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Faux Cap und Lavanono

2410 – Faux Cap und Lavanono

An einem sandigen Küstenabschnitt 30 km südlich der Stadt Tsihombe liegt das Fischerdorf „Faux Cap“ oder Betanty auf madagassisch.


Vor rund 500 Jahren täuschten sich die portugiesischen Seefahrer in ihren Berechnungen, als sie diese Region als Madagaskars
südlichsten Punkt deklarierten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass das wenig westlich davon gelegene Cap Sainte Marie die Südspitze der grossen Insel darstellt. Daher entstand für Betanty die französische Bezeichnung „Faux Cap“ („das falsche Kap“). Die hohe Steilküste, die dauernden starken Winde und die faszinierende Landschaft mit der verkrüppelten Vegetation, sowie der einsame Leuchtturm von Cap Sainte Marie bringen Besucher immer wieder zum Staunen.

Das Kleinstädtchen Tsihombe liegt an der Grenze des Dornenlandes der Leute der Antandroy. Die Sandpiste zwischen Tsihombe und Faux Cap ist während der Trockenzeit gut befahrbar. Sie wird von grünen Sisalgewächsen und imposanten Baobabs gesäumt. Auffallend sind natürlich auch die Antandroy-Gräber in dieser einzigartigen Landschaft am Rand der Piste. Die bescheidenen Unterkünfte in den wenigen Siedlungen der Antandroy sind mit den einfachsten Baumaterialen der Umgebung gebaut. Wasser oder eher, der Mangel an Wasser ist das grosse Thema der Region.

Das abgelegene Fischerdorf Faux Cap ist glücklicherweise noch immer vom Massentourismus bewahrt. Dieses Dorf besteht aus nicht viel mehr als ein paar kleinen Strohhütten. Das Dorf liegt an einer abgeschirmten Bucht mit feinem und menschenleerem Sandstrand. In dem Sandablagerungen finden sich auch heute noch Eierschalen des wohl erst vor 500 Jahren ausgestorbenen Vogel Rocks (auch Elefantenvogel oder Aepyornis maximus genannt). Bei der Wanderung über die menschenleeren Dünen sind immer mal wieder Stücke dieser dicken Eierschalen zu finden. Gleich am Strand kämpfen die gewaltigen Wogen des Meeres gegen die Felsen des Landes.

In diesem abgelegenen Ort haben Besucher auch Gelegenheit, die traditionelle Lebensweise der Fischer kennen zu lernen. Ebenso sind die riesigen Buckelwale aus der Antarktis zu beobachten, die während des Südwinters zwischen Juli und September an dieser Küste vorbeiziehen. Es ist ein unvergessliches und eindrucksvolles Naturschauspiel, wenn diese Meeresriesen einen kräftigen Strahl ausblasen und ihre lauten Rufe erinnern an die Laute von muhenden Kühen. Zuweilen tanzen auch graublau schimmernde Delphine in leichtem Spiel über die Wellen.

Die nahe gelegene Südspitze Madagaskars, das Cap Sainte-Marie (Tanjona Vohimena), liegt zwei Dutzend Kilometer westlich von Faux Cap. Der Besuch ist lohnend, denn die Zone rund um Cap Sainte Marie ist ein Naturreservat, rauh und karg zwar, aber von seltenen Pflanzen bestanden. Eindrucksvoll auch die herrliche Landschaft, aber auch das stetig tosende Meer. Hier wehen die Winde das ganze Jahr über und ohne Unterlass. So sehr, dass die niederen Bäume ihre Stämme wie krumme Rücken vom Wind wegdrehen. In sonderbarer Weise erinnert diese Mikrolandschaft an Tundra und Lappland.

Die Südspitze Madagaskars wird von einem 18 Meter hohen Leuchtturm bewacht. Unter dem auf einer dramatischen Klippe erbauten Leuchtturm teilt sich das Meer: im Osten der Indische Ozean, im Westen der Kanal von Mozambique. Der 1971 gebaute Backstein-Beton-Turm ist bemannt und erfüllt bis heute eine wichtige Funktion. Alle zehn Sekunden sendet er einen Lichtblitz hinaus in die stürmische See. Trotzdem zerschellt alle paar Jahre ein verirrtes Schiff an diesen Klippen. Die stillen Katastrophen – oft begleitet von Ölverschmutzungen – werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die windige Welt von Cap Sainte Marie liegt 800 km Luftlinie von der Hauptstadt Antananarivo entfernt und auf dem Strassenweg ist es fast doppelt so weit.

Interessant, dass genau dieser Leuchtturm es 2010 als Sujet auf eine Briefmarke der Komoren schaffte. Das Thema der Serie war „Leuchttürme und Vögel“.

Der Leuchtturm liegt im Naturschutzgebiet Cap Sainte Marie. Hier gedeiht an der hohen, zerklüfteten Steilküste eine verkrüppelte Dornenvegetationen, deren Wuchshöhe – infolge der steten Südwinde – einen Meter kaum überschreitet. Das Naturreservat Cap Sainte Marie erstreckt sich über eine Fläche von rund 1750 ha und wurde im Jahr 1962 als Sonderreservat klassifiziert.

Dieses Schutzgebiet liegt zwischen 100 bis 200 m über dem Meeresspiegel und hier gedeihen auch endemische Sukkulenten wie die Dickblattpflanzen, die Malvengewächse und die seltenen „Euphorbia cap-saintemariensis“, die nur gerade hier an diesem südlichen Ende von Madagaskar zu finden ist. Diese Euphorbienart wurde vom berühmten deutschen Pflanzenforscher Professor Werner Rauh entdeckt und erstmals beschrieben. Überhaupt wirkt dieses Naturgebiet wie ein wunderschöner Steingarten voller seltsam aussehender Pflanzen. Viele einzigartige Pflanzen in diesem regenarmen Gebiet sind noch nicht klassifiziert und verdienen deswegen einen besonderen Schutz.

Dieses Reservat und ist auch für seine unzähligen Strahlenschildkröten „Astrochelys radiata“ und „Geochelone radiata“ bekannt. Diese endemischen Tiere gehören zu der grössten Attraktion in der Region des südlichsten Punktes von Madagaskar. Im Reservat weg von den Menschensiedlungen konnten diese Reptilien bislang ungestört leben und sich vermehren. Doch leider machen nun auch hier skrupellose Reptiliensammler Jagd auf junge Schildkröten, um sie illegal zu exportieren.

Die schwierige Autofahrt in diese entlegene Gegend wird durch die Schönheit der faszinierenden Gartenwelt entschädigt. Botaniker, Naturfreunde und Fotografen kommen wirklich auf Ihre Kosten.

Bei der Weiterfahrt Richtung Westen erstreckt sich eine völlige flache Landschaft mit Kakteen, Schildkröten am Rand der Sandpiste, ab und zu staunende Kinder, die immer freundlich zuwinken. Nicht weit von der Südspitze Madagaskars entfernt liegt an einer langgezogenen Bucht das idyllische Fischerdorf Lavanono. Auch dies ein kleines Naturparadies.

Lavanono bedeutet wörtlich übersetzt „lange Brust“, wegen seiner rund 100 Meter hohen und weitläufigen Felsenklippe in seinem Rücken. Dieses Felsenband bildete im 17. Jahrhundert ein wichtiger Orientierungspunkt für die portugiesischen und französischen Seefahrer.

Dieses authentische Fischerdorf, etwa dreissig Kilometer von Cap Sainte Marie entfernt, gehört ebenfalls zur Region Androy, „dem Land der Dornen“. Das kleine Dorf liegt an einer kilometerlangen Lagune, deren feinsandiger, vom Massentourismus verschonter Strand zum Entspannen und Müssiggang einlädt.

Jedoch kommen junge Leute aus aller Welt hierher, denn Lavanono gehört zu den schönsten Surfspots in Madagaskar, ja der ganzen Welt. Die grossen und gewaltigen Wellen üben eine magische Anziehungskraft auf die Surfer-Gemeinde aus. Es gibt vor Ort zwar keine richtige Infrastruktur für die Ausübung dieses Sports, das hält aber die Sportbegeisterten nicht davon ab, mit der erforderlichen Ausrüstung über beschwerliche Sandpisten aus Tulear oder Fort Dauphin anzureisen.

Das Hinterland besteht aus einem Sedimentgestein, das im Laufe der geologischen Geschichte eine Hochebene gebildet hat, die mit einer Klippe endet, an deren Fuss sich das Dorf Lavanono befindet. Der Kontrast des Hinterlandes mit dem Sedimentgestein sowie die Küste mit der erstaunlichen landschaftlichen Vielfalt mit dem feinen Sandstrand sind besonders bei Sonnenuntergang faszinierend.

August 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo

Famadihana in Madagaskar

Madagaskar ist ein Land reich an Sitten und Gebräuchen. Dazu gehört auch das berühmte „Totenumbettungsfest“, übersetzt „Famadihana“.

Famadihana heisst wörtlich „Wendung der Toten“. Es handelt sich um ein wichtiges Familienfest, besonders bei den Merina und den Betsileo, die hauptsächlich hier im Hochland wohnen.

Die Vorfahren nehmen in Madagaskar eine bedeutende Stellung ein. Bei uns herrscht die Vorstellung, dass man nach dem Tod mit den eigenen Ahnen, die wir Razana nennen, vereint werden und dann gemeinsam über die Lebenden wachen. Die Famadihana verbindet also die Welt der Toten mit jener der Lebenden.

Dieses Fest findet alle 5 bis 7 Jahre statt und zwar in der Winterzeit, also in den Monaten Juli bis September. Dabei werden die Leichname eines oder mehrerer Verstorbenen aus dem Familiengrab geholt und in neue, weisse Leinen- oder Seidentücher (übersetzt „Lambamena“) eingewickelt. Dann werden sie feierlich begleitet von Musikanten und ihren Nachfahren und Verwandten durch das ganze Dorf getragen und den neu geborenen Kindern und der Familie vorgestellt.

Dieses Totenfest dauert 2 bis 3 Tage, je nach dem Vermögen der Familie. An diesem Fest trifft sich die ganze, grosse Familie. Und Freunde und Kollegen werden ebenfalls dazu eingeladen. An diesem Familienfest wird ein richtiges Festmahl offeriert: Jeder Eingeladene bekommt einen grossen Teller Reis serviert mit fettem Zebufleisch, auf madagassisch heisst dieses spezielle Essen “vary be menaka“. Die Männer trinken bei diesem rauschenden Fest gern ausgiebig den selbstgebrannten Rum aus Zuckerrohr oder den “Toaka gasy“.

Sie können während Ihrer Madagaskarreise auch ein Totenfest „live“ besuchen? Wir hier in PRIORI-Madagaskar und unsere Kollegen im Madagaskarhaus in Basel organisieren das gerne.

Herzliche Grüsse aus Madagaskar!

Kapoaka = Masseinheit in Madagaskar

Salama aus Antananarivo,

Wir hier in Madagaskar haben eine Masseinheit, die überall angewendet wird. Sie heisst „Kapoaka“‚ausgesprochen „kapok“.

Mit „Kapoaka“ bezeichnen wir eine leere Dose gesüsster Kondensmilch mit einem Fassungsvermögen von rund 390 Gramm.

Wir Madagassen verwenden diese leeren Kondensmilchdosen sehr gern auf dem Markt, um Lebensmittel zu messen. Also Reis, Linsen, Kaperbsen, Mais, Salz, Zucker, sogar getrocknete Fische und Garnelen. Denn diese Produkte werden auf dem Markt offen verkauft und zwar nach Volumen und nicht nach Gewicht. Daher sind diese Konservendosen als Masseinheiten aus dem Leben nicht mehr wegzudenken.

Reis ist unser Grundnahrungsmittel und unser Pro Kopf Verbrauch liegt bei rund 130 kg pro Jahr. Diese besondere Dose ist daher das unverzichtbare Hilfsmittel zum Abmessen von Reis. Ein halber „Kapoaka“ stellt im Allgemeinen die Reisration einer Person für eine Mahlzeit dar.

Viele Familien in Madagaskar, die von der Hand in den Mund leben, können sich leider kein Kilo Reis leisten, sondern nur gerade ein oder zwei „Kapoaka“ pro Tag. Die Faustregel ist, dass ein Kilo Reis dreieinhalb „Kapoaka“ entspricht.

Die Verwendung eines „Kapoaka“ geht auf die Kolonisation zurück. Es waren die Franzosen, die Konserven nach Madagaskar importierten und schnell nutzten die Madagassen die leeren Dosen als immer gleich grosse Masseinheit.

Mit „Kapoaka“ aus Bier- oder Getränkedosen basteln geschickte Handwerker auch schöne Spielzeuge, Automodelle und Fahrräder. Wenn sie diese schönen Produkte aus Recyclingmaterialien entdecken wollen, helfen wir Ihnen gern bei der Planung Ihrer Traumreise in Madagaskar.

Veloma und bis bald auf der Insel !

Trekkingtour durch den Masoala Park

1690 – Trekkingtour durch den Masoala Park

Der Masoala Nationalpark liegt im Nordosten von Madagaskar und ist mit seinen 2100 km² Fläche das grösste Schutzgebiet der Insel. Er ist eine der seltenen Regionen Madagaskars, wo der Wald bis zum Meer reicht.


Die beste Möglichkeit den Nationalpark von Masoala zu erreichen, ist per Flug ab der Hauptstadt Antananarivo. Eine direkte und abenteuerliche Strassenverbindung existiert ab Ambilobe als Ausgangspunkt (ca. 131 km südlich von Diego Suarez oder Antsiranana). Diese Verbindung ist meist eine Piste und führt zu den SAVA Städten (Sambava, Andapa, Vohemar und Antalaha) nördlich der Masoala Halbinsel. Eine zweite Möglichkeit führt über die RN5 ab Tamatave bis Soanierana Ivongo und weiter nach Mananara Avaratra, von dort kommt man nur schwer weiter, so dass die Besucher die letzte Strecke bis Maroantsetra mit dem Motorboot weiterfahren müssen.

Die Halbinsel MASOALA heisst wörtlich übersetzt “Das Auge des Waldes“ und ist ein treffender Name für das faszinierende Juwel der Artenvielfalt an diesem östlichen Punkt Madagaskars. Hier befindet sich einer der unberührtesten Urwälder des Landes, in den man nur mit einem lokalen Reiseführer eindringen darf. Für die Masoala Trekkingtour empfiehlt es sich, einen oder mehrere Träger mitzunehmen. Bei trockenem Wetter (zwischen September und Dezember) und mit sehr guter Kondition sind die Tagesetappen gut zu bewältigen. Bei regnerischem Wetter kann sich der Zeitaufwand verdoppeln.

Der interessante Park auf einer Höhe von 0-800 Meter über dem Meer bietet den Besuchern unterschiedliche Wanderwege für Trekkingtouren an, um den Reichtum von Fauna und Flora zu entdecken. Die Route zur Vanillestadt Antalaha mag die anstrengendste Variante sein, ist aber die abwechslungsreichste und reizvollste. Auf den Tagesetappen muss man je nach Kondition zwischen 6 und 8 Stunden Marschzeit rechnen. Dabei erwartet die Besucher auf dem Marsch durch den Dschungel ständig Nässe, Blutegel und rutschige, schmierige Passagen durch Bäche und Flüsse.

Trekkingtour durch den Masoala Park
Grundsätzlich gibt es die ‘direkte’ Durchquerung zwischen Maroantsetra und Antalaha. Sie führt aber durch bewohnte und erodierte Zonen durch. Die interessantere, aber anstrengendere Route geht von Maroantsetra nach Osten ans Cap Est und dann der Küste entlang nach Antalaha.

In diesem dichten und feuchten Küstenwald von Masoala mit 50% der Biodiversität von ganz Madagaskar kann man verschiedene endemische Tiere dieser ganz besonderen Naturlandschaft in freier Wildbahn beobachten. Hier ist eines der letzten Rückzugsgebiete des Fingertiers (Aye Aye), des Roten Varis (Vareciarubra) oder des Masoala-Gabelstreifenmakis. Seltene Vögel, wie der Madagaskar-Schlangenhabicht (Eutriorchisastur) oder der Helmvanga (Eurycerosprevostii) finden hier noch ihren ansonsten weitgehend zerstörten Lebensraum. Wer genau hinschaut, entdeckt auch die wundersamen Tenreks, Chamäleons verschiedenster Grösse, Frösche, Fische, seltene Schmetterlinge und andere Wirbellose. Die Flora des Masoala-Parks wartet auf mit endemischen Bäumen, wie den Balsambaumgewächsen (Canarium), Rosenholz und Palisander (Dalbergia). In einem Gebiet um Cap Est sind die fleischfressenden Pflanzen (Nepenthes masoalensis) zu finden.

Trekkingtour ab Maroantsetra bis Antalaha
Das Trekking ab dem Kleinstädtchen Maroantsetra nach Antalaha dauert etwa sechs Tage. Von Maroantsetra führt die Trekkingtour erst in einem grossen Einbaum durch ein Gewirr an Flussarmen und Inseln bis zum Ausgangspunkt der mehrtägigen Wanderung. Die ersten zwei Tage führen noch durch Kulturland mit Kaffeeplantagen, Reisfelder oder Vanille-Anpflanzungen. Die erste Übernachtung in Fizoana ist in einer einfachen Hütte einer Familie, die uns auch das Abendessen serviert.

Während der zweiten Etappe durchquert man bereits einige Ausläufer des Regenwaldes und man muss immer wieder kleinere und grössere Wasserläufe durchqueren. Auch die zweite Übernachtung ist in einem einfachen “Hotel“ in Ampokafo.

Nach einem kurzen Aufstieg taucht man jetzt ein in den unendlich scheinenden Urwald. Der Pfad ist schmal, man überklettert umgestürzte Bäume und schlägt sich durchs Dickicht. Blutegel sind die grösste Plage, immer wieder werden kurze Pausen eingelegt, um die Biester von den Hosenstössen oder den Beinen zu entfernen.

Doch – je nach Glück – sind unterschiedliche Tierarten wie Lemuren, Chamäleons, Schlangen, Frösche zu sehen, auch verschiedene Vogelarten wie der endemische Blau-Seidenkuckuck (Coua caerulea), die blaue Taube (Alectroenas madagascariensis), der prächtige Madagaskar Pygmy kingfisher (Ispidina madagascariensis) oder der kleine und flinke Paradiesschnäpper (Terpsiphone mutata).

Trekkingtour durch den Masoala Park
Die Übernachtung erfolgt jetzt im Zelt inmitten des ruhigen Waldes und die Führer und der Koch sind in der Lage, ein schmackhaftes Abendessen mit den verschiedenen frischen Gewürzen der Insel auf offenem Feuer zuzubereiten, was jedes Pfadfinder-Herz erfreuen wird.

Unterwegs sind die Kaskaden des Wasserfalls Bevontsira zu bewundern.

Die Flussüberquerungen werden immer anspruchsvoller, denn die Flüsse werden immer breiter und führen entsprechend mehr Wasser. Bis hüfthoch watet man dann durch den Fluss.

Für die letzte Etappe besteigen wir wiederum einen Einbaum und erreichen in ihm nach einigen Stunden den Küstenort Ambohitralanana. Ab hier führt dann eine Piste nach Antalaha, der “Hauptstadt der Vanille“.

Die interessante Stadt Antalaha mit Markt, Kirche, Strand, dem Hafen, der Vanilleverarbeitung (je nach Saison) und dem privaten Naturhügel «MaColline» sind einen Besuch wert. Ausserdem ist man froh, nach der anstrengenden Wanderung einige Tage ausspannen zu können.
Man kann die Trekkingtour natürlich auch in umgekehrter Richtung machen.

Trekkingtour Maroantsetra – Ambanizana – Ambodiforaha
Diese interessante Trekkingtour mit der Hafenstadt Maroantsetra als Ausgangspunkt führt parallel zur Bucht von Antongil. Nach einer kurzen Boots- oder Pirogenfahrt gelangt man dann zum Privatpark von Farankaraina. Es ist die beste Gelegenheit, um das Fingertier Aye Aye im Privatreservat von Farankaraina zu sehen. Während des Trekkings öffnen sich herrliche Blicke auf den Indischen Ozean. Unterwegs kann man kleine Fischerdörfer besuchen, um die lokale madagassische Lebensweise kennenzulernen. Der Weg ist etwas schwierig und steil; es müssen auch mehrere schlammige Flüsse durchquert werden.

Dabei zeigt der Lokalguide gern die verschiedenen Heilpflanzen in dieser “Regenwald-Apotheke“ der Einheimischen.

Während des Trekkings durch die Dörfer und die Kulturlandschaft ergibt sich auch die Gelegenheit, Nelken-, Kaffee- und Vanillefelder zu besuchen. Das Trekking führt schliesslich am Rand des Masoala-Waldes und des Meeresufers entlang bis zu den Dörfern Ambanizana und Ambodiforaha,

In den Küstengewässern der Masoala-Halbinsel lässt sich beim Tauchen oder Schnorcheln die Meeresflora und -fauna erkunden. In der Regel ist es von Mitte Juni bis Anfang September möglich, in der Bucht von Antongil Buckelwale zu beobachten, die sich dort paaren oder ihre Kälber gebären.

Juli 2021, geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antananarivo

1000 – Antananarivo

Zentrum und Hauptstadt Madagaskars ist Antananarivo. Nach wie vor.


R
enivohitra wird die Stadt auch genannt, Bauch der Mutter. Tatsächlich ist Antananarivo eine Stadt, (früher) eine Provinz und kurzum das Zentrum Madagaskars.

Historisch waren die drei Hügel unbedeutend. Doch der junge Lokalfürst Andrianampoinimerina, der auf dem 20 km entfernten Hügel Ambohimanga sass, strebte nach Macht, Einfluss und territorialer Ausdehnung. Das gelang ihm durch Diplomatie, Krieg und Polygamie: er heiratete die Töchter anderer Fürsten. Schliesslich wechselte er seinen Wohnsitz zu den drei blauen Hügeln namens Analamanga. Seither ist Antananarivo das Zentrum der madagassischen Welt.

Auch die Franzosen konnten daran nichts ändern. Der Namensänderung in Tananarive genügte nicht. Kaum war der nationalistische Diktator Ratsiraka an der Macht, änderte er koloniale Ortsnamen und aus Tananarive wurde Antananarivo. Die Bevölkerung nennt den Ort einfach Tana.

Vor hundertfünfzig Jahren bestand die Siedlung und mithin die Hauptstadt des Merina-Reiches aus ein paar Dörfern rings um die Hügelkuppe, auf deren Spitze der Palast stand. Aus den Dörfern wurden heutige Quartiere. Die Stadt ufert mehr denn je aus und frisst sich hinein in die ehemaligen Sümpfe und Reisfelder.

Heute hat die Hauptstadt drei Millionen Einwohner, und wenn man den Großraum mit einbezieht, liegt die Zahl näher bei fünf Millionen. Kolonialfrankreich wollte keine Dezentralisation und den madagassischen Präsidenten gelang es nicht, die zentrale Funktion von Antananarivo zu brechen.

Heutzutage gibt es 23 Regionen statt 6 Provinzen. Es gibt sechs internationale Flughäfen und mehr Universitäten als Finanzierungen. Doch in Antananarivo wird nach wie vor die Geige gespielt.

Sakay gasy

Salama eee, heute möchte ich unser typisches, madagassisches Piment vorstellen. Es wird „sakay gasy“ genannt. Also übersetzt madagassische Chili. Im südlichen Afrika sagen die Leute Piri-Piri oder Pilipili zu ihren scharfen Chili-Saucen. Wir nennen unsere „Sakay“.

Wir Madagassen verzehren gern scharfe Chili beim Essen. Egal was man im Restaurant oder in den Essbuden bestellt, dazu wird immer scharfes Piment serviert. Aber getrennt vom Essen. So kann man selber entscheiden, wie scharf das Essen sein soll. Übrigens, wir Madagassen lieben piccante!

Also kommt mit dem Essen auch ein kleines Glas mit Sakay. Oder der Behälter steht schon auf dem Tisch zusammen mit Salz und Pfeffer. Sakay ist ein extrem scharfer Dip aus Chili in Öl. Sakay passt immer. Ob zu Snacks wie Sambos, das sind gefüllte Teigtaschen mit gehacktem Fleisch und Zwiebeln. Ob zu Brochettes, zu Steak mit Salat oder ob zu warmer Suppe. Sakay gasy ist das Allerweltsgewürz in Madagaskar.

Es gibt natürlich viele Rezepte zu Sakay und viele Zubereitungsarten.

Eine der beliebtesten Pimente ist ein scharfer, roter Chili-Dip, den wir „Pilokely“ nennen. Die kleinen, grünen Schoten nehmen vor der Ernte eine leuchtend rote Farbe an. Die getrockneten Schoten kann man überall auf Madagaskar auf Märkten kaufen.

Es gibt auch das scharfe „Tsilanindimilahy“ mit grossen, roten oder gelben Chilischoten. Der Name Tsilanindimilahy bedeutet „was nicht einmal von 5 Männern verzehrt werden kann“. Wir in Madagaskar verwenden gern einen Brei aus kleingehackten Tsilanindimilahy- und Pilokely-Schoten mit Ingwer, Knoblauch und Öl bei verschiedenen Speisen wie zum Beispiel „Rogay“. Rogay ist eine Art Tomatensalat.

Als Beilage zum Essen ist auch das „Sakay maitso“, das „grüne Piment“, sehr schmackhaft. Es wird mit gehacktem Zebu-Fleisch mit Ingwer, Knoblauch, Tomaten und mit etwas Pfeiffer sautiert. Es schmeckt nicht sehr scharf.

Die Gastronomie in Madagaskar ist sehr variationsreich. Möchten Sie eine kulinarische Reise durch Madagaskar machen? Möchten Sie „sakay gasy“ mal ausprobieren? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir kümmern uns um Sie!

Bis bald und veloma!

Corossol = Stachelannone

Salama aus Madagaskar !

Heute sprechen wir über eine Frucht, die hier auf der tropischen Insel Madagaskar sehr gut gedeiht.

Die Frucht Corossol wird auf deutsch Stachelannone genannt. Sie stammt aus dem tropischen Bergland in Südamerika, wird aber heute weltweit angebaut.
Hier in Madagaskar wächst Corossol besonders in den feuchten Gegenden um Brickaville oder Manakara. Also entlang der Ostküste von Madagaskar, wo es fast das ganze Jahr über regnet.

Das köstliche Fruchtfleisch hat eine rundliche oder ovale Form und bleibt immer grün, auch wenn die Frucht in vollreif ist.
Die Frucht der Corossol hat einen Durchmesser von 10 bis 15 cm. Die grüne Fruchthülle hat weiche Stacheln.

Das Fruchtfleisch ist cremig weiss und schmeckt sehr angenehm, aromatisch und süss. Der sahnige Geschmack erinnert in Konsistenz und Süsse an Birnen.

Die leckere Corossol ist leider schnell verderblich, so werden die Früchte frisch verzehrt oder zu Fruchtsäften, Fruchtsalaten sowie zu Speiseeis verarbeitet. Der milchige Saft ist sehr erfrischend und wird in Restaurants besonders beim Frühstück serviert.

Wer auf die Nationalstrasse Nr 2 Richtung Tamatave, der grössten Hafenstadt Madagaskars fährt, legt gern eine kurze Pause im malerischen Kleinstädtchen Antsampanana ein.

Diese Ortschaft ist für ihren üppigen Obstverkauf und die verschiedenen exotischen Früchte sehr bekannt. Links und rechts der Nationalstrasse liegen an reichhaltigen Ständen die gut riechenden Wassermelonen, die saftigen Zimtäpfel (Cherimoya), die roten Rambutan (chinesische Litschis) oder die duftenden Jackfrüchte. Und eben auch die Stachelannonen, die Corossol.
Hier werden sie frisch gepflückt verkauft, denn sie kommen direkt von den Bauern aus den umliegenden Dörfern.

Gern können Sie uns direkt oder unsere Kollegen im Madagaskarhaus in Basel kontaktieren, wenn Sie sich für eine Entdeckungsreise in Madagaskar interessieren.

Veloma und herzlich Willkommen auf der Insel mit den vielen exotischen Früchten !

Bodo PRIORI Antananarivo

salama = hallo in Madagaskar

Salama eee

Heute sprechen wir über die verschiedenen Begrüssungen in Madagaskar.

Madagaskar ist die grösste Insel hier im Indischen Ozean und die Bevölkerung teilt sich in 18 ethnische Gruppen auf. Wir sprechen alle hochmadagassisch oder Malagasy.

Es gibt aber bei uns auch ganz verschiedene Dialekte. Das betrifft die Aussprache, aber auch den Inhalt der Worte. Zum Beispiel kann ein bestimmtes Wort bei der Merina-Volksgruppe, die im Hochland lebt, etwas ganz anderes bedeuten als bei den Antadroy ganz im Süden.

Jeder Volksstamm hat seinen eigenen Dialekt bzw. seine eigene Begrüssung. Zum Beispiel, hier im Hochland begrüssen wir uns mit „Salama“, das heisst einfach „Hallo“ oder „Manao ahoana?“, was „wie geht’s?“ oder auch „Guten Morgen oder guten Abend“ bedeutet, öfter werden diese Wörter mit einem langgezogenen „eee“ oder „ooo“ abgeschlossen, wie Salama eee oder Salama ooo. An der Ostküste, bei den Betsimisaraka sagen sie „Akory aby eee“ und in der Nordküste „Mbôla tsara“, das heisst wörtlich übersetzt „immer noch gut“. All diese Beispiele zeigen die Vielfalt der Begrüssungen in Madagaskar.

Überall auf Madagaskar, vor allem auf dem Land, wird man mit einem Lächeln begrüsst. Hier in der Hauptstadt begrüsst man sich manchmal mit einer Umarmung. Die enge Familie oder Freunde begrüssen sich mit drei Küssen auf die Wange.

Wie überall auf der ganzen Welt öffnet ein netter Gruss Türen und Herzen. So wir laden Sie ein, die Leute mit einem freundlichen „Salama“ bei Ihrer Madagaskarreise zu grüssen und Sie ernten freudig-erstaunte Reaktionen.

Bis bald und veloma

Bodo PRIORI Antananarivo

Antananarivo – Andasibe

1200 – Antananarivo – Andasibe

Andasibe ist das am meisten besuchte Naturreservat, denn es liegt nur ca. drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt.

 

Aber auch unterwegs gibt es einiges zu sehen. So z.B. den privaten Park “Madagascar Exotic“ oder die quirlige Stadt Moramanga.

Heute nehmen wir Abschied von der Hauptstadt mit den geschäftigen Strassen, mit ihren “fliegenden Händlern“, den lärmenden Werkstätten, den bunten Märkten, dem nostalgischen Charme der Kolonialbauten und nehmen die Nationalstrasse Nr. 2, die Hauptverkehrsader der Insel, die zu der wichtigsten Hafenstadt an der Ostküste führt.

Nach dem umtriebigen Stadtleben ist nun die einzigartige Natur Madagaskars an der Reihe. Unaufhaltsam wechseln sich die malerischen Dörfer mit den ockerfarbenen Häusern mit den saftig grünen Reisfeldern am Rand der glattgeschliffenen Granitfelsen oder die bewachsenen Hügel mit Gemüsefeldern ab.

Wir durchfahren eine hügelige Landschaft, die von Eukalyptuswäldern und von verschiedenen Äckern geprägt ist. Auf diesem Streckenabschnitt wird das ganze Jahr Bienenhonig von guter Qualität und je nach Saisonwerden verschiedene Früchte angeboten und am Strassenrand sehen wir abwechselnd die Einheimischen, die Waren auf dem Kopf tragen oder spielende Kinder, die Bananen, Zuckerrohr oder Gemüse verkaufen.

Durch schattige Eukalyptuswälder schlängelt sich die Strasse kurvenreich bis wir das grosse Dorf Manjakandriana (wo die Adeligen herrschen) erreichen. Diese kleine Stadt liegt etwa 48 km von der Hauptstadt entfernt und man spürt sofort das kühle erfrischende Klima, denn hier ist eigentlich die Grenze zwischen dem östlichen Regenwald und der für das Hochland typischen Vegetation mit Eukalyptus- und Pinienwäldern.

Antananarivo – Andasibe
Wir können je nach Lust und Laune ein Zwischenstop im Mandraka Freizeitpark einlegen, einem schönen Ort am Mangoro Fluss. In der Nähe des rauschenden Wasserfalls gibt es eine Rastgelegenheit und die Reisenden können dort in Ruhe ihr Picknick-Mittagessen einnehmen. Nach ein paar weiteren Minuten Autofahrt erreichen wir Marozevo. Am Eingang des Dorfs liegt die private Naturanlage “Madagascar Exotic“, gegründet vom französischen Biologen Andres Peyrieras. Ursprünglich als Schmetterlingspark angelegt, bietet der Park den Besuchern heute eine gute Gelegenheit, die Vielfalt der madagassischen Reptilien-, Amphibien- und Insektenwelt kennen zu lernen. Der auffälligste Falter ist der gelbe “Kometenfalter“, einer der grössten Schmetterlinge auf der Welt mit einem wunderschönen silbernen Kokon.

Hier beobachten wir auch die faszinierenden Tarnkünstler, die verschiedenen Chamäleons, von den winzigen bis zu den grössten. Es gibt ungefähr 60 Chamäleonarten auf der ganzen Insel. Sie sind besonders bekannt wegen ihrer Tarnungskünste, auch die Länge der Zunge ist bemerkenswert, sie übertrifft die Länge des Körpers und kann blitzschnell hervorschiessen, um Heuschrecken oder andere Insekten zu fangen.

Das Chamäleon ist in der madagassischen Kultur bekannt als Begriff für diejenigen, die sich jeder Situation gut anzupassen. Die Augen können sich unabhängig voneinander bewegen und in alle Richtungen sehen, ohne den Kopf zu drehen. Daraus kommt der bekannte madagassische Spruch: “Handle wie die Chamäleons: blicke mit einem Auge in die Vergangenheit und mit dem anderen in die Zukunft“.

Die Plattschwanzgeckos sind berühmt für ihre perfekte Anpassung an den Untergrund, auf dem sie leben, wie Rinden oder Flechten. Dagegen sind die Taggeckos auffallend gefärbt: auf grellem grünem Grund bilden rote Flecken und gelbe oder weisse Längstreifen deutliche Kontraste, daher wirken sie immer sehr fotogen.

In den Gehegen und begehbaren Volieren entdecken wir auch die endemischen Madagaskar Boas und die roten Goldfrösche, eine interessante Entdeckung für Biologen, aber auch für alle an der Natur interessierten Reisenden. Auf einem Hügel unweit von diesem privaten Park tummeln sich im Freien einige gezähmte Lemurenarten wie Sifakas und braune Lemuren.

Nach diesem erlebnisreichen Besuch setzen wir die Reise fort und stellen fest, dass schon bald die alte Eisenbahnlinie beinahe parallel zu diesem Abschnitt der Nationalstrasse Richtung Osten verläuft.

Leider rostet diese technische Meisterleistung vor sich und sehr selten rumpeln noch Güterzüge über die Gleise Richtung Hauptstadt oder Hafenstadt. Bemerkenswert ist die Schmalspurbahn für die damalige Zeit der Entstehung: Es war eine abenteuerliche Zugfahrt durch das Hochland und die steilen Serpentinen hinab bis zur Ostküste.

Diese Strecke war die erste Eisenbahnlinie in Madagaskar und ca. 370 km lang. Der Bau begann im Jahr 1901 und innerhalb der folgenden 13 Jahre haben viele chinesische Fremdarbeiter, aber auch zahlreiche jungen Madagassen am Bau teilgenommen, die damit ihre Arbeitssteuer während der Kolonialzeit entrichteten.

Antananarivo – Andasibe
Nach paar Kilometer erreichen wir die nächste grosse Stadt Moramanga. Der Name bedeutet so viel wie “Ortschaft mit billigen Mangos“. Aber die Reisenden finden hier für ihre Weiterreise Banken und Geldautomaten sowie zahlreiche Restaurantsund viele Einkaufsmöglichkeiten, denn Moramanga ist Ausgangspunkt für vielen Ziele: Lac Alaotra, Anosy Be An’ala, die Kaskade Niagarakely (kleiner Niagarafall) und das spektakuläre Naturschauspiel den „Chute de la Mort“ (Wasserfall des Todes).

Zwei Sehenswürdigkeiten dürfen wir uns in der Stadt Moramanga nicht entgehen lassen. Am Bahnhof steht das Denkmal für die Gefallenen des grössten Aufstandes der Madagassen gegen die französischen Kolonialherren am 29. März 1947, er nahm in dieser Ortschaft Ihren Anfang. Aufschlussreich ist auch der Besuch des Museums der Gendarmerie und je nach Interesse können wir einen Blick über die alten Fahrzeuge, die Gewehre und Kanonen werfen. Die Aufnahmen dokumentieren schön und detailliert die wichtigen Ereignisse der Insel und wie stark sich das Leben und die Geschichte der Madagassen in den vergangenen Jahrzehnten, vor und nach der Kolonialzeit verändert hat.

Wir durchfahren ab Moramanga weitere 26 km durch immer grüner werdende Berge mit Gebirgsvegetation. Endlich erreichen wir Andasibe, unser heutiges Ziel und gleichzeitig auch der Höhepunkt auf dieser Ostroute.

Die Geschichte von Andasibe beginnt im Jahre 1907 mit dem Bau der Eisenbahnlinie und des Bahnhofs für den Transport der zwei wichtigen Exportprodukte nach Frankreich: Edelholz und Grafit. Andasibe heisst wörtlich “das grosse Lager“ und gilt als das am einfachsten zu erreichende Naturreservat mit artenreicher Fauna und Flora, nur ca. 145 km von der Hauptstadt entfernt. Hier haben wir beste Gelegenheiten, die verschiedenen Regenwaldreservate und Parks ausgiebig zu erkunden.

Juli 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel

Fandriana Sakaleona-Trekking

2120 – Fandriana – Sakaleona-Trekking

Das Kleinstädtchen Fandriana, knapp 50 Kilometer nordöstlich der Stadt Ambositra, gehört zum Betsileo-Land.


Von der Nationalstrasse RN7 fahren wir Richtung Nordosten bis zur Stadt Fandriana, auf halbem Weg liegt das interessante Seidenweberinnendorf Sandrandahy. Von Fandriana aus geht es dann weiter bis zum Sakaleona Wasserfall, dem höchsten und beeindrucktesten Wasserfall von ganz Madagaskar.

Die Stadt “Fandriana“ bedeutet wörtlich “das Bett“ oder “wo man schläft”. Die Legende erzählt die merkwürdige Geschichte der Antaimoro-Volkstämme, die tagelange aus den südöstlichen Regionen Madagaskars bis zum Hochland durchwanderten. Als sie müde in der Stadt Fandriana eintrafen, fanden sie endlich eine Schlafgelegenheit in diesem schönen Ort und so nannten sie die Stadt “Fandriana“.

Sie liegt auf rund 1400 m über dem Meeresspiegel und die schöne Architektur der Häuser sticht sofort in die Augen.

Das Dorf Sandrandahy liegt an der Strasse nach Fandriana. Das verschlafene Dorf liegt 28 km von der Stadt Ambositra entfernt und in dieser Gemeinde gibt es eine öffentliche Schule, ein einfaches Krankenhaus, eine Kirche und einen kleinen Marktplatz.
Das Motto in diesem Dorf drückt den Fleiss der Dorfbewohner aus: “ny miasa ro voky“, dies bedeutet wörtlich “wer arbeitet, bekommt etwas zu essen“. Die Bauern leben wie auf dem ganzen Hochland vom Reis- und Gemüseanbau, vom Züchten von Zebus, daneben wird das Kunsthandwerk der Seidenweberei gepflegt.

Die Frauen sammeln die Kokons der Seidenraupen “Borocera madagascariensis“ in den Tapia-Wäldern und verarbeiten die Seide später zu schönen Seidenschals. Ihr Leben war schon immer mit der Wildseide verbunden und in der Seidenweberei stecken viele Stunden Arbeit, Geduld und Erfahrung, denn vor dem Spinnen müssen die Kokons gekocht und gewässert werden.

Die meisten Mädchen beherrschen schon im Alter von etwa sieben Jahren die verschiedenen Arbeitsschritte, denn die Seidenweberei ist ein kulturelles Erbe in dieser südlichen Region.


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Die Seide war seit der Königszeit ein fester Bestandteil des madagassischen Lebens. Sie wird bunt bemalt, wenn es sich um ein Brautgeschenk handelt und ist rot oder naturfarben, wenn sie für die Toten bestimmt ist. Kleider aus kunstvoller Seide werden bei Familienfesten immer gern getragen und es ist Sitte bei den Madagassen, dass die Toten in Seidentücher oder „Lambamena“ gewickelt werden, bevor sie in der Familiengrabstätte bestattet werden.

Fandriana Sakaleona-Trekking
Im kleinen Ort Ambodivoara nordwestlich von Fandriana hat man die Gelegenheit, dem traditionellen Destillierprozess für den selbst gebrannten“ Toaka Gasy “ (madagassischer Rum) zuzuschauen. Hier soll der beste selbstgebrannte Rum aus dieser Region hergestellt werden, meinen die Bewohner. Die Einheimischen trinken diesen Schnaps gern, denn Alkoholismus ist leider ein weitverbreitetes Problem auf der ganzen Insel. Am Anfang des Jahres 2020 hat die madagassische Nationalversammlung ein Abgeordnetengesetz erlassen, indem das Selbstbrennen dieser „Toaka Gasy“ auf der ganzen Insel fortan legal sein soll.

Von der Stadt Fandriana aus besteht die Möglichkeit, eine rund achttägige Trekkingtour (je nach Wetterverhältnissen) vom Hochland bis zum höchsten Wasserfall Madagaskars und weiter bis zur Südostküste nach Nosy Varika zu unternehmen.

PRIORI organisiert diese abenteuerliche Trekkingtour während der Trockenzeit in den Monaten August bis November. Die Tour beginnt in Fandriana und muss von einem Lokalguide begleitet werden, den man im Büro des Nationalparks von Marolambo anheuern muss.

Zusammen mit dem Trekking Team (der ortskundige Lokalguide, die Gepäckträger und der Koch), alles in Obhut des deutsch sprechenden Guides von PRIORI, geht die Tour quer durch das Regenwaldgebiet von Marolambo.

Unser erfahrener Guide kennt sich sehr gut aus mit der Fauna und Flora und so können die Reisenden die unglaubliche Artenvielfalt dieser Region erforschen und verschiedene Nutz- und Heilpflanzen in diesem Nationalpark kennen lernen.

Mit etwas Glück sieht man auch viele endemische Tiere: Lemuren, Chamäleons und Vögel haben in diesem Urwaldparadies ihr Refugium gefunden.

Weit weg von der Zivilisation kommen wir immer wieder an abgelegenen Dörfern oder Weilern vorbei und erleben neben der einmaligen Landschaft auch das Alltagsleben der Betsileo, die Sitten und Bräuche, aber vor allem die Offenherzigkeit der Dorfbewohner.

Fandriana Sakaleona-Trekking
Unterwegs müssen mehrmals Flüsse über- oder durchquert werden. An einigen Stellen dienen dicke, umgestürzte Bäume als Brücke für die Überquerung des Flusses oder die Reisenden müssen an die andere Seite des Flusses waten. In einer Waldlichtung, auf einer Wiese oder am Flussufer wird gezeltet, bei Gelegenheit kann man auch in einer bescheidenen Hütte oder als Gast bei einer Familie übernachten.

Am Rand des östlichen Teils des Regenwaldgebiets haben wir fast die Hälfte der Trekkingtour geschafft und kommen am 4. Tag zum Sakaleona-Felsen, der 200 Meter über dem Talboden liegt. Wir klettern über Bäume und Felsen, um die Oberkante des Wasserfalls zu sehen. Dann gilt es, den steilen Pfad hinunter zu klettern. In der Nähe eines Dorfes überwinden wir Steine und Abgründe, bis wir am Fusse des beeindruckenden Sakaleona-Wasserfalls ankommen.

Das Spektakel ist wirklich atemberaubend, denn mit einer gewaltigen Kraft stürzen die Wassermassen die Klippe herunter. Dieses unvergessliche Naturschauspiel ist der Höhepunkt dieser Reise!

Die Einheimischen nennen die grosse Kaskade Wasserfall des Königs Andriavarogny.

Dieser König hatte einst Pech, denn unglücklicherweise war er mit seiner Piroge in diesen Wasserfall geraten, als er seine Geliebte unten in einem Tal der Betsimisaraka Region besuchen wollte.

Dienstags ist Markttag im Dorf Antanambao (wörtlich übersetzt bedeutet dies “das neue Dorf“). Dies ist ein einmaliges Erlebnis, denn überall blüht das pure Leben auf kleinstem Raum, es gibt fast kein Durchkommen durch die Hauptgasse, aber es ist eine willkommene Abwechslung für die Abenteurer, besonders für die Träger, die hier die Gelegenheit haben, in einem „Hotely gasy“ ihr Mittagessen einzunehmen. Wer mag, kann sich natürlich auch bei den kleinen Garküchen am Strassenrand die madagassischen Menüs schmecken lassen: “Hena omby saosy“ (oder Zebufleisch mit Tomatensauce), “Akoho rony“ (Poulet Stückchen-Eintopf mit Knoblauch und Ingwer) die Auswahl in diesem abgelegenem Dorf ist meistens nicht sehr gross.

Ein paar Dörfer weiter nehmen wir schweren Herzens Abschied vom freundlichen Lokalführer und den tapferen Trägern. Sie haben uns während der vergangenen sieben Tage begleitet und auf schwierigen Wegen unsere grossen Rücksäcke, den Proviant und die ganze Zeltausrüstung getragen. Der deutsch sprechende Guide von PRIORI begleitet die Reisegruppe weiter für die nächsten zwei Tage bis Nosy Varika.

Fandriana Sakaleona-Trekking
Den letzten Teil auf dieser langen Trekkingtour fahren wir mit einem alten Unimog. Nur dieses Fahrzeug kann die schlechte Piste auf diesem letzten Streckenabschnitt bewältigen, denn oft besteht die Piste nur aus zwei knietiefen Wasserrinnen. Der Chauffeur meistert die Strecke aber mit Bravour, so dass wir während der ganzen Strecke nicht stecken bleiben.

Am 9. Tag geniessen wir die ruhige Fahrt mit einem lokalen Motorboot auf dem Sakaleona Fluss und später auf dem langen Pangalanes Kanal bis zu unserem nächsten Ziel Nosy Varika.

Es ist eine ruhige Fahrt, auf der wir etwas vor uns hindösen und die vielen Reiseeindrücke der letzten Tage verarbeiten.

Juli 2021, geschrieben von: Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel