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Tamatave-Toamasina

1330 Die Stadt Tamatave und Umgebung

Tamatave ist die grösste Stadt und der wichtigste Hafen an der Ostküste. Sie ist Ausgangspunkt für viele Exkursionen oder Zwischenstopp auf einer Reise entlang der Ostküste. Es lohnt sich, hier 1 oder 2 Tage zu verweilen.

 Toamasina auf madagassisch oder Tamatave auf Französisch ist die zweitgrösste Stadt Madagaskars nach Antananarivo und hat den einzigen grossen Hafen an der Ostküste Madagaskars. Grund dafür ist vor allem die ideale Hafenlage, geschützt hinter einem Korallenriff, die vielen Handelsschiffe, die im Indischen Ozean vorbeifahren und zuletzt die Nähe zu Antananarivo, der Hauptstadt der grossen Insel.

Tamatave-Toamasina
Es gibt zwei Versionen für die Herkunft des Namens Toamasina.

Die erste Version ist mit dem berühmten König Radama I verbunden, als er und seine Truppen nach seinen Eroberungszügen die Stadt Toamasina im Jahr 1822 erreichte. Zum ersten Mal kam er an die Meeresküste und war sofort vom rauschenden Indischen Ozean beeindruckt. Als er ein bisschen vom Meereswasser probierte, hatte er festgestellt, dass es salzig war. Das Wort Salz bedeutet im Betsimisaraka Dialekt (die Volksgruppe in dieser Region) “masina“, daraus stammt der Stadtname “Toamasina“ und bedeutet wörtlich „das ist aber salzig“.

Zweite Version: Im 17. Jahrhundert hatten die Seeräuber und die Seefahrer die Stadt Toamasina wegen seiner günstigen Lage als Handels- und Piratenstützpunkt auserwählt. Der Gewürz- und Sklavenhandel an der östlichen Küste blühte richtig auf um diese Zeit. Die Portugiesen nannten die Stadt zu dieser Zeit “San Thomas“ und so haben die Einheimischen die Stadt später in Toamasina umbenannt.

Tamatave-Toamasina
Die Region an der Nordostküste gehört seit der Kolonialzeit zu den bedeutendsten Gewürzanbaugebieten Madagaskars. Es produziert eine grosse Menge an wertvollen Gewürzen wie Vanille, Gewürznelken, Zimt, Pfeffer und andere Kolonialwaren wie Kaffee oder Früchte. Deswegen wurde die Stadt zum Exporthafen für die Produkte des Landes, denn ein Grossteil der Güter (auch Holz usw.) wurden von hier nach Frankreich oder in alle Welt verschifft.

Die leckeren Litschis werden zum Beispiel zwischen Dezember und Januar in den feucht warmen Regionen des östlichen Madagaskars geerntet. Diese leuchtend rote Frucht kommt aus China und fand zu Kolonialzeiten in Madagaskar ein gutes Klima und einen guten Boden. Ab Dezember ist die Haupternte und die Früchte werden in Tamatave direkt eingeliefert, so dass ein geschäftiges Treiben in der Hafenstadt herrscht, eine gute Einnahmequelle für die Einheimischen sowie für die Exportfirmen. Madagaskar zählt zu den Hauptlieferanten dieser saftigen Frucht mit dem feinen Aroma. Etwa ein Fünftel der gesamten Litschi-Produktion wird normalerweise exportiert, der Grossteil wird aber lokal konsumiert. An allen Verkaufsständen am Rand der Strasse oder auf den Märkten wird dieses Frischobst vor der Weihnachtszeit auf Haufen oder in langgestielten Büscheln verkauft. Ein Genuss für die Gaumen!

Tamatave-Toamasina
Hier in Tamatave kommen die meisten Erdölprodukte wie Roh- und Heizöl, Diesel und Benzin ins Land, die später mit dem Zug Richtung Hauptstadt oder auf der Strasse aufs Hochland transportiert werden. In der Nähe des Pangalanes Kanals bei Tamatave liegt nämlich die einzige Raffinerie, die die ganze Insel mit Treibstoff versorgt.

Die Stadt ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Endstation der Bahnlinie aus dem Hochland und auch Startpunkt bzw. Endstation der Bootstouren für Fracht oder Passagiere auf dem 700 km langen Pangalanes-Kanal der parallel zur Küste nach Süden bis zur Stadt Farafangana führt.

In der Nähe der breiten Boulevard Joffre finden sich die meisten Geschäfte und Einkaufsmöglichkeiten und die Hauptstrasse Avenue de l’Independance erstreckt sich vom alten Bahnhof bis zum Meer.

Auf einer kurzen Stadtrundfahrt mit der Fahrradrikscha oder mit dem Tuk Tuk (Kabinen-Vespa) gewinnt man einen Überblick über die 2 wichtigen Marktplätze in der Stadt: Bazary Be und Bazary kely, auf denen sich ein reichhaltiges Angebot an aromatischen Gewürzen, exotischen Früchten und schönen Handarbeiten wie bunte Korbwaren, Taschen, Hütte, schöne Souvenirs… finden lassen.

Die Bewohner an der Ostküste haben leider mit den wiederkehrenden Wirbelstürmen zwischen November und April zu kämpfen. Alle paar Jahre werden die Stadt Tamatave und viele Regionen an der Ostküste von schweren Zyklonen heimgesucht, die dann lange im Gedächtnis der Leute bleiben. Hafenanlagen, Schiffen, Strassen, Brücken und Häuser werden zerstört und die zerbrechlichen Palmhütten weggefegt.

Tamatave-Toamasina
Wer 1 oder 2 Tage in der Stadt weilt, hat die Möglichkeit das Hafenmuseum “Musée du Port“ zu besuchen. Hier kann man mehr in die lange und interessante Geschichte der Hafenstadt eintauchen und auch viel über die Kultur der ansässigen Ethnie der Betsimisaraka erfahren. Viele Sammlungen und alte Fotografien der ehemaligen grossen Persönlichkeiten der Stadt sind hier zu finden.

Auch die riesigen und uralten Banyan-Bäume nicht weit vom Stadtzentrum gehört zur Attraktion der Stadt. Die merkwürdigen langen Äste und Lianen und die miteinander verschlungen Luftwurzeln verleihen diesen heiligen Riesenbäume, eingeführt aus Indien, einen mystischen Eindruck.

Zum beliebtesten Ausflugziel ca.12 km nördlich von Tamatave gehört der Park Ivoloina. In einem grossen Gehege werden einige Lemurenarten aber auch endemischen Schlangen und Chamäleons… gezüchtet. Mit Hilfe des WWF werden hier Zuchtprogramme ausgearbeitet; verletzte oder geschmuggelte Tiere werden hier aufgenommen und richtig gepflegt. Wenn sie selbständig auf Nahrungssuche gehen können, werden sie im Wald oder in freier Wildbahn ausgesetzt.

Die Einrichtung umfasst auch ein interessantes Bildungs- und Infozentrum für Besucher oder Schulklassen.

Schon wegen dem erholsamen und idyllischen Platz, eingebettet in eine Windung des Flusses (mit dem gleichen Namen Ivoloina), weit weg von der lärmenden Stadt, ist dieser Halbtagsausflug lohnenswert.

Tamatave-Toamasina
Die Reisegäste nutzen Tamatave natürlich als Sprungbrett, um zur Nachbarinsel Sainte Marie oder Nosy Boraha zu gelangen. Ein Binnenflug verbindet unregelmässig die Hafenstadt mit dieser Tropeninsel so um die 2 oder 3-mal in der Woche, je nach dem Binnenflugplan. Wer den Flug nicht nehmen kann, für den besteht die Möglichkeit, die Boote ab Mahambo oder ab Soanierana Ivongo zur Tropeninsel zu nehmen. Die Überfahrten hängen natürlich von den Wetterbedingungen ab. Also ab auf die grüne Insel mit allen Möglichkeiten: schwimmen, relaxen, schnorcheln steht natürlich auf dem Programm.

Oktober 2020
Geschrieben von: Koloina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch