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Manakara – Farafangana – Fort Dauphin

2700 – Manakara – Farafangana – Fort Dauphin

Nach dem mehrtägigen Aufenthalt in Manakara und einem Ausflug auf dem Süsswasserkanal Pangalanes reisen wir jetzt auf der langen und berühmten Nationalstrasse RN 12 südwärts Richtung Fort Dauphin.

Unterwegs passieren wir mehrere Städtchen wie Vohipeno, Farafangana, Vangaindrano, Manambondro und Manantenina. Zwischen Manakara und Farafangana ist die Strasse noch asphaltiert und in gutem Zustand. Ab Vangaindrano ist sie dann nur noch eine schlechte Piste. Wir werden eine aussergewöhnliche Reise mit 10 Flussquerungen (Fähren) in den tiefen Südosten Madagaskars erleben. Diese Strecke ist ein Muss für Leute, die das Abenteuer suchen.

Ab Manakara fahren wir etwa 40 km südwärts bis Vohipeno. Es ist das Zentrum und die Hauptstadt der Antaimoro-Ethnie. Die Antaimoro – wörtlich übersetzt “die, die an der Küste leben“ – sind eine der etlichen Ethnien im Südosten Madagaskars. Ihre Vorfahren sind zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert aus einem arabischen Land eingewandert. Sie brachten die Kunst des Lesens und Schreibens (mit arabischen Schriftzeichen) mit.  Somit sind sie historisch die ersten Madagassen, die lesen und schreiben konnten.

Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
Im Dorf Ivato-Savana rund fünf Kilometer östlich von Vohipeno wohnt der Antaimoro-König in seinem königlichen Palast “Fenovola” (wörtlich übersetzt “voller Geld“). Ein Besuch beim König der Antaimoro ist wirklich ein Erlebnis, etwas Aussergewöhnliches. Vor dem Besuch muss man aber einigen Rituale befolgen: zuerst bei den Dorfbewohnern und dem Dorfchef fragen, ob ein Besuch möglich ist, denn man muss einen Passierschein bekommen und gleichzeitig eine Gebühr bezahlen. Ausserdem braucht es eine Flasche Rum. Der Besuch beginnt dann mit einem Spaziergang entlang des Flusses Matitanana (wörtlich übersetzt “Fluss ohne Arm“). Der König wohnt in einem grossen Holzhaus mit drei heiligen Säulen. Man muss die Schuhe ausziehen, bevor man das Haus betritt. Hier beim König werden alte Handschriften in “Sorabe“ auf Antaimoro-Papier aufbewahrt. Es sind heilige Schriften, die von Zauberern, Angehörigen der hohen Kasten und Adeligen bis heute gelesen werden. Das Sorabe ist die Sprache ihrer Vorfahren. Viele Leute befragen noch heute den König oder seine Berater, um persönliche Probleme zu lösen. Wer noch die Königsgräber besuchen möchte, muss noch einmal eine Gebühr bezahlen und die Ahnen fragen, ob ein Besuch der Gräber möglich ist.

70% der Dorfbewohner in dieser Region sind traditionellerweise Muslime, so sieht man oft Moscheen in den grösseren Orten. Zudem hat die intensive islamische Missionierung zu einer deutlichen Moslemisierung geführt.


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Die Strasse ab Vohipeno ist immer noch eine gute Asphaltstrasse. Nach 50 km überqueren wir einen Fluss. Etwas flussaufwärts liegt das Flussdorf Tangainony, wo es sich gut ein oder mehrere Tage verweilen lässt. Es ist ein idealer Ort für ausgedehnte Spaziergänge, auf denen wir das Alltagsleben der Einheimischen miterleben können. Wir sehen Zebus auf den Weiden oder kleine Kaffeepflanzungen und natürlich Reisfelder. Bei einem Handwerker besuchen wir die Frauen und beobachten, wie sie mit geübten Händen Hüte und Körbe aus Strohbast flechten. In Tangainony gibt es leider kein Hotel.

Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
Wir können aber auch ab Vohipeno in gut einer Stunde durch eine grüne Agrarlandschaft entlang des Pangalanes-Kanals den einst beliebten Badeort Farafangana erreichen. Dieser Ort (übersetzt “am Ende der Welt“) ist eine kleine Stadt, in die kaum Touristen gelangen. Doch Farafangana hat eine grosse regionale Ausstrahlung, denn hier gibt es Verwaltung, Gymnasium, Tankstellen, Banken, Krankenhäuser. Auch der Markt ist reichhaltig mit Kaffee, Gewürznelken, Pfeffer, Reis, Früchten. Und natürlich mit allen Waren des täglichen Bedarfs für die weit verstreute Landbevölkerung der Umgebung.

Ab Farafangana wird die Strasse immer schlechter, da der Asphalt viele Löcher aufweist. 30 km südlich von Farafangana finden wir das grosse Spezial-Reservat von Manombo. Mit rund 5000 ha ist dieses Reservat bekannt für Lemuren wie den Weisskragenmaki oder Eulemur cinereiceps, etliche Vogelarten sowie Frösche und Reptilien.

Rund 75 km südlich von Farafangana, immer auf der Nationalstrasse RN 12, erreichen wir das Städtchen Vangaindrano (übersetzt “wo es Wasser zu kaufen gibt“). Dieser sehr fruchtbare Ort liegt inmitten grüner Plantagen und an einem Fluss. Montags findet der Markt statt: Reis, Maniok, Süsskartoffeln, Tropenfrüchte sowie Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Gewürze und Kaffee werden hier angeboten. Wie überall ist hier ebenfalls die Rikscha (das Pousse-pousse) das Hauptverkehrsmittel. Ab Vangaindrano wird die Strasse zur Piste. Etwa 85 km südwestlich von Vangaindrano liegt das Dorf Midongy Atsimo, wo sich ein Nationalpark befindet, der aber wegen seiner sehr schlechten Zufahrt schwer erreichbar ist. In diesem unscheinbaren Landstädtchen wuchs übrigens der beste Fotograf Madagaskars, Pierrot Men, auf.

Wir setzen unsere Reise über mehrere Flüsse fort. Hier gibt es keine Brücken. Die Überquerung der Flüsse ist nur mit Fähren möglich. Die 10 Fähren sind in ziemlich gutem Zustand. Einige Fähren werden noch mit einer Handkurbel betrieben, andere sind motorisiert. Wenn es keinen Treibstoff mehr gibt, wird die Plattform an einem Drahtseil auf die andere Seite gezogen. Bereits 20 km südlich von Vangaindrano ist die erste Fähre über den Lac Masianaka.

Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
56 km südlich von Vangaindrano fahren wir in den ersten grösseren Ort Manambondro ein, an dessen Ortseingang sich eine Menge Gräber befinden. Der Ort ist ein typischer Küstenort mit Hütten aus Falafa (Material von der Fächerpalme). Später von Manambondro bis Manantenina benötigt man viel Zeit für die Fahrt, denn zwischen diesen beiden Dörfern gibt es einige schwierige Passagen über Granitfelsen. Später ist die Piste erdig, sie wird aber zu einer schmierigen Seifenpiste, wenn es regnet. Im Ort Sandravinany gibt es einen schönen Strand. Auf der gesamten Strecke begleiten uns im Westen malerische Gebirgsketten.

Zwischen Sandravinany und Manantenina müssen wir drei Fähren benützen: Befasy, Esama und Manambato. Für diese Strecke von rund 50 km muss man mindestens fünf Stunden Zeit einrechnen. In Manantenina gibt es ein einfaches Hotel. Zwischen Manantenina und Fort Dauphin ist die Piste sandig oder steinig, aber relativ gut, wir fahren durch viele wasserführende Bachbette (Furten).

Die Strecke zwischen Manantenina und Fort Dauphin (107 km) zu bewältigen, dauert sicher acht Stunden, mit fünf Fähren. Die Benützung der Fähren ist im Prinzip gratis, aber man gibt den Fährenmännern in der Regel etwas Trinkgeld. Die Strasse führt teilweise über Granitfelsen und es gibt mehrere schwierige Passagen. Über ein ständiges Auf und Ab nähern wir uns der Stadt Fort Dauphin, auf madagassisch Tolagnaro. Fort Dauphin liegt auf einer Halbinsel und ist auf drei Seiten vom Meer umgeben. Ab Fort Dauphin sind mehrere Exkursionen möglich: Bucht von Lokaro, Evatra, Reservat von Nahampoana, Botanischer Garten.

Die rund 1300 km lange Strecke von Manakara bis Fort Dauphin ist wirklich aussergewöhnlich, oft ändert sich die Landschaft und gleichzeitig lernen wir verschiedene Kulturen kennen.

Januar 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Manakara – Mananjary

2650 – Manakara – Mananjary

Von Manakara aus geht es zunächst Richtung NW etwas ins Landesinnere und dann nach NE wieder Richtung Ozean bis zum Städtchen Mananjary.


Unterwegs besuchen wir eine Gewürzplantage und geniessen die ländlich ruhige Gegend. Mit etwas Glück sehen wir an einem der vielen Flüsse zwischen Manakara und Mananjary, wie Gold gewaschen wird.

Nach dem Aufenthalt in Manakara und einem Ausflug auf dem Pangalanes-Kanal nehmen wir die Nationalstrasse 12 bis zum Städtchen Irondro, 120 km entfernt. Unterwegs lernen wir auf einer Plantage die madagassischen Gewürze kennen. Madagaskar ist ja auch bekannt als Gewürzinsel. Viele Gewürze wie Pfeffer, Nelken, Zimt und Vanille werden exportiert. Die Madagassen verwenden sie auch zum Kochen. Für viele Madagassen schmeckt das Essen nicht, wenn es kein „Sakay“ gibt. Sakay bedeutet scharf und ist eine madagassische, leicht ölige Gewürz-Beilage, die hauptsächlich aus Chili zubereitet wird.

Manakara – Mananjary
Unterwegs überqueren wir mehrere Flüsse und an Flussufern sehen wir Leute, die Gold waschen. Diese Arbeit wird von vielen Familien als Haupt-Einkommensquelle verrichtet. Trotz harter Arbeit verdienen sie nicht viel. Viele Leute träumen davon, plötzlich reich zu sein, andere denken nur an den nächsten Tag und wie sie diesen überleben. Sogar die Kinder und Frauen waschen Gold, denn oft müssen die Kinder ihren Eltern helfen, Geld zu verdienen. Einige Kinder sind nur am Wochenende dabei, denn sie haben Glück, dass ihre Eltern sie unter der Woche in eine Schule schicken. Auf Madagaskar geht über eine Million Kinder nicht zur Schule.


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Manakara – Mananjary
Überall an der Küste von Madagaskar sehen wir Frauen mit einer aussergewöhnlich schönen Schminke. In Madagaskar brennt die Sonne fast jeden Tag und die Frauen wollen ihr Gesicht schützen. So verwenden sie Sandelholz oder Masonjoany auf madagassisch. Dieser kleine Baum wächst vor allem an der Westküste Madagaskars. Die Frauen benutzen Sandelholzpulver als Gesichtsmaske, nicht nur um ihre Haut vor der Sonne zu schützen und UV-Strahlen abzuhalten, sondern auch, um die Haut zu straffen und somit Falten vorzubeugen. Mit dieser Schönheitscreme können sie unterschiedliche Muster auf ihr Gesicht malen. Manchmal haben sie sehr filigran gezeichnete Muster auf ihren Wangen und ihrer Stirn. Bei den Mustern handelt es sich immer um Pflanzenmotive wie Blumen oder Blätter. Die Cremen sind hausgemacht, und jede Frau hat ihr eigenes Rezept. Sandelholz wird heutzutage auch in der Kosmetik benutzt. An der West- und Südküste der grossen Insel sind solche Gesichtsmasken eine verbreitete Tradition.

Ab dem Städtchen Irondro sind es dann nur noch ca. 50 km bis zur verschlafenen Stadt Mananjary. Dabei überquert die Strasse eine alte eiserne Hängebrücke. Man nennt sie Eiffelbrücke, doch sie wurde nicht vom Erbauer des Eiffelturms erbaut.

Januar 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Ranomafana – Manakara

2630 – Ranomafana – Manakara

Nach der Wanderung durch den Bergnebelwald von Ranomafana verlassen wir diesen ruhigen Ort und fahren über die gut ausgebaute Nationalstrasse RN 12 bis zur Hafenstadt Manakara.


Manakara liegt 180 km von Ranomafana entfernt und die Autofahrt dauert je nach Pausen rund vier Stunden.

Um die Küstenstadt Manakara zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder unternehmen wir die erlebnisreiche Zugfahrt ab Fianarantsoa, auf der wir direkt in Kontakt mit den Einheimischen treten können und natürlich auch viel über ihre Lebensweise und Kultur lernen. Oder wir fahren mit dem eigenen Auto entlang der RN12. Diese zweite Option ist bequemer und schneller als die erste, denn die Zugfahrt dauert einen ganzen Tag.

Bevor wir am Morgen abfahren, haben wir noch die Möglichkeit, einen letzten Rundgang durch das kleine Dorf Ranomafana zu unternehmen. Danach fahren wir auf der geteerten RN12 durch eine schöne und üppig grüne Landschaft. Unterwegs erkennen wir die vielen kleinen Dörfer auf den Hügeln. Es sind Dörfer der Tanala-Volksgruppen, die hier zwischen den Antaimoro- und Betsileo-Volksgruppen leben. Die Tanala, die “Waldmenschen“, sind eine Mischung verschiedener Volksgruppen Madagaskars, die während der Sklaven- und Kolonialzeit in die Wälder östlich von Fianarantsoa geflohen sind. Nach mündlichen Überlieferungen sind sie Nachfahren arabischer Einwanderer. Zeugen davon ist ihr starker Glaube an die Astrologie. Sie gelten auch als Kenner der Naturheilkunde. Diese madagassische Volksgruppe lebt von der Jagd, vom Fischfang in den Gebirgsflüssen, vom Honigsammeln und vor allem vom Kaffee-, Vanille- und Reisanbau.

Ranomafana – Manakara
Auf dieser Reise geniessen wir die Schönheit der Gebirgslandschaft. Schon ein paar Kilometer nach Ranomafana bewundern wir die verschiedenen Kaffee-, Vanille- und Gewürzhaine der Tanala-Volksgruppen in dieser Region. Madagaskar ist bekannt für seinen hochwertigen Robusta-Kaffee. Kenner schätzen die herausragende Qualität des madagassischen Kaffees.


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Am Rand der Nationalstrasse wachsen die Yamswurzeln (Ovy ala oder auf Deutsch “Kartoffel des Waldes“) wild. Diese Pflanze wurde von den ersten Einwanderern nach Madagaskar gebracht und hat sich danach in ganz Madagaskar verbreitet. Neben Reis gelten Yamswurzeln als Grundnahrungsergänzung, vor allem für die armen Bauern an der Ostküste Madagaskars. In schwierigen Zeiten essen sie Yamswurzeln abwechselnd mit Maniok oder Süsskartoffeln. Man findet diese wilde Pflanze aber weder auf den Märkten noch auf den Speisekarten in Restaurants. Yamswurzeln haben ebenso einen wichtigen Platz in der traditionellen Medizin. Sie heilen Magenschmerzen, Verbrennungen, Furunkel. Es gibt in Madagaskar sogar zahlreiche ganz verschiedene Yamssorten.

Ranomafana – Manakara
Nach 80 km taucht das kleine Städtchen Irondro auf, wo sich die Abzweigung nach Mananjary befindet. Die Stadt Mananjary ist bekannt wegen des Anbaus von Kaffee, Vanille und Nelken, aber auch wegen ihrer starken kulturellen Bedeutung. Dieser herrliche Ort eignet sich gut für einige entspannte Tage am Meer. In Irondro besteht die Möglichkeit, verschiedene Früchte wie Litschis, Bananen, Orangen oder Käse und Brot für ein Picknick-Mittagessen zu kaufen.

Am Nachmittag erreichen wir die Küstenstadt Manakara, das bedeutende Zentrum der Antaimoro-Volksgruppe. Bei unserem Aufenthalt in dieser Hafenstadt werden wir diese Volksgruppe mit ihrer Lebensweise und interessanten Sitten und Bräuche entdecken. Auf einem Tagesausflug auf dem Kanal von Pangalanes sind kleine Fischerdörfer, die Schönheit der Natur und die verschiedenen grünen Plantagen von Manakara zu geniessen.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antsirabe – Ranomafana

2610 – Von Antsirabe nach Ranomafana

Unser heutiges Ziel ist der Nationalpark Ranomafana, der im Südosten Madagaskars liegt und zum riesigen Regenwald von Antsinanana gehört.


Von Antsirabe aus fahren wir auf der RN7 durch das Hochland Richtung Süden bis nach Ambohimahasoa. In Alakamisy-Ambohimaha biegen wir nach Osten ab und nehmen die Nationalstrasse RN45. Die Fahrt auf der immer geteerten Strasse dauert etwa 5 Stunden. Im Dorf Ranomafana erwarten uns herrliche Wanderungen durch den Nationalpark mit seiner vielfältigen Flora und Fauna.

Wir verlassen Antsirabe, die Stadt der Kunsthandwerker und der Edelsteine und fahren bald entlang des Manja-Flusses. Über die welligen Hügel des Hochlandes gibt es viel zu sehen. Wir tauchen ein ins Land des Betsileo-Volksstamms.

Meist ist die Landschaft baumlos und in den Senken finden wir Reisfelder. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr steigen die Reisfelder auch an den Hängen in die Höhe, so wie wir sie aus Südostasien kennen.

Die alten Häuser haben oft Balkone aus Palisander. Früher gab es hier noch ausgedehnte Wälder mit verschiedenen Edelhölzern. Heute wird aus dem Holz meist Holzkohle hergestellt und in die Städte geliefert. Der Wald hat sich zu schütteren Landschaften gewandelt.

Antsirabe – Ranomafana
Auf der weiteren Fahrt nach Süden lohnt sich einen Zwischenstopp in Ambositra (“Stadt der Eunuchen“ oder “wo es viele Rinder gibt“), einer wichtigen Stadt des Volksstammes der Betsileo. Hier finden sich vor allem geschickte Handwerker mit ihrer Holzschnitzerei und den filigranen Einlegearbeiten. Die Holzkünstler sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Kunstfertigkeit der Einheimischen ist in etlichen Ateliers der “Zafimaniry-Kunst” bestaunen. Ab Ambositra kann man verschiedene Wanderungen oder Trekkings ins Zafimaniry-Gebiet unternehmen. Hier können wir je nach Interesse einige Tage in den Dörfern verbringen. Das Dorf Antoetra ist Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Zafimaniry-Dörfern wie Ankidodo, Faliarivo, Fempina oder Tetezandrotra. Der lokale Führer wird uns die Architektur der Zafimaniry-Häuser erklären. An Fenstern und Türen finden wir verschiedene geschnitzte Motive. Während dieses Trekkings müssen wir im Zelt übernachten, denn hier gibt es keine touristische Infrastruktur.


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Wir setzen unsere Reise fort und unterwegs bemerken wir, dass viele Leute – vor allem in den Dörfern – barfuss gehen. Die Madagassen mögen das Barfuss-Gehen, denn es ist praktisch und normal für ihre Arbeit – die meisten Madagassen sind Bauern. Barfuss-Gehen ist kein Zeichen der Armut. Viele Leute gehen barfuss zur Arbeit, auf den Strassen und aufs Feld. Nur sonntags tragen die Leute Schuhe. Es gibt verschiedene madagassische Schuhe wie Kapa (importierte Flip-Flops) und Plastiksandalen (kapa kyranil). Diese Letzte sind die Meistbenutzten auf dem Land. Traditionell ist es an manchen Orten verboten (fady), Schuhe zu tragen, weil die Orte heilig sind, z.B. die Königspaläste (Rovas).

Von Ambositra aus fahren wir wiederum durch Hügellandschaften, die Strecke ist jetzt kurvenreich und schmal. Unterwegs stossen wir immer wieder auf Zebu-Hirten mit ihren Herden aus dem Süden. Die Landschaft verändert sich, die Wälder bestehen aus Eukalyptus, Kiefern und anderen Bäumen, nur die angelegten Reisterrassen bleiben noch zu bewundern. Verschiedene Früchte wie Tapia, Physalis oder Mangos werden unterwegs von Frauen und Kindern angeboten.

Antsirabe – Ranomafana
80 km ab Ambositra erreichen wir das Städtchen Ambohimahasoa. Die meisten Reisenden machen hier einen Zwischenstopp, um das Mittagessen einzunehmen. Entlang der asphaltierten Strasse setzten wir unsere Reise bis Alakamisy-Ambohimaha fort. Hier verlassen wir die RN7 und fahren auf der Nationalstrasse RN45 bis zum Nationalpark und dem gleichnamigen Dorf Ranomafana.

Der Nationalpark von Ranomafana gilt als einer der Höhepunkte auf einer Madagaskar-Reise, nicht nur wegen seines Reichtums an endemische Pflanzen und Tieren, sondern auch wegen der Thermalquelle und der wunderschönen Landschaft. Dieser Park beherbergt einen der letzten Bergnebelwälder der Erde.

Januar 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Antalaha

1620 – Antalaha

Antalaha ist die zweitwichtigste Stadt der Vanille-Region SAVA an der Nordostküste Madagaskar und liegt nördlich der Masoala-Halbinsel.


Diese kleine Vanillestadt am Indischen Ozean ist per Flugzeug ab der Hauptstadt Antananarivo gut oder per Autofahrt nur sehr umständlich über die RN 5a erreichbar.

Antalaha bedeutet wörtlich übersetzt „wo es viel Wasser gibt“. Früher war diese malerische Stadt nur ein unbedeutendes und ärmliches Dorf wie viele andere Dörfer in Madagaskar. Die Familien bauten wenige Gemüsearten an und verfügten nur über ein paar Rinder. Die Franzosen brachten dann die Vanille aus La Réunion in dieses Gebiet, denn die weltweite Nachfrage von Vanille stieg immer weiter an und die Böden im feuchtwarmen Nordosten von Madagaskar versprachen reichliche Ernten.

Antalaha
Schnell entwickelte sich dieser kleine Ort zusammen mit Sambava zur “Welthauptstadt der Vanille“, denn etwa 70% der Vanille der ganzen Welt stammen von hier. Die süsslich duftende schwarze Schote ist eine der Haupteinnahmequellen von Antalaha. Leider sind die grossen und reichen Zeiten der Vanille vorbei. Wegen der wiederkehrenden Zyklone wurden die Anbaugebiete immer wieder zerstört und dadurch ist der Absatz unregelmässig. Aber noch immer leben fast alle Kleinbauern in dieser Gegend von der Vanilleproduktion und Vanille ist eines der wichtigsten Exportprodukte der grossen Insel.

Die Erntezeit der Vanilleschoten fällt in die Monate Juni bis August. Die Schoten werden mit einem Nagelstempel markiert, damit sie nicht gestohlen werden können. Die meisten Bauern liefern ihre Schoten einem grösseren Verarbeiter, denn die Aufbereitung bis zur handelsfertigen Vanille ist aufwendig. Zuerst müssen die grünen Schoten in ca. 70° C heissem Wasser für einige Minuten gebrüht werden. Dann kommen sie für rund einen Tag in eine isolierte Kiste, wo der Fermentationsprozess abläuft. Erst jetzt haben die Schoten ihre kastanienbraune Farbe und duften nach Vanille. Jetzt müssen sie aber noch über mehrere Wochen an der Sonne getrocknet werden. Jeden Abend werden sie wieder in Tücher gehüllt, damit die Fermentation noch weiter gehen kann. Zum Schluss werden sie klassiert, sortiert und verpackt.


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Das kleine Reservat “MaColline“ gehört zu den beliebtesten Ausflügen in dieser ruhigen Stadt. Es ist ein privater botanischer Garten, gegründet von der Apothekerin Marie-Hélène Kam-Hyo. Sie erzählt den Besucher gerne von ihren Umwelt- und Lepraprojekten. Das kleine Reservat liegt rund drei Kilometer nördlich der Stadt Antalaha am Fluss Ankavanana und erstreckt sich über etwa 10 ha. Wer über keine Zeit für ein Trekking durch den Masoala-Nationalpark hat, sollte unbedingt dieses kleine “Open Air- Museum“ besuchen. Die ortskundigen Guides zeigen den Besuchern die verschiedenen Heilpflanzen und die etwa 600 Arten von wertvollen Pflanzen sowie diverse Obstbäume. Neben der Vanille blüht hier einmal im Jahr eine seltene Pflanze mit schneeweissen Blüten, die Clerodendrum kamhyoae. Sie gehört zur Gattung der Losbäume oder Lossträucher, wurde erst vor kurzem entdeckt und hat noch keinen deutschen Namen. Sie wurde hier “La Mariée“ oder “die Braut“ genannt und kommt nur hier vor. Das Aufblühen ist ein kleines Naturwunder und die fertigen schneeweissen Blüten prangen an langen Stielen. Natürlich sind auch verschiedene Tiere wie Chamäleons, Schmetterlinge und Lemuren hier zu Hause.

Antalaha
Die Schiffe sind das übliche Transportmittel zwischen Antalaha und den kleinen Fischerdörfern entlang der Ostküste Madagaskar. Nebst Belo sur Mer bei Morondava gilt Antalaha als ein wichtiges Zentrum für den traditionellen Schiffsbau. Die kleinen lokalen Schiffwerften befinden sie direkt am Strand von Antalaha. Hier werden grosse Holzschiffe in reiner Handarbeit gebaut. Diese traditionelle Handwerkskunst des Schiffbaus haben die Dorfbewohner von den arabischen Einwanderern übernommen.

Neben den schönen und ruhigen Stränden von Antalaha erleben die Reisenden hier auch eine vielseitige Landschaft mit Weilern, Kokos- und verschiedenen grünen Gewürzplantagen. Antalaha ist aber auch Ausgangspunkt für erlebnisreiche Trekking-Touren durch den Masoala-Nationalpark oder für abenteuerliche Wanderungen entlang der Vanilleküste.

Januar 2021, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

SAVA

1600 – SAVA

Im Nordosten von Madagaskar befindet sich die Region SAVA. Diese Bezeichnung ist eine Abkürzung der vier wichtigen Städte der Zone: Sambava, Antalaha, Vohémar und Andapa.

SAVA ist ebenfalls der Name der Region. SAVA war früher Teil der ehemaligen Provinz Diego-Suarez (Antsiranana). Die administrative Aufteilung Madagaskars in sechs Provinzen wurde in den Nuller-Jahren in 22 Regionen umgewandelt. 2021 wurde eine Region in zwei gesplittet: seit August 2021 ist Madagaskar administrativ also in 23 Regionen unterteilt. 

Die Region SAVA ist fruchtbar und verfügt über genügend Niederschläge. Das Klima eignet sich hervorragend für den Anbau von Vanille. Daher wird insbesondere Antalaha als Welthauptstadt der Vanille bezeichnet. Doch auch Sambava und Andapa und in geringerem Mass auch Vohémar pflanzen Vanille an. In Vohémar nimmt die Viehzucht jedoch ein grösseres Gewicht ein. (Der kolonialfranzösische Ortsname Vohémar wurde in den nationalistischen Zeiten der 1980er Jahre in Iharana umgetauft. Dies hat sich aber nicht durchgesetzt.)

SAVA ist etwas über 25’000 km2 gross und wird von knapp zwei Millionen Leuten (2020) bewohnt. Im Süden gehört die Masoala-Halbinsel dazu und im Westen begrenzt das Tsaratanana-Gebirgsmassiv die Region. Im Tsaratanana-Gebirge erhebt sich der Maromokotro auf 2876 m ü. M. und ist damit der höchste Berg von Madagaskar.

SAVA ist mit Fahrzeugen nur über die RN 5a erreichbar. Die RN 5a führt von Ambilobe über 170 km nach Vohémar: eine abenteuerliche Naturpiste.

Schiffstransport spielt eine gewisse Rolle zwischen dem internationalen Hafen von Tamatave (Toamasina) und Antalaha. Doch die Umfahrung der Masoala-Halbinsel ist sehr risikoreich. Sambava hat keinen Hafen. In Vohémar wird Treibstoff angeliefert.

Mananjary

2660 – Mananjary

Nach Mananjary gelangt man von Fianarantsoa aus über Ranomafana und weiter auf der RN25 bis an die Küste des Indischen Ozeans.


Die Stadt liegt am südlichen Ende des noch schiffbaren Teils der langen Wasserstrasse “Kanal von Pangalanes“.

Dieses ruhige Hafenstädtchen, in Luftlinie rund 110 km nördlich der grossen Stadt Manakara, ist das Zentrum des Kaffee-, Vanille-, Nelken- und Pfefferanbaus entlang der Südostküste.

Ursprünglich hiess diese Stadt Masindrano, wörtlich übersetzt bedeutet dies “das Heilige Wasser”. Während der Besetzung durch den Merina-Volksstamm aus Antananarivo bekam die Stadt den Namen Mananjara-ville oder die Stadt, die viel Glück bringt, später wurde sie in Mananjary umbenannt.

Hier lebt die ethnische Volksgruppe der Antambahoaka. Dieser Name kommt von zwei Wörtern: Das erste Wort “Tanana“ heisst das Dorf oder die Stadt und das zweite Wort “Vahoaka“ bedeutet das Volk, wörtlich übersetzt bedeutet dies also “die Stadt, die dem Volk gehört“.
Eine andere Erklärung des Namens entspringt einer Legende des ehemaligen Königs “Ratiambahoaka” oder “derjenige, der während seiner Regierungszeit von seinem Volk geschätzt wird“. Vom Namen dieses geliebten und respektierten Königs stammt der Name des Volkstamms Antambahoaka.

Die Antambahoaka-Volksgruppe ist eine der kleinsten Ethnien in Madagaskar und siedelt an der Südostküste rund um die Region von Mananjary. Es sind Nachfahren arabischer Herkunft, die zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert von Mekka nach Madagaskar ausgewandert sind. Zeuge davon ist eine Skulptur aus weissem Seifenstein, nicht weit vom Fischerdorf Ambohitsara (wörtlich bedeutet dies “das schöne Dorf“) am Ufer des Süsswasserkanals, rund 50 km von Mananjary entfernt. Der inzwischen grau verwitterte Stein stellt einen kleinen weissen Elefanten dar und sei – so eine der Legenden – von muslimischen Pilgern aus Mekka mitgebracht worden.

Dieses einzigartige Denkmal hat bei den Einheimischen unterschiedliche Namen: “Vato Lambo“ (“steinernes Wildschwein“) oder “Vato masina“ (“heiliger Stein“). Auf alle Fälle verehren die Antambahoaka diesen Stein und betrachten ihn als heilig. Dieser Volkstamm betreibt wie viele andere bis heute einen Ahnenkult: Es werden Opfer gereicht, beispielsweise einen Hahn oder Geschenke für die Vorfahren wie Honig oder Rum. Dieses geschützte Areal mit der heiligen Steinskulptur ist von schönen Drachenbäumen umgeben und der Besuch ist nur in Begleitung eines Lokalguides oder eines Dorfvertreters möglich.

Mananjary
Eine ganz besondere Tradition dieses Antambahoaka-Volkstamms ist das kollektive Beschneidungsfest oder “Sambatra“. Es wurde eingeführt von Zafi Raminia, dem Stammvater der Antambahoaka, der im 12. Jahrhundert aus Mekka nach Madagaskar eingewandert sei. Diese grosse und gemeinsame Beschneidungszeremonie findet in Mananjary alle sieben Jahre statt und kann wochenlang dauern. Es ist ein Freudenfest und ein wichtiges Ereignis, bei dem die seit der letzten Feier geborenen Antambahoaka-Knaben alle beschnitten werden.
“Sambatra“ bedeutet auf madagassisch soviel wie “selig“ oder “glücklich“. Und während dieser kollektiven Knabenbeschneidung, die von traditionellen Tänzen und Gesängen unterbrochen wird, werden viele Zebus geopfert. Das benötigte heilige Wasser wird aus dem breiten Mananjary Fluss geschöpft und zwar dort, wo sich das Süsswasser mit dem Meerwasser mischt. Dieses dient dann der Wundreinigung der Beschnittenen. Nach dieser rituellen Zeremonie sind die Familien froh, dass ihre Söhne jetzt als Erwachsene in der Gesellschaft akzeptiert sind.


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Bei der Antambahoaka-Volksgruppe sind neugeborene Zwillingskinder oder “Zaza kambana“ unerwünscht, ja sie werden abgelehnt, denn sie gelten als Tabu oder “fady“. Die Eltern glauben, sie seien Unheilbringer oder Unglücksboten. Viele dieser unschuldigen Babys wurden früher kurz nach der Geburt einfach ausgesetzt oder gleich getötet.
Heute ist es möglich, diese Zwillinge Adoptionsstellen oder Sozialprojekten in Mananjary zu übergeben. Viele werden dann von Familien aus europäischen Ländern adoptiert. Inzwischen behalten die meisten Familien ein Baby und das andere wird von einem Projekt aufgenommen und betreut. Einige Familie wagen es inzwischen sogar, diese Taburegeln zu brechen und behalten beide Zwillinge.

Mananjary
Der Kanal von Pangalanes wurde während der Kolonialzeit erbaut. Ende der 1940erJahre hatten die französischen Kolonialherren Flussläufe, Binnenseen und Lagunen in eine schiffbare Wasserstrasse verwandelt. Heute sind hier viele malerische Fischerdörfchen angesiedelt. Eine Bootstour auf diesem Kanal von Pangalanes, der Hauptverkehrsader zwischen den kleinen Dörfern an der Ostküste, ist ein aussergewöhnliches Erlebnis. Hier entfaltet sich die madagassische Landidylle und während der Bootsfahrt kann man das bescheidene Landleben der Küstenbewohner kennen lernen: die Kinder planschen und spielen gern im Süsswasser der Seen, ihre Mütter waschen ihre Kleider oder bereiten das Essen am Ufer, gesäumt von Elefantenohren (Typhonodorum lindleyanum) und Seerosen. Die Fischer versuchen ihr Glück mit Netzen und Reusen in den fischreichen Seen und Flüssen, denn der Fischfang ist eine wichtige Nahrungsgrundlage entlang dem Kanal, der sich rund 650 km der Küste entlang zieht.

Die fruchtbare Region rund um Mananjary mit ihrem feucht warmen Klima, ist bis heute ein wichtiges Anbaugebiet für die verschiedenen Exportprodukte Madagaskars. Im Laufe der Jahre hat die Stadt leider an wirtschaftlicher Bedeutung verloren, da der Hafen ausser Betrieb gesetzt wurde und die Gewürze von dort nicht mehr verschifft werden können. So bringt die lokale Bevölkerung ihre Anbauprodukte wie Gewürze, Kaffee, Litschis (zwischen Dezember und Januar), Brennholz und Baumaterialien mit ihren Einbäumen zu jenen Dorfmärkten entlang der Ostküste, von wo sie dann auf dem Landweg weitertransportiert werden.

Mananjary
Von der Stadt Mananjary aus ist es möglich, eine achtstündige Bootstour bis zum 120 km entfernten idyllischen Fischerdorf Nosy Varika zu unternehmen. Bei den vielen Zwischenstopps unterwegs besteht die Möglichkeit, Dörfer und lokale Märkte der Antambahoaka-, Antaimoro- und Betsimisaraka-Volksgruppen zu besuchen und mehr über die Kultur, die Sitten und Bräuche dieser Ethnien zu erfahren. Das Leben in den kleinen Dörfern ist beschaulich, die Landbewohner sind freundlich, auch neugierig, denn in diesen abgelegenen Regionen kommen selten “Vazaha“ (Fremde) vorbei und dies stellt für die Einheimischen eine willkommene Abwechslung dar.

Dezember 2020, geschrieben von Michaël, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Manakara

2640 – Manakara und seine Umgebung

Die kleine Stadt Manakara an der Südostküste liegt 590 km von der Hauptstadt Antananarivo entfernt, am Ende der Eisenbahnstrecke, die das Hochland mit der Küstenstadt verbindet.


Manakara ist auch gut erreichbar über die RN12 oder auch über die berühmte Wasserstrasse des “Pangalanes-Kanals“. Die üppige Blütenpracht und die vielen exotischen Früchte im Überfluss sind eine Folge des feuchtwarmen Klimas an der Südostküste und machen die Stadt zu einem reizvollen Ziel für jeden Madagaskar Reisenden.

Die Stadt Manakara ist eine grosszügig angelegte Stadt, mit breiten Strassen und Villen in ausgedehnten Gärten. Manakara ist der Hauptort der heutigen Region Fitovinany. Vor der Fertigstellung der Eisenbahnlinie war Manakara bis im Jahre 1936 eine unbedeutende Fischersiedlung an der Südostküste. Nach der Inbetriebnahme der Zugstrecke Fianarantsoa Côte-Est entwickelte sie sich rasant zu einem grossen Handelszentrum. Die Eisenbahnlinie ab Fianarantsoa nach Manakara oder in umgekehrter Richtung mit der Meterspurbahn gilt als eine unvergessliche Zugreise auf der Insel.

Manakara
Manakara besitzt nach Tamatave den zweitgrössten Ostküstenhafen am Indischen Ozean, vom dem aus Kaffee, Vanille, Pfeffer, Nelken und andere wichtigste Exportwaren in andere Landesteile verschifft werden. Das feucht warme Gebiet rund um Manakara ist sehr fruchtbar und reiche Chinesen und Einheimische betreiben grosse Plantagen mit Nelken, Pfeffer, Litschis und Kaffee. Auch die Importwaren und die Konsumgüter für die Verwaltungshauptstadt Fianarantsoa werden hier angelandet und mit dem Zug oder mit Lastwagen ins Hochland transportiert.

Die Stadt teilt sich in zwei grosse Quartiere auf. Der erste und westliche Teil heisst “Tanambao“, wörtlich übersetzt “die neue Stadt“ und liegt auf dem Festland, wo sich das Verwaltungszentrum, der Bahnhof, die Taxi Brousse Haltestelle, der grosse Markt, die meisten Hotels und einige Kirchen befinden.

Zum östlichen Teil auf der langgestreckten Insel “Manakara be“ oder “grosses Manakara“ gelangt man mit der bunten Rikscha, das häufigste öffentliche Verkehrsmittel in dieser flachen Küstenstadt. Diese zweite Stadt liegt am Nordende einer langgestreckten Insel, die schön zwischen dem Kanal von Pangalanes im Westen und dem Indischen Ozean im Osten liegt und durch eine – jetzt kaputte – Eisenbrücke mit dem Festland verbunden war. Eine neue Brücke ist im Bau. Bis sie fertiggestellt ist, benutzen die Fussgänger eine Fähren-Piroge und die Autos machen einen Umweg über eine schmale Notbrücke beim ehemaligen Hafen. Während der Kolonialzeit bauten die Franzosen ihre schönen Villen hier. Die reichen chinesischen Grund- und Plantagenbesitzer bevorzugen auch heute noch diesen angenehmen Stadtteil am Meer. Heute haben sich verschiedene Banken, staatliche Verwaltungen und andere Büros hier niedergelassen. Entlang der Allee mit den hohen Filaos-Bäumen liegen zahlreiche Hotels und Restaurants mit Meeresblick. Leider werden die palmengesäumten Alleen regelmässig von den Wirbelstürmen zwischen Januar und März zerstört. Besonders geschätzt wird die schöne Landschaft entlang des Kanals von Pangalanes mit seinen reizvollen Fischerdörfern.

Manakara
Der Antaimoro-Volkstamm (wörtlich: “die Volksgruppe, die an der Küste lebt“) stammt aus einem arabischen Land und ist etwa im 12. – 14. Jahrhundert hier nach Madagaskar eingewandert. Nach den mündlichen Überlieferungen war zu jener Zeit der berühmte Ramakararo, ein Sultan aus Mekka, der Gründer dieser Volksgruppe. Seitdem findet die arabische Kultur an diesem Küstenabschnitt Madagaskars grosses Interesse. Diese Ethnie hat ihren islamischen Glauben beibehalten und hat sich in der Zwischenzeit mit der einheimischen Bevölkerung vermischt. So sind die Leute Moslem und glauben gleichzeitig an die Macht der Ahnen, was sie entscheidend von den anderen Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Insel unterscheidet. Sie gelten als ganz besonders gebildete Leute, denn sie sind fähig, den Dialekt der madagassischen Sprache in arabischen Schriftzeichen, dem “Sorabe“ (die “alte Sprache“) niederzuschreiben. Sie sind auch bekannt als respektierte Sterndeuter und Wahrsager, die bis heute immer noch von der Familie bei wichtigen Angelegenheiten konsultiert werden. Sie bestimmen die geeigneten Tage und den richtigen Zeitpunkt nach dem Mondkalender für die wichtigen Ereignisse wie die Grundsteinlegung des Hauses oder für Familienfeste wie Hochzeit, Beschneidung oder Totenumbettung. Sie gelten auch als fähige Heiler, da sie viele Kenntnisse über die zahlreichen Medizin- und Heilpflanzen in Madagaskar besitzen. Sie sind auch berühmt für die Herstellung des Papiers Antaimoro. Auf diesem speziellen und handgeschöpften Papier aus Maulbeerbaumrinde werden die „Sorabe“ niedergeschrieben. Diese teilweise sehr alten Schriftstücke gehören zu den wertvollsten Kulturgütern der Insel.


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Heutzutage haben sie immer noch ihren eigenen König in der Kleinstadt Vohipeno, ca. 30 km südlich von Manakara. Das Dorf Vohipeno gilt als das bedeutende Zentrum der Antaimoro-Volksgruppe. Dieses malerische Dorf ist interessant wegen seines hübschen und lebhaften Marktes und ist besonders bekannt für die viele Flechtarbeiten wie bunte Körbe, Matten, Taschen, Hüte aus Binsen, aus den Blättern des Baums der Reisenden oder des Raphia-Bastes.

Manakara
Der Kanal von Pangalanes ist vom Indischen Ozean nur ein paar Hundert Meter entfernt, er verläuft auf einer Länge von rund 700 km immer parallel zur Ostenküstenlinie Madagaskars und verbindet die natürlichen Flüsse, Seen und Lagunen in diesen Regionen zu einem Kanal. Von der ursprünglichen Strecke sind derzeit leider nur noch 430 km schiffbar, weil Schlingpflanzen, Wasserhyazinthen und andere Pflanzen den Wasserweg stellenweise praktisch unpassierbar machen. Neben der Bahnlinie FCE ist diese Wasserstrasse ein zweiter wichtiger Transportweg an der Ostküste.

Der Kanal war während der Kolonialzeit ein beliebter Schmugglerweg, er beginnt in der Nähe der wichtigen Hafenstadt Tamatave und führt bis nach Farafangana weit im Süden. Er spielt auch eine grosse Rolle für die Bewässerung der Felder, versorgt die Küstenbewohner mit Trinkwasser und dient natürlich als Süsswasserfischlieferant. Verschiedene Waren und Baumaterialien von Manakara aus, aber auch Produkte wie Reis, Kaffee, Bananen und Gewürze werden entlang dieser langen Wasserstrasse zu den nächsten Dörfern und Märkten transportiert, die nicht über Strassen erreichbar sind.

Eine gemächliche Bootstour ab Manakara bis Mananjary oder eine Pirogenfahrt auf dieser Wasserstrasse zählt zu den erlebnisreichen Unternehmungen in der Küstenstadt Manakara. Bei einem solchen Ausflug erzählt der Lokalguide über die Sitten und Bräuche der Antaimoro- und Antaisaka-Küstenbewohner, über die Legenden der heiligen Krokodile, die in diesem Kanal wohnen und die von den Einheimischen besonders respektiert werden.

An den Rand des Kanals von Pangalanes schmiegen sich kleine malerische Fischerdörfer. Unterwegs kann man das Alltagsleben der gastfreundlichen Küstenbewohner kennen lernen. Früh am Morgen versuchen die Männer ihr Glück mit ihren selbstgebauten Kanus oder Einbäumen entlang des Kanals von Pangalanes. Nachmittags bringen die Frauen den Fang in die verschiedenen Hotels und Restaurants oder in die Stadt zum Verkauf. Der Besuch des lebhaften Fischmarktes in Manakara ist eine der Hauptattraktionen in der Stadt.

Entlang des Kanals an dieser Südostküste befinden sich grosse Kaffeeplantagen und Kaffee gilt als ein wichtiges Exportprodukt der grossen Insel. Die Kaffeepflanze wurde vor rund 200 Jahren von der Nachbarinsel La Réunion (damals Bourbon genannt) eingeführt. Das Klima und die Bodenbeschaffenheit an der Ostküste sind geradezu ideal für den Kaffeestrauch, der aber die direkte Sonneneinstrahlung wenig schätzt. So wachsen die Kaffeesträucher auf den Plantagen meist unter Schattenbäumen. Der aromatische Kaffee Arabica von Madagaskar hat eine sehr gute Qualität und schmeckt hervorragend. Die Tasse Kaffee gehört für die Dorfbewohner am Morgen zum täglichen Ritual, er wird meist schwarz und stark gezuckert getrunken.

Der Strand von Manakara mit seinen schattenspendenden Bäumen ist seit der Kolonialzeit bis heute ein beliebter Badeort für die Europäer und die Einheimischen. Trotz der Brandung sind die endlosen Sandstrände erholsam und fantastisch. Der schöne Badeort “Trou du commissaire“, etwa acht Kilometer südlich der Stadt, ist ein beliebter Badestopp auf einer erholsamen Pirogenfahrt auf dem Kanal des Pangalanes. An dieser schönen Bucht, von einem Korallenriff geschützt, ist das Baden im Indischen Ozean ohne Risiko möglich.

Dezember 2020, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Nationalpark von Ranomafana

2620 – Nationalpark von Ranomafana

Der Nationalpark von Ranomafana liegt am Namorona Fluss und ist ein weltweiter Anziehungspunkt von Naturfreunden.

Im Kerngebiet dieses Nationalparks ist der Primärwald noch mehr oder weniger intakt. Der Park gehört wegen seiner guten Erreichbarkeit zu den meist besuchten Nationalparks Madagaskars.

Über ganz Madagaskar verstreut gibt es viele Orte mit dem Namen Ranomafana, auf Deutsch bedeutet dies “heisses Wasser“ bzw. “Thermalquelle“. Dieser Name taucht überall auf, wo eine heisse Naturquelle gefunden wurde.

Das hübsche und malerische Dorf Ranomafana nordöstlich der Verwaltungsstadt Fianarantsoa liegt idyllisch im Tal des langen, rauschenden Namorona-Flusses. Das Dorf war ursprünglich bekannt für sein Thermalbad. Im Jahr 1880 wurden die Thermalquellen entdeckt und so wurde Ranomafana mit seinem Heilwasser ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Ausflugs- und Kurort für die Europäer. Die Franzosen bauten das Kurhaus und das Thermalbad mit Schwimmbad nicht weit von der Brücke über den Namorona Fluss. Viele Einheimische und Europäer, die an verschiedenen Krankheiten, wie Rheumatismus, Asthma, Gicht, Diabetes und Fettleibigkeit litten, liessen sich hier behandeln. Auch verschiedene Massagen konnten in Anspruch genommen werden.

Der Bergnebelwald erlangte Berühmtheit, als im Jahre 1986 der Biologe und deutsche Forscher Bernhard Meier mit seinen Fachleuten bei ihrer Expedition in den Regenwald zufällig auf den Goldenen Bambuslemur (Hapalemur Aureus) stiessen. Die Wissenschaftler hatten befürchtet, dass diese Lemurenart längst ausgestorben sei. Seit dieser sensationellen Entdeckung steht diese unberührte Bergregion unter Naturschutz und wurde am 27. Mai 1991 mit Hilfe internationaler Naturschutzverbände und Forschungsinstitute zum Nationalpark deklariert. Seit 2010 ist die Zone Teil der Naturschutzgebiete der Regenwälder von Antsinanana oder der Ostküstengebiete Madagaskars.

Nationalpark von Ranomafana
Dieser Nebelregenwald umfasst 40’000 Hektar und liegt auf einer Höhe zwischen 600 und 1400 m über dem Meeresspiegel. Insgesamt entspringen hier rund 30 Flüsse und der jährliche Regenniederschlag von ca. 3000 mm ist beachtlich.

Neben den neuentdeckten Goldenen Bambuslemuren, die sich von den anderen Lemuren wegen ihrer auffälligen Fellfarbe unterscheiden, beherbergt der interessante Park weitere Bambuslemurenarten, wie der Grossbambuslemur (Hapalemur simus) oder der kleine graue Bambusmaki (Hapalemur Griseus). Diese tagaktiven Lemuren leben in Gruppen und ernähren sich fast ausschliesslich von verschiedenen Bambusarten. Während sich der graue Bambuslemur von jungen Blättern und Sprossen des Bambus und von Gräsern ernährt, kann der Grosse Bambuslemur auch genannt “Breitschnauz Halbmaki“ dank des starken Gebisses die ganz dicken und harten Bambusröhren problemlos zerbeissen. Der Goldene Bambuslemur bevorzugt die eiweissreichen Schösslinge der Bambusse. So leben alle drei Lemurenarten in demselben Bambuswald von Ranomafana und machen sich kaum Konkurrenz.


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Viele Säugetiere, unter anderem der Diadem Sifaka, der Rotbauchlemur, die Rotstirnlemuren, und viele Vogelarten, Reptilien und Amphibien leben in diesem grossen tropischen Regenwald. Die nachtaktive Schleichkatze Fossa Fossana „Cryptoprocta ferox“ gilt als ein gefährliches Raubtier und ist der Feind aller Lemuren.

Dieser Park ist ebenfalls Lebensraum der seltenen Giraffenhalskäfer und anderer Insekten und Schmetterlinge, wie zum Beispiel der faszinierende und im Regenwald gut angepasste Kometenfalter. Welke Blätter imitierend und voll auf seine Tarnung vertrauend leben die „Brookesia“, die Erdchamäleons mit nur rund 10 mm Körperlänge auf dem Boden des Waldes. Mit etwas Glück kann man sie am Boden und im Unterholz des feuchten Regenwaldes finden. An den Stämmen der grossen Bäume fallen die giftgrünen Taggeckos der Gattung Phelsuma auf.

Die kompetenten Führer mit guten Fachkenntnissen haben ungewöhnlich gute Augen und Ohren und können auch bei einer Abendwanderung am Rand des Waldes die nachtaktiven Mausmakis oder ein paar schlafende Chamäleons entdecken. Gegend Abend ist die Luft erfüllt vom Konzert der quakenden Frösche.

Nationalpark von Ranomafana
Verschiedene Wanderwege beginnen am Parkeingang und führen zunächst auf die andere Seite des Flusses. Die obligatorischen, lokalen Führer empfehlen den Besuchern die Pfade je nach ihrer Kondition und ihrem Interesse. Wer baden will, kann den Pfad zum Sakoroa-Wasserfall wählen. Er liegt ca. 3 km von Vohiparara entfernt. Von hier hat man einen grandiosen Rundblick über den Park. Soweit das Auge reicht, blickt man über den grossen und faszinierenden Regenwald.

Auf den Rundwegen erhalten die Besucher Einblicke in die üppige Pflanzenwelt des Regenwaldes. Das gesamte Schutzgebiet ist mit verschiedenen Pflanzen und Palmenarten, zahlreichen Orchideen, Farnen im Überfluss und endemischen Heilpflanzen bedeckt. Baumfarne finden sich allerorts in grosser Zahl. Man stösst auch auf ausgedehnte Haine des Riesenbambus, das beliebte Habitat der drei Bambuslemuren. In der Nähe der Gebüsche mit wilden Guaven tummeln sich die meisten Lemuren, denn diese Primaten fressen sehr gerne diese kleinen und saftigen, roten Früchte zwischen März und Juni.

Der Ranomafana Nationalpark liegt an der Grenze der Siedlungsgebiete der Betsileo- und Tanala-Ethnien. Der Tanala-Volkstamm, wörtlich übersetzt “die aus dem Regenwald“, leben hauptsächlich vom Wald. Sie sind Holzfäller und sammeln wilden Honig, kurzum sie “verdienen ihr Brot“ mit dem, was der Wald ihnen an natürlichen Produkten bietet. Natürlich leben sie auch vom Kaffee- und Reisanbau. Sie gelten auch als Medizinmänner und Naturheilkundler und kennen sich sehr gut mit den Heilpflanzen und der Herstellung von Naturmedizin aus.

Die grösste Gefahr besteht darin, dass die hier lebenden Tanala-Volkstämme ihren traditionell nomadischen Wanderfeldbau und die Brandrodung auch an der Grenze des Nationalparks, also an der „Zone périphérique“ praktizieren. Dank eines Aktionsplans der amerikanischen Entwicklungshilfe (USAID) werden die Dorfbewohner über die verschiedenen Gründe der Schutzbemühungen aufgeklärt und sie erhalten 50% der Eintrittsgelder, um wichtige Sozialprojekte wie Reisbewässerung, Schulhausbau oder Projekte der Gesundheitsversorgung in den Dörfern zu finanzieren.

Nationalpark von Ranomafana
Nicht weit vom Parkeingang liegt das amerikanische Forschungs- und Ausbildungszentrum. Die moderne Infrastruktur mit eigenem Laboratorium ist bestimmt für wissenschaftliche Forschung der Ornithologen und Biologen aus der ganzen Welt. Dieses Zentrum Valbio wurde im Jahr 2003 von der Forscherin Patricia Wright, eine der Weltspezialisten für Lemuren und Primaten in Madagaskar, gegründet. Auch die sachkundigen Naturführer im Ranomafana Park werden hier von den Zoologen und Biologen ausgebildet.

Der Besuch des privaten Arboretums mit rund 2 ha Fläche liegt nur etwa drei Kilometer von Ranomafana entfernt an der Nationalstrasse Richtung Manakara und ist für Botaniker und Pflanzenliebhaber empfehlenswert. Das Arboretum existiert seit 2007 und beherbergt ca.150 endemische Baum- und Pflanzenarten.

Die Wanderwege durch den Nationalpark sind durch mehrere gekennzeichnete Wege gut erschlossen und die Besucher können die überwältigende Fülle der Natur ohne grosse Mühe beobachten. Die Vogelbeobachter dürfen natürlich ihr Fernglas nicht vergessen. Die verschiedenartigen Geräusche des Waldes, der rauschende Wasserfall, das Spiel der Sonne mit den Grüntönen des Regenwaldes verleiht diesem Park etwas Heiliges.

Dezember 2020; geschrieben von Kolonia PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress

2600 – Zugfahrt ab Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress

Eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. Die altersschwache Lokomotive der FCE fährt die etwa 163 km lange Zugstrecke auf den rostigen Meterspurgleisen vom Hochland bis zur regenfeuchten Ostküste Madagaskars am Indischen Ozean.


Einen Fotoapparat mit genügend Speicherplatz und vollem Akku muss man unbedingt mitnehmen, um die schöne und abwechslungsreiche Landschaft, all die Szenen an den Stationen und die verschiedenen Volksgruppen entlang dieser Zugstrecke zu fotografieren! Hier erleben Sie die Seele Madagaskars mit seinen Bewohnern im Sinne des Wortes “hautnah“.

Die Eisenbahnlinie FCE (Fianarantsoa-Côte Est) verbindet zweimal in der Woche die Verwaltungsstadt Fianarantsoa mit der Küstenstadt Manakara an der Südostküste der Insel und entsprechend zweimal zurück. Sie spielt eine unverzichtbare Rolle für die Land- sowie für die Stadtbewohner zwischen diesen beiden Regionen. Diese 163 km lange Bahnlinie mit 57 Tunneln und 67 Brücken wurde während der Kolonialzeit von 1926 bis 1936 gebaut.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Der langwierige und gefährliche Bau dauerte insgesamt 10 Jahre. Praktisch während der ganzen Bauzeit waren rund 5000 Männer, meist Zwangsarbeiter, beschäftigt. Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen, der unvermeidlichen Malaria-Krankheit und der mangelnden Versorgung starben leider mehrere tausend Arbeiter. Der ursprüngliche Zweck für die Franzosen beim Bau dieser Bahnlinie lag darin, die lokalen Produkte wie Kaffee, Kakao, Vanille, Pfeffer und die wertvollen Edelhölzer möglichst rasch zur Küstenstadt Manakara zu transportieren. Von dort aus wurden diese Exportwaren mit Schiffen zur florierenden Hafenstadt Tamatave weitertransportiert. Seit jener Zeit ist der sogenannte “Zug des Lebens“ in Betrieb und transportiert auch Kranke oder schwangere Frauen in die nächst grössere Ortschaft mit Krankenhaus und Entbindungsstation.

Die einzige alte Diesellok, die noch verkehrt, ist sehr reparaturbedürftig. Einige grün gestrichene Waggons kommen aus der Schweiz und die meisten rostigen Schwellen und Schienen sind Spenden aus der Schweiz oder sind Kriegsabgaben von Deutschland an Frankreich nach dem 1. Weltkrieg. Der Zug spielt noch immer eine grosse Rolle für die Bauern in dieser weitläufigen Region, denn die Zugstrecke ist die einzige Verkehrsverbindung für die von der Aussenwelt abgeschiedenen Dörfer. Die hier lebenden Merina-, Betsileo-, Tanala-, Betsimisaraka- und Antaimoro-Bauern sind von dieser Zugverbindung abhängig, denn dies ist die einzige Möglichkeit, ihre Waren in die nächsten grösseren Orte zu transportieren und zu verkaufen. Bemerkenswert ist der grosse Andrang der Landbewohner bei den Stopps an allen kleinen Bahnhofstationen. Dies beansprucht einen grossen Zeitaufwand für das Ein- und Aussteigen der Passagiere, das Umladen von Warenkartons und grossen Mengen an Produkten in Säcken, Kisten oder Körben. So wird die planmässige 10 Stunden Zugfahrt nicht immer eingehalten, aber hier hat es niemand wirklich eilig und auch die Reisegäste haben inzwischen das Motto “moramora in Madagaskar“ gut gelernt.


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Um die lange Schlange am Ticketschalter – besonders in der Hochsaison – zu vermeiden, ist es immer empfehlenswert, die Plätze und die Tickets im Voraus zu buchen. Für die erlebnisreiche Zugfahrt ab dem Hochland bucht man am besten einen Sitzplatz auf der linken Seite wegen der atemberaubenden Aussicht auf der Bergstrecke im Regenwald.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Mit lautem Hupen und Pfeifsignal setzt sich die alte Diesellok im Bahnhof von Fianarantsoa auf 1100 m Meereshöhe in Bewegung und fährt durch die dichten, frühmorgendlichen Nebelschwaden von Fianarantsoa. Die 2. Klasse-Waggons sind mit Passagieren und ihren riesigen Gepäckstücken bereits gut gefüllt. Der Zug schlängelt sich im Schneckentempo durch das weite Hochland mit den Reisfeldern in verschiedenen Grüntönen und durch die einzige Teeplantage Madagaskars. Der sehr begehrte Sahambavy Tee wird hier seit den 1970er-Jahren angebaut. Jährlich werden in der nahegelegenen Teefabrik rund 500 Tonnen Tee produziert und 80% davon werden ins Ausland exportiert.

Nach gut 25 Kilometern verlässt der Zug das Hochland und gleitet in gemächlichem Tempo hinab Richtung Ostküste. An jedem der Bahnhöfe warten die vielen Dorfbewohner sehnsüchtig auf den Zug, die Kinder schauen neugierig die Passagiere an und die fliegenden Händler bieten den Passagieren die verschiedenen Produkte der Region während der Zwischenstopps an: die süssen Mais- oder Bananenkuchen, eingewickelt in Bananenblätter, die knallroten Flusskrebse aus dem nahen Regenwald, die gebratenen Maniokstücke und Süsskartoffeln, die gegrillten Würstchen, die fritierten Hähnchen und die verschiedenen Saisonfrüchte, wie die diversen Bananensorten (ganzjährig), Mangos (Oktober-November), Litschees (November- Dezember), Avocados (Februar- April), Mandarinen und Orangen (Juni – August), Jackfrucht und wilde Goyaven (kurz nach der Regenzeit ab Februar bis Mai). Diese zahlreichen tropischen Früchte gedeihen sehr gut in dieser fruchtbaren und feuchtwarmen Region an Madagaskars Ostküste.

Ab dem Bahnhof Ranomena fängt der lange, steile Abstieg durch die abwechslungsreiche grüne Landschaft an. Der Zug fährt durch den dichten Bergregenwald und die Hügel, bedeckt mit den dekorativen Ravinala (Bäume der Reisenden). Die Aussicht auf die Berglandschaft, die beeindruckenden Wasserfälle, die zahlreichen Flüsse und kleinen Seen sind sehr spektakulär. Auf der weiteren Fahrt durchfährt die Bahn den längsten Tunnel mit 1072 Metern.

Nach ein paar Kilometern durchfahren wir das Siedlungsgebiet der “Tanala-Volksgruppe“, wörtlich bedeutet dies “der Volkstamm aus dem Regenwald“. Früher galten sie als die kleinste Bevölkerungsgruppe Madagaskars und waren bekannt, von den Produkten aus dem Wald zu leben, denn hier fanden sie alles, was sie im Alltag brauchten. Sie leben noch heute vom Honigsammeln, vom Holzfällen, vom Kaffee- und Reisanbau und vom Fischfang in den klaren Gebirgsflüssen. Dank des Artenreichtums im Urwald und seiner vielen medizinisch wirksamen Pflanzen haben die Tanala-Volksgruppen ein sehr grosses Wissen in Naturheilkunde gesammelt.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Nicht weit vom Bahnof in Andrambovato Bahnhof (auf Deutsch “am Fuss der Felsen“) liegt eine hohen Granitkuppe, von der der Name dieses malerischen Dorfes stammt. Dieses kleine Bergbauerndorf ist auch der Ausgangspunkt von Trekkingtouren durch den Primärwald mit schönen Kaskaden und durch idyllische Tanala-Dörfer. Das Donnern des spektakulären Wasserfalls von Mandriampotsy hören wir schon vom Weiten.

Langsam nähert sich der Zug dem grossen Bananenanbaugebiet auf dieser Bahnstrecke. Dieses Gebiet versorgt das ganze Jahr über die Region rund um die Stadt Fianarantsoa mit diesen leckeren Früchten. Viele Tonnen der grünen Bananenstauden liegen auf den Bahnsteigen und warten auf die nächste Transportgelegenheit. Diese Gegend ist auch bekannt für seinen Ingweranbau. Zwischen den Monaten Mai bis August wird dieses Gewürz geerntet und in vielen Gegenden rund um Fianarantsoa oder Manakara preiswert verkauft.

Meistens hält der Zug wegen der Mittagspause am Bahnhof Manampatrana wesentlich länger. Es ist ein grösserer Ort und hier werden auch viele Produkte ein- und ausgeladen. So ergibt sich für die Gäste die interessante Möglichkeit, den Bahnhof mit dem umliegenden Dorf zu erkunden und zu fotografieren. Dieser Ort liegt günstig im Zentrum der Kaffeeproduktion an der Südostküste der Insel, so muss man einfach die Gelegenheit nutzen und den starken und aromatischen Kaffee dieser Region probieren. Dies ist ein “Muss“ für passionierten Kaffeetrinker, denn er schmeckt wirklich köstlich. Bei dieser Gelegenheit kann man sich auch die Beine vertreten und das Mittagsessen in einem kleinen “Hotely“ oder in einer typischen madagassischen Garküche am Rand des Bahnhofs geniessen und sich natürlich mit den Einheimischen unterhalten. Dabei lernt man viel über ihren Alltag, ihre Sitten und Bräuche. Die Fotografen kommen voll auf ihre Kosten.

In den nächsten Bahnhöfen von Ionilahy, Mahabako und Fenomby dauern die Zwischenstopps wegen des Umladens auch etwas länger. Das Landschaftsbild in der Gegend ist von bunten, kleinen Obstplantagen geprägt und diese fruchtbare Gegend gilt als eine der grössten “Obstkammern“ Madagaskars. Die Bahnstrecke folgt dem Lauf des langen Faraony-Flusses und bietet wunderbare Panoramablicke Richtung Küstenebene. Viele Landbewohner nutzen den Fluss, um ihre Waren mit der Piroge zum nächstgelegenen Dorf zu transportieren. Er bewässert auch die Reiskulturen und die verschiedenen Obst- und Gemüsefelder in dieser Gegend.

Fianarantsoa bis Manakara mit dem Dschungelexpress
Ab dem Bahnhof Sahasinaka ändert sich die Landschaft schlagartig, das Klima hat sich verändert, wir merken schon die salzige Meeresluft, es ist warm und schwül geworden. Diese kleine Bahnstation hat ihr eigener Charme wegen des auffälligen bunten Marktes und den vielen Essbuden am Strassenrand. Jeden Donnerstag findet hier der grosse Markttag statt. Die zahlreichen Verkaufsstände sind voll mit tropischen Früchten, vor allem die Litschis, die süss und rot am Ende des Jahres in dieser Gegend geerntet werden. Auch Süsswasserfische vom Fluss Faraony werden reichlich auf dem Fischmarkt angeboten.

Kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die letzte Bahnstation von Antsaka, wo die Küstenebene beginnt. Die Bahnlinie durchfährt jetzt die letzten paar Kilometer geradlinig und die Asphaltstrasse RN12 verläuft parallel zur Bahnstrecke. Das Bahngleis kreuzt die Piste des Flugplatzes von Manakara und die ersten Kokospalmen verkünden den Passagieren, dass sie bald in der Küstenstadt Manakara eintreffen, hier ist das Land der Antaimoro- und Antesaka-Volksgruppen. Wir spüren endlich die angenehme und frische Meeresluft des nahen Indischen Ozeans. Am Endbahnhof Manakara warten ungeduldig die Rikschafahrer und die Autochauffeure auf die müden Fahrgäste.

Diese eindrucksvolle Bahnfahrt mit dem Dschungelexpress ist ein Highlight jeder Madagaskarreise, zwar fährt er “moramora“, bzw. “langsam“ oder “immer mit der Ruhe“, aber diese erlebnisreiche Zugfahrt verspricht jedem eine authentische Begegnung mit den Einheimischen.

Dezember 2020, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch