnüssen auslöffeln. Mit den nagetierähnlichen Zähnen knacken sie auch Ihre Lieblingsspeise, wie die hartschaligen Samen oder die verschiedenen wilden Früchte im Regenwald.

Ein Tagesausflug mit Inseldurchquerung auf den wenigen Fusspfaden ist ein “Muss“ auf dieser Insel und eine Zeltübernachtung im Urwald ist für Naturfreunde natürlich sehr empfehlenswert.

Im Lichtkegel der Taschenlampen können die Lokalguide bei einer Abendwanderung viele Nachttiere zeigen. In diesem eindrucksvollen Urwald leben verschiedene Amphibien und Reptilien wie Frösche, Chamäleons, Schlangen, Eidechsen aber auch die kleinste Chamäleon-Art, die sogenannte Brookesia, die schwierig zu finden ist, weil dieses Reptil nicht grösser als ein Daumennagel ist. Die besonders gut getarnten Plattschwanzgeckos, auch Blattschwanzgeckos genannt (Uroplatus fimbriatus) sind auch eine Hauptattraktion in diesem Naturschutzgebiet, die bei einer Tages- oder Nachtexkursionen gut beobachtet werden können. Auch die Mausmakis springen fleissig durchs Gehölz und die Guides erkennen sie sofort an ihren zirpenden Geräuschen und ihren reflektierenden roten Augen.

Nosy Mangabe
Aber auf dieser “Blauen Insel“ leben natürlich auch viele tagaktive Lemuren. Die Brauen Lemuren tauchen immer in der Nähe des Zeltplatzes auf und die schwarz-weissen Varis (Varecia Variegata) mit ihren lauten und schrillen Schreien sind sehr leicht zu finden, denn man kann sie schon vom Weiten hören.

Beim Aufstieg auf den höchsten Punkt der Insel mit 350 m über dem Meeresspiegel sieht man ein paar Grabstätten an einem heiligen Ort. Der dichte Wald wurde damals teilweise abgeholzt. Dies ist der Beweis, dass diese schöne und ursprüngliche Insel schon in vergangenen Jahrhunderten von der ortsässigen Betsimisaraka-Volksgruppe (die vielen, die sich nicht trennen lassen) besiedelt war.

Einen Bootsausflug nach Nosy Mangabe kann man natürlich auch mit einem Besuch des Nationalparks von Masoala kombinieren.

Die Halbinsel Masoala heisst wörtlich auf madagassisch “das Auge des Waldes“ und ist ein bezeichnender Name für das faszinierende Juwel am östlichen Punkt Madagaskars.

Januar 2021; geschrieben von Bodo PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch