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Ambositra und die Zafimaniry

2110 – Ambositra und die Zafimaniry Ethnien

Ambositra liegt etwa 1’280 m über dem Meeresspiegel im zentralen Hochland und ist 260 km von der Hauptstadt Antananarivo entfernt.


In fast allen Regionen Madagaskars hat das Zebu eine kulturelle und eine wirtschaftliche Bedeutung. Aber besonders bei der Betsileo-Volksgruppe ist das Buckelrind Symbol für Reichtum, Tüchtigkeit und Wagemut, auch eine Versicherung gegen Hunger oder Notzeiten. Lohnenswert ist es, einen Abstecher zu den Zafimaniry-Dörfern zu machen, denn ihre Häuser aus Edelhölzern mit den verschiedenen Ornamenten sind einmalig.

Ambositra bedeutet wörtlich übersetzt “wo es viele Rinder gibt, oder wo die Zebus kastriert sind“. Die Insel Madagaskar gehört zu den viehreichsten Ländern im afrikanischen Raum und hier im Betsileo-Land hat die Kultur der Zebuhaltung einen spürbaren Zusammenhang mit der Rinderzucht auf dem nahen afrikanischen Kontinent. Das Zebu wird als Buckelrind bezeichnet (Bos taurus inidicus) (auf madagassisch “omby“) und ist von den ostafrikanischen Einwanderern bzw. den Bantu-Leuten vor vielen Jahrhunderten nach Madagaskar eingeführt worden. Noch heute stammen die Bezeichnungen für Fellfarbe, Hörnerstellung und Tierhaltung aus Wörtern der Bantusprachen. Eine andere Legende erzählt, dass die madagassischen Zebus von den “heiligen Kühen“ aus Indien abstammen.

Das Zebu ist das wichtigste Tier aller Volksgruppen in Madagaskar. Die frei weidenden Zebus gehören zum typischen Landschaftsbild überall auf der Insel. Fast jeder Bauer in ganz Madagaskar hält sich ein paar Buckelrinder. Die Viehzucht spielt wirklich eine unverzichtbare Rolle im Alltagsleben. Die Tiere dienen in erster Linie als Freund der Menschen, auch als wichtiges Arbeitstier. Als Zugtiere für die mühsame Ackerbestellung müssen sie die schwere Arbeit auf dem Reisfeld verrichten: den Pflug, die Egge, die schweren Zebukarren ziehen oder die Reisfelder weich stampfen. Die Karren sind die üblichen und praktischen Transportmittel zwischen den abgelegenen Dörfern mit Schotterpisten. Sie transportieren das ganze Jahr über Ernte, Viehfutter, Dünger oder die verschiedenen Produkte und Lebensmittel zum Dorf oder zum Markt. Sie sind sogar Transportmittel für die Familienangehörigen oder für die Kranken in den entlegenen Dörfern, denn die Taxi Brousse fahren nicht überall hin.

Das Rind ist zweifellos auch der Mittelpunkt der madagassischen Kultur in vielen Regionen. Besonders im Süden Madagaskars ist das Zebu ein Symbol des Wohlstandes. Je grösser die Herde ist, desto höher ist das Ansehen der Familie. Die Anzahl der Tiere zählt in erster Linie für die Madagassen, erst in zweiter Linie kommen die Rasse der Zebus, ihre Grösse, ihre Farben, ihre Höckerform und natürlich auch ihre Zeichnungen. Für die soziale Verbindung dient das Zebu in der Region von Tulear als Brautgeld. So wie bei den Massai-Hirten in den ostafrikanischen Ländern, sind die Zebus in Madagaskar auch ein bevorzugtes Opfertier für bestimmte Anlässe: bei der Grundsteinlegung eines Neubaus oder einer Grabstätte, bei einer Hochzeit, bei der Beerdigung, beim Famadihana-Fest (Totenfest). Das damit verbundene Gemeinschaftsmahl gehört zu Sitte und Brauch bei diesen Familienzeremonien. Die Zebus werden dann als Opfer geschlachtet und ihr Blut verbindet die Lebenden mit den verstorbenen Vorfahren.


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Im Süden Madagaskars beim Bara Volkstamm war es traditionellerweise üblich, dass ein junger Mann erst heiratsfähig war, wenn er es schaffte, ein paar Zebus zu stehlen. Diese Sitte wurde dann als eine Kraftprobe bezeichnet, denn für diesen Volkstamm galt: “ein Mann ohne Herde ist kein Mann“. Diese Tradition wird heute nicht mehr praktiziert, denn dieser Brauch führte damals zu massivem Viehdiebstahl und wurde zu einem nationalen Problem.

Das Zebu ist natürlich ein wichtiger Fleischlieferant, doch es ist hier in Madagaskar nur ein schwacher Milchproduzent im Vergleich zu den europäischen Kühen. Die grossen Viehherden im Süden und im Westen beliefern die Hauptstadt, aber auch ganz Madagaskar mit Fleisch. Herden von mehreren hundert Tieren bewegen sich wochenlang vom Süden bis ins Hochland. Heute wird der Transport meist durch Lastwagentransporte abgelöst. Das Fleisch der frei laufenden Zebus schmeckt ausgezeichnet und wird zum Teil von der Nachbarinsel Mauritius und den Komoren importiert. Das Zebufleisch ist der Hauptbestandteil für das typische madagassische Nationalgericht „Romazava“. Es geht hier um einen beliebten Eintopf gemischt mit verschiedenem Grünzeug (Wasserkresse, Chinakohl usw.) in öliger Sauce mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer. Ein Gaumenschmaus für Feinschmecker! Anderswo wird das Fell der Zebus zu Leder verarbeitet oder als Rohmaterial verkauft. Aus den Hörnern werden Schmuck oder Gebrauchsgegenstände hergestellt.

Die Betsileo-Volksgruppen in der Umgebung von Ambositra und im südlichen Hochland praktizieren auch heute noch “das Savika“, auf Deutsch „Stierkampf“. Es handelt sich hier um ein Ritual des “Mannwerdens“: eine gefährliche Mutprobe für die jungen Männer. Mit blossen Händen versuchen sie die stürmischen Stiere zu zähmen. Sie schlingen sich um den Hals oder auf den Buckel der Zeburinder, halten sich dort eine Zeit lang fest oder lassen sich mitschleifen. Wem dies gelingt, der gewinnt die feurigen Blicke der zuschauenden Mädels, denn Zebu symbolisieren bei diesem populären Volksfest Kraft, Stärke und vor allem Mut. Schliesslich bedeutet “Betsileo“ wörtlich“ zu zahlreich, um besiegt zu werden“ oder“ die Unbesiegbaren“. Diese Ethnie stammt so wie die Merina-Volksgruppe aus dem malaiisch-indonesischen Raum, dies ist erkennbar an ihrem glatten Haar und ihren asiatischen Gesichtszügen und sicherlich haben sie die Art des Reisanbaus von ihren Vorfahren mitgebracht.

Die zweite Bedeutung von Betsileo ist“ fleissig“. Zeugen davon sind die riesigen Reisterrassen auf perfekt gestalteten Etagen an den Hängen über den Dörfern. Eine Palette von Grüntönen prägen das Bild der Landschaft zwischen Ambositra und Fianarantsoa. Nicht umsonst werden sie als die “besten Reisbauern“ aller Volksgruppen bezeichnet. Der Reisanbau bestimmt den Lebensrhythmus der gesamten Bevölkerung. Schon über Jahrhunderte haben sie mit ungeheurem Arbeitsaufwand ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem für ihre Terrassenfelder angelegt. Berghänge wurden durch Terrassierungen und Bewässerung in Reisterrassen umgewandelt, Sumpf- und Wasserreis sind dann überall in kleinen Parzellen im Tal zu sehen. Reis ist natürlich auch ein Symbol des Wohlstandes in Madagaskar, wer viel Reis besitzt, hat überall einen hohen sozialen Status, denn der Reis ist teuer und die Reisernte deckt leider nicht für alle den Eigenbedarf für das ganze Jahr.

Ambositra ist eine ruhige kleine Stadt mit einem reichen Samstagsmarkt. An den zahlreichen Verkaufsständen sieht man auf diesem bunten Markt fast alles, was man im Alltag braucht: frisches Gemüse, Früchte in allen Variationen, Kräuter und Medizinpflanzen, Geflügel und Garküchen. Er ist auch ein Treffpunkt für die Bauern, um ihre Landwirtschaftsprodukte zu verkaufen. Die Dorfbewohner in der Umgebung müssen das Dorf kurz nach Sonnenaufgang verlassen, denn gegen Mittag müssen die Käufer und die Verkäufer wieder zu Fuss ins Dorf zurückkehren.

Wer früh nachmittags in Ambositra eintrifft, hat noch genügend Zeit, den sehenswerten Königspalast “Rova Tompon’Anarana“ in Begleitung eines ortskundigen Lokalführer zu besuchen. Dieser ehemalige Sitz des Betsileo-Königs liegt auf einem Hügel etwas ausserhalb der Stadt. Zu Fuss erreicht man dem Rova-Hügel in rund einer Stunde. Unterwegs hat man die Gelegenheit, die traditionell roten Lehmhäuser zu bewundern und den Alltag der Betsileo Bauern kennen zu lernen. Die Hochlandhäuser fügen sich perfekt in die grüne Landschaft ein und bilden einen leuchtenden Kontrast zu den umliegenden grünen Reisterrassen. Die zwei Königshäuser und das Grab des Königs sind interessante Sehenswürdigkeiten. Als Belohnung nach diesem abwechslungsreichen Marsch erhält man auf dem Hügel einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Dörfer und Reisfelder, schöne Fotos sind garantiert.

Ambositra und die Zafimaniry
Der Besuch von Antoetra, dem Zentrum der Holzschnitzkunst des Zafimaniry Stammes südlich von Ambositra erweist sich ebenfalls als interessant. Ausgangspunkt für den Besuch ihrer Siedlungsgebiete ist das Städtchen Ivato Centre auf rund 1’900 m über dem Meeresspiegel. Der Schotterweg über 25 km führt zum kleinen Dorf am Waldrand. Der Ursprung des Zafimaniry Volkstamms ist bis heute unklar. Eine Legende erzählt, dass sie Nachfahren von frühen arabischen Einwanderern sind. Zeugen davon sind ihre Gesichtszüge und ihre Holzschnitzkunst an Fenstern und Türen. Ihre geschmackvollen Holzarbeiten erinnern besonders an arabische und afrikanische Länder. Die zweite Version der mündlichen Überlieferung erzählt, dass sie ursprünglich von der Betsileo-Volksgruppe abstammen, die im 19. Jahrhundert vor der Merina-Königin Ranavalona I in die Wälder flohen, da sie frei sein und nicht als Sklaven arbeiten wollten.

Seit 2003 schafft dieser begabte Volkstamm einzigartige Holzschnitzkunst, eine Tradition, die zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Jedes Dorf hat natürlich seine eigenen Schnitzarbeiten, aber der Stil und die Motive bleiben die Gleichen und diese Handwerkskunst wird von Generation zu Generation weitergegeben. Die gastfreundlichen Zafimaniry zeigen den Besuchern gern ihre raffinierten Kunstwerke und die verschiedenen Handwerksprodukte wie Statuen, Schachfiguren, Kästchen. Auch zahlreiche Gegenstände des täglichen Lebens werden hergestellt wie Löffel, riesige Töpfe, alles aus Holz und manuell verarbeitet. Heutzutage wohnen mehr als zehntausend Zafimaniry-Seelen in den traditionellen Holzhäusern rund um Ambositra.

Ambositra und die Zafimaniry
Sie sind auch bekannt als sehr begabte Architekten, sie bauen merkwürdigerweise ihre Häuser ohne Nägel und Schrauben, alles wird gesteckt und geschickt ineinandergefügt. Ihre Hütten und Häuser werden ausschliesslich aus Natur-, sogar aus Edelholz gebaut. Fenster, Türen und Giebel sind oft mit auffälligen und traditionellen Motiven verziert, Tische und Stühle sind mit orientalischen Ornamenten versehen. Sie holen all ihre Ressourcen aus den tiefen Wäldern heraus: den leckeren wilden Honig, Holz zum Bauen, zum Schnitzen, und zum Heizen, natürlich auch die wertvollen Heilpflanzen gegen die üblichen Krankheiten.

Eine Wandertour durch ein Dorf dieses einzigartigen Volkstamms kann zwar ermüdend sein, aber es ist ein eindrückliches Naturerlebnis und die zahlreichen Begegnungen mit den Zafimanirys gehören zu den unvergesslichen Highlights für die Besucher.

Juli 2021, geschrieben von: Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa – Isalo

2200 – Fianarantsoa – Isalo

Das südliche Hochland intensiv erleben, die Hügelzüge, die terrassierten Reisfelder, die mystischen Gesteinsformationen.


Im südlichen Madagaskar wird uns dies alles beeindrucken, daneben der Besuch der verschiedenen Handwerksstätten wie die Papiermanufaktur, die Seidenweberei, ein Weinkeller. Wir werden von Lemuren, Chamäleons und den freundlichen Hochlandbewohnern begleitet, wenn wir diese südliche Region zwischen Fianarantsoa und Ranohira gemächlich durchreisen und dabei mehr von den Geschichten, den Sitten und der Kultur der Betsileo- und Bara-Volksstämme kennen lernen.

Wir verlassen die Stadt Fianarantsoa mit ihren zahlreichen Treppen und Kirchen. Die Hauptstadt des Betsileo-Landes ist so wie die Hauptstadt Antananarivo auf drei Ebenen erbaut. Wir durchfahren die kurvige Landschaft in ihren Rot-, Grün- und Brauntönen bis zum kleinen, idyllischen Ort Ambalavao. Dieses Kleinstädtchen ist genau 55 km von Fianarantsoa entfernt und markiert den Übergang vom Hochland, das Land mit den kunstvoll terrassierten Reisfeldern und dem Land der nomadisierenden Bara-Volkstämme im Süden. Diese leben hauptsächlich von der Zebuzucht.

Charakteristisch in Ambalavao ist auch die Hochlandarchitektur mit den zweistöckigen Häusern aus Backsteinen mit ihren schön verarbeiteten Balkonen.

Wir besuchen die Papierwerkstatt in der Stadtmitte. Dort wird das schöne und bunte “Blumenpapier“ nach den alten Traditionen der Küstenbewohner oder der Antaimoro-Volksgruppe, die aus einem arabischen Land stammen, manuell angefertigt. Die Rinde des wild wachsenden Maulbeerbaumgewächses “Avoha“ ist der Rohstoff für dieses naturfarbene Papier.

Den interessanten und grossen Mittwochsmarkt in Ambalavao darf man nicht verpassen.

Die Bauern und die Handwerker aus den Nachbardörfern kommen früh am Morgen hierher und bringen ihre Produkte auf den Markt. Die Frauen verarbeiten die Cocons der gezüchteten oder wilden Raupen zu feinen und edlen Seidentüchern “Lamba Landy“. Diese werden als Überwurf auf den Schultern getragen. Mit den roten Leichentüchern oder “Lambamena“ werden die Verstorbenen eingewickelt.

Der Zebumarkt am Stadtrand gehört ebenfalls zu den Attraktionen in diesem kleinen Städtchen. Zahlreiche Zebuzüchter und Hirten von nah und fern treiben ihre fetten Buckelrinder auf den Auktionsplatz, wo die Tiere versteigert werden. Ein buntes Treiben von Hirten, Händlern und Tieren herrscht dann auf dem grossen Markt.

Fianarantsoa – Isalo
Weitere 13 Kilometer südlich von Ambalavao liegt der Anja Park. Es handelt sich hier um ein trockenes Waldgebiet von 8 ha zwischen beeindruckenden Granitfelsen und malerischen Dörfern.

Die Gruppen von Katta-Lemuren, die von Baum zu Baum springen, sind mit ihren langen schwarz-weissen Schwänzen unverkennbar. Grüne Chamäleons, Meister der Tarnung, und viele endemische Vögel lassen sich hier entdecken.


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Östlich von Ambalavao liegt der Nationalpark von Andringitra, der zweithöchste Berg Madagaskars. Von Ambalavao fahren wir auf einer Piste durch das zentrale Hochland bis zum Parkeingang. Mit Hilfe von lokalen Guides und Träger queren wir von Norden nach Süden dieses spektakuläre Bergmassiv.

Die Trekkingtour durch dieses Bergmassiv ist zweifellos bestimmt für Bergliebhaber.  An der Grenze der fleissigen Betsileo als Reisanbauer und den zähen Bara als Zebuzüchter durchwandern wir abgelegene Dörfer und weitläufige Täler, in denen Reis und Maniok angebaut wird. Wir können den höchsten zugänglichen Gipfel Madagaskars erklimmen: der 2568 Meter hohe Pic Boby oder Pic Imarivolanitra (dies bedeutet wörtlich “nahe am Himmel“). Oben bieten sich uns auf 360 Grad atemberaubende Ausblicke als Belohnung für den Aufstieg.

Nach den langen Fussmärschen durch grünen Wald, vorbei an rauschenden Wasserfällen, können wir uns in einem natürlichen Schwimmbad erfrischen. Beim Sonnenuntergang geniessen wir die absolute Ruhe und die Weite. Abends erholen wir uns am Lagerfeuer und geniessen die madagassische Spezialität, die uns unser Guide aus frischen Zutaten zaubert. Vor dem Schlafengehen erzählt er nochmals einiges über die Sitten und Bräuche der verschiedenen Ethnien in Madagaskar.

Fianarantsoa – Isalo
Eine der bemerkenswertesten und eindrucksvollsten Traditionen der Ahnenverehrung auf der ganzen Insel ist das Famadihana-Fest oder die sogenannte “Totenumbettung“ im Hochland, genauer gesagt bei der Merina- und Betsileo-Volksgruppe.

Es geht hier um ein Freudenfest, ein Wiedertreffen mit den Vorfahren. Im Abstand von drei bis fünf Jahren werden während des Südwinters (zwischen Juli und September) die Verstorbenen oder was von ihnen übrig geblieben ist (Knochen oder auch der Staub) aus dem Familiengrab geholt, wieder in ein neues Seidentuch eingewickelt und schliesslich, nach langer Zwiesprache mit den Verstorbenen, wieder ins Grab zurück gelegt, alles von Musikanten und Tanzgruppen begleitet.

Möglich ist auch, dass ein Mitglied der Familie vor ein paar Jahren in einer anderen Region begraben wurde. Bei diesen “Feiern der Leichenwende“ werden dann seine sterblichen Überreste in der Familiengruft mit einem freudvollen und fröhlichen Ereignis bestattet, denn nach der madagassischen wichtigsten Lebensauffassung gehören die Lebenden und die Toten immer zusammen „Velona iray trano, maty iray fasana“ oder „lebend im selben Haus, tot im selben Grab“. Dieser Brauch drückt das Symbol der langen Zusammengehörig­keit der madagassischen Familie aus.

In der traditionellen Vorstellungswelt der Madagassen bleiben sie durch diese Bestattungsriten in Kontakt mit den Ahnen, die Vorfahren werden als Vermittler zwischen Gott und den Lebenden betrachtet und beschützen jahrelang die Nachfahren mit diesem Ahnenkult.

Ähnlich wie beim Begräbnis opfert die Familie mehrere Zebus bei dieser zweiten Bestattung. Eingeladen zu diesem rauschenden Familienfest sind die Verwandten, die Freunde, die Nachbarn, sogar das ganze Dorf. Ein immenser Aufwand für die Familienmitglieder, bei dem der Geldbeutel der Familie zu diesem Zeitpunkt eine grosse Rolle spielt. Jeder Eingeladene bekommt einen grossen Teller Reis mit fettigem Fleisch “Vary be menaka“ und die Männer trinken bei dieser Gelegenheit ausgiebig selbstgebrannten Rum aus Zuckerrohr, den “Toaka gasy“.

Die Astrologie ist auf der ganzen Insel weit verbreitet. Die Wahrsager oder Schamanen haben ihr überliefertes Wissen von den arabischen Einwanderern geerbt, so werden sie vor jeder Zeremonie von der Familie konsultiert, wann der geeignete Zeitpunkt für die Totenfeste ist.

Fianarantsoa – Isalo
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt im Nationalpark von Andringitra fahren wir weiter Richtung Süden. Die grünen Reisfelder verschwinden und die unendliche Steppe oder Savanne mit vereinzelten Büschen und Bäumen taucht auf. Das “Tor zum Süden“,  zwei markante Granitfelsen links und rechts der Nationalstrasse Nr. 7 begrüssen uns. Ab hier beginnt die karge und wasserarme Südregion, sie ist extrem dünn besiedelt. Zebuherden weiden auf den kargen Graslandschaften und die Rinderhirten hüten ihr Vieh, immer auf der Hut vor Rinderdieben. Die Berg- und Felsenlandschaften werden von weiten Grassavannen abgelöst, die sich bis zum weiten Horizont erstrecken.

Bevor wir die Stadt Ihosy erreichen, sehen wir schon vom weiten und mitten in dieser Wildwestlandschaft die spektakuläre, rundliche Felsenformation, ein schöner Inselberg, der den Namen “Bischofshut“ trägt. Für Botaniker ist er hochinteressant, wegen der Sukkulentenpflanzen wie die Aloen, die Euphorbien und die Pachypodien, die auf diesem trockenen Granitfelsen gut gedeihen.

Nach 200 km von Fianarantsoa entfernt treffen wir in der Stadt Ihosy ein, die Hauptstadt der Bara-Ethnie. Dieser Volkstamm lebt hauptsächlich von der Zebuzucht in den Trockengebieten an den südlichen Ausläufern des Hochlandes. Die Verehrung der Zebus ist bei keiner anderen Volksgruppe so stark ausgeprägt. Ein Bara ohne Zebus wird nicht als ein “wichtiger oder geschätzter Mann“ betrachtet.

Die Zebuherde ist Symbol für Reichtum, Stärke, Tüchtigkeit und Wagemut, natürlich ist sie auch eine gute Einnahmequelle für die Familie. Das Stehlen von Zebu war früher für den Bara-Bräutigam eine Mutprobe, für seine zukünftige Frau war das ein Zeichen, dass dieser mutige Mann sie später gut beschützen werde und keinerlei Furcht kannte. Diese Tradition wird heute nicht mehr durchgeführt, denn dieser Brauch führte damals zu massivem Viehdiebstahl und war sogar zu einem nationalen Problem geworden.

Während der Trockenzeit ist es immer sehr schwierig für die Bara, genug Futter und Wasser für ihre Zebuherden zu finden, so müssen die Hirten ihr Dorf in der kargen Graslandschaft verlassen und tagelang die Rinderherden treiben, bis sie einen grossen Weideplatz in der Nähe eines Flusses finden. Deswegen zählt diese Bevölkerungsgruppe zu den Halbnomaden. Durch das Abbrennen des trockenen Grases sorgen sie beim Einsetzen des ersten Regens zwar für frisches, saftig nachwachsendes Gras, doch diese Methode zerstört die letzten Bäume und die Felder. Im Süden ist dies leider der Hauptgrund der Brandrodung.

Fianarantsoa – Isalo
Ihosy, die Hauptstadt der Bara-Volkstämme, liegt in der Nähe des gleichnamigen Flusses. Ihosy bedeutet “Seil“, so windet sich auch das Flussbett in dieser Region. Ihosy ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt: Hier zweigen die RN27 Richtung Osten auf die abenteuerliche Piste nach Farafangana und die RN13 bis hinunter zum Indischen Ozean nach Tolagnaro (Fort Dauphin) ab.

Wir befahren den letzten Streckenabschnitt unserer heutigen Etappe zwischen Ihosy und Ranohira. Diese 90 km lange Strecke führt uns durch die Hochebene von Horombe, eine unendliche baumlose Graslandschaft, auch hier eine Viehweide für die Bara-Nomaden. Die Strasse verläuft schnurgerade bis zum Isalo-Gebirge.

Endlich kommen wir in Ranohira an, dieses Städtchen ist der Ausgangspunkt für viele Wandertouren im Isalo Nationalpark. Langsam und gemächlich erkunden wir dieses Sandsteinmassiv aus der geologischen Jurazeit mit unterschiedlichen Landschaftsformen, geprägt durch Höhlen, Schluchten und Grotten. Es ist wirklich ein ideales Gebiet für Wander- und Trekkingtouren mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Juli 2021; geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa und Umgebung

2130 – Fianarantsoa und Umgebung

Die Stadt Fianarantsoa ist die Hauptstadt des Betsileo-Volkstammes in Madagaskar.


Fianarantsoa liegt 420 km südlich von Antananarivo. Die Sitten und Bräuche, sowie die Geschichte und der Stadtplan dieser beiden grossen Städte sind sehr ähnlich. Die Region Fianarantsoa ist auch berühmt für seinen Wein und seinen Tee: eine überraschende Entdeckungsreise zwischen Zunge und Gaumen.

Fianarantsoa, kurz “Fianar“ genannt, wie die Einwohner ihre Stadt liebevoll nennen, bedeutet wörtlich “wo man Gutes lernt“, da die erste Schule während der Königszeit in dieser Region gebaut wurde. Fianar liegt zwischen der Hauptstadt Antananarivo und der südlichen Grenze des Hochlandes und war einst die zweite Residenz der Königin Ranavalona I. mit ihrer Merina-Truppe. Die Stadt wurde im Jahr 1830 gegründet und galt als das Verwaltungszentrum aller Neueroberungen dieser Königin im Süden und Osten des Landes. Ein Palast aus Palisanderholz wurde damals auf dem höchsten Hügel der Oberstadt gebaut. Von dort hat man auch heute noch einen schönen Ausblick auf die kunstvoll gestalteten Reisterrassen und Gemüsefelder im Westen und auf die grünen Ausläufer des Regenwaldes. Pure Landschaftspoesie!

Katholische und evangelische Kirchen, andere christliche Einrichtungen und Missionsstationen, Religionsgemeinschaften und verschiedenen Schulen prägen das Stadtbild von Fianarantsoa seit der Kolonialzeit. Die Stadt entwickelte sich später zum Zentrum für die katholische Missionstätigkeit in Madagaskar, so wurde sie im Laufe der Zeit als die grosse katholische Hochburg im Süden des Landes bezeichnet, denn die Kirchendichte ist auf der ganzen Insel nirgends so hoch wie hier. Auf einer Stadtrundfahrt in die Oberstadt sieht man vom Weiten auf einem Felsbrocken die weisse, stattliche Marienstatue. Heute haben die katholischen Kirchen noch immer einen grossen Einfluss in Entwicklungsprojekten und Hilfeleistungen, im sozialen Bereich wie Schulen und Krankenhäusern. Schliesslich sind 60% der Bevölkerung in der Umgebung von Fianarantsoa katholisch.

Die Stadt Fianarantsoa ist – wie die Hauptstadt Antananarivo – auf drei Ebenen erbaut.

Die Oberstadt oder auch die Altstadt ist der höchste Punkt von Fianar und liegt 1’269m über dem Meeresspiegel. Von dort hat man einen spektakulären Panoramablick auf die ganze Stadt und die umliegende Berglandschaft. Die schönen Kolonialhäuser und die stilvollen Kathedralen links und rechts der alten Gassen stehen auf der Liste der schützenswerten und bedrohten Städte und wurden wegen der traditionellen Architektur glücklicherweise von “World Monument Watch“ unter Schutz gestellt und renoviert. Zeugen davon sind die gepflasterten Treppen, die geschnitzten Holzpforten, die traditionellen Häuser mit den verzierten bunten Balkonen.

Die mittlere Ebene oder die Neustadt war das Verwaltungszentrum während der Kolonialzeit. Hier befinden sich die administrativen Gebäude, die zahlreichen Büros und Bankinstitute, die Hotels von verschiedenen Kategorien.

Die quirlige Unterstadt liegt entlang der Nationalstrasse RN7 und ist die Verbindung zur Nationalstrasse zurück zum Hochland oder weiter Richtung Süden. Dort ist auch die Kernstadt mit den vielen Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten, dem lebhaften Markt, dem alten Kolonialbahnhof, dem grossen Fussballstadium und der lärmenden Taxibrousse-Station. Hier spürt man förmlich das “pulsierende Herz“ der Stadt.


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Für leidenschaftliche Fotografen lohnt sich ein Besuch im Fotogeschäft von Pierrot Men. In seinem “Labo Men“ hat man einen Einblick in seine langjährige Arbeit: Bücher mit schwarz-weissen Landschaftsfotografien, Fotos über den Alltag auf dem Land, Portraits. Ganz am Anfang seiner Karriere war er als Maler tätig, bevor er zu fotografieren anfing. Seit fast 35 Jahren ist er der bekannteste Fotograf auf der ganzen Insel. Regelmässig nimmt er immer noch an internationalen Ausstellungen teil.

Fianarantsoa und Umgebung
Auf dem südlichen Hochplateau rund um diese zweitgrösste Stadt Madagaskars befindet sich das grösste Weinanbaugebiet des Landes. Hier haben die katholischen Missionare vor rund 150 Jahren das ideale, warme Klima und die entsprechende Bodenbeschaffenheit für die Kunst des Weinanbaus gefunden. Sie pflanzten die ersten Rebstöcke und daraus entstand ein Wein, der so erdig und ehrlich ist wie der Boden, auf dem die Trauben wachsen. Heute gibt es rund ein Dutzend Weinproduzenten, die sehr charakteristische Weine produzieren. Die Vielfalt der Sorten ist erstaunlich und zwar als Rot- und Weissweine, sowie der spezielle Gris und Rosé. Die bekanntesten Weingüter in Madagaskar sind “Lazan’ny Betsileo“, “Gris de Manamisoa“, “Soavita“. Für den Export genügen leider weder die produzierten Mengen noch die Qualität.

Ein Besuch der Teeplantage in der Nähe des Bahnhofs Sahambavy rund 23 km nordöstlich von Fianar ist ebenfalls eine besuchenswerte Attraktion in dieser Region. Die Frauen pflücken den ganzen Tag die frischen Blätter in dieser rund 320 ha grossen Plantage, daraus stammt die Bezeichnung des Ortes“ Sahambavy“, denn wörtlich bedeutet das “die Plantagen der Frauen“. Die Arbeit ist mühselig, denn nur die drei äussersten Blätter jedes Zweiges werden für die beste Qualität verwendet und dürfen gepflückt werden. Auf ganz Madagaskar wird nur in dieser Kleinregion der qualitativ hervorragende Tee angebaut. Die gepflückten Blätter werden gleich in der naheliegenden Teefabrik verarbeitet. Der sehr bekannte “Tee Sahambavy“ wird zum Frühstück sehr gern getrunken. Er hat einen angenehmen Geschmack und wird von den Einheimischen als wirksames Heilmittel betrachtet.

Der Markt in Andoanasany gleich am Rand der Nationalstrasse RN7 ist auch einen Besuch wert. Der Montagsmarkt ist eine absolute Attraktion für die Augen, schon von Weitem leuchten die Kleider und die Kopftücher der Marktfrauen in allen Farben: ein buntes, lautes und farbenprächtiges Spektakel. Sie balancieren auf ihren Köpfen die schweren Körbe mit den Produkten zum Verkauf, gleichzeitig tragen die Mütter ihre Babys in ein Tuch gehüllt auf dem Rücken. Für diesen Markttag ziehen sie ihre Lieblingsröcke mit Leuchtfarben (rosa oder hellgrün) an. Die korbbepackten Bauern tragen auch das traditionell bunte und karierte Lamba aus Baumwolle über der Schulter. Auf dem Kopf tragen sie geflochtene Hüte aus Stroh oder aus Raphia: typisch für die Betsileo. Alle tragen ihre besten und schönsten Kleider, denn wer weiss, welcher Schönheit man zufällig auf diesem grossen Markt begegnet, denn hier muss man sehen und gesehen werden!

Fianarantsoa und Umgebung
Für die Reisenden, die sich für Religion oder Kultur interessieren, ist auch der Besuch des Dorfs Soatanana mit seinen “Weissen Hirten“ ein wahres und einmaliges Erlebnis! Der Name Soatanana bedeutet wörtlich “das schöne Dorf“ und liegt etwa 40 km nordwestlich von Fianarantsoa. Am lohnendsten ist der Kirchenbesuch am Sonntagvormittag, wenn die sogenannten “Weissen Hirten“ oder “Schäfer“ in einer langen Prozession von ihren Häusern bis zur Kirche ziehen. Auffallend schön sind die Männer und Frauen dieser Glaubensgemeinschaft, die alle mit schneeweissen Kleidern und grossen Strohhüten auf dem Kopf bekleidet sind (so wie bei den Hirten). Sie gehören zur urchristlichen Form der lutherischen Kirche, sodass alle fremden Gäste ohne Ausnahme jederzeit in diesem Dorf mit friedvoller und freundlicher Stimmung willkommen sind. Die Besucher können natürlich am Alltagsleben in den Schulen oder der Krankenstation teilnehmen. Bei den üblichen Riten werden zuerst die Füsse der Gäste gewaschen und später werden sie als Teil der Gemeinschaft an den Tisch gebeten. Die Frömmigkeit, die Ordnung und die Sauberkeit prägen das Bild dieser religiösen Gemeinschaft im Dorf Soatanana.

Bei einem Aufenthalt in Fianarantsoa tauchen die Reisenden in das alltägliche Leben der gastfreundlichen Betsileo-Leute ein und lernen viel über die Natur, die Kultur und vor allem über die Sitten und Bräuche dieser arbeitssamen Ethnie.

Geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ambalavao und Umgebung

2210 – Ambalavao und Umgebung

Ambalavao befindet sich im Südosten der Region „Haute Matsiatra“ und liegt 57 km südlich von Fianarantsoa.


In Ambalavao kann man sehr gut
verweilen, schon wegen des Viehmarkts an jedem Mittwoch, der interessanten Ateliers für Kunsthandwerk und des grossen Anja Parks mit den Katta-Lemuren und den zahlreichen Reptilien und Vögeln.

Ambalavao bedeutet wörtlich “die neue Stadt oder der neue Stall“, denn hier ist das Zentrum des Zebuhandels in dieser südlichen Region von Madagaskar. Die Rinderhirten treiben ihre Zebus tagelang vom Süden her über die Berge bis zu dieser grossen Stadt. Tausende von Zebus werden wochenlang zu diesem bedeutendsten Viehmarkt an der Grenze des Hochlandes getrieben und bleiben in der Umgebung von Ambalavao montags und/oder dienstags. Am Mittwochsmarkt werden dann die fetten Buckelrinder verkauft, in LKWs verladen und in die Schlachthöfe von Fianarantsoa oder bis zur Hauptstadt Antananarivo transportiert. Eine ganz besondere Stimmung prägt diese Szenerie am Stadtrand von Ambalavao. Auf diesem grossen Marktplatz werden die prächtigen Zebus mit schönen Höckerformen von den Interessierten genau angeschaut und dann ersteigert, dazwischen rennen die Kälber herum. Am Ende dieses grossen Getümmels ist auf eine Anhöhe über dem Maktplatz der richtige Ort, um die Sonne untergehen zu sehen.

Das Zebu ist das Wahrzeichen der Stadt Ambalavao, auf dem Wappen befindet sich ein Zebukopf mit langen Hörnern, Symbol des Wohlstandes, des Reichtums und der Kraft. Tatsächlich ist das Zebu Mittelpunkt der madagassischen Kultur auf der ganzen Insel. Es hilft den Bauern bei der Feldarbeit, besonders denjenigen, die das ganze Jahr vom Ackerbau leben. Auch der wertvolle Zebudung wird im Reisfeld verteilt, bevor die Zebus das Feld weich stampfen. In der madagassischen Kultur spielen diese “Buckelrinder“ eine äusserst wichtige Rolle, denn bei der Beerdigung oder beim Famadihana-Fest werden immer eines oder mehrere Zebus zu Ehren der Vorfahren und der Lebenden geopfert. Anschliessend kommen die schönen Zebuhörner auf die Grabstätte und zieren das bunte Grabmal der Volkstämme im Süden Madagaskars.

Ambalavao und Umgebung
Die Häuser im Kolonialstil in der Stadtmitte von Ambalavao sind recht stattlich mit den schön gearbeiteten und bunt bemalten Balkonen. Die Architektur der Hochlandhäuser ist eine der Kuriositäten in dieser Stadt, sie sind erbaut teils aus Ziegeln, teils aus Natursteinen.

Nicht weit von der Hauptstrasse entfernt, auf dem Gelände des Hotels “les Bougainvilliers“ ist die Werkstatt für das berühmte “Blumenpapier“ angesiedelt. Der Antaimoro-Volksstamm, der an der Südostküste zwischen Manakara und Farafangana siedelt, hat diese Tradition eingeführt. “Antaimoro“ bedeutet wörtlich “die von der Küste“, oder auch “die Küstenbewohner“. Sie stammen aus dem Golf von Persien und haben die Kunst der Papierherstellung vor rund 500 Jahren mitgebracht. Sie waren die erste Ethnie, die lesen und schreiben konnte. Die Antaimoro verfügten schon seit langem über ihre eigenen Schriftzeichen, das “Sorabe“. Diese Schrift gehört zum wertvollsten Kulturgut Madagaskars, deswegen gelten sie seit Jahrhunderten als die besonders gebildete Bevölkerungsgruppe. Wertvolle Schriften und heilige Bücher wurden auf dem speziellen Papier der Antaimoro von diesen arabischen Einwanderern niedergeschrieben.


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Das Antaimoro-Papier wird traditionell aus der Borke des wild wachsenden Avoha-Baumes (ein Maulbeerbaumgewächs) hergestellt, der im trockenen Süden gedeiht. Die Rinde wird stundenlang gekocht, gewaschen und anschliessend mit Holzhämmern geklopft. Mit dem breiigen Teig wird dann das naturfarbene Papier hergestellt, das später mit frischen und bunten Blumen verziert wird, wobei viel Fantasie und Geschick bei der Wahl der Motive und der Farben an den Tag gelegt werden. Aus diesem schön verarbeiteten “Blumenpapier“ entstehen Andenken und Dekorationsgegenstände wie Lampenschirme, Schreibunterlagen, Papierbögen, Postenkarten.

Ambalavao und Umgebung
Die Seidenweberei ist in der Stadt Ambalavao auch sehr berühmt. Mit Seidentüchern wurden früher Herkunft und sozialer Status in der Gesellschaft markiert. Der Besucher kann sich in der kleinen Werkstatt im Stadtzentrum einen Einblick in die Verarbeitung der Seidenkokons verschaffen. Die Seide aus Ambalavao besitzt eine Spitzenqualität, denn die speziellen Raupen leben auf den Maulbeerbäumen “Avoha“, dieselben Bäume, die auch das Rohmaterial für das Papier Antaimoro liefern. Aus den Kokons wird der besonders feine Faden gesponnen und daraus entstehen dann die Seidentücher. Als traditionelle Tracht oder bei besonderen Zeremonien wird das feine und edle Seidentuch oder auf madagassisch “Lamba Landy“ von den Frauen und Männern als Überwurf über die Schulter getragen. Das kostbare Seidentuch ist bestimmt für die Lebenden sowie auch für die Verstorbenen. Bei vielen Ethnien in Madagaskar werden die Leichen bei der Bestattung in dieses kostbare Seidentuch oder „Lambamena“ gehüllt.

Bei jedem grossen Familienfest wird natürlich auch gern Wein getrunken. Die französischen Missionare haben hier im Süden den Anbau von Rebhainen während der Kolonialzeit eingeführt. Das französische Weingut „Soavita“ ist seit 1973 einer der grössten und bekanntesten Weinproduzenten in dieser südlichen Region. Weiss- und Rotweine von einfacher bis mittlerer Qualität werden für den einheimischen Markt produziert. Die Trauben werden während der Regenzeit im Januar oder Februar geerntet und die Besucher sind zu einer Weinprobe herzlich eingeladen.

Ambalavao und Umgebung
Naturliebhaber kommen natürlich auch auf ihre Kosten, denn der Anja Park, 13 km südlich von Ambalavao ist die Hauptattraktion in dieser Gegend. Dieser 30 ha grosse Park wurde von der einheimischen Bevölkerung im Jahre 2001 gegründet. Mehrere Gruppen von Katta-Lemuren, genannt auch “die Makis von Madagaskar“, leben in diesem Waldgebiet. Durch ihre auffällige Färbung, mit ihren langen, buschigen, schwarz-weiss geringelten Schwänzen und wegen ihrer relativen Häufigkeit gehören sie zu den populärsten Lemuren von ganz Madagaskar. Diese tagaktiven und neugierigen Lemuren sind an ein Leben auf dem Boden angepasst. Die Sonnenanbeter sind besonders im Trockenwald leicht zu finden, wenn sie sich in den Bäumen der Sonne zuwenden und so ihre Körper aufwärmen. Zwischen den riesigen Granitfelsen gedeihen endemische und seltenen Sukkulenten, Euphorbien und Orchideen, die typisch sind in dieser Trockenregion. In der Nähe sonnen oder tummeln sich auf den Felsenbrocken zahlreiche Reptilien wie Eidechsen, Skinke oder Leguane. Vielleicht trifft man auf dem Rundgang auch auf ein paar Chamäleons oder gefahrlose Schlangen.

Das Besteigen der Felsen ist lohnend schon wegen des fantastischen Rundumblicks über die eindrucksvolle Graslandschaft mit den rundlichen Felsen, sowie die umliegenden Dörfer mit den Weideflächen. Hier erfahren die Besucher auch mehr über die Geschichte der Betsileo-Volksgruppe. Zwischen den Granitblöcken befinden sich auch Grotten, in denen sich die Ureinwohner Madagaskars aufhielten, man findet auch eine ehemalige Grabstätte der Betsileo. Sie haben im 19. Jahrhundert gegen die feindlichen Bara im Süden und die herrschsüchtigen Merina im Norden gekämpft und hier Unterschlupf gefunden, weil sie unter der Herrschaft der Merina-Armee nicht leben wollten. Das damalige grösste Dorf in der Region, gleichzeitig auch der Sitz des letzten Betsileo-Königs, lag in der Region von Ifandana, 18 km von der Stadt Ambalavao entfernt. Seine Truppe wurde leider niedergemacht und nach der Sitte der siegreichen Merina durfte das Dorf nie mehr wiederaufgebaut werden, so entstand eine neue Siedlung nicht weit von Ambalavao und von daher stammt der Name Ambalavao, wörtlich übersetzt “die neue Stadt“.

Ein paar Kilometer nach Ambalavao fährt man auf der Nationalstrasse RN7 zwischen zwei imposanten Felsblöcken hindurch, diese bezeichnen die Grenze zwischen dem Hochland und den Weiten des “Grossen Südens“ und vom weitem sieht man schon die Ausläufer des Andringitra Massivs, das zweithöchste Gebirge Madagaskars. Dieser eindrucksvolle Nationalpark ist natürlich auch ein Besuch wert!

Juli 2021; geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Recyclingprodukte in Madagaskar

Heute sprechen wir über Recyclingprodukte in Madagaskar.

Viele Familien auf dem Land sind kinderreich, durchschnittlich hat eine Familie zwischen 6 und 10 Kinder. Nicht alle können ihre Schulbildung zu Ende bringen. Daher haben sie es schwer, eine Arbeit zu finden. In einer Kleinstadt  rund 30 km von der Hauptstadt Antananarivo entfernt, sind einige Eltern auf die Idee gekommen, Spielzeuge oder Modelle von Autos, Fahrrädern, Motorrädern und sogar Flugzeugen zu basteln.

Sie suchen das Rohmaterial selber oder kaufen es bei Leuten, die Abfall sammeln. Es geht hier um Bierbüchsen oder Getränkedosen, Konservenbüchsen aus Aluminium oder aus Eisen, alte Dosen von Moskitosprays. Aber auch um Telefondraht, Gummi und Plastik.

In ein paar der kleinen Familienbetriebe kann man die Herstellungsschritte und die Verarbeitung der Modelle mitverfolgen. Diese Kunst zeigt den Einfallsreichtum der madagassischen Bastler. Denn hier in Madagaskar versuchen wir, nicht alles wegzuwerfen. Fast alles kann nochmals gebraucht werden. Recyclen ist bei uns kein neuer Trend.

Ich habe ein paar Modelle dieser Spielzeuge mitgebracht. Die Details sind oft erstaunlich. Mit dem Kauf eines Automodells aus Recyclingmaterialien erwerben Sie nicht nur ein schönes Andenken und Mitbringsel aus Madagaskar, sondern Sie unterstützen auch finanziell die ganze Familie.

Bei der Reiseplanung Ihrer Madagaskarreise können wir natürlich den Besuch bei einer Familie einplanen, die Miniaturrecyclingprodukte baut. Also zögern Sie nicht, unsere Kollegen im Madagaskarhaus in Basel zu kontaktieren.

Bis bald in Madagaskar. Veloma

Fanasina, PRIORI Antananarivo

Maniok in Madagaskar

In unserem heutigen Thema geht es um eine Pflanze, die auf der ganzen Welt gegessen wird. Es handelt sich um Maniok, aber in Madagaskar nennen wir ihn „Mangahazo“

Vor ein paar Hundert Jahren kam diese Einwandererpflanze aus Amerika nach Madagaskar. Heute wird sie überall in Madagaskar auf dem Land angepflanzt. Maniok gilt hier aber eher als Nahrungsmittel der Armen und man isst Mangahazo nur, wenn kein Reis vorhanden ist.

Aufgrund der Trockenheit und des schlechten Wetters reichen für die normalen Bauern die Reisernten meistens nicht bis zu der nächsten Erntesaison. So pflanzt jeder Bauer zusätzlich noch andere Stärkelieferanten wie Maniok, Taro und auch Süsskartoffeln, denn die Pfahlwurzeln sowie die Blätter sind geniessbar.

Statt warmer Reissuppe essen die Dorfbewohner dann eher gekochten Maniok, mit Honig gezuckert beim Frühstück. Beim Mittagessen werden öfter gekochter Maniok und Süsskartoffeln auf dem Teller serviert. Wer es sich leisten kann, macht etwas Milch dazu. Im Restaurant und in den kleinen Gargotte in der Stadt werden diese Wurzelknollen oft mit Milch, Vanille und Zucker zubereitet. Dort werden auch die süssen und schmackhaften „Manioc au coco“ oder Maniokküchlein serviert.

Gestampfte Maniokblätter mit fettem Schweinefleisch heissen „Ravitoto sy henakisoa“ auf madagassisch und sind das beliebteste Nationalgericht auf Madagaskar. Diese kulinarische Spezialität wird immer mit Reis und Tomaten-Rougaille serviert.

Sie sehen also. Die Maniokknolle ist Nahrung für den Notfall. Aber die Blätter werden sehr geschätzt.

Möchten Sie mehr über das typische madagassische Essen wissen, dann kontaktieren Sie uns direkt oder unsere Kollegen in Basel.

Veloma aus Madagaskar!
Fanasina, PRIORI Antananarivo

 

Morondava–Morombe–Tulear

2900 – Morondava – Morombe – Tulear

Diese intensive Tour mit spannenden Erlebnissen in den südwestlichen Küstenregionen entlang des Kanals von Mozambik, ist nur im Geländewagen zu meistern, denn man fährt meist auf schlechten und sandigen Pisten.

 

Auf den 600 km durchfährt man eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielfältiger Vegetation in grosser Abgeschiedenheit. In vielen spontanen Begegnungen mit den Einheimischen erfahren wir viel über ihr bescheidenes Leben, aber auch über die Insel Madagaskar im Allgemeinen. Diese harte Überlandstrecke ist während der Trockenzeit zwischen August bis Oktober gut befahrbar.

Morondava, der Ausgangspunkt dieses erlebnisreichen Abenteuers, ist die Hauptstadt des ehemaligen Königreiches der Region Sakalava Menabe. Diese drittgrösste Hafenstadt liegt nördlich der Mündung des gleichnamigen Flusses am Kanal von Mozambik. Der Besuch des lebhaften Marktes im Stadtzentrum lohnt sich, es werden neben den landwirtschaftlichen Produkten der Umgebung auch geräucherte Fische und Garnelen angeboten. Ein Grossteil der Bevölkerung Morondavas gehört entweder der Vezo- oder der Sakalava-Bevölkerungsgruppe an. Diese beiden Küstenvölker sind hauptsächlich Fischer und ihre Einnahmequellen sind eng mit dem Meer verbunden.

In Morondava bieten sich viele Ausflugsmöglichkeiten an, so dass man ein paar Tage Aufenthalt in dieser schönen Stadt einplanen sollte. Ausflugsbeispiele sind: die einmalige und faszinierende “Baobaballee“ mit den beeindruckenden Gräbern der Sakalava-Ethnie, oder die Fahrt bis zum ausgedehnten Trockenwald von Kirindy oder weiter bis zu den Tsingy von Bemaraha, ein verwittertes und zerklüftetes Kalksteingebirge mit Nadelspitzen und mit vielfältiger endemischer Fauna und Flora.

Ab Morondava fahren wir dann Richtung Süden. Rund 80 km von dieser Hafenstadt entfernt liegt das Kleinstädtchen Belo-sur-Mer. Trotz der zeitaufwendigen Überlandfahrt und der schlechten Sandpiste entlang der Küste sind die vielen malerischen Fischerdörfer, gesäumt von Kokospalmen und weissen Sandbänken, atemberaubend schön und man hat einen weiten Ausblick auf den Kanal von Mosambik.

Belo-sur-Mer ist ein sehr beliebter Badeort und ein Zentrum der Schiffsbaukunst, auch ein bedeutender Hafen für Frachter und Segelpirogen in Westmadagaskar, die zwischen den beiden bedeutenden Hafenstädten Tulear und Morondava pendeln. Mit dem Motorboot dauert die Überfahrt von Morondava nach Belo-sur-Mer etwa drei bis vier Stunden.

Die Besucher sind immer wieder beeindruckt von den begabten Vezo-Leuten, die in mühevoller Handarbeit und mit einfachsten Werkzeugen die mächtigen Holzschiffe zimmern. In den 1870er Jahren haben französischen Seeleute aus der Bretagne den Vezo-Fischern beigegebracht, die seetüchtigen und traditionellen Holzfrachtschiffe kunstvoll zu bauen, und so kann der Volkstamm der Vezo (auch bekannt als die Nomaden des Meeres) den Kanal von Mozambik nicht nur mit ihren kleinen Segelbooten souverän befahren, sondern auch mit Frachtenseglern von 30 bis gar 50 Tonnen Volumen.

Dieser wunderbare Badeort mit vorgelagerten Inseln und einmaligen Korallenriffen ist auch ein Paradies für Wassersportler, Schnorchler und Taucher. Dieses schöne Fischerdorf mit geschützter Bucht und mit einer weiten Lagune ist auch für seine Salzproduktion sehr bekannt. Etwas im Hinterland, aber noch ganz in Meeresnähe, liegen die vielen Salinen, deren Meersalz nach Morondava oder nach Tulear mit bauchigen Frachtenseglern verschifft wird.

Der Nationalpark Kirindy Mitea liegt zwischen den beiden Flüssen Maharivo und Lampaolo am Kanal von Mozambik, unweit von Belo-sur-Mer. Dieses Naturschutzgebiet wurde im Jahre 1997 gegründet und im Jahre 2015 wurde es als Ramsar-Gebiet (geschütztes Feuchtgebiet) und als eines der neuen UNESCO-Biosphärenreservate in Madagaskar eingestuft. Der Nationalpark erstreckt sich über mehr als 156’000 Hektaren und umfasst eine Vielzahl von Ökosystemen: Seegebiet mit Stränden, sieben Inseln, Mangroven-, Baobab- und dichter Wald.

Die Anfahrt mit dem Allradfahrzeug durch eine herrliche Dünenlandschaft ab Belo-sur-Mer ist sehr schwierig, deswegen gehört dieser Park zu dem am wenigsten besuchten Park an der Westküste Madagaskars. Es ist auch möglich, diesen interessanten Park mit dem Motorboot oder mit einer Segelpiroge ab dem Dorf Belo-sur-Mer zu besuchen. Wenn man Glück hat, können hier vom Juni bis Dezember die Rosaflamingos sowie andere seltene Wasservögel gesichtet werden. Die Vogelkundler kommen in diesem schönen und abgelegenen Schutzgebiet auf ihre Kosten.

Während der Regenzeit zwischen Dezember und Februar ist es sehr heiss und die Temperatur kann bis auf 40° C steigen. Während der kurzen Regenzeit sind die Reptilien und Amphibien in diesem Park sehr aktiv. Im Park leben auch ein paar Gruppen von Katta-Lemuren. Den Rest des Jahres regnet es sehr wenig, so dass viele Tiere ihren Winterschlaf unter der Erde halten. Der Park ist auch für seine Baobabwälder bekannt. Die fehlenden touristischen Einrichtungen machen den Besuch eher abenteuerlich, deshalb fährt man zum Übernachten besser zurück nach Belo-sur-Mer.

Nach dem erlebnisreichen Besuch im Kirindy Mitea Trockenwald verlassen wir die Küste und fahren ins Landesinnere bis Manja weiter. Dieses Bauerndorf liegt in Luftlinie rund 130 km südlich von Morondava an der Nationalstrasse 9.

Die Fahrt über eine staubige Piste von rund 110 km durch weite Steppen und Grassavannen zwischen Belo-sur-Mer und Manja dauert je nach Zustand der Piste fast einen ganzen Tag. Das Kleinstädtchen Manja liegt an einem Verkehrsknotenpunkt und hier können die Reisenden die authentische Atmosphäre einer Bauernstadt kennen lernen. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Unterwegs treffen wir oft auch auf Zebu-Herden der Sakalava-Volksgruppe mit ihren farbenfroh gekleideten Hirten.

Etwa 80 km nach Manja erreichen wir den Fluss Mangoky. Der fruchtbare Schlamm, den der Fluss mitführt, lässt Reis, Zuckerrohr, Mais, Lima Bohnen, Bananen, Baumwolle und noch mehr gedeihen. Wir überqueren den Mangoky-Fluss mit einer alten Floss-Fähre und folgen der flachen Deltaebene bis zur Küstenstadt Morombe. Wörtlich übersetzt bedeutet Morombe „die Stadt mit grossem Strand“. Dieses – früher – wichtige Verwaltungszentrum für die Bewohner der Westküste ist auch ein wesentlicher Zwischenstopp in der Küstenregion zwischen Tulear und Morondava, die vom Rest des Landes weitgehend abgeschnitten ist.

Eine besondere Art von schönen und kurzstämmigen Baobabs ist in diesen abgelegenen Regionen zu finden. Die in den Baobabwäldern lebenden Sakalava und Mikea nutzen die ungewöhnlich dicken Stämme als Wasserreservoir, indem sie diese Affenbrotbäume von oben aushöhlen. Das gespeicherte Wasser in dieser ariden Region ist für diese Ethnie lebenswichtig und hilft den Zebus und den Menschen über die Trockenzeit hinweg. Das Leben im Städtchen verläuft friedlich und langsam (moramora) im Rhythmus von Ebbe und Flut.

Morombe ist von einem langen Korallenriff entlang der Südwestküste geschützt und südlich der Stadt erstreckt sich ein langer, weisser Badestrand bis zum Küstendorf Andavadoaka (wörtlich übersetzt bedeutet der Name des Dorfes “in der Nähe des grossen Felsenlochs“ oder auch “das Dorf am durchlöcherten Gestein“).

Das Dorf Andavadoaka liegt rund 45 km von Morombe entfernt (etwa zwei bis drei Stunden Autofahrt). Hier locken der Besuch der nahen Baobab-Wälder und auch wieder der breite Sandstrand, wie wir ihn in der hübschen Bucht von „Helodrano Fanemotra“ finden.

In diesem grossen Fischerdorf leben auch Angehörige der Vezo-Volksgruppe. Sie gehören zur grossen Mehrheit in der Gegend und als Halbnomaden bewegen sie sich in der Region zwischen Morondava und Tulear und haben einen ausgesprochenen Hang zum Meer, was auch in ihren Riten und ihrer Religion zum Ausdruck kommt. Auf tagelangen Fahrten übers Meer übernachten sie am Strand in ihren selbst gebauten Zelten, die sie aus den Segeln der Auslegerboote und einigen mitgeführten langen Stangen aufbauen. Traditionell sind die Angelschnüre aus den Fasern der Baobabs hergestellt, aber sie benutzen auch moderne Harpunen, Picks, Netze, usw. Die grossen gefangenen Fische werden abends an Holzgestellen getrocknet oder geräuchert. Zurück in ihrem Heimatdorf tauschen sie diese Fische gegen andere Lebensmittel wie Reis, Maniok oder Mais oder auch gegen andere Gegenstände, die sie im Alltag gebrauchen.

Dann durchqueren wir das Land der Volksgruppe der Mikea, ein nicht sesshafter Volkstamm, der in den gleichnamigen Trockenwäldern in der Nähe von Salary ansässig ist. Weit weg von der Zivilisation leben sie noch sehr primitiv in diesem Urwald mit Trocken- und Dornenwald. Sie sind sehr scheu und vermeiden den Kontakt mit der Aussenwelt, so ziehen sie es vor, sich in den dichten undurchdringlichen Dornenwald zurückzuziehen. Sie leben vom Jagen und Sammeln im Dornen- und Trockenwald und ernähren sich von Wurzeln. Zum Beispiel von den gut schmeckenden Yamswurzeln namens “Baboho“, deren Knollen so gross wie ein Oberschenkel ist. Sie sammeln auch Früchte und wilden Honig: alles, was ihnen die Natur liefert. Hier höhlen sie auch die Riesenbaobabs in der unberührten Steppenlandschaft aus und nutzen diese als Wasserbehälter für Notzeiten. Diese stämmigen “Flaschenbäume“ – die sogenannten “Baobab fony“ – wirken noch urweltlicher und unwirklicher als die auffallend schlanken und geradlinigen “Baobab grandidieri“ an der Baobaballee in Morondava.

Die etwa 60 km lange Weiterfahrt über die Sandpiste entlang der Küste mit den smaragdgrünen Lagunen und den weissen Sandstränden führt uns bis zum nächsten Dorf Salary: die faszinierende Dünenlandschaft, das ruhige Meer in allen Blautönen und die Weltabgeschiedenheit mit den riesigen Sanddünnen gehören zum Reiz dieses schönen Badeortes.

Etwa 30 km nördlich der Hafenstadt Tuléar an der Südwestküste befindet sich der berühmte Badeplatz Ifaty. Nach der erlebnisreichen und beeindruckenden Entdeckungsreise ab Morondava können die Sonnenhungrigen und die Strandurlauber hier richtig die Seele baumeln lassen. Auch das Nachbardorf Mangily mit seinen langen Korallenriffen zählt zu den beliebten Gegenden für Taucher und Schnorchler.

Direkt hinter der Küstenstrasse beginnt der Dornenwald, ein botanisch interessantes Gebiet mit verschiedenen Sukkulenten. Die bizarren und vielfältigen Formen der endemischen Pflanzen sind hier einmalig und hier können die Besucher die verschiedenen Baobabarten in dieser Trockenregion bewundern. Hier wachsen auch Aloearten, die bei den Einheimischen als Heilpflanzen sehr beliebt sind, auch als bevorzugte Gesichtsmaske für die Frauen in dieser schwülen Region oder auch Wunden werden damit desinfiziert. Schon von Weitem zu sehen, ragen die langen Didieraceen empor. Die Spitze dieses Dornenbaums weist immer nach Südwesten, so wird er von den Vezo- und Mahafaly-Volksgruppen als “Kompass Baum“ bezeichnet.

Wir verlassen das Fischer- und Touristendorf Ifaty und fahren Richtung Tuléar, auch als “die Stadt der Sonne” bezeichnet. Diese grösste Hafenstadt an der Westküste liegt nahe der Mündung des langen Fiheranana-Flusses und ist auch ein bedeutendes Handelszentrum. Hier ist das Ende der Nationalstrasse Nr 7 von Antananarivo kommend. Von hier aus können die Reisenden entweder den Binnenflug Richtung Hauptstadt nehmen oder die abwechslungsreise Entdeckungsreise vom “Süden bis zum Hochland“ fortsetzen.

Juli 2021, geschrieben von Michael, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Veloma = tschüss

Der Gruss „Veloma“

Die madagassische Kultur kennt sehr höfliche Umgangsformen und wirkt in der traditionellen Umgebung oft sehr rituell.
So wird es in einem abgelegenen Dorf, ausserhalb Antananarivos, öfters passieren, dass jemand seine linke Hand auf seinen rechten Unterarm legt und sich bückt oder seine beiden Hände auf die Brust legt, wenn er von einer respektierten Person Abschied nehmen muss.

Diese etwas unterwürfige Geste gilt als Zeichen der Höflichkeit und besonders die Dorfleute und die älteren Personen in einer abgelegenen Region auf dem Land, sind an diese Formen gewöhnt.
Wenn die Madagassen voneinander Abschied nehmen, sagen sie freundlich „Veloma“ zueinander. Dieser Abschiedsgruss heisst auf Madagassisch „auf Wiedersehen“ oder „bis zum nächsten Mal wieder“ oder auch „Leb‘ wohl“, je nach der Situation, in der er ausgesprochen wird.

Alle Madagassen schätzen es, wenn man nicht ausdruckslos „wegschleicht“, sondern sich ein offenes „Veloma“ laut zuruft und dabei die flache Hand freundlich erhebt und lächelt. Auf diese Art werden sie die Geste sehr schätzen und diesen Besucher oder diese Besucherin werden länger in der Erinnerung bleiben.

Am Ende der Rundreise oder nach einem Tagesausflug nimmt man voneinander Abschied und sich formell zu verabschieden, gehört auch zur Tradition in Madagaskar.

Wenn man ein Restaurant, ein Hotel oder einen Laden verlässt oder wenn man vom Gastgeber Abschied nimmt, sagt man freundlich „Veloma“. Für den Gastgeber bedeutet dies dann, dass man sich wünscht, mit ihm auch in Zukunft wieder zusammenzutreffen.
Und auch der Gastgeber wird seinen Gast wieder herzlich empfangen, wenn er oder sie sich bei der nächsten Gelegenheit wieder bei ihm melden.

So, liebe Madagaskar Fans, wir sagen Ihnen für heute „veloma“ und freuen uns schon, mit Ihnen das nächste Mal über ein neues Thema zu sprechen.

Das ganze PRIORI-Team, in Antananarivo und in Basel, hofft sehr, dass Sie uns bald wieder hier in Madagaskar, der Perle im Indischen Ozean, begrüssen können.

Pousse-Pousse in Antsirabe

 

 

Pousse-Pousse in Antsirabe

Salama aus Antananarivo. Ich heisse Fanasina. Unser heutiges Thema geht um die Rikscha in Antsirabe.

Wenn die Fortbewegungsmittel in Madagaskar ebenso zahlreich sind wie an jedem anderen Ort der Welt, gibt es ein von den Einheimischen sowie von den Reisenden besonders geschätztes Verkehrsmittel: die Rikscha oder „Pousse-Pousse“ oder kurz genannt „posy“.

Durch die Einwanderung von vielen chinesischen Arbeitern in der Hafenstadt Tamatave sind die Rikschas am Anfang des 20. Jahrhunderts hier auf der Insel Madagaskar eingetroffen. Als Relikt der Kolonialzeit bleiben sie eines der bevorzugten und praktischen Transportmittel auf der ganzen Insel auch bei Tag und Nacht.

Antsirabe gilt als die Hauptstadt der Rikscha, sie liegt im Herzen einer der produktivsten Regionen Madagaskars. Die Atmosphäre der Stadt hat eine entspannende Wirkung auf die Besucher. Es gibt durchschnittlich 5‘000 Einheiten dieses Verkehrsmittels in dieser Thermalstadt. Viele Bauern aus den umliegenden Städten kommen hier, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Seit paar Jahren ist dieser Beruf nun reglementiert und jeder Rikscha-Fahrer besitzt sein Rikscha-Papier.

Pousse-Pousse in Antsirabe
Dieses Transportmittel ist sehr beliebt bei Besuchern und Reisenden. Der Rikscha-Fahrer kann bei einem geführten Ausflug die Geschichte der Stadt erzählen, die Hauptattraktionen und die guten Restaurants zeigen und sogar zum interessanten Marktplatz mit den frischen Produkten des Landes fahren. Die Vazaha oder „Touristen“ sind natürlich die beliebten Fahrgäste, aber unterwegs trifft man öfter auch Rikscha, die Kinder zur Schule bringen, oder mit Händlern, die ihre Waren mit der Rikscha ausliefern, als Fahrgästen.

Bei  einer kurzen Stadtrundfahrt ausserhalb der Stadt kann man Mamy’s Miniaturwerkstatt besuchen. Seit 1984 arbeitet er selbständig und fertigt in seiner Werkstatt  Miniatur Pousse-Pousse an. Er spezialisiert sich auf Materialien mit Recycling Produkten, aus einem Telefondraht macht er zum Beispiel die Reifen.

Seine Produkte sind in vielen Hotels in Antsirabe ausgestellt und er freut sich über jeden Besuch. Besonders bei Hochsaison zwischen Juli und Oktober ist in seiner Werkstatt sehr viel los und die Besucher kaufen gern seine Miniatur Pousse-Pousse, Miniatur-Fahrräder oder Miniatur-Motorräder als Mitbringsel für zu Hause.

So liebe Madagaskarreisende, wenn Sie mehr über die Stadt Antsirabe und die interessante Rikschafahrt wissen möchten, können Sie unsere Kollegen im Madagaskarhaus in Basel kontaktieren.

Bis bald auf die facettenreiche Insel!

Bedeutung der madagassischen Namen

Bedeutung der traditionellen madagassischen Namen

 

Bedeutung der traditionellen madagassischen Namen

So gut wie alle traditionellen Vornamen in Madagaskar haben eine tiefere Bedeutung. Wie sie vergeben werden, lesen Sie hier. Was sie bedeuten, lesen sie weiter unten.


A

AINA – das Leben

AKO – das Echo, der Widerhall

AMBININA – Glück haben, glücklich sein

AMBOARA – der Pokal (für Sportler), der Blumenstrauss

AMPY – voll, völlig, die Fülle, im Überfluss, unabhängig, die Selbständigkeit

ANDRIAMISAINA – der Adlige, der viel überlegt/brütet/ nachdenkt, der Adlige, der mit Takt denkt/ der taktvoll ist, der feinfühlig ist

ANDRY – 1: die Stütze, die Säule, jemand der unterstützt; 2: jemand, auf den man wartet

ANDRIANINA – Jemand, den man lobt oder vergöttert und schätzt, würdigt

ANJA – Gewicht, wichtig, wertvoll, kostbar

ANJARA – der Anteil, das Schicksal, der Erbschaft

ARIVETSO – Ari: zeugen Vetso: loben, preisen, Inspirationsquelle, Erleuchtung

ARIVO – eintausend = Symbol von zahlreich, Fülle, Überfluss

ARO – schützen, geschützt, der Schutz

ASIMBOLA – das Geldstück = die Ehre = heilig

AVOTRA – Rettung, retten, gerettet

ANDO – der Morgentau

ANGOLA – der Gesang, melodisch, angenehm, sanftes Wort

ANJOMARA – die Alarmsirene, der Alarm

ANTOKA – die Garantie, die Zusicherung, die Versicherung

ANTSA – das Lob, der Lobgesang, das Lied

ANTEMA – das Lied

ANTSIVA – Muscheln zum blasen (Instrument)

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

B

BAKO – schön, Schönheit, hübsch

BAHOLY – schönes Haar

BAKOLY – die Puppe, das Porzellan

BALITA – kleiner Bube

BAOVOLA – Bao: neu, Vola: Geld = die Würde, die Ehre, das Ehrgefühl, das Ehrenamt

BARY – grosse Augen, unschuldige Augen

BAO – neu

BELOHA – dickköpfig, stur, intelligent, eigensinnig, schlau

BENJA – der jüngste Sohn, der Benjamin

BODO – kleines Mädchen

BOZY – kleines Mädchen

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

D

DERA – Lob, loben, preisen, die Lobpreisung, lobenswert

DIAMONDRA – der Diamant, wertvoll, kostbar

DIADEMA – der Diadem, Stirnschmuck, Krone

DINA – der Pakt, das Einverständnis, die Vereinbarung, der Vertrag

DIMBY – der Sohn, die Nachfolge

DIHY – der Tanz

DOMOINA – die Taube

DODA – kleiner Junge

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

F

FAHASOAVANA – gesegnet

FALY – Freude, freudig, erfreut, glücklich, zufrieden sein, jubeln

FANANTENANA – die Hoffnung, Hoffnung hegen

FANAMPERANA – die Perfektion, die Vollendung, die Vollkommenheit, perfekt, vollkommen

FANEVA – das Symbol, die Fahne, die Flagge

FANJA – die Knospe, die Blume

FANILO – das Licht, die Laterne, die Lampe, der Führer

FANOMEZANA – die Gabe, die Spende, das Geschenk, die Gnade, die Gunst

FANO – Abkürzung von Fanomezana: die Spende, das Geschenk, die Gunst

FANASINA – das Salz, heilig

FANOHARANA – Das Gleichnis, das Beispiel, die Referenz

FANKALAZANA – Die Einweihung, die Verkündung, die Feier, feiern

FARA – die jüngste Tochter

FARALAHY – der jüngste Sohn, der Benjamin

FATRATRA – die Perfektion, die Vollendung, perfekt, prachtvoll, vollkommen, ideal

FELANA – die Blüte, die Blume

FENO – voll, völlig, die Fülle, im Überfluss

FIDY – die Wahl, der Auserwählte, der Gewählte

FIFALIANA – Freude, freudig, erfreut, glücklich, zufrieden sein, jubeln

FITIAVANA – die Liebe

FITIA – die Liebe

FIAROVANA – der Schutz, der Geschützte

FINOANA – der Glaube

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

H

HAJA – der Respekt, respektiert, geachtet

HANITRA – Der Duft, der Parfüm, das gute Geruch

HAINGO – der Schmuck, die Verzierung, die Dekoration

HASINA – heilig, geweiht sein, eingeweiht

HERY – die Kraft, die Stärke, robust

HELY – Die Nachfolge, der Nachwuchs, die Nachkommenschaft, die Abstammung

HELISOA – Gute Nachfolge, gute Nachkommenschaft

HOBY – der Jubel, die Akklamation, jubeln

HOBINA – der / die Gejubelte

HOLY – sich wellen, die Gewellte

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

I

IARY – der Schöpfer, die Schöpferin

ILO – Das Öl, die Essenz, die Vitalität, Symbol von Kraft, die Lebenskraft

ILONIAINA – die Lebenskraft, die Lebensenergie

ILOPIDERANA – Das Loblied

ILOPIFALIANA – Lebensfreude, Freudenausbruch

IKALA – das Mädchen, die Frau

IKETAKA – das kleine Mädchen

IKOTO – der kleine Bube

IRINA – der Wunsch, der / die Gewünschte, das Wunschkind

JAO – respektiert, respektvoll, geachtet

JERY – neugierig, interessiert, wissbegierig

JORO – stabil, sicher, standfest

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

K
KALOY – gepriesen, gejubelt, gelobt, gesungen

KALOINA – gepriesen, gejubelt, gelobt

KANTO – Schönheit, bildschön

KANTOHARY – schöne Kreatur

KATSAINA – gesucht, gewünscht

KOLOINA – gut betreut, gut erzogen

KIRA – Der Jubelruf, gejubelt

KIRAKIRA – Viel Gewinn

KIRY – die Beharrlichkeit

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

L
LAHATRA – Das Schicksal

LANDY – die Seide, Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, natürlich, naturbelassen

LANJA – das Gewicht, Betrachtung, Nachdenken, Überlegung, Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, Weisheit

LANTO – ruhig, still

LALA – Liebling, Schatz

LALAINA – geliebt, geschätzt

LALAO – Spiel, Lebensfreude

LAZA – der Ruf, die Ehre, Ruhm, bekannt

LIANA – aufmerksam, sorgfältig

LIVA – Olive

LIVASOA – Harmonie, Friede

LOVA – das Erbe, die Erbschaft, die Nachfolge
Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

M

MAHALEO – selbstständig, eigenständig, emanzipiert

MAHEFA – Gründer, Stifter, die Fähigkeit

MAHERY – kräftig, stark, robust, mächtig

MALALA – Liebling, Schatz

MALAZA – berühmt, bekannt

MAILAKA – geschickt, flink, gewandt, schnell, geistig rege sein

MAMY – süss, lieb, nett, weich

MAMPIONONA – beruhigen, trösten, lindern, versöhnlich stimmen

MANANTSOA – gute Eigenschaft haben

MANDRESY – der Gewinner, der Sieger, siegreich sein

MANGA – blau, Symbol von Harmonie und Frieden, glücklich sein

MANITRA – duftend, parfümiert, gute Aura, guter Ruf

MAREVAKA – strahlend, blendend, glänzend, faszinierend, strahlende Schönheit

MAVANA – strahlend

MAVO – gelb = diskrete Autorität / Macht, diskrete Glanz

MAHIRATRA – weitblickend sein, niemals übers Ohr gehauen werden

MANJARY – erfolgreich sein, blühend sein

MANJA – extrem, himmlisch schön, Schönheit

MANJATO – Symbol von Reichtum, viel Glück haben, reichlich vorhanden sein, ergiebig, beträchtlich

MARISIKA – die Willensstärke, geistig rege sein

MASY / MASINA – heilig, göttlich

MENA – rot = Symbol von Lebenskraft, Überfluss

MEVA – himmlisch / entzückend schön, gute Eigenschaften

MIANGALY – Sängerin, singen

MIALY – Sängerin, Sanftmut

MIARY – Gründerin, Stifterin

MIRANA – lächelnd, freundlich, fröhlich

MINA – Schönheit

MINO – der Glaube

MIZO – erfolgreich sein, Erfolg haben, vorwärts gehen

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

N

NAIVO – der zweite Junge (oder in der Mitte), geschwisterlich

NANDRASANA / NDRASANA – der / die Erwartete, der/ die Gewünschte

NANTENAINA – der / die Erwartete, der/ die Gewünschte

NAMBININA – Glück haben, glücklich sein

NARINDRA / RINDRA – guter Entwurf, gutes Konzept

NEKENA – akzeptiert, gewünscht, geschätzt

NJARA – der Anteil, die Erbschaft

NJARY – das Werden, die Entstehung, die Entwicklung

NIVO – das zweite Mädchen (oder in der Mitte), geschwisterlich

NDALANA – jemand, der unterwegs ist

NOFY – der Traum

NOMENJANAHARY – das Geschenk / die Gabe Gottes

NOMENA – die Spende, das Geschenk, die Gabe

NORO – das Licht, der Funke, die Lebensquelle

NIRINA / NIRY – Wunschkind, gewünscht

NDRATO – Wunschkind, gesucht

NDRIANA – der / die Adlige

NANDRAINA – gut erzogen, gut grossgezogen

NJAKA – der Herrscher

NJATO – Hundert = Symbol von Reichtum, Fülle, ergiebig, beträchtlich

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

O

ONY – der Fluss

ONJA – die Welle

P

PETA – eine platte Nase, mit kleiner Nase

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

R

RABE – jemand, der etwas im Überfluss hat

RABELOHA – dickköpfig, stur, intelligent sein

RABENIFY – offenherzig sein

RADO – das Juwel

RAVAKA – das Schmuckstück, die Verzierung, der Schmuck

RAVO – fröhlich / glücklich sein, vergnügt sein

RAFOHY – der/ die Kleine

RAHELY – die Nachfolgerin, der Nachwuchs

RAIVO – das zweite Mädchen (oder in der Mitte), geschwisterlich

RANGITA – mit gekräuseltem Haar

RAMANANA – jemand, der etwas besitzt, ein reicher Mann

RAMBOA – der Hund

RANJA – Name einer Blume

RANTO – sein Glück woanders versuchen

RINA – der Adlige

RINDRA – die Harmonie, der Frieden

ROJO – die Halskette

RONDRO – im Überfluss haben, der Überschuss

RAZANANY – das Kind, der Nachwuchs

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

S

SAMBATRA – glücklich sein

SAMPANA – der Zweig, verwandt sein

SANDRATRA / SANDRATANA – Fortschritte machen, verbessern, sich entwickeln

SATA – Erfolg haben, das Objektiv erreichen, sein Ziel erreichen

SAHONDRA – Aloeblüte, Lockenkopf

SARIAKA – lächelnd, freundlich, fröhlich, bezaubernd

SARINDRA – Harmonie bringen, harmonisch sein, aufeinander abstimmen sehr ordentlich sein

SAROBIDY – wertvoll, kostbar

SEHENO – die Stimme und das Ohr = der Sager: direkt, recht, nett, bestimmt Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit

SERA – Mit Geschicktheit kommunizieren, Wohlbefinden

SETRA – mutig, gewagt, kühn sein

SITRAKA – die Zustimmung, die Anerkennung, etwas mit Zufriedenheit annehmen

SOA – Schönheit

SOAFARA – das letzte Mädchen, geschwisterlich

SOARY – gut gebaut, perfekt gebaut

SOAMIARY – vermögend sein, reich sein

SOAHARY – schöne Kreatur

SOAVINA – gesegnet

SOLO – der Ersatz, die Ersetzung

SOLOFO – der Nachfolger, der Nachwuchs, der Nachkomme

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar
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T

TAFIKA – die Armee, die Truppe = im Überfluss

TALY – geflochtenes Haar = schön und im Überfluss

TARATRA – der Reflex, der Glanz = die Reinheit, die Klarheit

TATAMO – Blätter der Seerose

TAHIANA – der Geschützte, der Gesegnete

TAHIRY – der Schatz, der Reichtum

TEFY – etwas meisseln, geschmiedet, ausgefeilt, modelliert

TIANA – geschätzt, geliebt

TIAVA – geschätzt, geliebt

TOAVINA – akzeptiert, gehorchend

TOJO – gut angekommen, das Ziel erreichen

TOLOTRA – die Spende, die Gabe

TSIMOKA – die Knospe = die Erneuerung

TOVO – der Junge

TOKY – das Vertrauen, die Selbstsicherheit

TREMA – reich sein, vermögend sein, jemand, der alles hat

TSAROANA – die Erinnerung

TSIARO – die Erinnerung

TSIKY – das Lächeln, zulächeln

TSIMBA – der/ die nicht … 

TSIMIHAHY – sorglos, seelenruhig

TSIMOKA – die Knospe, die Erneuerung = Wiederaufleben

TSIORY – jemand, der nicht leidet, keine Leiden hat = kein Problem hat, sorglos, ohne Kummer

TSIRY – die Knospe

TSIRO – guter Geschmack, lecker

TSILAVINA – akzeptiert, anerkannt

TSIVALAKA – viel Kraft haben, kräftig sein

Die Bedeutung von Vornamen von Kindern in Madagaskar

 

V

VAO – Neu, die Neuheit, die Neuerung, eine Seltenheit

VALISOA – die Belohnung

VAZO – der Gesang, der Liebesgesang

VELONA – lebendig, voller Leben sein

VERO – Zitronelle, Zitronengras, Zitronenmelisse

VETSO – der Traum, das Streben nach, sehnsüchtig

VOARA VAKANA – der Schatz, das Juwel

VOAHIRANA – die Seerose

VOAHANGY – die Perle

VOLA – das Geld, das Silber = gesegnet

VOLOLONA – die Knospe, die erste Blüte

VONJY – der Retter, die Rettung

Bedeutung der traditionellen madagassischen Namen
Z

ZANA – das Kind, der Nachfolger, der Nachwuchs

ZARA – der Anteil, das Schicksal, die Bestimmung

ZATOVO – der Junge

ZO – das Recht, der Anspruch

ZOTO – die Lebhaftigkeit, die Wendigkeit, die Regsamkeit

ZOTRA – Vorankommen, Fortschreiten, der Fortschritt, der Aufstieg, die Beförderung

 

Juli 2021, © PRIORI Antananarivo