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Banknoten in Madagaskar

Banknoten in Madagaskar

 

Der Ariary ist die offizielle Währung in Madagaskar

(Antananarivo, 19. Okt 2021) Seit 2005 gilt der Ariary (AR) als die offizielle Währungseinheit in Madagaskar, doch der madagassische Franc (FMG) bzw. die alte Währung während der Kolonialzeit wird immer noch sehr oft in den kleinen Krämerladen, auf den freien Märkten, bei den Radfahrern, Taxi- oder Tuktuk-Fahrern benutzt. Die Einheimischen geben den Preis in madagassischen Francs , ohne zu erklären, ob der angegebene Preis in Ariary oder in Franc Malagasy ist. Das ist dann sehr verwirrend und sogar eine Geldverschwendung, wenn es um eine grosse Summe geht, denn 1 Ariary ist eigentlich 5 madagassische Francs wert. So sollte immer nach der Währungseinheit gefragt werden, also abklären, ob die Person den Preis in AR oder in FMG angibt.

Der aktuelle Wechselkurs für 1 Euro ist bei 4‘500 Ariary und für 1 Schweizer Franken rund 4‘200 Ariary. (Stand 2021)

Untenstehend finden Sie die acht madagassischen Banknoten in absteigender Reihenfolge :

Banknoten in Madagaskar: 20’000 AR = 4,44 € oder 4,76 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 20000 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 20000 Ariary

Es handelt sich um die grösste Banknote in Madagaskar. Das Bild zeigt die Fabrik in Ambatovy. Sie liegt östlich von Antananarivo und zählt zu den grössten Minen für Nickel und Kobalt auf der Welt.

Banknoten in Madagaskar: 10’000 AR = 2,22 € oder 2,38 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 10000 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 10000 Ariary

Die Vorderseite dieser Banknote zeigt den Hafen von Ehoala in Fort Dauphin an der Südostküste Madagaskars. Dieser wichtige Hafen im Indischen Ozean wurde 2009 primär für den Export von Bergbauprodukten gebaut.

Banknoten in Madagaskar: 5000 AR = 1,11 € oder 1,19 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 5000 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 5000 Ariary

Das Bild zeigt den Ort “Trou du Commissaire” am Strand von Manakara, wo man ohne Gefahr schwimmen kann. Eigentlich ist das Schwimmen an vielen Badetränden wegen der starken Meeresströmungen verboten. Die Stadt Manakara ist auch wegen der FCE-Eisenbahnlinie nach Fianarantsoa bekannt.

Banknoten in Madagaskar: 2000 AR = 0,44 € oder 0,48 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 2000 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 2000 Ariary

Madagaskar ist bekannt für seine endemische Fauna und mehr als 100  Lemurenarten sind heimisch auf der Insel. Die 2000 AR-Banknote zeigt den berühmten Bambuslemuren „Bandro“. Er hat ein graubraunes Fell und ist auf einer kleinen Bambusinsel am Alaotra-See, dem grössten See Madagaskars zu finden.

Banknoten in Madagaskar: 1000 AR = 0,22 € oder 0,24 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 1000 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 1000 Ariary

Diese 1000 AR Banknote stellt die Hängebrücke in Kamaro an der Nationalstrasse 4 dar.  Diese imposante Brücke gebaut von der Firma Gaston Leinekugel Le Cocq überblickt den Kamaro Fluss auf 206,5 Metern beim Kilometerstein PK 406.

Banknoten in Madagaskar: 500 AR = 0,11 € oder 0,12 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 500 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 500 Ariary

Diese kleine Banknote von 500 AR zeigt den Königshügel in Ambohimanga, auch bezeichnet  als „der blaue Hügel“. Diese Sehenswürdigkeit liegt 24 km nordöstlich von Antananarivo und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Banknoten in Madagaskar: 200 AR = 0,04 € oder 0,05 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 200 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 200 Ariary

Dieses Bild vom Wasserfall im Nationalpark von Montagne d’Ambre finden Sie auf der 200 AR Banknote. Die Flora und Fauna in dieser üppigen Vegetation nördlich Madagaskar sind so faszinierend, dass die Besucher von der Einzigartigkeit der Natur begeistert sind.

Banknoten in Madagaskar: 100 AR = 0,02 € oder 0,03 CHF

Banknote in Madagaskar, Geldschein von 100 Ariary
Banknote in Madagaskar, Geldschein von 100 Ariary

Der kleinste Geldschein von 100 AR zeigt die beeindruckende Kathedrale von Ambozontany, gebaut im 19. Jahrhundert. Dieses Gebäude mit kunstvoller Architektur überragt die Altstadt von Fianarantsoa und hat einen herrlichen Panoramablick auf den kleinen Anosy-See.

Die Insel Madagaskar ist ein kontrastreiches Land mit spektakulären Landschaften, auch seine Bevölkerungsgruppen mit den Besonderheiten ihrer Kultur sind sehr vielfältig. Mit diesen schönen Bilder auf die Banknoten hoffen wir, dass wir doch Ihr Neugier erweckt haben, um unsere facettenreiche Insel bald zu entdecken.

Gern helfen wir Ihnen bei der Reiseplanung Ihrer Madagaskarreise, so werden sie einen unvergesslichen Aufenthalt reich an Begegnungen und Abenteuern auf unsere Insel verbringen.

Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen benötigen, zögern Sie nicht  uns zu kontaktieren.

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Toaka gasy

Heute möchte ich Ihnen den madagassischen Rum oder „toaka gasy“ vorstellen. 

Neben dem kommerziell hergestellten Rum wie Dzama, der auf der Insel Nosy Be destilliert wird, gibt es noch einen traditionellen Rum. Wir nennen ihn „toaka gasy“ oder „betsabetsa“.

Überall auf Madagaskar sieht man Zuckerrohplantagen, denn diese Pflanze braucht keine besondere Pflege. Die Männer verwenden Zuckerrohr als Rohstoff für Rumdestillerien, während die Kinder gern den süssen Saft heraus saugen.

Besonders im Land der Betsileo leben die Dorfbewohner von der Herstellung des „toaka gasy“. Direkt am Rand der RN 7 wird dieser frohfarbige Rum sehr preiswert angeboten. Jede Flasche ist anders gefärbt, jede unterschiedlich hoch gefüllt. Besonders den „echten“ madagassischen Rum vom kleinen Betsileo-Dorf Ambodivoara ist sehr beliebt.

Auch hier in der Hauptstadt wird dieses Getränk in Restaurants und kleinen Hotels angeboten. Bier ist bei uns sehr teuer, daher wird hochprozentiger Rum bevorzugt und er hat auch stärkere Effekte.

Oft wird der Rum bei uns in Madagaskar mit verschiedenen Früchten oder Gewürzen verfeinert und dann als „Rhum arrangé“ angeboten. Zum Beispiel werden Vanillenschoten oder Kaffee oder Orangen oder Ingwer mit Honig dabei verwendet. Die Zutaten sind also sehr variationsreich.

Kommen Sie zu uns nach Madagaskar und probieren Sie auch unseren „Toaka gasy“.

Veloma und bis bald! Herzliche Grüsse von Frau Bodo, PRIORI Antananarivo

Verkehrsmittel in Madagaskar

Salama ô !

Ich möchte Ihnen heute die wichtigsten Verkehrsmittel hier in Madagaskar vorstellen.

Hier in der Hauptstadt Antananarivo haben wir ein dichtes Netz an Stadtbussen. Damit sind Kleinbusse gemeint, die bis zu 30 Passagiere mitnehmen können. Wir nennen diese Fahrzeuge „Taxi Be“, übersetzt „grosses Taxi“. Angestellte, Schüler, Studenten und Verkäufer sind auf dieses Verkehrsmittel angewiesen. Trotz dem ständigen Stau – besonders im Stadtzentrum – ist ein Taxi Be sehr praktisch und nicht teuer. Die Abfahrtszeit ist sehr flexibel, es gibt keine festen Fahrpläne. Das Taxi Be fährt, wenn es voll ist.

Wer es eilig hat oder viele Waren oder Gepäckstücke mit dabei hat, fährt gern mit einem privaten „Taxi“. Die beigefarbenen Taxi warten meistens in der Nähe der Hotels, am Flughafen oder am Marktplatz. Es gibt keine festen Preise und den Fahrpreis sollte man zu Beginn der Fahrt aushandeln.

Das Taxi-Brousse oder Buschtaxi gehört zu den wichtigsten öffentlichen Verkehrsmitteln im ganzen Land. Die Taxi-Brousse verbinden die grosse Stadt mit den anderen Teilen des Landes, sie fahren sogar über die schlechten Pisten bis zu den abgelegenen Dörfern. Sie fahren meistens unpünktlich. Auf dem Dach werden die Gepäckstücke, die Getreidesäcke und die verschiedenen Lebensmittel oder sogar Fahrräder gebunden.

In den grossen Städten Madagaskars wie Antsirabe, Tamatave oder Tulear sind die Pousse Pousse oder „Rikscha“ und die Cyclo- Pousse oder Fahrradrikscha ein beliebtes und praktisches Verkehrsmittel. Die schöne Thermalstadt Antsirabe kann man sehr angenehm mit einer Rikscha erkunden.

Natürlich spielt auch die Eisenbahn eine wichtige Rolle hier in Madagaskar. Die FCE-Linie verbindet Fianarantsoa, die Hauptstadt der Betsileo mit der Stadt Manakara am Indischen Ozean. Die Fahrt mit der grünen Dschungelbahn zählt zu den einmaligen und abenteuerlichen Erlebnissen während einer Reise in Madagaskar.

Eine gemütliche Bootsfahrt auf dem Kanal von Pangalanes an der Ostküste oder auf dem langen Tsiribihina Fluss mit seiner abwechslungsreichen Landschaft ist sicher ein Schwerpunkt einer Madagaskarreise. Für die Einwohner hingegen ist es alltäglich, sich mit einer Piroge auf dem Wasser zu bewegen.

Möchten Sie mehr Informationen zu Madagaskar haben, dann kontaktieren Sie uns bitte!

Wir sind hier in Antananarivo, dem Herzen von Madagaskar. Veloma.

Andringitra Avaratra

1012 – Andringitra Avaratra

Andringitra Avaratra oder “Der zweite Gipfel von Analamanga“

Ein Tagesausflug nach Andringitra Avaratra eignet sich hervorragend für eine interessante Entdeckungsreise ausserhalb der lärmenden Hauptstadt Antananarivo.


Eine gut ausgebaute, neue Strasse führt zuerst in Richtung Flughafen Ivato, dann nimmt man eine staubige Piste nach Ambosifasina und beim Dorf Alatsinainy beginnt die Wandertour zum idyllischen, abgeschiedenen Ausflugsziel Andringitra Avaratra. Eine richtige Herausforderung für echte Wanderer!

Die Wandertour durch die auslaufende Hügelkette in der Region von Andringitra Avaratra, rund 30 km nordwestlich von Antananarivo führt durch das Kernland des Merina-Königreichs vor der Kolonialzeit. Die Geschichte des Andringitra Avaratra-Gebirges ist eng mit dem berühmten und respektierten König Andrianjaka verbunden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts betrachtete der König Andrianjaka vom Gipfel dieses Hügels (1716 m ü. M.) sein Königreich Analamanga. Diese Region war mit Sumpf und Reisfeldern bestanden und unzählige strohgedeckte Dörfer duckten sich entlang der Hügelflanken. Aus dieser Bevölkerung rekrutierte Andrianiaka seine tausend Soldaten, um einen neuen Königsitz zu erobern. Seine Armee baute auf der höchsten Erhebung der Imerina-Region eine grosse Festung rund um die Rova (Königspalast), später entwickelte sich aus dieser Bergfestung die Stadt Antananarivo, ins Deutsche übersetzt “die Stadt der Tausend“.

Nicht weit von Andringitra Avaratra liegt der Hügel Miakotso, wo der legendäre König Andrianampoinimerina nach der Eroberung der Region einen Palast baute. Dieser adlige Herrscher, ein Zeitgenosse von Napoleon, schlichtete den Streit in der Königsfamilie und vereinte Imerina zu einem Königreich. Die Legende erzählt auch, dass die Geister der Vazimba, also der ursprünglichen Bewohner Madagaskars, in diesen Hügel bis jetzt herumirren würden. Das mythische “Songomby“, ein wildes und aggressives Tier so gross wie ein Zebu, lebte damals in den umliegenden Höhlen und Wäldern. Die Dorfbewohner getrauten sich nicht, sich diesen abgelegenen Orten zu nähern.

Rings um das Königreich von Imerina liegen die drei hohen Gebirgszüge des Hochlandes: das Massiv von Ankaratra, Andringitra Avaratra und Ambohimanoa. Ein madagassischer Spruch sagt: “Ankaratra und Andringitra wollten aufeinander zugehen, aber Ambohimanoa wurde dazwischen geschoben”. Ambohimanoa ist der dritte Gipfel weiter im Norden. Dieser Spruch symbolisiert zwei Menschen, die sich lieben und sich durch den Bund der Ehe vereinen wollen, doch die Eltern sind gegen diese Eheverbindung.

Der Berg Ankaratra mit dem heiligen Gipfel “Tsiafajavona“, wörtlich übersetzt, „wo sich der Nebel nie auflöst“ liegt rund 90 Kilometer südlich der Hauptstadt im zentralen Hochland und stellt mit 2642 m den drittenhöchsten Gipfel Madagaskars. Ausgangspunkt einer erlebnisreichen Wandertour in diese Bergwelt ist die Stadt Ambatolampy. Das Massiv von Ankaratra sollte nur mit einem kundigen Lokalführer begangen werden. Schnell auftretende Nebelbänke und Blitzregen sind sehr häufig und gefährlich. Das breite Vulkangebiet ist von einem fruchtbaren Saum umgeben. Die Zone gilt als die Gemüsekammer des Hochlandes. Nebst allen Arten von Früchten gedeihen verschiedene Nahrungspflanzen wie Maniok, Süsskartoffeln und Taro.
An den steilen Hängen dieses Gebirge wachsen unzählige Heilpflanzen und Kräuter, die immer noch eine wichtige Rolle in der Volksmedizin spielen. Kundige Pflanzenheiler verwenden diese Medizinpflanzen in ihrer traditionellen Naturheilkunde, einige pilgern noch immer regelmässig zu diesen heiligen Orten, die nach wir vor für animistische Opferriten genutzt werden.

Während der Herrschaft des berühmten Königs Andrianampoinimerina (1787-1810), dem Gründer der Merina-Dynastie, bildete dieses Vulkangebiet namens „Vakin’ Ankaratra“ die südliche Grenze seines Königreichs.

Laut Legende lag das Dorf “Ambohitrakoholahy” (Hügel des Hahns) am Fuss des Gebirges Ankaratra. Eines Tages kam die Tochter des Schöpfergottes Andriananahary auf die Erde und brachte einen Hahn und eine Henne. Der Hahn wurde für die Ahnen geopfert, aus seinem Kopf quollen Paddy-Körner, die ausgesät wurden und dies ergab den Reis, den die Madagassen bis heute essen.

Der dritte Hügel heisst Ambohimanoa, der sich etwa 40 km nordwestlich der Hauptstadt in Richtung der Nationalstrasse 4 befindet. Mit seinen mehr als 1557 m ü. M. überragt er die Höhen von Marovantana (die westliche Region von Imerina Königreich). Vom Gipfel hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf den Fluss Ikopa und die Ebenen entlang des Flussufers. Am Fusse dieses Hügels wurde zur Zeit der Königin Ranavalona III. Gold abgebaut, aus dem auch ihre berühmte Krone gefertigt wurde. Dieser royale Kopfschmuck wurde leider aus dem Palast von Manjakamiadana gestohlen und ist bis heute verschollen.

Die Königin wuchs in dieser Region im ruhigen und abgelegenen Dorf Ambohimanoa-Manjakazafy auf. Bis heute ist es verboten, Schweinefleisch, Knoblauch und Zwiebeln auf den heiligen Hügel Ambohimanoa zu bringen.

Auch im literarischen Werk mit dem Titel: “Midona moramora” (Es donnert sanft) tauchen diese drei oben genannten Gipfel mehrmals gemeinsam auf, ebenso in einem Werk des berühmten “Ny Avana Ramanantoanina”, einem madagassischen Dichter, Patrioten und Freiheitskämpfers aus der Zeit der Kolonisation.

September 2021, geschrieben von Michael, PRIORI Antananarivo

Mofo gasy

Mofo gasy, das madagassische Brot

Heute möchte ich Ihnen gern unsere verschiedenen „mofo“ oder Brötchen vorstellen.

Hier in Madagaskar bedeutet das Wort „mofo“ die Brotstange, das Brötchen oder das Gebäck. Beim Frühstück essen wir Madagassen gern neben Reissuppe auch „mofo“. Viele Familien in städtischem Umfeld haben früh am Morgen nicht viel Zeit zur Verfügung. Also kaufen sie schnell ein paar Brötchen in den Schnellimbissen.

In jedem Wohnviertel auf der ganzen Insel gibt es immer diese kleinen Holzbuden, die verschiedene hausgemachte heisse Brötchen und natürlich auch heisse Getränke wie Kaffee, Milch, Kakao oder Tee günstig anbieten.

Darunter sind die „mofo gasy“. Dies sind hausgemachte süsse Reiskuchen aus Reismehl, Zucker und Hefe mit Wasser. Sie sind knapp so gross wie eine Faust. Jede Region hat natürlich ihre Spezialität, um das Fladenbrot schmackhafter zu machen. An der Nordostküste werden die Reisküchlein mit Kokosmilch und Milch verfeinert und „Mokary“ genannt.

In diesen Schnellimbissen kann man auch die „mofo ramanonaka“ oder „mofo sira“ kaufen. Dies sind salzige Brötchen aus Mehl, Hefe und Salz. Wir Madagassen verzehren sie sehr gern zu heissem Tee oder zu Milch. Sehr gut für den Gaumen!

An diesen Strassenständen kann man natürlich auch die süssen „mofo baolina“ ausprobieren! Das sind kinderfaustgrosse Teigballen aus Mehl, Milch und Zucker, die in heissem Öl goldbraun gebraten werden. Zwei oder drei Portionen von „mofo baolina“ und der Magen ist satt.

Bei uns gedeihen verschiedene Arten von Bananenstauden prächtig, besonders an der tropischen Ostküste. So ist auch eine der Spezialitäten auf Madagaskar das „mofo akondro“, übersetzt „Bananenbrot“, also Brötchen aus Banane, Mehl, und Zucker. Eine Banane wird in zwei Hälften geschnitten und mit gesüsstem Mehl vermischt und in heissem Öl frittiert.

Kommen Sie zu uns nach Madagaskar und probieren Sie diese schmackhaften Gebäcke.

Veloma!
September 2021, Fanasina, PRIORI Antananarivo

Musik in Madagaskar

A 700 – Musik und Musikinstrumente

Hinsichtlich der musikalischen Entwicklung war Madagaskar offen für Einflüsse aus vier Weltkulturen. Noch heute werden Instrumente gespielt, die Einwanderer vor Jahrhunderten auf die Insel mitbrachten.


Die Einwanderer aus dem asiatischen Raum haben vor fast 2000 Jahren neben ihren Auslegerbooten und ihrer Sprache auch die Bambuszither (“Valiha“ auf madagassisch) mitgebracht. Die Valiha wird bis heute in Asien und auf Madagaskar gespielt.

 Die Geschichtsforscher berichten, dass die Vorfahren der madagassischen Bevölkerung aus dem südostasiatischen Raum stammen. Die Techniken des Reisanbaus und des Schiffsbaus zum Beispiel sind Zeuge dieser ersten Besiedlung in Madagaskar. Auch die Verwandschaft der madagassischen Sprache mit Indonesien ist unverkennbar. Der nahe afrikanische Kontinent hatte ebenfalls einen Einfluss auf die Kultur der Insel. Die Ethnie der Bantu aus Ostafrika hat zum Beispiel die Kultur der Zebuzucht in Madagaskar eingeführt. Vor ein paar Jahrhunderten blühte auch der Sklavenhandel an den Küsten Madagaskars und die Forscher behaupten, dass zwei Drittel der Madagassen ihre Hautfarbe der afrikanischen Abstammung verdanken. Neben der Einführung der Astrologie haben Araber auch die Heilige Schrift, das “Sorabe“ nach Madagaskar gebracht. Dank dieser Einwanderungswellen existieren in Madagaskar ganz unterschiedliche soziale und kulturelle Bräuche innerhalb der verschiedenen Ethnien. In Antananarivo und im Hochlandgebiet, wo die Merina und Betsileo ihre Stammlande haben, sieht man die Herkunft aus dem malaiisch–polynesischen Raum sehr deutlich. Der Einfluss afrikanischer Vorfahren, sowie die arabischen Sitten und Bräuche, sind in den Küstengebieten Madagaskars unverkennbar.

Laut der Geschichtsforschung haben die Einwanderer aus Südostasien schon vor dem 15. Jahrhundert das Musikinstrument “Valiha“ eingeführt. Dieses melodiöse Instrument aus einem Stück Bambusrohr wurde zuerst als rituelles Objekt eingesetzt. Zu dieser Zeit klang diese einzigartige Bambuszither ganz anders, denn ihre Saiten wurden direkt aus dem Bambusrohr geschnitten, was einen eher dumpfen Klang ergab. Später wurde sie an den Königshöfen in Antananarivo bzw. im “Rova-Palast“ und in verschiedenen Landesgegenden gespielt. Inzwischen werden Bremskabel als preiswerte Stahlsaiten für dieses traditionelle Musikinstrument des Hochlandes genutzt. Das Valiha ist etwa 80 bis 120 cm lang und ca. 5 bis 10 cm dick, sie ist der Länge nach mit Saiten bespannt. Dieses Instrument wird im Sitzen mit beiden Händen gespielt, die Saiten werden von den begabten Spielern zärtlich mit den Fingerspitzen gezupft. Zur klanglichen Unterstützung wird das Instrument auf einen leeren Holzkasten aufgestützt. Die Musiker sind inzwischen sehr kreativ geworden und arbeiten ständig an Verbesserungen ihres Instruments, damit dieses einen aussergewöhnlichen Klang bekommt. Die berühmte Sängerin Mama Sana im Süden Madagaskars steckte zum Beispiel ihre Valiha in einen Metallkasten, der als Resonanzkörper diente.

Die Araber führten im 8. Jahrhundert die Bambusflöte “Sodina“ in Madagaskar ein. Dieses Musikinstrument wird seit langem in vielen Regionen Madagaskars gespielt. Der berühmte madagassische Flötist Rakoto Frah (1923 – 2001) vollzog einen aussergewöhnlichen Wandel, indem er sein Instrument aus den üblichen Wasserrohren fertigte, die er auf dem Lokalmarkt kaufte. Dieser talentierte Musiker verband seine Musik auch mit den modernen Musikstilen wie Jazz oder Soul. Seine Kinder führen seine Tradition als Gruppe “Rakoto Frah Junior“ weiter, sie sind heute renommierte Sänger und Flötisten in der Hauptstadt.

Mit der Ankunft der Sklaven aus Kontinentalafrika gelangte auch die Kürbiszither oder “Jejovoatavo“ auf die Insel. Bei diesem Instrument dient ein getrockneter Kürbis als Resonanzkörper am Ende eines Holzstabs. Dieses Musikinstrument wird besonders von den Vieh- und Zebuhirten der Bara Volkstämme und von den Jugendlichen im südlichen Hochland von Madagaskar gespielt.

Aus dem orientalischen Kulturraum stammt das Saiteninstrument “Kabosy“. Sein Name stammt aus dem türkischen Wort “qapuz“. In Madagaskar sind diese simplen Guitarren als billige Musikinstrumente besonders bei den Kindern und Jugendlichen beliebt. Die 3- bis 5-saitigen Kabosy werden vor allem in den Dörfern auf dem Marktplatz oder am Strassenrand gespielt.

Eines der meistverwendeten Instrumente sowohl auf dem Land, wie auch in der Stadt, ist die “Korintsana“. Es ist eine Rassel, die zur rhythmischen Begleitung von Gesang und Melodieinstrumenten erklingt. Dazu werden leere Konservendosen als Behälter verwendet, die mit getrockneten Feldfrüchten wie Reis- und Maiskörner oder Kaffeebohnen gefüllt sind.

Die “Langoroana” und die “Ampongabe“ sind zwei unterschiedliche Trommeln, die meist gemeinsam gespielt werden. Beide sind traditionelle Musikinstrumente in Madagaskar, die den Rhythmus in die Musikstücke einbringen. Der zylindrische Rahmen wird mit Zebu-Häuten bespannt und mit einem oder zwei Stöcken geschlagen.

Das traditionelle Strassentheater “Hira Gasy“, wörtlich übersetzt “das madagassische Lied”, stellt auch heute noch ein wichtiges kulturelles Merkmal dar. Sein Ursprung geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als der berühmte König mit dem langen Namen Andrianampoinimerina seine Leute aufforderte, die Reisfelder rund um Antananarivo (damals “Analamanga“ genannt) zu erweitern. Dazu lud er viele Tänzer und Musiker aus den verschiedenen Dörfern ein. Daraus entstanden regelmässige und populäre Treffen mit dieser neuen Kunst “Hira Gasy“, die heutzutage von verschiedenen Volkskünstlern geschrieben und gestaltet wird. Oft sind es traditionelle Lieder, die den Leuten Moral predigen und oft auch Sprichwörter verwenden. Sie erzählen Anekdoten, Sketche und andere musikalische Einlagen. Diese Musiktheater werden heute noch unter freiem Himmel am Stadtrand von Antananarivo gespielt. Nach der Reisernte, zum Neujahr, zum Nationalfeiertag oder zum “Tag der Unabhängigkeit“ oder auch während eines Familienfestes wie bei einer Hochzeit oder dem Famadihana-Fest (Leichenwende) werden solche Volksmusiktheater “Hira Gasy“ aufgeführt. Die Sodina zusammen mit den Trommeln (Amponga) sind bis heute die Grundinstrumente für diese Strassentheater auf der ganzen Insel.

Die üblichen Musikinstrumente wie Mandoline, Flöte und Trommel werden oft bei “Famadihana Festen“ gespielt. Doch immer noch soll der sehr beliebte Klang der Valiha die Ahnen besänftigen. Bei diesen Familienfeiern wurde die europäische Geige zum Soloinstrument, aber auch Blasinstrumente wie die Trompete und das fremde Akkordeon werden immer sehr gerne gespielt. Die Trommel oder “Aponga“ gibt bei den Liedern immer das Tempo an.

Die Musik ist ein wesentlicher Bestandteil im sozialen und kulturellen Leben der madagassischen Dorfgemeinschaft zum Beispiel bei Familien- und Gemeinschaftsfeiern wie Hochzeiten, Beschneidung, Einweihungen usw. sowie bei religiösen und traditionellen Zeremonien wie Messen, Exhumierungen oder dem “Tromba“.

Bei der Sakalava-Bevölkerungsgruppe in der Region von Mahajanga ist das Tromba ein wichtiges Ritual bzw. eine grosse Zeremonie anlässlich der Heilung der Kranken, bei dem es gelegentlich zu Trancezuständen unter den Zuschauern kommt. Bei diesem Kult werden die Vorfahren angerufen und dieses Ritual ist immer begleitet von den Melodien eines Akkordeons, während die Zuschauer in die Hände klatschen.

In den abgelegenen Dörfern bei der Vezo-Volksgruppe an der Südwestküste der Insel basteln die Fischer die Musikinstrumente aus Brettern und alten Metallstücken und mit Nylon-Angelschnüren als Saiten. Sie sind dann sehr stolz auf ihre selbstgemachten Guitarren.

Im Südwesten der Insel treffen sich die Dorfbewohner bei Familienfesten und improvisierter Musik mit den lokalen Instrumenten wie der Marovany (madagassisches Xylophon), dem Antranatrana und dem Korintsana (Rassel oder Percussion). Letzteres gibt das Tempo vor und symbolisiert das Leben und den Lauf der Zeit.

Mai 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Chamäleon in Madagaskar

A 500 – Chamäleon in Madagaskar

Wohl kaum eine andere Echsenfamilie dürfte so bekannt und faszinierend sein wie die Chamäleons. Chamäleons in Madagaskar gehören dabei zu den beeindruckendsten Vertretern dieser Tiergruppe.


Dies liegt vor allem daran, dass sie mit ihrem Aussehen an “Miniatur-Saurier“ erinnern, aber auch an ihren zahllosen einmaligen Besonderheiten, wie dem sehr bekannten Farbwechsel, der Bewaffnung mit einer Schleuderzunge und den enorm beweglichen Augen. Chamäleons gehören zu den Reptilien, die in Madagaskar am häufigsten zu finden sind, so kann die Insel auch als “das Land der unzähligen Chamäleons“ bezeichnet werden, da mehr als die Hälfte aller bekannten Arten hier leben. Chamäleons in Madagaskar sind daher ein zentrales Symbol für die aussergewöhnliche Biodiversität der Insel.

Das Verbreitungsgebiet der Familie der “Chamaeleonidae“ erstreckt sich über das Mittelmeergebiet, Afrika, die arabische Halbinsel, aber vor allem über die Inseln im Indischen Ozean, wie Madagaskar, die Komoren, die Seychellen, Mauritius und La Réunion. Auf der grossen Insel Madagaskar konnten sie aufgrund fehlender Feinde die grösste Artenvielfalt entwickeln. Rund 60% der Chamäleons auf Madagaskar sind endemisch. Auf der Insel leben etwa 60 Arten dieser Echsen, darunter auch die weltweit grössten und die Kleinsten.

Die auf Madagaskar vorkommenden Chamäleon-Arten werden in zwei Unterfamilien eingeteilt: zum einen die “echten Chamäleons“ bzw. die Familie “Chamaeleonindae“ mit der Gattung “Furcifer“ und der Gattung “Calumna“ (diese beiden Arten sind meistens mit bunten Farben vertreten) und zum anderen die Erdchamäleons oder die Stummelschwanzchamäleons, die zu der Familie der “Brookesiinae“ gehören. Diese kleinen Braunen leben versteckt in der Laub- und Krautschicht der Regenwälder.

Im Jahr 2007 entdeckten Wissenschaftler die kleinste Chamäleonart der Welt: Brookesia micra hat eine Körperlänge von nur 16 Millimetern und mit dem Schwanz eingerechnet sind es knapp 3 Zentimeter. Diese Reptilienart lebt in der trockenen Laubstreu der Wälder und ernährt sich von winzigen Insekten und Milben. Im Gegensatz zu den anderen Chamäleons ist der Schwanz der Brookesia kurz und kann nicht aufgerollt werden. Aus Angst vor ihren Feinden verbringen die Tiere den Tag vorwiegend in der Laubstreu auf dem nassen Boden und bei Einbruch der Dunkelheit erklettern sie dünne Zweige zum Schlafen.

Auch die “Brookesia minima“ gehören zu den kleinen Brookesia-Arten. Sie haben eine Gesamtkörperlänge von nur 34 Millimetern. Die Grundfärbung besteht aus verschiedenen Beige-Braun- oder Grüntönen. Sie bewohnen die Laubschicht der Restprimärregenwälder im Lokobe-Reservat auf der Insel Nosy Be, nordwestlich von Madagaskar.

Die “Furcifer oustaleti“ und die “Calumnia parsonii“ gehören mit über 70 cm Länge zu den grössten Chamäleon-Arten in Madagaskar. Sie leben im Geäst von Büschen und Bäumen und nutzen ihren langen Greifschwanz geschickt als Kletterhilfe. Diese beiden Arten sind häufig zu finden, denn sie bewohnen die offenen Savannenlandschaften, aber auch die lichten Wälder der warmen Regionen im Süden, Westen und Norden Madagaskars. Diese Chamäleonarten haben schöne, auffallende Farben, die Männchen verfügen über eine Tarnfärbung aus grauen und braunen Farbtönen, die Weibchen sind etwas farbenfroher mit gelben grünen und roten Farbtönen.

Es könnte kein treffenderer Name für diese Echsenfamilie gefunden werden, denn sie werden auch als “Löwe der Erde“ bezeichnet, “chamai“ bedeutet “auf der Erde“ und “Leon“ heisst “Löwe“. Im Laufe der Zeit haben sie sich an das Leben auf kleinen Gebüschen und Bäumen angepasst, ihre Hinterbeine haben sich zu Greifzangen umgeformt und zwei oder drei Zehen sind in einer Weise miteinander verwachsen, dass diese Reptilien die Äste fest und sicher umgreifen können. Zudem haben sie einen einrollbaren, muskulösen Greifschwanz, der – wie auch die Zunge – oft länger als der eigentliche Körper ist. Die Männchen (seltener die Weibchen) vieler Arten haben auffällige Körperstrukturen wie Nasenfortsätze, Hautlappen am Hinterkopf, “Helme“ auf dem Kopf oder an der Kehle.

Besonders faszinierend und einmalig sind die voneinander unabhängig beweglichen und grossen Augen, die weit aus dem Kopf herausragen. Das Sehfeld jedes Auges beträgt etwa 180° horizontal und 90° vertikal, was den Tieren einen Rundumblick ermöglicht. Die beiden Augen können sich unabhängig voneinander bewegen und auf diese Weise können die Chamäleons ihre gesamte Umgebung und besonders ihre Beute (Heuschrecken, Fliegen Insekten usw.) im Auge behalten, ohne den Kopf zu drehen und ohne durch Kopfbewegungen ihre eigenen Standorte zu verraten. Auf diese Weise behalten sie den Überblick auf ihre Beute. Dieses Verhalten ist sehr wichtig, denn das Leben im Geäst und in den lichten Wäldern ist sehr gefährlich, da die Chamäleons bei vielen Vogelarten, besonders bei den grossen Raubvögeln, auf dem Speisezettel stehen. Neben den Vögeln gehören auch die Schlangen zu den gefährlichen Fressfeinden dieser Reptilien. Tarnung durch Färbung und Verhalten ist für Chamäleons also lebenswichtig.

Die nächste Anpassung an diesen Lebensraum stellt die Schleuderzunge dar. Wenn das Chamäleon sein Beutetier sieht, schleicht er sich unmerklich und im Schneckentempo an und schiesst seine lange und klebrige Zunge gegen die Beute und kann sie so fangen. Die erfolgreiche Jagd spielt sich im Bruchteil einer Sekunde ab, sodass sie für das menschliche Auge kaum zu verfolgen ist.

Alle Chamäleons sind tagaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Insekten, wie Heuschrecken und anderen Kleintieren. Auf Beutejagd bewegen sie sich mit pendelnden Bewegungen, die dem Schwanken eines Blattes sehr ähnlich sind und so können sie sich hervorragend vor ihren gefährlichen Feinden wie den Raubvögeln oder Raubtieren schützen. Sie sind sehr scheu und bei Annäherung eines Menschen drehen sie sich auf die andere Seite des Astes, um nicht aufzufallen und sie aktivieren gleichzeitig ihre Tarnfärbung.

Diese “Meister der Tarnung“ verbringen ihren Tag als “Lauerjäger“ auf ihrem Lieblingsast. Trotz auffallender Färbung gehört aber schon etwas Übung und Glück dazu, Chamäleons in der freien Natur auszumachen. Sie können sich schnell ihrer natürlichen Umgebung anpassen, so dass es nur selten oder nur dem geübten Augen gelingt, die Chamäleons im Laub und Geäst und die Brookesia am Boden zwischen den faulenden braunen Blättern auszumachen. Diese hervorragend getarnten Reptilien sieht man meistens nachts im Schein der Taschenlampe. Aber die geübten Augen der Lokalführer in den Reservaten und Parks können sie auch problemlos tagsüber entdecken.

Sieht man die prächtigen Chamäleons, müsste man meinen, dass diese Tiere überall sofort auffallen. Dies ist aber nicht der Fall. Ihre bunte Färbung sorgt für eine perfekte Auflösung der Konturen im Habitat. Der Farbwechsel dient nicht nur der Anpassung an die Umgebung, sondern die Chamäleons drücken auf diese Weise auch ihre Stimmung aus. Je nach Erregungszustand (Wohlbefinden, Krankheit, Angst usw.…) können sie schnell ihre Farben wechseln, bei Stress werden sie meistens dunkel. Diese Färbung hat auch eine weitere wichtige Bedeutung und zwar als “optische Sprache“, denn sie können ihre Färbung innerhalb von Sekunden stark abdunkeln, wenn sie sich ärgern, wenn beispielsweise zwei Einzelgänger sich zufällig begegnen. Die Erdchamäleons bzw. die Brookesia sind nicht zum Farbwechsel befähigt, sie zeigen den ganzen Tag eine dunkle, matte Färbung, meistens dunkelbraun wie die getrockneten Blätter.

Wie oben beschrieben besitzen die Chamäleons die Fähigkeiten, die beiden Augen unabhängig voneinander nach hinten, seitlich und nach vorne zu richten. Diese einmaligen Eigenschaften betrachten die Madagassen als Symbol für die Eigenheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So gibt es ein madagassisches Sprichwort: „Machen Sie es wie das Chamäleon, mit einem Auge in die Vergangenheit blicken und mit dem anderen Auge in die Zukunft schauen“.

Die Chamäleons tarnen sich auch durch die Art ihrer Fortbewegung, sie setzen bedächtig einen Fuss vor den anderen und schaukeln vor und zurück wie die Bewegung der Blätter im Wind, dieses sogenannte Windschaukeln lässt sich besonders gut beobachten, wenn die Tiere eine Strasse oder Piste langsam überqueren. Sprichwörtlich ist das Chamäleon ein Begriff für eine “positive“ Personen geworden, die es versteht, sich in der Gesellschaft immer gut anzupassen.

Auch in der Mythologie und in den Legenden der Madagassen spielen diese Reptilien eine bedeutende Rolle. So gelten sie in einigen Regionen als Glücksbringer und in anderen Gegenden betrachten die Einheimischen sie als Unglücksboten, bei einer Volksgruppe sieht man in ihnen der Sitz der Seelen der Verstorbenen.

Wer Chamäleons oder andere Reptilien in der Natur beobachten möchte, dem sei ein Besuch in einem Regenwaldreservat und Nationalpark wie Andasibe oder Ranomafana empfohlen. Hier sind viele Reptilienarten vertreten, darunter die bizarren Plattschwanzgeckos (Gattung Uroplatus), die hellgrünen Tagesgeckos (Gattung Phelsuma), einige Arten Chamäleons wie der Calumna brevicornis. Die geübten Augen der Lokalführer erkennen diese Chamäleons auch nachts mit einer starken Taschenlampe, wenn sie schlafend auf kleinen Ästen sitzen. Chamäleons in Madagaskar lassen sich mit etwas Geduld besonders gut in solchen Schutzgebieten entdecken.

Grosse Chancen, Chamäleons zu finden hat man auch auf der Parfüminsel Nosy Be. Die Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) mit den schönen türkisgrünen leuchtenden Farben suchen gerne ihre Beute auf den Ylang Ylang-Bäumen. Die Weibchen dieser Arten sind kleiner und unscheinbarer und zeigen sich oft in grauen oder orangeroten Farbtönen. Trotz grosser Fortschritte in den letzten Jahren ist anzunehmen, dass noch neue Chamäleonarten von den Wissenschaftlern und Biologen in den Urwäldern, Bergen und Savannenlandschaft auf ihre Entdeckung warten.

Juni 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ampanihy

2420 – Ampanihy

Das Kleinstädtchen Ampanihy liegt knapp 300 Kilometer von der Hafenstadt Tulear entfernt.

 

Der Landweg auf der Nationalstrasse Nr 10 ab der Abzweigung Andranovory bis Ampanihy ist überwiegend eine schlechte Piste mit Schlaglöchern. Belohnt werden die Strapazen aber durch eine ursprüngliche und einzigartige Vegetation im extremen südwestlichen Teil Madagaskars.

 In dieser Zone im Südwesten von Madagaskar leben drei verschiedene Bevölkerungsgruppen. Zuerst die „Mahafaly“-Ethnie oder die „Glücklichen“, dann die „Antanosy“, wörtlich übersetzt „die von der Insel“ und letztendlich die „Antandroy“ (die „Dornenmenschen“).

Diese drei Volksgruppen leiden unter der Trockenheit fast das ganze Jahr durch, besonders während der extremen Dürrezeit zwischen August bis November. Während dieser Periode müssen die Leute oft ihre Siedlungen verlassen, um in anderen Gebieten nach Wasser und Nahrungsmitteln zu suchen.

Die Landschaft besteht aus Dornenbusch mit Euphorbien, Aloen und Opuntien, teilweise ziehen sich weite Grassavannen bis zum Horizont. Nur hier und dort wirken grosse Tamarindenbäume und spektakuläre Baobabs wie Stecknadeln in der Landschaft.

Zwischen dem Verwaltungszentrum Betioky („wo es sehr windig ist“) und dem grossen Dorf Ejeda befinden sich die eindrucksvollen Grabstätten der Mahafaly-Volksgruppe. Diese Ethnie ist für ihre auffallende Grabmalkunst mit den geschnitzten Grabstelen („Aloalo“) und Holzfiguren sehr bekannt. Die „Aloalo“ sind kunstvoll geschnitzte Holzfiguren und Pfähle, die die Gräber der im Süden lebenden Volkstämme schmücken und das Leben der Verstorbenen darstellen.

Bei der Zeremonie einer Beerdigung werden viele Zebus zu Ehren des Verstorbenen geopfert und die Hörner der geschlachteten Tiere werden auf das Steingrab gelegt. Diese Dekoration zeigt den Reichtum, das Ansehen und den Status des Verstorbenen.

Bei der Weiterfahrt auf der RN 10 erreicht man das heutige Etappenziel Ampanihy („wo es viele Fledermäuse gibt“). Während der Autofahrt fällt die karge Buschlandschaft dieser Region auf. Auch hier leiden die meist sehr armen Landbewohner unter Trockenheit und Mangelernährung.

Ampanihy liegt auf 275 m ü. M. inmitten einer flachen, buschbestandenen Landschaft. Die Umgebung lässt etwas Landwirtschaft zu und insbesondere auch Viehhaltung. So war die Zone um Ampanihy immer mehr bevölkert als der Küstenstreifen. Dort, in Androka, erstellten die Kolonialfranzosen 1901 einen Militärposten und gleichzeitig das Zentrum für den Verwaltungskreis Mahafaly. Doch wenige Jahre später wurde die Verwaltung nach Ampanihy verlegt. Das damalige Dorf Androka ist heute verschwunden und das neue Dorf Androka am Trockenfluss Linta ist eine unbedeutende Siedlung, deren Bevölkerung von Fischfang, etwas Landwirtschaft und Viehhaltung nur knapp überlebt.

Ampanihy hingegen entwickelte sich zum Regionalzentrum einer Bevölkerung, die von extensiver Viehzucht lebt und auf kleinen Äckern trockenheitsresistente Pflanzen anbaut. Dazu gehören Maniok, Süsskartoffeln und Mais, zudem Linsen, Niébé (Augenbohnen) und Bambara-Erdnüsse.

Bekannt ist Ampanihy durch die Halbedelsteinminen ausserhalb des Dorfes. Weit berühmter hingegen ist Ampanihy für die Verarbeitung der Mohair-Wolle zu Teppichen. Dieses Handwerk ist Segen und Stolz der hier lebenden Menschen. Aus der schönen, weichen Wolle der hier gezüchteten langhaarigen Ziegen werden sorgfältig sehr begehrte Teppiche gewebt.

Einzelne Exemplare der Ziegenrasse Angora wurden bereits 1897 in Madagaskar eingeführt. Doch erst ein französischer Kolonialveterinär initiierte den 1930er Jahren den erneuten Import von Mohair-Ziegen. Aus der kleinen Herde aus Namibia und Kenya entwickelte sich eine Züchtung, die in den ariden Zonen um Ampanihy überleben konnte. Zu den besten Zeiten weideten um die 200‘000 Mohair-Ziegen in den Regionen von Ampanihy, Edjeda und Betioky. Ampanihy wurde zum Mohair-Zentrum durch die jährlich stattfindende Mohair-Leistungsschau. Die Produktion der Wolle wurde zur Haupteinnahmequelle vieler Antanosy- und Antandroy-Ziegenzüchter. In Ampanihy entwickelte sich eine Familientradition des Teppichknüpfens, die zu Spitzenjahren bis 15 Tonnen Wolle verarbeitete. Mohair-Teppiche wurden zum Luxusprodukt und sicherten Dutzenden Weberinnen ein Einkommen.

Die Wolle wird mit reinen Pflanzenfarben gefärbt, z.B. aus den roten Aloeblüten. Die pflanzliche Farbe stammt von einem lokalen Baum namens „Tanga“, zugemischt werden Pflanzensäfte von Sukkulenten, die endemisch in dieser Region sind. Die Herstellung dieser handgeknüpften Webteppiche dauert Wochen bis Monate, je nach Grösse der Bestellungen.

Heutzutage werden nach wie vor Teppiche in Ampanihy geknüpft. Von Hand und auf vertikalen Webstühlen. Doch die Angora-Ziegenrasse ist kaum mehr rein, es werden zuweilen andere Materialien eingeknüpft und der Trend zum Teppich hat generell abgenommen. Zudem ist die früher treibende Kraft, eine Coopérative namens „maison de Mohair“ seit langer Zeit en panne. Die verbleibenden Produzentinnen versuchen, ihre Teppiche mit modernen Mustern attraktiver zu machen. Andere verbleiben bei den traditionellen “Aloalo”-Stelen, weil sie an eine Kundschaft glauben, die typisch und regionale Kultur schätzt.

Heute erinnert in Ampanihy noch ein Restaurant namens „Angora“ an die grosse Zeit der Ziegenwolle. Es ist das einzige Restaurant am Ort. Das früher weit bekanntere „Relais d’Ampanihy“ ist zerfallen. Im Schatten seiner Ruinen liegen Ziegen.

August, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo

Umgebung von Antananarivo

1011 – Umgebung von Antananarivo

Die Hauptstadt Antananarivo, kurz Tana genannt, ist ein guter Ausgangspunkt für viele interessante Tagesausflüge in die Vororte.


Die Stadt ist von 12 Königshügeln des Merina-Volkstammes wie der Rova von Ambohimanga und Ambohidratrimo umgeben. Östlich der Hauptstadt auf der RN 2 ist der Besuch des Mandraka Parks und des Exotik Parks in Marozevo sehr lohnenswert. Auch ein Tagesausflug zum privaten Lemurs Park westlich der Hauptstadt steht oft auf dem Reiseprogramm von Tierliebhabern.

Die Rova von Ambohimanga, die ehemalige Sommerresidenz der Könige, liegt 21 km nordöstlich vom Stadtzentrum und steht inzwischen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Schon allein der dortige Ausblick auf die Ebene von Antananarivo lohnt sich für einen Abstecher. Das Königreich war damals mit dichtem Urwald und üppiger Vegetation bedeckt, darum der Name Ambohimanga oder “der Blaue Hügel“. Blau gilt bei den Madagassen auch als die Farbe der Schönheit.

Markenzeichen der Rova von Ambohimanga ist das Stadttor mit der mannshohen und schweren Steinscheibe, die jeden Abend von vielen kräftigen Wächtern vor das Tor gerollt wurde. Zwei der sieben glatt geschliffenen Steinplatten sind noch erhalten und gehören zu den Sehenswürdigkeiten dieses heiligen Ortes.

Die dicke und hohe Festungsmauer rund um den Palast wurde aus Lehm gebaut. Eingemischte Eier machten den Lehm hart wie Beton. Das Wohnhaus des Königs, das Sommerschloss der Königinnen, der Opferplatz sowie die Badebecken sind gut erhalten und teilweise auch restauriert. Wenn die Besucher über die imposante Treppe emporsteigen, kommen sie an einem majestätischen Feigenbaum vor dem Eingang der Rova vorbei. Dieser Baum ist ein stummer Zeuge der grandiosen Festlichkeiten, die zu royalen Zeiten vor zweihundert Jahren auf dem Versammlungsplatz stattfanden. Vom Aussichtspunkt aus geniesst man eine wunderschöne und grandiose Aussicht auf die umliegende Landschaft mit den Lehmziegelbauten und den typischen braunroten Hochlandhäusern. Es lässt sich leicht nachvollziehen, warum die Könige im 16. Jahrhundert diesen herrlichen Platz als Zentrum ihres Reiches auswählten.

Der Besuch des privaten Lemurenreservates Lemurs‘ Park, 22 km westlich des Stadtzentrums an der Nationalstrasse Nummer 1 Richtung Ampefy, ist ebenfalls einen Besuch wert. Diese private Naturanlage von rund 5 ha Grösse liegt am Katsaoka-Fluss und gehört zu den beliebten Ausflugsorten ausserhalb der Stadt, sowohl für Reisende als auch für Madagassen. Die Lemuren sind die bekanntesten Vertreter der madagassischen Tierwelt. Einige Arten wie die tagaktiven Varis (Varecia), die Bambuslemuren, Larvensifakas, die Kattas und andere Lemurenarten werden hier gezüchtet. Sie tummeln sich im Freien auf dem grossen Gelände. Der Plan ist, den Nachwuchs dieser Lemuren wieder in seine natürliche Umgebung oder in Nationalparks auszuwildern. Auch einige Reptilien wie die schön gezeichneten Strahlschildkröten und endemische (nicht giftige) Würgeschlangen sind hier ebenfalls zu finden.

Der Park nimmt auch an Wiederaufforstungen des Waldes teil und  pflanzt regelmässig endemische Baumarten zur Erhaltung der Natur. Eine Wanderung durch das Gelände dieses privaten Reservats ergibt einen schönen Überblick über die Vielfalt der Pflanzenwelt Madagaskars. Hier wachsen auch vielfältige Sukkulentenpflanzen wie Miniaturausgaben der endemischen Baobabs. Dazu gehören die Pachypodien oder „die Dickfusspflanzen“, die Euphorbien oder Wolfsmilchgewächse, die Kalanchoe oder die Dickblattgewächse und die Aloen.

Lemurs’s Park engagiert sich auch in pädagogischer Hinsicht, denn die lokalen Führer geben den Schülern in öffentlichen und privaten Grund- und Realschulen Naturkundeunterricht. Dabei sensibilisieren sie die Kinder für die Bedeutung des Naturschutzes in Madagaskar.

Ein interessantes Ausflugsziel für naturinteressierte Reisende ist der schöne Naherholungsort und Freizeitpark „Mandraka Park“ an der Grenze zwischen dem Hochland und dem östlichen Regenwald. Dieser private Park, gegründet im Jahre 2000, liegt rund 60 km von der Hauptstadt entfernt am Mangoro-Fluss. Auf rund 100 ha Fläche finden sich abwechslungsreiche Angebote wie Kletterpark, Seilbahnen und natürlich verschiedene Wanderwege durch die hügeligen Regionen. Der ursprüngliche dichte Urwald ist hier einer sekundären Vegetation aus verschiedenen fremden und endemischen Bäumen gewichen. Geboten werden auch Unterkunftsmöglichkeiten mit Restaurant und Campingplatz.

Der Exotic Park in Marozevo, rund 10 km weiter, ist ein wichtiger Zwischenstopp für Biologen und Tierliebhaber. Der französische Forscher und Biologe Andre Peyrieras gründete diesen Park ursprünglich als Schmetterlings- und Nachtfalterpark. Heute bietet dieser private Park den Besuchern eine gute Gelegenheit, die Vielfalt der madagassischen Reptilien wie Geckos, Chamäleons, Eidechsen, Schlangen und Krokodile, aber auch einige Exemplare der endemischen Amphibien- und Insektenwelt kennen zu lernen.

Nordwestlich des Stadtzentrums auf der Nationalstrasse Nummer 4 liegt der heilige Hügel von Ambohidratrimo, wörtlich übersetzt bedeutet dies „der Hügel von Ratrimo“. Dieser war ein berühmter und geschätzter König des Merina-Landes. Ein Ausflug zu diesem Vorort auf rund 1352 m über dem Meeresspiegel ist lohnenswert. Heutige Besucher schätzen die herrliche Aussicht über den Norden der Hauptstadt, über die umgebenden grünen Reisfelder und die weiten Ebenen rund um das Stadtzentrum. Madagassische Besucher kommen eher in Ehrfurcht und um den Ahnen zu opfern. Eine Steinstele gilt als Heilmittel für unfruchtbare Frauen.

Die aus Holz erbauten Häuschen, in denen auch eine Wahrsagerin wohnte, sind vor vielen Jahren zwar Opfer von Brandstiftung geworden. Doch der Lokalführer erzählt gern von den geschichtsträchtigen Grabstätten der Könige im Hochland im 18. und 19. Jahrhundert. Hier auf dem Hügel von Ambohidratrimo lebte die erste Frau des berühmten Merina-Königs Andrianampoinimerina. Sie war auch die zukünftige Mutter seines Sohnes Radama I.

Dieser Ort gilt noch heute als heilig und hat immer noch eine sehr starke spirituelle Bedeutung für die Madagassen. Reste von Tierblut, Honig, Rum und Wachs, die für animistische Opferriten verwendet wurden, sind noch zu sehen und es ist „fady“ (tabu), Schweinfleisch und Zwiebeln mitzubringen.

Ein Tagesausflug nach Talata Volonondry, 20 km nördlich von Antananarivo, geht über eine typische Hochland-Landschaft mit sanften Hügeln und Reisefeldern in den Tälern. Die Kleinstadt Talata Volonondry ist landesweit bekannt für ihre madagassische Kuchenspezialität: „Koba Ravina“: dies ist ein Kuchen aus Reismehl, gefüllt mit gesüssten Erdnüssen. Dieser geschmackintensive und sehr nahrhafte Snack wird mit Bananenblättern umwickelt. Am besten schmeckt dieser Kuchen lauwarm und wird auch auf der Insel als Dessert serviert. Diese Kuchen sehen aus wie lange Brotlaibe und sind von brauner Farbe. Sie werden auf kleinen Verkaufstischen angeboten, wobei der Verkäufer für den Kunden jeweils – wie bei Brot – eine Scheibe abschneidet und auf einem Stück Zeitungspapier serviert.

Der Markttag findet hier jeden Dienstag statt (talata bedeutet auf madagassisch dienstags), daraus ist der Name Talata Volonondry entstanden. Dieses grosse Dorf ist auch sehr bekannt für die Herstellung der selbstgemachten Würste aus Schweinefleisch gemischt mit Kartoffeln. Die Ausflügler aus Antananarivo fahren sehr gern hierher, um die frischen landwirtschaftlichen Produkte des Landes einzukaufen.

Die Stadt Antananarivo liegt im Zentrum eines royalen Netzes, das aus ehemaligen Merina-Fürstentümern (oder Königstümern) besteht. Jedes dieser früheren Machtzentren wurde vor etwas über 200 Jahren vom dominanten König Andrianampoinimerina aufgesogen und in sein expandierendes Reich integriert. Seit er sich auf dem Hügel Analamanga (heutiges Antananarivo) niedergelassen hatte, wurde dieser Hügel zum dominanten Punkt, quasi zum Zentrum der Merina-Welt. Und das ist Antananarivo ja heute noch.

Die zwölf heiligen Hügel in und rund um Antananarivo sind heute noch von historischer und kultureller Bedeutung für die Hochlandbewohner der Merina.

  1. Der Hügel von Analamanga (oder der blaue Wald). Er wird gekrönt vom Königspalast von Antananarivo, der auf dem höchsten Hügel der Stadt thront (ca.1‘430 m ü. M.). Dieser steinerne Bau mit seinen vier Türmen wurde vom französischen Architekt Jean Laborde im Jahre 1838/39 im Auftrag der Königin Ranavalona I errichtet.
  2. Der Hügel von Ambohimanga (oder der blaue Hügel). Diese Sommerresidenz der ehemaligen Könige und Königinnen wurde nördlich von Analamanga (Antananarivo) eirichtet. Das originale Eingangstor gebaut mit einem riesigen rundlichen Stein steht immer noch am Fuss des Hügels. Heute steht der Königspalst unter dem Schutz der UNESCO und wurde 2001 zum Weltkulturerbe erklärt. Hier befand sich das ursprüngliche Machtzentrum von Andrianampoinimeria, einem Zeitgenossen von Napoleon.
  3. Der Hügel von Ilafy oder Ambohitrakanga (der Hügel mit Perlhühnern) ist die einstige Residenz von König Radama II. In dem kleinen Museum stehen noch ein paar Exemplare der Gegenstände des alltäglichen Lebens während der Königszeit. Hier stand damals auch die erste madagassische Waffenfabrik für die Adligen.
  4. Der Hügel von Ambohidratrimo (Hügel vom König Ratrimo) liegt an der Abzweigung der Nationalstrasse 4 Richtung Mahajanga. Auf diesem Hügel stehen immer noch ein paar Königsgräber. Allein der atemberaubende Panoramablick rund um die Hauptstadt lohnt einen Abstecher.
  5. Der Hügel von Antsahadinta liegt 17 km südwestlich der Hauptstadt. Hier befinden sich auch ein paar Königsgräber und ein kleines Museum. Die Täler rund um diesen Hügel waren damals mit dichtem Wald bewachsen, auch mit vielen Blutegeln. Daraus entstand der Name “im Tal der Blutegel”.
  6. Der Hügel von Alasora (der Wald mit Igel) liegt im Südosten von Analamanga und gilt als das älteste Dorf im Merina-Königreich. Die schönen Verteidigungsgräben rund um die Stadt sowie das grosse Tor mit den Steinscheiben gehören zu den historischen Sehenswürdigkeiten. Hier fanden während der Königszeit das erste Zebuopfer und das damit verbundene traditionelle Gemeinschaftsessen statt.
  7. Der Hügel von Ambohitrabiby (der Hügel von Rabiby) liegt rund 20 km nördlich von Antananarivo auf der Nationalstrasse Nr 3 Richtung Anjozorobe. Rabiby war ein berühmter Schamane und Astrologe in diesem Dorf. In diesem Imerina-Königreich herrschte gegen 1600 der König Ralambo, dieser erlaubte in seinem Königreich den Verzehr von Rindfleisch erstmals als „legal‘.
  8. Der Hügel von Antongona liegt auf die Nationalstrasse Nr 1 Richtung Ampefy. Eine kurze Wanderung über die Felsen und ein spiralförmiger Pfad führen zu den gut erhaltenen Befestigungsanlagen. Oben stehen die beiden eindrucksvollen Zwillingsfelsen und die beiden Wohnhäuser (auch als kleines Museum), die heute die „Rova“ darstellen. Sie wurden in der Nähe der Königsgräber errichtet.
  9. Der Hügel von Kaloy ist der Geburtsort der beiden legendären Könige Andrianampoinimerina und Ralambo. Eine Schotterpiste führt vom grossen Dorf Talata Volonondry rund 18 km zum Dorf Ambohimanga. Der Hügel erhebt sich auf etwa 1‘600 Meter über dem Meeresspiegel.
  10. Der Hügel von Ambohimanambola (wörtlich übersetzt das Dorf mit Schätzen). In diesem Dorf hat der König Andrianampoinimerina seine von Zauberern und Schamanen hergestellten Hilfsmittel und Reliquien der Königsfamilie (genannt Kelimalaza) aufbewahrt. Diese wurden in einer Schachtel zusammen mit seinen wertvollen Juwelen und Geldmünzen gut versteckt.
  11. Der Hügel von Ampandrana. Bei der Merina-Bevölkerungsgruppe gab damals drei Kastensysteme mit den Andriana oder den Adligen (Nachfahren der Könige), den Hova oder Bürgerlichen bzw. den freien Männern und den Andevo (Sklaven). In dieser Region von Ampandrana durften damals die ersten Hova-Könige herrschen.
  12. Der Hügel von Ambohimalaza wurde ebenfalls vom berühmten König Ralambo genutzt. Hier fand damals jedes Jahr das königliche Bad oder „fandroana“ statt. In diesem Dorf wurde auch das erste Viehopfer dargebracht.

August 2021, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo